#Gamification: Gegensatz von Spielen ist Depression

Das ganze Leben ist ein Spiel

In meiner morgigen The European-Kolumne gehe ich ja bekanntlich auf das Thema „Gamification“ ein – das Schreiben unterbrach ich heute mit kleinen Fingerübungen beim Spiel „Air Wings“. Dreimal hintereinander musste mein Söhnchen bittere Niederlagen einstecken – zu seiner Ehrenrettung sei allerdings ergänzt, dass er mit dem kleinen iPhone-Display hantieren musste – ich dagegen konnte auf das iPad 4 zurückgreifen. Klarer Wettbewerbsvorteil. Gestern musste ich fast nur Niederlagen einstecken. Aber hier der kleine Textauszug als Geschmacksprobe für mein Mittwochsopus.

In bildungsbürgerlichen Diskursen wird gerne der Gegensatz von Spiel und Ernst kultiviert. Viele Jahre wurde das Ende der Spaßgesellschaft proklamiert und vor dem Niedergang der Hochkultur gewarnt. Dabei ist die Gaming-Szene, sowohl Entwickler als auch Spieler, längst Teil der Alltagskultur – auch wenn das von den Gaming-macht-süchtig-und-deformiert-das-Hirn-Spitzers dieser Welt mit hysterischen Gesängen bekämpft wird. Diese Abgrenzung ist albern und falsch, meint Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach: „Spielen ist immer Arbeit und das in jeder Form – körperlich und geistig. Es geht um Fleiß, um Teamwork, um strategische Denkarbeit, entdeckerische Arbeit und kreative Arbeit.“

Das Gegenteil von Spielen sei eher Depression. Um sich aus der Ohnmacht und dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Politik und Wirtschaft zu befreien, bietet die Gamification das nötige Rüstzeug. Was zeichnet analoge und digitale Spiele aus? „Freiwilligkeit, die sich von den Zwängen der Arbeitswelt und den nicht vorhandenen politischen Beteiligungsmöglichkeiten deutlich unterscheidet. Spielen ist nicht sinnlos. Unsere angeblich ernsthafte Realität ist es“, so Breitenbach.

Der Fefe-These von der Indoktrination über Software-Updates widerspreche ich ebenfalls – also genauer gesagt mein Söhnchen. Wenn die Spielregeln langweilen und Software-Updates als reine Geldschneiderei von der Game-Community entlarvt werden, stimmen wir radikal mit den Füßen ab und gehen zum nächsten Spiel, wie es mein Sohn in unserem Interviewformat „Sohn fragt Sohn“ zum Ausdruck brachte. Auf der Gamescom in Köln und in Vorberichten setzen wir diesen Diskurs mit Hangout-Liveberichten fort.

Wer Lust hat, sich daran zu beteiligen, sollte uns ein Zeichen geben. Ein Schuh, ein Fingerzeig, ein Kommentar, eine Mail oder so.

Sympathisch die Forderung: Jede Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst! Und/Oder einen Gamer.

Sohn fragt Sohn: Warum sich die Netzgemeinde mit der Gaming-Szene verbünden sollte

Sohn fragt Sohn

Sohn fragt Sohn zur Kritik von Fefe und Frank Rieger am Trend zur Gamification.

Es geht um die Abhängigkeit von Software und Regeln, zur Frage der Autarkie der Gaming-Szene, zur Drosselkom, die auch die Computerspieler netzpolitisch bewegen müsste und zu den Plänen von Sohn & Sohn auf der Gamescom, wo wir Live-Hangouts planen mit Computerspielern, Vertretern der Gaming-Industrie, mit Bloggern, Youtubern und allen Interessierten, die mit uns ins Gespräch kommen möchten.

Der Webvideopreis dürfte ähnlich interessant sein für die Netzgemeinde wie die Gaming-Szene.

Warum wir in Deutschland mit der Digitalisierung hadern und wie schädlich das ist, schildert eindrucksvoll MICHAEL KONITZER in seinem Blogpost: Im tiefen Tal der Exponentialität.

Wie belastbar sind derzeitig Umfragen zu Datenbrillen wie Google Glass? #bitkom

Aufreger Google Glass

Noch ist Google Glass nicht auf dem Markt, „aber fast 14 Millionen Deutsche können sich jetzt schon vorstellen, eine solche, neuartige Datenbrille künftig zu nutzen“, verkündet der BITKOM-Verband in einer Pressemitteilung. Grundlage für diesen Optimismus ist eine Umfrage, die von BITKOM in Auftrag gegeben wurde. Demnach bekundet jeder fünfte Bundesbürger sein Interesse an einem solchen Gerät, das aktuelle Informationen wie E-Mails oder Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld einblendet und erlaubt, Fotos und Videos aus dem Blickwinkel des Trägers aufzunehmen. Dabei sind sich knapp 7 Prozent schon jetzt sicher, dass sie eine Datenbrille nutzen werden, rund jeder achte Befragte (13 Prozent) kann es sich vorstellen. Jeder Dritte (35 Prozent) ist hingegen skeptisch und will eher keine Datenbrille tragen, ein weiteres Drittel der Befragten will um die neuen Geräte einen großen Bogen machen (37 Prozent).

Zwei Drittel sind also eher kritisch, obwohl das intelligente Brillengestell noch gar nicht auf dem Markt ist. Insofern kann man die Umfrage auch ganz anders werten als es BITKOM getan hat.

