Über Privatarmeen im Weltall und den kosmischen Neoliberalismus – Raketen-Wettrennen der Tech-Milliardäre @elonmusk @JeffBezos #LangeNachtderUtopien

Was hat Science-Fiction mit der Zukunft zu tun und steuern wir auf eine Privatisierung des Kosmos hin? Dr. Hans Esselborn, Germanistik-Professor der Universität zu Köln erklärt, wie die Literatur dazu beiträgt, Zukunftsvorhersagen zu treffen und warum es wichtig ist, dass auch Literaten eine Expedition ins All wagen.

Der 1941 in Rheinland-Pfalz geborene Hans Esselborn schloss seine Stu- dien der Germanistik, Romanistik und Philosophie in Tübingen, Paris, München und Köln mit einer Promotion über Georg Trakl und Habilita- tion über die Naturwissenschaft Jean Pauls ab. Sein weiterer Weg führt ihn unter anderem an Hochschulen in Lawrence (Kansas), Nancy, Paris und Krakau. Sein jüngstes Werk befasst sich mit der Erfindung der Zu- kunft in der Literatur vom technisch-utopischen Zukunftsroman zur deutschen Science-Fiction.

An der Universität zu Köln befasst sich Esselborn intensiv mit Science- Fiction Literatur. Er ist allerdings vorsichtig mit der Aussage, ob Literatur tatsächlich Zukunftsprognosen treffen kann. Vielmehr entwerfe sie Sze- narien, in denen auch die Fragen angesprochen und zum Teil beantwortet werden sollen, die den Leser aktuell beschäftigen und sogar zum Handeln bewegen. Und dass dies in der Vergangenheit schon der Fall war, zeigt der Roman von Kurd Laßwitz4 über eine Weltraumstation, die später Wernher von Braun dazu bewegte genau diese Station nachzubauen. Doch das klappe nicht immer, so der 79-Jährige. Während sich beobachten lässt, dass die Literatur-Vorhersagen bei technischen Dingen oftmals richtig liegen, beispielsweise bei der Entwicklung der Flugzeuge und des Computerwesens, lagen die Vorhersagen vieler Romane betreffend das Internet weit daneben. Keiner habe dem Internet die große Kommunikationsmaschine, die es heute ist, zugetraut.

Im Utopieband „Was würdest du machen, wenn du König von Deutschland wärst?“ äußert Esselborn sein Unbehagen, dass die privaten amerikanischen Firmen Weltraumraketen bauen, den Mond und den Mars besiedeln wollen. Das konterkariert die politische Gemeinsamkeit. Was Musk, Bezos und Co. vorantreiben, die die Kolonialisierung des Weltalls auf privater Basis. „Ich sehe das als eine gefährliche Entwicklung. Weil die Kontrolle fehlt und es irgendwann dann die Piratenkriege im Weltraum geben wird. Dazu gibt es glaube ich auch schon vieles in der Literatur“, so Esselborn. Es entsteht kosmischer Neoliberalismus.

In der langen Nacht der Utopien hat er diesen Gedanken noch etwas präzisiert. So könnten Privatarmeen im Weltall entstehen, die dann allerdings wieder zurückwirken auf die Erde. Wer das Weltall militärisch beherrscht, beherrscht irgendwann auch unseren Planeten.

Wie wäre es mit einer KI-Forensik zur Schlichtung von Streitigkeiten etwa bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit? @foresight_lab @EskenSaskia #Ampelkoalition

KI-Debatte in Berlin

Klaus Burmeister hat seine #innovationsnotizen 36 I 2021 gepostet:
„Der Präsident und Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses stellt seine Initiative vor: ‚Americans Need a Bill of Rights for an AI-Powered World'“

Ein interessanter und auch für Europa beispielgebender Ansatz:

In a competitive marketplace, it may seem easier to cut corners. But it’s unacceptable to create AI systems that will harm many people, just as it’s unacceptable to create pharmaceuticals and other products—whether cars, children’s toys, or medical devices—that will harm many people.

Americans have a right to expect better. Powerful technologies should be required to respect our democratic values and abide by the central tenet that everyone should be treated fairly. Codifying these ideas can help ensure that.

Soon after ratifying our Constitution, Americans adopted a Bill of Rights to guard against the powerful government we had just created—enumerating guarantees such as freedom of expression and assembly, rights to due process and fair trials, and protection against unreasonable search and seizure. Throughout our history we have had to reinterpret, reaffirm, and periodically expand these rights. In the 21st century, we need a “bill of rights” to guard against the powerful technologies we have created.

Our country should clarify the rights and freedoms we expect data-driven technologies to respect. What exactly those are will require discussion, but here are some possibilities: your right to know when and how AI is influencing a decision that affects your civil rights and civil liberties; your freedom from being subjected to AI that hasn’t been carefully audited to ensure that it’s accurate, unbiased, and has been trained on sufficiently representative data sets; your freedom from pervasive or discriminatory surveillance and monitoring in your home, community, and workplace; and your right to meaningful recourse if the use of an algorithm harms you.

Wired-Artikel:
https://lnkd.in/d5pxsWf9

Meine Antwort:

Dann müssen wir schnell konkret werden, denn KI, Daten und Algorithmen beeinflussen ja schon viele Themen des eigenen Lebens, teilweise mit fragwürdigen Methoden. Stichwort: Schufa. Mit welchen Methoden wird die Kreditwürdigkeit berechnet, wo kann ich mich beschweren oder zur Wehr setzen, wann gibt es „neutrale“ KI-Big-Data-Forensiker, die ich einschalten kann – beispielsweise bei juristischen Verfahren? Das BGH hat ja die Formel des Quasi-Monopolisten Schufa als Geschäftsgeheimnis gewertet. Aber wo ist der Wettbewerb?

Dieses BGH-Urteil darf nicht das letzte Wort sein. Wann gibt es eine gesetzliche Grundlage für KI-Big-Data-Governance. Professor Wolfgang Kleinwächter forderte im ichsagmal.com-Interview transparente Verfahren zur Streitschlichtung.

Er verweist auf die Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy von Icann. Darüber wird nun schon so lange diskutiert. Wir sollten jetzt einen Entwurf entwickeln für die Legislative. So langsam muss mal was auf die politische Agenda gepackt werden.

KKR, Corona , Richard Wagner und der Krieg

Ob sich Freise noch gerne an die DSD-Zeiten erinnert?

Lange nichts mehr gehört von Philipp Freise. Mittlerweile ist er Co-Head of European Private Equity bei KKR.

Am Anfang seiner Karriere stieß man auf den Grünen Punkt. Gespickt mit Stichworten wie Metro, Otto Beisheim und einigen anderen bemerkenswerten Vorgängen, die im grauen Finanzmarkt abgelaufen sind und Stoff für Romane bieten.

Nachzulesen hier: https://www.oekosmos.de/artikel/kkr-und-der-milliarden-poker-mit-gruene-punkt-gebuehren/

Hier die ARD-Reportage:

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen äußert sich Freise über die Post-Corona-Phase und vergleicht die Lage mit einem Krieg:

„Ökono­misch sind die Folgen durch­aus vergleich­bar: Covid-19 hat zehn Prozent des Brut­to­so­zi­al­pro­duk­tes in einem Jahr vernich­tet. Regie­run­gen wie Zentral­ban­ken haben aus der Finanz­kri­se 2008/9 gelernt und massiv gegen­ge­steu­ert – histo­risch einzig­ar­tig. Sowohl die Auswei­tung der Geld­men­ge sowie die Milli­ar­den­pa­ke­te der Regie­run­gen sind ohne Beispiel, dazu hat die EU-Kommis­si­on ein riesi­ges Programm aufge­legt. Das alles treibt die Kurse.“ Alles, was dann folgt, ist das übliche Analysten-Geraune. Das er über die neue Enthaltsamkeit und einen Verzicht auf Wachstum befragt wird und was Freise antwortet, ist zumindest erstaunlich:

Laut aktu­el­len Studi­en komme es zu einer neuen Nach­denk­lich­keit: „Die Ergeb­nis­se zeigen, dass die Menschen mehr Wert auf Nach­hal­tig­keit legen und bewuss­te­re Entschei­dun­gen tref­fen, nur eine Minder­heit ist vorran­gig auf Spaß und Party aus. Konsu­miert wird frei­lich trotz­dem. Zudem hat die Pande­mie Verän­de­rungs­pro­zes­se beschleu­nigt, Stich­wort: Digi­ta­li­sie­rung, Gesund­heit, Umwelt­schutz…“, so Freise. Alles wahnsinnig originell. Und zum Heuschrecken-Image der Privat Equity-Branche sagte er:

„Wir müssen erzäh­len und kommu­ni­zie­ren, was wir wirk­lich tun. Über­las­sen wir das ande­ren, dann entste­hen diese Vorur­tei­le. Wie Sie wissen, sitze ich im Vorstand der Gesell­schaft der Freun­de von Bayreuth, deshalb zitie­re ich mal Richard Wagner: ‚Wandel und Wech­sel liebt, wer lebt'“, so der Wagner-Freund.

Die Heuschrecken-Thematik ist also nur ein Kommunikationsproblem. Ich würde mir die Götterdämmerung für den grauen Finanzmarkt wünschen. Zumindest benötigen wir Offenlegungspflichten, die vor Ewigkeiten der ehemalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert ins Spiel brachte. Finanzinvestoren müssten beispielsweise auf den Cayman Islands für eine Registrierung weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Private-Equity-Spezialisten würden sich auf Übernahmekandidaten mit gesundem Cash Flow konzentrieren.

„Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden“, kritisierte Seifert und fand wenig Gehör. Das Mindeste, was man von diesen Anteileignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen. Da würden wir dann sogar in der Rückschau noch einige Überraschungen in der Deutschland AG erleben.

#Notizzettel Green Deal: Livetalk um 15 Uhr mit @GrimmVeronika @SVR_Wirtschaft

Investieren für den Green Deal

„Das Corona-Konjunkturpaket und der europäische Wiederaufbaufonds ermöglichen es, umfangreiche öffentliche Investitionen zu tätigen. Diese müssen in Infrastrukturen und Technologien fließen, die für ein klimaneutrales Land und Europa gebraucht werden“, fordert Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

„In der Krise brauch(t)en wir einen starken Staat, um die Lasten abzufedern und den Zusammenbruch von Existenzen und funktionsfähigen Strukturen zu verhindern. Im Frühjahr 2020 hat die Politik schnell, konsequent und zielgerichtet agiert.“

„Neben den kurzfristig wirksamen Maßnahmen sind das Zukunftspaket im Rahmen des Konjunkturprogramms aus dem Juli 2020 sowie die Einigung auf den europäischen Wiederaufbaufonds im Juli 2020 besonders bemerkenswert. Aus diesen Programmen stehen nun hohe Summen für öffentliche Investitionen zur Verfügung, um Wachstumsimpulse zu setzen und die Resilienz der europäischen Wirtschaft nach der Krise zu stärken.“

„Es gilt, die Digitalisierung voranzutreiben, das Bildungssystem zu stärken und vor allem die grüne Transformation zu beschleunigen. Schon zu Beginn der Krise gab es Befürchtungen, der Klimaschutz würde von der Coronakrise überrollt und der Zusammenhalt in Europa gefährdet. Beides hat sich nicht bestätigt.“ 

Siehe auch die Meldung auf DigitalX.

„Zentral für den Klimaschutz ist der rasche Ausbau der Energienetze sowie der Infrastruktur für die klimaneutrale Mobilität. Batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sollen in Zukunft unsere Straßen befahren. Kaufen werden sie die Menschen nur dann, wenn man sie auch laden oder betanken kann – und zwar überall in Europa.“

„Die Einrichtung rechtlich eigenständiger Investitionsfördergesellschaften könnte mittelfristig dazu beitragen, Planungs- und Verwaltungshemmnisse zu überwinden.“

„Eine umfassende Reformagenda muss die CO2-Bepreisung stärken und zum Leitinstrument der Klimapolitik machen, konsequent Abgaben und Umlagen in der Strombepreisung reduzieren, direkte und indirekte Subventionen fossiler Energien beseitigen, das Finanzierungsökosystem neu ausrichten – und vor allem globale Allianzen im Klimaschutz voranbringen.“

„Die intensiven Diskussionen um öffentliche Investitionen oder Förderung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Privatwirtschaftliche Investitionen müssen die tragende Säule der Transformation sein.“

Läuft es jetzt wie in den USA ab?

„Die Stützung der Konjunktur, die Komplettsanierung der Infrastruktur, der Kampf gegen den Klimawandel – und vor allem der Ausbau von Sozialleistungen kosten zunächst einmal sechs Billionen Dollar. Das sind fast 30 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung. Der Staat rückt in den USA wieder ins Zentrum von Gesellschaft und Wirtschaft. Statt der Ökonomisierung des Politischen, die Amerika in den vergangenen 40 Jahren erlebte, strebt Biden nun die Politisierung des Ökonomischen an. Setzt sich der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama durch, könnte er Amerika stärker verändern als der erste schwarze Präsident. Bidens disruptive Kraft ließe sich dann durchaus mit der seines Vorbilds Franklin D. Roosevelt vergleichen“, schreibt das Handelsblatt.

Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt im Handelsblatt-Interview vor mehr Staat:

Frage: „Mazzucato schlägt auch vor, der Staat solle wie bei der Mondlandung 1969 „Missionen“ ausrufen, um so die Privatwirtschaft zu Höchstleistungen und damit zu Innovationen zu treiben. Eine berechtigte Forderung?“

Antwort von Schnitzer: „Solch ein Missions-Ansatz hat funktioniert, wenn es darum ging, einen Rückstand aufzuholen. Japan und Südkorea haben so ihre Autoindustrie vorangebracht. Auch bei großen Herausforderungen wie dem Klimawandel macht eine Mission Sinn, um Kräfte zu bündeln. Schwierig wird es aber, wenn der Staat Neues entwickeln und darüber entscheiden will, welche Firmen welche Aufgaben übernehmen sollen. Ein deutsches Google wird realistischerweise aus keinem der Unternehmen erwachsen, die es schon 100 Jahre gibt.“

Habt Ihr Fragen für das Livegespräch um 15 Uhr? Wir übertragen via YouTube, Facebook, Twitter und LinkedIn. Die Comments & Reactions Funktion von Ecamm Live fängt alle Postings auf den unterschiedlichen Plattformen im Multistream ein. Man hört, sieht und streamt sich am Nachmittag. Bis gleich.

KI-Wettkampf mit China und den USA – Wie gut schneiden wir ab? @dfki

Künstliche Intelligenz – wie gut sind wir in Deutschland? Antworten von Professor Wolfgang Wahlster, DFKI-Chefberater, im #DigitalXStudio​. Themen: Wie sieht sie aus, die bessere und sinnvollere Mensch-Maschine-Kooperation ohne Angst vor Kontrollverlust? Gibt es neue Arbeitsplätze durch Nearshoring? Die Konnek­ti­vi­tät zwischen Maschi­nen, Werk­zeu­gen, Werk­stü­cken und Fach­ar­bei­tern hat auch in Bestands­fa­bri­ken große Fort­schrit­te gemacht – Beispiele wären nicht schlecht. In 5G-Campus­net­zen können Edge-Devices mit der hohen Band­brei­te und garan­tiert gerin­ger Latenz­zeit von 5G zu einer loka­len Edge-Cloud zusam­men­ge­schal­tet werden, die dann den Echt­zeit­an­for­de­run­gen in der Fabrik genügt. Hybri­de Teams von Werkern und kolla­bo­ra­ti­ven Robo­tern mit verschie­de­nen Fähig­kei­ten führen zu einer neuen Form der Team-Robo­tik, in der Mensch-Maschi­ne-Inter­ak­ti­on unter Führung des mensch­li­chen Fach­per­so­nals im Mittel­punkt steht, welches Hand in Hand mit Robo­tern zusam­men­ar­bei­tet, um im Team komple­xe Ferti­gungs­auf­ga­ben zu lösen. Bei den Daten­in­fra­struk­tu­ren müssen die Anfor­de­run­gen der jewei­li­gen Bran­che bezüg­lich Daten­ho­heit, Dezen­tra­li­tät in hete­ro­ge­nen Multicloud-Syste­men und Edge-Support berück­sich­tigt werden. Wie gut sind wir da in Deutschland? Sind die USA und China enteilt?

USA und Deutschland: Wer hat wirtschaftlich die besseren Karten?

Kaum Gewinne durch Güterexporte; nur landwirtschaftliche Massengüter wie Soja, Weizen und Mais können punkten beim US-Export; starkes Anwachsen der Off-Shore-Profite der amerikanischen Firmen vor allem in den Zentren der Steuervermeidung (Vulgärkapitalismus); Einkommen aus Verwertung geistigen Eigentums (Lizenzen und Patente, die sie aber nicht in der heimischen Produktion umsetzen können, die ist marode); diese Potenziale können das Handelsdefizit mit Gütern nicht aufwiegen.

Wer sind die Profiteure der wirtschaftlichen Gemengelage in den USA?

  • Besitzer von geistigen Eigentumsrechten (Tech Companies, Google, Amazon, Facebook, Apple)
  • Und die, die vom Export von Schuldtiteln profitieren

Politische Konsequenzen:

  • USA hat zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken.
  • Folglich haben auch die Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen.
  • Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – das hatte Trump nicht auf seiner politischen Agenda und bei Biden sieht es nicht anders aus.

Einseitige Shareholfer Value-Ideologie. Ungerechte Besteuerung.

Remotefahigkeit der Arbeit:

„Ich bin kein Fan von diesem Fokus auf den Einhornstatus. Einhörner werden durch Finanzierungsrunden kreiert, in denen Start-ups höher und höher bewertet werden. Aber im Idealfall brauchen die Firmen gar nicht so viel Kapital“, sagt Harry Nelis vom Investor Accel im Handelsblatt-Interview.

Die fundamentalen Kennzahlen für Investoren seien Umsatz, Wachstum und Profitabilität. „Und dann muss man schauen: Wie gut lässt sich die Geschäftsentwicklung vorhersagen? Wie einfach wird es sein, das Geschäft zu verteidigen? Wie leicht ist es, das Angebot zu replizieren?“

Es gibt ein neues Interesse amerikanischer Wagniskapitalgeber an deutschen Firmen. Der Grund: „Deutschland hat ein großartiges Bildungssystem. Neben Berlin ist zum Beispiel München mit seinen hervorragenden Universitäten ein fantastischer Ort für Start-ups. Und was wirklich beeindruckend ist: Als ich 2004 zu Accel kam, gab es neben SAP fast keine spannende Softwarefirma in Deutschland. Jetzt hat Deutschland plötzlich sehr viele interessante Tech-Start-ups – vielleicht mehr als jedes andere Land in Europa“, resümiert Nelis.

Einhörner:

„Seit 2015 arbeitet das Lilium-Team in Weßling bei München an der Idee eines elektrisch betriebenen, senkrecht startenden Jets. Die Gründer um CEO Daniel Wiegand haben sich einer besonderen Herausforderung gestellt. Anders als Wettbewerber, die sich auf den Verkehr in Metropolen konzentrieren, will Lilium größere Distanzen (bis zu 300 Kilometer) überwinden. Dazu hat das Gerät Flügel für den Gleitflug. Die 36 elektrisch betriebenen Propeller werden für den Start nach unten geklappt und gehen danach in die Horizontale für den Vortrieb“, schreibt das Handelsblatt.

Weitere Kandidaten in der Handelsblatt-Analyse:

André Christ baut mit seinem Softwareunternehmen LeanIX ein „Google Maps“ für die IT-Architektur eines Unternehmens. 

Contentful aus Berlin konkurriert im Markt für Content-Management-Systeme mit etablierten Anbietern wie Adobe. 

Weltkonzerne wie Siemens und Lufthansa gestalten mit Celonis ihre Geschäft effizienter. Die Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk haben eine Process-Mining-Technologie entwickelt, die Prozesse in Daten abbildet und aufzeigt, wo es hakt – etwa, wenn Kunden im Zahlungsrückstand sind, aber immer wieder neue Bestellungen erhalten. 

Verweis auf die aktuellen mRNA-Impfstoffe. Denen liegen 30 Jahre Grundlagenforschung zugrunde mit erheblichen Rückschlägen. Da diese Impfstoffe zudem sehr teuer sind, haben sich die großen Pharmakonzerne 2015 aus der Entwicklung ausgeklinkt. Drei Start-ups haben weiter gemacht: BioNtech, Curevac und Moderna. Schöner Beitrag dazu in Nature: https://www.nature.com/articles/d41586-021-00019-w

Das von der Max-Planck-Gesellschaft initiierte Cyber Valley mit dem in Tübingen und Stuttgart ansässigen Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme als Aggregationskern_ Es entwickelt sich gerade zu einem kreativen Hotspot für wissenschaftliche Fortschritte und ökonomisch erfolgreiche Innovationen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz – und lockt große wie kleine Unternehmen an. Mit einem jüngst gegründeten Start-up-Netzwerk will das Cyber Valley eine Gemeinschaft von Gründern schaffen. Und auch die Technologiekonzerne Bosch und Amazon investieren hier kräftig. So hat Bosch angekündigt, in Tübingen einen neuen Campus zu errichten, an dem zukünftig etwa 700 KI-Experten forschen sollen, und Amazon plant den Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums innerhalb der nächsten fünf Jahre mit rund 100 Mitarbeitern.

Start-ups sollen mit weitestgehend einheitlichen und pauschalierten Beteiligungs- und gründungsfreundlichen Lizenzbedingungen, mit der Bereitstellung von Industrieexperten, eigenen „CompanyBuilding“-Aktivitäten mit externem erfahrenem Management („Gründen ohne Gründer“) und einer verbesserten Entrepreneurship-Ausbildung unterstützt werden. Im Bereich IT ist eine enge Kooperation mit dem Cyber Valley geplant.

Futter für das Streitgespräch um 19 Uhr:

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik, Homeoffice, Coworking auf dem Land und 5G-Ökonomie – Themen im #DigitalXStudio mit @D_Langenmayr @AchimTruger @arbeitXpunkt0 @Isarmatrose @servicerebell @HermannSimon @winfriedfelser @constantinsohn @holzgespuer

So kann es weitergehen mit den DigitalX-Themen, Gästen und Netzdebatten.

Homeoffice und Coworking:

5G-Ökonomie, Handelskriege und miserable US-Infrastruktur:

Ratschläge für die Wirtschaftspolitik:

Weitere Nachberichte folgen.

Eure Vorschläge für 2021?

Siehe auch:

Wirtschaft in China boomt wieder: Müssen wir das fürchten? #Corona #EconTwitter

Die Milchmädchen-Rechnung der Bild-Zeitung

Die Wirtschaft in China läuft wieder auf Hochtouren. „Der Konsum brummt, die Exportwirtschaft ebenso. Während die Volkswirtschaften fast aller westlichen Länder 2020 ein Minus zwischen fünf und sieben Prozent verzeichnen, wird China als einzige große Volkswirtschaft mit einem Plus von etwa zwei bis drei Prozent davonkommen. Das ist für chinesische Verhältnisse zwar auch nicht viel. Trotzdem wird China gegenüber den meisten westlichen Volkswirtschaften um rund zehn Prozentpunkte aufholen. Vor der Pandemie hatten Ökonomen noch prognostiziert, China werde die USA frühestens 2028 vom Thron als weltgrößte Volkswirtschaft stoßen. Nun gehen die Ökonomen davon aus, dass China das früher gelingen wird“, schreibt der General Anzeiger in Bonn.

Bild-Chef forderte zur Beginn der Pandemie von der Kanzlerin klare Kante zu China. Kein chinesisches Unternehmen dürfe in den nächsten zehn Jahren in Deutschland irgendein Unternehmen auf dem Grabbeltisch der Krise zum Spottpreis erwerben. Verzerrung der Realität, wie Professor Hermann Simon aufklärt.

So umfassend ist das Engagement der Chinesen in Europa und Deutschland nicht im Vergleich zu den Investoren aus den USA – Stichwort KKR und Co.

In the Long Run Not All of Us Are Dead: Neues zur #Schumpeter-Forschung auf der Next Economy Open am 3. Dezember #NEO20x #EconTwitter @AlexandVerne

Zu Lebzeiten war es Joseph Schumpeter nicht vergönnt, John Maynard Keynes an Berühmtheit zu übertreffen. „Ach wäre ihm doch nur ein längeres Leben beschieden gewesen, er hätte sich – ähnlich wie ehedem der bedauernswerte Herrmann Heinrich Gossen – am späten Erfolg seines Werkes berauschen können. Arthur M. Diamond Jr. hat unter dem verheißungsvollen, auf ein Zitat von Keynes zurückgreifenden Titel ‚Schumpeter v. Keynes: ‚In the Long Run Not All of Us Are Dead’“ Zeitreihen von Zitierungen der beiden in der Literatur für die Jahre 1956 bis 2006 zusammengestellt. Diese sind inzwischen von John Dalton und Lillian Gaeto bis ins Jahr 2017 fortgeführt worden. Ab den späten 1980er-Jahren weist Schumpeter hartnäckig Jahr für Jahr größere Gesamtzahlen an Zitierungen auf als Keynes“, so der Schumpeter-Forscher Heinz D. Kurz.

Ab den späten 1980er-Jahren weist Schumpeter hartnäckig Jahr für Jahr größere Gesamtzahlen an Zitierungen auf als Keynes. Dies zeigen die beiden Abbildungen.

„Derartige Zeitreihen sind natürlich nicht immer leicht zu interpretieren. Man stelle sich vor, Autor A wird durchgehend häufiger zitiert als Autor B, aber nur negativ, während B gelegentlich auch positiv erwähnt wird. Man sieht auf einen Blick: Bei der Übersetzung von Quantitativem in Qualitatives ist Vorsicht geboten. Im Fall von Schumpeter und Keynes darf indes angenommen werden, dass sich die Gunst des Publikums zuletzt tatsächlich stärker Schumpeter zugewandt hat. Keiner der beiden Autoren ist demnach tot, aber Schumpeter wird relativ zu Keynes immer lebendiger“, resümiert Kurz.

Mit der 10. Auflage des Hauptwerks von Schumpeter wird sich die Zahl der Zitationen deutlich erhöhen. Denn erstmals erscheint „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“ nicht mehr als Torso, sondern in kompletter deutscher Übersetzung.

Wir starten die diesjährige Next Economy Open mit Schumpeter-Sessions. Dazu zählt ab 10 Uhr eine Session mit Professor Heinz D. Kurz über die 10. Auflage des Hauptwerks von Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Man kann mit gutem Recht von der ersten Auflage der vollständigen deutschen Ausgabe sprechen.

Ab 11:45 Uhr geht es um Schumpeter, Innovationen und Management-Revolutionen. Wer ist der wahre Innovator? „Das Schöpferische probiert Neues aus, ohne die Lösung zu kennen“, Gespräch mit dem Schumpeter-Forscher Dr. Lars Immerthal vom Beratungshaus Alex & Verne.

Zoom-Meeting-Raum für die Schumpeter-Sessions:  https://us02web.zoom.us/j/86352717869?pwd=MFZoV1lKckRFRlVyZm1jTWFpeE91UT09

Handelskrieg zwischen China und USA – Die Auswirkungen für den Mittelstand #DigitalXStudio @ZVEIorg @HermannSimon @JoeBiden

Die USA haben zu wenig getan, um Güterexporte zu stärken. Folglich haben auch die Arbeitnehmer in diesen Bereichen nicht profitiert, sondern nur die, die in Steueroasen „investiert“ haben – also die Superreichen. Über diese Verwerfungen müsste eigentlich die innenpolitische Debatte gehen – weder Biden noch Trump haben das auf ihrer politischen Agenda.

Stattdessen setzte Trump, setzen die Republikaner und auch die Demokraten in den USA auf Protektionismus, um die Schwächen der heimischen Wirtschaft zu kaschieren. Deshalb führte Trump im Handelskonflikt mit China hohe Strafzölle ein, die auch der neue Präsident nicht in Frage stellen wird. Biden wird eine Charme-Offensive in Europa starten, um gemeinsam gegen China vorzugehen.

Europa sollte eigene Wege gehen und sich nicht in den Handelskrieg der Supermächte hineinziehen lassen. Zu wichtig seien die Märkte in den USA und China, so der Mittelstandsexperte Hermann Simon im #DigitalXStudio.

Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Gunther Kegel, Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), im Interview mit der Zeit:

„Wir können auf keinen dieser Märkte verzichten.“ Eine Umfrage unter den ZVEI-Mitgliedsunternehmen ergibt, dass die Handelskonflikte schon jetzt die Auslandsgeschäfte belasten. Vor allem die US-Sanktionen gegen China, Russland und den Iran. „Mehr als die Hälfte der befragten Firmen leidet bereits darunter. Ich kann das für unser Unternehmen Pepperl+Fuchs nur bestätigen. Es gibt Märkte, die für uns zu sind. Und manche Technologien dürfen wir in viele Länder nicht verkaufen, weil sie amerikanische Hightech-Komponenten enthalten.“

Ausführlich nachlesbar unter: Handelskrieg zwischen China und USA bedroht Mittelstand #DigitalXStudio