Das Netz der Konspiration – Über die Verschwörung der Facebook-Freunde #FAZ

Gerüchte im konspirativen Netz
Gerüchte im konspirativen Netz

Mathias Müller von Blumencron, der FAZ-Mann für das digitale Geschäft, sorgt sich in einem Leitartikel seiner Zeitung um die Wahrheit. Eine Wahrheit habe sich in den vergangenen Jahrtausenden wohl durchgesetzt. „Wirklich ist, wo man gerade steht“, so die Blumencron-Erkenntnis.

Aber dann kam die digitale Revolution und erschütterte diesen Geist des Pragmatismus. Die unendliche Erreichbarkeit von Wissen mündet nicht automatisch in Wissen – eine simple Wahrheit, die schon beim Besuch einer analogen Bibliothek den Gelehrten klar wurde.

Das Internet als Empörungsmaschine

Das Internet hat aber nach Meinung des FAZlers noch viel mehr bewirkt. Es mutierte in den vergangenen Jahren zu einer gewaltigen Empörungsmaschine, einer Gerüchteschleuder, zu einem Propagandavehikel für jede noch so obskure Theorie:

„Die eingebildete Wahrheit verdrängt die Fakten, eine scheinbare Welt die Realität.“

Aus einem Medium der Information werde ein Vehikel der Desinformation. Wer suchet, der findet für jede noch so abwegige Ansicht eine Theorie.

„Es gibt Zehntausende, die glauben, dass die Mondlandung inszeniert worden sei. Es gibt Zehntausende, die glauben, dass die klaffenden Einschlaglöcher im World Trade Center zu schmal für die Flugzeuge gewesen seien, die sie aufgerissen haben. Und es gibt Zehntausende, die glauben, dass die Täter von Paris nicht radikale Islamisten gewesen seien, sondern westliche Islam-Hasser“, schreibt Blumencron.

Dieser Glaube sei der Feind von nüchternen Fakten.

Facebook als unüberprüfbare Gerüchteküche

„Ausgerechnet in einer Zeit, in der es das Publikum besser wissen müsste, gewinnen allerorten Bewegungen der Unvernunft an Einfluss, die ohne ihre eigenen Informationskanäle im Netz kaum denkbar wären.“

Über Jahrhunderte sei es üblich, dass Informationen einen Absender hatten. Die griechische Agora, der Marktplatz, später die Zeitung, Radiosender, Fernsehen, die Website oder ein Blogger „waren“ eindeutig identifizierbare Orte der Information. Mit Facebook als Betriebssystem des Internets ist das nun nicht mehr so, glaubt Blumencron. Ein Drittel der Amerikaner informiere sich primär über soziale Medien und auch Deutschland würde sich dorthin entwickeln.

„Infofetzen fliegen heute vor den Netznutzern entlang wie Herbstlaub im Sturm. Woher sie eigentlich kommen, von welchem Baum sie stammen, ob sie authentisch oder manipuliert sind, ob sie sauber recherchiert oder mehr oder weniger geschickte Propaganda sind, lässt sich immer weniger feststellen. Und es scheint auch eine immer geringere Rolle zu spielen.“

Wichtiger sei der Empfehler oder der virtuelle Kurator – also der Facebook-Freund, dieser flüchtige Geselle. Die Algorithmen der Social Web-Plattformen würden das noch über die Filterbubble-Effekte befördern. Man landet mit mathematischen Formeln im Schwarm der Weltverschwörer. Das Internet schütze nicht die Freiheit und gebiert auch nicht die Wahrheit. Aber welche Wahrheit ist nicht konstruierte Realität – egal, ob sie von Profijournalisten, Experten oder Laien kommuniziert wird? Was der besorgte FAZ-Mitarbeiter geschrieben hat, klingt wie die vornehme Variante der Klagerufe von Verlegern, die das Mitmach-Web als Toilettenwand des 21. Jahrhunderts deklassieren wollten.

Nach Einschätzung des Soziologen Dirk Baecker ist Blumencron nur darum bemüht, seine eigenen Thesen zu beweisen. Er schleudere Gerüchte (über das Internet), produziert Desinformation (über das Internet) und beweist, dass noch lange nicht jedes Wissen (etwa die Artikel-Weisheiten des FAZlers) der Wahrheit entspricht.

„Alle Formen der ebenso produktiven wie kritischen Vernetzung unter Wissenschaftlern, Familienmitgliedern, Politkern und politisch Bewegten, Gläubigen und Predigern, Käufern und Verkäufern (Endkonsumenten wie Geschäftsleuten) entgehen dem geschätzten Autor“, so Baecker.

Die nicht überprüfbaren Gerüchte des analogen Zeitalters

Das Problem sind nach Meinung des Soziopod-Bloggers Partrick Breitenbach nicht die zirkulierenden Gerüchte und Verschwörungstheorien, denn die gab es vermutlich schon seit Beginn der menschlichen Aufzeichnungen.

„Man denke nur an die berühmten ‚Protokolle der Weisen von Zion‘, die gerade durch eine monolithische Medienkultur der gedruckten Wahrheit für eine breite Akzeptanz einer kruden Weltverschwörungstheorie damals bis heute wirkte. Ein Buch hatte entsprechendes Gewicht. Das gedruckte Wort galt zunächst als unantastbar, genoss als Medium hohe Reputation und war natürlich relativ schwer und sehr spät korrigierbar. Die Herausforderungen heute liegen ganz woanders. Gibt es so etwas wie die einzige objektive Wahrheit überhaupt? Kann die Stimme eines einzelnen Experten oder Journalisten die komplexe Wirklichkeit, die wir in Summe als solche wahrnehmen, überhaupt abbilden? Genau diese Erwartungen haben die meisten Leser an ‚ihr Medium‘. Es gibt einen Paradigmenwechsel, den die neue Technologie der Kommunikationsvernetzung angestoßen hat, nämlich die Frage nach der einzig wahren Wahrheit selbst.“

Genauso relevant ist die Frage, wie viel Desinformation in der Zeit vor dem Internet unerkannt durchgeschlüpft ist. Schließlich würden sich besonders die aktuellen Verschwörungstheorien auf „alte“ Buch-Quellen berufen.

