Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen – eBook über Livestreaming

Cover Man hört sieht und streamt sich

Es ist die Kombination von Unordnung und Ordnung, die mich beim Zettelkasten-System des Soziologen Niklas Luhmann fasziniert. Ein Ideen-Gewimmel mit unendlichen Kombinationsmöglichkeiten, das erst im Moment der Auswertung produktiv wird.

„Insofern arbeite ich wie ein Computer, der ja auch in dem Sinne kreativ sein kann, dass er durch neue Kombination eingegebener Daten neue Ergebnisse produziert, die so nicht voraussehbar waren“, so Luhmann.

Ähnlich organisiere ich meine Recherchen für Projekte, Artikel, Interviews und Formatideen. Remix, Re-Kombination und Collage von Fundstücken im Netz und in der analogen Welt prägen meine publizistischen Arbeiten.

Frei nach Roland Barthes: Offen für alles, für Theorien, Erzählungen und Abschweifungen. Das Ergebnis präsentiere ich häufig in Videoübertragungen via Livestreaming-Dienste nach dem Motto: Man hört, sieht und streamt sich ☺ Einen fragmentarischen Einblick in meine Arbeit präsentiere ich in dem Opus „Man hört, sieht und streamt sich: Direkt und ungeschminkt – Vom diskreten Charme des Livestreamings“.

Nun kaufet das Werk und verbreitet die Botschaft des neuen eBooks 🙂

Man hört, sieht und streamt sich übrigens heute Nachmittag um 16 Uhr. Thema der Diskussionsrunde in Bonn-Duisdorf: Wo bleibt der Mensch in vernetzten Unternehmen. Hashtag für die Debatte #YouBusinessTalk

Wie die Kultur der Beteiligung noch direkter, sichtbarer, echtzeitiger werden kann #hoa #smw13

Ein fließendes Buchprojekt

Dirk von Gehlen will mit seinem Buch „Eine neue Version ist verfügbar“ aufzeigen, wie das Ablösen der Daten von ihrem Träger auch ihre Form verändert:

„Sie tauen dadurch auf, verflüssigen sich. Die Digitalisierung macht Kunst und Kultur zu Software – zumindest sollten wir sie, um die veränderten Bedingungen im Digitalen verstehen und nutzen zu können, wie Software denken. Wir sollten den Begriff der Version dem des singulären Original-Werkstücks entgegenstellen. Denn im Digitalen gilt, darauf weist Felix Stalder in seinem lesenswerten Text ‚Who’s afraid of the (re)mix? Autorschaft ohne Urheberschaft“ hin: Jede Werkbearbeitung schafft ein neues Werk, ohne das bestehende auszulöschen'“, schreibt Gehlen im Vorwort seines neuen Opus.

Es gehe nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde.

„Ein Film, ein Song, ein Text und alle digitalisierten Werkstücke werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat“, so die Überzeugung des Buchautors, der mich als Unterstützer seines Werkes jede Woche über den Fortgang seines Projektes informiert.

Im Digitalen gibt es keine Abgeschlossenheit und keine Unveränderlichkeit. Wir stehen in einer andauernden Konversation. Texte, Videos und Audios werden im Netz dokumentiert, sie werden verbreitet und weitergenutzt, sie regen zum Dialog an und wir können sie überarbeiten, fortschreiben und diskutieren.

Finanziert wird das Gehlen-Buch über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Und genau an dieser Stelle sind wir auf einer neuen Stufe der Kultur der Beteiligung, die das Internet möglich macht. Hier werde ein direkter Austausch zwischen Produzent und Konsument ermöglicht, meint Gehlen. Es sei keine Bettelei, wie Kritiker meinen, sondern es gehe um die Beteiligung der Crowd an innovativen Projekten. Normalerweise gebe man sein Buchmanuskript bei einem Verlag ab und kümmert sich nicht um den Rest. Beim Crowdfunding begleiten die Kunden den Entstehungsprozess und werden gefragt, was ihnen das Projekt wert sei. Und diese Werte entstehen nur durch die aktive Unterstützung – das sei das genaue Gegenteil von Bettelei.

Das ist weitaus schwieriger, als im Verborgenen irgendetwas auszubrüten und es dann mit großem Marketing-Geschrei unter die Leute zu bringen.

„Um in der Dankeschön-Ökonomie zu bestehen, muss man die Menschen für eine Sache begeistern“, schreibt Ansgar Warner in seinem Buch „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“.

Man erlebt dabei immer mehr Menschen, die ohne Zwang, ohne Abo-Modelle, ohne Zahlungsschranken und ohne Schutzgesetze bereit sind, freiwillig für Start-ups, Kunst, Kultur oder Journalismus zu bezahlen. Sie widerlegen damit die Dauerschwätzer des Establishments, die nach staatlichen Hilfen schreien, um nicht durch die vermeintliche Kostenlos-Mentalität der Netzbewohner in den Abgrund gestürzt zu werden.

Die liebwertesten Lobby-Gichtlinge verrichten dafür das Tagwerk der Mächtigen in den Hinterzimmern der Berliner Republik – wie bei der brachialen Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes. Sozusagen die gesetzliche Variante von Viagra, um altersschwachen Medien-Konglomeraten wieder Potenz zu verschaffen. An der Crowd reden sie dabei vorbei.

Um die Kultur der Beteiligung noch direkter, noch sichtbarer, noch echtzeitiger zu machen, starten mein Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh und ich das Startnext-Projekt „Die Streaming-Revolution – Ein fließendes Buch über und mit Hangout on Air“.

Es wird heute live in der Social Media Week in Hamburg vorgestellt – von 12 bis 12,30 Uhr.

Es erscheint als eBook und bricht die Beschränkungen eine gedruckten Buches weiter auf. Über die Crowdfunding-Plattform bekommen unsere Unterstützer und Sponsoren nicht nur Möglichkeiten zur Beteiligung, sie werden Teil des Buches über die wöchentliche Bloggercamp-Werststatt, die wir live ins Netz übertragen.

Wir suchen nicht nur die Interaktion, wir wollen mit dem fließenden Buch neue Projekte der Graswurzel-Kommunikation via Hangout on Air anstoßen, die wiederum Bestandteil des eBooks werden. Die erste Version soll zur republica Anfang Mai fertig sein und in Berlin vorgestellt werden. Warum Streaming-Revolution? Weil wir davon überzeugt sind, dass die Kommunikation auf Augenhöhe mit der Netzöffentlichkeit die Kultur der Beteiligung weiter stärkt. Der Google-Dienst Hangout on Air bietet ja nicht nur Vorteil in der einfachen Bedienung, in der sofortigen Verfügbarkeit, Aufzeichnung und Archivierung über Youtube. Die Technologie steigert die Netzwerkeffekte von synchroner und asynchroner Kommunkation über zusätzliche Verbreitungs- und Diskussionskanäle.

Während Fernsehsender unter dem Buzzword „Social-TV“ um die Aufmerksamkeit der Zuschauer am Rechner buhlen, „nehmen die Online-Formate die Interaktionen im besten Fall gleich mit. Es braucht kein Neunziger-Jahre-Call-In-Verfahren wie bei Raab, um die Stimmung der Zuschauer einzufangen, kein verkrampftes Suchen von Kommentaren und Tweets, die anschließend eingeblendet oder vorgelesen werden, ohne wirklich darauf einzugehen. Online-Talkshows sind in dieser Hinsicht flexibler als ihre TV-Pendants, die Diskussionskultur ist direkter, ungezwungener, eine spontane Zuschaltung von Gästen ebenso möglich wie die Änderung des Programms, wenn es zu einem Thema doch einmal mehr zu sagen gibt“, schreibt Zeit Online.

Also eine Menge Gründe, um Teil der Streaming Revolution zu werden. Als Unterstützer des eBooks und über neue Hangout on Air-Ideen in Kunst, Kultur, Bildung, Unternehmenskommunikation, Kundendialogformen, Politik, Stadtplanung und liquider Demokratie. Wir sehen und hören uns 🙂

Heute um 12 und um 18,30 Uhr!

Update:
Hier unsere Bloggercamp-Sondersendung zur Social Media Week in Hamburg. Die erste Session unserer Schreibwerkstatt für die Entstehung des Buches „Die Streaming-Revolution“.

Und hier ein Hangout on Air von Andreas Prokop, der live über unseren Live-Hangout berichtete 🙂

Siehe auch:

Erste Schreibwerkstatt der Streaming Revolution.

Wie radikal wird der Medienwandel? Meinung gefragt!

Mich erreichte gerade ein Kommentar eines Lesers, den ich hier zur Diskussion stellen möchte. Er bezieht sich auf den Beitrag: Das Schlafen der Verlage: Warum die E-Commerce-Modelle der Massenmedien Schrott sind.

Hier nun die provokative Wortmeldung eines Konzernmanagers:

Viele Dinge werden sich weit radikaler entwickeln als die meisten es sich das vorstellen können (oder wollen).

Wie bei der Software? Habe ich schon mal in rund 22 Jahren für Software bezahlt? Ja, aber nur in Ausnahmefällen. Ansonsten waren das immer nur Kopien. Und seit ein paar Jahren kommt mir gar nicht mehr in den Sinn, Software zu kaufen. Warum? Weil es alles, was ich brauche, unter der GPL (oder anderen Open Source Deklarationen) gibt. Und immer das neueste! Mark Shuttleworth liefert 2 x pro Jahr eine neue Ubuntu-Distribution und jeden Tag schauen meine Rechner im Internet nach einzelnen Updates und aktualisieren sich.

Werden Leser im Internet in großem Stil elektronische Abos für Newspapers kaufen? Nein, werden sie nicht, weil es alles irgendwo als Quelle gibt, und die meisten Redaktionen sowieso nur Zeug kopieren und kompilieren. Hier hat das Medium – das World Wide Web – einfach den Sinn der Nachrichtenaggregation durch Zeitungen redundant gemacht. Die große Zeit der Zeitungen kam mit der Telegraphie auf, also schnellen Kommunikationsmitteln, die aber nicht für jeden zur Verfügung standen. Beim Fernsehen ist es ähnlich: die drahtlose Übertragung von Bildern weltweit war vor dem Web und Youtube auch ein technisch anspruchsvolles Spezialthema für Fernsehsender. Heute habe ich häufig schneller ein Video in Youtube als den entsprechenden Beitrag im TV.

Bücher elektronisch als eBooks? Überspitzt formuliert sind Bücher ein Relikt aus der Zeit vor Multimedia. Meine Frau würde sagen: Bücher lesen ist archaisch, das ist nicht modern.

Musikindustrie: ja, die lebte von den physikalischen Tonträgern. Vor der Schallplatte gab es keine Musikindustrie, gibt es danach eine? Wenn mir DSDS einfällt, dann ist das Musik-Geschäft eigentlich nicht die Musik, sondern das Entertainment, das so tut, als ginge es um Musik als Kulturgut. Der Star ist auch nicht mehr der ferne, unerreichbare Star für die Ewigkeit (wie meinetwegen Elvis Presley), sondern jemand wie Du und ich, der für fünf Minuten Star sein kann, weil er bereit ist, sich vor aller Welt in jeder Hinsicht zu prostitutieren.

Offensichtlich halten viele bewährte Geschäftsmodelle dem technologischen Wandel nicht stand. Sie sind auch nicht transferierbar. Ebensowenig wie Nixdorf, IBM, oder DEC den Weg in die offene, standardisierte Intel-Architektur der PCs und Server geschafft haben, die Geschäftsmodelle waren schon beim Wandel innerhalb der IT-Branche nicht übertragbar. Soweit der Gastkommentar.

Starker Tobak – aber wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Für eBooks sehe ich allerdings Chancen bei Fach- und Sachbüchern. Da spare ich mir dann das Herumschleppen von dicken Schinken. Bei schöngeistiger Literatur möchte ich auf gedruckte Seiten nicht verzichten. Dazu bin ich ein zu großer Büchernarr. Eure Meinung zu diesem Kommentar interessiert mich.