Wenn Daten die IT überrollen: Droht ein Kollaps der Netze?

Der Datenbestand in Westeuropa verdoppelt sich alle zweieinhalb Jahre und wird bis 2020 auf fünf Zetabyte wachsen. Das berichtet IT-Business:

„Die Zahlen gehen aus der Digital-Universe-Studie von IDC hervor. Um eine anschauliche Vorstellung vom explosionsartigen Datenwachstum zu vermitteln, helfen nur Vergleiche: Für das gesamte Datenvolumen, das bis 2020 in Westeuropas entstanden sein wird, bräuchte jeder Bewohner rund 12.000 USB-Sticks mit einem Gigabyte Kapazität. Bis dahin wird sich die gesamte Datenmenge laut der Digital-Universe-Studie von IDC von 538 Exabyte im Jahr 2012 auf fünf Zetabyte erhöhen.“

Aktuell werden 58 Prozent der Daten durch Privatpersonen erzeugt.

„Allerdings tragen Unternehmen für 80 Prozent aller digitalen Informationen Verantwortung. Der Grund für das scheinbare Paradoxon liegt darin, dass auch privat erzeugte Dateien im Laufe ihres Lebenszyklus‘ häufig in Unternehmensnetze gelangen, beispielsweise Fotos oder Videos, wenn sie in einem Portal hochgeladen oder einem Cloud-Speicher abgelegt werden“, so IT-Business.

Hohe Daten-Wachstumsraten in den nächsten vier bis fünf Jahren erwartet das IT-Beratungshaus Harvey Nash bei der Kommunikation zwischen Maschinen in allen seinen Ausprägungen. Also die automatische Kommunikation zwischen Komponenten, weitestgehend ohne menschlichen Einfluss.

Harvey Nash-Chef Udo Nadolski sieht hier die nächste Welle von Datenvolumina, die auf die Netze zurollen. Das Problem sei die Kumulation der Datenmengen.

„Und die betrifft auch die letzte Meile der Netze, weil immer mehr auch der private Nutzer eingebunden wird. Das betrifft Angaben zum Energieverbrauch, die Vernetzung des kompletten Haushalts und dergleichen mehr. Hier brauchen wir dingend Lösungen. Ich nenne nur das Stichwort ‚Breitband auf der letzten Meile’“, resümiert Nadolski im ichsagmal-Interview.

Die Architekturen, Anwendungen und der Informationsbedarf müssten sich auf Engpässe einstellen, wie aus Analysen von Booz & Company hervorgeht. Siehe: Pläne der Netzbetreiber: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?

„Das ist zwar schwer und alle Entwicklungen laufen dagegen, aber die Bedrohung von Engpässen des Netzes, die sogar zu einem Kollaps führen können, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Netzbetreiber befinden sich nach wie vor in einer Deadlock-Situation. Es sind also dringend Investitionen in die Infrastruktur notwendig. Dazu beigetragen hat besonders die Flatrate-Manie in Kombination mit einer zu kurz gedachten Umsatzstrategie“, kritisiert der Düsseldorfer IT-Fachmann Nadolski.

Ob das Angebot von bevorzugten Datentransporten das Umsatzproblem der Branche für Telekommunikation löst, ist nach Ansicht von Nadolski noch unklar.

„Man muss abwarten, wie der Markt das akzeptiert. Wir kennen Unternehmen, die für einen schnelleren und bevorzugten Datentransport kein Geld ausgeben werden. In der Automobilindustrie sieht das anders aus. Hier ist man durchaus bereit, höhere Preise für den Transport von Daten zu bezahlen, wenn beispielsweise Stauwarnungen schneller in Premium-Fahrzeugen angkommen würden.“

Wie die IT-Manager mit diesen Problemen umgehen, will Harvey Nash in seiner diesjährigen CIO-Umfrage herausfinden. An der Online-Befragung können sich Führungskräfte aus der Informationstechnologie, der Telekommunikation und auch Berater aus diesen Branchen beteiligen. Die Anbieter von IT- und TK-Systemen sollen ebenfalls angesprochen werden. Bis zum 7. März ist das unter folgender Website noch möglich: alturl.com/93o4n

Ausführlicher Bericht unter: CIO-Agenda: Steigende Datenmengen fordern IT-Führungskräfte heraus – Kollabieren die Netze?

Alles Fragen, die auch beim Mobile World Congress in Barcelona auf der Tagesordnung stehen.

Die Streaming-Revolution geht schon in die Finanzierungsphase! #smcbn #bloggercamp

Heute Abend kann ich in der Bonner Brotfabrik eine frohe Botschaft mitteilen. Schon am ersten Tag der Bekanntmachung unseres Crowdfunding-Projektes kommen wir in die Finanzierungsphase (am Montag wurde zwar die Website scharf geschaltet, aber erst gestern haben wir das Ganze offiziell im Programm der Social Media Week in Hamburg vorgestellt).

Die Mitteilung von Startnext:

„Ab jetzt kannst du alle erdenklichen Kommunikationskanäle nutzen, um dein Crowdfunding-Projekt bekannt zu machen. Veröffentliche am besten gleich einen Beitrag in deinem Projektblog, um deine Fans zu informieren.“

Die Finanzierungsmöglichkeiten haben wir in unserer ersten Schreibwerkstatt erläutert.

Jetzt geht es also richtig los und wir freuen uns über jeden Unterstützungsbeitrag – ob klein oder groß.

Einen sehr einfallsreichen Unterstützungsbeitrag leistete übrigens Andreas Prokop mit einem Echtzeit-Mashup unserer Live-Sendung.

So etwas hatten wir ja schon mit der Hangout on Air-Session des amerikanischen Präsidenten gemacht und Obama live in unseren Livestream geholt, um die technischen Feinheiten beim Engagement von Google im Weißen Haus zu würdigen.

Hier die programmatische Ausrichtung unseres Crowdfunding-Projektes: Wie die Kultur der Beteiligung noch direkter, sichtbarer, echtzeitiger werden kann.

Fasse Dich kurz, Lauer: Du kannst es besser!

Twitter-Prosa für Fortgeschrittene

Warum breitet der Hasardeur der Weltmeere, der Rächer der Berliner Binnenschifffahrt oder besser gesagt, der Enterspezialist des Teltowkanals, der Experte im Teich der Fünfprozent-Hürde, warum breitet also der pirateske Fraktionsboss Christoph Lauer seine Twitter-Suada in der leistungsschutzrechtlich korrekten Qualitätszeitung FAZ aus und verpulvert dafür über 6000 Zeichen?

Der Mann für den Sinn zur Nabelschau kann es besser:

Etwa in der SMS-Korrespondenz mit dem ewigen Bundesgeschäftsführer „seiner“ Partei.

wenn Du bis morgen 12:00 Uhr nicht zurück getreten bist, knallt es ganz gewaltig

Korrekt, Lauer. 73 Zeichen, die es in sich haben. „Lieber Johannes“ habe ich mal abgezogen – wir wollen uns doch nicht mit dieser rabulistischen Grußformel herumschlagen.

Hier lebt jedenfalls eine Kultur der direkten Ansage auf, die man eigentlich schon fast wieder vergessen hat. Aus den Tagen von Befehl-und-Gehorsam. Klare Kante an Untergebene. Mach, was ich will und alles wird gut. Folgerichtige ist der zweite Satz der Lauer-Prosa auch so programmatisch ausgefallen. Auffallend das besitzanzeigende Fürwort „meine“.

Ich seh mir nicht mehr länger schweigend und untätig an, wie Du meine Partei gegen die Wand fährst

Der Homme de lettres von der Spree zaubert das Bekenntnis seines Leidens mit ganzen 98 Zeichen in den mobilen Schreibautomat.

Und auch das Schlusswort in der hohen Kunst der Disputation hätte selbst der Meister des Aphorismus, Georg Christoph Lichtenberg, nicht besser ausdrücken können, schon gar nicht in enthaltsamen und puristischen 64 Zeichen:

Alter, wie verstrahlt bist du denn? Du merkst ja gar nichts mehr

Lauer, Du kannst es doch. Dank der öffentlichkeitswirksamen und ameisenhaft arbeitenden Ponaden Deiner Partei versinken die Botschaften der Selbstzerfleischung nicht in die Vergessenheit der Smartphone-Löschtaste.

Schreibe Dich in Kurzprosa los von Deinem schweren Kreuz, nutze jeden Tweet als Therapie, um die im Herbst erreichten zwei Prozent richtig zu deuten und nicht mit dem Mandat zum Entern des Kanzleramtes zu verwechseln.

Twitter Dir einen.

Siehe auch:

Der Zwitscherdingens-Tod des Christopher Lauer von der Piratenpartei.

Wie die Kultur der Beteiligung noch direkter, sichtbarer, echtzeitiger werden kann #hoa #smw13

Ein fließendes Buchprojekt

Dirk von Gehlen will mit seinem Buch „Eine neue Version ist verfügbar“ aufzeigen, wie das Ablösen der Daten von ihrem Träger auch ihre Form verändert:

„Sie tauen dadurch auf, verflüssigen sich. Die Digitalisierung macht Kunst und Kultur zu Software – zumindest sollten wir sie, um die veränderten Bedingungen im Digitalen verstehen und nutzen zu können, wie Software denken. Wir sollten den Begriff der Version dem des singulären Original-Werkstücks entgegenstellen. Denn im Digitalen gilt, darauf weist Felix Stalder in seinem lesenswerten Text ‚Who’s afraid of the (re)mix? Autorschaft ohne Urheberschaft“ hin: Jede Werkbearbeitung schafft ein neues Werk, ohne das bestehende auszulöschen'“, schreibt Gehlen im Vorwort seines neuen Opus.

Es gehe nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde.

„Ein Film, ein Song, ein Text und alle digitalisierten Werkstücke werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat“, so die Überzeugung des Buchautors, der mich als Unterstützer seines Werkes jede Woche über den Fortgang seines Projektes informiert.

Im Digitalen gibt es keine Abgeschlossenheit und keine Unveränderlichkeit. Wir stehen in einer andauernden Konversation. Texte, Videos und Audios werden im Netz dokumentiert, sie werden verbreitet und weitergenutzt, sie regen zum Dialog an und wir können sie überarbeiten, fortschreiben und diskutieren.

Finanziert wird das Gehlen-Buch über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Und genau an dieser Stelle sind wir auf einer neuen Stufe der Kultur der Beteiligung, die das Internet möglich macht. Hier werde ein direkter Austausch zwischen Produzent und Konsument ermöglicht, meint Gehlen. Es sei keine Bettelei, wie Kritiker meinen, sondern es gehe um die Beteiligung der Crowd an innovativen Projekten. Normalerweise gebe man sein Buchmanuskript bei einem Verlag ab und kümmert sich nicht um den Rest. Beim Crowdfunding begleiten die Kunden den Entstehungsprozess und werden gefragt, was ihnen das Projekt wert sei. Und diese Werte entstehen nur durch die aktive Unterstützung – das sei das genaue Gegenteil von Bettelei.

Das ist weitaus schwieriger, als im Verborgenen irgendetwas auszubrüten und es dann mit großem Marketing-Geschrei unter die Leute zu bringen.

„Um in der Dankeschön-Ökonomie zu bestehen, muss man die Menschen für eine Sache begeistern“, schreibt Ansgar Warner in seinem Buch „Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie“.

Man erlebt dabei immer mehr Menschen, die ohne Zwang, ohne Abo-Modelle, ohne Zahlungsschranken und ohne Schutzgesetze bereit sind, freiwillig für Start-ups, Kunst, Kultur oder Journalismus zu bezahlen. Sie widerlegen damit die Dauerschwätzer des Establishments, die nach staatlichen Hilfen schreien, um nicht durch die vermeintliche Kostenlos-Mentalität der Netzbewohner in den Abgrund gestürzt zu werden.

Die liebwertesten Lobby-Gichtlinge verrichten dafür das Tagwerk der Mächtigen in den Hinterzimmern der Berliner Republik – wie bei der brachialen Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes. Sozusagen die gesetzliche Variante von Viagra, um altersschwachen Medien-Konglomeraten wieder Potenz zu verschaffen. An der Crowd reden sie dabei vorbei.

Um die Kultur der Beteiligung noch direkter, noch sichtbarer, noch echtzeitiger zu machen, starten mein Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh und ich das Startnext-Projekt „Die Streaming-Revolution – Ein fließendes Buch über und mit Hangout on Air“.

Es wird heute live in der Social Media Week in Hamburg vorgestellt – von 12 bis 12,30 Uhr.

Es erscheint als eBook und bricht die Beschränkungen eine gedruckten Buches weiter auf. Über die Crowdfunding-Plattform bekommen unsere Unterstützer und Sponsoren nicht nur Möglichkeiten zur Beteiligung, sie werden Teil des Buches über die wöchentliche Bloggercamp-Werststatt, die wir live ins Netz übertragen.

Wir suchen nicht nur die Interaktion, wir wollen mit dem fließenden Buch neue Projekte der Graswurzel-Kommunikation via Hangout on Air anstoßen, die wiederum Bestandteil des eBooks werden. Die erste Version soll zur republica Anfang Mai fertig sein und in Berlin vorgestellt werden. Warum Streaming-Revolution? Weil wir davon überzeugt sind, dass die Kommunikation auf Augenhöhe mit der Netzöffentlichkeit die Kultur der Beteiligung weiter stärkt. Der Google-Dienst Hangout on Air bietet ja nicht nur Vorteil in der einfachen Bedienung, in der sofortigen Verfügbarkeit, Aufzeichnung und Archivierung über Youtube. Die Technologie steigert die Netzwerkeffekte von synchroner und asynchroner Kommunkation über zusätzliche Verbreitungs- und Diskussionskanäle.

Während Fernsehsender unter dem Buzzword „Social-TV“ um die Aufmerksamkeit der Zuschauer am Rechner buhlen, „nehmen die Online-Formate die Interaktionen im besten Fall gleich mit. Es braucht kein Neunziger-Jahre-Call-In-Verfahren wie bei Raab, um die Stimmung der Zuschauer einzufangen, kein verkrampftes Suchen von Kommentaren und Tweets, die anschließend eingeblendet oder vorgelesen werden, ohne wirklich darauf einzugehen. Online-Talkshows sind in dieser Hinsicht flexibler als ihre TV-Pendants, die Diskussionskultur ist direkter, ungezwungener, eine spontane Zuschaltung von Gästen ebenso möglich wie die Änderung des Programms, wenn es zu einem Thema doch einmal mehr zu sagen gibt“, schreibt Zeit Online.

Also eine Menge Gründe, um Teil der Streaming Revolution zu werden. Als Unterstützer des eBooks und über neue Hangout on Air-Ideen in Kunst, Kultur, Bildung, Unternehmenskommunikation, Kundendialogformen, Politik, Stadtplanung und liquider Demokratie. Wir sehen und hören uns 🙂

Heute um 12 und um 18,30 Uhr!

Update:
Hier unsere Bloggercamp-Sondersendung zur Social Media Week in Hamburg. Die erste Session unserer Schreibwerkstatt für die Entstehung des Buches „Die Streaming-Revolution“.

Und hier ein Hangout on Air von Andreas Prokop, der live über unseren Live-Hangout berichtete 🙂

Siehe auch:

Erste Schreibwerkstatt der Streaming Revolution.

Honigtopf-Innovationen und Fördergeld-Wellensurfen #bloggercamp

Neues Opus von Duck

Für meine morgige The European-Kolumne zum Thema „Lustlos im Netz – Wie Politik und Wirtschaft die digitale Transformation blockieren“ bin ich im neuen Buch von Professor Gunter Dueck auf eine herrliche Lesefrucht gestoßen, die ich natürlich sofort als Abschluss meines Beitrages verwenden musste:

Es geht um die Abwehr gegenüber der notwendigen digitalen Transformation, die übrigens leider auch in netzpolitischen Diskursen nicht so richtig auf der Agenda steht, wenn man sich mal die täglichen Treffer auf Rivva anschaut. Aber das ist noch ein Thema für weitere Storys, die ich in nächster Zeit aufgreife werde.

Hier nun der Auszug meiner Kolumne:

Etwas aktiver sind Staat und Wirtschaft beim Fördergeld-Wellensurfen. Da gibt es einen Überbietungswettkampf an digitalen Innovationen – für die Kulisse.

„Die Forschungsinstitutionen des Staates und der Wirtschaft pervertieren diese Maßnahmen, indem sie dadurch Geld verdienen, dass sie die Fördertöpfe unter sich aufteilen! Sie müssen gar keine Innovationen hervorbringen! Sie bewerben sich mit ihren Ideen einfach um die Fördergelder für die Umsetzung genialer Ideen und forschen mit diesen Geldern irgendwie weiter. Wenn dann die Finanzkontrolleure nach den aus Innovationen verdienten Geldern fragen, weisen sie die Einnahmen aus den Fördertöpfen vor. Ja, tatsächlich, sie haben es geschafft, aus ihren Ideen Geld zu machen“, schreibt Dueck in seinem neuen Buch „Das Neue und seine Feinde – Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen“. Klingt irgendwie nach dem Bestseller von Karl Popper.

Und welche Ernte bringen die innovativen Tarnkappenbomber? Studien, Publikationen, Impact-Points, Leuchtturmprojekte, Politiker-Pressetermine und einen ordentlichen Bonus für den spezialisierten Fördertopf-Innovationsmanager. Sobald die Förderung aufhört und die Mittel versiegen, marschieren die Winnie Puuhs des digitalen Wandels zum nächsten Honigtopf. Die gestoppten Projekte werden durch neue ersetzt, die wiederum neu gefördert und jährlich auf IT-Gipfeln der staunenden Öffentlichkeit als Theaterstück präsentiert werden. Sollten The European-Leser an der innovativen Fördergeld-Kreislaufwirtschaft zweifeln, empfiehlt Gunter Dueck eine Suchanfrage mit den Stichworten „Theseus“, „Galileo“ und „Ariane“. Oder schlicht: „Fördermittel verpulvern“.

Genügend Diskussionsstoff für unsere morgige Bloggercamp-Sondersendung von 18,30 bis 19,00 Uhr mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe #bloggercamp

Und dann gehen wir ja mit unserem Buchprojekt „Die Streaming-Revolution“ in die Vollen. Bitte unterstützt uns! Wir brauchen für die Startphase mindestens 50 Fans. Und wenn etwas Geld übrig ist, freuen wir uns natürlich auch über eine pekuniäre Förderung – garantiert ohne Honigtopf-Innovationen!

Mal schauen, ob das Daten-Portal der Bundesregierung besser funktioniert als die Bund Online-Projekte.

Und vielleicht kommen wir auch deshalb nicht aus dem Tal der digitalen Ahnungslosen heraus: Wir kamen aus dem Monopol – Warum Telekommunikation in Deutschland fast grauenhaft ist.

Zur Lutschpastillen-Politik des Bundes passt auch: Was der Innenminister unter Netzpolitik versteht…

Update:

Hier geht es zur The European-Kolumne!

Wirtschaft und Politik verpennen die digitale Transformation: #BloggerCamp Gespräch mit Staatssekretär Otto

Digitales Mittelmaß

Die Netzbetreiber erhoffen sich hohe Umsätze aus der digitalen Transformation der deutschen Wirtschaft. Doch diese Hoffnungen könnten sich als Blütenträume erweisen. Die Wirtschaft ist seltsam lustlos auf dem Weg in eine vernetzte Ökonomie. Sie suhlt sich in ihren Erfolgen als Exportnation aus den guten alten Tagen der industriellen Massenproduktion und spekuliert auf eine industrielle Renaissance. Die Politik ergeht sich in aktionistischer Symbolpolitik (als jährlicher Höhepunkt sichtbar auf dem Altherren-IT-Gipfel) und bringt noch nicht einmal die eigenen eGovernment-Projkte erfolgreich auf den Weg (Bund Online als Stichwort: Die digitale Kompetenz der Bundesregierung – Placebo-Lutschpastillen). Deutschland verliert international den Anschluss und gleitet ins digitale Mittelmaß ab, wie Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company konstatiert. Er spricht sogar von einer technologiefeindlichen Einstellung der Wirtschaft.

Genügend Diskussionsstoff für unsere morgige Bloggercamp-Sondersendung von 18,30 bis 19,00 Uhr mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Und um 12 Uhr stellen wir in der Hamburger Social Media Week unser Projekt „Die Streaming-Revolution – Ein Buch über und mit Hangout on Air“ vor. Auch die Startnext-Website steht mittlerweile. Ihr könnt uns jetzt unterstützen!!!!!

Morgen geht es in meiner The European-Kolumne natürlich auch um das Thema „Lustlos im Netz“. Anregungen, Kommentare, Meinungen, Studien kann ich heute noch so bis 16 Uhr verarbeiten. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe zu unseren beiden Sendungen

Die Politik sollte vielleicht mal aufhören, Mittel für Internet-Lauschangriffe zu verplempern. eGovernment statt Staatstrojaner!

Zum Booz-Pressegespräch siehe auch: Pläne der Netzbetreiber: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?

Pläne der Netzbetreiber: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?

Roman Friedrich von Booz & Co.

Der kommerzielle Erfolg von mobilen Internetanwendungen, -inhalten und -diensten geht bisher weitgehend an den Netzbetreibern vorbei. Das Geschäft machen Apple, Google und Co. Kein neuer Sachverhalt also. Die Datenexplosion bringt allerdings die Netzinfrastruktur immer häufiger an die Belastungsgrenze. Es drohen massive Ausfälle. Das machte Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company auf einem Pressegespräch in Düsseldorf deutlich. Traditionell wagt Friedrich kurz vor dem Start der Mobile World in Barcelona einen Ausblick auf die wichtigsten Trends der Branche für Telekommunikation.

Ohne massive zusätzliche Investitionen sei in Westeuropa das Limit der bestehenden Netze bereits in zwei Jahren erreicht. Insbesondere zu Spitzenzeiten könnten Engpässe auftreten. Um das allein in Deutschland anstehende Investitionsvolumen von über 30 Milliarden Euro für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandard LTE und Glasfasernetze aus den Überschüssen finanzieren zu können, müsse es den Netzbetreibern schnellstmöglich gelingen, den zunehmenden Datenverkehr in Umsätze zu verwandeln.

Vor diesem Hintergrund war Ansicht von Friedrich die Einführung der Datenflatrate ein historischer Fehler der Netzbetreiber, denn wenige Power-Nutzer verursachen das Gros des Datenverkehrs. Im Schnitt erzeugen fünf Prozent der stärksten Datennutzer rund 75 Prozent des Datenvolumens eines Anbieters. Mit der sukzessiven LTE-Einführung öffnet sich ein Zeitfenster, um die Flatrate-Politik zu beenden oder zu reduzieren.

Künftig sollten Kunden einen Aufschlag für ein schnelles und sicheres Netz oder die bevorzugte Behandlung bei etwaigen Engpässen beim Datenzugang bezahlen. Nur so könnten die Telekommunikationsfirmen wieder substantielles Wachstum aus dem exponentiell wachsenden Datenaufkommen gewinnen und ihre Investitionen in die dafür notwendige Infrastruktur refinanzieren. skizziert Friedrich. So machen Verizon und AT&T aus den USA den europäischen Anbietern bereits eindrücklich vor, wie sich mit Preisdifferenzierung je nach Gerät und Integration aller mobilen Verbindungen unter einem Vertrag die Wachstumsraten und die Profitabilität erheblich steigern lassen.

Was so harmlos klingt, dürfte netzpolitisch noch zu einigen Nachbeben führen, wenn spezielle Pakete geschnürt werden, die beispielsweise Google-Dienste oder Facebook bevorzugen.

Genauso spannend dürfte die Diskussion verlaufen, wie TK-Konzerne über digitale Dienste für die Wirtschaft neue Umsätze erzielen. In Deutschland sind dafür die Voraussetzungen schlecht, sowohl auf Seiten der Wirtschaft als auch auf Seiten der Politik. Von Technologiefeindschaft von Unternehmen ist da die Rede und von unzureichenden Impulsen der Regierung. Am wenigsten Nachfrage erzeugen wohl die eGovernment-Projekte des Bundes. Da sind die 9MB-Mailfächer des Bundesinnenministeriums wohl kein Zufall….

Beide Themen habe ich in Düsseldorf angeschnitten mit spannenden Antworten von Dr. Friedrich.

Welche Hausaufgaben die Politik für die vernetzte Ökonomie leisten muss, besprechen wir am Mittwoch, den 20. Februar von 18,30 bis 19,00 Uhr in einer Bloggercamp-Sondersendung mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Die komplette Aufzeichnung des Booz-Pressegespräches findet Ihr hier. Ist nur etwas für Telco-Hardliner. Dauert über eine Stunde.

Im Land der digitalen Lustlosigkeit: #Bloggercamp diskutiert mit Staatssekretär Otto über die vernetzte Ökonomie

Digital scheissegal?

Über den Zustand der vernetzten Ökonomie haben wir uns ja schon ausführlich in der Bloggercamp-Sendung mit dem bwlzweinull-Blogger Matthias Schwenk vor ein paar Wochen unterhalten. Thema: Krankenakte digitale Wirtschaft.

Über den schleppenden Breitbandausbau, über die Lustlosigkeit der TK-Konzerne bei Investitionen in eine moderne Infrastruktur und über die Lippenbekenntnisse der Politik auf dem IT-Altherren-Gipfel, denen keine Taten folgen.

„Wir geben uns keine Mühe, um an der Spitze dabei zu sein. Die Digitalisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik hat in Deutschland keinen hohen Stellenwert. Bei der Politik erstaunt mich das nicht. Aber die Industrie müsste doch stärker auf den Putz hauen“, kritisierte Schwenk.

Es gebe keinen Masterplan für die vernetzte Ökonomie, weil das von der Wirtschaft nicht nachdrücklich gefordert wird. Die Spitzenverbände würden sich lieber auf ihren Lorbeeren ausruhen, die wir uns in den vergangenen Jahrzehnten als Industrienation erarbeitet haben. Das könnte sich in den nächsten Jahren rächen.

„Die Politik verhält sich pragmatisch und wartet auf den Druck von außen. Und der ist viel zu gering“, so Schwenk. Handwerk und Mittelstand wissen schlicht nicht, was sie mit digitaler Technologie anfangen sollten. Über Firmen-Wikis oder die Ausstattung der Außendienstmitarbeiter mit Tablet-Computern werde gar nicht nachgedacht. „Und die Konzerne schnüren sich in einer übervorsichtigen IT-Hauspolitik ein und sperren moderne Social Web-Werkzeuge aus“, sagte Schwenk in der Bloggercamp-Runde.

An der Abwanderung der High Potentials nach Kalifornien, Shanghai oder Tel Aviv sei aber mittlerweile erkennbar, dass wir in Deutschland als Hightech-Standort zurückfallen, bemerkte Hangout On Air-Operator Hannes Schleeh.

Wie es weitergeht mit der vernetzten Ökonomie in Deutschland, diskutieren wir am Mittwoch von 18,30 bis 19,00 Uhr in einer Bloggercamp-Sondersendung mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Um 12 Uhr starten wir unsere Schreibwerkstatt für das Buch „Die Streaming-Revolution – Ein fließendes Buch über und mit Hangout On Air“.

In meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin The European geht ich noch ausführlicher auf die digitale Lustlosigkeit mit einem kleinen Exkurs zum neuen Buch von Gunter Dueck ein: „Das Neue uns seine Feinde – Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen“.

Bis Dienstag so gegen 14 Uhr könnte ich noch Statements verarbeiten und auch noch Interviews führen. Am liebsten über Hangout On Air.

Dann schnell noch melden, wer etwas zum digitalen Status und zu den Zukunftsaussichten der vernetzten Ökonomie in Deutschland sagen möchte.

Jetzt fahre ich erst mal zum Düsseldorfer Pressegespräch von Booz & Co., bei dem es traditionell eine Vorschau zur Mobile World in Barcelona. Breitband spielt da natürlich auch eine Rolle.

Der Hangout On Air-Präsident: Bloggercamp besucht Obama – Wann folgt Merkel?

Faltreflektor

Dank des Faltreflektors und einer speziellen Software von Hannes Schleeh konnten wir uns gestern in die Hangout On Air-Session des amerikanischen Präsidenten ins Weiße Haus einschalten. Das Live-Gespräch von Barack Obama mit Bürgerinnen und Bürger zeigt eindrucksvoll, was mit der Graswurzel-Kommunikation des Google-Dienstes so alles praktiziert werden kann. Wir werden dieses Beispiel natürlich in unser fließendes Buch „Die Streaming-Revolution“ aufnehmen – nächste Woche ist ja in der Social Media Week der offizielle Start des Buchprojektes.

Nach unseren Erkenntnisse hat sich Google für die Übertragung aus dem Weißen Haus technologisch so richtig ins Zeug gelegt. Alle Teilnehmer waren mit dem gleichen Funkmikrofon ausgestattet, jeder beteiligte Haushalt wurde wohl von einem Google-Techniker betreut und alle Gäste des Präsidenten-Talks wurden perfekt ins Licht gerückt. Im Präsidentenzimmer ist darüber hinaus mit mindestens zwei Kameras gearbeitet worden. Im normalen Hangout On Air-Modus kann man nur eine einzige Kamera aktivieren. Da muss dann schon eine Anwendung wie BoinxTV zum Zuge kommen, die von Hannes bevorzugt wird.

Wir werden mal bei Google nachfragen, was denn beim Obama-Hangout an TV-Technologie aufgefahren wurde.

Unabhängig von der Sonderbehandlung, die der Präsident erfuhr, ist es für jede Organisation, für jedes Unternehmen, für jeden Verlag und für jeden politischen Entscheider möglich, mit der Netzöffentlichkeit live, auf Augenhöhe, unverfälscht sowie ohne Sprachregelungen, ohne Netz und doppelten Boden ins Gespräch zu kommen.

adidas hat das mit Poldi, Schweini und Co. vor dem Arsenal-Bayern-Spiel leider ohne Fußballfans und in sehr schlechter Übertragungsqualität gemacht. Es war trotzdem recht witzig.

Hangouts Office Hours von Google ist ein Format, in dem regelmäßig Verbesserungsmöglichkeiten für Google+ mit den Nutzern erörtert werden.

Man benötigt allerdings den Mut zum Kontrollverlust. Durch die Liveübertragung, die wenig später als Aufzeichnung dauerhaft auf Youtube vorliegt, kann keine Schönfärberei betrieben werden. Angst vor Trollerei braucht man aber nicht haben. Die Dialoge laufen fast immer höflich und niveauvoll ab – auch wenn man sich in der Sache streitet. Entsprechend niveauvoll lief der Dialog auch mit der ZDF-Sportredaktion ab. Anders sieht es mit den Leserkommentaren aus. Ein richtiger Dialog findet nicht statt – das Ganze ist reaktiv.

Zeit Online hat das mal ausgewertet und Typologien von Leserkommentaren aufgestellt:

Etwa der “Pöbler”, der “Besserwisser” und der “Möchtegern”. Oder der “Ideologe”, der sich vielleicht noch an einem zweiten Gegen-Ideologen abarbeitet, und dem „Egomanen“, der sich über die Zahl der Kommentare definiert. So etwas findet bei Hangout On Air-Gesprächen nicht statt.

Siehe auch den Beitrag von Hannes Schleeh: Hangout on Air mit Präsident Obama.

Amazon als Schwarzes Loch für den stationären Handel

Über den Niedergang des stationären Handels

Der heimliche Handelsriese Amazon, der in den Branchenstatistiken des Handels nicht so richtig auftaucht, weil er nicht nach den Gesetzmäßigkeiten der althergebrachten Anbieter funktioniert, pulverisiert nicht nur die Buchbranche.

„Der Online-Handel hat dem (stationären) Handel in nur zwei Jahren 9 Milliarden Euro (in Worten: neun Milliarden Euro) abgenommen, also in etwa soviel wie in allen rund 15 E-Commerce-Jahren zuvor“, berichtet Exciting Commerce.

Amazon alleine mache im Online-Handel umgerechnet 6,4 Milliarden Euro, also heute schon mehr als doppelt soviel wie der komplette stationäre Einzelhandel zusammen (der dem bvh zufolge online heute bei 3 Milliarden Euro liegt).

„Wenn man sich dann aber vor Augen führt, wie sehr sich speziell im Wachstumssegment die Onliner in den letzten Jahren extrem professionalisiert haben, und wenn man zugleich verfolgt, wie schwer sich alle großen Handelskonzerne (Metro, Otto, Douglas, etc.) tun, wie alteingesessene Unternehmen wie Thalia, Hugendubel, Görtz, etc. abbauen, wie andere darben und mit der Pleite ringen, dann bekommt man eine Ahnung davon, was gerade am Markt in Bewegung ist“, schreibt Exciting Commerce.

Und was hatte ich noch zum Weihnachtsgeschäft 2012 geschrieben?

Internet oder Profiberatung – der Rest stirbt. Diesen Spruch von Professor Gunter Dueck, den ich schon einige Male zitierte, kann man auf viele Branchen anwenden, nicht nur auf Hotline-Anbieter. Er gilt auch für den stationären Handel. Und der reagiert wie die Zeitungsverlage und Musiklabels auf das bedrohliche Szenario der vernetzten Ökonomie. So spricht ein Vertreter des NRW-Einzelhandelsverbandes im WDR2-Interview vom geistigen Diebstahl und Beratungsklau, wenn Kunden sich in den Geschäften eine erste Orientierung über Produkte verschaffen und sie dann im Internet einkaufen. Aber wie viel Premium-Beratung bietet denn der Einzelhandel, um besser zu sein als die Recherche-Möglichkeiten des Netzes?

Fast jedes private oder berufliche Problem lässt sich dort lösen. Etwa zur Vorbereitung von Trainingseinheiten im Tischtennis, Auskünfte über die Feinheiten des Startens von Modellautos mit RC-Verbrenner oder die Frage, wie ich meine digitale Heimvernetzung optimieren kann. Häufig kommen die Filme gar nicht von professionellen Anbietern, sondern von so genannten Super-Usern, die sich einfach in bestimmten Feldern besser auskennen als jeder Verkäufer oder Agent im Call Center. Auch wenn es viele in der Servicewelt und im Einzelhandel immer noch nicht kapiert haben, die Zeiten der „Flachbildschirm-Rückseitenberater“ und „Schema F- und Kästchendenker-Bürosklaven“ – wieder eine herrliche Formulierung des Publizisten Gunter Dueck – sind schon längst vorbei.

“Die Hoffnung der Handelsfürsten ist, dass der stationäre Handel die wirtschaftliche Basis bleibt. Doch das ist Illusion. Und wem wird die Schuld gegeben: Amazon & Co. ‘Amazon ist der Category-Killer in vielen Branchen.’ Amazon ist das Schwarze Loch. Es zieht Materie an! Und die Online-Marktplätze sind die schwarze Materie”, so Smart Service-Blogger Bernhard Steimel.

Karlheinz Land von Microstrategy bezeichnet das als „Zero Gravity Thinking”. Derzeit erlebe man, wie aus dem Handy-Display der „First Screen“ wird:

„Das Smartphone begleitet uns durch den Alltag. Es ist morgens das Erste und abends das Letzte, was wir uns anschauen: E-Mails checken, auf Facebook und Twitter kommunizieren und natürlich auch telefonieren. Aus herkömmlichen Anwendungen werden jetzt Apps, die wir mobil abrufen. Alles wird aus der analogen Welt in die digitale Welt gezogen.“

Auch die Kreditkarte, die heute noch ein Stück Plastik sei, wird zur App.

„Dadurch verliert sie ihre physischen Limitierungen. Wenn ich jemandem meine Plastik-Kreditkarte gebe, dann hat er sie, dann habe ich sie nicht mehr. Wenn ich aber jemandem meine Software-Kreditkarte oder den Zugriff auf meine Software-Kreditkarte übertrage, dann verfüge ich trotzdem noch darüber. Die physikalischen Limitierungen eines Objektes verschwinden. Damit können ganz andere Funktionen bereitgestellt werden, an die man bislang noch gar nichtdenkt“, sagt Land.

Das sei mit „Zero Gravity Thinking” gemeint: Ein Objekt verliere sämtliche physikalische Beschränkungen. Selbst die physische Präsenz sei nicht mehr entscheidend, wie man beim stationären Handel beobachten kann. Egal ob Walmart, Kmart oder Metro.

„All diese großen Unternehmen haben in den vergangenen fünf Jahren Umsätze verloren – zwei, drei Prozent jährlich. Das ist noch nicht dramatisch. Gleichzeitig ist aber eine Firma wie Amazon entstanden, die jedes Jahr um 15, 20 oder 30 Prozent gewachsen ist und demnächst vor der 100 Milliarden Umsatzgrenze steht. Amazon hat Umsätze sozusagen ‚gehijackt‘. Der Online-Gigant überträgt die Umsätze seiner Kunden von der realen, der physikalischen Welt in den Cyberspace“, erläutert der Microstrategy-Manager.

Die wichtigste Aufgabe des Top-Managements bestehe heute darin, die Funktion eines Chief Destruction Officers zu übernehmen, um verkrustete Denk- und Handlungsstrukturen aufzubrechen, so das Plädoyer von Professor Kreutzer, der an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin lehrt.

„Allen Verantwortungsträgern des Unternehmens gilt es zuzurufen: Vermeiden wir eine Marketing-Myopia, also eine Marketing-Kurzsichtigkeit, die schon viele Unternehmen in den Ruin geschickt hat.“

Es wird übrigens nicht nur für den Einzelhandel ungemütlicher. Auch viele so genannten Markenartikler können nicht mehr an den alten Strategien festhalten und den Online-Handel gängeln. Der Kunde wird das abstrafen!

Interessant auch das Interview mit Professor Peter Wippermann vom Trendbüro in Hamburg: