Beethoven: Die dunkle Seite #BTHVN2020

Das Beethoven-Filmfest im Rex-Kino neigt sich dem Ende zu. Am Montag sah ich den Spielfilm „Beethoven – Die ganze Wahrheit“. Regie und Buch von Paul Morrissey. Es beleuchtet die dunkle Seite im Leben des Komponisten. Es geht um den von Beethoven abgöttisch geliebten aber auch obsessiv kontrollierten und schikanierten Neffen Karl Beethoven.

Die Ästhetik des Werks aus dem Jahr 1984 erinnert ein wenig an die von Visconti verfilmte Novelle von Thomas Mann „Der Tod in Venedig“. Gemeint ist die laszive Darstellung des schönen Knaben Tadzio. Du dieser Ansicht gelangte Dieter Hertel, Geschäftsführer des Rex-Kinos, im Gespräch mit Dr. Ingrid Bodsch und mir – also nach der Vorstellung.

Bei aller Einseitigkeit in der filmischen Aufarbeitung der Kontrollsüchte und Boshaftigkeiten, die bei Beethoven im Verhältnis zu seinem Neffen auftraten, beruht doch einiges durchaus auf belastbaren Quellen. Etwa die Gerichtsakten des Prozesses um die Vormundschaft und andere Überlieferungen.

So kündigte er bei einem Sommeraufenthalt in Mödling zwei Bediensteten, weil sie im Verdacht standen, ein Treffen zwischen Karl und seiner Mutter eingefädelt zu haben. Im Dezember 1818 kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, in denen der Neffe von Misshandlungen durch Beethoven und von ständigen Drohungen des Musikers sprach. Karl war zum wiederholten Mal zu seiner Mutter entlaufen und zwei Tage später, am 5. Dezember von der Polizei zu Beethoven zurückgebracht worden.

In den Konversationsheften in dieser Zeit dreht sich vieles um den Neffen, um Schwierigkeiten in der Erziehung, um Überlegungen zur „strengen Zucht“, um Gerichtssachen, Stimmungsschwankungen, Krankheiten. Zwischendurch besserten sich die Beschwerden und auch das Verhältnis zur Schwägerin Johanna entspannte sich. So soll er erwogen haben, sich an ihren Arztrechnungen zu beteiligen. 

All das wird in dem Film von Morrissey beleuchtet und auf die Spitze getrieben. Sehenswert!

Heute um 20 Uhr folgt im Rex-Kino in Bonn-Endenich das große Finale der Filmfest-Reihe mit „Un Grand Amor de Beethoven“. 

Siehe auch:

Denkschrift an das Appellationsgericht in Wien, 18. Februar 1820, Autograph

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