Neue Langsamkeit oder geistig-moralische Netzwende: Über die Drosselpolitik der Telekom

Telekom schreit nach Shitstorms

Die liebwertesten Gichtlinge der Telekommunikation kompensieren ihre digitale Einfallslosigkeit schon seit Jahren mit Barrieren, Blockaden und Hinhaltetaktiken. Etwa beim vergeblichen Kampf gegen Dienste wie Skype oder der Ausbreitung von Hotspots für den kabellosen Internetzugang. Und jetzt greifen Dino-Konzerne wie die Telekom in die Trickkiste der Drosselung von DSL-Anschlüssen, um Ladenhüter wie Home Entertain unter die Leute zu bringen, denn eigene Dienste werden auf den Datenverbrauch nicht angerechnet.

Mangelwirtschaft statt schnelles Internet

Mich erinnert dieses Szenario an die Zollschranken im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Rivalität der einzelnen Landesfürsten und die zahlreichen Zollschranken beförderten die wirtschaftliche Rückständigkeit in den deutschen Kleinstaaten. Gleiches bewirkt die neue Langsamkeit der Deutschen Telekom.

Statt sich endlich in Richtung einer Gigabit-Gesellschaft zu bewegen, torpedieren uns die Magenta-Manager in die Niederungen einer Mangelwirtschaft auf dem Niveau von 384 Kilobit pro Sekunde:

„Also eine Geschwindigkeit, die dem Nutzer den Download eines handelsüblichen Films in DVD-Qualität in kaum mehr als 23 Stunden ermöglichen würde. Streaming, oft als digitale Zukunft der Unterhaltungsindustrie angesehen, ist mit dieser Geschwindigkeit selbstredend auch möglich“, moniert Sascha Lobo in seiner Spiegel Online-Kolumne.

Aber man sollte nicht nur mit dem Finger auf die innovationsfeindlichen Telcos zeigen. Wir sollten den Netzbetreibern die Infrastruktur-Aufgabe schlichtweg entziehen. Genau an diesem Punkt muss die Gemeingut-Debatte in der Netzpolitik ansetzen. Keine Steuergelder über politische Funktionäre verteilen lassen für irgendwelche Netzprojekte, sondern den Staat fordern bei der Bereitstellung einer Datenautobahn, die diesen Namen auch verdient. 80 Milliarden Euro müssen aufgebracht werden, um Deutschland mit Glasfaser-Anschlüssen flächendeckend zu versorgen.

Öffentlicher Wille für Breitbandausbau

Es fehlt bislang der öffentliche Wille, den Staat stärker in die Verantwortung zu nehmen, moniert der Branchenexperte Roman Friedrich vom Beratungshaus Booz & Co. im ichsagmal-Interview.

„In vielen asiatischen Ländern investiert der Staat und erlässt sogar verfassungsrechtliche Grundlagen für die Notwendigkeit eines schnellen Internets.“

Auch wirtschaftspolitisch sollte die öffentliche Hand ihrer Verantwortung nachkommen, denn es gebe eine positive Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen, so Friedrich.

„Wenn man diese Auswirkungen sieht, muss sich der Staat die Frage stellen, ob er sich nicht stärker engagieren sollte.“

Allerdings nicht als Betreiber. Schwarzweiß-Denken helfe nicht weiter. Es seien viele Varianten für staatliche Initiativen möglich: Public-Private-Partnership, Konzessions- oder Lizenzmodelle, genossenschaftliche Initiativen.

Ob die Bundesnetzagentur die neuen DSL-Tarife der Telekom als Verstoß gegen die Netzneutralität einstuft und regulatorisch eingreift oder nicht, wir sind als Wählerinnen und Wähler gefordert, von den politischen Akteuren einen Masterplan für die Vernetzung von Gesellschaft und Wirtschaft zu verlangen.

„Im Land, dessen großer Buchbestseller 2012 ‚Digitale Demenz’ hieß, fehlt schmerzhaft das Klima pro Vernetzung, um eine geistig-moralische Netzwende hinzulegen“, meint Sascha Lobo.

Vielleicht reißt uns die Drossel-Politik der Telekom aus unserer Lethargie.

Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Siehe auch:

Was ist Netzneutralität? Oder: Warum das freie und offene Internet in Gefahr ist.

Telekom erbost Onlineszene durch Abschaffung der DSL-Flatrates.

Mit der Telekom zurück ins Modemzeitalter.

Telekom Zwangsdrosselung ist nur der Anfang.

VATM-Studie: Zur Lage der TK-Dinosaurier – Warum Apple und Google besser sind

Gesamtumsatz der TK-Dienste bleibt stabil – Wettbewerber tätigen mehr als die Hälfte der Investitionen – Deutsche telefonieren und simsen so viel wie nie zuvor – Datenübertragungsmenge im Mobilfunk steigt um ein Drittel – Mobiles Internet treibt Non-Voice-Umsätze – Nur geringes Wachstum bei Glasfaseranschlüssen – 28,1 Millionen Breitbandanschlüsse. Mit dieser Kaskade an Superlativen bin ich heute auf der Pressekonferenz des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) – also fast alles was in der TK-Branche Rang und Namen hat und nicht Deutsche Telekom heißt. In einem einstündigen Vortrag (!) wurde von Professor Torsten J. Gerpott eine Studie von Dialog Consult präsentiert – sehr viel Zeit für die Fragen der Journalisten gab es nicht.

Also alles in Butter bei den TK-Anbietern? Weit gefehlt. Zieht man die semantische Rabulistik ab, stagnieren die Umsätze und in der Langzeitbetrachtung geht der TK-Markt deutlich nach unten. Man könnte auch sagen, dass die Hütte brennt.

In der Präsentation von Professor Gerpott heißt es aber, dass die Umsätze „nahezu stabil“ sind. Das gilt vielleicht im Vergleich zu 2011. Aber auch da gibt es eine negative Tendenz von 60,2 auf 60,1 Milliarden Euro. In den besten Zeiten erreichten die Telcos einen Gesamtumsatz von 68,8 Milliarden Euro. Das war in den Jahren 2005 und 2006. Scheinbar findet sich hier eine wohl nicht zufällige Parallelität zur Situation der Anbieter von Service-Rufnummern (Mehrwertdienste). Auch da geht es seit 2006 bergab. Bei der VATM-Veranstaltung wurde für die Service-Rufnummern aber nur die Umsatzprognose für 2012 vorgestellt und umjubelt.

Eine Zeitreihe wie beim TK-Gesamtumsatz ist nicht vorgestellt worden. Dann muss man eben zum Zahlenwerk des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) in Bad Honnef greifen. Das WIK hat ja klar nachgewiesen, dass die Anbieter von Service-Rufnummern ihren Höhepunkt beim Anrufvolumen und bei den Umsätzen schon längst überschritten haben, obwohl das von vielen Experten der Call Center-Szene nach wie vor bestritten wird. Seit 2006 geht es bergab. Es gebe gravierende Veränderungen im Nutzerverhalten, die sich nachteilig für telefonische Dienste auswirken. Beim Smartphone sei das gut zu beobachten:

„Wenn die Leute ausgetestet haben, was sie damit machen können, dann kommt die Lust auf weitere Anwendungen. Das ist wie eine Spirale – es verstärkt sich immer weiter. Beim Online-Banking überprüfe ich vielleicht erst einmal nur meinen Kontostand. Wenig später folgen dann auch Überweisungen, die ich bequem über Apps vornehmen kann. So setzt sich das in anderen Anwendungsfeldern fort. Es gibt eine sehr steile Lern- und Erfahrungskurve. Der positive Effekt, wenn etwas wirklich bequem und einfach über das mobile Netz klappt, wirkt wie ein Katalysator“, so WIK-Abteilungsleiter Ralf Schäfer.

Die volle Wucht der mobilen Dienste sei noch gar nicht spürbar, weil man noch weit von einer Sättigung des Marktes mit Smartphones und Tablet-PCs entfernt sei.

„Wir befinden uns im ersten Drittel der Lebenszykluskurve. Hier werden die Verkaufszahlen in den nächsten Jahren gigantisch steigen. Schauen sie sich die Werbung von Elektronikmärkten an. Hier finden sie fast nur nach Smartphones und keine klassischen Handys mehr. Schauen sie sich die Werbung der Mobilfunk-Netzbetreiber an. Da spielt Telefonie gar keine Rolle mehr. Beispielsweise bei Vodafone. Da stehen nur noch Datentarife und Apps im Vordergrund. Das geht klar zu Lasten der Service-Rufnummern. Aber selbst die klassischen Websites geraten unter Druck, wenn ich unterwegs über Apps meine Dinge erledigen kann. Auch soziale Netzwerke lösen immer mehr die alten Kommunikationswege ab“, sagt Schäfer.

Über die App-Economy ist auf der VATM-Pressekonferenz so gut wie überhaupt nicht geredet worden. Entsprechend kritisch fielen meine Fragen aus an Dr. Christian Kühl, VATM-Präsidiumsmitglied und Chef von dtms, und Professor Gerpott.

Mit dem klassischen TK-Geschäft ist auf Dauer also kein Blumentopf zu gewinnen. Was wirklich passiert, hat Roman Friedrich von Booz &a Co. am Anfang des Jahres sehr viel klarer und deutlicher auf den Punkt gebracht. Ich verweise auf mein Blogpost „Die App-Economy wächst, aber nicht die Telefon-Dinosaurier“.

„Es gibt einen weiteren Druck auf die Umsätze. Das zeichnet sich seit einigen Jahren ab“, so Friedrich.

Die Netzbetreiber müssen schleunigst auf ihre Kunden hören, ansonsten verschwinden die Dinosaurier der Telekommunikation. Denn wer zu spät kommt, den bestrafen Apple und Google. Und bei Apple, Herr Professor Gerpott, ist es nicht nur das Hardware-Geschäft (siehe den Audio-Mitschnitt meiner Fragen). Schauen Sie sich an, wer im App-Geschäft am meisten Umsätze macht? Da finden Sie wohl fast kein VATM-Mitglied. Es sind Apple und Google.

Die TK-Konzerne selbst wollen ihre Hausaufgaben machen, um mit dem Preisdruck fertigzuwerden. Es werden mehr Dienste angeboten und trotzdem gehen die Preise zurück. Gut für die Verbraucher, schlecht für die Netzbetreiber. Kompensieren will man diese Gemengelage durch strukturelle Programme zur Kostensenkung. Gespart werden soll beim Netzbetrieb, durch das gemeinsame Betreiben von Netzen (Network-Sharing), durch Lean Management, Outsourcing und Synergien über Ländergrenzen hinweg – was bis zu Zusammenschlüssen auf internationaler Ebene geht, wie das Beispiel VimpelCom-Orascom beweist.

Wachsen wollen die Netzbetreiber in Angeboten für Geschäftskunden, in der besseren Pflege der Kundenbasis und in der Ausweitung des Portfolios, wie es sich Telefonica auf die Fahne geschrieben hat. Zudem soll es Dividenden-Versprechen statt Kurspflege geben. Ob das Ganze aufgeht, darf bezweifelt werden. Um die Gewinne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) zu verbessern, wird mehr auf der Kostenseite gearbeitet und weniger an der Steigerung der Umsätze. Eine andere Option haben die TK-Dinos wohl nicht.

Wer macht die Musik im zukunftsträchtigen Mobil-Geschäft? Die Taktgeber sind auch hier Apple und Google. Von den verstaubten Telefonie-Läden ist wenig zu sehen. Das kann man jährlich auf der Mobile World erleben. Es reicht eben nicht aus, eine Digitaleinheit zu gründen, um an der Expansion der Netz-Ökonomie zu partizipieren.

Von den Netzbetreibern wird man wohl wenig sehen an Innovationen, die die Digitalisierung der Wirtschaft vorantreiben. Das ist das klassische Dilemma von Unternehmen, die ein einziges Produkt in den Markt getragen haben, um Profite einzufahren – Telefonie via Sprache. Werden die Anforderungen komplexer, wie bei der digitalen Heimvernetzung, scheitern die Telefonkonzerne. Um Neugeschäfte zu generieren, müssten diese Firmen in eine höhere Liga aufsteigen. Die Bereitschaft bei den Kunden ist da, für vernetzte Services zu bezahlen.

„Die Pläne und Erkenntnisse gibt es auch bei den Anbietern. Das bekommt man aber nicht von heute auf morgen umgesetzt“, erläutert Unternehmensberater Friedrich.

Dafür benötigt die Branche neue Köpfe und ein neues Denken. Wer zögert, wird von Apple und Google überrollt.

Auf der VATM-Veranstaltung wurde dann noch auf eine höchst bedenklich Zahl hingewiesen, die man völlig unverständlich mit der Nachfrage nach schnelleren Breitband-Anschlüssen erklärte.

Knapp 70 Prozent der DSL-Anschlüsse haben eine maximale Empfangsgeschwindigkeit von bis zu 6 Mbit pro Sekunde. Vom Ziel der Bundesregierung, bis 2014 in der Fläche auf Anschlüsse mit über 50 Mbit pro Sekunde zu kommen, sind wir meilenweit entfernt. Bislang liegt man bei 0,8 Prozent.

Gerpott betonte dann noch, dass sicherlich das Angebot eine entsprechende Nachfrage generieren würde. Richtig. Ohne Ausbau der Breitband-Infrastruktur werden sich keine neuen Geschäftsmodelle entfalten. Hier ist Industriepolitik gefragt. Das hat Friedrich auch besser auf den Punkt gebracht:

„Es gibt eine ganz starke Korrelation zwischen der Infrastruktur-Ausstattung eines Landes und dem Sozialprodukt. Hier fallen wir zurück. Im weltweiten Maßstab sinken unsere Investitionen für Festnetz, Mobilfunk und Breitbandkommunikation. Wir verschenken damit Wachstum. Das ist leider ein Ergebnis der Regulierung.“

Hier noch der rund einstündige Vortrag von Professor Gerpott als Audioaufzeichnung:

Mit Sprachportalen Kundenwünsche antizipieren – Automatische Assistenzsysteme für Call Center

Das freenet-Kundenserviceportal wird von Call Center-Fachleuten und Wissenschaftlern als vorbildlich gewertet: So fragt das System nach der Authentifizierung des Kunden über 50 verschiedene Kundendaten in den angebundenen Backendsystemen ab, um einen möglichen Grund für den jeweiligen Anruf zu ermitteln. „Auch der technische Kundenassistent ist personalisiert und wird von der Hardware und dem Vertrag des Kunden beeinflusst. Während des Dialogs können automatisch E-Mails oder SMS erzeugt werden, die dem Kunden umfangreichere technische Dokumente an die Hand geben. Überdies kann während des Dialogs auf Wunsch ein Live-Check initialisiert werden, der den Status der DSL-Verbindung überprüft“, urteilt Professor Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Entwicklung des Systems wurde von SemanticEdge umgesetzt und wird auf der Call Center World in Berlin präsentiert.

„Wir haben im Vorfeld viele Sprachportale und Portalansätze betrachtet und uns dabei auch in anderen Branchen umgesehen. Es gibt zum Beispiel einige ganz hervorragende Bankenportale. Dabei gefiel uns der sehr robuste und offene natürlich-sprachliche Einstieg. Allerdings gibt es bei uns im Unterschied zu den Banken keine so häufig genutzten Standardservices. Wir brauchten also eine eigene Lösung. Die entscheidende Idee dazu kam dann von SemanticEdge“, so Ole Wegner, Mitglied der freenet-Geschäftsführung. Das Berliner Unternehmen schlug vor, den Anrufer gleich zu Beginn des Dialoges zu authentifizieren, um sämtliche in den Backend-Systemen verfügbaren Informationen für eine differenzierte Behandlung der Anrufe nutzen zu können. „Das Prinzip der personalisierten Dialoge leuchtete allen sofort ein. Besser noch: Wir hatten sofort das entscheidende Differenzierungsmerkmal zu allen anderen derzeit im Markt eingesetzten Sprachportalen“, erklärt Wegner.

In Zeiten eines hohen Anrufaufkommens könne sich die Bearbeitungszeit eingehender E-Mails und Briefe verlängern. Als Folge dessen könnten Kunden anrufen, um sich beim Kundenservice nach dem Bearbeitungsstand ihrer Anfrage zu erkundigen. „Durch die Koppelung des Sprachdialogsystems mit dem E-Mail-Management-System erhält der Kunde in unserem neuen Portal in einem solchen Fall gleich nach der Authentifizierung einen Hinweis darüber, wann die E-Mail eingegangen ist und wann mit einer Antwort von freenet zu rechnen ist. Unsere Erfahrung zeigt: Mehr als die Hälfte der Anrufer sind mit einer solchen Auskunft vollständig zufrieden“, sagt Wegner.

Ein anderes Beispiel sei der personalisierte Dialog bei Passwort-Problemen: Kunden haben ihren Benutzernamen oder ihr Passwort geändert oder vergessen und können sich nicht mehr einwählen. „Was machen wir in diesem Fall? Über unsere Backend-Systeme registrieren wir auch die vergeblichen Einwahlversuche, sprechen den betroffenen Anrufer gleich zu Beginn des Dialoges darauf an und helfen ihm mit der erneuten Übermittlung von Benutzername und PIN an die uns vorliegenden Kontaktdaten. Insgesamt wertet das Sprachportal in Sekunden-Bruchteilen mehr als 50 verschiedene Informationen aus verschiedenen Backend-Systemen aus und kann dadurch schon heute etwa jeden fünften Anruf vorausahnen. In Zukunft ist da sicherlich sogar noch mehr drin“, ist sich Wegner sicher.

In der aktuellen Version des Portals könnten rund 20 bis 30 Prozent der Anrufgründe antizipiert werden. „In den einzelnen zum Teil auch hoch komplexen Prozessen haben wir Automationsgrade mit bis zu über 90 Prozent. Insgesamt haben wir bereits mit der ersten Version des Sprachportals unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Hinzu kommt, dass die Anzahl der automatisch erzeugten Trouble-Tickets durch die ausgefeilten, personalisierten Dialoge drastisch gesunken ist. Zudem sind wir gerade dabei, auch die Prozesse im anschließenden Mensch-Mensch-Dialog zu optimieren. Durch die gezieltere Vorqualifizierung der Anrufer bei der Weiterleitung an unsere Kundenservicemitarbeiter aus verschiedenen Stellen des Dialoges werden wir unsere Prozesse und Skills noch weiter optimieren können“, resümiert Wegner. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Breitbandkommunikation in norwegischen Fjorden: Überall-Internet mit analogen Mobilfunknetzen

Norwegen ist unglaublich schön – besonders in jenen Ecken, die etwas abgeschiedener liegen. Jetzt könnte es nach einem Bericht von Technology Review noch schöner werden. Zumindest für Leute, die immer und überall online sein wollen: „Ein Provider namens Ice.net schickt sich seit einiger Zeit an, naturverbundene Menschen auch in der eigenen Hütte am Fjord, draußen auf einer der vielen Inseln sowie selbst im Boot vor der Küste mit dem kommunikationstechnischen Must-Have der heutigen Zeit zu versorgen: Breitband-Internet“, so Technologie Review.

Das Unternehmen setze dabei auf eine kluge Kombination aus alter und neuer Technik: Der Provider verwende die Lizenz des alten nordischen Analog-Mobilfunks NMT und betreibe darüber ein so genanntes CDMA-Netz – in den USA unter dem Schlagwort EVDO bekannt. Diese Verfahren ermöglichen die gleichzeitige Übertragung verschiedener Datenströme auf einem gemeinsamen Frequenzbereich. „Der Vorteil gegenüber UMTS: Da NMT auf einer geringeren Frequenz als UMTS sendet und empfängt, sind weniger Basisstationen notwendig und die Wellen reichen weiter. Das reicht für 2,5 bis 3 Megabit selbst in dünner besiedelteren Regionen, etwas weiter draußen bekommt man immerhin noch knapp ein Megabit“, schreibt Technology Review.

Die Technik könnte sei einfach. Man erhalte entweder ein USB-Modem oder noch simpler einen kompakten WLAN-Router, der gleichzeitig im drahtlosen Breitband-Internet eingebucht ist. Man brauche weder Passwort noch SIM-Karte, das Gerät ist sofort eingebucht. Der Router generiere eine eigene private WLAN-Zone, in die man alle im Haus befindlichen Rechner einklinken kann. Bezahlt werden rund 250 Euro für die Hardware, wenn man keinen längeren Vertrag abschließen will – ansonsten werde es billiger. Für die Flatrate kommen nochmals knapp 50 Euro im Monat hinzu. „Für norwegische Verhältnisse ist das ein Schnäppchen“, verkündet Technology Review. Für Deutschland wäre so etwas nur nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur möglich. „Da müsste ein politischen und wirtschaftliches Interesse mit Nachdruck öffentlich geäußert werden“, so die Einschätzung von Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieteres Aastra.

Angesichts von vier UMTS-Lizenzen, die ja alle sehr teuer erworben wurden, sei das aber sehr fraglich. Neue 3G-Übertragungsverfahren könnten zur Zeit nicht durchgesetzt werden. „Technisch abwegig ist die Idee nicht. So sind die Frequenzbänder des ehemaligen analogen C-Mobilfunknetzes ja auch für Railnet verfügbar, das Netz zur Versorgung der ICE-Züge der Deutschen Bahn. Dort kommt Flash-OFDM als Modulationstechnik im Bereich von 450 MHz zum Einsatz, bei Übertragungsraten im Downlink von 1,5 bis 5,1 Mbit pro Sekunde.
Von der Technik her würden sich damit auch ländliche Regionen ohne DSL erschließen lassen“, weiß Latzel.

Allerdings zeige die Situation um WiMAX (802.16), wie schwierig sich Geschäftsmodelle für Breitbanddienste im Zeitalter der Flat Rates und des Wettbewerbs DSL gegen Kabelnetze gestalten. „Obwohl in Deutschland WiMAX-Lizenzen im Dezember 2006 vergeben wurden, ist jetzt 24 Monate später immer noch kein Angebot auf Basis des für ländliche Gebiete gut geeigneten WiMAX in Sicht“, resümiert Latzel.

Modernisierung der Kommunikationsinfrastruktur als Konjunkturprogramm – ITK-Branche muss sich immer wieder neu erfinden

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sollte zwar Anlass zu Sorge und erhöhter Aufmerksamkeit sein – besonders in den Branchen für Informationstechnologie und Telekommunikation bietet sie aber auch zahlreiche Chancen. Das war das Fazit eines Berliner Expertengesprächs des Fachdienstes portel und des Magazins NeueNachricht. Der Politik sollte jetzt die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen und seine Bürger auf diesem Wege schneller an das neue Web 2.0-Kommunikationszeitalter heranzuführen. Erforderlich seien dazu nicht einmal übermäßig große staatliche Förderprogramme, sondern lediglich etwas mehr Kreativität und Flexibilität im Denken sowie Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten. Eine Bestandsaufnahme zur aktuellen Lage der Branche eröffnete die Diskussion. „In der Telekommunikationsbranche ist heute nichts mehr so festgefügt, wie das früher einmal der Fall war“, erklärte Aastra-Deutschlandchef Andreas Latzel. Seine Firma sieht sich heute vor allem als Softwareschmiede und Vorreiter bei der VoIP-Kommunikation via SIP-Protokoll. Die Unternehmen im Telekommunikationsmarkt stehen nach seiner Einschätzung vor zahlreichen offenen Fragen. Der Markt sei geprägt von einem Wandel, der deutlich schneller vonstatten gehen werde, als dies in der Vergangenheit der Fall war. „Wir sehen heute eine Kommunikationslösung als eine Applikation auf dem Netz. Der Content, der auf unseren Maschinen läuft, ist ein Geschäftsprozess“, erläuterte der Aastra-Chef. Unified Communications sei dabei nichts anderes als eine marktorientierte Formulierung für prozessorientierte Kommunikation. „Da sehe ich in vielen Unternehmen noch riesige Potenziale, die gehoben werden können, wenn einfache und offene Systemlösungen zur Verfügung stehen, die sich optimal auf die Geschäftsprozesse abstimmen lassen“, so Latzel.

Für eine effektive Kommunikation brauche man jedoch eine gut ausgebaute Infrastruktur. Aufgabe der Politik sollte es daher sein, dafür zu sorgen, dass alle Bevölkerungsgruppen Zugang zur Breitbandtechnik haben, auch dann, wenn sie ihren Wohnsitz im tiefsten Bayerischen Wald haben. „Über DSL auf Basis der Kupferdrahttechnologie könnte man relativ zeitnah zumindest schon einmal flächendeckend Anschlussgeschwindigkeiten von mindestens ein oder zwei Mbit pro Sekunde bereit stellen, die für einen Behördenzugang ausreichen und den Menschen ermöglichen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, sagte Latzel. Aufgabe der Industrie sei es, auf diesen Infrastrukturen intelligent Mehrwerte zu liefern.

Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge, sieht Nachholbedarf bei der Befriedigung des Kommunikationsbedürfnisses. Bisher sei in der Telekommunikation immer die Netzwerkinfrastruktur das wichtigste Thema gewesen. Inzwischen mache sich die Branche aber zunehmend Gedanken darüber, welche Applikationen auf diesen Netzwerken laufen können und was beispielsweise Unified Communication genau ist. Der grandiose Erfolg des iPhone von Apple zeige, wie wichtig es sei, dass eine Branche sich immer wieder selbst neu erfindet. „Apple hat es durch seine neue und einfache Benutzeroberfläche erstmals geschafft, das Smartphone in den Privatkundenmarkt zu drücken“, lobt Sprachdialogexperte Pape den amerikanischen Computerhersteller. Ein ähnliches Beispiel könne nun der Android von Google sein. „Ich glaube, dass die Öffnung der Betriebssysteme und offene Standards ein Feuerwerk von Produkten hervorrufen werden“, zeigte sich Pape überzeugt.

Netzwerke hätten zwei Auswirkungen auf unsere Welt, erklärte der Berliner Experte für Sprachdialogsysteme. Auf der einen Seite brechen sie die Wertschöpfungskette auf und ermöglichen, dass auch sehr kleine Hersteller und sogar deren Kunden in die Produktionsprozesse eingebunden werden können. Zum anderen durchdringe die Vernetzung untereinander alle Lebensbereiche. „Mit Partnern und Freunden pflegen wir unsere Straßen-Community, Sport-Community, Familien-Community oder unsere Business-Community. Diese Netzwerke führen am Ende zu einer dramatischen Änderung unseres Sozialverhaltens – aber auch der Produktivität“, erläuterte Pape. Durch akustische Schnittstellen und die Möglichkeit, beispielsweise E-Mails oder SMS auch zu diktieren, werde sich die Geschwindigkeit der Kommunikation über Kurznachrichten in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. „Unsere Kinder wachsen als ‚Digital Natives’ von Beginn an in diese Welt hinein“, sagt Pape. Er plädierte ebenfalls für eine schnelle Modernisierung der IT- und TK-Infrastruktur. Denn langfristig würden über Investitionen in diese Schlüsselbranchen sicherlich mehr Arbeitsplätze geschaffen, als wenn das Geld in anderen, möglicherweise sogar absterbenden Wirtschaftsbereichen versenkt werde.

Marcus Rademacher, Director Global Wireless OEM Business bei Aastra, sieht die eigentliche, dramatische Veränderung, die sich aus den Web 2.0-Techniken ergeben, in der Nutzerfreundlichkeit. „Dazu zähle ich beispielsweise integrierte Softwareagenten, die wir einsetzen um zu erkennen, ob es im Netz für irgendeine Applikation eine Verbesserung oder Veränderung gibt und die diese dann automatisch über Nacht durchführen. Sollte dies zu Problemen führen, stellt das System beim Upgrade automatisch den vorherigen Zustand wieder her, ohne dass überhaupt jemand etwas davon mitbekommt.“ Dieser Upgrade könne beispielsweise als sogenannter „automatischer Download-over-air“ ausgeführt werden. Aastra habe diese Option bereits seit einiger Zeit im Portfolio.

In der Telekommunikationsbranche steigt der Verkehr und die Umsätze stagnieren. „Wo sind in Zukunft die Pools für Profitabilität“, sei daher zur Zeit die wichtigste Frage, die sich die TK-Anbieter stellen, sagte Arno Wilfert, Partner und Experte für Telekommunikation bei Pricewaterhouse Coopers in Düsseldorf. Über Musik, oder TV und Filme als Content ließen sich die Umsätze auf keinen Fall ausgleichen. Der gesamte Musikmarkt-Umsatz in Deutschland liege beispielsweise nur bei etwa 1,5 Milliarden Euro. „Den wollen nun die vier Mobilfunker und die Festnetzanbieter unter sich aufteilen. Wenn man auch noch den stationären Handel, die Abgaben an die Künstler und die Marketingkosten abzieht, bleibt nicht einmal die Hälfte an Umsätzen übrig“, rechnete der Unternehmensberater vor. Und das sei im Vergleich zum Service- und Endgeräte-Umsatz im TK-Markt vernachlässigbar klein. Bei Triple-Play stehen die Telekom-Firmen außerdem vor einer echten Herausforderung, da sie sicher stellen müssen, dass das Fernsehsignal nicht wie ein normales Internetsignal beim Konsumenten ankommt, sondern in einer deutlich höheren Qualität. „Das wird vor allem dann eine große Herausforderung, wenn die Nutzerzahlen signifikant ansteigen“, sagte Wilfert in der Berliner Expertenrunde. Der Kernumsatz für die Telekommunikationsunternehmen liege im Anschluss und im Transport. Die Umsätze gehen tendenziell zurück und der Kuchen werde damit kleiner. „Hier wird es künftig weniger Festnetzanbieter geben als heute“, ist Wilfert überzeugt. Überleben würden die Unternehmen, die Skaleneffekte realisieren können, beispielsweise über einen hohen Marktanteil, möglicherweise auch nur in bestimmten Regionen. „Die anderen werden nicht in der Lage sein, ihre Investitionen zu amortisieren“, so der Düsseldorfer Unternehmensberater.

Beim Thema Breitbandversorgung auf dem Land sollte man mehr Eigeninitiative entwickeln. Es reiche nicht aus, nur nach dem Staat zu rufen und auf bessere Zeiten zu warten. „Dabei ist das doch mit der heutigen Technik eher trivial und überhaupt kein Millionenaufwand mehr, das Internet in ein Dorf zu holen – beispielsweise über Funktechnologien“, sagte Wilfert. Auch in ländlichen Gebieten würde es IT-Dienstleister geben, die sich auch ums Breitband kümmern könnten. „Dann erhöht man die Grundsteuer um ein paar Euro und dafür hat jeder im Dorf kostenlos Internet. Das macht man mit dem Kabelanschluss über die Nebenkosten bei einer Wohnung heute doch auch“, stellte Wilfert fest. „Der Wandel im Telekommunikationsmarkt erfolgt dramatisch schneller als in der IT-Welt“, hat Mehdi Schröder beobachtet, als Aastra-Vice-President zuständig für Sales Development. Gewinner in diesem Rennen würden voraussichtlich jene Unternehmen sein, die den Mut haben, vom traditionellen Gedankengut der proprietären TK-Welt in die SIP- und Open Source-Welt zu wechseln. „Und da werden sicherlich die gut positioniert sein, die auch eine starke Ausprägung bei Themen wie SIP haben“. Es werde künftig kein Unternehmen mehr geben, das alle erforderlichen Kompetenzen selbst erbringen könne. „Der Endanwender braucht dabei einen Systemintegrator, der die gesamte Materie sicher beherrscht und er braucht gute, innovative Hersteller“, so Schröder, denn die Telekommunikationswelt werde durch IP wesentlich komplexer.

„Der Markt zerbröselt komplett in Dienste und Netz“, so die Überzeugung von Detecon-Partner Mathias Hoder. Die ITK-Welt sei inzwischen erfunden und die Dinge gebe es fast alle. „Aber die Technik ist noch nicht perfekt genug, so dass es nach wie vor einen sehr großen Markt zu erschließen gibt“, machte Hoder gleichzeitig Mut. Es koste große Unternehmen zwar eine Menge Geld, auch die Telefonie auf das Internet Protokoll umzustellen und viele hätten derzeit noch keinen Handlungsdruck. „Aber spätestens wenn der Wartungsvertrag für die alte Telefonanlage ausläuft, müssen sich alle bewegen“, erklärte Hoder. Schritt für Schritt werde der Migrationsprozess daher auch auf die mittelständische Industrie durchschlagen.

Siehe auch www.portel.de