Neue Horizonte 2045: Der Weg zu einer klimaneutralen und sozial gerechten Zukunft

In einer Zeit, in der die Dringlichkeit des Klimawandels und die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit immer lauter werden, hat die Initiative „Neue Horizonte 2045“ eine Diskussion über die Zukunft unserer Gesellschaft angestoßen. Der Open Foresight-Prozess, der die Entwicklung der D2045-Szenarien ermöglichte, steht im Zentrum eines breit angelegten und demokratischen Dialogs über die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft.

Von Beginn an zeichnete sich der Prozess durch seine Offenheit und Partizipation aus. Alle Zwischenergebnisse wurden kommuniziert und einer abschließenden Online-Bewertung unterzogen. Das Ziel: die Grundlagen für eine umfassende und offene Diskussion über die notwendigen Veränderungen und die mit ihnen verbundenen Zielkonflikte zu schaffen.

Die Beiträge in der Future Lounge zeigten die Vielfalt der Perspektiven und die Komplexität der Aufgabe. Während einige die technologische Innovation als Schlüssel zur Lösung der Klimakrise sehen, betonen andere die Notwendigkeit, unser Wirtschaftsmodell grundlegend zu überdenken und sozialere Ansätze zu verfolgen. Die Szenarien bieten einen Rahmen, um diese unterschiedlichen Ansichten zu verstehen und zu diskutieren, wie sie in Einklang gebracht werden können.

Eine der größten Herausforderungen liegt in der Überwindung der Zielkonflikte. Wie können wir eine Wirtschaft gestalten, die sowohl klimaneutral als auch sozial gerecht ist? Wie können wir demokratische Teilhabe fördern und sicherstellen, dass alle Stimmen in diesem Transformationsprozess gehört werden? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten, aber die „Neuen Horizonte 2045-Szenarien“ bieten einen Ausgangspunkt für die Suche nach Lösungen.

Die Rolle von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist entscheidend. Jeder Akteur bringt eigene Perspektiven und Ressourcen ein, die für die Gestaltung der Zukunft unerlässlich sind. Die Zusammenarbeit zwischen diesen Gruppen, die Entwicklung neuer Allianzen und Ansätze, wird entscheidend sein, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Die „Neuen Horizonte 2045-Szenarien“ sind mehr als nur eine Vorhersage der Zukunft; sie sind ein Aufruf zum Handeln. Sie fordern uns auf, über den Status quo hinauszudenken und mutig neue Wege zu beschreiten. Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt; sie wird von den Entscheidungen geprägt, die wir heute treffen. Es liegt an uns, die „Neuen Horizonte“ zu erkunden und eine Zukunft zu gestalten, die für kommende Generationen lebenswert ist.

Neue Horizonte 2045 – Szenarien und Zielkonflikte #Doku

Die D2045-Szenarien haben an Kontur gewonnen. Entwickelt wurden sie in einem Open Foresight-Prozess. Alle Zwischenergebnisse wurden kommuniziert. Nach der abschliessenden Online-Bewertung möchten wir sie heute zur Diskussion stellen. Die Neue Horizonte 2045-Szenarien erfordern grundlegende Veränderungen und sie zeigen zentrale Zielkonflikte auf. Beginnend ab heute geht es uns in 2024 darum, eine offene und breite Diskussion darüber zu führen, wie, mit welchen Akteuren, neuen Allianzen, neuen Ansätzen und auch mit welchen Kompromisslinien langfristig eine Transformation hin zu einer klimaneutralen und sozial gerechten Wirtschaft und Gesellschaft gelingen kann. Es bleiben jede Menge offener Fragen, auch die legen wir offen.

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Biden, Trump und der Sanktions-Overkill amerikanischer Regierungen

Im #bpbforum digital der Bundeszentrale für politische Bildung hat Professor Andreas Falke einige superwichtige Fakten über die Lage der Volkswirtschaft in den USA dargelegt, die wir uns in Deutschland und Europa noch einmal genauer anschauen sollten. Vor allem die Schwachpunkte im Außenhandel: Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können im Export punkten; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung – was für eine Innovationsleistung…; Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wer sind die Profiteure der wirtschaftlichen Gemengelage in den USA? Besitzer von geistigen Eigentumsrechten (Tech Companies, Google, Amazon, Facebook, Apple) Und die, die vom Export von Schuldtiteln profitieren Politische Konsequenzen: Die USA haben zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken. Folglich haben auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen. Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – weder Biden noch Trump haben das auf ihrer politischen Agenda.

Stattdessen setzte Trump, setzen die Republikaner und auch die Demokraten in den USA auf Protektionismus, um die Schwächen der heimischen Wirtschaft zu kaschieren. Deshalb führte Trump im Handelskonflikt mit China hohe Strafzölle ein. Seine Handelspolitik war geprägt von protektionistischen Maßnahmen und dem Ziel, die heimische Wirtschaft zu stärken. Doch wie erfolgreich war diese Politik wirklich? Welche Auswirkungen hatte sie auf die Volkswirtschaft der USA und den globalen Handel?

Ein zentraler Punkt von Trumps Handelspolitik war die Stärkung des Manufacturing-Sektors, also der herstellenden Industrie. Er kritisierte bestehende Handelsabkommen wie NAFTA und die Trans-Pacific Partnership und verhandelte neue Verträge, wie das US-Mexiko-Kanada-Abkommen. Zudem führte er hohe Zölle auf chinesische Importe ein und setzte sich für eine aggressivere Durchsetzung des US-Handelsrechts ein.

Die Handelsbilanz der USA zeigt jedoch, dass die Exporte von Gütern im Vergleich zu den Importen nicht mithalten konnten. Trotz der Marktöffnung und verschiedener Handelsabkommen blieb der Anteil der Güterexporte am Bruttoinlandsprodukt relativ stabil. Lediglich der Luftfahrtsektor, insbesondere Boeing, konnte hier noch Wachstum verzeichnen.

Ein weiterer Aspekt von Trumps Handelspolitik war der Fokus auf den Export von geistigem Eigentum, wie Patenten und Markenrechten. Hier konnten die USA Erfolge verzeichnen, vor allem im Dienstleistungssektor. Doch diese Gewinne konnten das Handelsdefizit im Güterhandel nicht ausgleichen.

Ein wichtiger Faktor für das hohe Handelsdefizit der USA ist der sogenannte „China-Schock“. Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 stiegen die chinesischen Importe drastisch an, während die Exporte der USA hinterherhinkten. Dies führte zu einem wachsenden Handelsdefizit, das durch den Export von Schuldtiteln an ausländische Investoren finanziert wurde.

Die Handelspolitik der USA unter Trump hatte auch Auswirkungen auf den globalen Handel. Durch den Ausstieg aus dem Trans-Pacific Partnership (TPP) und anderen Abkommen wurde China zum zentralen Akteur in Asien. Die USA verloren an Einfluss und die Handelsbeziehungen wurden neu geordnet.

Schon US-Präsident George W. Bush erließ 3484 Sanktionen gegen Firmen, Einzelpersonen, Nationen und Organisation in acht Jahren. Donald Trump brachte zwischen 2017 und 2020 rund 3900 Sanktionen gegen den gleichen Personenkreis auf den Weg. Das waren vier Sanktionen pro Werktag. Mit der Amtsübernahme durch Joe Biden hat sich das Tempo enorm erhöht. Heute betreiben die USA aus dem Finanzministerium heraus 70 unterschiedliche Sanktionsprogramme. Agathe Demarais spricht in ihrem Buch „Backfire“ vom „Sanction Overkill”.

„Der Konflikt zwischen Amerika und China ist ein Konflikt um die wirtschaftliche Vorherrschaft zwischen einer etablierten wirtschaftlichen Supermacht und ihrem aufstrebenden Herausforderer. Es überrascht nicht, dass die Vereinigten Staaten in diesem Wirtschaftskrieg alle Formen des wirtschaftlichen Zwangs einsetzen wollen“, schreibt Demarais. Die US-Sanktionen gegen China haben nach ihren Berechnungen direkte Auswirkungen auf den Lebensunterhalt von fast 2 Milliarden Amerikanern und Chinesen; wenn Zölle verhängt werden, zahlen fast immer die Verbraucher die Rechnung.

„Die Volkswirtschaften der USA und Chinas sind eng miteinander verflochten. China ist der größte Warenproduzent der Welt, mit einer Produktion, die der aller amerikanischen, deutschen und japanischen Fabriken zusammen entspricht. China ist auch der größte Handelspartner der Vereinigten Staaten mit einem Umsatz von mehr als einer halben Billion US-Dollar pro Jahr; Peking ist der drittgrößte Exportmarkt für amerikanische Unternehmen (nach Kanada und Mexiko) und die wichtigste Quelle für US-Importe. Die Verbindungen zwischen Unternehmen auf beiden Seiten des Pazifiks sind weitreichend. Frachtschiffe pendeln ununterbrochen zwischen den kalifornischen Häfen von Los Angeles oder Long Beach und denen von Shanghai, Shenzhen oder Guangzhou. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China gehen weit über den Handel hinaus. Amerikanische und chinesische Lieferketten sind seit mehr als zwei Jahrzehnten integriert; die Produktionslinien der meisten amerikanischen Technologieunternehmen erstrecken sich über beide Seiten des Pazifiks, wobei Amerikas Innovationsvorsprung genutzt wird“, erläutert Demarais.

Die Entkopplung von China würde amerikanischen Unternehmen keine Gelegenheit bieten, zu wachsen und profitabler zu werden. Ein Abbruch der Beziehungen zu China wäre für US-Unternehmen mit einem hohen Preis verbunden. Eine vorsichtige Schätzung beziffert den Preis für die Abkehr von China auf eine Billion US-Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren. Steuererleichterungen und andere finanzielle Anreize könnten Mikrochip-Unternehmen helfen, die Pille der Abkopplung zu schlucken, aber viele Firmen müssten immer noch riesige Mengen an Schulden aufnehmen (und dann zurückzahlen), um eine solche Operation zu finanzieren, was ihre Gewinne über viele Jahre hinweg belasten würde – es sei denn, die amerikanischen Verbraucher zahlen die Rechnung.

In den vergangenen Jahren hat Peking zudem auch die Infrastruktur geschaffen, um US-Sanktionen zu überstehen. Das Land verfügt über einen wachsenden Technologiesektor, eine digitale Währung und US-sichere Finanzkanäle. „Im Konflikt zwischen den USA und China wird Amerika neben Sanktionen auch andere Waffen brauchen. Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Vormachtstellung Chinas auf die Wirksamkeit von US-Sanktionen werden über die chinesischen Grenzen hinausreichen. Als Amerika die Welt beherrschte, waren US-Sanktionen ein mächtiges Instrument; niemand will sich mit dem Weltpolizisten anlegen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Jetzt, da China zu einer wirtschaftlichen Supermacht aufgestiegen ist, haben die sanktionierten Länder einen alternativen Partner, an den sie sich wenden können. Pekings Bereitschaft, anderen – vor allem Russland – dabei zu helfen, die Folgen der US-Sanktionen zu umgehen, schafft einen Teufelskreis, der Amerikas Einfluss weiter schwächt und die Wirkung der US-Sanktionen untergräbt“, so Demarais.

Letztlich stärken die Sanktionen die Autarkie-Bestrebungen in den sanktionierten Staaten. Vergleichbar mit dem von US-Präsident Ronald Reagan vorangetriebenen Erdgas-Röhren-Embargo Anfang der 1080er Jahre. Pipelines konnte die Sowjetunion dann auch ohne Kooperationen mit Mannesmann und Co. technologisch stemmen. Das Getreidegeschäft der USA mit Moskau lief in dieser Zeit übrigens muter weiter.

Kant, Karger und der kategorische Imperativ der künstlichen Intelligenz

Im Interview mit Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) beleuchten Sohn@Sohn facettenreiche Themen der Künstlichen Intelligenz (KI). Karger, der die Sprachmodelle als zentralen Forschungsbereich des DFKI identifiziert, diskutiert über die Potenziale und Herausforderungen von Entwicklungen wie ChatGPT, maschinelle Übersetzungen und ethische Grundsätze. Er betont die Wichtigkeit von verlässlichen und transparenten Systemen sowie die Notwendigkeit einer Alphabetisierung, um die effiziente und sichere Nutzung von KI-Werkzeugen zu gewährleisten.

Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Bezugnahme auf den Philosophen Immanuel Kant und seinen kategorischen Imperativ. Karger schlägt vor, dass KI-Systeme nach ethischen Überlegungen gestaltet werden sollten, die sich an Kants Prinzipien orientieren. Dies impliziert, dass KI-Systeme in einer Weise agieren sollten, die ihre Maximen als allgemeine Gesetze taugen lassen könnten, wobei die Menschenwürde und Gleichheit als fundamentale Werte berücksichtigt werden. Können wir Kants kategorischen Imperativ für eine zukunftsfähige KI-Ethik nutzen? Eine faszinierende Frage. Kant, geboren 1724, feiert seinen 300. Geburtstag am 22. April 2024, zufällig der erste Tag der Hannover Messe. Ein interessantes Zusammenkommen von Technik, Industrie, Europa und Kant.

Darüber hinaus hebt Karger die Bedeutung des kreativen und kritischen Denkens in der Entwicklung und Anwendung von KI hervor. Er sieht Deutschland und Europa als Orte der Aufklärung, die durch ihre kulturellen und ethischen Werte einen einzigartigen Beitrag zur globalen KI-Landschaft leisten können. Dies betont die Notwendigkeit einer ausgewogenen Herangehensweise, die technologische Innovationen fördert, während sie gleichzeitig ethische Überlegungen und die menschliche Dimension der KI berücksichtigt. Karger ist optimistisch, dass solche Systeme dazu beitragen könnten, Verschwörungstheorien auszutrocknen und so einen wichtigen Beitrag zum sozialen und kulturellen Frieden und zur Demokratie leisten könnten. Er spricht über die Differenzierung als deutscher Anbieter und wie man sich strategisch positionieren könnte. Der DFKI-Sprecher ist davon überzeugt, dass die Tatsache, dass man ein Anbieter aus Deutschland oder der Europäischen Union ist, ein Differenzierungsmerkmal sein könnte.

Zu den Projekten des DFKI in diesem Jahr sagt Karger: „Wir haben ein neues Transferlab in der Eifel eröffnet. Dort arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, die Transfer benötigen. Wir arbeiten auch an Projekten zur Reduzierung des Energiebedarfs von Rechenzentren und zur Verkleinerung von KI-Modellen, um den Energieaufwand für das Training zu reduzieren.In der Robotik geht es weiter. Wir haben einen Prototyp eines Erdbeerpflück-Roboters vorgestellt. Und wir arbeiten an der Mensch-Roboter-Kollaboration. Ein weiteres spannendes Projekt sind autonome Unterwasserroboter, die in der Ostsee Phosphorgranaten bergen sollen.“

Deutschland hinkt beim Wachstum hinterher

Dieses deutsche KI-Startup will Apple wohl kaufen

Die EZB-Politik und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft: Eine kritische Analyse @Lagarde @ecb @KfW_Research @earlyeditors

Inmitten einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Daten einige Rätsel aufwerfen, die nicht den klassischen volkswirtschaftlichen Modellen entsprechen, fand das 34. Expertengespräch im Club des Deutschen Journalistenpreises statt. Mit dabei: Prof. Reint Gropp, Ph.D., Präsident, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) – Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin, KfW, Frankfurt – Michael Rasch, Finanzkorrespondent, Neue Zürcher Zeitung, Frankfurt – Markus Zydra, Wirtschaftskorrespondent, Süddeutsche Zeitung, Frankfurt.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Die aktuelle wirtschaftliche Situation wirft Fragen auf, die nicht mit den Erwartungen der Volkswirtschaftslehre übereinstimmen. Die schnelle Abnahme der Inflation, der robuste Arbeitsmarkt und die rekordhohen Börsenkurse in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche werfen Rätsel auf.

Die Diskussion drehte sich zunächst um die Inflation und die Zinsen in Deutschland und der Eurozone. Obwohl die Inflation in den letzten Monaten deutlich gesunken ist, liegt sie immer noch unter dem angestrebten Ziel von 2 Prozent. Die Zinsen werden voraussichtlich nicht weiter erhöht, aber es bleibt unklar, wie lange sie auf diesem Niveau bleiben werden und wann über eine Senkung gesprochen werden kann. Besonders die Lohnentwicklung in Europa bereitet der EZB Sorgen, da sie hinter den Erwartungen zurückbleibt. Im Vergleich dazu gibt es in den USA ähnliche Diskussionen über Zinssenkungen aufgrund der hohen Inflation dort. Während die US-Wirtschaft boomt, befindet sich Europa in einer milden Rezession. Es wird erwartet, dass die weltweite Konjunktur in diesem Jahr leicht abflacht.

Die Club-Gesprächsrunde über die EZB-Politik und die Zinsen führte zu der Frage, wie stark diese tatsächlich die reale Wirtschaft beeinflussen. Es wird spekuliert, ob es andere Faktoren gibt, die einen stärkeren Einfluss haben und ob neue Zusammenhänge entstehen. Die Experten diskutierten auch die Unsicherheiten bei den Entscheidungen der Notenbank und die Rolle von Modellen in der Volkswirtschaft. Es wird deutlich, dass die geopolitischen Veränderungen und die Unsicherheit die klassischen Modelle infrage stellen.

Die Experten betonten auch die Bedeutung der Unternehmen bei der Berücksichtigung der Inflationserwartungen bei der Preissetzung. Die Geldpolitik beeinflusst die Unternehmen durch die Finanzierungskosten. Es wurde auch auf die Stagflation in Deutschland hingewiesen und die Tatsache, dass die volkswirtschaftlichen Modelle seit der Finanzkrise in Frage gestellt wurden – aus guten Gründen.

Es wurde festgestellt, dass die Inflation in der Eurozone ähnlich verlaufen ist wie in den USA, trotz der verspäteten Reaktion der EZB. Dies wirft die Frage auf, ob die Inflationsreduzierung tatsächlich etwas mit der Geldpolitik zu tun hat oder ob andere Faktoren eine größere Rolle spielen. Hier sollte man sich die Angebotsseite etwas genauer anschauen.

Bei einer Konferenz zum 25-jährigen Jubiläum des Euro wurde diskutiert, wie die EZB auf die aktuellen Herausforderungen reagiert hat. Es wird kritisiert, dass die EZB zu spät auf den Inflationsanstieg reagiert hat, während die US-amerikanische Federal Reserve bereits früher die Zinsen erhöht hat. Allerdings hat die verspätete Reaktion der EZB keinen großen Unterschied in der Inflationsentwicklung gemacht.

Sehe ich etwas anders. Man hätte 2021 die Inflationsdruck durch Lieferengpässe, Produktionsstillstand, blockierte Container-Häfen, Probleme bei der Herstellung von Chips und dergleichen nicht herunterspielen dürfen, wie es Legarde und Co. gemacht haben. Zinsen hätten moderat erhöht werden können und nicht mit der Brechstange wie seit 2022. Wir erlebten eine angebotsinduzierte Inflation. Die wirklichen Ursachen hatten die Zentralbanker nicht im Blick. Die zu hohen Leitzinsen würgen die Investitionen ab und führten zum Stillstand des Bausektors.

Die Zögerlichkeit der Zentralbanken bei der Zinswende ist typisch für solche Situationen. Der Übergang von Zinserhöhungen zu Zinssenkungen ist immer schwierig für die Zentralbanken, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Die ökonomischen Modelle, die zur Entscheidungsfindung herangezogen werden, funktionieren in solchen Situationen oft nicht gut. Die Unternehmen sind sich dieser Unsicherheit bewusst und müssen ihre Entscheidungen zur Produktion, Standortwahl und Preisgestaltung treffen.

Die Geldpolitik der Zentralbanken hat direkte Auswirkungen auf die Unternehmen, insbesondere auf die Finanzierungskosten. Die Unternehmen spüren bereits die gestiegenen Kreditkosten, die sich auf ihre Investitionsentscheidungen auswirken.

Ein interessanter Aspekt ist, dass Deutschland und Europa derzeit eine Stagnation erleben, obwohl der Arbeitsmarkt robust ist. Dies ist ein Unterschied zu früheren Rezessionen.

Es wird auch die Frage aufgeworfen, warum die EZB weiterhin an ihrem Inflationsziel von 2 Prozent festhält, obwohl die Modelle in Zeiten der Unsicherheit begrenzte Aussagekraft haben. Zudem spielt die Psychologie eine wichtige Rolle bei den Entscheidungsprozessen der EZB. Die Angst vor Fehlern und der Wunsch, eine hohe Inflation zu vermeiden, könnten dazu führen, dass die EZB auch die Rezession oder Arbeitslosigkeit in Kauf nimmt.

Fazit:
Die Diskussion über die EZB-Politik und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft hat
gezeigt, dass die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen nicht immer mit den
Erwartungen der Volkswirtschaftslehre übereinstimmen. Die Inflation ist schneller gesunken als erwartet, der Arbeitsmarkt ist robust und die Börsenkurse sind rekordhoch, obwohl die Wirtschaft schwächelt. Die Experten waren sich einig, dass die volkswirtschaftlichen Modelle in Zeiten des Wandels überdacht werden müssen. Es wurde betont, dass die EZB-Politik und die Zinsen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft haben, aber es gibt auch andere Faktoren, die einen Einfluss haben könnten. Es bleibt eine Herausforderung, die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Das hat die EZB-Präsidentin versäumt.

Liebwerteste VW-Gichtlinge: Wo ist Eure Vernetzungskompetenz? Apple Carplay der nächsten Generation und die Kontrolle über „eigene“ Daten – Interview mit @ProfHolm

„Die Software in meinem A6 ist auf dem gleichen Usability-Niveau wie meine Philips Universal Fernbedienung für TV und Video in den 1990er Jahren. Und die war damals schon schlecht“, sagte Lutz Becker gegenüber einem Fachmagazin für Vorstände und Aufsichtsräte. Das war im Jahr 2016.

Hier stehe sich die Ingenieurs-Organisation von VW selbst auf den Füßen. Die Ursache sieht der Hochschulprofessor im Business Reengineering des Wolfsburger Autokonzerns.

„Das ist für mich die größte Erbsünde der Managementlehre der 1980er Jahre. Man kann soziale Organisationen nicht Reengineeren, weil es keine simplen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt. Kultur kann man nur durch Narrative und vorgelebte Praktiken ändern. Die Prozesse zur Diffusion dauern in großen Organisationen natürlich lange. Trägheitsmomente und Verharrungsvermögen haben da eine andere Qualität. Deshalb macht es Sinn, kleine und selbständig agierende Kerne zu bilden.“

In Zeiten nach dem Verbrennungsmotor steigt die Relevanz von Internet-Technologien und Software-Anwendungen. IP-Netzwerke, Algorithmen sowie digitale Plattformen bestimmen das Geschäft und nicht mehr die Produktion von Komponenten. Wer das Betriebssystem besitzt, verfügt über zentralen Zugang zu den wichtigsten Datenquellen. Ähnliches erlebten die Netzbetreiber in den vergangenen Jahren. Nicht mehr der Leitungsbau generiert Umsätze, sondern das Geschäft mit Daten.

Hat sich daran etwas im Jahr 2024 geändert? Im Gespräch mit Logistikprofessor Peter Holm werden Schwachstellen benannt.

Die Automobilindustrie steht vor einer digitalen Revolution, in der Software und User Interface (UI) zunehmend zum Herzstück moderner Fahrzeuge werden. Besonders VW Connect, das digitale Ökosystem des Wolfsburger Riesen, gerät ins Kreuzfeuer. Ich selbst habe es ausprobiert: Es dominiert eine träge und unpraktische Benutzerführung, die das Fahrerlebnis deutlich schmälert. Diese Kritik wirft Schatten auf die Ansprüche eine Industriekonzerns, in der digitalen Transformation der Branche eine führende Rolle einzunehmen.

Im Zeitalter der Digitalisierung reicht es nicht mehr aus, ausschließlich in Hardware zu glänzen; die Software-Kompetenz entscheidet zunehmend über Erfolg und Misserfolg. Hier offenbaren sich bei vielen Herstellern unfassbare Defizite, obwohl wir nun schon seit 10 bis 20 Jahren über dieses Thema debattieren. Im Gegensatz dazu zeigen Partnerschaften zwischen Automobilherstellern und Tech-Giganten wie Apple und Google das immense Potenzial auf, das in einer gelungenen Symbiose von Hardware und Software liegt. Diese Kooperationen verdeutlichen, dass Hersteller, die in bestimmten Bereichen Schwächen aufweisen, durch strategische Allianzen ihre Angebote signifikant verbessern können.

Skepsis gegenüber einer Öffnung für externe Software-Plattformen wie Apple CarPlay mag aus einer Sorge um Datenkontrolle und Markenintegrität herrühren. Doch diese Haltung könnte Autohersteller langfristig isolieren und von den dynamischen Entwicklungen in der der Fahrzeug-Software ausschließen. Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, in dem Flexibilität und Offenheit für Innovationen entscheidend sind. Industrieunternehmen stehen vor der Wahl: Festhalten an einer überholten Vorstellung von Kontrolle oder den Schritt hin zu einer offeneren, partnerschaftlichen Zukunft wagen.

Die Herausforderung wird sein, die richtige Balance zwischen der Bewahrung der Markenidentität und der Öffnung für innovative, digitale Lösungen zu finden.

In Anlehnung eine meine frühere The-European-Kolumne frage ich daher: Liebwertestes VW-Gichtlinge, wo ist Eure Vernetzungskompetenz?

Wie man Organisationen in den Stillstand treibt: Erinnerung an Professor Kruse

„8 Regeln für den totalen Stillstand“ – so lautete der provokante Titel, den Professor Peter Kruse für seine Analyse von Unternehmensstrukturen gewählt hat. Das war im Jahr 2014. Stephan Grabmeier erinnerte an Kruse in einem Facebook-Posting:

Der ein Jahr später verstorbene Organisationspsychologe bietet einen humorvollen, aber dennoch ernsthaften Einblick in die Mechanismen, die Unternehmen davon abhalten, sich weiterzuentwickeln.

Kruse beginnt mit der Rolle der Führungskräfte. Er rät, sie sollten entweder komplett aus dem Prozess herausgehalten werden oder ständig versuchen, alles unter Kontrolle zu haben. Beide Extreme führen zu Stillstand. Die Führungskraft, die ständig versucht, alles zu kontrollieren, erstickt die Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Führungskraft, die sich komplett heraushält, lässt das Unternehmen ohne klare Richtung zurück.

Die zweite Regel betrifft die Kommunikation. Kruse empfiehlt, Diskussionen über Ziele und Veränderungen auf informeller Ebene zu führen und Gerüchte zu verbreiten. Dies führt zu Unsicherheit und Stillstand.

Die dritte Regel lautet: Überfordern Sie Ihre Mitarbeiter*innen mit zu vielen Aufgaben gleichzeitig. Dies führt zu operativer Hektik und verhindert, dass sich etwas Wesentliches ändert.

Die vierte Regel betrifft den internen Wettbewerb. Kruse empfiehlt, einen umfassenden Wettbewerb auszurufen und so eine Atmosphäre der Konkurrenz zu schaffen. Dies führt zu Stillstand, da die Mitarbeiter*innen mehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu übertrumpfen, als das Unternehmen voranzubringen.

Die fünfte Regel lautet: Suchen Sie ständig nach Schuldigen. Anstatt Probleme zu lösen, sollten Sie Zeit damit verbringen, herauszufinden, wer die Schuld daran trägt.

Die sechste Regel empfiehlt, nicht öffentlich über den Sinn und Unsinn von bestehenden Regeln zu diskutieren. Dies führt zu Stillstand, da niemand die bestehenden Regeln in Frage stellt.

Die siebte Regel lautet: Treffen Sie Entscheidungen auf formeller Ebene, die dann auf informeller Ebene in Frage gestellt werden. Dies führt zu Stillstand, da die getroffenen Entscheidungen nicht umgesetzt werden.

Die achte und letzte Regel lautet: Sorgen Sie dafür, dass die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung größer ist als die der Umsetzung. Dies führt zu Stillstand, da die getroffenen Entscheidungen nicht umgesetzt werden.

Als weiterer Punkt würde mir aktivistisches Management-Blabla einfallen, untermauert von irgendwelchen Unternehmensberatungen. Motto: „Der Dumme glaubt neue Wahrheiten hervorzubringen, in dem er wirre Ideen vereinigt.“ Nachzulesen in der Aphorismen-Sammlung von Nicolás Gómez Dávila.

Wegweiser für mutiges Hacking der Arbeitswelt

Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach hat schon vor fast zehn Jahren auf der Next Economy Open in Bonn mit seinem spontihaften Aufruf zum Machteliten-Hacking eine vortreffliche Denksportaufgabe hinterlassen. Man müsse Gegen-Narrative in die Organisationen bringen. Die alten Eliten sind von einer Blase der Ja-Sager umgeben. Wie wäre es mit einer subversiven Injektion für kritisches Denken? Der Philosoph Karl Popper hatte eine sehr intensive Beziehung zum leider verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt. Das habe den früheren Regierungschef in seinem politischen Denken sehr stark geprägt.

Popper war indirekt ein Hacker der politischen Elite, bemerkt Breitenbach. Man brauche zudem starke Metaphern, um bei den Entscheidern der Machtelite etwas anzurichten, ergänzt der Analyst Stefan Holtel.

Der User als Anarchist 

Wie könnte eine Graswurzelbewegung die Werkzeuge des Social Webs einsetzen, um Verkrustungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aufzubrechen? Eine Möglichkeit sehe ich in der Ideen-Infiltration, die der Jesuit Michel de Certeau in dem Merve-Band „Kunst des Handelns“ für listenreiche Konsumenten aufgebracht hat.

Es geht um normale User, die beim Surfen durch die Warenwelt in den Nischen des Konformismus auf ungeahnte Autonomiemöglichkeiten stoßen, ohne sich der Aufgabe des aufopfernden Heldentums widmen zu müssen. Wer ist schon gerne Märtyrer. Es reichen kleine Regelverletzungen. Man könnte während der Arbeitszeit unauffällig anderen Tätigkeiten nachgehen, Meetings mit endlosen Monologen ad absurdum führen, Vorgesetzte mit falschen Excel-Tabellen in den Wahnsinn treiben und Macho-Manager bei der nächsten Weihnachtsfeier mit scharfsinnigen Witzen als eitle Trottel bloßstellen. 

Neues Opus „Organisationen hacken“

Und nun haben Lars Hochmann und Sebastian Möller mit ihrem Opus „Organisationen hacken“ ein Vademekum der Hacks vorgelegt, um die Arbeitswelt nachhaltiger zu gestalten. Die Herausgeber laden dazu ein, die Regeln des Zusammenlebens neu zu schreiben und mutig gegen den Strom zu schwimmen, um wirkliche Veränderung herbeizuführen​​. Sie betonen die Notwendigkeit, Ambivalenzen auszuhalten und neue Muster zu finden, um komplexe Probleme zu bewältigen​​: „Wir reden nicht lange um den heißen Brei herum: indem wir uns Zugang verschaffen zu organisationalen Regelsystemen und diese gemeinsam mit den Betroffenen von innen heraus reformulieren. Wir nennen das institutional hacking“, so Hochmann und Möller. 

Als Institutionen bezeichnen die beiden Herausgeber kollektiv akzeptierte Regelsysteme, die unser alltägliches Handeln strukturieren und dabei relativ stabile Erwartungen an das Verhalten von Individuen und Organisationen erzeugen: „Dazu gehören auch all die teils zerstörerischen und unvernünftigen Spielchen, die wir tagein, tagaus mal mehr und mal weniger bewusst in und mit Organisationen spielen. Vor diesem Hintergrund ist unser Buchtitel zugleich ein Aufruf: Organisationen hacken.“

Mit dem Buch wollen Hochmann und Möller anstiften, auch abseits ausgetrampelter Pfade nach Wegen der Gestaltung zu suchen. „Trick 17“ oder wahlweise von hinten „durch die Brust“ oder „durch die kalte Küche“ – der Volksmund kennt mehrere Bezeichnungen für diese Ansätze „out of the box“.

„Wir nennen sie Hacks. Hacks sind kleine Tricks zur Problemlösung. Manchmal subversiv, immer jedoch kreativ und unkonventionell. Sie sind zielführend, arbeiten mit dem, was da ist, und zeigen idealerweise rasch Ergebnisse. Sie kürzen den Dienstweg ab, um pragmatische Lösungen für wahrgenommene Missstände zu erproben und im besten Fall langfristig zu etablieren. Sie bringen Neues in die Welt und brechen mit dem Alten. Hacking ist doppelt relevant, es führt einerseits zu einer organisationalen Selbstvergewisserung und erweitert andererseits das Spektrum möglicher Entwicklungspfade. Kurz: Hacks reformulieren das Mögliche. Sie sind also genau das, was wir heute brauchen, um die Organisation der gesellschaftlichen Versorgung nicht nur krisenfester, sondern insgesamt demokratischer, lebendiger, lust- und freudvoller zu transformieren.“

Inhaltsleeres Management-Geschwätz entlarven und die Halbwertzeit von Polonium-212

Das Buch bietet eine tiefgehende Analyse und Anleitung, wie man Organisationen von innen heraus verändern und weiterentwickeln kann. Hierbei wird der Begriff „Hacken“ nicht im Sinne von illegalen Aktivitäten verwendet, sondern als eine Art kreativer Intervention, um festgefahrene Muster aufzubrechen und neue Perspektiven zu ermöglichen. Bei meinem o.tel.o-Vorgesetzten beschränkte ich mich auf die indirekte Offenlegung seiner Phraseologie, die auch ein Indikator für die Brüchigkeit funktionaler Macht sein kann. Er veröffentlichte einen Meinungsbeitrag über Motivation, der schlichtweg aus einem Opus von Reinhard K. Sprenger geklaut war. Neben diesem johlendem Vokohila-Bekenntnis stand dann meine Rezension des Sprenger-Werkes. Gleiches erleben wohl alle in unterschiedlichen Kontexten: Von der Relevanz einer Zwei-Marken-Strategie, wo jeder Zweite wusste, dass er oder sie überflüssig war. Da kann man dann auch Synergien nach der Fusion mit einem anderen Konzern fokussieren, Profit-Center aufbauen und wieder schließen, Markenkerne stärker adressieren, Dezentral am neuen Zentralismus arbeiten, mobile Arbeit ausbauen und wieder einschränken wegen der Arbeitskultur. Das inhaltleere Geschwätz hat eine Halbwertzeit auf dem Niveau von Polonium-212.

Man braucht sich nur die Führungskräfte in Wirtschaft und Politik anschauen, wenn sie vom Thron gestoßen wurden. Sie schrumpfen schnell auf das kleinbürgerliche Pantoffel-Niveau einer Figur wie Erich Honecker. Insofern ist es ungerecht, so Niklas Luhmann, dass man diese Vorgesetzte, die durch ihre funktionale Macht ohnehin schon privilegiert sind, auch noch von der Forschung her stützt, mit Kursen über Menschenführung beglückt und mit entsprechenden Techniken ausrüstet. Die von der Struktur her disprivilegierten Untergebenen lässt man außen vor. Luhmann hat das in einem Vortrag als Defizit erkannt und Gegenmaßnahmen vorgeschlagen unter dem Titel: „Unterwachung: Oder die Kunst, Vorgesetzte zu lenken“.

Anleitung zum Regelbruch

Hochmann und Möller schreiben: „Die Idee des Regelbruchs mag auf den ersten Blick kontrovers erscheinen. Doch sie hat eine lange Geschichte voller Errungenschaften und Fortschritt hinter sich. Der Regelbruch ist genauso eine soziale Tatsache wie die Regelbefolgung. Von den Suffragetten, die in England für das Frauenwahlrecht kämpften, bis zu den Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung, die gegen die Rassentrennung aufbegehrten, haben Menschen immer wieder die Grenzen des Legalen strapaziert, um eine gerechtere Welt für alle zu schaffen. Der Bruch von Regeln kann in der Gegenwart skandalös sein und sich im Nachhinein dennoch – oder auch gerade des- wegen – als legitim und wegweisend herausstellen.“

In Fachgesprächen zu möglichen Hacks wird deutlich, was so alles möglich ist: Organisationsberatung hacken, die Öffentlichkeitsarbeit, die Vergütung, das Gründen, Hierarchien, Führung (siehe auch Niklas Luhmann und Gunnar Sohn ;-)), Arbeitsräume, Fußballvereine (erfolgreich praktiziert von mir bei RW Lessenich), Supermärkte, Studierendenwerke, Handwerk, Schulen (ein weites Feld), Stiftungen, Hochschulen (da bin ich mit meinem Hack gescheitert), Reinigungsunternehmen, Rechtsformen, Lobbyismus (überfällig), Unternehmenskooperationen (oder Fusionen wie bei o.tel.o und Mannesmann-Arcor), Gemeinwesen, Unternehmensimpact, Regionalentwicklung und Wissenschaft. Da müsste doch für die ichsagmal.com-Leserschaft eine Menge dabei sein.

Hacks für bessere Vernetzungen

Beispiele aus dem Buch: Almut Rademacher vom Unternehmensnetzwerk owl maschinenbau berichtet im Gespräch mit Lars Hochmann, wie schwierig es ist, Organisationen zu vernetzen. „Die Erfahrung zeigt, dass wir gemeinsam immer klüger, besser, schneller sind. Trotzdem fehlt es häufig schlicht an der Zeit, an der Muße, an der Kraft, sich zu öffnen und in einen Austausch zu gehen, bei dem vorher nicht ganz klar ist, ob man selbst in seinem Arbeitsumfeld einen wirklichen Mehrwert davon hat. Bei allen stapelt sich die Arbeit auf den Schreibtischen….Sie reagieren nur noch, verlassen sich auf das, was sie vermeintlich gut können und wissen. Sie bleiben daher eng bei sich. Das erschwert Kooperationen sehr, macht sie fast unmöglich.“

Den dargelegten Hack von Almut interpretiert Lars Hochmann so:

„Unternehmenskooperationen brauchen starke Themen, die durch die Betroffenen selbst einge- bracht und bearbeitet werden. Kooperation gelingt, wenn sie nicht aufgenötigt wird, sondern sich selbst trägt. Das beobachte ich auch bei mir. Ich kooperiere nicht mit Menschen oder Institutionen, weil diese mich weiterbringen (für mich ist schon entscheidend, ob sie mich weiterbringen, gs). Ich kooperiere, weil sie mich faszinieren und neugierig machen. Weil ich dann kooperiere, bringen sie mich schlussendlich weiter. Entwicklung ist nicht das Ziel, sondern der Lohn von Kooperation. Deinen Hack verstehe ich so: Du lädst Menschen ein, ihre Anliegen vorzutragen. Du horchst mit transformativer und ermöglichender Haltung hinein ins Netzwerk, tauchst deine Sonden in die Unternehmen und identifizierst darüber die gemeinsamen Themen mit Entwicklungspotenzial. Lernmöglichkeiten und langfristige Veränderung zum Positiven leiten diese Entscheidung. Anschließend schaffst du konkurrenzfreie Räume für gemein- samen Austausch auf Augenhöhe, wofür du geeignete Methoden der Facilitation (Moderation, gs) einsetzt, und bietest Informationen, Inspirationen und Aufklärungsdienste an. Indem du ihnen vor Augen führst, dass sie nicht allein sind mit sowohl ihren Herausforderungen wie auch den Lösungsstrategien, machst du Betroffene zu Beteiligten. Darüber bündelst du Kräfte und realisierst Synergien. Was daraus wiederum erwächst, liegt bei den Betroffenen selbst. Du hast die Bedingung der Möglichkeit geschaffen. Die Chance zur Verwirklichung, die als solche noch ergriffen werden muss. Wenn deine Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner (mein Hack, ich schreib dat aus, gs) am Ende mit konkreten Verabredungen auseinandergehen, finde ich das schon gigantisch. Ganz herzlichen Dank, liebe Almut, dass du diesen Hack mit unseren Leserinnen und Lesern (wieder ein Hack) und mir geteilt hast.

Bei den Graswurzelbewegungen und vielen anderen Dingen, sehe ich die Notwendigkeit, die Außen- und Innenwelt zu hacken. Also auch über Regulierung, Änderung des Aktienrechts und dergleichen mehr.

Noch ein Hack aus der Sohnschen Werkstatt des Hackings

Hacking-Exkurs zu o.tel.o: Die angeberischen Exkurse des Top-Managers mit dem Charme eines Autoverkäufers über seine Karriere als Bundesliga-Torwart konterte der zuständige Mitarbeiter für das Sport-Sponsoring mit einem Zitat aus dem Bundesliga-Jahrbuch: Die fußballerische Karriere des VoKuHiLa-Schwätzers währte nur kurz, weil der Protagonist den Anforderungen des Profivereins nicht gewachsen war. Um so mehr redete er von seinen Kitzbühel-Begegnungen mit Franz Beckenbauer und Co.. Alle Mitarbeiter, die unter diesem Zwergen-Regime dienen mussten, konnten mit den vermittelten „Hintergrundinfos“ die Auftritte des Direktoren-Würstchens besser ertragen. 

Lars Hochmann (Hrsg.), Sebastian Möller (Hrsg.): Organisationen hacken Einfallstore in eine nachhaltige Arbeitswelt 424 Seiten, ISBN 978-3-98726-085-8, 34,00 Euro. Auch als E-Book erhältlich. Ab dem 1. Februar auf dem Markt.

Markus Gabriel, Daniel Leese und Alexander Görlach über chinesisches Denken heute

Kann das chinesische Denken uns neue Perspektiven eröffnen? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Diskurses zwischen dem Philosophen Markus Gabriel, dem Sinologen Daniel Leese und dem Publizisten Alexander Görlach. Dabei wird das Werk „Alles unter dem Himmel: Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung“ von Zhao Tingyang diskutiert, das einen tiefen Einblick in das zeitgenössische chinesische Verständnis von Weltordnung und politischer Philosophie bietet.

In der Diskussion wird deutlich, dass es einen großen Nachholbedarf an Wissen über China gibt. Obwohl in den vergangenen 150 Jahren viele chinesische Texte übersetzt wurden, fehlt es immer noch an vernünftigen deutschen Texten über zeitgenössische chinesische Philosophie und politische Philosophie.

Es wird deutlich, dass viele gängige Vorstellungen über das chinesische Denken in westlichen Diskursen verzerrt sind. Die Idee, dass es ein kollektivistisches chinesisches Denken gibt, während der Westen individualistisch ist, ist ein falsches Narrativ. Das chinesische Denken ist viel komplexer und vielfältiger als diese vereinfachten Vorstellungen vermuten lassen. Es gibt keine klare Trennung zwischen Ost und West, sondern eine kontinuierliche Wechselwirkung und gegenseitiges Lernen.

Ein zentrales Thema in der chinesischen Philosophie ist das Konzept des „human becoming“ im Gegensatz zum westlichen Konzept des „human being“. Die chinesische Philosophie betont den Fluss, die Veränderung und die Instabilität der Realität. Es geht nicht darum, feste und ewige Substanzen zu identifizieren, sondern um das Verständnis der Welt als chaotisch, relational und instabil. Dieses Verständnis beeinflusst auch die Reflexion über den Menschen in der zeitgenössischen chinesischen Philosophie.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Bewusstsein für die Macht der Ideen in China. Anders als im Westen gibt es in China ein starkes Bewusstsein für die politische Bedeutung von Philosophie und Ideologie. Dies führt jedoch auch dazu, dass bestimmte Themen und Diskussionen staatlich kontrolliert werden und es wenig Raum für kritische Reflexion gibt.

Trotz dieser Einschränkungen gibt es in China eine lebendige Debatte über Themen wie künstliche Intelligenz und Ethik. Es gibt ein Bewusstsein für universale Werte, das jedoch mit den lokalen Bedingungen und spezifischen Herausforderungen in China in Einklang gebracht werden muss. Die Diskussionsteilnehmer betonen die Bedeutung eines Dialogs, der auf Gegenseitigkeit und Respekt basiert, um ein tiefes Verständnis des chinesischen Denkens zu entwickeln.

Wie beeinflusst die chinesische Geschichte die gegenwärtige politische Situation in China? Diese Frage wirft ein interessantes Licht auf die komplexe Beziehung zwischen Geschichte, Ideologie und politischer Realität in China. In der postmodernen Welt haben wir den Fehler gemacht zu glauben, dass der Pluralismus die grundlegende Wertehaltung ist, die die Vielfalt der Menschen widerspiegelt. Doch wie wird dieser Pluralismus in China interpretiert und umgesetzt?

Die chinesische Geschichte spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der politischen Landschaft in China. In der postmodernen Ära wurde der Pluralismus als Antwort auf die Globalisierung und die Vielfalt der Kulturen eingeführt. Doch während die westliche Welt den Pluralismus als eine Tatsache des menschlichen Lebens akzeptierte, entstanden in China neue narrative Erzählungen, die auf der Idee eines starken Nationalstaates basierten.

Diese neuen Erzählungen, die von der chinesischen Propaganda gefördert werden, betonen die Bedeutung der nationalen Identität und des Patriotismus. Sie dienen als Überbau, der die chinesische Gesellschaft zusammenhält und die politische Stabilität gewährleistet. Dabei wird die Geschichte als Begründung für die gegenwärtige chinesische Politik herangezogen. Die Idee eines starken China, das seine historische Rolle als führende Macht wiedererlangt, wird als moralischer Auftrag betrachtet.

Trotz der täglichen Repressionen der Staatspartei gibt es mutige Stimmen in China, die versuchen, die Grenzen des Sagbaren auszuloten. Historiker und Intellektuelle setzen sich mit Fragen der Identität, des Patriotismus und der politischen Philosophie auseinander. Sie versuchen, einen Raum für kritische Reflexion zu schaffen, auch wenn sie dabei Gefahr laufen, ihre Positionen zu verlieren.

Die Corona-Pandemie hat die Freiheitsräume in China weiter eingeschränkt. Kritik und Dissens werden als Bedrohung für die nationale Einheit betrachtet und unterdrückt. Die chinesische Regierung nutzte die Pandemie, um ihre Macht zu festigen und die Kontrolle über die Bevölkerung zu verstärken.

In China ist Philosophie eng mit Politik verbunden, und man muss immer um sein Leben fürchten, wenn man sich in der politischen Arena bewegt. Dies ist besonders in der Gegenwart der Fall. In den 80er Jahren war es etwas anders, da gab es noch mehr Freiheit. Aber die Frage nach transzendentalem Denken in China bleibt bestehen. Gibt es so etwas wie Transzendenz in China? Diese Frage kann noch weiter diskutiert werden.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, Kritik zu äußern. Etwa über Kommentare zu alten Texten. Eine andere Möglichkeit besteht darin, in kleinen privaten Räumen zu sprechen. Es ist jedoch schwierig geworden, kritische Diskussionen über E-Mails oder in größeren Räumen zu führen. Der Raum für kritische Diskussionen ist kleiner geworden.

Ein weiterer Punkt des Kölner Gespräches dreht sich um die Auswirkung des Neoliberalismus auf China.

Gibt es dort eine kritische Auseinandersetzung mit dem neoliberalen Modell? Und welche Rolle spielt China in den aktuellen Diskursen über den Neoliberalismus?

In den vergangenen Jahren ist China zu einer globalen Supermacht aufgestiegen. Doch während das Land wirtschaftlich erfolgreich ist, gibt es auch eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Diese Ungleichheit hat dazu geführt, dass immer mehr chinesische Intellektuelle den Neoliberalismus kritisch hinterfragen.

Die Frage, ob der Neoliberalismus die Ursache für die soziale Ungleichheit in China ist, wird intensiv diskutiert. Einige argumentieren, dass die wirtschaftlichen Reformen, die China in den letzten Jahrzehnten durchgeführt hat, zu dieser Ungleichheit geführt haben. Andere wiederum sehen die Ursache eher in politischen und sozialen Umständen.

Es gibt eine Vielzahl von kritischen Stimmen in China, die sich mit der sozialen Frage auseinandersetzen. Diese Stimmen kommen sowohl aus der neomarxistischen als auch aus der Neuen Linken-Bewegung. Sie argumentieren, dass China gegensteuern muss, um die wachsende Ungleichheit zu bekämpfen.

Ein zentraler Begriff in dieser Debatte ist „Gongtong Fuyu“, was so viel bedeutet wie „gemeinsamer Wohlstand“ oder „Reiche müssen teilen“. Dieser Begriff wurde von dem chinesischen Denker Deng Xiaoping geprägt und hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Er steht für die Idee, dass der Wohlstand in der Gesellschaft gerecht verteilt sein sollte.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die argumentieren, dass der Neoliberalismus in China erfolgreich war und dass die wirtschaftlichen Reformen das Land vorangebracht haben. Sie sehen die soziale Ungleichheit als unvermeidliche Folge des wirtschaftlichen Wachstums.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Diskurs über den Neoliberalismus in China von der Regierung kontrolliert wird. Es gibt klare Grenzen, was diskutiert werden darf und was nicht.

In den chinesischen Denktraditionen gibt es bereits seit langer Zeit Konzepte, die dem westlichen Universalismus ähneln. Dieser Aspekt wird jedoch im Westen oft nur am Rande erwähnt. Es ist wichtig zu erkennen, dass Universalismus keine ausschließlich westliche Erfindung ist. Ein Beispiel dafür ist die bekannte Redewendung „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, die auf moralische Tatsachen hinweist. Diese Position hat auch heute noch Relevanz und kann als plausible geopolitische Strategie betrachtet werden.

Die Versuche Chinas, eine neue Reservewährung zu etablieren, deuten auf eine gewisse Form der Blockbildung hin. Dabei hat China insbesondere den globalen Süden im Blick. Allerdings betont China in seiner rhetorischen Außendarstellung stets, dass es keinesfalls in ein Muster des Kalten Krieges zurückfallen möchte. Dieser Vorwurf wird den Amerikanern und Europäern teilweise gemacht. Dennoch ist die Dominanz des Dollars ein langjähriges Thema in chinesischen Debatten. China überlegt, wie es durch neue Institutionen wie die Asiatische Infrastruktur- und Investmentbank und die Seidenstraßeninitiative dem Dollar entgegentreten kann.

Es gibt jedoch keine weltweit einheitliche Begeisterung für eine von China angeführte neue Weltordnung. Die meisten Länder, einschließlich Europa, versuchen, ihre Eigenständigkeit zu bewahren und nicht ausschließlich China oder den USA zu folgen.

Maschinelle Intelligenz: Grenzen und Potenziale im Vergleich zum menschlichen Monopol #Notizzettel: Vorbereitung eines Interview mit Reinhard Karger vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

In einem herausfordernden Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt Reinhard Karger, Mitglied des Aufsichtsrats des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), die Wechselwirkungen zwischen Mensch und maschineller Intelligenz in den Vordergrund. Karger argumentiert, dass maschinelle Intelligenz zwar ein mächtiges Werkzeug ist, jedoch nicht mit menschlicher Weisheit gleichgesetzt werden sollte.

Karger greift auf Aristoteles‘ antike Vorstellungen von Werkzeugautonomie zurück, um zu zeigen, dass die Idee selbsttätiger Werkzeuge tief in unserer Geschichte verwurzelt ist. Er betont, dass Maschinen menschliche Handlungsspielräume erweitern und Arbeit erleichtern, aber nicht das menschliche Denken ersetzen können. Maschinen sind in ihrer Fähigkeit, komplexe menschliche Wissensfähigkeiten wie Sprache, Emotionen und soziale Intelligenz nachzuahmen, begrenzt.

Ein zentrales Element des Artikels ist die Diskussion über Qualia – subjektive Empfindungen, die nur Menschen erleben und die für soziale Intelligenz essentiell sind. Karger argumentiert, dass Maschinen zwar Daten verarbeiten und Muster erkennen können, aber nicht in der Lage sind, menschliche Emotionen und Absichten zu erfassen oder zu verstehen. Diese Grenze stellt eine fundamentale Differenz zwischen menschlicher und maschineller Intelligenz dar.

Karger betont weiterhin die Wichtigkeit von „Trusted AI“ – vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz – und die Notwendigkeit, robuste Systeme zu entwickeln, die transparent und nachvollziehbar sind. Er sieht die Zukunft in der Kombination symbolischer und subsymbolischer Verarbeitung, um die Stärken beider Ansätze zu nutzen und die Schwächen zu überwinden.

Abschließend wirft Karger einen optimistischen Blick auf die Zukunft und sieht in KI ein entscheidendes Werkzeug zur Bewältigung globaler Herausforderungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Mobilität und nachhaltiger Entwicklung. Er betont jedoch, dass maschinelle Intelligenz nur dann erfolgreich sein wird, wenn sie die menschlichen Werte und die soziale Intelligenz respektiert und ergänzt, anstatt zu versuchen, sie zu ersetzen.

Soweit zum Beitrag von Reinhard Karger, mit dem Sohn@Sohn Ende nächster Woche ein Interview führen. Wir wollen dabei auf folgende Aspekte eingehen: Wie gut ist Deutschland in der KI-Forschung und in der Anwendung und wie sieht es in Europa aus? Zudem wollen wir auch den Gastbeitrag von Professorin Monika Schnitzer in der FAZ aufgreifen:

Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, legt in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung dar, wie China im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) einen signifikanten Vorteil erlangt hat, der weitreichende Konsequenzen für den Westen birgt.

Schnitzer hebt hervor, dass chinesische Plattformen wie Alibaba und TikTok durch die Nutzung großer Datenmengen in ihrem Heimatmarkt ihre KI-Technologien verbessern und sich so erfolgreich auf dem globalen Markt positionieren konnten. Diese Entwicklung wird durch die Tatsache verstärkt, dass diese Unternehmen in China ohne die Konkurrenz westlicher Plattformen wachsen konnten.

Ein besonderes Augenmerk legt Schnitzer auf die Rolle von Überwachungstechnologie und deren Export durch chinesische Unternehmen. Sie weist darauf hin, dass insbesondere in Autokratien eine hohe Nachfrage nach solcher Technologie besteht, was chinesischen Anbietern ermöglicht, ihre Produkte zu verbessern und ihren Einfluss international auszubauen. Dabei festigt sich Chinas komparativer Vorteil in Überwachungstechnologien.

Schnitzer bezieht sich auf Studien, die zeigen, dass Autokratien von KI-Innovationen, insbesondere im Bereich der Überwachung, profitieren können. Chinesische Unternehmen sind daher in der Lage, ihre Überwachungssoftware in mehr als 80 Länder zu exportieren, was ihnen zusätzliche Daten und somit weitere Innovationsmöglichkeiten verschafft.

Für westliche KI-Unternehmen stellt diese Entwicklung eine Herausforderung dar, da sie nicht mit vergleichbarer staatlich geförderter Nachfrage rechnen können. Zudem betont Schnitzer die politische Brisanz des chinesischen Exports von Überwachungssoftware, da er dazu beiträgt, autokratische Strukturen in anderen Ländern zu festigen und den Einfluss Chinas international zu stärken.

Abschließend unterstreicht Schnitzer, dass diese Entwicklungen die Annahme infrage stellen, dass freier Welthandel automatisch zur Verbreitung liberaler Institutionen führt. Dies stellt keine guten Aussichten für die westliche Welt dar, insbesondere in Anbetracht der technologischen und politischen Machtverschiebungen, die durch Chinas Vorsprung in der KI-Entwicklung entstehen.

Da interessiert mich immer noch die Frage, wie gut China in Wirklichkeit ist, wenn man mal die Parteipropaganda der KP-China abzieht. Bei Haufe New Management bin ich darauf eingegangen:

Angeblich werden wir vom Reich der Mitte bei Digitalisierung, E-Mobilität und KI-Forschung überrollt. Da überschätzen Harhoff und der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger die Innovationskraft der kommunistischen Staatsbürokraten in Peking. Das hat der Sinologie-Professor Daniel Leese bei einer Tagung der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung gut zum Ausdruck gebracht. Es ging um Alexis de Tocqueville und den Meisterdenker der KP-China Wang Huning.

Der Modernisierungspfad sei eher die Schwäche des chinesischen Staates, sagt Leese: „Die Innovationskraft der Unternehmerinnen und Unternehmer entfaltete sich in einem eher schwachen regulatorischen Umfeld, die die Politik der 1980er und 1990er Jahre maßgeblich geprägt hat.“

Wir sollten uns vor dem Wettbewerb der politischen Systeme nicht fürchten. Zentralistisch miserabel gesteuerte Staatsbürokratien sind völlig ungeeignet für den Innovationswettbewerb.

Wer Internet-Unternehmer in den Knast steckt, kann wohl kaum innovativ sein. Staatsbürokraten wie der Diktator Xi Jinping sind wenig geeignet, Sprunginnovationen anzustoßen, zu planen oder am Markt durchzusetzen. Sie spionieren und schikanieren ihr Land eher mit Überwachungsterror und hausmeisterlich brüllenden Drohnen. Wir sollten uns vor dem Wettbewerb der politischen Systeme nicht fürchten. Zentralistisch miserabel gesteuerte Staatsbürokratien sind völlig ungeeignet für den Innovationswettbewerb.

Wir brauchen eine Politik, die Individualität, Partizipation und Ideen-Vielfalt fördert. Auf dem Zukunftstag Mittelstand in Berlin war das beim Thema Künstliche Intelligenz gut zu beobachten. Etwa beim Einsatz von semantischen Webanwendungen für die individualisierte Kundenkommunikation von Unternehmen. Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland, hat das gut erläutert. ChatGPT als digitaler Concierge: Solche Innovationen gedeihen nur in einer liberalen demokratischen Ordnung.