#Reich – Über wirtschaftliche, kulturelle und soziale Ungleichheit: Ausblick auf das Festival „Politik im Freien Theater“

Am 1. November startet in München die 10. Ausgabe von „Politik im Freien Theater“. Das Festival, eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit den Münchner Kammerspielen und dem Spielmotor München e.V. / Spielart Festival, findet erstmals in Bayern statt.

Das Festival ist nach eigenen Angaben ein Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Lage und bietet zugleich einen Überblick über aktuelle Theaterästhetiken. Unter dem Motto „reich“ haben Festivalbesucher die Möglichkeit sich in 14 Theatergastspielen und über 70 Rahmenveranstaltungen mit Fragen nach wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Ungleichheit auseinanderzusetzen – in München, Deutschland und der Welt.

So beschäftigt sich beispielsweise der in Brüssel ansässige Choreograf Michiel Vandevelde mit der Frage, was von der damaligen Aufbruchsstimmung der 68er Bewegung übrig geblieben und ob politisches Theater heute überhaupt noch möglich ist. Gemeinsam mit 13 Jugendlichen der belgischen Theatergruppe fABULEUS nimmt er die historische Performance „Paradise Now“ des Living Theatre zum Ausgangspunkt seiner Suche. Das Stück eröffnet das Festival am 1. November um 19.30 Uhr in Kammer 1 der Münchner Kammerspiele, und ist ebenfalls am 2. November um 19 Uhr zu sehen. 

Wo oder was ist der Balkan? Die Performer von God’s Entertainment (Wien) laden in ihr Dorf-Setting ein, durch das sich die Besucher frei bewegen können. Gemeinsam wird erforscht, was den Balkan ausmacht, diesen Zwischenort, an dem die islamische und europäische Welt aufeinanderprallen und unterschiedliche Ethnien und Religionen eng zusammenleben. „Convakatary Konak“ findet am 3. November um 21 Uhr, am 5. November um 20.30 Uhr und am 6. November um 19 Uhr statt, der Treffpunkt ist vor Kammer 1.

Die mexikanische Schauspielerin und Regisseurin Laura Uribe befasst sich in „Mare Nostrum“ mit der Situation der Migranten und Vertriebenen, die vor dem Bürgerkrieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den paramilitärischen Verbänden der FARC-EP in die USA fliehen. Die mexikanisch-kolumbianische Produktion zieht dabei Parallelen zu den aktuellen Tragödien auf dem Mittelmeer und in Syrien. Das multiperspektivisch erzählte Theateressay ist nur am 4. November um 15 Uhr zu sehen.

Einer der zahlreichen im Rahmen des Festivals angebotenen Stadtspaziergänge befasst sich mit „Rechte Räume im München – Von der Hauptstadt der Bewegung bis zur Gegenwart“. Für die Nationalsozialisten war München – als „Hauptstadt der Kunst und Bewegung“ – eine der wichtigsten Städte im Dritten Reich. Der Rundgang führt am 2. November ab 9 Uhr zu baulichen Überresten der NS-Zeit und rechten Schauplätzen von heute. 

Im Anschluss an die Eröffnung am 1. November stellen vier Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen im Science Slam ab 22.30 Uhr in Kammer 1 ihre Forschungen zum Thema „reich“ vor. Jeder Redebeitrag darf nicht länger als zehn Minuten dauern, anschließend entscheidet das Publikum, welche Darbietung ihm am besten gefallen hat. Beim Slam muss Wissenschaft lehrreich und unterhaltsam zugleich sein. Die insgesamt 14 Gastspiele sind, wie auch das Begleitprogramm, an Veranstaltungsorten überall in München zu erleben. Zu den Spielstätten gehören die Münchner Kammerspiele, die Schauburg, das Muffatwerk, Pathos München/Schwere Reiter, HochX und viele mehr. 

Tickets für das Gastspielprogramm kosten 15 Euro / 8 Euro ermäßigt und sind ab sofort online und über die Theaterkasse der Münchner Kammerspiele erhältlich. Sofern nicht anders angegeben, sind alle Rahmenprogrammpunkte kostenfrei!

Und ich werde das Ganze mit Liveübertragungen begleiten – vom 1. bis 4. November und vom 9. bis 11. November. 

Am Freitag werden wir unsere Livestreaming-Ideen erörtern. Um 14:45 Uhr: 

Bitte mitdiskutieren auf Facebook 🙂

Man hört, sieht und streamt sich ab 1. November in München und am Freitag im Vorbereitungstalk.

Siehe auch:

ARM-REICH: Wie sich Eliten abschotten

Wie kann man die alten Seilschaften durchbrechen? @th_Sattelberger #FragenanSattelberger

#FragenanSattelberger
#FragenanSattelberger

Den Netzwerkern des Establishments in Politik und Wirtschaft geht es vor allem um gegenseitige Abhängigkeiten. Es sind Seilschaften, Kartelle, Klüngel und Cliquen, die ihre Macht nur hinter verschlossenen Türen entfalten können. Die Struktur und Logik des Social Webs erschwert die Arbeit der Pseudo-Elite in Politik, Wirtschaft und Medien. Offene, freie und anarchische Systeme sind Gift für die Kontroll-Freaks der alten Management-Schule.

„Wenn das Wesen der Digitalisierung darin besteht, Wissen allen verfügbar zu machen, Hierarchien aufzubrechen und kollaborativ den Wandel zu gestalten, und eben dieser Wandel doch an der Elfenbeinturm-Executive-Denke krankt, wie kann man dann im Jahre 2016 allen ernstes noch so Elfenbeinturm-Executive-Formate bringen? Das ist doch Meta-Banane“, kritisiert der Kölner Mittelstandsexperte Marco Petracca.

Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien und Hinterzimmer-Seilschaften. Das haben die alten Eliten immer noch nicht begriffen. Sie verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft. Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die Old Boys im Generaldirektorenmodus abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von “gewöhnlichen” Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Wie kann man diese Barrieren durchbrechen?

Das interessiert nicht nur mich, sondern auf Facebook noch andere Protagonisten. Morgen um 17 Uhr gibt es Antworten im Sommerinterview mit Thomas Sattelberger und in einem längeren Beitrag, den ich für Lean Knowledge Base geschrieben habe (erscheint am Samstag um 6 Uhr – frühe Vögel können sich dann direkt der Lektüre widmen).

Weitere Fragen an Sattelberger? Dann mitmischen beim Livestream über Hangout on Air oder Facebook Live.

Dass die Eliten wohl nie vorhatten, mehr Autonomie, Partizipation und Transparenz zu gewähren, beleuchte ich in meiner Notiz-Amt-Kolumne für die Netzpiloten. Netzwerk-Camouflage 🙁

Man hört, sieht und streamt sich morgen ab 17 Uhr live aus München.

Mit Angsthasen ist digital kein Staat zu machen #Streamcamp14

Vertrauenskultur statt Angstregime
Vertrauenskultur statt Angstregime

In ihrem Misstrauen gegenüber dem digitalen Wandel bilden Politiker, Manager und Gewerkschafter derzeitig eine Große Koalition im XXL-Format. Wer überall nur Gefahren verortet, erstickt in einem Angstregime von Kontrolle und Bewegungslosigkeit.

Zu bewundern bei der Ankündigung von Microsoft, sich in Deutschland vom Anwesenheitswahn in Bürosilos zu verabschieden. Sofort warnten Bedenkenträger vor der Gefahr einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, statt auch nur ansatzweise über die Chancen flexibler Arbeitsorganisation nachzudenken. Das liegt wohl nicht nur an einer etwas naiven Idealisierung der klassischen Büroarbeit, die von Überstunden, Stress im Berufsverkehr, Flurfunk-Tratsch, Mobbing und dem Fluch der ständigen E-Mail-Erreichbarkeit geprägt ist.

Planungsgedöns endet im Irrtum

Die Bürosilo-Apologeten laufen einer inhumanen Planungsillusion hinterher, betont Thomas Dehler vom Berliner Dienstleister Value5 einem Expertenpanel beim Streamcamp in München:

„Planung ersetzt Zufall durch Irrtum.“

In einer vernetzten Ökonomie gehe das Planungsgedöns der Manager ins Leere.

Es gehe nicht darum, dezentrales Arbeiten zu verordnen, sondern den Wunsch des Mitarbeiters stärker in den Mittelpunkt des Personalmanagements zu stellen. Die Souveränität über die Arbeitszeit werde beim Abschied von Anwesenheitspflichten nicht geschwächt, sondern fundamental gestärkt. Entscheidend sei nicht mehr das tägliche Absitzen von Bürostunden, sondern das erzielte Arbeitsergebnis.

Die Langsamkeit der Planungsbürokraten

„Wir sind mit unserem Modell ohne Einsatzplanung und Präsenzpflichten in der Lage, 90 Prozent der aller Kundenanfragen zu bearbeiten“, sagt Dehler.

Planungsbürokraten sind zu dieser schnellen Reaktionsfähigkeit nicht in der Lage. Und wenn sich Gewerkschafter zum Thema Ausbeutung äußern, sollten sie den Arbeitsweg nicht ausklammern, denn der wird vom Arbeitnehmer bezahlt und wirkt wie eine Subvention zugunsten des Arbeitgebers.

Soziales und kollaboratives Arbeiten sei mit digitalen Technologien wie Videostreaming-Dienste im Social Hub sehr gut und sogar besser zu realisieren als in irgendwelchen aseptischen Glaspalästen in den einschlägig bekannten Gewerbegebieten.

Excel-Manager schauen in den Rückspiegel

Statt auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, verstecken sich die liebwertesten Gichtlinge des Top-Managements hinter Berichtsorgien und Kennzahlen-Management. „Sie beschäftigen sich mehr mit der Administration und dem Befüllen von Excel-Tabellen und vernachlässigen dabei die neuen Themen ihres Marktes“, bemerkt Dehler in der Streamcamp-Paneldiskussion. Echtzeit-Management sieht anders aus. Die Excel-Tabelle von heute bildet das Geschehen von gestern ab. Auf der Strecke bleibt die Gegenwart.

In einer Excel-Ökonomie aus Ängsten, Planungsillusionen und sinnlosen Kontrollschleifen gedeiht weder Vertrauen noch wirtschaftliche Prosperität.

Multikopter sind nicht bedrohlich
Multikopter sind nicht bedrohlich

Ähnlich angstbesessen verläuft die Diskussion über den Einsatz von Drohnen, die in der Regel aber nur harmlose Multikopter sind, wie Bloggercamp.tv-Kollege Frank Michna auf dem Streamcamp demonstrierte. In der Presse werde ja inflationär vor der Gefahr des Absturzes von Drohnen gewarnt.

„Da fällt nichts vom Himmel. Verliert das Fluggerät die GPS-Verbindung oder geht die Akkuleistung runter, kehrt der Multikopter automatisch zum Startpunkt zurück und landet. Die Systeme kalibrieren sich ständig.“

Genauso unsinnig seien die Hiobsbotschaften der Polizeigewerkschaft, die in den Mini-Drohnen eine neue Terrorgefahr sieht. Und welche Gefahren entstehen eigentlich, wenn man Veranstaltungen via Multikopter live ins Netz überträgt? Das Streamcamp hat das natürlich vorgeführt und damit neue Perspektiven nicht nur für Outdoor-Sportarten eröffnet.

Warum man auch bei Webinaren auf geschlossene Formate im Kontrollmodus verzichten sollte, war Thema einer weiteren Streamcamp-Session mit dem IT-Experten Joachim Hummel.

Was sonst noch ablief beim Streamcamp in München, habe ich auf Storify kompakt zusammen gefasst:

Im nächsten Jahr sehen wir uns am 21. und 22. November 2015 beim Streamcamp15 in Paderborn wieder, was wir morgen bei Bloggercamp.tv näher erläutern. Wie immer um 20:15 Uhr direkt nach der Tagesschau:

Siehe auch:

Warum sollte man auch vor 9 Uhr im Büro hocken: Wer lange schläft, ist nicht faul.

IT-Gipfel: Die Angst der Deutschen vor dem Internet.

Netzpolitik der Bundesregierung – Mehr Verantwortung, weniger Gipfel (und Taten, werte SZ).

Endlich: WC-Literatur auf der Klorolle und eine Session-Idee: Payback-Punkte mit Zwirbler-Crowdfunding verbinden #Streamcamp14

Literatur fürs Klo
Literatur fürs Klo

Zwirblers Schwester hat abgetrieben und ist verschwunden. Ist sie in die Hände von Abtreibungsgegnern einer katholischen Sekte geraten, um in einem geheimen Schweigekloster in der Nähe von Köln Abbitte zu leisten, was in einem Schweigekloster nur schwer möglich ist? Steckt ein reaktionärer Kardinal hinter der Aktion von bigotten Saubermännern? Alles reine Spekulation. Eine Indizienkette, die ich ganz persönlich aus dem bisherigen Geschehen abgeleitet habe. Zwirbler zwirbelt zusammen mit seinen abertausenden Facebook-Fans Gedankenblitze, Wortkaskaden, Gesprächsfetzen und Fantasien in die Statusmeldungen, um das zerzwirbelte Dasein literarisch zu verarbeiten.

Zwirbler

Das Ende ist noch offen und doch scheint irgendein Ende so nah. Welche Rolle spielt dabei die erigierte Traurigkeit und die in den Statusmeldungen gepressten Zuneigungen, die Zwirbler bei seiner Suche begleiten? Wir lesen und posten auf Facebook, weil uns eine Welt alleine nicht genügt. TG als Zwirblers Alter Ego hat uns in der gestrigen Bloggercamp.tv-Sendung ein wenig in die Lebenswelt des Protagonisten eingeführt und erläutert, warum man Zwirbler aus den Untiefen des Zuckerberg-Imperiums befreien sollte.

Das solltet Ihr über die Crowdfunding-Plattform Startnext in den nächsten 15 Tagen unbedingt mit kleinen und großen Beträgen unterstützen.

Zwirbler braucht Eure Unterstützung
Zwirbler braucht Eure Unterstützung

Wer gar seine Geldbörse weit öffnet und 5.555 Euro in den Topf wirft, bekommt vom Autor des weltweit ersten Facebook-Romans den Hintern abgewischt. TG ist zu allem bereit.

Wie man die literarischen Klorollen mit Payback-Punkten und dem Startnext-Projekt verbinden könnte, wollen wir gemeinsam mit TG am Samstag auf dem Streamcamp erörtern, schließlich findet das Streamcamp am Samstag und Sonntag in der Firmenzentrale von Payback statt 🙂

Siehe auch:

Zwirbler im ARD-Nachtmagazin.

Der Atomausstieg ist übrigens teurer als das Zwirbler-Projekt….

Glücksversprechen werden im Roman nicht zurückgenommen.

Ob Eizellen im Facebook-Roman eingefroren wurden, kann ich nicht genau sagen. Da habe ich den Überblick verloren.