„Die Kunstfertigkeit der gezielten Wirklichkeitsverformung existiert spätestens seit Edward Bernays Werk „Propaganda“. Auch sie wurde Schwarz auf Weiß im Jahre 1928 gedruckt. Darin beschreibt Bernays als erster namhafter PR-Experte ausgiebig die aus seiner Sicht notwendigen Machenschaften von findigen Public Relation Experten zur aktiven Steuerung einer Demokratie im Sinne von damals herrschenden Eliten in Politik und Wirtschaft.“

Und dabei spielte immer auch die Kriegspropaganda eine große Rolle.

„Wenn wir uns das bewusst machen, so sollten wir uns täglich aufs Neue die Frage stellen, ob das Internet, als neue Informationsinfrastruktur, tatsächlich ein Fluch der freien offenen Gesellschaft ist oder vielmehr zugleich auch die Chance beinhaltet, durch ein permanentes Aushandeln, Abgleichen und Korrigieren den Nährboden für totalitäre Machenschaften einiger weniger Mächtigen zu entziehen. Richtig ist jedoch, dass das Tempo und die Dynamik zugenommen haben, in der sich offensichtlich bereits eindeutig falsifizierte Informationen verbreiten. Schließlich besteht auch die traurige Einsicht, dass Menschen schon immer nur das gelesen haben, was sie im Grunde ihres Herzens und aufgrund ihrer Sozialisation am Ende lesen wollten“, erläutert Breitenbach gegenüber The European. Oder in den Worten von Albert Einstein: „Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil.“

Journalismus im permanenten Korrektur-Modus

Wir sollten uns eher an den neuen Zustand einer unsicheren Unwirklichkeit gewöhnen und offen sein für einen neuen Journalismus, der nie vollständig abgeschlossen sein wird und stärker denn je auf die Wirkmächtigkeit der Korrektur setzen muss.

„Das gedruckte Wort ließ damals weder eine nachträgliche Korrektur noch den Raum für zusätzlich hinzugefügten Kontext zu. Das Internet hingegen hat technologisch jede Menge Raum für genau das. Gerade ältere Artikel müssen kontinuierlich revidiert werden, denn sie sind die Quellen für morgen. Das Korrektiv ist zum Teil der Leser selbst, sie müssen nur einerseits mit glaubwürdigen und vertrauensvollen Quellen und Links versorgt werden und andererseits sicher sein, dass veraltete Artikel immer wieder auch auf Richtigkeit überprüft werden, um gerade den Diskurs im Ganzen entsprechend auszubalancieren“, fordert Breitenbach.

Die konspirativen Facebook-Freunde sind nicht die Ursache für die zirkulierenden Gerüchte und Desinformationen:

„Das Vertrauen bröckelt deshalb, weil unterbezahlte und unter Zeitdruck handelnde Profi-Journalisten zunehmend unter den ökonomischen Druck geraten und gezwungen werden, Nachrichten aus Quellen unreflektiert abzuschreiben, um mit dem erhöhten Takt der täglichen ‚News‘ Schritt halten zu können. Zeit für Gründlichkeit ist somit zum wichtigsten Vertrauensgut geworden“, sagt Breitenbach.

Im Prinzip müsste der Journalismus funktionieren wie die digitale Arbeitsweise des SZ-Redakteurs Dirk von Gehlen bei seinem Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“ oder „Alles fließt“.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Und Qualitätsmedien tun sich wohl auch etwas schwer, Inszenierungen und Manipulationen zu bemerken und einzugestehen.

Wichtige Frage von Richard Gujahr: Journalisten sind in der digitalen Welt wichtiger denn je. Sie prüfen, bewerten, ordnen ein. Professionelle Autoren werden immer gebraucht. Doch was, wenn das gar nicht stimmt?

Alles so viral hier: Wird Facebook das neue Youtube? – Thema bei #Bloggercamp.tv ab 20:15 Uhr

Facebook greift Youtube an
Facebook greift Youtube an

Facebook hat in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im „Welt“-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten. Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft“, so Mendelsohn.

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zurzeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social-Web-Primus

So habe der Social-Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegtbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank-You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen. Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernst zu nehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

AdWeek berichtet von Budweiser, McDonald’s und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort Youtube-Links zu teilen.

Es geht um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft und hier wollen sich Youtube und Facebook ein großes Stück vom Kuchen sichern. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von Youtube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Noch hat allerdings Youtube die Nase vorn und die Video-Funktionen bei Facebook sind nicht wirklich smart, wie Marco Jahn konstatiert:

„Facebook fehlt leider noch einiges, um als Videoplattform zu taugen. Die Zahlen der Reichweite und Views sind gut, aber leider ist das Video nach einem Tag in den Tiefen der Timelines verschwunden. Des Weiteren lassen sich die Videos nicht gut außerhalb von Facebook verbreiten. Wir setzen für das Video-Marketing der Bundeswehr immer noch auf YouTube und haben dort jeden Monat über eine Million Views. Facebook-Videos setzen wir nur in Einzelfällen ein.“

Genug Stoff für unsere Bloggercamp.tv-Runde.

In der Sendung diskutieren: Roland Eisenbrand, Online Marketing Rockstars; Jannis Kucharz, netzfeuilleton.de; Marco Jahn, Freelancer; Gerhard Schröder, KreativeKK; Constantin Sohn, Informatikstudent und Gaming-Redakteur.

Die Moderation mache ich heute alleine, daher für Zwischenrufe während der Liveübertragung bitte nur die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus einsetzen. Auf Twitter und Co. werde ich während der Sendung nicht schauen. Rechts oben auf Fragen-Button gehen, dann öffnet sich rechts das Fenster, um Beiträge posten zu können.

Facebook, Youtube und der Kampf um den Bewegtbild-Markt – Warum Video-Sternchen verglühen und die Werber wieder jubeln könnten

subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Bislang redet jeder nur über Youtube, wenn über die Revolution des Bewegtbildes sinniert und der Niedergang des linearen Fernsehens prognostiziert wird. Da kommen dann die Youtube-Sterne und Sternchen zu Wort mit ihren fantastischen Abo-Zahlen, da wird ehrfürchtig von der Fanbase eines Sami Slimani berichtet, der mit Must-Haves über Augencreme, Duftkerzen, gesunden Eisrezepten und Motivations-Aphorismen für Schlagzeilen sorgt:

„Das Leben ist etwas Besonderes & unsere Zeit auch. Machen wir das Beste daraus.“ Oder: „Das Leben ist wie Hunger Games. Wer nicht kämpft, verliert.“

Danke, mein liebwertester Livesaver-Gichtling für diese lebensklugen Ratschläge, die irgendwie mein Leben verändern werden. Die Produzenten und Vermarktungs-Gurus des Youtube-Spektakels wie Mediakraft-Geschäftsführer Christoph Krachten träumen schon davon, größer als große Fernsehanstalten zu werden.

„Y-Titty, die Spaßvideofranken und mit drei Millionen Abos größten Zugpferde bei Mediakraft, verlassen das Haus ohnehin nur noch durch den Hinterausgang“, schreibt Wired, um nicht von kreischenden Fans in gut organisierten Schichten vor dem Haupteingang in den Wahnsinn getrieben zu werden.

So etwas nervt ja auch wirklich auf die Dauer. Mit zur Zeit rund 400 Millionen Views im Monat zählt das deutsche Youtube-Netzwerk Mediakraft auf der nach oben offenen Skala zu den Schwergewichten der Youtube-Szene.

Böhmermann erledigt Youtube-Stars

Mark Zuckerberg könnte den nuschelnden Strahlemann Slimani und viele andere Youtube-Macher wieder auf den Boden der Tatsachen reißen, wenn das vorher nicht schon Jan Böhmermann erledigt hätte.

Facebook hat jedenfalls in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im Welt-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten.
Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft.“

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zur Zeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social Web-Primus

So habe der Social Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen https://www.facebook.com/gsohn/posts/10204198849583760/ . Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernstzunehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

„AdWeek berichtet von Budweiser, McDonalds und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort YouTube-Links zu teilen“, so Kucharz.

Spannend ist auch das neue Format des US-Senders ABC, das exklusiv auf Facebook läuft. In zwei Minuten berichet Anchorman David Muir über die Geschehnisse des Tages.

„The One Thing“ heißt die Sendung, deren erste Folge bereits über 100.000 Mal bei Facebook angeklickt wurde, berichtet Meedia.

Die Facebook-Strategie zahlt sich bislang aus. Bis zum Oktober 2014 konnte der Konzern seine Unique Viewers um 10 Millionen steigern, erklärt Jan Firsching von Futurebiz. YouTube muss einen Verlust von rund 2,5 Millionen verbuchen. Der Abstand zwischen beiden Konkurrenten ist noch groß, aber der Vorsprung von Youtube schmilzt. Facebook wird mit seiner Video-Politik nicht am Status quo festhalten und weitere Verbesserungen für Bewegtbild-Produzenten bieten, schließlich geht es um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von YouTube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Wer wird dann noch über die nuschligen Creme-Tipps von Slimani reden?

Ob Facebook zum neuen Youtube wird, wollen wir in der nächsten Woche bei Bloggercamp.tv erörtern.

Wer als Talkgast dabei sein möchte, kann sich bei mir melden. Böhmermann versus Slimani wäre doch eine fantastische Konstellation.

In unserer kleinen Show mit dem Google-Dienst (!) Hangout on Air gelten ja Barcamp-Prinzipien. Also meldet Euch.

Wenn sich jetzt noch die Marketing-Politik vieler Firmen vom Einwegkommunikations-Modus auf Facebook verabschieden würde, könnte noch mehr Dynamik im Wettbewerb der sozialen Netzwerke entstehen.

Von so einem Erfolg kann Facebook bislang nur träumen:

We never thought a video would be watched in numbers greater than a 32-bit integer (=2,147,483,647 views), but that was before we met PSY. „Gangnam Style“ has been viewed so many times we have to upgrade!

Spannendes Projekt: Wire – Die Macher von Skype starten neue Kommunikationsplattform.

Der neue Gatekeeper für Nachrichten heißt mobiler Internetnutzer und nicht Facebook

Vinewalker bei der mobilen Internet-Nutzung
Vinewalker bei der mobilen Internet-Nutzung

Als sich der Mobilfunkstandard UMTS im Jahr 2008 auf dem deutschen Massenmarkt durchsetzte, etablierte sich auch das mobile Internet im Alltag, schreibt der Dienst Statista, was natürlich großer Humbug ist. Als im Jahr 2000 der große Run auf die UMTS-Lizenzen stattfand, träumten die Netzbetreiber vom mobilen Surfen, Location Based Services und Navigationssystemen auf Smartphones, mobilem Payment und vielfältigem M-Commerce. Außer den eher wenig erfolgreichen Versuchen, den japanischen i-Mode Service auch in Europa zu platzieren, war jeder Versuch, werthaltigen Content bereit zu stellen, bereits schon in der Produktentwicklung steckengeblieben. Display-Logos und Klingeltöne stellten den einzigen mobilen Content dar, für den bezahlt wurde.

Was 2008 statistisch messbar wurde, lag nicht an UMTS, sondern hängt mit einem Datum zusammen: Es geht um den 9. Januar 2007. Apple stellte an diesem Tag der Öffentlichkeit einen Prototyp des iPhones auf seiner Macworld Conference & Expo in San Francisco vor. Erst mit dem iPhone-Marktstart reden wir intensiv über 3G, Apps und Datendienste. Die Explosion an intelligenten Datendiensten bringt bis heute die Telcos in Verlegenheit. Das App-Fieber führte zu Schüttelfrost bei den Netzbetreibern. Davon haben sich die Telekoms dieser Welt nie so richtig erholt. Und nun bekommen auch die klassischen Medien mit etwas Verspätung eine mobile Infektion, wie Huffington Post Deutschland-Chefredakteur Sebastian Matthes sehr schön beschreibt.

Die Smartphone-Revolution
Die Smartphone-Revolution

Die Smartphone-Dominanz und der steigende Anteil bei der mobilen Nutzung des Internets haben dramatische Auswirkungen für Dienstleister, Händler, Medienunternehmen – kurz:

„Es lässt kaum einen Wirtschaftszweig unberührt. Ganz besonders wird es die Arbeit von News-Seiten verändern: Sie müssen in vielen Bereichen ganz anders arbeiten. Wir bewegen uns anders durch das mobile Internet Denn das mobile Internet funktioniert grundlegend anders als das Internet, das wir vom PC aus ansteuern. Wir navigieren hier seltener mit Suchmaschinen durch das Internet, nicht mehr von Website zu Website und wieder zu unseren Bookmarks. Wir nutzen stattdessen entweder die nativen Apps der Anbieter oder wir bewegen uns mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter durchs Netz. An der Bushaltestelle, im Flughafen, vor dem Einschlafen: Ein kurzer Blick in die Apps, ein Klick auf einen spannenden Text – so sieht die Zukunft der Massenmedien aus. Jeder Dritte konsumiert Nachrichten bei Facebook. Der Schmierstoff dieser mobilen Zukunft sind die Empfehlungen in sozialen Netzwerken. Jeder dritte Amerikaner liest bereits Nachrichten via Facebook, haben die US-Forscher von Pew Research beobachtet. Aber nicht, so schreiben die Forscher, weil jeder von ihnen zig Nachrichtenseiten geliked hat. Sie lesen vor allem Texte, die ihre Freunde empfohlen haben. Wir lesen, was unsere Freunde lesen. Und das ist die eigentliche Revolution“, so Sebastian Matthes.

Früher bestimmten die Massenmedien als Gatekeeper unseren Nachrichten-Konsum. Jetzt ist es der mobile Internet-Nutzer und nicht Facebook, wie es der Netzökonom ausdrückt. Facebook ist als auswechselbare Plattform nur Mittel zum Zweck.

Der Netzökonom hat allerdings recht, wenn er die Aktivitäten der Leistungsschutz-Gichtlinge gegen Google als sinnlos darstellt. Der Suchmaschinen-Gigant wird für den Nachrichtenkonsum irrelevanter. Scheiße für die Abmahn-Bubis von VG Media und Co.

Auf Facebook gab es zu den Thesen des Huffington Post Deutschland-Chefredakteur heftige Kritik.

Die beiden Hauptakteure des Streits, Karsten Werner und Sebastian Matthes, haben wir in unsere Bloggercamp.tv-Sendung am Mittwoch eingeladen. Start wie immer direkt nach der Tagesschau um 20:15 Uhr.

Ich selbst werde das Thema in meiner The European-Kolumne am Mittwoch aufgreifen und würde gerne Eure Meinung zu diesem Thema einbauen. Schickt mir also Eure Sicht der Dinge bis morgen (Dienstag) so gegen 14 Uhr zu. Entweder hier als Kommentar oder per Mail an gunnareriksohn@gmail.com.

Man hört und sieht sich spätestens am Mittwoch bei Bloggercamp.tv. Oder man trifft sich am Donnerstag auf der Buchmesse. Da produziere ich mit meinem Kollegen Wolfgang Schiffer wieder eine Folge von Wortspiel-Radio.

Über die Sozialingenieure der digitalen Sphäre – Bildungsreisen statt LEAD-SEO-ONE-TO-ONE-Propaganda-Alchemie

Bildungsreisen statt Klickvieh-Strategie
Bildungsreisen statt Klickvieh-Strategie

Die Sozialingenieure in der digitalen Sphäre vertreten mit ihren Tricks und Manipulationen ein fragwürdiges Weltbild. Ob bei der Suchmaschinen-Optimierung, der Anzeigen-Berieselung über Cookies, der Lead-Generierung für sinnlose Mailingaktionen, der Klick-mich-Aktionen von Facebook & Co. oder sonstigen Du-bist-eine-weiße-Maus-für-unsere-Zahlenspielchen-Strategie: Für mich sind es Maschinisten, die einem Weltbild nachlaufen, wie es der Engländer Thomas Hobbes vertrat. Siehe auch: Das Internet und die Massenmanipulation – Kann man nicht nicht manipulieren?

Hobbes machte sich eine bereits gängige Vorstellung aus dem 16. Jahrhundert zu eigen, wenn er zu verstehen gab, der Staat, der Zusammenschluss der Menschen zu einer Einheit, eben der „Staatskörper“, sei wie jeder Körper eine Maschine, ein von einem Uhrwerk angetriebener Automat. Die Rechenschieber-Fraktion im Online-Marketing ist von diesem Theoretiker des politischen Absolutismus nicht weit entfernt. Menschliches Verhalten im Kleinen und im Großen zu steuern, ist ein Münchhausen-Projekt:

„Bei Kalkülen, die zukünftige Ereignisse betreffen, handelt es sich nicht, wie bei statistischen Aussagen über gegenwärtige Verteilungen, um empirisch nachprüfbare Tatsachen, sondern um Wetten“, bemerkt der Schriftsteller und Mathematik-Kenner Hans Magnus Enzensberger in seiner Schrift „Fortuna und Kalkül“, erschienen in der edition unseld.

Es wuchert die Ungewissheit hinter einem Schleier von vermeintlicher Eindeutigkeit, die mit unseriöser Empirie unterlegt wird.

Die Ergebnisse der Datenjongleure sind niederschmetternd: Menschliche Interaktionen führen zu einer unabsehbaren Zahl von Rückkopplungen, bei denen die Menge der Variablen exponentiell ansteigt.

„Exakte Gleichungen versagen vor solchen Aufgaben. Bereits für grobe Annäherungen wäre ein utopischer Rechenaufwand nötig, um die Reflexivität von ökonomischen und politischen Systemen zu messen“, erläutert Enzensberger.

Elena Esposito kommt in ihrer Schrift „Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität“ zu einem ähnlichen Urteil. Bei prognostischen Aussagen, die auf Wahrscheinlichkeitskalkülen beruhen, handelt es sich grundsätzlich um Fiktionen. Zukünftige Ereignisse treten nämlich nicht zu neun oder zu 99 Prozent, sondern entweder ganz oder gar nicht ein.

Man könne bestenfalls das voraussehen, von dem man wenigstens weiß, dass man es noch nicht weiß, meint Rudolf Burger in einem Beitrag für den Merkur-Sammelband „Macht und Ohnmacht der Experten“:

„Aber die Masse dessen, was man noch nicht weiß, weiß man derart nicht, dass man nicht einmal weiß, dass man es nicht weiß, wie es in der klassischen Fassung bei Aristoteles heißt.“

Zu dieser Einsicht kam auch der fragwürdige ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, als er in einer Pressekonferenz zum Irak-Debakel von den „unknown unknowns“ sprach.

Um sich diese Peinlichkeiten zu ersparen, könnten die SEO-Targeting-Tracking-Cookie-Bubis einfach in ein Schreibwarengeschäft gehen und Utensilien zum Nachbau der Logik-Maschine von Raimundus Lullus kaufen. Er hatte so um 1300 auf dem mallorquinischen Berg Randa den göttlichen Auftrag empfangen, die Ars Magna zu verfassen. Entstanden ist eine computertaugliche Logiktafel – quasi eine logische Maschine zur Produktion von Aussagen mittels einer permanent sich differenzierenden und fragenden Reflexion. Ein Instrument zum Finden und Erfinden, zum Prüfen und Bestimmen, zum Entwerfen und Erobern neuer Räume des Denkens. Ein steter Kampf gegen das Ungewisse, gegen den Zweifel am Wissen. Nachzulesen in der exzellenten Arbeit von Werner Künzel und Peter Bexte: „Allwissen und Absturz – Der Ursprung des Computers“.

Die Bastelarbeit an dem Lullus-Supercomputer dürfte so für 20 Euro zu haben sein. Am Ende entsteht eine Denkmaschine für Spiel, Assoziation und Erfindungskunst, die übrigens Gottfried Wilhelm Leibniz zur Konzeption des binären Zahlensystems anregte.

Den Bau des Ars-Magna-Apparates könnte man auch mit einem Urlaub auf Mallorca und einer Besichtigung des Lullus-Klosters verbinden, statt sich auf die LEAD-SEO-ONE-TO-ONE–Propaganda-Alchemisten einzulassen. Das Beratungsgeld sollte man lieber für Bildungsreisen ausgeben. Mehr zum Thema erscheint in meiner The European-Mittwochskolumne.

Siehe auch:

Das Facebook-Experiment: Ethisch in Ordnung oder nicht?

Nicht Facebook schmiert ab, sondern Twitter: Über Kaugummi-Dreck beim Kurznachrichtendienst

Auf die Länge kommt es vielleicht doch nicht an.
Auf die Länge kommt es vielleicht doch nicht an.

Netzökonom Holger Schmidt hat Anfang März einige recht interessante Fakten über Twitter zusammengetragen, die sich so langsam zur Krise des Kurznachrichtendienstes auswachsen.

„Etwa 70 bis 80 Prozent der Menschen, die sich bei Twitter anmelden, springen im Laufe der Zeit wieder ab. Nur etwa 3 Prozent der Menschen, die sich jemals bei Twitter im deutschsprachigen Raum angemeldet haben, sind heute noch täglich als Schreiber aktiv. Zwar hat Twitter mit Hilfe der Kooperationen mit Fernsehsendern im vergangenen Jahr viele neue Nutzer in Deutschland hinzugewonnen, doch besonders treu sind diese nicht. 80 Prozent der neu hinzugekommenen Nutzer gaben an, seltener als einmal im Monat Tweets zu schreiben.“

Als @SPIEGELONLINE einen Blogbeitrag von Schmidt an seine damals 280.000 Follower twitterte, kamen trotz einiger Retweets ganze 250 Klicks auf den Text zustande.

„Eine Nachfrage bei einem Blogger-Kollegen brachte etwa die gleiche magere Resonanz. Ich treffe auch immer mehr Twitterer der ersten Stunde, die keine Lust mehr haben, weil die ‚Echokammer‘ inzwischen ziemlich leer sei. Bleibt nur ein kleiner Teil an Menschen übrig, für die Twitter als täglicher Nachrichtenlieferant unverzichtbar geworden ist? Denn auch im Kriterium der sozialen Interaktionen auf den Nachrichtenseiten verliert Twitter an Bedeutung gegenüber Facebook“, schreibt Schmidt und bestätigt damit die Erfahrungen vieler anderer Nutzer.

Folgt man den Analysen der Blogrebellen, hängen mittlerweile alle Websites am „Tropf“ von Facebook. Ob riesig wie Buzzfeed und Upworthy oder klein wie Postillon und Schlecky – 50 Prozent des Traffics kommen über soziale Netzwerke und über 90 Prozent davon kommen über das Mark Zuckerberg-Imperium.

Michael Seemann hat gar den Glauben an Twitter verloren, wie er im Wir-Müssen-Reden-Podcast mit Max Winde ausführt (so ab 01:58 Std.). Er sei kurz vor seinem siebten Twitter-Geburtstag.

„Das ist die längste Beziehung, die ich je hatte. Ich lass sie jetzt still und leise auslaufen.“

Er habe nicht mehr das Gefühl, dass man viele Leute erreicht. Man treffe sehr viele Karteileichen.

„Die Reichweite sinkt und niemand interessiert sich mehr so richtig für Twitter. Die Leute wandern ab. Viele konzentrieren sich immer mehr auf Facebook“, sagt Seemann.

Wer auf Facebook richtig aktiv sei, wie Leander Wattig, erziele extrem viele Interaktionen, obwohl man in der Regel weitaus weniger Fans oder Freunde hat im Vergleich zur Zahl der Twitter-Follower. Besonders in Deutschland gehe die Twitter-Nutzung massiv zurück, wie die Zahlen von Holger Schmidt belegen. Bei uns sei der Dienst nie richtig in die Gänge gekommen. Der Peak wurde vor rund zwei Jahren erzielt. Seitdem geht es in den Keller.

„Meine eigene Timeline ist irgendwie umgekippt“, erzählt Seemann.

Da werde nur noch irgendwelcher Kaugummi-Dreck von vorgestern abgesondert. Wie steht es mit Eurer Twitter-Timeline. Alles im Eimer?

Den Facebook-Untergang müssen wir jetzt wohl erst einmal vertagen, oder? Wir sollten uns vielleicht eher über die Folgen der Facebook-Dominanz einige Gedanken machen.

Siehe auch:

Facebook-Lamento, Klickbomben und barfüssige Propheten.

NSA-Komplizen sind die Schwachstellen im System der Massenausforschung

Silicon-Valley-Sack prügeln
Silicon-Valley-Sack prügeln

„Den Silicon Valley-Sack prügeln, um den NSA-Esel zu treffen“ ist vielleicht zur Zeit das probateste Mittel, um die Totalüberwachungs-Obsessionen der US-Regierung zu kontern. Das Zugeständnis von Obama an die Technologiefirmen, die Zahl der Geheimdienst-Abfragen veröffentlichen zu dürfen, ist ein Witz. Die Einigung verbietet den Netz-Giganten weiterhin, Details über die geheimen Anträge auf Herausgabe von Nutzerdaten zu veröffentlichen. Vielleicht wollen Google & Co. das auch gar nicht. Darauf macht die von mir sehr geschätzte amerikanische Wissenschaftlerin Shoshana Zuboff in einem FAZ-Gastbeitrag aufmerksam.

Abfragen sind doch überhaupt nicht nötig oder zählen nur zur Spitze des Eisberges, weil sich die Geheimdienst-Gichtlinge schon tief in die inneren Strukturen der Silicon Valley-Giganten eingenistet haben – teilweise mit Zustimmung der Firmen. Zuboff nennt das den militärisch-informationellen Komplex. Das Prism-Programm kann ohne die Server der Technologiefirmen gar nicht funktionieren. Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, AOL und Apple würden sich eher durch Willfährigkeit denn Widerstand auszeichnen. So besitzen einige Angestellte mancher Technologiefirmen sogar die Nationale Sicherheitszulassung – klingt irgendwie nach den Informellen Mitarbeiter der Stasi.

„In anderen Fällen installierten NSA-Agenten ihre eigene Software auf Firmenservern und blieben über Wochen zur Überwachung der Systeme in diesen Firmen“, so Zuboff.

Dokumente zum SigintProgramm der NSA belegen, dass der staatliche Totalüberwacher sich aktiv an amerikanischen und ausländischen IT-Firmen beteiligt, um verdeckt oder offen Einfluss auf die Gestaltung der kommerziellen Produkte zu nehmen. Im NSA-Jargon werden „Konsumenten“ – also wir alle – übrigens einer besonderen Kategorie zugeordnet: GEGNER!

Zuboff verlangt Aufklärung über die Schnittstellen zwischen Technologieunternehmen, Telekommunikationsfirmen und Geheimdiensten, um die Verbindung zwischen privater und staatlicher Macht als Zivilgesellschaft einschätzen und bekämpfen zu können. Geheimdienste und besonders die NSA seien von einem sich selbst erhaltenden und seinem Wesen nach nicht überprüfbaren manischen Glauben getrieben, dass es möglich sei, jegliches Geschehen durch „Informationsüberlegenheit“ zu kontrollieren.

„An alledem ist nicht Unvermeidliches außer dem Willen zur Macht“, so Zuboff.

Die Melange von staatlicher Kontrollwut und privatwirtschaftlicher Stasi-Komplizenschaft zerschlägt das Recht auf informationeller Selbstbestimmung. Die fatalen Konsequenzen liegen gar nicht so sehr in der Repression gegen Einzelne, sondern im vorauseilenden Gehorsam, den George Orwell in seinem Roman „1984“ so folgenreich beschrieben hat. Wenn die Menschen wissen, dass sie beobachtet werden, neigen sie bewusst oder unbewusst dazu, den Erwartungen des Beobachters zu entsprechen, führt Zuboff aus. Als erstes würden die „Gesichtsverbrechen“ verschwinden – man kann das an sich selbst beobachten, wenn man irgendwelche Sicherheitschleusen über sich ergeben lassen muss.

„Als nächstes verschwinden die ‚Gedankenverbrechen‘. Haben Sie schon einmal gestutzt und über gewisse Ausdrücke nachgedacht, bevor Sie bei Google eine Suchanfrage eingeben oder eine E-Mail-Betreffzeile formulieren“, fragt Zuboff.

Diese Selbstzensur sei eine lebenslange Freiheitsstrafe. Nichts Neues könne geschehen, wenn wir erst einmal unsere Gedanken zensieren.

„Wir können und müssen uns zurückholen, was man uns genommen hat“, fordert die Autorin.

Wie kann man das bewerkstelligen? Sicherlich nicht durch Krypto-Partys, um die eigenen Daten mehr oder weniger gut zu verschlüsseln. Schon das ist ein Hofknicks vor der Totalüberwachung und geht dem militärisch-informellen Komplex am Arsch vorbei.

Dadaistische Daten-Zumüll-Aktionen könnten ein wenig Verwirrung bei den Analysten der NSA stiften, die schon jetzt n i c h t in der Lage sind, die untersuchten Bäume vom Wald zu unterscheiden – Big Data-Vollpfosten-Syndrom. Was die Silicon Valley-Schwergewichte an den Veröffentlichungen über den NSA-Fall fürchten, sind wirtschaftliche Konsequenzen. Die Snowden-Enthüllungen sind schlecht fürs Geschäft.

Deshalb hat man von der Obama-Regierung kleine Zugeständnisse verlangt bei den „Abfragen“ der Geheimdienste, die eigentlich nicht nötig sind, weil die Daten ohnehin vollumfänglich angezapft werden. Die Technologiekonzerne sind panisch bemüht, ihr beschädigtes Ansehen zu reparieren. Und genau an dieser Nahtstelle können vor allem die Großkunden ansetzen. Man kann die Komplizen der NSA zum Verhör bitten.

Es könnte sich eine Allianz aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften formieren, um von den NSA-Helfern in der Technologieszene Aufklärung zu verlangen. Von deutschen Regierungsvertretern darf man sich keine Unterstützung erhoffen, solange der Zusatzvertrag zum NATO-Gruppenstatut gültig ist und Rechtspflichten zum „Informationsaustausch“ mit den drei Westmächten regelt. Und diese Rechtsgrundlage besteht weiter, so der Historiker Josef Foschepoth.

Also sollten mittelständische und große Unternehmen ihre Belange selbst organisieren und im Schwarm auftreten, um den Sack zu prügeln, damit der NSA-Esel gezügelt wird. Man könnte also den Anbietern amerikanischer Software genauer auf den Zahn fühlen. Kritisches Nachfragen bei IT-Häusern und dem Vertrieb amerikanischer Software-Unternehmen sei für die Wirtschaft jetzt oberstes Gebot, fordert bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk im ichsagmal-Interview.

Auch wenn es in vielen Fällen keine echten Alternativen gibt, sollte Druck ausgeübt werden. „So kann etwa mit der zeitlichen Verschiebung von Investitionen gedroht werden, was den Software-Vertrieb empfindlich treffen kann“, resümiert Schwenk.

Man sollte sich aber von den amerikanischen Anbietern nicht mit Pofalla-Aussagen abspeisen lassen: „Wir halten uns an die Gesetze. Punkt.“ So darf das NSA-Verhör mit den Silicon-Valley-Bubis nicht ablaufen. In den nächsten Wochen und Monaten werden weitere Snowden-Enthüllungen folgen. Bleibt zu hoffen, dass die Verstrickung der Technologiekonzerne mit dem NSA-Totalüberwachungssystem vollständig aufgeklärt wird. Um so härter können wir den Sack prügeln!

Siehe auch:

Vom Versuch, verschlüsselt mit einem Abgeordneten zu kommunizieren.

Abschlussbericht NSA-Untersuchung: Große Koalition lässt Edward Snowden im Stich.

10 Jahre alt und schon am Ende? Untergangsprognosen als Indikator für die Facebook-Vitalität

subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Warum ich Facebook weder hasse noch liebe: Egal, welche Neuerungen Mark Zuckerberg vorstellt oder nicht vorstellt – der Erregungspegel in Deutschland geht in schöner Regelmäßigkeit nach oben, wenn Facebook im Spiel ist. Etwa beim Re-Design der „Timeline“: Das löste einen gigantischen Kulturschock in der Netz-Elite aus. Von Stasi-Methoden, Entmündigung, Zwang zum Teilen und Stalking war die Rede. Da mutete es schon grotesk an, wenn man öffentlich mit großer Geste den Ausstieg aus dem Facebook-Datenwahn und den Übertritt zu Google Plus verkündete. Was ist aus den Umsteigern eigentlich geworden? Leiden sie unter Einsamkeit, Hospitalismus oder sozialer Isolation?

Jedes Mal, wenn Facebook ein Update ankündigt, prophezeien die Meinungsmacher des Internets das Ende des blauen Web-Imperiums. Aktuell wird von Implosion wegen Aushöhlung und Silodenken gemurmelt. Wie viele Tode soll Facebook eigentlich noch sterben? Zuckerberg folgt wie viele andere Silicon Valley-Größen der Obsession, zur zentralen Instanz der virtuellen Aufmerksamkeit zu werden. Stichwort Open Graph und Applikationen, die jede Lebensregung dokumentieren. Jeder Anbieter will sich unverzichtbar machen und ist es am Ende doch nicht. So war es bei AOL, Yahoo, T-Online und vielen anderen. Alle haben sie versucht, zur zentralen Anlaufstelle und Eingangstür des Internets zu werden. Auch die Features von Google Plus sollen möglichst in jeder Ritze des Netzes auftauchen und andocken, was bis zur Fusion mit Youtube reicht.

Ob Facebook nun den Bach runter geht oder nicht, ist mir wurscht. Für meine Netzwerkpflege ist der Laden immer noch nützlich. Morgen kann das schon anders aussehen. Erst wenn die selbst ernannten Netzpropheten den apokalyptischen Niedergang des Zuckerberg-Konzerns nicht mehr predigen, sollte man sich über das Wohlergehen von Facebook Gedanken machen. Happy Birthday, Mark.

Wie fallen denn Eure Glückwünsche zum zehnjährigen Bestehen von Facebook aus?

Siehe auch:

Facebook-Lamento, Klickbomben und barfüssige Propheten.

Facebook forever!

10 Jahre Facebook: Dein Hund ist tot? Gefällt mir.

Von wegen Abwanderung: Facebook verachtfacht seinen Gewinn.

Und ganz wichtig: 10 Jahre Facebook: Warum deine Community dich liebt und hasst.

Facebook-Lamento, Klickbomben und barfüssige Propheten

Im Besserwisser-Biotop der Untergangspropheten
Im Besserwisser-Biotop der Untergangspropheten

Ob es um den Euro, um Facebook oder das Abendland geht: Untergangspropheten wandeln in einer Komfortzone des Schlauermeiertums: Als Alarmglocken-Lautsprecher hat man in jedem Diskurs-Szenario recht. Falls das Unheil eintritt, hat man es immer schon gewusst. Je größer das Elend, desto triumphaler die Geste des Allwissenden. Bleibt zu Lebzeiten die Niedergangs-Vorhersage aus, ist es sogar noch besser: Dann waren es die eigenen Warnungen, die die Menschheit gerettet haben. Den Rest erledigt die Vergesslichkeit des Publikums oder die Kunst der Umdeutung eigener Aussagen. Die Wahrheitsmenschen mit dem „Ich-weiß-was-Image“ entfalteten in den 1920er Jahren als barfüssige Propheten (siehe auch das gleichnamige Buch von Ulrich Linse) begnadete Show- und Reklame-Talente, um sich als Heiler geschundener Seelen zu verdingen.

Nun hängt von Facebook sicherlich nicht das Wohl und Wehe des Weltgeschehens ab. Als Objekt für kulturpessimistische Rundumschläge und warnende Trendbotschaften entfaltet der Zuckerberg-Konzern jedoch magnetische Kräfte. Oder es sollen ganz profan Klickbomben produziert werden, wie es Falk Hedemann trefflich ausgedrückt hat. So prognostiziert eine zusammengerührte Studie den Facebook-Exitus, der in drei Jahren eintreten soll:

„Aber der wirkliche Kracher ist die Datenbasis, auf die die Prognose beruht: Die ‚Experten‘ haben sich das Suchvolumen der letzten Jahre angesehen. Wie oft wurde also nach Facebook bei Google gesucht? Mal ehrlich, unter uns Facebook-Nutzer: Wann habt ihr denn zum letzten Mal nach Facebook gesucht? Hat man nicht normalerweise einen Browsertab offen oder klickt oft ein Lesezeichen? Braucht man die Googlesuche um Facebook zu finden? Und was ist denn mit all den vielen mobilen Nutzern, die Facebook ausschließlich über die mobilen Apps verwenden?“

Mit dem nachlassenden Suchvolumen könne man sogar das Gegenteil belegen. Es ist eher ein Indiz für die Etablierung sowie Popularisierung von Facebook und kein Indikator für die bevorstehende Apokalypse. Als Implosions-Fachmann versucht sich der Berater Wolfgang Lünenbürger in der Februar-Ausgabe des Internet-Magazins zu profilieren. In diesem Jahr werde Facebook an den Rändern erodieren und schließlich kollabieren, da eine Verständigung in diesem siloartigen Moloch nicht mehr möglich sei. Ich spare mir die Wiedergabe des Lünenbürger-Gemurmels, weil es die Beweiskraft von heißer Luft besitzt. Irgendwann bekommt er recht – Gesetz der Rabulistik. Gleiches gelang dem Analytiker in den vergangenen Jahren am laufenden Band.

Beispiel: „2012: Das Jahr, in dem wir nicht mehr über Social Media reden.“ So klug können nur Theologen sein – göttliche Weissagungen oder: Jahresrückblick auf die 2012-Fehlprognose: Online-Marketing-One-to-One-Personalisierungs-Matchmaking-Zielgruppen-Gedöns-Propaganda.

Demnächst sterben übrigens alle Unternehmensblogs wegen Isolationsfurchtoder vielleicht doch nicht.

Was könnte denn noch so alles untergehen?

Update:
Auf Facebook wird gerade weiter lamentiert.

Hier noch ein paar aktuelle Facebook-Zahlen – so etwas sollte man bei Untergangshypothesen ein wenig im Auge behalten.

Denunziantentum statt Schutz der Privatsphäre: Prangermethoden in Abensberg

Knöllchenjagd mit Wutbürgern als "Kontroll-Paten"
Knöllchenjagd mit Wutbürgern als „Kontroll-Paten“

Als Verteidiger von Jägerzäunen und Hausfassaden haben sich kommunale Vertreter noch so richtig ins Zeug gelegt und sich beim Street View-Projekt von Google vor Eingriffen in die Privatsphäre gewarnt. So auch Dr. Uwe Brandl, Bürgermeister der Stadt Abensberg, der gar eine Fundgrube für Leute vermutete, die Einbrüche planen wollen.

Der bayerische Städte- und Gemeindetag, dessen Präsident der CSU-Politiker ist, habe bereits auf derartige Bedenken hingewiesen, erklärt er nach einem Bericht des Donaukuriers. Wenn es um Knöllchenjagd und Verkehrsdelikte geht, schmeißen die Vertreter des starken Staates schnell ihre Datenschutz-Bedenken über Bord:

„Die Stadt Abensberg in Niederbayern veröffentlicht Blitzer-Fotos auf Facebook – offiziell zur Abschreckung“, berichtet die SZ.

In Bayern scheint das kein Einzelfall zu sein.

„Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit im bayerischen Oberland veröffentlicht schon seit 2008 den ‚Verstoß des Monats‘ auf ihrer Internetseite – offenbar von der Bevölkerung kaum wahrgenommen. Abensberg hat sich inspirieren lassen und will nun alle vier Wochen den ‚Raser des Monats‘ veröffentlichen, sagte Hauptamtsleiter Andreas Horsche der Mittelbayerischen Zeitung. Er glaubt, dass die Aktion eine ‚ganz hohe Sensibilität‘ schaffe“, führt die SZ weiter aus.

Unabhängig von möglichen Klagen Betroffener und der Frage des guten Geschmacks könnten sich die Verantwortlichen in Abensberg damit sogar strafbar machen, schreibt Udo Vetter in seinem Blog.

„Es handelt sich bei den Fotos, vor allem auch wegen der eingeblendeten Messdaten, nämlich um ‚amtliche Schriftstücke eines Bußgeldverfahrens‘. Diese Dokumente bzw. Beweismittel dürfen nicht veröffentlicht werden, bevor sie in der Hauptverhandlung erörtert worden sind oder das Verfahren abgeschlossen ist. Ein Verstoß wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet (§ 353d StGB).“

Genauso fragwürdig sind die Methoden des NRW-Innenministers beim Einsatz von Verkehrspaten, die so genannte Wutpunkte für Geschwindigkeitskontrollen benennen und den Polizisten über die Schulter schauen können.

Demnächst werden vielleicht auch noch Sünder auf bayerischen Facebook-Seiten veröffentlicht, die den Müll falsch trennen, bei Rot über die Straße gehen, Unkraut im Garten nicht wegmachen, die CSU nicht loben oder dem Bürgermeister öffentlich widersprechen. Liebwerteste CSU-Staatstrojaner-Freunde, redet nie wieder vom Schutz der Privatsphäre.

Vielleicht sollte man sich mal die Doktorarbeit des Bürgermeisters Brandl im Netz vorknöpfen, so als kleine Dankeschön-Geste des Netzes für die merkwürdigen Methoden dieser Stadtverwaltung.