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Außenhandel und Wirtschaftskriege: Regiert bei uns immer noch die Schafsethik? Machtpolitik mit den Mitteln der Wirtschaftspolitik @GFelbermayr @BMWK_Econ @profholm @ifo_Institut

Professor Gabriel Felbermayr, Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung in Wien, hat einen bemerkenswerten Vortrag über die Zukunft des Welthandels gehalten. Er macht klar, dass die Diskussion zum Wirtschaftskrieg von und gegen Russland oder von und gegen China keine Neuheiten sind, auch wenn wir vielleicht in den vergangenen Jahren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs von Schönwetter-Zeiten globalen Handel verwöhnt wurden.

Er verweist auf die machtpolitischen Ziele, die mit Mitteln der Wirtschaftspolitik über Zölle und dergleichen schon immer eine Rolle gespielt haben.

Auch beim liberalen Vordenker Adam Smith, der in seinem Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“ ausführte, dass Sicherheit und Verteidigung wichtiger seien als der Wohlstand. Ihn trieb die Angst vor der Macht der Höllander bei der Beherrschung der Seewege.

Das wiederum erinnert mich an den Future Talk der D2030-Initiative vor ein paar Wochen mit höchst umstrittenen Aussagen von Olaf Theiler, Leiter der Abteilung Zukunftsanalyse im Planungsamt der Bundeswehr.

Von dieser Verabsolutierung halte ich gar nichts. Sehr viel halte ich vom Gedanken, Abschied zu nehmen vom naiven Wir-haben-uns-alle-lieb-Schönwetter-Denken. Dazu führte ich vor rund 20 Jahren ein Interview mit dem Chef der Schule des Wirtschaftskrieges in Paris. Meine Einleitung damals: In einer Welt, die aus vielen Schafen und wenigen Füchsen besteht, gibt es für den Sinologen und Strategem-Experten Harro von Senger keine Zweifel, wer das Sagen hat. Alle Geistessysteme, die vom Besten im Menschen ausgehen, verbreiten eine Schafsethik, bei der am Ende die Füchse regieren. Vor allem die Europäer zeichnen sich als schafsköpfige Einfaltspinsel aus – listenblind und leicht zu täuschen. Die Ecole de Guerre Economique (EGE) in Paris will das ändern. EGE-Direktor Christian Harbulot skizziert die Prinzipien seiner „Schule des Wirtschaftskrieges“. 

Kleiner Auszug aus dem Interview:

Was bedeutet „Guerre Economique“?

Christian Harbulot: „Guerre Economique“ ist die direkte und indirekte Konfrontation von Staaten oder Unternehmen auf der Suche nach strategischer Überlegenheit und der Gewinnung größerer Marktanteile.

Befindet sich die Wirtschaft heute tatsächlich in einem Kriegszustand, der nur durch die von Ihnen gelehrten Taktiken zu gewinnen ist?

Es gibt eine gewisse Anzahl von Wegen und Lösungen, um die eigenen Interessen in einer wirtschaftlichen Konfrontation zu wahren. Wir lehren nur Techniken des Informationsmanagements, deren Ziel und Aufgabe es ist, Operationen mit dem Ziel der Einflussnahme und Destabilisationsmanövern durch Information zu begegnen……

In den USA sind die von Ihnen gelehrten Taktiken und Strategien längst Tagesgeschäft. Woran liegt es, dass ihnen in Europa immer noch der Geruch des Unmoralischen anhaftet?

Die Europäer legen hinsichtlich der Zusammenhänge, dieser Art der Konfrontation eine gewisse Heuchelei an den Tag. Die Wirtschaftsexperten und Managementspezialisten prangern die Wirklichkeit an, indem sie sie als Verschwörungstheorie verharmlosen. Aber diese Ablehnung, die Wirklichkeit zu akzeptieren, wie sie ist, geht fast schon ins Lächerliche. In Deutschland spricht man höchstens über Wettbewerb zwischen den Marken. Diese Sichtweise ist jedoch zu einseitig und birgt langfristig das Risiko, den Überblick darüber zu verlieren, wie Teile der weltweiten Wirtschaft wirklich funktionieren. Soweit ein kleiner Auszug aus dem Gespräch.

„Geschlagen zu werden, ist verzeihlich, sich überraschen zu lassen aber unentschuldbar“ 

Unter diesem Leitmotivs Napoleons I. bildet die Ecole Hochschulabsolventen und Manager in Business Intelligence, Wirtschafts- und Informationskrieg aus. Sie ist die erste europäische Institution, die eine Ausbildung für Angriffs- und Verteidigungsmethoden, denen die Unternehmen im Wettlauf der Globalisierung ausgeliefert sind, anbietet. 

Gegründet wurde die Ecole de Guerre Economique 1997 von General Jean Pichot-Duclos, Christian Harbulot und Alain Joseph an der in Paris ansässigen privaten Managementschule ESLSCA mit Unterstützung der halbstaatlichen Rüstungsberatungsgesellschaft DCI. Seit geraumer Zeit arbeitet die Schule unabhängig von DCI. 

Die neuen Kräfteverhältnisse innerhalb der weltweiten Globalisierung haben in den Unternehmen neue Bedürfnisse geschaffen. Produkt und Innovation sind nicht mehr die alleinigen Kriterien in einer Wirtschaft, in der das Angebot größer ist als die Nachfrage.

Es sind insbesondere die zunehmenden Abschottungsmaßnahmen von Unternehmen und Staaten, die dem jeweiligen Wettbewerber auf dem Weltmarkt in Schach halten.

Innerhalb dieser Auseinandersetzungen erhält der Umgang mit frei zugänglichen Informationsquellen eine entscheidende Bedeutung. Berufserfahrung und normales Geschäftsgebaren reichen nicht mehr aus, um entscheidende Marktanteile oder Gewinne gegenüber der Konkurrenz zu erwirtschaften.

Soweit meine Story von damals.

Relevant sind heute vor allem Daten und Schachzüge der Konkurrenten, um richtige Antworten zu finden.

Dazu zählt das von Felbermayr erwähnte Projekt des BMWK, einen Überblick zu bekommen über relevante strategische Güter und Industrien, um von staatlicher Seite die richtigen Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten. Schutzzölle, Subventionen, Bevorratung, Reduktion von einseitigen Abhängigkeiten bei Lieferketten und dergleichen mehr. Aber sicherlich auch Gewinnung von Erkenntnissen, wie man Sanktionen umsetzt, um die Gegenseite richtig zu treffen.

Wirtschaftsminister Robert Habeck spricht inzwischen locker vom Wirtschaftskrieg oder gar von Wirtschaftskriegen. Dürfen wir uns vor diesem Hintergrund einen Wirtschaftskrieg an zwei Fronten leisten?

Also Konfrontation mit Russland UND mit China?

Siehe auch folgenden Beitrag:

Ich werde den Felbermayr-Vortrag noch weiter auswerten und tiefer analysieren. Hier noch ein paar interessante Fakten.

Besonders wichtig in der Geoökonomik: Datenintelligenz!

Fortsetzung folgt.

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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