Frisches Denken für die Rettung von Opel – Management des Autokonzerns soll endlich die Hosen runterlassen

Der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU warnt davor, Opel mit Staatsbürgschaften vor der Pleite zu retten. Das berichtet die Nachrichtenagentur ddp. „Das Geld wandert sofort in die USA, dem können wir nicht zustimmen“, sagte der Sprecher des Parlamentskreises Mittelstand der Union, Michael Fuchs (CDU). Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, erklärte, staatliche Garantien sollten sich auf die Verbindlichkeiten von Opel gegenüber mittelständischen Zulieferern beschränken.

Die CSU hat die deutschen Autohersteller aufgefordert, ein Konzept zur Kooperation oder Übernahme von Opel vorzulegen, um die deutschen Opel-Standorte zu retten. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte den krisengeschüttelten Mutterkonzern General Motors (GM) auf, den Weg für einen Neuanfang des Rüsselsheimer Autobauers freizumachen. „Deutschland muss GM klarmachen, dass es Finanzhilfen vom Bund nur gibt, wenn im Gegenzug Opel aus dem GM-Konzern herausgelöst wird“, sagte Dobrindt gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Die heimischen Autokonzerne sollten sich zusammentun und rasch ein gemeinsames Konzept für eine Kooperation oder sogar eine Übernahme vorlegen.

Nach Ansicht des FDP-Wirtschaftsexperten Thomas Kemmerich sollte Opel seinem Werbespruch „Frisches denken für bessere Autos“ gerecht werden. Würde Opel die besseren Autos bauen, würden die Zahlen stimmen. Der hessische Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn hat dem Opel-Management vorgeworfen, das wahre Ausmaß der Krise bei der Konzernmutter General Motors (GM) zu verschweigen.

Über den Radiosender hr1 forderte Hahn die Opel-Führung auf, „endlich die Hosen runterzulassen“: „Ich habe die große Hoffnung, dass in den nächsten zehn Tagen – und die Frist ist wirklich so eng – Opel-Europa-Chef Carl-Peter Forster ein Konzept auf den Tisch legt, bei dem man sagen kann: Das könnte ja wirklich klappen, da könnten wir ja wirklich die Werke in Deutschland und darüber hinaus retten.“ Die hessische Landesregierung hatte im Herbst einen Bürgschaftsrahmen von 500 Millionen Euro für Opel und seine Zulieferer beschlossen. „Heute diskutieren wir über Beträge, die weit über einer Milliarde liegen“, sagte Hahn dem Sender. Wie kann man Opel retten???? Die Fehler des Autobauers liegen schon Jahre zurück und sind ganz klar in der Modellpolitik begründet. Das sage ich als alter Kadett-Fahrer, der früher nur Opel gefahren ist. Mein erstes Auto war ein Kadett, Baujahr 1970. Knuffiges Teil.

Mut zur Schlichtheit wird belohnt: Billigauto Dacia von Renault entwickelt sich zum Verkaufsrenner – Deutsche Autoindustrie hat wieder mal gepennt

Das Billigauto Dacia von Renault entwickelt sich zum Verkaufsrenner: „In 80 Ländern wurden bisher 1 293 305 Dacia verkauft, seitdem Renault 2004 die Marke übernommen und neue, einfach aufgebaute Autos mit französischer Technik konstruiert hat. Um 38,7 Prozent stieg der Verkauf in der Welt von 2007 auf 2008, in Deutschland waren es gar 44 Prozent, was 24 913 verkauften Fahrzeugen entspricht. Die weltweite Nachfrage speist sich dabei aus den überdurchschnittlich günstigen Preisen der Neufahrzeuge, die etwa in Deutschland bei den Basismodellen der Dacia unter 10 000 Euro liegen“, berichtet beispielsweise die Tageszeitung „Die Welt“. Und schon bricht das Wehklagen von Autoexperten in Deutschland los, die von Wettbewerbsverzerrung schwadronieren und den Dacia als Preisbrecher-Produkt abqualifizieren, bei dem Entwicklungs- und Produktionskosten für moderne aktive und passive Sicherheitstechnik angeblich nicht auf das Produkt umgelegt werden. In Wahrheit hat die deutsche Autoindustrie die Strategie von Renault einfach nicht ernst genommen.

Vor einigen Jahren wurde der Dacia von Autoexperten und Fachjournalisten noch müde belächelt. Kaum einer rechnete mit einem Erfolg in Westeuropa. Hochmut kommt vor dem Fall. Deshalb ist es nicht sachgerecht, jetzt den Eindruck zu erwecken, dass Renault so eine Art Preisdumping betreibt.

Michael Müller, Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft, bewertete die Renault-Strategie schon zum Marktstart des Dacia Logan als wegweisenden Einschnitt in der Massenproduktion: „Man konzentriert sich auf das Wesentliche, vereinfacht die Produktionsschritte und kombiniert die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitskräfte mit flexiblen High-Tech-Verfahren. So kann man sich den Veränderungen von Märkten schneller anpassen, in Kundennähe produzieren, deren Wünschen gerecht werden und sorgt für neue Arbeit.“ Kleinere Serienzahlen würden mehr Flexibilität erfordern, die man mit Robotern längst nicht immer gewährleisten könne. Das zeige auch eine Erhebung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung, die zusammen mit dem Institut für Fabrikanlagen der Universität Hannover durchgeführt wurde. Nach Angaben der Autoren haben bereits mehr als ein Drittel der zirka 1.000 untersuchten Betriebe mit hoch automatisieren Anlagen das Niveau der Automatisierung in ihrer Produktion gesenkt oder planen dies. Wichtigster Grund sei die zu geringe Flexibilität dieser Anlagen.

Der Dacia Logan, der die neuesten Abgasnormen erfüllt, sei simpel, aber keineswegs minderwertig, urteilte auch der Spiegel. Und das Fassungsvermögen des Kofferraums finde man längst nicht bei jedem Luxusfabrikat. Wolfgang Peters schilderte für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung seine ersten Eindrücke. Seine Wertung: Konzentration auf das Wesentliche bei befriedigendem Komfort. Dabei empfindet er die Absenz von technischen Spleens und Designerlaunen nicht als Beeinträchtigung des Gesamtbildes, im Gegenteil: „Die größte Stärke des Logan ist vielleicht sein offenes und gar nicht verschämt vorgetragenes Bekenntnis zur Schlichtheit und zur einfachen Lösung. Wobei das alles überhaupt kein Nachteil sein muss, die allermeisten Autos auf dem deutschen Markt bieten mehr Schnickschnack an, als man eigentlich haben möchte“, resümiert Peters.

Das einstige Basisauto Logan ist mittlerweile auch als Kleinlieferwagen und Pick-up zu haben, „und so gefällt sich Dacia als einziger Billiganbieter Europas mit Aufstiegschancen“, berichtet die Welt. Die Deutschen, glaubt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen, haben da einen Trend verschlafen. „Wenn sie nur wollten, könnten auch sie billige Autos bauen.“

Google-Handy als cleverer Helfer – Mobile Kommunikation gepaart mit Künstlicher Intelligenz

Experten der Telekommunikation haben den Angriff von Google auf die mobile Welt schon lange erwartet. Mit dem Verkaufsstart des Handys G1 über die Mobilfunkfirma T-Mobile beginnt ein neues Kapitel für den drahtlosen Datenverkehr, denn Google wird mit einer Vielzahl von sehr nützlichen Diensten aufwarten, die weit über das stationäre Internet hinaus gehen: Wer sich das Google-Handy zulegt, „trägt fortan einen cleveren kleinen Helfer mit sich herum. Man kann ihn nach dem richtigen Weg fragen, nach Einkaufstipps, Sehenswürdigkeiten und allerlei sonstigen Belangen des täglichen Lebens“, berichtet „Die Zeit“ in ihrer Titelstory.

Das Zwiegespräch mit dem Handy sei aber nie ganz privat. Koordinaten, Wünsche, Ziele – diese persönlichen Daten werden laufend aus dem mobilen Gerät versendet. „An Google und seine Partnerfirmen. Denn erst so wird die Fülle neuer Dienste überhaupt möglich“, schreibt die Hamburger Wochenzeitung. Man könnte jetzt wieder ein Fass aufmachen und von der unersättlichen Datenkrake sprechen. Aber ohne diese Daten würden viele Dienste nicht so gut funktionieren oder wären weniger komfortabel, meint beispielsweise der Berliner Informatiker Stefan Zwierlein, der sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt und zu den Autoren des GoogleWatchBlog zählt. Das sei nicht zu verwechseln mit blindem Vertrauen. Man müsse den Suchmaschinengigant auf dem Weg zu einer intelligenten Maschine kritisch in der Öffentlichkeit begleiten.

Der stumme und pauslose Dialog mit dem Handy unter Einbindung eines GPS-Satellitenempfängers wird sich auf breiter Front durchsetzen: „Halte die Linse deiner Handykamera einfach auf ein historisches Gebäude, und ich sage dir, was dort los ist und wer es gebaut hat! Einen Reiseführer aus Papier brauchst Du nicht mehr“, schreibt die Zeit. Und das entzückt auch Andreas Rebetzky. Sprecher des cioforums in München und CIO des Technologiespezialisten Bizerba: „Die Möglichkeit, semantische Empfehlungen zu bekommen, ist eine sehr schöne Sache. Endlich ohne Baedeker durch die Stadt ziehen – zielgerichtet“.

In diesem Jahr werde das mobile Internet endlich seinen großen Durchbruch erleben. Angetrieben von immer günstigeren Datentarifen sowie der Popularität des iPhones, aber auch durch den zu erwartenden Erfolg des Handy-Betriebssystems Android von Google und den allgegenwärtigen App Stores werden immer mehr Mensch gefallen an den nützlichen „Surfphones“ finden, so die Überzeugung von Netzwertig-Blogger Martin Weigert.

Taxilotse, Reiseführer, Einkaufshilfe, und das alles unterwegs – Technikvisionäre wie der Sprachdialogexperte Lupo Pape von SemanticEdge in Berlin arbeiten schon seit langem an Konzepten des Super-Handys. „Nun ist es in greifbarer Nähe. Bereits jedes achte Handy ist heute ein so genanntes Smartphone – ein kleiner Computer, der noch so tut, als sei er ein Telefon. Dabei schlagen die kleinen Rechenzwerge nur wenige Jahre ältere Laptops um Längen“, erläutert die Zeit. Und Google-Chef Eric Schmidt hat die Marschroute seines Unternehmens klar vorgegeben: Seinem Rechenzentrum soll Künstliche Intelligenz (KI) oder eine Vorform des Denkens beigebracht werden. Es soll die Bedeutung eines ganzen Satzes verstehen und nicht nur die Wörter in diesem Satz. Das klingt unspektakulär, ist aber eine der schwierigsten Hürden für die KI-Forschung. „Um das Handy zu einem persönlichen Assistenten zu machen, muss es im jeweiligen Kontext unsere Intentionen und Bedürfnisse situationsgerecht erkennen. Da ist noch einige Forschungsarbeit vonnöten. Aber wenn es jemand schafft, dann die exzellente Truppe von Google“, glaubt Voice Days-Sprecher Bernhard Steimel.

Für Technikenthusiasten ist Google der wichtigste Katalysator auf dem Weg in ein neues Informationszeitalter. Der Internet-Pionier und Verleger Tim O’Reilly spricht sogar von der Google-Ära. IBM sei prägend für Großcomputer gewesen und Microsoft brachte mit Windows und dem PC den Computer auf den Schreibtisch von Jedermann. Heute gehe es primär um die möglichst einfache Nutzung des Internets und seiner Möglichkeiten: Webinhalte, Mail, digitale Medien, WebTV, VoIP, soziale Netzwerke, E-Commerce oder Online-Spiele, so die Fachzeitschrift PC-Praxis in einem Sonderheft über Google. Die strategische Ausrichtung der Mountain View-Firma auf das mobile Internet ist der nächste logische Schritt. „Wenn das Internet nicht mehr nur vom Schreibtisch aus zu erreichen ist, sondern auch aus der Straßenbahn, am Flughafen, aus dem Bus, beim Picknick im Wald oder während einer nächtlichen Kneipentour, hat es eine vollkommen andere Qualität. Denn anders als der heimische Laptop weiß ein Smartphone ständig, wo es ist, wo sich sein Besitzer aufhält. Das ist für die Nutzer gut, denen sich nun neue Dienste erschließen – und es würde auch Google viel nützen. Denn diese Informationen hat der Internetkonzern bisher nicht, der wie kein anderer davon lebt, zu wissen, was seine Nutzer tun. Wer sie sind. Was sie wollen. Und bald auch, wo sie sind“, analysiert die Zeit.

Sprachtechnologie: Künstlich und intelligent? Auf jeden Fall smart und nützlich für Autoverkehr, Gesundheitswesen und mobile Kommunikation

Ob Sprachtechnologie schon zur Künstlichen Intelligenz gerechnet werden kann, ist unter Experten umstritten. Die Einordnung von sprachgesteuerten Geräten in intelligent oder „nur“ smart, ist nach Auffassung von Voice Days-Sprecher Bernhard Steimel zweitrangig. „Entscheidend ist der Nutzen. Und hier kann man interessante Anwendungsfelder ausmachen, etwa bei der Montage von Flugzeugen, in der Logistik, im Gesundheitswesen oder im Autoverkehr“, sagt Steimel.

„Sprachsteuerung macht das Autofahren sicherer“, berichtet das Handelsblatt. Wenn ein Fahrer sich ein neues Ziel überlegt, soll er künftig das Navi nicht mehr per Hand neu programmieren, sondern dies per Sprache erledigen. „Das ist nicht nur einfacher, sondern reduziert auch die Unfallgefahr, wie Studien belegen. Erste Geräte sind auf dem Markt. Zunächst sind zwar nur teure Modelle mit der Sprachsteuerung ausgestattet, doch es wird nicht lange dauern, dann werden alle Geräte per Zuruf funktionieren“, so das Handelsblatt. Das Geschäft mit der Sprachsteuerung sei den Kinderschuhen entwachsen. Die Technik habe einen Reifegrad erreicht, dass auch immer mehr Handyhersteller sprachgesteuerte Bedienmenüs einsetzen. „Mobile Geräte mausern sich so langsam zu persönliche Assistenten für Beruf und Freizeit. Die Hardware und auch die dafür nötige Energieversorgung machen gewaltige Entwicklungssprünge, so dass man in nächster Zeit einige Überraschungen erleben und neue intuitive Interaktionsmöglichkeiten finden wird“, prognostiziert Steimel. Neben dem Marktführer Nuance basteln Microsoft, Yahoo und Google an Programmen, um das mobile Internet zu erobern.

Aastra-DeTeWe sieht das Gesundheitswesen als interessantes Betätigungsfeld. Die von der Berliner Firma entwickelte Technik soll Pflegedokumentationen in der stationären Altenhilfe einfacher, schneller und besser machen: „So ist eine Nachtschwester für viele Bereiche und Bewohner zuständig und kann nicht alle Akten ständig bei sich tragen. Die Spracherfassung über das mobile Telefon vereinfacht die Dokumentation, sichert die Qualität und spart nebenbei noch Zeit“, erklärt Andreas Latzel, Deutschlandchef der Aastra-Gruppe. Bei einem Pflegeheim mit etwa 100 Mitarbeitern und einer durchschnittlichen Fluktuation setzt Aastra-DeTeWe auf Sprachportale. Bei ihnen können interaktive Sprachdialoge zusammengestellt werden, um automatisiert mittels Sprache zu navigieren. „Die Sprache wird dabei nicht völlig frei per Umsetzung von Sprache in Befehle erkannt, sondern mit Hilfe einer vorher festgelegten Grammatik“, sagt Latzel. Wichtige Erfahrungen mit dem Pflegedokumentationsprogramm OPAS Sozial wurden in dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Pilotprojekt „Das intelligente Heim“ gesammelt und von Pflegewissenschaftlern ausgewertet. Bericht kann hier heruntergeladen werden.

Laut Opus Research hatte der Markt für Spracherkennung 2007 ein Volumen von 1,6 Mrd. Dollar. In den nächsten drei Jahren soll er laut dem Marktforschungsunternehmen jährlich um 14,5 Prozent wachsen. „Kein Wunder, dass nun immer mehr Firmen auf die Spracherkennungstechnik setzen“, resümiert das Handelsblatt. Der Markterfolg von sprachgesteuerten Navigationsgeräten und Handys werde auch die Systeme im telefonischen Selbstbedienungsservice beflügeln und das Image der Call Center-Branche verbessern. Davon ist der Sprachdialogexperte Bernhard Steimel überzeugt.

Nochmal: Innovatoren für den Aufschwung – Deutschland braucht mehr Quertreiber und den Sputnik-Effekt

Trendforscher Matthias Horx hat es bereits Ende vergangenen Jahres treffend analysiert: Es beginnt eine neue Ära für Innovatoren. Nie waren die Chancen besser. Allerdings müssen wir uns abwenden von den klassischen Massenanwendungen, von der industriekapitalistischen Denkweise, vom Fordismus des vergangenen Jahrhunderts. „Alle unsere Kernbranchen – die Banken, die Automobilbranche, die Energiebranche, die Pharmaindustrie, die Medien – tun seit vielen Jahren immer nur das Gleiche. Sie verbessern ihr Marketing. Sie steigern den Absatz, weil die Märkte global geworden sind. Wirkliche Innovationen im Sinne von klugen, smarten intelligenten Lösungen: Mangelware“, so Horx, Chefredakteur des Bonner Fachdienstes Zukunftsletter. Unternehmen und Branchen die sich nach wie vor so definieren, entwickeln sich zu den Stahlbranchen der kommenden Jahre und verschwinden vom Markt. „Alte Messlatten taugen halt nicht für Neuerungen”, schreibt der Strategieplaner Andreas Frank in seiner Studie „Deutschland ein Land der Innovationen?“. 43 Prozent aller Geschäftsführer haben die Verantwortung für Innovationen schlicht wegdelegiert, etwa ans Marketing oder an die Personalabteilung. Fast ein Viertel erklärte ausdrücklich, vor lauter Arbeit keine Zeit für Innovationen zu haben. Schlimmer noch sind jene Firmenvertreter, die meinen, ohnehin schon produktiv und innovativ genug zu sein.

„Basisinnovationen kommen daher eher von Außenseitern, Quertreibern oder sind Zufallsprodukte. Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen und weniger Steuerung”, fordert Dr. Johannes Bussmann von der Beratungsfirma Booz & Co.. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, um mit den Ideen auch voran zu kommen. Man sollte sich generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen komme man in der Geschäftswelt nicht weit.

Wirtschaftsexperten wie Bussmann predigen schon seit einigen Jahren, dass die Voraussagbarkeit der Zukunft abnehmen und unübersichtliche Ereignisse zunehmen. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Deshalb braucht man Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat. Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät: „Der Wandel zu Neuem geschieht nicht kontinuierlich. In der Wissenschaft nennt man das ‚Paradigmenwechsel’, treffend und umfassend beschrieben von Thomas S. Kuhn in ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen’. Der wesentliche Zug seiner Theorie ist der diskontinuierliche Wandel von Methoden, Beschreibungen, Theorien und Erkenntnissen. Und genau dieser Wandel findet derzeit in der globalen Kommunikation statt, ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Internets: Die Art und Weise, wie wir künftig innovative Produkte und Dienstleistungen erfinden, hat sich schon gewandelt und wird sich weiter in Richtung Cyberinnovation entwickeln”, glaubt Andreas Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba und Sprecher des cioforums in München.

Der Düsseldorfer Personalexperte Udo Nadolski vermisst allerdings den dafür notwendigen mentalen Umschwung in Deutschland. „Politiker beschäftigen sich mehr mit der Technikfolgenabschätzung als mit den Technologien selbst. Was kann Bundeskanzlerein Angela Merkel denn vorweisen bei der Umsetzung der Lissabon-Strategie. So sollte doch Europa bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt gemacht werden. Bislang existiert diese Vision nur auf dem Papier“, bemängelt Nadolski, Chef des Beratungshauses Harvey Nash.

Wer in der Krise seine Stellung behaupten wolle, müsse seine Ressourcen und die Geisteskraft seines Landes bündeln und in einer gesellschaftlichen Kampagne für Innovationen mobilisieren. „In den USA wird die aufrüttelnde Antrittsrede von US-Präsident Barack Obama eine ähnliche Wirkung haben, wie der Sputnik-Schock Ende der 1950er Jahre. Amerika investierte damals massiv in die Bildung, brachte die Lehrpläne in Mathematik und Naturwissenschaften auf eine hohes Niveau und sorgte mit staatlichen Mitteln dafür, dass die Apollo-Mission zum Mond erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Obama wirkt ähnlich mitreisend wie John F. Kennedy, um eine neue Innovationsoffensive zu starten. Davon können wir in Deutschland nur träumen“, resümiert Nadolski.

Würde mich über Eure Anregungen für eine Innovationsoffensive sehr freuen!!!!

Kollektive Intelligenz für den Aufschwung – Gute Zeiten für Innovatoren

Trendforscher Matthias Horx hat es bereits Ende vergangenen Jahres treffend geschrieben. Es beginnt eine neue Ära für Innovatoren. Nie waren die Chancen besser. Allerdings müssen wir uns abwenden von den klassischen Massenanwendungen, von der industriekapitalistischen Denkweise, vom Fordismus des vergangenen Jahrhunderts. „Alle unsere Kernbranchen – die Banken, die Automobilbranche, die Energiebranche, die Pharmaindustrie, die Medien – tun seit vielen Jahren immer nur das Gleiche. Sie verbessern ihr Marketing. Sie steigern den Absatz, weil die Märkte global geworden sind. Wirkliche Innovationen im Sinne von klugen, smarten intelligenten Lösungen: Mangelware“. Unternehmen und Branchen die sich nach wie vor so definieren, entwickeln sich zu den Stahlbranchen der kommenden Jahre und verschwinden vom Markt. „Alte Messlatten taugen halt nicht für Neuerungen“, schreibt der Strategieplaner Andreas Frank in seiner Studie „Deutschland ein Land der Innovatoren?“. 43 Prozent aller Geschäftsführer haben die Verantwortung für Innovationen schlicht wegdelegiert, etwa ans Marketing oder an die Personalabteilung. Fast ein Viertel erklärte ausdrücklich, vor lauter Arbeit keine Zeit für Innovationen zu haben. Schlimmer noch sind jene Firmenvertreter, die meinen, ohnehin schon produktiv genug zu sein.

„Basisinnovationen kommen daher eher von Außenseitern, Quertreibern oder sind Zufallsprodukte. Wir brauchen deshalb weniger Barrieren, weniger Restriktionen und weniger Steuerung“, fordert Dr. Johannes Bussmann von der Beratungsfirma Booz Allen. Die Ideen müssten bei wenigen generiert werden. Dafür müsse eine Kultur vorhanden sein, dass die Leute, die Ideen haben und mit den Ideen auch vorankommen. Man sollte sich generell von der Planungshybris verabschieden. Mit mechanistischen Dogmen kommt man in der Geschäftswelt nicht weit.

Die Voraussagbarkeit der Zukunft nimmt ab und unübersichtliche Ereignisse nehmen zu. Innovationen, neue Produkte, Märkte oder Trends lassen sich nur schwer prognostizieren und die Bedürfnisse der Verbraucher von heute sind kein aussagekräftiger Indikator für die Produkte von morgen. Wir brauchen Menschen, die Erwartungen durchbrechen und etwas tun, womit zuvor niemand gerechnet hat. Ein Innovator ist derjenige, der sieht, dass man in turbulenten Situationen mit einem stoischen Verhalten in Probleme gerät. „Der Wandel zu Neuem geschieht nicht kontinuierlich, sondern in Stufen. In der Wissenschaft nennt man das ‚Paradigmenwechsel‘, treffend und umfassend beschrieben von Thomas S. Kuhn in ‚Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen‘. Der wesentliche Zug seiner Theorie ist der diskontinuierliche Wandel von Methoden, Beschreibungen, Theorien und Erkenntnissen. Und genau dieser Wandel findet derzeit in der globalen Kommunikation statt, ein Vierteljahrhundert nach der Erfindung des Internets: Die Art und Weise, wie wir künftig innovative Produkte und Dienstleistungen erfinden, hat sich schon gewandelt, und wird sich weiter in Richtung Cyberinnovation entwickeln“, glaubt Andreas Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba. Welche Cyberinnovationen werden das sein? Welche Außenseiter, Quertreiber und Erfinder sind bereits am Start? Das werde ich hier weiter berichten. Vielleicht habt Ihr ja Anregungen?

Warum wir Obama-Spirit in der Wirtschaftspolitik brauchen

Erwartungen sind nach Erfahrungen von Mario Ohoven der Lotse für die Wirtschaft. „Geschäftserwartungen bestimmen Investitionen, Einkommenserwartungen den Konsum. In dem derzeitigen Wunschkonzert der Konjunkturhilfen werden viele Partikularinteressen deutlich, ein konsistenter Plan fehlt aber“, moniert Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“. Dabei sei eine plausible Gesamtstrategie aber aus zwei Gründen notwendig: um die Dauer der Rezession so kurz wie möglich und die Belastungen für den Staatshaushalt in einem erträglichen Rahmen zu halten. Wenn schon im keynesianischen Sinne die Konjunktur angekurbelt werden, müssten die Maßnahmen zielgerichtet und wahrnehmbar sein.

„Einfach und wirkungsvoll ist es, einbehaltene Gewinne steuerfrei zu stellen. Dann können die Betriebe aus eigener Kraft weiter investieren, Arbeitsplätze schaffen und Eigenkapital aufbauen. So wurde schon in den 50er-Jahren das Wirtschaftswunder ohne Fremdkapital finanziert. Zudem müssen in der heutigen Phase der Unsicherheit und der düsteren Prognosen die Einkommensteuersätze für mittlere Einkommen gesenkt werden. Damit Mittelstand und Mittelschicht merken, dass sie nicht allein die Last der Finanzkrise zu tragen haben. Die für 2009 diskutierte Anhebung des Grundfreibetrags um drei Prozent reicht dazu nicht aus“, so Ohoven.

Auch nach Auffassung des Wirtschaftswoche-Chefredakteurs Roland Tichy http://www.wiwo.de sei nur eine Steuer- und Abgabensenkung hilfreich, um aus dem Konjunkturtal wieder herauszukommen. „Nur so werden die Leistungsträger der Gesellschaft entlastet, die letztlich die Pfade zu einem neuen Wirtschaftswachstum finden. Wir müssen die Aktiven belohnen, statt die Passivität und das Nichts-Tun noch höher zu subventionieren“, führt Tichy aus. Steuersenkungen seien schnell zu haben, sie könnten in die Vorauszahlungsprogramme und Lohnsteuerberechnung schneller eingearbeitet werden als staatliche Planungsprozesse für Bauvorhaben. „Die Bürger, das muss man den Politikern der CDU und SPD immer wieder sagen, wissen selbst am besten, wofür sie ihr Einkommen ausgeben. Ohnehin stranguliert die Abgabenbelastung, die unter dieser Regierung angestiegen ist, die Nachfrage“, bemängelt Tichy.

Trendforscher Matthias Horx fordert eine neue Ära der Innovation. Man brauche jetzt flexiblere, erfinderischere und mobilere Unternehmen, die auf neue Weise profitabel sind. So könnten neue Märkte entstehen: Energienetze, Care-Systeme, Humanressourcen, neue Bildung oder Gesundheit Plus. Soweit die Experten. Wir brauchen allerdings auch Vision, Spirit und Optimismus, wie ihn US-Präsident Obama in seiner Antrittsrede vermittelt hat. Auf Härten hinweisen und gleichzeitig große Ziele formulieren. Nicht verzetteln, sondern Groß-Projekte angehen, wie bei der Apollo-Mission.
Kluge Grundlagenforscher und Ingenieure haben wir genug. Themen wie Gezeitenkraftwerke, semantisches Web (beispielsweise Projekte der Deutschen Forschungsgesellschaft für Künstliche Intelligenz), Biogaskraftwerke, geothermische Energiegewinnung, komplette Abkopplung von fossiler Energie. Nicht kleinlaut daherreden Frau Merkel. Machen Sie es wie Ludwig Erhard, mit klaren Botschaften (damals: Wohlstand für alle) für Chorgeist sorgen und keine Schmalspurdebatten über Abwrackprämien, Kindergelderhöhung und lächerlichen Abgabenentlastungen führen.

Rezession schafft ein besseres Klima – Krise für eine Effizienzrevolution nutzen!

Michael Miersch hat in der Welt einen klugen Kommentar geschrieben: Die Krise vermindert den Ausstoß von Treibhausgasen weitaus effektiver als Ökosteuern und Klimaschutzverträge. Jeder Motor, der nicht angeworfen wird, jede Maschine, die nicht läuft, jedes Flugzeug, das am Boden bleibt, hätte in Zeiten guter Konjunktur Treibstoffe verbrannt und damit Kohlendioxid erzeugt. Wirtschaftskrisen waren schon früher CO2-Senker. Als 1973 die Opec-Länder den Ölhahn zudrehten, führte das nicht nur zu einer Konjunkturflaute, sondern auch zur Effizienzrevolution. Es schärfte das Bewusstsein für die Möglichkeiten des Energiesparens und beförderte die Suche nach Alternativen. Der Untergang der DDR reduzierte die Treibhausgase noch heftiger. Nur weil in den frühen 90er-Jahren Stahlwerke, Chemiekombinate und Autofabriken im Osten pleitegingen, wurde es möglich, dass Deutschland die Ziele des Kyoto-Protokolls bereits vier Jahre vor dem Stichtag erreichen konnte. Gernot Klepper vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagt: „Rezession bringt Klimaschutz, und Weltrezession bringt massiven Klimaschutz. Allein wenn sich das chinesische Wirtschaftswachstum halbieren sollte, geht der Anstieg der Treibhausgasemissionen um ein Viertel zurück. Es könnte sogar sein, dass die Konjunkturkrise dieses Jahr das globale Emissionswachstum stoppt.“

Die Krise sollte – wie schon die Ölkrise der 70er-Jahre – genutzt werden, um effizientere Techniken voranzutreiben, die den Verbrauch fossiler Ressourcen weiter senken. Liest man die Aussagen der kommenden US-Regierung, wird wahrscheinlich genau dies geschehen.

Die Krise als Chance für einen Neustart der Wirtschaft – Fordistische Geschäftsprinzip hat ausgedient

Die herannahende Rezession blockiert das stark vernetzte Wirtschaftssystem in weiten Teilen. Nicht nur die Finanzströme stocken, auch die gesamten Warenströme fließen nicht mehr reibungslos. Man legt Produktionen still und kann Mitarbeiter gar nicht oder nur teilweise auslasten. Diese Denkpause sollten Firmen nutzen, um vom kurzfristigen und reaktiven in ein strategisches Handeln umzuschwenken, so der Ratschlag des Schweizer Systemarchitekten Bruno Weisshaupt. „Statt lediglich unbefriedigende Entwicklungsstände bei den aktuell am Markt angebotenen Produkten zu korrigieren, zu reparieren oder marginal zu verbessern, muss fundamental umgedacht werden. Jedes Unternehmen, das jetzt diese Zeit nicht für die eigene Rollenfindung nutzt, gerät bald in Rückstand. Die in dieser Situation gefragte Fähigkeit, mit disruptiven Innovationen aus dem intimen Verständnis des Marktes heraus zu handeln, wurde in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt“, beklagt Weisshaupt. Das vor allen Dingen die Autoindustrie von der Finanzkrise so gebeutelt wird, sei kein Wunder. „Das hängt nicht nur mit dem Konjunkturzyklus zusammen, sondern auch mit der Produktpolitik. Es ist doch sehr auffällig, dass in der Automobilindustrie technologisch schon lange kein großer Sprung nach vorne gelungen ist. Im Grunde fahren wir schon seit hundert Jahren mit den gleichen, wenn auch optimierten Vehikeln herum“, sagt Weisshaupt.

Der Finanzcrash beschleunige nur die Tatsache, dass man am Ende des natürlichen Entwicklungszyklus angekommen sei. Mit einer linearen Weiterentwicklung der Produkte komme man nicht weiter. Überlieferte Lösungen seien geprägt von aufgeblähten Funktionen und überbordender Technik. So sieht das auch Alexander Horn, Autor der Frankfurter Zeitschrift Novo: „Die gegenwärtigen Absatzprobleme der Automobilhersteller resultieren nicht aus der Not der am Abgrund stehenden Finanzwirtschaft – beide Krisen haben vielmehr die gleichen Wurzeln. Die Lösung kann nur darin liegen, dass wieder Autos gebaut werden, die die Kundschaft auch ohne nachgeworfenes Geld haben will“.

Weisshaupt fordert neue Systeme und Geschäftsmodelle, um das On-Demand-Verhalten der Menschen zu unterstützen und ihnen die Technik unauffällig zur Verfügung zu stellen. „Urbanität, Identität, Mobilität, Interaktion, Integration, Individualität, Automatisierung sind die zukunftsfähigen Infrastrukturen und die Basis für jede Systeminnovation.“ Produkte, die man irgendwo auf der Welt als Module herstellt, würden zu Gunsten von Applikationen an Marktbedeutung verlieren. Worauf es ankomme, sei die Konfiguration. „Zwar wird die bessere Technologie auch in Zukunft ein wesentlicher Grundstein für den Erfolg einer neuen Anwendung sein. Wer würde bezweifeln, dass man mit der Entwicklung einer funktionierenden Brennstoffzelle nicht gute Geschäfte machen kann. Der Erfolg am Markt wird aber nicht an der Technologie hängen, sondern an ihrer kundenorientierten Umsetzung“, sagt Weisshaupt. Wer sich auf die Produktion der Basisprodukte konzentriere, werde das Ausscheidungsrennen gegen Länder wie China oder Indien nicht gewinnen. „Im täglichen Geschäft verlieren das fordistische Geschäft und das tayloristische Prinzip längst an Bedeutung, was beileibe nicht nur für die Internetwirtschaft gilt“, schreibt Zeit-Redakteur Götz Hamann in einem Beitrag für das Buch „Die Kunst, loszulassen – Enterprise 2.0“ (Rhombos-Verlag).

Wer sich aber die Strukturen von Konzernen und straff organisierter Mittelständler anschaue, werde erkennen, dass das Erbe von Ford und Taylor noch sehr lebendig sei: Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Produktion, Buchhaltung, Innenverwaltung, IT-Abteilung – und natürlich der Vorstand. Die meisten Unternehmen würden aus Schubladen bestehen und wer in einer von ihnen stecke, habe in den anderen meist nichts zu suchen. „Die traditionelle Arbeitsteilung gilt noch immer als sicherste Form der Herrschaftsausübung und als wirkungsvollste Methode, um eine Organisation zu kontrollieren“, bemängelt Hamann.

Andreas Rebetzky, Vorstandsmitglied des cioforums, verweist auf ein Zitat von Schiller: „Nur vom Nutzen wird die Welt regiert“. So müsse ein IT-Chef aus seiner verträumten Technikecke rauskriechen und sich als Gestalter und nicht als Verwalter im Unternehmen profilieren. „Das tradierte Wissen aus dem vergangenen Jahrhundert sitzt oft starr in den Köpfen der IT-Entscheider. Hier erwarte ich Impulse von der jungen Generation, die als Digital Natives auch die Berufswelt umpflügen werden“, prognostiziert Rebetzky, Director Global Information der Firma Bizerba, die Systemlösungen der Wäge-, Informations- und Food-Servicetechnik anbietet. Mit der gegenwärtigen Sparhysterie werde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen eher negativ beeinflusst. „Es sollte mehr investiert werden in wirkliche Prozessinnovationen“, fordert der IT-Interessenvertreter des cioforums.

IBM-Innovationstrends: Sprechendes Internet und digitale Shopping-Assistenten

Der Gang ins Internet wird sich nach Prognosen von IBM in den nächsten fünf Jahren auf signifikante Weise verändern. Die Forscher des Computerriesen erwarten dabei viel von der Sprachsteuerung. Surfen im Internet werde mit der Stimme möglich sein – ohne Einsatz der Hände. „Dadurch werden sowohl Sichtkontakte als auch Tastaturen überflüssig. Die neue Technologie wird einen Veränderungsprozess einleiten und die Art und Weise beeinflussen, wie der Mensch mit Informationen und E-Commerce-Websites umgeht und mit ihnen interagiert. Steuerinstrument ist dann die Sprache und nicht mehr der Text. Wir wissen, dass das machbar ist, da uns bereits heute die erforderliche Technologie zur Verfügung steht, wir wissen aber auch, dass die Zeit dafür reif ist“, so IBM. In Ländern wie Indien, in denen das gesprochene Wort im Bildungswesen, in Regierungskreisen und in der Kultur eine größere Bedeutung habe als das geschriebene Wort, stellt das „Sprechen“ mit dem Internet bereits alle anderen Kommunikationsschnittstellen in den Schatten.

„Gleiches geschieht bei den Mobiltelefonen, die mittlerweile die PC-Anwendung übertrumpfen. Durch die Nutzung der ‚Voice Sites’ werden in Zukunft auch die Menschen ohne Zugang zu einem Computer oder Internet ebenso wie diejenigen, die weder schreiben noch lesen können, von den zahlreichen Vorteilen und Annehmlichkeiten des Internets profitieren“, betont IBM. Für den deutschen Markt komme es darauf an, wie man die Akzeptanz von Voice Sites steigern kann, so Christoph Bill, ITK-Leiter der Firma Vivento Customer Services in Bonn: „Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass gerade in Deutschland noch erhebliche Widerstände gegenüber sprachbasierten Systemen bestehen.“ „Surfen mit der Stimme“ könnte der Sprachautomatisierung zum Durchbruch verhelfen. „Durch die Verbindung dieser Technologien mit biometrischen Verfahren könnten beispielsweise Self Service-Transaktionen im Netz deutlich an Sicherheit gewinnen“, erläutert Bill. Sprache werde mit Sicherheit als Eingabemedium an Bedeutung gewinnen, glaubt Andreas Dippelhofer, Mitglied der Geschäftsführung des Düsseldorfer Dienstleisters Acoreus. „Sprachsteuerung und Touchscreens werden bald wichtiger sein als Tastatur und Maus. Spracherkennungssysteme sind heute schon sehr zuverlässig und werden in modernen Autos erfolgreich eingesetzt.“

Eine Reduzierung der Komplexität im Netz und eine Demokratisierung des Internetzugangs werde durch personalisierte, lernfähige und vertraute elektronische Begleiter erreicht. „Sie werden dann die lästigen ersten Schritte einer Identifizierung von relevanten Informationen mittels Machine-to-Machine-Kommunikation mit einzelnen Instanzen im ‚Internet der Dinge’ aushandeln“, sagt Dippelhofer. Allerdings dürften keine technologischen Abhängigkeiten entstehen, die zu einem Verlust an Selbstbestimmung führen. Intelligente Assistenten werden auch die Shopping-Welt verändern. „Dabei wird die symbiotische Verknüpfung einer neuen Technologie und einer neuen Generation von Mobilgeräten den Einkaufserfahrungen im Einzelhandel dramatische Impulse verleihen. So werden Ankleideräume bald mit digitalen Shopping-Assistenten ausgestattet sein – Touchscreens und sprachgesteuerte Kioske werden Kunden zudem die Möglichkeit eröffnen, Bekleidungsstücke und Accessoires auszuwählen als Ergänzung oder Ersatz für die bereits zusammen gestellte Garderobe“, führt IBM aus.

Die letzte Meile im Einzelhandel werde in einigen Jahren völlig anders aussehen. „Das klassische Ladengeschäft muss nicht mehr Teil des Distributionsnetzes sein. Als Konsument möchte ich nur die allernötigsten Artikel an Ort und Stelle mitnehmen. Was darüber hinausgeht, soll mir nach Hause gebracht werden. Statt weit zu fahren, damit ich zu einem großen Sortiment komme, werde ich zu einem Showroom gehen, wo man mir das ganze Sortiment zeigt – echt oder virtuell“, sagt Moshe Rappaport, IBM- Experte für Technologie- und Innovationstrends. Es müssten nicht mehr alle Artikel im Laden vorrätig sein. Es reiche vollkommen aus, alles zeigen zu können. Nicht mehr das Produkte steht im Vordergrund, sondern der Service. „Nehmen wir Kleider als Beispiel. Ich muss nicht alle Größen in allen Farben haben. Das kann ich in einem elektronischen Dressing-Room in allen Varianten ausprobieren und meine Kaufentscheidung treffen. Komme ich nach meiner Shopping-Tour wieder ins eigene Heim, wartet das Paket schon auf mich und ich kann die Kleidung anziehen“, so der Ausblick von Rappaport.