Wer sich mit Finanzinvestoren ins Bett legt, verdient den Abstieg #HaHoHe @HerthaBSC

Warum bin ich eigentlich noch Hertha-Fan?

Spätestens seit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR sehe ich mich nicht mehr als Fan von Hertha BSC. Siehe auch: Firmenjäger KKR entert Hertha: Ha-Ho-He, das ist nicht ok 🙁 Das nach KKR dann Lars Winhorst beim „Big-City-Club“ seine Aufwartung macht und mit seinen öffentlichen Äußerungen für viel Amüsement sorgt – von Klinsmann bis zu den jüngsten Aussagen gegenüber der Zeitschrift Capial – muss ich hier nicht noch einem herunterleiern. Der Beitrag in dem Wirtschaftsmagazin ist übrigens nicht nur wegen der Windhorst-Zitate zu Hertha super interessant. Es geht auch um das Geschäftsgebaren des Wirndhorst-Imperiums, zudem ich selbst nichts recherchiert habe. Deshalb werde ich hier auch nichts zu Lars Windhorst sagen.

Mir tun in dieser Gemengelage nur die neuen und guten Köpfe in der Geschäftsleitung leid: Fredi Bobic, Arne Friedrich und Co. Es sind Leute wie Präsident Gegenbauer, die für die Managementfehler jetzt zur Verantwortung gezogen werden müssen. Zudem sollte Hertha sich schnell um andere Finanzgeber kümmern und sich von Windhorst trennen.

Das Geschäftsgebaren von Finanzinvestoren passt nicht zu Fußballvereinen. Wie das läuft, habe ich auf ichsagmal.com und in vielen anderen Medienbeiträgen ausführlich berichtet. Hier die wesentlichen „Instrumente“ auf dem grauen Finanzmarkt.

„Private-Equity-Gesellschaften sind Preismaximierer“, so Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS gegenüber der FAZ. Gehen Familienunternehmen an die Börse, sei die Emission meist auch mit anderen Zielen als dem puren Ausstieg verbunden, etwa, Kapital für weiteres Wachstum zu gewinnen. Bei Unternehmen aus Private-Equity-Portfolios sei die Bilanz meist aufgebläht, weil viele Vermögenswerte hochgeschrieben wurden. Beliebt sei zudem das so genannte „Recap“. Dabei ziehen die Firmenjäger aus ihren Beteiligungsfirmen Eigenkapital ab, um es an ihre Investoren auszuschütten. Und die Renditeerwartung der Private Equity-Investoren liegt nach Angaben der Finanzbrache teilweise bei mehr als 20 Prozent. Das Portfoliounternehmen bekommt neue Schulden aufgebrummt. Wenn der Börsengang nur dazu dient, solche Schulden zurückzuzahlen, sieht der DWS-Manager dies als schwierig an. 

Bis ein Unternehmen von den Firmenjägern wieder verkauft wird, müssen darüber hinaus die Schulden zurückgezahlt werden: „Bootstrapping“, Stiefelschnüren wird diese Technik, ein Unternehmen finanziell auszupressen, in der Private-Equity-Szene genannt. 

Wie so ein Verkaufsprozess vonstatten geht, beschreibt der frühere Tenovis-Chef Peter Zaboji, der von KKR eingesetzt wurde, in seinem Buch „Change“: „Ich glaube, KKR hat sich in diesem Prozess sehr geschickt verhalten und die Gegenseite zermürbt. Man kann noch hinzufügen: und dadurch letztlich Bosch Telecom Private Netze zu einem sehr smarten Preis erworben“. Von den stolz verkündeten KKR-Plänen, Tenovis an die Börse zu bringen, blieb nichts übrig. Das Unternehmen wurde an den US-Telekommunikationsausrüster Avaya verkauft. KKR kassierte für den Tenovis-Deal nach Angaben der Zeitschrift „Finance“ 370 Millionen Dollar. Das sei viel Geld für ein Unternehmen, „das bislang nicht gerade eine Ertragsperle gewesen ist. „

Bei Hertha BSC wird das alles noch sehr turbulent weitergehen. Lars Windhorst und Werner Gegenbauer werden noch für viele Überraschungen sorgen.

Über den Autor

gsohn
Diplom-Volkswirt, Wirtschaftsblogger, Livestreamer, Moderator, Kolumnist und Wanderer zwischen den Welten.

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