Zweifel kommen bei mir auf, ob sich überhaupt schon quer durch die Bevölkerung ein klares Meinungsbild zu Datenbrillen manifestiert hat. Ein großer Teil wird zur Zeit mit dem Thema überhaupt nichts anfangen können. So war es zumindest beim Feldexperiment meines Bloggercamp-Kollegen auf der republica in Berlin. Am Veranstaltungsort war das Interesse groß und fast jeder konnte etwas mit dem Gloogle Glass-Replikat anfangen. Schon beim Gang zur Currywurst-Bude am U-Bahnhof Möckernbrücke war Schluss. Keine neugierigen Blicke, keine Reaktionen. Das könnte sich schnell ändern. Siehe meine heutige The European-Kolumne:

Führte das Street-View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto Normalverbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.

Damit der Nutzen von elektronischen Assistenten (ich wollte schon Agenten schreiben) nicht vollends vor die Hunde geht, sollten potenzielle Anwender von intelligenten Gadgets schon jetzt über neue Formen der Höflichkeit nachdenken, fordert der Blogger Gerhard Schröder im ichsagmal.com-Interview.

Wir können darauf warten, was der Gesetzgeber zu Google Glass sagt. Besser wäre es, als Zivilgesellschaft über freiwillige Regeln nachzudenken.

Google Glass: Stasi-Brille oder nützlicher Assistent? Ausblick auf meine morgige Kolumne

Feldtest auf der #rp13

Noch ist die Datenbrille „Google Glass“ nicht auf dem Markt, da erklingen in Deutschland schon die Alarmglocken. Die staatlichen Datenschützer bringen sich in Position und warnen vor dem so genannten „Lifelogging“, also dem unbemerkten Aufzeichnen von vertraulichen Gesprächen. Das Rechtssystem sei auf das Ausspähen der Umgebung nicht vorbereitet.

Selbst auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica, die sich für neue technologische Entwicklungen zu begeistern pflegt, stößt das smarte Brillengestell des Suchmaschinen-Giganten auf Skepsis, wie mein Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh in einem Feldtest feststellte.

Drei Tage beglückte er das Nerd-Treffen mit einem Replikat und provozierte nicht nur wohlwollende Kommentare. So fragte der Chef der Gastronomie erbost:

„Nimmst Du mich jetzt auf, oder was?“

Auf Twitter gab es eine Flut von Reaktionen. Hier nur drei Beispiele:

„Ob den Leuten, die ihre ‪#googleglass‬ aufm Kopf tragen, bewusst ist, wie bescheuert das aussieht?“

„Habe jemandem auf der ‪#rp13‬ die Brille aus dem Gesicht gerissen und zertreten. War leider gar kein Google Glass.“

„Irgendwie fühle ich immer ein Unbehagen, wenn mir jemand mit ‪#googleglass‬ entgegenkommt, wie auf der ‪#rp13‬, etwa als wäre es Röntgenbrille.“

Führte das Street View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto-Normal-Verbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.

Liebwerteste Gichtlinge der Bild-Zeitung, für diese Schlagzeilen beantrage ich übrigens Leistungsschutzrecht!

Aber selbst Google-Chairman Eric Schmidt und Google Ideas-Direktor Jared Cohen greifen in ihrem neuen Opus „Die Vernetzung der Welt“ zum Vokabular von billigen Agenten-Filmen, um den Nutzen der Wunder-Brille zu beschreiben. So könnte man in Kombination mit einer Armbanduhr frühzeitig Religionswächter oder Agenten der Geheimpolizei verorten. Kein Scherz, das haben die beiden Autoren so formuliert. Die Uhr kommuniziert über GPS-Daten den Standort ihres Trägers und die Datenbrille stellt fest, aus welcher Richtung ein Agent kommt. Mehr ist den Google-Topmanagern auf 441 Seiten nicht eingefallen. Kein Wunder, dass die Phantasie wuchert.

Damit der Nutzen von elektronischen Assistenten (ich wollte schon Agenten schreiben) nicht vollends vor die Hunde geht, sollten potenzielle Anwender von intelligenten Gadgets schon jetzt über neue Formen der Höflichkeit nachdenken, fordert der Blogger Gerhard Schröder im ichsagmal.com-Interview.

Wir können darauf warten, was der Gesetzgeber zu Google Glass sagt. Besser wäre es, als Zivilgesellschaft über freiwillige Regeln nachzudenken. Wer bei der Blogparade bis Ende Mai mitmachen möchte, findet hier die nötigen Infos: Glassiquette statt Glasshole.

Ausführlich ist das in meiner morgigen The European-Kolumne nachzulesen.

Weitere Hangout-Interviews mit Fachleuten sind in der Planung. Wer sich dazu äußern möchte, ist herzlich eingeladen.

Übrigens sind auch Skype-Chats anfällig für „Spionage“: Vorsicht beim Skypen – Microsoft liest mit.

Über die Milchmädchen-Rechnungen der #Drosselkom

Protest bei der Telekom

Bis zur Demo am Donnerstag möchte ich von der Telekom-Pressestelle noch ein paar Details wissen, die mir bislang nicht übermittelt wurden. Folgend Fragen habe ich heute an die entsprechende Abteilung des Magenta-Konzerns gemailt.

Die Aussage Ihres Hauses, dass nur drei Prozent der Telekom-Kunden von der Drosselung betroffen sind, halte ich immer noch für schwer überprüfbar. Details wollten Sie bislang nicht verraten. Aber vielleicht könnten Sie mir auf der Metaebene Informationen übermitteln. Handelt es sich bei den 100 Prozent nur um Kunden mit T-DSL-Vertrag, oder werden auch alle Telekom-Kunden mit reingerechnet, die nur über einen Festnetzanschluss, nicht aber über einen DSL-Anschluss verfügen? Und was ist mit Mobilfunk-Nutzern? Das sind genau genommen ja auch Telekom-Kunden.

Aber auch abseits dieser unklaren Berechnungsgrundlage kommen starke Zweifel an dieser Berechnung auf. So spricht die Telekom einerseits von nur drei Prozent der Kunden, die mehr als das ab sofort in Neuverträgen verankerte Inklusivvolumen benötigen. Andererseits schreibt die Telekom in ihrer Pressemitteilung aber auch, dass sie davon ausgeht, dass sich das benötigte Datenvolumen bis 2016 vervierfachen wird. Selbst mit der simplen Rechnung der Telekom wären demnach 2016 nicht nur drei Prozent, sondern ein vielfaches davon von der Drosselung betroffen. Wie viele werden es denn 2016 sein?

Über eine kurzfristige schriftliche Beantwortung wäre ich Ihnen dankbar.

Wären Sie oder ein anderer Vertreter der Telekom bereit, am Rande der Demonstration vor der Köln Arena am Willy-Brandt-Platz 2 (zur Hauptversammlung am Donnerstag) ein Video-Interview mit mir zu führen?

Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

Mal schauen, ob das wieder unter die Kategorie Betriebsgeheimnis eingestuft wie bei meiner Disputation in der ehemaligen T-Mobile-Zentrale in Bonn-Beuel. Nun ist mir auch klar, welchen Herren ich da gegenüberstand…

Habt Ihr noch weitere Fragen, die man stellen sollte????????????????

Dieses Bekenntnis kann ich übrigens gut verstehen:

https://twitter.com/gr4y/status/333888105104932867

Siehe: Gewähren Sie ein Sonderkündigungsrecht für Bestandskunden, Herr van Damme!

Telekom “liebt jeden Kunden” und findet Drosselung fair.

Donnerstag in Köln: Vogelbeobachtung vor der Telekom-Hauptversammlung. Vielleicht sollten keine Drosseln zum Einsatz kommen, sonder Geier.

Gaming und Politik: Wie man mit Starcraft die digitale Wende schafft #rp13

Starcraft änderte alles

Nur nicht in Deutschland – so müsste ich eigentlich die Überschrift ergänzen, wo wir doch in kulturpessimistischen Endlos-Debatten wertvolle Zeit verplempern, um Millionen von Computerspielern als Suchtkranke zu stigmatisieren (Methode Manfred Spitzer) oder als potenzielle Serienkiller zu diskriminieren.

Dabei gibt es weltweit mehr weiblicher Gamer im Alter von über 55 Jahren als Gamer im Teenager-Alter.

„Die ganze Idee, dass Computerspieler kleine, männliche, picklige und weißgesichtige Wesen sind, die im Dunklen sitzen und keinen Kontakt zur Außenwelt haben, gehört ins Reich der Märchenerzählung“, so Christoph Deeg in seinem Vortrag über die asiatische Gaming-Kultur auf der republica in Berlin.

Beim vielgescholtenen Spiel World of Warcraft handelt es sich um eine komplexe Welt mit eigenem politischen System, einer eigenen Wirtschaftsordnung, speziellen Strategiesystemen und Tools zur Informationsverarbeitung, die kontinuierlich weiterentwickelt wird.

„Bei Hauptschülern, die World of Warcraft spielen und in Deutschland keinen Abschluss bekommen, versagen nicht die Schüler, sondern die Schulen“, kritisiert Deeg.

Wie könne es sonst sein, dass Unternehmen wie Starbucks explizit nach Mitarbeitern suchen, die Gildenführer bei World of Warcraft sind. Über ein Spiel wie Pokemon würden Kleinkinder schneller Lesen und Schreiben lernen als in der Schule. Der große Unterschied zum Alltag in der Schule ist dann noch der Spaßfaktor. Bei Pokemon lernen Kinder Wortbedeutungen wesentlich schneller, weil sie sonst im Computerspiel nicht weiterkommen – aber ohne Druck und Zeigefinger von außen. Sie haben einfach Spaß am Lernen.

Einer der größten Wikis der Welt, wahrscheinlich der größte nach Wikipedia, ist der von World of Warcraft. Gamer nutzen alle möglichen Formen von Social Media-Plattformen für Recherchen, Wissensmanagement, Kooperation und Interaktion.

„Die sind von dem, was in der Schule geboten wird, komplett unterfordert. Gamer lieben es, eine neue Sache zu finden, sie zu posten und mit anderen zu teilen“, betont Deeg.

Das Potenzial der Gaming-Szene in Deutschland sei zudem wesentlich größer als die Netzbewegung, die sich auf der republica in Berlin versammelte. Auf der Gamescom in Köln kommen Hunderttausende – dort könne man sehen, was eine digitale Gesellschaft wirklich ist.

Gleiches gilt für die Wirtschaft. Die besten Community-Manager kommen aus der Gaming-Industrie. Immer mehr Unternehmen möchten gerne Mitarbeiter für bestimmte Managementaufgaben rekrutieren, die neben ihrer beruflichen Qualifikation vor allem Gamer sind. Es gibt nach Erkenntnissen von Christoph Deeg mittlerweile Headhunter, die sich darauf spezialisiert haben, Gamer zu finden, die Gildenführer bei World of Warcraft sind und einen guten BWL-Abschluss haben. Gaming hat eben sehr viel mit Lernen zu tun.

„Und dann haben wir aber noch eine andere Zahl. 15 Prozent!. Das ist die Anzahl der Schüler, die in Deutschland täglich den Computer nutzen dürfen. Allerdings nicht für die Entwicklung von coolen Social Media-Tools oder komplexen Netzstrategien. Sie dürfen ab und zu eine Recherche im Internet machen oder eine Powerpoint-Präsentation bauen“, kritisiert Deeg, der im Frühjahr eine längere Asien-Reise absolviert hat.

Dabei hätten wir gute Voraussetzungen, um Gaming zum elementaren Bestandteil der Arbeit in Schulen und Universitäten zu machen. Bildungspolitiker, Kultusministerien und selbst Feuilleton-Redakteure sehen so eine Forderung eher als Kriegserklärung. Sie würden wohl lieber eine Sonderauflage des Manfred Spitzer-Buches über Digitale Demenz in Auftrag geben als Freikarten für die Gamescom zu organisieren.

Aber Christoph Deeg hat einen interessanten Aspekt in die Diskussion geworfen, mit dem wir auch die Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen analysieren können:

„Der Umgang einer Gesellschaft mit Gaming ist ein wunderbarer Indikator für die Digitalisierungs-Stufe einer Gesellschaft.“

Und da befinden wir uns noch im digitalen Mittelalter, wie es Deeg im Bloggercamp-Interview auf der republica pointiert zum Ausdruck brachte.

Gaming habe in Asien den gleichen Stellenwert wie Besuche in der Oper oder im Theater. In Südkorea seien die Pro-Gamer – also die Profispieler, Superstars. Bei uns ein Randphänomen unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit.

Pro-Gamer in Aktion

Gaming ist in Ländern wie Japan, Südkorea und verstärkt auch in China fester Bestandteil der Alltagskultur. Es wird als Katalysator begriffen, um die gesamte Gesellschaft mitzunehmen auf dem Weg zur Digitalisierung. Ein Spiel wie Starcraft wird von der Regierung als Instrument gesehen, um die Voraussetzungen für eine digitale Gesellschaft zu schaffen. Entsprechend werden von Regierungsorganisationen alle Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit möglichst jeder an die Gaming-Kultur herangeführt wird. Das wäre derzeitig in Deutschland undenkbar, moniert Deeg.

Konzerne wie Samsung sind ein fester Bestandteil dieser Strategie. Entsprechend wichtig ist die Gaming-Industrie als Wirtschaftsfaktor.

Bis 1995 zählten Wirtschaftszweige wie die Schwerindustrie und die chemische Industrie zu den Grundpfeilern der südkoreanischen Volkswirtschaft. Dann kam die Asienkrise und führte zu einem Aderlass bei den industriellen Arbeitsplätzen. Was machte die Regierung? Sie entschied sich für eine Zäsur und digitalisiert die Gesellschaft. Sie sorgte dafür, dass alle Menschen Zugang zum Internet haben und auch wissen, wie das funktioniert. Es ist eine Entscheidung getroffen worden, wie wir in Deutschland bis heute noch nicht gemacht haben: Ob wir nun eine digitale Gesellschaft sein wollen oder nicht?

„Deshalb passieren bei uns so komische Sachen wie mit der Drosselkom“, bemerkt Deeg.

In Südkorea drosselt man nicht, sondern investierte über den „Framework Act on Information“ zweistellige Milliarden Beträge in den Bau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes und in die Entwicklung von Software sowie Hardware.

Alle Klassenräume sind entsprechend umgebaut worden. Wir hingegen ergehen uns in Labereien, ob denn nun Computer in Schulen sinnvoll sind oder nicht.

Aber auf die Infrastruktur beschränkte sich Südkorea nicht. Die Regierung formulierte das Ziel, allen Menschen zu helfen, um Teil der digitalen Welt zu werden.

Rund zehn Millionen Koreaner haben spezielle Internet-Schulungen bekommen in einem Land mit 50 Millionen Einwohner. Das Ergebnis kann sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren IT-Gipfeln hinter den Spiegel stecken. 95 Prozent der Haushalte hatten schon 2008 Anschlüsse mit 20 MBit pro Sekunde. Aktuell sind es sogar schon 100 MBit. Über 20.000 Internet-Cafés wurden gebaut. Und, und, und.

Also ist die Gaming-Szene wohl netzpolitisch ebenso interessant für die Netzbewegung wie die Youtube-Stars – manchmal gibt es hier ja auch eine Schnittmenge.

Bis zur Gamescom, die vom 21. bis 25. August in Kölle stattfindet, will ich dieses Thema vertiefen. Und natürlich auch auf der Gamescom. Am Pressetag – schon traditionell mit meinem Sohn Constantin Sohn. Und dann am ersten oder zweiten Messetag über Live-Interviews mit einem mobilen Studio.

Siehe auch meinen Aufruf auf Youtube:

MANGELNDER POLITISCHER EINFLUSS DER NETZGEMEINDE.

Zwei Sichtweisen · #rp13: Zeit für re:alpolitik?

So. Und jetzt habe ich Hunger und gehe zum China-Wok-Mann in Bonn-Duisdorf.

Umtausch: Packung „beschädigt“ – Händler verlangt 20 Prozent – Als Kunde sollte man nicht „rumpimmeln“

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Es gibt für Kunden doch immer wieder überraschende Momente, die man nicht so schnell vergisst. So geschehen bei meinem Bloggercamp-Kollegen Hannes Schleeh. Er bekommt Ware geliefert, die nicht seinen Wünschen entspricht. Hannes fährt mit den bestellten Teilen in der Verpackung für den Umtausch zum Händler und erlebt ein echtes Service-Wunder:

So sagt der Chef des Ladens zu Hannes:

“Die Rücknahme geht nur zu den Bedingungen wie es Ihnen meine Frau bereits gesagt hat. Wir ziehen Ihnen die 20 Prozent vom bezahlten Preis ab, weil wir das beim Hersteller auch zahlen müssen. Ich kann nicht anders und es gibt da auch gesetzliche Regelungen und im Internet ist es genau das Gleiche. Sobald Sie die Verpackung aufgemacht haben, werden 20 Prozent in Form einer Warenrücknahmegebühr fällig. Da gibt es einen Paragrafen, das wollte ich Ihnen schreiben und das schicke ich Ihnen noch zu (bis gestern hat Hannes dieses Schreiben nicht bekommen).”

Mit dem Öffnen der Verpackung hätte Hannes einen Schaden angerichtet, fuhr er fort, für diesen Schaden müsse der Kunde aufkommen. Der Grund dafür sei, dass die Ware auf Beschädigungen kontrolliert und dann neu verpackt werden müsse, sonst könne man sie nicht mehr als neuwertig weiter verkaufen. Im Originalzustand und ungeöffnet zurück gebracht, wären diese Kosten nicht angefallen.

Hannes erwidert, dass der Händler auf seinem Grundstück genau diese Befestigung an der Veranda empfohlen habe. Hannes habe die Teile vorher weder im Bild noch im Original gesehen. Daher wäre er ja quasi gezwungen gewesen, die Verpackung zu öffnen, um überhaupt zu sehen, was drin ist. Hannes erinnerte ihn noch einmal daran, dass in dem “Beratungsgespräch” mehrfach darauf hingewiesen wurde, dass nichts Gefährliches oberhalb der Holzveranda nach dem Entfernen der Leiter überstehen solle. Dies sei mit den auf das Holz aufzuschraubenden Edelstahlhülsen nicht möglich und der Händler als “Fachmann” hätte das bei der Planung berücksichtigen müssen.

Als Hannes es wagt, das Wort Kulanz in den Mund zu nehmen, schlägt der Händler ihm erbost die Berechnung einer Stunde für seine “Fachberatung” vor. Mit dieser “Beratung” sei er schließlich genügend kulant gewesen. Und es wird noch besser:

“Wenn Sie der Meinung sind, Sie können einfach Schachteln aufreißen und uns die dann wieder zurückgeben und ihr Geld zurückverlangen und wir sollen dann die Kosten für das Ganze tragen. Wenn Sie das so sehen, Herr Schleeh, dann ist es besser, Sie kaufen ihre Sachen im Internet und lassen uns unsere Ruhe! Weil, Sie sind dann so ein spezieller Kunde, der an allem nur rumpimmelt und das brauchen wir nicht!”

Hannes: “Danke für die Belehrung, jetzt weiß ich Bescheid! Bei Ihnen werde ich nichts mehr kaufen. Ich werde Sie sicher nicht wieder belästigen.”

Dann gibt der Händler noch eine kleine Empfehlung mit auf den Weg:

“Aber tun Sie Bitteschön keine Sachen verbreiten, dass wir hier jemanden schlecht behandeln oder so etwas. Sondern wir arbeiten hier ganz ordentlich. Wir müssen das ja auch bezahlen.“

Wer ist denn schlecht behandelt worden? Dieser Händler bietet ein weltweit führendes Rundum-Service-Paket mit Wortkreationen, die es im Dialog mit Kunden so vorher noch nicht gegeben hat: „Sie sind dann so ein spezieller Kunde, der an allem nur rumpimmelt.“ Grandios. So ein Mann gehört in die Geschichtsbücher der Dienstleistungsökonomie.

Ein Fall für den Powerdienstleister.

Hier noch ein Logo-Vorschlag für den so liebenswürdigen und höflichen Händler:

Ausgeschnauzt

Siehe auch:

E-Plus (Base) und die Koberer der Reeperbahn: Wie man Herrengedecke vertickt und Vertragsänderungen blockiert.

Wer einen #Jura Kaffee-Vollautomaten über Amazon bestellt, hat wohl die Ar…karte gezogen #Service1.0

„Ihr Anruf ist uns wichtig“ und andere Plattitüden des Kundenalltags

Der Powerdienstleister an der Kundenfront

Plastikdeutsch, Plattitüden, Bürokratengefasel und Tschakka-Gequatsche dominieren den Alltag der Kommunikation, wenn Behörden und Unternehmen das Wort ergreifen. Besonders im Servicegeschäft. Jeder Anruf ist wichtig und der Kunde ist König. Und schon landet man in der Warteschleife, wird hingehalten, abgewimmelt, auf schriftliche Eingaben verwiesen oder irgendwann schlichtweg ignoriert – wie jüngst im T-Shop.

Ordnungsamt-Hausmeister sehen die Bürgerinnen und Bürger ohnehin weniger als Kunden, sondern eher als Untertanen, die man von oben herab abkanzeln und kujonieren muss. Waldemar Müller spürt diesen Begebenheiten des Service-Alltags nach, seziert fein die Erlebniswelt beim Konsumieren und begibt sich als Powerdienstleister in den Kampf für mehr Freude im Service.

Mit seinem Knöllchen-Warnservice markiert er für Autos, die im Halteverbot stehen, schon mal schnell eine neue Parkzone, wird von Ordnungshütern gestellt und ermahnt, künftig eine Genehmigung für seine „Parkzonen-Beschaffungsmaßnahmen“ einzuholen. Ohne Genehmigung geht in Deutschland nichts, aber wirklich gar nichts – noch nicht einmal Service-Anarchie.

Im Comedy-Soloprogramm „Service ist sexy“ von Waldemar Müller wird die Servicewüste Deutschland herrlich zerlegt. Mit Sprachwitz, Artistik, Akrobatik und einer fulminanten Schlussoffensive im Rundum-Sorglos-Service-Paket für eine Kundin, die als Königin des Abends von Müller verwöhnt wird.

Hier ein Querschnitt des Abendprogramms:

Seiner freundlichen Einladung via Facebook bin ich gerne gefolgt 🙂

„Seit einiger Zeit erfreue ich mich via Internet an deinen Texten zur deutschen Servicewüste. In meinem Comedysolo ‚Service ist Sexy!‘ versuche ich als ‚Powerdienstleister‘ für Besserung zu sorgen…Vielleicht hast du ja Zeit und Lust vorbeizuschauen – als Gegenleistung für deine Texte hätte ich natürlich ne Freikarte anzubieten.“

Gewähren Sie ein Sonderkündigungsrecht für Bestandskunden, Herr van Damme! #Drosselkom

Kundenprotest gegen die Telekom

Als Bestandskunde, für den noch die alten Geschäftsbedingungen der Telekom gelten, habe ich kein Sonderkündigungsrecht, um dem Magenta-Konzern den Rücken zuzuwenden. Das ist mir bewusst und das gilt wohl auch für die Mehrheit der Telekom-Kunden, die die Petition von Malte Goetz unterzeichnet haben. Bei der Übergabe der Protestnote in der Lobby der früheren T-Mobile-Zentrale in Bonn-Beuel an den Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme lag man noch bei über 130.000 Unterzeichnern – mittlerweile sind es knapp 165.000 (Stand: 3. Mai, 11:20 Uhr).

Kaum einer der Unterzeichner steht wohl schon unter dem Regime der Drosseltarife, die ab 2016 ihre Wirkung entfalten werden. So blöd bin ich auch nicht. Aber schon jetzt gibt es eine breite Bewegung, die die neue Strategie der Telekom massiv bekämpft. Der Konzern hat den Limes überschritten und versucht dennoch, durch rhetorische Leerformeln sich über Wasser zu halten. Wäre Malte Goetz nicht an der Telekom interessiert, so van Damme gegenüber den Medienvertretern, wäre er vielleicht direkt zum Wettbewerber gegangen:

„Darüber sind wir froh. Wir wollen die Kunden, denen das Internet so wichtig ist, auch richtig bedienen. Führt das dazu, dass wir jetzt die Maßnahmen zurücknehmen? Nein. Wir haben nur gesagt, dass wir die nächsten drei Jahre nutzen werden, um über Lösungen zu sprechen, die für alle auch wirklich akzeptabel sind. Ich bin mir sicher, wir werden diese Lösungen finden.“

Daraufhin fragte ich, ob denn Malte Goetz überhaupt direkt zur Konkurrenz wechseln könnte? Geben Sie den 24-Monatsvertrag jetzt frei? Eine Kündigungswelle ist nach Ihren Worten noch nicht eingetreten. Ich kann ja gar nicht kündigen.

„So lange wir bringen, was wir mit diesen Verträgen versprochen haben, behalten wir die Kunden gerne bei uns. In dem Moment, wo wir unsere Versprechen (im Video klingt das eher wie Verbrechen, gs) nicht mehr halten, können Kunden gehen. Es gibt aber doch kein Grund, um zu wechseln. Die geänderten Geschäftsbedingungen gelten ja nur für Neukunden und nicht für jene Kunden, die in den letzten Jahren einen Vertrag abgeschlossen haben“, sagt van Damme.

Dann folgt der wohl nach Sprachregelung festgelegte Hinweis auf die drei Prozent Vielnutzer, die man stärker zur Kasse bitten will, damit nicht der Otto-Normalverbraucher und die „kleine Maria Müller“ für die Leute bezahlen müssen, die den ganzen Tag HD-Filme herunterladen und Musik hören.

Nach dem Pressetermin redete dann noch eine kleine Entourage des Deutschlandchefs auf mich ein, dass ich eben kein Recht und keinen Grund habe, die Telekom zu verlassen. Ich sei von der Regelung als Bestandskunde nicht von der Drosselung betroffen. Auf meinen Hinweis, dass die Telekom mit dem Angriff auf die Netzneutralität über die Bevorzugung von eigenen Diensten und von Partnerdiensten ein geteiltes Internet schaffe und ich diese Linie nicht mehr mitfinanzieren wolle, folgte die arrogante Zurechtweisung eines aalglatten Telekom-Managers, ich könne ja auch einen laufenden Leasing-Vertrag nicht ohne Einhaltung der Fristen kündigen.

Zudem hätte jeder die Möglichkeit, Partner der Telekom zu werden, um vom bevorzugten Transport der Datenpakete zu profitieren. Dieses Managerlein grinste die ganze Zeit auf mich herab, wenn es denn die Körpergröße zulassen würde. Wohl ein Jurist wie aus dem Bilderbuch mit braunem Tweed-Sakko, brauner Hornbrille (Marke „Ich möchte aussehen wie ein Intellektueller“), Timberland-Boatshoe und Halstuch. Auf meine Anmerkung, dass die von den Telekomikern so häufig erwähnten drei Prozent Vielnutzer etwas nebulös dargestellt werden, zog man sich dann auf Geschäftsgeheimnisse zurück. Auch die Umsätze, die man sich von dieser Klientel verspricht, wurden von dem Hornbrillen-Manager nicht benannt. Man wolle der Konkurrenz nicht in die Karten spielen – ah ja.

Im Faktencheck von Chip Online wird genau dieser Sachverhalt in Frage gestellt. Die Aussage, dass nur drei Prozent der Telekom-Kunden von der Drosselung betroffen seien, ist überhaupt nicht überprüfbar,

„da nicht gesagt wird, welcher Wert als Basis für die Prozentrechnung herangezogen wird. Handelt es sich bei den 100 Prozent nur um Kunden mit T-DSL-Vertrag, oder werden auch alle Telekom-Kunden mit reingerechnet, die nur über einen Festnetzanschluss, nicht aber über einen DSL-Anschluss verfügen? Und was ist mit Mobilfunk-Nutzern? Das sind genaugenommen ja auch Telekom-Kunden. Aber auch abseits dieser unklaren Berechnungsgrundlage kommen starke Zweifel an dieser Milchmädchenrechnung auf. So spricht die Telekom einerseits von nur drei Prozent der Kunden, die mehr als das ab sofort in Neuverträgen verankerte Inklusivvolumen benötigen. Andererseits schreibt sie in ihrer Pressemitteilung aber auch, dass sie davon ausgeht, dass sich das benötigte Datenvolumen bis 2016 vervierfachen wird. Selbst mit der simplen Rechnung der Telekom wären demnach 2016 nicht nur drei Prozent, sondern ein vielfaches davon von der Drosselung betroffen.“

Bleibt zu hoffen, dass jetzt zumindest die politischen Instanzen eingreifen, um die Netzneutralität zu wahren.

Die Netzinfrastruktur muss endlich als öffentliches Gut begriffen werden. Sind die Netzbetreiber dazu nicht bereit, sollte man einen gesetzlichen Riegel vorschieben oder den Telcos das Netz entziehen und ein öffentlich-rechtliches Betreibermodell wählen. Was nicht heißt, dass der Staat als Netzbetreiber auftreten sollte – das wäre genauso fragwürdig.

Weitere Fotos zum gestrigen Pressetermin auf Facebook.

Hier noch ein Formular, um zumindest fristgerecht zu kündigen!

Mit dem Sonderkündigungsrecht könnte der Telekom-Deutschlandchef hautnah erleben, was verschwindet.

Siehe auch:

#Drosselkom: Sterben, um zu wechseln.

Deutsche Telekom: Bis 2018 haben alle Kunden die neue AGB und Netzneutralität wird abgeschafft.

Drossillegal.

Die neuen AGBs der Telekom sind da.

Telekom drosselt fast alle Kunden.

#Drosselkom: Sterben, um zu wechseln

Telekomshop Bonn Duisdorf am 26. April 2013

Für Professor Justus Haucaup, Mitglied der Monopolkommission und Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Uni Düsseldorf, ist die neue Tarifpolitik der Drosselkom unter Wettbewerbsaspekten nicht weiter tragisch – also zumindest die neuen Tarife nicht, die eine Beschränkung des Datenvolumens vorsehen. Die Bevorzugung von eigenen und externen Diensten, die von der Drosselwirkung ausgenommen werden, sollte kartellrechtlich untersucht werden.

Wer mit den Tarifen nicht einverstanden ist, kann ja wechseln. O-Ton:

„Wenn die Telekom in ihren neuen Tarifen eine Chance sieht, Gewinn und Umsatz zu steigern, ist auch die Beschränkung von Datenvolumen und Priorisierung von bestimmten Diensten grundsätzlich nicht verboten. Wem das missfällt, der kann ziemlich problemlos den Anbieter wechseln und sollte das auch tun. Der Breitbandwettbewerb hat sich auch Dank der Kabelanbieter in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Wer nicht wechselt, wenn ihm sein Anbieter missfällt, ist selbst schuld“, schreibt Haucap.

Und der Geschäftsführer von Telekom Deutschland gibt entspannt gegenüber der Welt zu Protokoll, dass die meisten Bestandskunden von der neuen Regelung betroffen sind, aber mit Sicherheit von dem Angebot überzeugt werden können.

Eine größere Abwanderungsbewegung sei wohl auch noch nicht zu verzeichnen: Trotz massiver Kritik gebe es keine Kündigungswelle bei der Telekom, sagte van Damme.

Ok. Ich möchte jetzt wechseln. Also ging ich heute Vormittag in den T-Shop von Bonn-Duisdorf, wo ich den Vertrag auch abgeschlossen habe.

Meine erste Frage: Ich bin bei Ihnen T-Home-Entertain-Kunde. Die Verträge haben ja eine Laufzeit von 24 Monaten? (zum Aufwärmen).

Antwort des T-Shop-Mitarbeiters: Richtig.

Frage: Kann ich da auch früher raus?

Antwort: Nein.

Frage: Auch wenn Sie so fundamental die Geschäftsbedingungen ändern mit den Drossel-Tarifen, die ab heute gelten? Da möchte ich wechseln.

Antwort: Nein, nein. Die Drosselung tritt zudem erst 2016 in Kraft.

Frage: Ich lehne das als Kunde aber ab, weil Sie ja auch gegen die Netzneutralität verstoßen (ok, da habe ich den T-Mann etwas überfordert). Sie bevorzugen bestimmte Dienste, die Sie von der Drossel ausnehmen. Ihr Geschäftsführer will das sogar ausweiten. So führen Sie ein Zwei-Klassen-Netz ein. Dann behauptet die Telekom, dass es bislang keine größere Abwanderungsbewegung gebe. Jetzt frage ich mich als Entertain-Kunde, welche Möglichkeit besteht denn, um jetzt zu wechseln?

Antwort: Da sollten Sie sich schriftlich an die Telekom wenden. Aber selbst der kleinste Tarif mit 75 Gigabyte ist doch vollkommen ausreichend.

Frage: Das behaupten Sie. Im Schnitt sollen es nur 20 Gigabyte sein. Wenn das so ist, warum führen Sie diesen Drosseltarif dann ein, wenn es nur um die drei Prozent Vielnutzer geht?

Antwort: Weil die halt einen gewissen Anteil ausmachen. Aber mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen. Da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner.

Frage: Als Kunde möchte ich jetzt aber aus dem Vertrag raus.

Antwort: Das sagte ich ja gerade. Machen Sie das schriftlich an die Telekom.

Frage: Aber Sie sind doch die Telekom?

Antwort: Aber bei so einer Auskunft kann ich Ihnen nichts sagen.

Frage: Prinzipiell kann ich jetzt erst einmal nicht raus aus dem Vertrag mit einer Laufzeit von 24 Monaten?

Antwort: Es gibt zwei Möglichkeiten, also Sonderkündigungs-Fälle. Das ist ein Todesfall oder die Versetzung ins Ausland. Aber das ist hier beides nicht der Fall.

Frage: Aber Sie verändern die AGBs.

Antwort: Dann einfach mal schriftlich an die Telekom wenden. Da ich kann ich Ihnen echt nichts zu sagen.

Meine abschließende Empfehlung an den T-Mann in Bonn-Duisdorf: Dann schließen Sie am besten dieses Geschäft für Kunden!

Als Empfehlung zum Suizid werte ich jetzt die gestammelten Formulierungen des Mitarbeiters nicht. Aber bei der kartellrechtlichen und regulatorischen Überprüfung der neuen Verträge sollte man die Sperrwirkung der Vertragswerke der Telekom berücksichtigen.

Oder anders ausgedrückt: Wenn mir einer dieser nervigen Hotline-Werbeanrufe mit irgendwelchen Upgrade-Sonderaktion-Cross-Selling-alles-wird-jetzt-besser-schneller-und-preiswerter-Bundle-oder-sonstigen-Quatsch-Angebote ins Ohr geblökt wird, reicht ein profanes “Ja” und die gesamte Vertragsumstellung verläuft unsichtbar wie von Zauberhand dirigiert.

Bei profanen Änderungen der Kontonummer, einer Umstellung des Vertragspartners oder gar einer Kündigung, beginnt ein undurchsichtiger Marathonlauf mit fast unüberwindbaren Hürden.

Kündigung oder Vertragsänderung ohne Upgrade-Gedöns nur auf handgemeißelter Marmortafel in fünffacher Ausfertigung.

Aus dem Plug-and-Play-Juhu-ein-neuer-Kunde wird dann schnell ein Internetausdrucker-Imperium.

Mal schauen, ob mir der Telekom-Geschäftsführer Niek Jan van Damme einen Tipp geben kann, wie ich spontan aus dem Entertain-Vertrag rauskomme.

Um 14:30 ist presseöffentlich die Übergabe der Protest-Petition, die von Malte Götz initiiert wurde. Das Ganze findet in der Lobby der Telekom statt: Landgrabenweg 151, 53227 Bonn. Vielleicht sieht man sich dort 🙂

Siehe auch:

Wenn Youtube zahlt, wird es nicht gedrosselt.

Verstoßen die Drosselpläne der Telekom gegen das Fernmeldegeheimnis des TKG?

Überraschung: Telekom-Drossel für alle Kunden und Traffic-Ausnahmen für „Partner“ bestätigt.

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