Geburtstagsnotiz: #CharlesBukowski

Der erste Erfolg für Charles Bukowski kam in Deutschland aus einer Ecke, die im normalen Literaturbetrieb wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte: Ein Kleinverlag in Augsburg, als Quasi-Einmannbetrieb vom Studenten Benno Käsmayr geführt, veröffentlichte er mit „Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“ das Buch, auf dem sich der spätere Ruhm Bukowskis begründen sollte:

„Es ging erst los, als ich Ende ’73 mit dem Benno Käsmayr vom Maro-Verlag Kontakt hatte, der mir den Vorschlag machte, etwas mit einem Kleinverlag zu machen, der an dem potentiellen Bukowski-Publikum näher dran ist, und es mal mit Gedichten zu versuchen, die sich etwas abheben von dem, was hierzulande als Gedicht genehm ist. Ruhig einmal ein bißchen auf die ruppige Tour. Das hat dann wider Erwarten komplett eingeschlagen, der Helmut Salzinger hat in Sounds eine tolle Besprechung geschrieben, und durch Mundpropaganda hat sich das so blitzartig verbreitet, daß am Ende 50.000 Exemplare standen. Das war der Durchbruch für Bukowski in Deutschland – nicht mit ’notes of a dirty old man‘, nicht mit ‚Der Mann mit der Ledertasche‘, sondern mit einem kleinen Gedichtband“, so der Bukowski-Übersetzer Carl Weissner.

Erste Begegnung mit Bukowski: „Vor der Tür lag ein Pappschild: ‚Carl: Klopfen zwecklos. Bin vermutlich im Tran. Tritt einfach die Tür ein. Ist sowieso kaputt. Welcome in the United States. Buk.'“ (Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000, Ariel Verlag, Frankfurt 1999; Das war’s – Letzte Worte mit Charles Bukowski, Verlag Rasch und Röhring, Hamburg 1996).

Jazzabend in Prag auf der Europatour #fürMiliana vor zwei Jahren

Die finale Phase auf meiner 3000-Kilometer-Tour durch Europa.

Tolle Jazzmusik in Prag. Heute vor zwei Jahren ging es dann weiter in Richtung Bautzen – also fast.

Alles aufgenommen mit der Osmo Pocket.

#DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf – Augustprogramm von Kindheitserinnerungen bis Hannah Arendt

Live im Netz oder im Garten von Miliana in Bonn-Duisdorf: Kulturell wird einige geboten auf der Terrasse in der Ettighoffer Str. 26a – man hört, sieht und streamt sich. Wer vorbeikommen möchte, sollte mir kurz vorher noch Bescheid geben, damit genügend Getränke da sind 🙂

#DasLiterarischeSommerinterview am Rosengarten von Miliana

Heute um 19 Uhr ist die Premiere:

Sehnsucht statt Coolness: Ein Sommerabend in Bonn #Schumannjournal @schumannnetz

„Den Hoffnung machenden Lichtblicken im Sommer – ständig sinkende Ansteckungszahlen nach dem ersten, in vielen Ländern Europas weit in den Mai hineinreichenden Lockdown – verdanken wir, auch in den Schumannstädten, vorsichtige Museumsöffnungen unter Einhaltung strengster Vorsichtsmaßnahmen, und einige wundervolle Veranstaltungen, vor allem im Freien. In Bonn war die Rheinterrasse des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses Anfang August Schauplatz eines wirklich wundervollen und im Rückblick fast als zauberhaft zu bezeichnenden Schumann-Forum-Gesprächs mit unserem langjährigen Mitglied Ottavia Maria Maceratini, die natürlich auch zu den Einflüssen der Pandemie auf ihr Leben als Künstlerin Stellung nahm.“ So steht es im Schumannjournal.

Es war einer der schönsten Sommerabende, die ich im vergangenen Jahr erleben durfte. Und das lag vor allem an der großartigen Pianisten Ottavia Maria Maceratini. Sie sagte in dem Gesprächskonzert:

„…..Es gibt auch eine Art Wissen, das nicht unbedingt über die Worte übertragen wird, es überträgt sich durch Präsenz, über Energiefelder und gerade in diesen Räumen, in denen Schumann die letzten Tage seines Lebens verbracht hat, empfinde ich eine gewisse Präsenz, die so voll Zärtlichkeit und Innigkeit ist. Das ist für mich eine einzige Lehre über die Liebe. Und ich glaube heutzutage haben wir viel […] zu lernen von dieser Zeit, von der Romantik. Wir haben uns gerade gestern darüber unterhalten, wie wichtig diese Zeit der Romantik ist und wie falsch heute vielfach Romantik verstanden wird. Zwischen Kopf und Herz ist es eine kurze Strecke, aber es ist ein langer Weg. Es ist manchmal wirklich schwierig, sich ‚ins Herz fallen zu lassen‘, aber durch die Corona-Zeit haben wir, glaube ich, eine große Möglichkeit, weil… Was ich auch gerade in Bayreuth formuliert habe, es gibt dieses Wort, dieses Begriff, der sehr in Mode ist seit einigen Jahrzehnten – den Begriff ‚cool‘ und ‚Coolness‘. Man sagt ‚cool‘ zu etwas, was wünschenswert ist. ‚Uncool‘ hat viele Bedeutungen. Aber ‚cool‘ bedeutet meistens Distanziertheit, Dickfelligkeit, also etwas wirklich wichtiges […] in einer Leistungsgesellschaft. Und es ist tatsächlich wichtig, weil es ein Schutzmechanismus ist, der […] für eine kurze Weile vielleicht nützlich sein kann, aber auf Dauer führt er einfach zu Leiden und deswegen hoffe ich, dass ein anderer Begriff in die Mode kommt, also anstatt Coolness oder cool ‚Sehnsucht‘, also jenen Begriff, den wir aus der Romantik kennen, also die Sehnsucht […] im Sinne von einem ganz tiefen Fühlen, einem Wiederfinden des eigenen Herzens, weil die Sehnsucht, obwohl sie sich manchmal schmerzlich anfühlt, […] uns immer in eine ganz wichtige Richtung weist. Eine Richtung, die wir vielleicht momentan aus den Augen verloren haben, und wie der Sufi-Mystiker und Dichter Rumi sagt, die Schmerzen sind Boten, höre auf sie! Also die Sehnsucht ist manchmal schmerzhaft, aber es ist sehr wichtig, wirklich hin zu hören, weil wir können davon sehr viel Wertvolles bekommen.“

Soweit ein kleiner Auszug aus der aktuellen Ausgabe des Schumannjournals. Ihr könnt es kosten herunterladen.

Freiheit der #Utopie im Zeitalter der technischen Medien

Mein Ausflug in die Science-Fiction-Literatur. Bin begeistert, Teil dieses großartigen Herbert W. Franke-Bandes zu sein. Das Opus ist jetzt gerade frisch erschienen. Es wäre Wunderbar, wenn Ihr den kleinen und sehr rührigen Verlag mit Bestellungen unterstützen könntet.

In drei Teilen präsentiert „Das Gutenberg-Konzil“ bislang unveröffentlichte Manuskripte des fantastischen Genres, und des Weiteren Storys, die in verschiedensten Publikationen veröffentlicht wurden und hier erstmals zusammengefasst erscheinen.

„Ergänzt wird der Band um Beiträge von Hans Esselborn und Jörg Weigand, die mit Franke auf vielfältige Weise zusammengearbeitet haben, sei es in der theoretischen Erforschung der Science-Fiction, sei es als Herausgeber. Der Sonderband ‚Das Gutenberg-Konzil‘ schließt mit dem Abdruck eines Interviews, das Gunnar Sohn mit Franke 2018 anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe geführt hat“, so steht es auf dem Buchrücken.

Titelbild und Innenillustration stammen von meinem Bonner Freund Thomas Franke.

Ingrid Bodsch, Beethoven und das Opus ultimum

Das Bonner Stadtmuseum zeigte eine quellenreiche Ausstellung über die letzten Jahre der kurfürstlichen Residenzstadt. „Im Fleiß dem Tita­nen eben­bür­tig ist Ingrid Bodsch, die Direk­to­rin des Bonner Stadt­mu­se­ums, die mit dieser Ausstel­lung ihr Opus ulti­mum ablie­fert. Wie die dichte Reihung von Doku­men­ten ein Instru­ment der histo­ri­schen Phan­ta­sie sein kann, das zeigt hier die Verge­gen­wär­ti­gung der Lebens­welt von Beet­ho­vens Gönner. Graf Wald­stein wurde 1788 in der Bonner Schloss­kir­che in den Deut­schen Orden aufge­nom­men, dessen Hoch­meis­ter der Kurfürst war. Als es noch Ritter gab und auch das wirk­li­che Leben den Regeln eines Balletts folgte, erleb­te Bonn seine golde­ne Zeit“, schreibt Patrick Bahners in der FAZ.

Der Kata­log kostet übrigens 29 Euro. Direktbestellungen über stadtmuseum@bonn.de

Hier die Ausführungen zum Katalog:

Und hier das große musikalische Finale zur Ausstellung:

Erinnerungsrituale als Vergewisserung #fürMiliana #Ostern

„Die Zeit heilt alle Wunden“ oder „das Leben geht weiter“ waren und sind Standardaussagen, die ich häufig höre, die aber nichts verändern und mit meiner Lebensrealität nichts zu tun haben.

Schnell gesagt im Vorbeigehen. Floskeln.

„….ich wüsste nicht, ob und wie ich das ertragen könnte, die große Liebe gefunden zu haben und dann verlieren zu müssen. Das ist furchtbar. Ich habe sie noch nicht gefunden und kann noch hoffen. Das zu verlieren mag ich mir gar nicht vorstellen“, schrieb mir jemand in diesen Tagen. Das trifft es eher.

Es gibt die offizielle Seite, die den Seelenzustand nicht wirklich sichtbar macht. Berufliche Projekte, Unterhaltungen, Beiträge auf Twitter und Co. Da steckt wohl noch eine große Portion preußischer Pflichterfüllung in mir drin, die mich immer wieder antreibt.

Gezeigt wird eine Gesellschaftsmaske im Sinne von Johannes Wiele, die für mich entlastend wirkt und zugleich ein Gebot der Höflichkeit ist. Warum sollte die Agentur Kommunikation & Politik oder gar meine Familie existenziell leiden wegen einer privaten Befindlichkeit.

Ich bin mir bewusst, dass ich eine Rolle spiele. Das bewahrt mich vor Aktionismus oder der Burnout-Gefahr. Es zählt der spielerische Umgang mit den Dingen des beruflichen Lebens.

Rollenspiel und Ehrlichkeit schließen sich dabei nicht aus, wie die Schriftstellerin Felicitas Hoppe in der Literarischen Welt ausführt. Das Schauspiel oder tägliche Theater ist auch ein geeignetes Vademekum, um nicht in eine permanente „masochistische Selbstumkreisung“ (herrliche Formulierung von F. Hoppe) zu fallen.

In der 3000 Kilometer langen Europareise, die ich mit einem mopedhaften E-Bike zurücklegte, verspürte ich immer dann eine tiefe Verbundenheit mit Miliana in den Momenten absoluter Einsamkeit. Auf Waldwegen, auf den Bergetappen in den Vogesen, in den Alpen, im Bayerischen Wald, im Böhmerwald und den vielen weiteren Berg- und Tal-Fahrten.

Aber auch in den Kirchen, wenn ich Kerzen anzündete und einige Zeit innehalten konnte. Von den Ritualen der Großkirchen bekomme ich diese Anregungen nicht – außer vielleicht von jenen Persönlichkeiten, die für den Bau der Kirchengebäude Verantwortung trugen. Vieles in den Kirchen sei auf Besitzstandswahrung angelegt, ritualisiertes beamtetes Christentum, kritisiert zurecht Felicitas Hoppe.

„Man müsste mit den Texten ganz anders umgehen, anders sprechen, über das fromme Wünschen hinausgehen.“

Nur das mechanische Herunterbeten irgendwelcher Sinnsprüche kann die Fragen von Tod und Vergänglichkeit nicht bewältigen. Auch die Vermittlung von Fantasien der Erlösung oder Wiederauferstehung reicht nicht aus. Das sind brüchige Gewissheiten.

Erinnerungsrituale als Vergewisserung werde ich immer wieder neu vollziehen. Nicht nur am Ostersonntag.

Wirres Haar und rotes Halstuch: Beethovens Bild im Manga – @acatoao マンガで見るベートーベンのイメージ

Der Förderverein des StadtMuseum Bonn freut sich, schon wieder auf eine herausragende Publikation des StadtMuseum Bonn aufmerksam machen zu können:

„Vor mir liegt ein prachtvolles Buch, groß, farbenprächtig und imposant, bedruckter Leineneinband und Schutzumschlag, und mit 2, 7 Kilo auch sehr gewichtig! Ebenso gewichtig wie sein Inhalt, denn ‚Wirres Haar und rotes Halstuch. Beethovens Bild im Manga‘ ist ein Referenzwerk zum Thema. Eigentlich sollte es zusammen mit einer ebenso einzigartigen Ausstellung erscheinen, aber deren ‚körpernahe Ausrichtung‘ mit Spielkonsolen, vielen Tablets und ähnlichem zu interaktiven Agieren aufrufenden Präsentationsformen versagten uns in Zeiten der Pandemie die Realisierung. Dafür rückte der schon immer als opulent illustriertes Begleitbuch konzipierte Katalog in den Mittelpunkt. Er wurde zum realen Katalog einer virtuellen Ausstellung, mit besonderem Blick auf Japan, dem mit Abstand hungrigsten Markt für derartige Publikationen. Der schon früh gefundene Titel orientiert sich an den vom berühmten Stieler-Porträt ausgehenden Merkmalen, die zum Charakteristikum für Beethoven-Darstellungen wurden, auch wenn der Meister in sonst ganz unkenntlicher Form erscheint“, sagt Dr. Ingrid Bodsch, Direktorin des StadtMuseum Bonn.

Mit Dr. Kazuko Ozawa und Dr. Matthias Wendt konnte die Herausgeberin und Initiatorin Dr. Ingrid Bodsch schon früh zwei kompetente und von ihr für die Thematik zu begeisternde Bearbeiter gewinnen, die es großartig verstanden, die überwältigende Fülle von Beethoven-Bildern ikonographisch zu erfassen und zu systematisieren. Ihrer Überzeugungskraft ist auch die Gewinnung der Professoren Monika Schmitz-Emans, Tsuchida Eizaburo und Kim Sung-hwa für drei herausragende Aufsätze zu verdanken, von denen zwei sich exemplarisch dem Komplex Anime und Videospiel widmen, während Monika Schmitz-Emans mit Tezuka Osamus berühmtem Mangazyklus Ludwig B. eine zentrale Schöpfung der „bildlichen Beethovenrezeption“ umfassend beleuchtet. Und als künstlerisches Highlight enthält das Buch einen extra für die Publikation angefertigten Manga von Acato Ao, einer international bekannten jungen Künstlerin, die 2019 eine eigene Fernsehserie bekommen hat, und vor wenigen Wochen eine besondere Würdigung in Asahi Shinbun, eine der größten und seriösesten japanischen Zeitungen.

Und dieses Prachtwerk, 446 Seiten, erschienen im Verlag des StadtMuseum Bonn, hg. von Ingrid Bodsch, bearbeitet von Kazuko Ozawa und Matthias Wendt, als Projekt im Rahmen und gefördert von BTHVN2020, ist für 35 Euro zu erwerben.

Warum gibt es in Deutschland so viele Theater und Opernhäuser?

Antworten von Ingrid Bodsch im Zuge unserer Videoaufnahmen für den Katalog „Bonns goldenes Zeitalter – die kurkölnische Zeit Beethovens“: