„Mein“ Oster-Konjunkturpaket II: iPhone für alle Studenten, Wireless City und eine Neuauflage der Breitbandinitiative

Im Konjunkturpaket II der Bundesregierung findet sich als Beschluss 1 „Zukunftsinvestitionen der öffentlichen Hand“, und darin die Aussage: „Investitionsschwerpunkte sind der Bildungsbereich, insbesondere Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Infrastruktur, insbesondere Verkehr, Krankenhäuser, Städtebau und Informationstechnologie.“ Hier bieten genügend Möglichkeiten, um kurzfristig die Kommunikations-Infrastruktur und Anwendungen voranzutreiben. Bedarf gibt es in Deutschland hinreichend. Neben den nach wie vor DSL-technisch nicht erschlossenen rund 700 Ortsnetzen existiert ein Bedarf in vielen Ortsnetzen, in denen DSL nur mit geringen Bandbreiten verfügbar ist. Laut Bericht des Verbandes Bitkom waren in Deutschland im Februar 2009 erst 58 Prozent der Haushalte mit Breitbandzugängen erschlossen. Die Zugänge mit 16 Mbit/s Bandbreite oder mehr und somit die wirklich multimedialen Zugänge sind noch deutlich in der Minderheit.

Da die einzelnen Netzbetreiber jeweils für sich Geschäftspläne rechnen müssen zur Erschließung der Ortsnetze oder der Hauptverteiler der Telekom, sind die ländlichen Regionen mit ihren durchschnittlich größeren Distanzen und damit dem höheren Aufwand und zusätzlich geringer Kundendichte immer benachteiligt.

Hier können Länder und Kommunen eingreifen, sozusagen als Neuauflage der Breitbandinitiative von 2002. Gemeinschaftliche Förderkonzepte und Co-Finanzierungen bieten mit den neuen technischen Möglichkeiten wie ADSL2+, Reach-Extended ADSL, FTTH (Fiber to the home) oder Long Term Evolution (LTE) viele Ansätze für eine flächendeckende Versorgung mit schnellen Breitbandzugängen. Da Breitbandzugänge als ein wesentlicher Faktor für Produktivitätszuwächse gelten – Südkorea hatte schon 2007 rund 90 Prozent aller Haushalte mit Breitband-Internet versorgt – könnte das Konjunkturpaket II hier zur Schaffung einer leistungsfähigen Informationsgesellschaft beitragen.

Generell verfügbare Breitbandzugänge mit wirklich hoher Bandbreite stellen auch die Voraussetzung für Anwendungen wie Cloud Computing, IP Centrex und Software-as-a-service (als gehostete Lösung) dar, also für die Unabhängigkeit des Anwenders und seiner Endgeräte von lokal installierter Technologie. Das erleichtert gleichzeitig die Entwicklung von echten Managed Services.

Für Kommunen und Städte liegt die Umsetzung einer „Wireless City“ nahe, einem auf mobilen Breitbandzugängen basierenden Service. Hier können Zugang, Authentifizierung und Abrechnung für komplett mit WLAN ausgeleuchteten Einkaufszonen, Innenstädten und Verkehrsknotenpunkten zusammengefasst werden, verbunden mit mobiler Navigation, Veranstaltungskalendern, kulturellen Angeboten und Shopping-Führern.

Gerade bei Navigationssystemen im Handheld-Format geht der Trend hin zur WLAN- und 3G-Vernetzung und auch zur Fähigkeit, Videos abzuspielen. Sie bieten sich als ideales Endgerät für Einkaufsbummel und Städtetouren an. Derartige Konzepte für eine „Wireless City“ hat bereits die Wolfsburg AG ausgearbeitet – ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG. Nun fehlt es noch an Visionen und Entscheidungsfreude der Kommunen – was ja nichts Neues ist. Aktuell beschränken sich die Infrastrukturprojekte der Kommunen eher auf klassische Baumaßnahmen, also auf die Sanierung der öffentlichen Bausubstanz. Hochschulen sind abseits der technischen Studienfächer häufig noch immer informations- und kommunikationstechnisch unterentwickelt. So erschlagen sich in Köln in den Uni-Cafeterien, um einen WLAN-Empfang zu bekommen. Nicht gerade eine smarte Lösung für Wissensarbeiter des 21. Jahrhunderts.

Einige Hochschulen sind aber bereits mit dem Thema „Wireless Campus“ beschäftigt, nämlich der kompletten WLAN-Abdeckung des Campusgeländes und dem entsprechenden Angebot aller Dienste über HTML-Browser. Hierüber lassen sich Bibliothekszugriffe, Downloads von Vorträgen, Online Recherchen bis hin zum Videostreaming von Vorlesungen mobil und flachendeckend anbieten. Diese Dienste können von Studenten wie auch Dozenten über die verschiedensten Endgeräte genutzt werden. Das klassische „Schlange stehen“ zur Einschreibung, Seminarregistrierung, bei der Nutzung von Bibliothekscomputern gehört dann der Vergangenheit des vordigitalen Zeitalters an. Bleiben noch die Schlangen an den Essensausgaben der Mensen als nostalgische Reminiszenz, zumindest wenn die Qualität der Küche stimmt. Was an der FU-Berlin selten der Fall war – außer wenn es Grießbrei mit Kirschen gab….Siehe auch den Bericht über den Vorschlag für die Uni Köln, allen Studenten als Gegenleistung für die Studienzwangsabgaben ein iPhone auszuhändigen. Das wurde sofort mit einem wütenden Anruf des Uni-Pressesprechers beantwortet. Dahin sollte aber der Weg einer modernen Hochschule gehen. Ansonsten macht es halt die Uni München schneller, dann werden sich die Verantwortlichen der Domstadt auch wieder ärgern.

Rechenzentrum 3.0: Nachbetrachtung zur Cisco-Strategie

In den vergangenen Tagen ist ja schon kräftig darüber berichtet worden, wie Cisco den Markt für Rechenzentrumstechnik aufmischen will. Der weltgrößte Netzwerkausrüster verkauft ab Mitte des Jahres ein Paket aus Computer, Netztechnik und Software, mit dem Unternehmen ihre zentralen IT-Abteilungen besser auslasten und die Betriebskosten senken könnten.

IT-Dienste sollen laut Cisco-Chef John Chambers stärker ins Web verlegt werden – also folgt er dem Cloud Computing-Trend. Rechenzentrum 3.0 oder Unified Computer System (USC), unter welchem Begriff auch immer, Cisco greift massiv in den Servermarkt ein. Bestand die Produktstrategie bisher darin, Aplliances mit Software-Lizenzen und eigenen Betriebssystemen für Netzwerk-Funktionen anzubieten, geht Cisco nun in das Geschäft der Intel-basierten Server, der von IBM und HP dominiert wird, gefolgt von Dell und Sun. Cisco setzt dabei auf eine Kombination von Blade-Architektur (Cisco UCS-B), Virtualisierung (Integration von VMware vCenter), Hochgeschwindigkeitsvernetzung (10 Gigabit LANs), und das Service Management von BMC. Hinzu kommen Kooperatioonen mit Microsoft, Redhat, Novell und weiteren Softwareherstellern.

Die Servermarktstrategie von Cisco wird die Bereitschaft von anderen Schwergewichten wie IBM und HP beeinträchtigen, mit Cisco zu kooperieren. Da HP mit ProCurve bei Netzwerkkomponenten auf Expansion setzt, ist es abzusehen, dass Cisco und HP immer stärker gegnerische Positionen im Markt einnehmen. Bei der Partnersuche führte Procurve Schlüsselattribute wie Offenheit und Standardtreue ins Feld – ein Konzept, das offenbar ankam: F5 wird sich in dieser Allianz um die Beschleunigung von Enterprise-Applikationen kümmern, Riverbed um WAN-Optimierung, Aastra um Voice-over-IP und Ekahau um WLAN-basierte Ortung in Echtzeit.

Bei Großkunden ist es eher unwahrscheinlich, dass Anwender eine komplette Single-Vendor-Strategie auf Basis von Cisco wählen. Was Cisco mit UCS anbietet, ist eher eine Vor-Integration verschiedener Komponenten, die natürlich ein System-Integrator für seinen Kunden vornehmen kann. IBM und HP, die ja im Unterschied zum reinen Hersteller Cisco stark in der Systemintegration sind, dürften kaum Probleme haben, sich beim Kunden gegen Cisco UCS zu positionieren.

Für Mittelstandskunden, die den hohen individuellen Integrationsaufwand verschiedener Lösungen nicht wünschen, kann aber ein Komplettangebot von Cisco durchaus interessant sein. Unterm Strich ist aber noch nicht abzusehen, ob Cisco die Umsätze, die es über UCS gewinnen wird, nicht in anderen Bereichen durch verschärften Wettbewerb gleichzeitig verliert.

Geklaute Mobilfunkwelten, LTE-Feldversuche in Nürnberg und kognitive Funktechnik

dsc_0008Technikjournalisten zufolge haben der Mobile World Congress in Barcelona und die Cebit in Hannover keine Impulse für die Mobilfunkwelt gebracht. Am Ende bleibe nur Enttäuschung und Ratlosigkeit: Keine spektakulären Ideen, wenig Neuvorstellungen und Inspirationen. „Was in diesem Jahr geboten wurde, war vor allem peinlich. Einer guckt vom anderen ab. Microsoft kommt mit seinem neuen Betriebssystem 7 für Taschencomputer nicht in die Puschen. Was macht der Konzern? Er präsentiert ein Interims-Release, Windows Mobile 6.5, und die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, die Geräte nun besser mit dem Finger zu steuern. Abgeschaut bei HTC und seinem Touch Flo-System und natürlich bei Apples iPhone“, schreibt FAZ-Redakteur Michael Spehr. Auch der vom Handy aus erreichbare Marktplatz für Software stamme ursprünglich von Apple. Microsoft mit dem Windows Marketplace und Nokia mit dem Ovi Store würden nur nachahmen. „Wenn Apple neuerdings den Handy-Speicher mit seinem ‚Mobile Me’ ins Internet hinein erweitert, auf dass man mit iPhone und PC auf ein und denselben Datenbestand zugreife, heißt das Plagiat von Microsoft ‚My Phone’ und bei Nokia abermals ‚Ovi’. Die Zielrichtung der großen drei ist damit klar: Wer sich für eines dieser Konvergenzprodukte entscheidet, bindet sich fest an den betreffenden Anbieter, denn natürlich ist nichts untereinander kompatibel“, so Spehr. Insgesamt sei der Auftakt des Mobilfunkjahres 2009 ein Debakel.

„Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Man sollte sein Augenmerk auch nicht nur auf neue Handys oder Smartphones setzen oder welche Apple Store-Kopien sich durchsetzen werden. Vielmehr zeigte der Kongress in Barcelona dem geneigten Fachbesucher zum Beispiel eines: Die neue Technologie Long Term Evolution (LTE) oder 4G, also die vierte Mobilfunk-Generation kommt ins Laufen. Das konnte man zum Beispiel an der Ankündigung von Verizon ablesen, dem größten US-Mobilfunkanbieter, sein Netzwerk in den nächsten Jahren auf LTE umzustellen. Dabei haben Alcatel-Lucent und Ericsson den Zuschlag bekommen. Wie ich finde, eine gute Nachricht für die europäische Telekom-Branche. Nicht zu übersehen war auch die fulminante Präsenz von Ausrüstern aus Asien, allen voran China mit Huawei und ZTE, die eine zunehmende Konkurrenz für die europäischen und amerikanischen Platzhirsche darstellen. Die haben den Ernst der Lage jedoch erkannt“, erläutert Mobilfunk-Experte Dirk Zetzsche von Nash Technologies in Nürnberg. Er geht davon aus, dass vor allen Dingen die Länder der westlichen Hemisphäre auf die LTE-Technologie setzen werden. Sein Unternehmen betreibe in Nürnberg bereits ein eigenes Netz für Feldtests der Netzbetreiber.

So habe der Nokio-Chef Olli Pekka Kallasvuo eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Qualcomm angekündigt, um neue Handys zu bauen, basierend auf den Chipsätzen von Qaulcomm und Nokias S60 Plattform. „Alles in allem kein schlechter Auftakt in das Mobilfunkjahr 2009, auch wenn das kaffeekochende Smartphone und der einzigartige Superstore nicht gezeigt wurden“, meint Zetzsche im Gespräch mit NeueNachricht.

Allerdings klaffen zwischen den Funktionen der neuen Endgeräte und den angebotenen Diensten der Netzbetreiber noch Lücken, betont Aastra-Deutschlandchef Andrea Latzel. „Ob die eingebaute Kamera sechs, acht oder zwölf Megapixel Auflösung hat, spielt im Grunde keine Rolle, genauso wenig, ob das Betriebsystem des Smartphones Mac OS X, Windows Mobile, Symbian oder Android heißt. Insofern variieren die gezeigten Geräte den zur Verfügung stehenden Pool an Leistungsmerkmalen in beliebiger Kombination. Was aber auch nicht wundert, da die den technischen Plattformen der Handys zugrunde liegenden Prozessoren und Chips ziemlich gleich sind“, sagt Latzel. Die Rückkopplung der Leistungsmerkmale auf die angebotenen Dienste der Netzbetreiber entscheidet, ob Geräte in die Subventionierung über Mobilfunkverträge gehen oder nicht. „Und damit entscheidet sich, ob ein Gerät ein Massenmodell wird oder ein Nischenmodell in geringer Stückzahl bleibt. Die Situation um mobiles Fernsehen in Deutschland und das Mobile 3.0 Konsortium hat deutlich gezeigt, dass Technologie und Inhalte keine kommerzielle Chance haben, wenn die Netzbetreiber nicht in die Geschäftsmodelle involviert sind. Mit der Broadcast-Übertragung über DVB-H und der Lizenz im Besitz eines Konsortiums ohne Teilnahme der Mobilfunknetzbetreiber war im Grunde das Scheitern dieses Dienstes vorprogrammiert“, kritisiert Latzel.

Was derzeit weiter fehle, seien interessante und gleichzeitig für den Betreiber profitable Anwendungen. Apple habe das mit dem iPhone und iTunes exemplarisch vorexerziert, und damit auch die Netzbetreiber eingefangen. Wobei die Mobilfunknetzbetreiber nur als Vertriebsvehikel und Bitpipe für Apple dienen würden. Richtig Spaß wird der Mobilfunk erst machen, wenn man sich als Anwender über die kryptischen Abkürzungen wie GMS, GPRS, HSDPA, EDGE, Bluetooth, UMTS, WLAN oder LTE keine Gedanken mehr machen muss. Abhilfe könnte der so genannte „kognitive Funk“ schaffen: „Das Telefon der Zukunft sucht sich die schnellste oder billigste Verbindung automatisch aus – der Nutzer muss sich um lästige Details nicht mehr kümmern. Kommt man unterwegs zum Beispiel an einem offenen WLAN vorbei, schaltet das Handy nahtlos von der teuren UMTS-Verbindung auf WLAN um – und verbindet sich beim Verlassen des Netzes ohne Unterbrechung wieder mit UMTS“, berichtet die Zeitschrift „Technology Review“.

Bereits in drei Jahren könnte es nach Prognosen von Intel-Forscher Krishnamurthy Soumyanath erste Chips geben, in denen Ansätze von kognitiver Funktechnik enthalten sind. Das größte Problem sei nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Man brauche völlig neue Vertragsmodelle, Bezahlsysteme und gegenseitige Vereinbarungen der Netzbetreiber.