Wie man Organisationen in den Stillstand treibt: Erinnerung an Professor Kruse

„8 Regeln für den totalen Stillstand“ – so lautete der provokante Titel, den Professor Peter Kruse für seine Analyse von Unternehmensstrukturen gewählt hat. Das war im Jahr 2014. Stephan Grabmeier erinnerte an Kruse in einem Facebook-Posting:

Der ein Jahr später verstorbene Organisationspsychologe bietet einen humorvollen, aber dennoch ernsthaften Einblick in die Mechanismen, die Unternehmen davon abhalten, sich weiterzuentwickeln.

Kruse beginnt mit der Rolle der Führungskräfte. Er rät, sie sollten entweder komplett aus dem Prozess herausgehalten werden oder ständig versuchen, alles unter Kontrolle zu haben. Beide Extreme führen zu Stillstand. Die Führungskraft, die ständig versucht, alles zu kontrollieren, erstickt die Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Führungskraft, die sich komplett heraushält, lässt das Unternehmen ohne klare Richtung zurück.

Die zweite Regel betrifft die Kommunikation. Kruse empfiehlt, Diskussionen über Ziele und Veränderungen auf informeller Ebene zu führen und Gerüchte zu verbreiten. Dies führt zu Unsicherheit und Stillstand.

Die dritte Regel lautet: Überfordern Sie Ihre Mitarbeiter*innen mit zu vielen Aufgaben gleichzeitig. Dies führt zu operativer Hektik und verhindert, dass sich etwas Wesentliches ändert.

Die vierte Regel betrifft den internen Wettbewerb. Kruse empfiehlt, einen umfassenden Wettbewerb auszurufen und so eine Atmosphäre der Konkurrenz zu schaffen. Dies führt zu Stillstand, da die Mitarbeiter*innen mehr damit beschäftigt sind, sich gegenseitig zu übertrumpfen, als das Unternehmen voranzubringen.

Die fünfte Regel lautet: Suchen Sie ständig nach Schuldigen. Anstatt Probleme zu lösen, sollten Sie Zeit damit verbringen, herauszufinden, wer die Schuld daran trägt.

Die sechste Regel empfiehlt, nicht öffentlich über den Sinn und Unsinn von bestehenden Regeln zu diskutieren. Dies führt zu Stillstand, da niemand die bestehenden Regeln in Frage stellt.

Die siebte Regel lautet: Treffen Sie Entscheidungen auf formeller Ebene, die dann auf informeller Ebene in Frage gestellt werden. Dies führt zu Stillstand, da die getroffenen Entscheidungen nicht umgesetzt werden.

Die achte und letzte Regel lautet: Sorgen Sie dafür, dass die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung größer ist als die der Umsetzung. Dies führt zu Stillstand, da die getroffenen Entscheidungen nicht umgesetzt werden.

Als weiterer Punkt würde mir aktivistisches Management-Blabla einfallen, untermauert von irgendwelchen Unternehmensberatungen. Motto: „Der Dumme glaubt neue Wahrheiten hervorzubringen, in dem er wirre Ideen vereinigt.“ Nachzulesen in der Aphorismen-Sammlung von Nicolás Gómez Dávila.

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