Wachsende Müllberge, Klimawandel, eine drohende Energiekrise: Es scheint wichtiger denn je, dass der Wechsel von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft gelingt. Doch von einer ressourcenschonenden Wirtschaft scheint die Welt noch weit entfernt. Das beweisen Kunststoffprodukte. 6,28 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle fielen 2019 allein in Deutschland an (Quelle: Umweltbundesamt). Das Problem: Ein Großteil des Kunststoffs landet in der Verbrennung. Nur 16 Prozent wird zu Rezyklat (Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung).
Einer der Gründe für die geringe Quote: Es ist bislang nur schwern möglich, aus dem Rezyklat wieder hochvollwertige Produkte herzustellen – jenseits von Müllsäcken oder dickwandigen Spritzgussteilen. Dafür trennen Sortieranlagen die Kunststoffe nicht sortenrein genug. Hersteller sehen oft noch keine Notwendigkeit in der Verarbeitung von Rezyklat gegenüber Neumaterial. Der politische und gesellschaftliche Druck nimmt aber zu.
Der Digitale Produktpass wird von Seiten der EU als technische Maßnahme zur Etablierung der Kreislaufwirtschaft gefordert, Rezyklatquoten werden vorgeschrieben und Verbraucher legen Wert auf nachhaltige Produkte. Das System der Verwertung (Aufbereitung und Einsatz der Rezyklate) muss sich in seiner Ausrichtung und Philosophie deutlich umstellen.
Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur die Entsorger von Kunststoffabfällen, sondern alle Abfallbranchen. Die Abfallverwertung muss sich quasi entgegen der Entsorgungsrichtung der Abfallmassenströme auf die Erfordernisse der Industrie ausrichten. Letztendlich gilt es, hochwertige sekundäre Rohstoffe zu produzieren, die möglichst weit den Eigenschaften der klassischen in der Produktion eingesetzten primären Rohstoffe entsprechen sollten, so dass weder an der Produktion noch an den Produkteigenschaften Änderungen vorgenommen werden müssen. Der Hersteller entscheidet sich, einen Anteil seiner Rohstoffe aus der Kreislaufwirtschaft zu beziehen, da diese seine Spezifikationen erfüllen. Dies ist im direkten Austausch zwischen Aufbereiter, der Regranulate herstellt, und Produzent und damit für den Einzelfall zu erreichen.
Für den Aufbereiter bedeutet dies im zweiten Schritt, dass er seine Prozesse auf dieses Produktionsziel ausrichten muss. Dies bedeutet damit eine Optimierung der Technik, aber auch eine Definition der Zusammensetzung und Eigenschaften der Materialien, die er zur Aufbereitung übernimmt. Das diskutierten wir in einem Sohn@Sohn-Roundtable mit Experten aus dem Maschinenbau: Michael Baumeister, COO von Brückner Maschinenbau; Guido Frohnhaus, technischer Geschäftsführer von Arburg; Thomas Hartkaemper, CEO von Kautex Maschinenbau; Bernd Reifenhäuser, CEO der Reifenhäuser Group; Guido Spix, Group President der Multivac-Gruppe. Moderation: Gunnar Sohn.
Auch die Umweltministerien von Bund und Ländern haben einen Katalog vorgelegt, wie man das Kunststoffrecycling verbessern kann. Unser Roundtable kommt also genau zur richtigen Zeit.
„Wie kann das Recycling von Kunststoffen forciert werden? Zahlreiche Ideen dazu zeigt der Abschlussbericht der Sonderarbeitsgruppe ‚Rezyklateinsatz stärken‘ (RESAG) der Umweltministerkonferenz. Die Konferenz hat den Bericht zur Veröffentlichung freigegeben. Bis Ende Januar hatten über 120 Experten aus Wirtschaft, Forschung in zahlreichen Arbeitssitzungen unter Leitung der Umweltministerien aus Brandenburg und Baden-Württemberg an dem Abschlussbericht gearbeitet“, schreibt Lang.
Herausgekommen sei eine umfangreiche Vorschlagsliste für Maßnahmen, die den bisher zu spärlichen Einsatz von Kunststoffrezyklaten möglichst kurzfristig verbessern bzw. die stoffliche Verwertung von Kunststoffabfällen insgesamt stärken können.
Die ökologische Dimension des Kunststoffrecyclings ist erheblich: So vermeidet jede Tonne Recyclingkunststoff, die anstelle von Neuware zum Einsatz kommt, zwischen 1,4 bis 3,2 Tonnen CO2-Äquivalente. Das bedeutet, dass durch den Einsatz von Rezyklaten schon heute jährlich zwischen 2,7 bis 6,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in Deutschland vermieden werden. Als Vergleich: Dies entspricht ungefähr der zwei- bis dreifachen Menge an Treibhausgasen, die der gesamte innerdeutsche Luftverkehr erzeugt“, berichtet Euwid.
Gleich mit der ersten „Best of-Forderung“ werde ein heißes Eisen angefasst, an dem sich die vorletzte Bundesregierung bereits die Zähne ausgebissen hatte: „Die bundeseinheitliche Wertstoffsammlung. Vorgeschlagen wird eine gesetzliche Regelung, die ‚Kunststoffgesetz‘ oder ‚Rohstoffsicherungsgesetz‘ heißen könnte. Sie sollte als bundesweiter Standard Sondersammelmodelle und kreisindividuelle Lösungen ausschließen, jedoch bewährte von Herstellern getragene Rücknahmesysteme weiterhin berücksichtigen. In ergänzenden Vorschlägen zur Wertstofftonne werden die Ausweitung der Sammlungen und Sortierung auf stoffgleiche Nichtverpackungen im Rahmen der häuslichen Siedlungsabfälle und an vergleichbaren Anfallstellen genannt. Die Sortierung und Verwertung wird dabei an Mindestquoten für Kunststoffe gekoppelt. Zudem wird die Ausweitung der Systembeteiligungspflicht auf gewerbliche Verpackungen vorgeschlagen. Dadurch könne die komplexe Abgrenzung zwischen Verpackungen von vergleichbaren Anfallstellen und gewerblichen Verpackungen entfallen. Die Gretchenfrage, wer für die Entsorgung konkret zuständig sein soll, klammert die RESAG jedoch aus“, erläutert Euwid.
Wir werden das in zwei weiteren Roundtable-Gesprächen vertiefen – in Bonn und in Brüssel. Wer von der fachlichen Seite daran teilnehmen möchte, möge sich bei mir melden.
„Zu Beginn der Pandemie ließ sich noch vieles entschuldigen: Der Stand der Digitalisierung in den Gesundheitsämtern war zwar damals schon beschämend, aber die paar Tuberkulose-Fälle im Jahr konnten die Mitarbeiter auch mithilfe einer Excel-Tabelle und einigen Telefonaten bewältigen. Mit einer solchen Flut von Infizierten wie in der Corona-Pandemie konnte keiner rechnen, entsprechend groß war das Verständnis für die Lage. Mehr als zwei Jahre später steht jedoch fest: Es hat sich kaum etwas verändert, die Probleme sind noch immer die gleichen. Eine einheitliche und effektive Lösung, auf die sich alle einigen können, gibt es nicht“, kommentiert die FAZ-Redakteurin Corinna Burdas.
Das reiht sich ein in die vielen netzpolitischen Versäumnisse der Bundesregierung in den vergangenen 24 Jahren – also von 1998 bis heute. Digitale Inkompetenz steuerten dabei die unterschiedlichsten Regierungsparteien bei: SPD, Grüne, FDP und die Unionsparteien.
Seit dieser Zeit begleite ich das Phantasie-Gebilde namens #DigitalerStaat. So schrieb ich im Dezember 2007:
Nach dem Willen der Bundesregierung soll Deutschland bei der IKT-gestützten Verwaltung und Justiz bis zum Jahr 2010 unter den ersten Plätzen in Europa rangieren. Die elektronische Erreichbarkeit aller öffentlicher Behörden erfordere eine gemeinsame Netzinfrastruktur von Bund, Ländern und Kommunen, heißt es in der Hannoverschen Erklärung, die Merkel zusammen mit der IT-Branche auf dem IT-Gipfel verabschiedet hat (heißt ja mittlerweile Digital Gipfel, lach). Der IT-Beauftragte – auch als Bundes-CIO (Chief Information Officer) bezeichnet – wird als Vorsitzender der IT-Beauftragten aller Fachministerien auch das neue politische Gremium IT-Steuerungsgruppe des Bundes leiten. Im Wesentlichen koordinierend wird der erste Bundes-CIO Beus an allen Gesetzgebungsverfahren beteiligt sein, die IT-Fragen der Bundesverwaltung betreffen. Im Mittelstand hält man diese Maßnahem für unzureichend: Es sei völlig sinnlos, einen Bundesbeauftragten für IT-Fragen oder Bundes-CIO zu installieren.
„So viel Kompetenzen kann man dieser Position gar nicht verschaffen, um das IT-Management der Bundesverwaltung auf Vordermann zu bringen und die Abstimmungen mit den Ländern zu verbessern. Der Kompromissvorschlag von Merkel, ein Gremium unter Führung von Innenstaatssekretär Beus einzusetzen, ist reine Placebo-Politik. Beus war verantwortlich für die eGovernment-Initiative ‚BundOnline 2005’ http://www.staat-modern.de und dies bemerkenswert erfolglos. Da sind fast nur Totgeburten herausgekommen“, kritisierte damals Michael Müller, Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).
An dem IT-Kuddelmuddel des Bundes werde sich nichts ändern: Dies beruhe nicht auf der Unfähigkeit der einzelnen Ministerien, die Projekte sinnvoll zu planen und umzusetzen, sondern an der bürokratischen Verwaltung. Die notwendige Kooperation der Ministerien scheitere an dem Gezerre um Zuständigkeiten, Kompetenzgerangel oder schlichtweg an lethargischen Oberamtsräten: „Da braucht man sich nur das Verteidigungsministerium anschauen. Die schreiben seit Jahren lieber wöchentlich lange Berichte, warum sie etwas nicht können, statt es einfach zu tun. Die Hausleitungen der Ministerien sind dabei erstaunlich leidenschaftslos, woran auch ein Bundes-CIO nichts ändern wird. Die Ressorts lassen sich nicht gerne etwas von einem anderen Haus sagen. Das nennt man dann Ressortbefindlichkeit. Und die Hausleitungen kümmern sich um das Tagesgeschäft, wenig um die Informationstechnik“, monierte Müller.
Um die Ressorts zu sinnvollen Kooperationen zu bewegen, seien in der Vergangenheit Kabinettsbeschlüsse erlassen worden, die in den wenigsten Fällen tatsächlich umgesetzt wurden. „Am grünen Kabinettstisch haben die Damen und Herren so lange an den Vorlagen herumgefingert, bis jeder Beschluss so viele Schlupflöcher geboten hat, dass sich letztlich keiner daran halten musste“, so Müller. Beispiel für die Schlupflochformulierungen. „Das Projekt ist einzuführen, es sei denn wirtschaftliche, technische oder organisatorische Gründe sprechen dagegen“.
Fragwürdig sei dabei die Rolle von McKinsey als Haus- und Hofberater des Bundes. „Für schrecklich viel Geld saßen und sitzen die teuren Nadelstreifenjungs im Bundesinnenministerium und jedes BundOnline-Projekt hat einen eigenen McKinsey-Berater. Legitime Frage: was machen die denn da, dass es eine zweite Studie braucht, um vorzuschlagen, einen Bundes-CIO zu installieren? Attestieren die sich nicht ihr eigenes Versagen“, fragt sich Müller.
Um eine ordentliche IT-Strategie des Bundes zu etablieren, müsse man die Projektverantwortlichen der einzelnen Häuser stärken. „Dazu gehören ressortübergreifende Kompetenzen. Und diese können nur durch einen entsprechenden Kabinettsbeschluss auf den Weg gebracht werden, der ohne Schlupflöcher verpflichtend ist. So und nicht anders funktioniert Verwaltung. All dies weiß die Kanzlerin – der Bundes-CIO ist eine Lutschpastille“, resümierte der IT-Fachmann Müller.
Hat sich was verändert? NEEEEEEEE!
Siehe auch die netzpolitische Analyse von Markus Beckedahl auf der re:publica in diesem Jahr:
Was wir zur Bekämpfung der Corona-Pandemie brauchen, hat Professor Grönemeyer auf der Zukunft Personal Süd skizziert:
Vorbereitung auf eine Diskussion am Mittwochabend, die ich wohl aus dem Zug bestreiten muss, da ich da auf dem Rückweg von Hamburg bin.
Die Kombination vorhandener Fähigkeiten mit neuen Technologien über Plattformen ist vielleicht eine Rezeptur, um wirtschaftlich innovativ zu sein. Ist das disruptiv? Nach der Theorie nicht so ganz. Aber es ist schlau und entspricht der Innovationstheorie von Joseph Schumpeter. Der Ökonom wird ständig reduziert auf den Begriff der kreativen Zerstörung. Dabei bietet Schumpeter mehr. Er kritisiert die statischen Unternehmer, die nicht in der Lage ist, mit Neuem zu experimentieren.
Als zweite Gruppe definiert Schumpeter Menschen, die zwar mit einer scharfen und beweglichen Intelligenz ausgestattet sind, zahllose Kombinationen und neue Ideen entdecken, dieses Wissen am Markt aber nicht durchsetzen.
Dann gibt es eine dritte, minoritäre Gruppe, die selbst- oder fremdproduziertes Wissen in neuen Kombinationen durchsetzt. Dieser dynamische Typus orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern erzeugt neue Märkte und neue Nachfrage. Also Steve-Jobs-Unternehmer.
Die meisten Wirtschaftsakteure beschränken sich auf die Aufrechterhaltung von Routinen. Insofern liegt wohl der Ökonom Lutz Becker richtig, dass es eher auf die Denkhaltung ankommt und nicht auf die betriebswirtschaftliche Brille der Disruptionstheorie.
Kasten
Disruptionstheorie von Clayton Christensen
1. Disruptive Innovatoren können sich in der ersten Phase auf die weniger anspruchsvolle Klientel konzentrieren und Angebote machen, die gerade noch gut genug sind. Erst danach bewegen sich die Startups in den Mainstream-Markt, ein Prozess, der bei den Discountern gut zu beobachten ist.
2. Ein disruptiver Innovator kann auch einen völlig neuen Markt schaffen, wie mit dem iPhone und dem App-Ökosystem von Apple für die Etablierung des mobilen Internets.
In der „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ schreibt Schumpeter:
„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“
Kombinatoriker müssen keine Erfinder sein
Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Steve Jobs und seine Entwickler folgten konsequent dem Less-and-More-Diktum des legendären Industriedesigners Dieter Ram, der in den 1960er und 1970er Jahre bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugte neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das mobile Internet und für den Tablet-Markt gelungen.
Gelingt so etwas mit staatlicher Innovationspolitik:
Verrückte Persönlichkeiten vonnöten
Dazu braucht man charismatische und ein wenig verrückte Persönlichkeiten, die Neues durchsetzen, intelligenter organisieren und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Es sind nicht nur Unternehmer oder Unternehmerinnen, die das schaffen, sondern auch Beamte wie der Generalpostmeister Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts unter Reichskanzler Otto von Bismarck aus Berlin ein Silicon Valley der Telekommunikation machte. Er erfand die Postkarte, gründete die Reichsdruckerei, das Postmuseum (heute: Museum für Kommunikation) sowie den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein) und forcierte erst in Deutschland, dann in der ganzen Welt den Aufbau der modernen Telegraphie. Stephan erkannte als einer der Ersten die politische und wirtschaftliche Relevanz des Telefons als Medium der Echtzeit-Kommunikation. Welche Persönlichkeiten brauchen wir für Innovationen? Wolf Lotter hat einige ins Spiel gebracht, die man möglichst meiden sollte.
Etwa Propheten, die es in Glaubensgemeinschaften, in der Dogmatik und in der Ideologie gibt. „Entweder Du machst mit oder Du landest in der Hölle. Ich bin gut und Du bist böse, hier ist mein Evangelium. Das sind die nicht sehr anschlussfähigen Damen und Herren, die in ihren Bubbles leben und den anderen die Welt erklären“, so Lotter.
innovate or die-Gelaber
Es sind Bühnenkünstler, die von Disruption und kreativer Zerstörung labern, aber Clayton M. Christensen oder Schumpeter nie im Original gelesen haben. Es sind alarmistische Lautsprecher, die vom Darwinismus schwadronieren, aber die Evolutionstheorie schlicht nicht verstehen. Als weiteren Vertreter der Innovationstypologie benennt Lotter den Eroberer. Er folgt dem Propheten auf dem Fuß und erklärt Innovationen zum Maß der Dinge. Religionskriege, ideologische Eroberungen aber auch die darwinistische Variante des „innovate or die“ sind sein Credo. „Wer sich nicht digitalisiert, ist von gestern und dessen Unternehmen wird sterben. Das sind die Sprüche, die wir kennen“, erläutert Lotter. Artificial intelligence sofort einführen und zum Segen der Industrie erklären. Wer noch ein paar Fragen zur Sinnhaftigkeit hat, ist von vorgestern und hat nichts kapiert.
Fragen zur Intelligenz nicht erwünscht
Dass mit der Unterscheidung von natürlicher und künstlicher Intelligenz noch nicht alles geklärt ist, sei dahingestellt. Auch das Rätselraten von Biologen und Neurologen bei der Erklärung von natürlicher Intelligenz darf die KI-Verkäufer nicht stören. Alles nur Marketinggeschwurbel, kritisiert Lotter. Selbst Erfinder werden uns wohl nicht mit volkswirtschaftlich relevanten Sprunginnovationen beglücken. Sie verbohren sich in ihrem Fach, so Lotter. Ihre Metamorphose endet im Fachidiotentum.
Ich habe Patente, also bin ich?
Das systematische und planmäßige Erfinden in Konzernen produziert nach Auffassung von Lotter zuverlässig eine Vielzahl an Patententen und Rechten, der Wirksamkeit allerdings fraglich ist. Da helfen dann auch nicht Erbsenzählereien in irgendwelchen Studien zur KI-Forschung weiter. Lotter verweist auf die amerikanische Innovationsforscherin Rosabeth Moss Kanter, die dieses Dilemma sehr schön auf den Punkt bringt: Meistens folgen den großartigen Innovationsankündigungen mittelmäßige Ausführungen, die anämische Resultate nach sich ziehen. Irgendwann schlägt dann das Controlling zu. Moss Kanter nennt diese Vertreter „Innovations-Ersticker“. Welche Typologien sind besser?
Lotter nennt sie Erkenner und Ermöglicher. Also Persönlichkeiten, die Ideen aufsaugen, orchestrieren und kombinieren. Sie führen keinen Krieg gegen Talente, sie belohnen nicht Opportunismus, sondern Individualismus.
Kann sich eigentlich einer noch an diese Geschichte erinnern? Die europäische Antwort auf Google sollte Quaero sein – doch das vollmundig rausposaunte deutsch-französische Prestigeprojekt ist kläglich in die Hose gegangen. Wie soll also etwas in Europa gelingen, was vor fünf Jahren schon nicht klappte? Übrig geblieben ist das deutsche Forschungsprogramm Theseus – auch da ist bislang der Durchbruch nicht gelungen.
Der frühere französische Staatspräsident Chirac startete 2006 das Projekt Quaero mit großem Getöse, um die erste „wahre multimediale Suchmaschine“ in Europa auf die Beine zu stellen. Es sollte nicht nur Texte, sondern auch Musik oder Bilder finden. Die Suchergebnisse sollten auf Computern, Mobiltelefonen und Fernsehen in mehreren Sprachen angezeigt werden können. In den Internetforen und Branchenkreisen wurde das Projekt von Anfang an skeptisch gesehen, denn bei Google arbeiten mehrere tausend Softwareentwickler an der stetigen Verbesserung der Suchmaschine. Schon damals war klar, dass man den Vorsprung von Google mit einem staatlich geförderten Projekt nicht einholen könne.
Wie war das mit UMTS?
Als sich der Mobilfunkstandard UMTS im Jahr 2008 auf dem deutschen Massenmarkt durchsetzte, etablierte sich auch das mobile Internet im Alltag, formulierte damals der Dienst Statista, was natürlich großer Humbug ist. Als im Jahr 2000 der große Run auf die UMTS-Lizenzen stattfand, träumten die Netzbetreiber vom mobilen Surfen, Location Based Services und Navigationssystemen auf Smartphones, mobilem Payment und vielfältigem M-Commerce. Jeder Versuch scheiterte bereits in der Produktentwicklung, werthaltigen Content bereit zu stellen. Display-Logos und Klingeltöne stellten den einzigen mobilen Content dar, für den bezahlt wurde.
Was 2008 statistisch messbar wurde und exponentiell gewachsen ist, lag nicht an UMTS, sondern hängt mit einem Datum zusammen: Es geht um den 9. Januar 2007. Apple stellte an diesem Tag der Öffentlichkeit einen Prototyp des iPhones auf seiner Macworld Conference & Expo in San Francisco vor. Erst seit dem iPhone-Marktstart reden wir intensiv über 3G, 4G, 5G, Apps und Datendienste.
Was positiv ist: Gründungstätigkeit 2021 zurück auf Vorkrisenniveau: mehr Chancengründungen, mehr Jüngere, mehr Gründerinnen.
Kommentar der Chefvolkswirtin der KfW
„Die Gründungstätigkeit in Deutschland hat den Corona-Knick überwunden und liegt 2021 wieder auf dem Vorkrisenniveau. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich: Die Erholung ist sehr erfreulich, dazu kommt dass das Gründungsgeschehen jetzt jünger, weiblicher, und digitaler ist. Allerdings befinden uns aufgrund des langjährigen Abwärtstrends auf einem sehr niedrigen Niveau. Es ist weit entfernt von seinem Höchststand zu Beginn der 2000er Jahre. Neben dem lang anhaltenden Boom des Arbeitsmarkts, der potenziellen Gründern und Gründerinnen attraktive Jobalternativen bot, spielt die demografische Entwicklung hierfür die Hauptrolle: Wir sind eine alternde Gesellschaft, und mit steigendem Alter nimmt der Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit ab. Ein reges Gründungsgeschehen ist jedoch volkswirtschaftlich wünschenswert. Existenzgründer beleben den Wettbewerb und haben für die Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaft eine besondere Bedeutung. Sie zwingen die etablierten Unternehmen dazu, sich ständig auf den Prüfstand zu stellen und das Beste aus sich herauszuholen.Verbraucher profitieren von günstigeren Preisen und neuen Produkten oder Dienstleistungen, moderne Technologien sorgen für höhere Effizienz und erschließen neue Märkte, innovative und digitale Gründungen treiben die Transformation der Wirtschaft voran. Und letztlich schaffen Gründende auch nachhaltig Arbeitsplätze. Die Förderung von Gründungen und der Abbau von Gründungshemmnissen muss deshalb weiter eine hohe Priorität in der Wirtschaftspolitik haben“, Dr. Fritzi Köhler-Geib.
Ein reges Gründungsgeschehen ist volkswirtschaftlich wünschenswert. Denn Gründerinnen und Gründer halten den Wettbewerb am Leben. So zwingen Sie etablierte Unternehmen dazu, sich ständig auf den Prüfstand zu stellen und das Beste aus sich herauszuholen. Verbraucher profitieren davon, indem der ausgeübte Preisdruck Waren und Dienstleistungen günstiger oder ein Angebot sogar erst für sie erhältlich macht. Neue Technologien helfen dabei, dass Märkte noch effizienter bedient oder Märkte und Geschäftsmodelle gänzlich neu geschaffen werden können. Innovative und digitale Gründungen treiben so den modernisierenden strukturellen Wandel voran. Sie haben deshalb für die Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaft eine besondere Bedeutung. Das trifft auch auf Wachstumsgründungen zu, bei denen der Anspruch ist, „so groß wie möglich“ zu werden. Denn mit diesen ist die Hoffnung verbunden, dass sie langfristig als Arbeitgeber einen nachhaltigen Beschäftigungsbeitrag leisten.
Man hört, sieht und streamt sich am Mittwoch um 18 Uhr. Mal schauen, ob die Verbindung aus dem ICE klappt.
„Da hatte die von Sattelberger vorangetriebene Gründung der Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI) einen weiteren empfindlichen Rückschlag erlitten. Schon vor Wochen hatte das Finanzministerium von Christian Lindner (ebenfalls FDP) initiiert, dass vom Budget für die geplante Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) dieses Jahr 15 Millionen Euro gesperrt werden sollten – bis zur Vorlage eines ’schlüssigen Konzepts‘. Gestern dann stellten die Bundestagshaushälter – unter Mitwirkung der FDP-Abgeordneten – weitere Bedingungen: Nur wenn der Haushaltsausschuss zustimme, dürfe das Geld vom Finanzministerium entsperrt werden. Sattelberger, der sich persönlich so für die DATI exponiert hatte, dürfte diese Entscheidung empört haben. War das für ihn der erreichte Punkt, von dem er heute etwas nebulös sprach? Auch der bereits 2019 gegründeten Agentur für Sprunginnovation (SPRIND) sperrte der Haushaltsausschuss in seiner Bereinigungssitzung einen erheblichen Teil der Ausgaben. Dem Vernehmen nach 20 Prozent. Sie soll es erst geben, wenn eine Evaluation der bisherigen Tätigkeit von SPRIND vorliegt – und auf der Basis ein Bericht über die geplante Weiterentwicklung.*
Von DATI halte ich auch nichts. Aber wenige Monate nach Vorstellung des Koalitionsvertrag sind solche haushaltspolitischen Bremsen bei den Innovationsvorhaben schon bemerkenswert. Wer von notwendigen Evaluationen spricht und notwendigen schlüssigen Konzepten spricht, bereitet Begräbnisse zweiter Klasse vor.
Professor Benedikt Hackl sprach vor einigen Jahren beim HR-Festival auf der re:publica von einer verhängnisvollen Zahnradlogik, die in vielen Organisationen das Tagesgeschäft dominiert.
Es werden mit analogen und digitalen Instrumenten Regel-Befolgungs-Automaten herangezüchtet: „Fast überwunden geglaubte Herrschaftsformen leben wieder auf und verschärfen sich teilweise in Form von Benchmarking- und anderer Evaluationspraktiken. Im Grunde hat der Taylorismus nur eine andere Form angenommen und sich vertieft“, mahnt Reinhard K. Sprenger in seinem Buch mit dem vielsagenden Titel „Das anständige Unternehmen“, erschienen im DVA-Verlag.
Mitarbeiter-Bashing mit Monitoring-Systemen
Freiräume werden immer mehr eingeengt, die letztlich in massiven Freiheitsbeschränkungen münden. Was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am meisten runterzieht, sei nach Auffassung von Sprenger nicht das offene Misstrauen der Vorgesetzten: „Es ist das Pseudovertrauen, das knitterfreie, korrekt-opportune Verbalvertrauen, das mit der Forderung nach Transparenz einhergeht und sich dadurch ad absurdum führt.“
Man sagt seinem Gegenüber nicht mehr offen die Meinung, sondern versteckt die Giftpfeil-Attacken gegen Untergebene hinter Reporting- und Monitoring-Systemen. Denn Zahlen können ja nicht lügen – kleiner Scherz.
Mit Ethik-Seminaren zum betreuten Arbeiten
Mit den Tabula rasa-Steuerungsmethoden zerschlägt man das individuelle Anderssein. Jede Abweichung von einer Norm wird pathologisiert. „Dahinter steckt eine weit verbreitete Optimierungsideologie“, so Sprenger, der von einer Pädagogisierung der Unternehmensführung spricht. Unterschiede werden über das Personalmanagement wegtherapiert. Übrig bleibt eine geschmeidige Formmasse, die einer Sekte sehr nahe kommt. Dazu zählt Sprenger auch Mitarbeiterbefragungen, Ethik-Seminare oder ganzheitlich-idiotische Feedback-Rituale, die zur Entmündigung des Menschen beitragen. Übrig bleibt „betreutes Arbeiten“. Es werden immer mehr Distanzen und Freiräume verschüttet, die sich mit menschlichem Anstand nicht vereinbaren lassen. Die Distanzlosigkeiten werden als solche oft gar nicht wahrgenommen und falls doch, werden sie als Fürsorge und Hilfe interpretiert. „Aber der Preis ist hoch. Man lebt wie unter einer Glasglocke“, führt Sprenger im Welt-Interview aus.
Mechanistisches Denken in der Wissenschaft und im Management
Hinter den „Managementmoden“ steckt nicht Ansicht von Professor Rupert Hagenzagl ein mechanistisches Verständnis der Wirtschaftswelt: „Diese an die Naturwissenschaften angelehnten simplen Organisationsvorstellungen sind aber auch Grundlage der Betriebswirtschaftslehre und des Bürokratismus.“
Aufgrund der extremen Vereinfachungen, besonders bei der Abbildung sozialer Realitäten, sei die BWL aber nicht in der Lage, komplexe soziale Vorgänge auch nur annähernd abzubilden. Die Einfachheit des Organisationsverständnisses der BWL macht sie für die Prediger von Managementmoden so attraktiv. „Das umso mehr, als das Weltbild der mechanistischen Theorien sich gut mit der atheoretischen Praxis deckt. Auf der Strecke bleiben Manager, die versuchen, überwiegend auf Basis der BWL-dominierten akademischen Managerausbildung ihre Unternehmen zu steuern“, kritisiert Hagenzagl. Die dürftige theoretische Durchdringung des ökonomischen Geschehens mit pseudo-rationalen Modellen kompensieren Führungskräfte mit dem Einsatz von Macht und steigern damit die Bürokratisierung ihrer Organisationen.
In Lehre, Praxis und in der Politik dominieren Aufzählungs-Friedhöfe, moniert Axel Gloger in seinem Opus „Betriebswirtschaftsleere – Wem nützt die BWL noch?“. Je stärker das Kästchendenken die Regentschaft in Organisationen prägt, desto geistloser funktioniert das System. In diesem Sperrgut der Leerformeln gedeihen Kontroll-Biotope, Misstrauen, ermüdende Rechtfertigungs-Meetings und gefälschte Erfolgsmeldungen.
Akademisches Wissen und eine Ausbildung, die eine Profession begründen, fehlen dem Management, so das ernüchternde Resümee von Hagenzagl: „Würden Sie zu einem Arzt gehen, der im Vorberuf Fleischhauer war und dann vielleicht in drei einwöchigen ‚Arzt Development-Ausbildungen’ Praxisvorstellungen vermittelt bekommt? Für Manager inmitten ihrer komplexen Umwelt ist eine derartige Karriere aber leider viel zu häufig Realität.“
Das gilt übrigens auch für jene Zeitgenossen, die sich als digital-transformatorisch-darwinistische Bühnenredner in Szene setzen. Auch sie singen das BWL-Lied der Optimierung und der Effizienz-Hubererei. Es ist altes Denken in digitalen Schläuchen, so der Einwand von Ole Wintermann von der Bertelsmann-Stiftung.
Wo lernt man Disruption?
Der ökonomische Mainstream – ob nun in der BWL oder in der VWL – versagt kläglich bei der theoretischen Fundierung von Entwicklungsdynamiken. Und das ist nach dem Philosophen Immanuel Kant eben keine gute Theorie – eine Theorie mit der sich praktisch arbeiten ließe, um Entwicklung zu fördern.
Die herrschende ökonomische Lehre bietet nichts an, um Entwicklungsprozesse zu erklären oder anzustoßen: „Sie ist leer und nichtssagend, soweit sie richtig ist, und falsch, soweit sie etwas sagt“, schreibt der Joseph Schumpeter in seiner Entwicklungstheorie vor über hundert Jahren. In dieser Sichtweise dominiert das Routineunternehmen:
„Es ist das Anwenden dessen, was man gelernt hat, das Arbeiten auf den überkommenden Grundlagen, das Tun dessen, was alle tun. Auf diese Art wird nie ‚Neues‘ geschaffen, kommt es zu keiner eigenen Entwicklung jedes Gebietes, gibt es nur passives Anpassen und Konsequenzenziehen aus Daten“, bemerkt Schumpeter.
Kein Unternehmen könne dauerhaft existieren und keine Volkswirtschaft den Lebensstandard ihrer Bürger erhalten, geschweige denn erhöhen, wenn nur die Kosten verringert, aber keine neuen Märkte mit neuen Gütern erschlossen werden, warnt der Schumpeter-Forscher Jochen Röpke:
„An welchen Universitäten, in welchem MBA-Programm lernt man Disruption? Und disruptiv wollen die Absolventen auch nicht tätig sein, sonst würden sie nicht in die ‚Industrie’ gehen, sondern ihr eigenes Unternehmen hochziehen. Ihr universitäres Wissen ist ausgerichtet auf die Problemfälle inkrementellen Managements“, schreibt Röpke in seinem Buch „Reisen in die Zukunft kapitalistischer Systeme (Co-Autor Ying Xia). Wirkliche Innovationen, Neukombinationen und umwälzende technische Erfindungen gehen in erster Linie von neuen Unternehmen aus. Und nicht von der Bundesregierung. Mit dem Evaluationsbürokratismus für Innovationen habe ich ja eine schöne Steilvorlage bekommen für meinen Vortrag bei D2030.
Thema der #ZPSpätschicht in Hamburg auf der #ZPNord:
Prävention als Mittel der Gesundheitsförderung und Mitarbeiterbindung in Medizin und Pflege. Teilnehmende: Nathalie Vivien Petersen, Spezialistin für Betriebliche Krankenversicherung, Faktor Mensch GmbH; Marcell Jansen, Weltfußballer und Unternehmer, HEY HEALTH GmbH, HSV-Präsident; Fritjof Nelting, Geschäftsführer, Gezeiten Haus Holding GmbH.
Alles ist möglich. Livetalks, Einspieler, Panel-Debatten, Außenreportagen, Unternehmensporträt und dergleichen. Alles via Ecamm Live im Multistream. Orga liegt bei Constantin SohnChristoph Krause und mir. Kooperation mit Mittelstand Digital. Start um 10 Uhr am 25. Mai.
Einfach eine Zeit überlegen in den Mittags- oder Nachmittagsstunden. Wir wollen insgesamt so vier bis fünf Stunden am Stück senden. Sendezentrale ist Bonn-Duisdorf. Dort begleiten wir das Ganze. Direkt bei mir melden: 01776204474 oder gunnareriksohn@gmail.com oder hier einen Kommentar abgeben unten.
Die „doppelte Transformation“, die gleichzeitige Umstellung von Energie- und Rohstoffversorgung auf nachhaltige Quellen und die vollständige Digitalisierung gesamter Wertschöpfungsketten, stellt die europäische Wirtschaft vor große Herausforderungen. Insbesondere der strukturprägende Mittelstand hat trotz erfolgreichen Wirtschaftens vor der Coronakrise weder ausreichendes Kapital noch genügend personelle Kapazitäten, um beide Transformationsstränge mit der notwendigen Geschwindigkeit und technologischen Tiefe voranzutreiben.
Dies ist gravierend, da umfangreiche technologische Unsicherheiten der Transformation bestehen: Antworten auf zentrale technologische Fragen wie nach den zukünftigen Antriebstechnologien in der Automobilwirtschaft, nach dem Internet der Dinge im Maschinenbau, nach klimaneutralem wie wirtschaftlichem Energiebezug und nach nachhaltigen Rohstoffquellen für die chemische Industrie sind noch offen und stellen daher bedeutsame technologische Risiken dar.
Die geopolitischen Herausforderungen bei der Energiebeschaffung, Lieferketten-Probleme, Inflation, Rohstoffknappheit und dergleichen kommen noch hinzu.
Vorher war Growitsch von Januar 2020 bis April 2021 Direktor Industrielösungen im Vorstandsbereich Technologiemarketing und Geschäftsmodelle in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München. Von 2018 bis 2019 war er stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer IMWS, von Mitte 2017 bis 2019 leitete er zudem das Center for Economics of Materials CEM in Halle (Saale), das seit Anfang 2020 Außenstelle des Fraunhofer IMW ist.
Eine Vorabauswertung des aktuellen KfW-Gründungsmonitors zeigt: Die Gründungstätigkeit in Deutschland hat im Jahr 2021 den Rückgang des Jahres 2020 wettgemacht und liegt wieder auf Vor-Corona-Niveau. Mit 607.000 Existenzgründungen haben sich 70.000 mehr Menschen selbstständig gemacht als 2020. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent. Die Gründungsquote ist auf 119 Gründungen je 10.000 Menschen im Alter von 18–64 Jahren gestiegen.
Die Gründungstätigkeit ist sowohl im Voll- als auch im Nebenerwerb angestiegen. Ausgehend von ihrem bisherigen Tiefpunkt legte die Zahl der Vollerwerbsgründungen auf 236.000 zu, die Zahl der Nebenerwerbsgründungen auf 371.000.
Die meisten Existenzgründungen sind zum einen Neugründungen und zum anderen Sologründungen. Gegründet von nur einer Person gab es die Unternehmen also rechtlich wie organisatorisch vorher nicht. Der Anteil der Neugründungen ist 2021 auf 85 Prozent gestiegen, einen so hohen Anteil gab es im Monitoring noch nie. Für den von Nachfolgesorgen geplagten Mittelstand ist das eine schlechte Nachricht. Der Anteil von Sologründungen stieg mit 81 Prozent, knapp über den langjährigen Durchschnitt. Der Arbeitgeberanteil unter den Existenzgründungen ist auf 21 Prozent gesunken. Bei Teamgründungen war er noch nie geringer. Die Personalgewinnung wurde für Gründungen im Vergleich zu 2020 wieder schwieriger.
Das Top-Niveau von vor gut 20 Jahren wird dennoch nicht erreicht. Das müsste unser Ziel in Deutschland sein.
Könnte auch ein Thema für den Tag des Mittelstandes sein: