Starke These: Der Mächtige hat die bessere Software – Bekommen das auch die TV-Gerätehersteller zu spüren?

Michael J. Saylor, Vorstandschef von Microstrategy, hat bei einer Konferenz in Monte Carlo sein Portmonee ausgepackt und bekundet, wie er es hassen würde, den ganzen Bargeld-Kram mit sich herumschleppen zu müssen. „Gibt es nicht eine Möglichkeit, daraus eine Software-Lösung zu machen“, fragte Saylor das Publikum. Das sei ein wichtiger Punkt, so der Unternehmensberater Bernhard Steimel im Interview mit Service Insiders: „Grundsätzlich werden Dinge anders, wenn man sie in Software abbildet. Einer Kreditkarte, die ich als Software-Funktion konzipiere, kann ich andere Eigenschaften geben. Etwa bei der Teilung einer Restaurant-Rechnung oder beim Verschenken eines Gutscheins über 20 Euro – so bekomme ich einen virtuellen Spesendeckel. Wenn man den Dingen das Physische nimmt, wird der Möglichkeitsraum gigantisch“, erläutert Steimel. Er zählt das zu den Top-Trends im Kundenservice für die nächsten fünf Jahre. Bei den Transaktionen werde man einige Innovationen sehen.

Unternehmen definieren sich zu stark über ihre herstellende Rolle

Insgesamt müsse Deutschland endlich erkennen, sich nicht nur über die Produktion von Gütern zu definieren. Es würden zu viele Maschinisten und Internetausdrucker den Ton angeben. „Unternehmen, die sich nur über ihre herstellende Rolle definieren, haben ein Problem. Das Endgerät ist häufig nur noch das Tor zur Nutzung eines Dienstes. Es kann der Antrieb sein für neue Dienste, wie man das beim iPad derzeit erlebt. Ohne iTunes und die App-Economy wäre Apple niemals erfolgreich. Produkte und Anwendungen des Steve Jobs-Konzerns üben so viele Reize aus, dass im Moment pro Quartal 150 Millionen iOS-fähige Endgeräte verkauft werden. Das haut einen um. Apple pulverisiert gerade mit dem iPad den PC-Markt. Was wird denn passieren, wenn auch Fernseher mit dem Apfel-Symbol ins Portfolio aufgenommen und nahtlos in die Anwendungsmöglichkeiten von Apple integriert werden? Das dürfte den etablierten Herstellern einige Kopfschmerzen bereiten. Es geht am Ende des Tages natürlich um Produkte. Doch der Mächtige ist derjenige, der die bessere Software hat“, so die Überzeugung von Steimel. Die Wertschöpfung von Apple liege klar bei den Applikationen. Analysten hätten berechnet, dass die angekoppelten Verkäufe nach dem Erwerb eine iPhones das Achtfache ausmachen. Das sei ein eindeutiger Befund für die Kraft von Software.

Hier geht es zu meiner Freitagskolumne für Service Insiders.

Zum Apple-Fernseher: Auch der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt spekuliert in diese Richtung: Innovationen sind es, die Apple so stark machen. Das erst im Jahr 2007 eingeführte iPhone steuert inzwischen rund die Hälfte zum Apple-Umsatz bei. Mit der jüngsten Generation, dem iPhone 4, hat Apple erstmals einen gleichmäßig hohen Umsatz über den gesamten Lebenszyklus erreicht. Der iPhone-Anteil wäre noch höher, wenn nicht die nächste Innovation, das iPad, innerhalb eines Jahres einen ähnlichen hohen Umsatzanteil wie das Stammgeschäft mit den Mac-Computern erreicht hätte. Da stört kaum, dass Apples iPhone sein eigenes Geschäft mit dem digitalen Musikspieler iPod kannibalisiert hat. Denn die nächste Innovation könnte noch viel größer werden: Ein Fernseher von Apple – so ein hartnäckiges Gerücht – könnte schon bald ähnlich einschlagen wie das iPhone im Handymarkt und das iPad im Computermarkt. Eine intelligente Software könnte das Fernsehen mit dem iPad, der Videosammlung in der Cloud und natürlich dem iPhone verbinden. Dann wäre Apple bald das wertvollste Unternehmen der Welt – und nicht „nur“ die Nummer zwei hinter Exxon.

Eure Meinung interessiert mich. Wann, wie, warum, was wird das bewirken? Vor zwei Jahren habe ich dazu ja mal was geschrieben:

Ach Frau Piel, Frau Schäferkordt, Herr Doetz und Herr Moor….

was der Was-mit-Medien-Blog über das gestrige Streitgespräch beim NRW-Medienforum dankenswerter Weise dokumentiert, hätte Iwan Petrowitsch Pawlow einige Forschungsarbeit über klassische Konditionierung erspart. Die Reaktionen der WDR-Intendantin Monika Piel auf die kleine Despoten-Provokation von Richard Gutjahr beweist, dass die Vertreter der alten Medienwelt den Sturz von ihrem Nachrichten-Thron immer noch nicht verkraftet haben: „Ja, ich find’ das so anmaßend zu behaupten, dass da alle sitzen und nicht wissen, was im Internet passiert. Was denken Sie sich denn eigentlich, wie man solche Häuser leitet, wenn man … Wir nehmen nichts um uns wahr? Wir arbeiten nicht mit dem Internet, wir merken nicht, was da passiert? Das ist eine so dumme Anmaßung“, sagte Piel. Ich möchte hier jetzt nicht auf die politische Entgleisung des Tutti-Frutti-TV-Lobbyisten Doetz und seinem Hass auf die Republica-Blogger eingehen. Er könnte sich im nächsten Jahr in Berlin der Disputation auf der Bloggerkonferenz stellen, wenn er kein Feigling ist.

Generell sollten die Apologeten der Massenmedien endlich kapieren, was sich im Web 2.0 abspielt und warum der massenmediale Baukasten einstürzt, den Enzensberger in der Zeitschrift Kursbuch 1970 publizierte und sich dabei auf die Medientheorie von Brecht bezog. Es geht um die Polarität von Repression und Emanzipation. Ein repressiver Mediengebrauch ist gekennzeichnet: durch ein zentral gesteuertes Programm, ein Sender und viele Empfänger, passive Konsumhaltung, Produktion durch Spezialisten, Kontrolle durch Eigentümer, Gremien oder Bürokraten. Beim Gegenpol, der in idealtypischer Weise das Web 2.0 charakterisiert, geht es um dezentrale Programme, jeder Empfänger ein potenzieller Sender (siehe mein Youtube-Video), Interaktion der Teilnehmer, kollektive Produktion, gesellschaftliche Produktion durch Selbstorganisation. Da ist es völlig wurscht, ob Frau Piel oder der WDR auf Facebook, Twitter oder sonstwo unterwegs sind. Die Machtverhältnisse ändern sich – mit Republica-Bloggern hat das nichts zu tun. Auch das Fernsehen bekommt das zu spüren. Der WDR-Mitarbeiter Ranga Yogeshwar kann es Ihnen erläutern, Frau Piel. Hier schon mal eine Kostprobe zum Hören.

Auf eine Aussage von Frau Piel bin ich in meiner Video-Botschaft näher eingegangen. So sagte die WDR-Intendantin: „Es geht hier nicht um uns als Privatpersonen, da würde ich Ihnen auch nicht erzählen, ob ich twittere oder nicht, da können Sie nachgucken. Es geht darum, was wir in den Sendern machen. Selbstverständlich benutzen wir auch im Sender Twitter. Ich möchte Sie aber auch mal darauf aufmerksam machen, dass für uns als Sender – ob in Blogs oder in Twitter oder auf sozialen Plattformen – die Regeln gelten, die auch sonst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelten. Wir können nicht da einfach hingehen, und völlig subjektive Dinge verbreiten, wie das jeder andere macht. Ich sehe doch jeden Tag, was bei mir ankommt in meiner E-Mail-Box. Jeder Mensch kann von sich geben, was er will, Persönlichkeitsrecht spielt keine Rolle, Urheberrecht spielt keine Rolle, es spielt gar nichts ‘ne Rolle. Okay. Aber das können wir umgekehrt nicht machen. Für uns gelten die gleichen Regeln.“ Warum Frau Piel auch mit ihrem Subjektivismus-Beispiel falsch liegt und warum wir einen Objektivismus-Streit führen sollten, erläutert der Bonn-Duisdorfer Ich-Sender in diesem Video:

3sat-Sendung „neues“ an diesem Sonntag: Der Einfluss der IT-Ikone Steve Jobs auf die Wirtschafts- und Technikwelt

Die 3sat-Sendung „neues“ beschäftigt sich an diesem Sonntag, um 16,30 Uhr mit folgenden Themen: Nach Eric Schmidt von Google hat nun auch Carol Bartz von Yahoo! vor einer Internetblase gewarnt, da die meisten der Einschätzungen kaum mehr etwas mit dem tatsächlichen Umsatz der jeweiligen Unternehmen zu tun haben. Wiederholt sich die Geschichte oder ist diesmal alles anders? Also Dotcom diesmal ohne Blase? neues geht diese Frage in der Sendung am 22. Mai nach.

Weitere Themen sind unter anderem: Weltmacht-Geldmacht „Facebook“, die digitale Oligarchie in Russland und der vermeintliche oder tatsächliche Einfluss von IT-Ikonen wie Steve Jobs auf die Wirtschafts- und Technikwelt. Zur Rolle und Unverzichtbarkeit von Steve Jobs für Apple war heute der ZDF-Redakteur Winfried Laasch in meinen eigenen vier Wänden und machte mit mir ein längeres Interview. Ein paar Schnipsel werden sicherlich auch am Sonntag gesendet. Guckst Du?

Wechseljahre einer Kaiserin – Alternative zur Weihnachtstrilogie

Wer die Weihnachtstrilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm überhaupt nicht ertragen kann, sollte sich doch eher mit den Wechseljahren der Kaiserin beschäftigen.

Warum Philips die TV-Geräte lieber beim Kunden repariert

Beim Strategieforum für Service-Manager auf den Nürnberger Voice Days plus erläuterte Matthias Pyroth von Philips, warum seine Firma wieder beim Kunden repariert, diesen Service zentral steuert und nicht mehr über den Handel. Hier die Audioaufzeichnung. Länge 30 Minuten. Die Tonqualität lässt zu wünschen übrig, da ich die Mikrofone nicht günstig postieren konnte.

Insgesamt wurden sieben Fachvorträge gehalten, darunter Vertreter von IBM, Fraunhofer IAO, cioforum, Wincor Nixdorf und Noventum, die ich jetzt noch für eine NeueNachricht-Story aufbereiten werde. Die wird dann wohl morgen fertig sein.

Zum Thema Service-Innovationen siehe auch den Beitrag über die Preisträger des Smart Service Award.

Milliardenschwere Fernsehwerbung beruhte auf Mumpitz – Altersabgrenzung war ein RTL-Vermarktungstrick

Marketingtrick steuerte Milliardendeals für Fernsehwerbung
Marketingtrick steuerte Milliardendeals für Fernsehwerbung
Die so genannte „werberelevante Kernzielgruppe“ der 14- bis 49-Jährigen ist ein Marketing-Mythos des Privatsenders RTL. Das enthüllte der frühere RTL-Vermartungschef Uli Bellieno gegenüber der NDR-Sendung Zapp schon im vergangenen Jahr. Große Auswirkungen hatte das bislang nicht: „Schaut man sich die einschlägigen Fachzeitschriften an, steht bei der Veröffentlichung der Fernsehquoten immer noch die Altersabgrenzung im Vordergrund“, kritisierte Hans-Joachim Strauch, Geschäftsführer des ZDF-Werbefernsehens, auf dem Deutschen Handels-Werbekongress in Düsseldorf. Das Ganze war ein Vermarktungstrick von Helmut Thoma. Der damalige RTL-Chef habe es mit seiner Eloquenz geschafft, diese Zielgruppe im Markt zu verankern, berichtet Zapp: „Die Kukidents überlasse ich gern dem ZDF“, so der legendäre Ausspruch des Österreichers.

Dabei handelte es sich um eine völlig willkürliche Abgrenzung ohne wissenschaftliche Grundlage. Dennoch wurde die „werberelevante Zielgruppe“ die zentrale Währung für die Werbewirtschaft. Seit Mitte der 1980er Jahre sind jährlich Milliarden Euro für Fernsehwerbung verprasst worden auf völlig willkürlichen Grenzziehungen eines Fernsehchefs. Thoma komme sich jetzt vor wie der Zauberlehrling, der nicht mehr beherrscht, was er entfacht hat. Hochbezahlte Mediaplaner, Kommunikationschefs und Werbeexperten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Agenturen und in der Wirtschaft fielen darauf rein. Selbst ARD und ZDF rannten dieser Schimäre hinterher. „Dabei hatte unsere Argumentation von Anfang an enorme Lücken“, gab Thoma in einem Interview mit dem Spiegel zu. Er habe der Werbewirtschaft suggeriert: Ihr müsst an die Jungen ran, die „Erstverwender“; deshalb braucht ihr auch keine alten Zuschauer, denn die seien markentreu. Aber ab 29 brauche man wirklich nicht mehr von „Erstverwendern“ zu sprechen. Außerdem: Wer habe denn heute das Geld? Die 50- bis 65-Jährigen.

Nach Ansicht des Personalexperten Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash hat sich vor allen Dingen die Konsumgüterindustrie ein sehr faules Kuckucksei ins Nest legen lassen: „Der Jugendkult in der Werbung war eine Schimäre des Tutti Frutti-Senders und niemand auf der Unternehmensseite hat das in Frage gestellt. Hier bewahrheitet sich leider im nachhinein die legendäre Floskel, die Henry Ford II zugeschrieben wird: ‚Ich weiß, dass die Hälfte meiner Werbeausgaben sinnlos zum Fenster herausgeworfenes Geld ist, ich weiß nur nicht welche Hälfte’.“ Vielleicht sei dieser Selbstbetrug auch systemimmanent. „Welcher Werbechef stellt sich denn jetzt seinem Vorstand und gibt zu, dass milliardenschwere Kampagnen auf Mumpitz beruhten“, vermutet Nadolski.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei jedenfalls von Thoma am Nasenring vorgeführt worden. „Wir haben den kommerziellen Konkurrenten 1984 einfach nicht Ernst genommen“, räumt ZDF-Mann Strauch ein. Jetzt allerdings werde verstärkt über Qualität nachgedacht in der Fernsehwerbung. Auch Sonderplatzierungen und Print würden wieder eine größere Rolle spielen.

Auf der Suche nach dem Missing Link in der Zielgruppenanalyse ist man in Kooperation mit der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) auf globale Shopper-Typologien gestoßen. Als besonders relevant gelten die Premium- und Markenkäufer, die man als Zielgruppe für die Mediaplanung bereitstellen möchte. Wenn es beispielsweise um den Kaufakt geht, dominiere bei den Premiumkäufern die ältere Generation. Diese Gruppe achte auf Ästhetik, Ambiente, Emotion, Exklusivität und Service.

„Geht man nach der klassischen Aufteilung der 14- bis 49-Jährigen, haben ARD und ZDF in der Zeit von 17 bis 20 Uhr im Schnitt pro Werbeblock 240.000 Personen erreicht. Bei der Aufteilung nach Premium- und Markenkäufern kommen ARD und ZDF auf 1,1 Millionen Personen. Im Vergleich mit den drei größten kommerziellen Sendern RTL, Sat1 und Pro7 erreichen ARD und ZDF doppelt so viele Personen“, erklärte Strauch.

Andreessen über traditionelle Medien: Kill the print edition

andreessenSuper Interview mit provokanten Thesen.

Charlie Rose:
So to play offense for a newspaper for you means what?

Marc Andreessen:
Oh, you got to kill the print edition.

Charlie Rose:
You would stop the presses tomorrow?

Marc Andreessen:
You have to kill it.

Charlie Rose:
Stop the presses tomorrow.

Marc Andreessen:
You have to kill it.

Charlie Rose:
Stop the presses tomorrow.

Marc Andreessen:
Stop the presses tomorrow. I’ll tell you what. The stocks would go up. Look at what’s happened to the stocks. This investors are through this. The investors are through the transition. You talk to any smart investor who controls any amount of money, he will tell you that the game is up. Like it’s completely over. And so the investors have completely written off the print operations. There is no value in these stock prices attributable to print anymore at all. It’s gone.

Charlie Rose:
So you would recommend to the owners of the New York Times, stop printing papers.

Marc Andreessen:
Yeah, absolutely. You have to. You have to –

Charlie Rose:
And take your losses –

Marc Andreessen:
Yeah. You have to.

Charlie Rose:
Like a courageous person.

Marc Andreessen:
Chronic pain? Acute pain. How many years — music industry, same thing. How many years of chronic pain do you want to take to avoid taking a year of acute pain?

Geist, Geld und verschwurbelte Ansichten über Blogger – Über das neue Buch des sueddeutsche.de-Chefs

Thomas Knüwer hat in seinem Blog die richtige Antwort auf das neue Buch von Hans-Jürgen Jakobs, Chef von sueddeutsche.de, gegeben. „Geist und Geld“ heißt das Werk und wird wohl sehr schnell ins moderne Antiquariat wandern. Warum sollten festangestellte Redakteure wie Knüwer oder Niggemeier nicht bloggen? Gibt es ein Reinheitsgebot für Blogger? Hier sieht Jakobs einen Unterschied zu den USA: „Auffällig ist, dass einige der bekanntesten deutschen Blogs von ausgewiesenen Journalisten gemacht werden, die bei fest etablierten Medienunternehmen arbeiten oder dort zumindest doch regelmäßig schreiben können.“

Was ist mit den US-Bloggern von großen Wirtschaftszeitschriften, von Fachmagazinen, von Publikationen wie Wired etc.? Querverbindungen von Printjournalisten zu anderen Formaten gab es doch schon zu allen Zeiten. Vor allen Dingen in den USA: Print-Chefredakteure mit eigener Fernsehsendung etc.

Jeder kann einen Blog aufmachen – das erweitert den Horizont.

Für Kochfans eine nette Idee: Rezepte von Fernsehkoch Schuhbeck an der Supermarktwaage

Bizerba und der Münchner Sternekoch Alfons Schuhbeck starten eine Kooperation: Der bekannte Fernsehkoch liefert dem Balinger Spezialisten für Wäge- und Schneidesysteme Bizerba exklusive Rezepte und Zubereitungstipps für die Waagen im Supermarkt.

Ab kommendem Jahr stehen die Rezepte nach Firmenangaben in sechs Sprachen an den Bizerba-Ladenwaagen zur Verfügung, dazu jeweils auch ein Bild des Gerichts. „Die Möglichkeit, Rezeptideen gleich beim Einkauf zu erhalten, spart eine Menge Zeit. Wir haben die Rezepte für die Kassenwaagen überarbeitet, damit sie nicht zu lang für den Ausdruck und schnell nachzukochen sind! Das unterstützt besonders Mütter, die sich täglich für die Familie ein neues Gericht ausdenken müssen! Aber auch Berufstätige, die wenig Zeit zum Kochen haben“, erklärt Schuhbeck. Die Kunden können sich diese Rezepte entweder direkt an den Selbstbedienungswaagen über die Bonrolle ausdrucken oder bekommen sie beim Einkauf an der Theke von den Verkaufsmitarbeitern. Auch die komplette Zutatenliste ist dabei. Damit bekommen die Verbraucher ihren Einkaufszettel für das Rezept gleich mitgeliefert und können die noch fehlenden Zutaten sofort mit einkaufen. „Natürlich haben wir die Rezepte ein wenig überarbeitet, damit sie schnell nachzukochen sind. Doch deshalb haben sie nichts an Qualität eingebüßt. Ich finde es wichtig, dass Menschen in sich selbst investieren, mit einem gesunden Essen können sie das täglich“, sagt Schuhbeck.

Eigensinnige Technik: Gescheiterte Innovationen und Prognosen für die Zukunft

Der technische Fortschritt ist unberechenbar und eigensinnig, meint der FAZ-Redakteur Michael Spehr und analysiert die Tops und Flops des vergangenen Jahres: In Fachzeitschriften war die Rede vom Siegeszug der OLED-Displays, die ein sehr kontrastreiches Bild liefern, von Brennstoffzellen als alternativer Stromversorgung elektronischer Kleingeräte, von der Durchsetzung des DVB-H-Standards für mobilen Fernsehempfang mit dem Handy. Dann sollte die Bluray-Scheibe der DVD den Garaus machen und USB 3.0 mehr Tempo bei der Datenübertragung bieten. Die Handy-Magazine präsentierten Nokias „iPhone-Killer“ mit berührungsempfindlichem Display, und die PC-Zeitschriften beschworen in der Computerwelt das Credo von „noch mehr Leistung“ mit Achtkernprozessoren und dass natürlich alles immer schneller und besser wird.

„Keiner dieser Hellseher lag richtig, DVB-H wurde zum Technik-Flop des Jahres, USB 3.0 ist gerade mal angekündigt worden, und die Bluray verkauft sich nur sehr verhalten. Der Markt hat sich vollkommen anders entwickelt. Das Paradebeispiel ist der Überraschungserfolg der Netbooks, der kleinen Mini-Notebooks in der Preisklasse von um die 400 Euro, die allemal genug Leistung für Internet, E-Mail und Textverarbeitung bieten und ausnahmslos unter Windows XP laufen. Für Standardaufgaben am PC braucht kein Mensch einen Achtkernprozessor, und das ressourcenhungrige Vista hat paradoxerweise nicht zu dem erwarteten Ansturm auf neue PCs mit mehr Rechenleistung und Speicher geführt, sondern zu einem neuen Trend, der sich besinnt auf Werte wie Nachhaltigkeit und Effizienz“, so Spehr. Das erkläre auch den Erfolg der Mac-Rechner von Apple: Sie sind schick, schnuckelig, schnell, sicher, selbsterklärend und werden auch in diesem Jahr ihren Marktanteil gewaltig vergrößern.

„Auch bei der Software lief alles anders als vorhergesehen: weg von der Opulenz überdimensionierter Pakete hin zu kompakten und schlichten Programmen, die genau das tun, was sie sollen, und auf nervigen Schnickschnack verzichten. Solche Anwendungen kommen meist aus der Open-Source-Bewegung, wie der Firefox-Browser 3 oder das Büropaket Open Office 3, das sich hinter einem Microsoft Office nicht zu verstecken braucht. Alle diese Programme sind kostenlos, klar dokumentiert und haben keine Falltüren à la Zwangsregistrierung oder Kopierschutz“, erklärt Spehr. Generell werde Mammut-Software aussterben und mit ihr jene Unternehmen, die das nicht begreifen. Man müsse nicht mehr alles mitmachen, was die Industrie als „neu“ oder „modern“ anpreist. Einfache, faire und überschaubare Produkte seien stärker denn je gefragt, etwa die Flatrate fürs Telefonieren und in diesem Jahr die Datenflatrate, die einen endlich unabhängig macht vom DSL-Anschluss der Telekom. Zudem wachse das Unbehagen gegenüber Gängelungen.

„Die Macht der Meinungen im Internet wird stärker. Bewertungsportale, Foren und private Seiten legen Finger in die Wunden und werden von potentiellen Käufern um so mehr gelesen, wie der Technikjournalismus der Fachzeitschriften seine Jubelarien mit hübschen Produktbildern und halbnackten Mädels garniert“, resümiert Spehr.

Nach Ansicht von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash, hängt der Markterfolg neuer Technologien nicht vom Featurismus ab: „Der iPod von Apple in Verbindung mit iTunes ist ein gutes Beispiel hierfür, ebenso das iPhone und der iPod Touch, die ja auch über den iTunes-Store Musik, Videos und Software herunterladen können. Nach nur etwa einem Jahr hat das iPhone den Spitzenplatz unter den verkauften Smartphones eingenommen, da Komfort wie auch Inhalte den überzeugend sind. Sollte Apple tatsächlich einen XXL-iPod Touch mit 9 bis 10 Zoll Display bringen, könnte das den Markt der so genannten Netbooks noch stärker beflügeln“, prognostiziert der IT-Experte Nadolski.

Innovationen wie HDSPA, Blu-ray und USB 3.0 seien wirkungslos, solange sie nicht auf tragfähigen Geschäftsmodellen beruhen und attraktive Dienste für Anwender erbringen. „Das Dilemma bei Mobile TV in Deutschland belegt diese These genauso wie das Scheitern des digitalen Radio-Standards DAB. Wenn sich für den Anwender keine Vorteile hinsichtlich Inhalt, Komfort und Qualität in einem Maße ergeben, dass er bereit ist, dafür extra zu bezahlen, bleibt nur noch eine Finanzierung über Dritte durch Werbung, Kunden-Profiling und andere Dienste. Hat die Anwendung aber noch keine kritische Masse im Markt erreicht, wird auch die Drittfinanzierung nicht funktionieren“, sagt Nadolski.

Das Problem der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle stelle sich auch den Online Communities, die oft als typische Beispiele für das Web 2.0 genannt werden. „Mit Ausnahme von Xing ist vermutlich keine der vielfältigen Communities von Facebook bis Wer-kennt-wen? heute profitabel. Der Nutzen gerade der privat orientierten Communities ist zwar für Anwender greifbar, aber die Akzeptanz und Verbreitung beruht in hohem Maße darauf, dass sie kostenlos sind. Die Drittfinanzierung funktioniert bisher nicht ausreichend. Das dürfte auch das Problem des Open Source-Betriebssystems Linux sein. Mit allen Distributionen hat Linux heute einen Marktanteil von weniger als einem Prozent bei Desktop oder mobilen Computern. Ein akzeptables Geschäftsmodell fehlt bislang“, meint der Harvey Nash-Chef.

Online Communities werden sich nach Marktanalysen von Mind-Geschäftsführer Bernhard Steimel weiter ausbreiten mit einer stärkeren Spezialisierung. Ein gutes Beispiel ist ‚World of Warcraft‘. Die Erweiterung des System unter dem Namen ‚Wrath of the Lich King‘ verkaufte sich am ersten Tag 2,8 Millionen mal und die Spielteilnahme kostet pro Monat 11 bis 13 Euro“, erläutert Steimel. Cloud Computing, also die Nutzung von Applikationen über das Netz, wurde schon oft propagiert, wird sich nach Expertenansicht auch mit den Netbooks für Standard-Anwendungen wie Office-Applikationen nicht durchsetzen. „Warum soll der Anwender für die Nutzung einer Software bezahlen, die er ebenso gut kostenlos als Open Source installieren kann, und die dabei immer – unabhängig vom Online-Zugang – verfügbar ist“, so Nadolski.

Internet-Telefonie – mittlerweile in der SIP-Variante – werde sich nach seiner Erfahrung durchsetzen, wenn die Netzbetreiber eine direkte SIP-Anbindung bieten. „Es ist davon auszugehen, dass in diesem oder im nächsten Jahr derartige Dienste massiv angeboten werden. Mobile Breitbandzugänge, HSDPA oder später LTE (Long Term Evolution) werden dann interessant, wenn die Flat Rate-Tarife marktgerecht sind und SIP-Telefonie gleich mit angeboten wird. Auch die Anbieter von Breitbandzugängen werden noch einmal neu sortiert, wobei wenige Anbieter mit xDSL- und 3G-Portfolio übrig bleiben“, vermutet Nadolski.