Der Kurfürst als Glücksfall für Bonn und Beethoven #bthvn2020 @Musikverein

Die Ausstellung zeigt das spannende und durch die Aufklärung und die französische Revolution im Umbruch befindliche gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Umfeld in der kleinen Residenzstadt eines geistlichen Kurfürsten, in dem Ludwig van Beethoven als Sohn und Enkel eines Hofmusikers eine Berufslaufbahn am kurkölnischen Hof in Bonn vorbestimmt war.

Sein unübersehbares Talent als ausübender Musiker und als Komponist, seine Wissbegierigkeit und seine nach dem Tod der Mutter besonders betrüblichen Familienumstände zogen das Interesse und die Anteilnahme einiger seiner gebildeten Hofmusikerkollegen und Angehöriger des Hofadels, insbesondere des aus dem österreichischen Hochadel stammenden jungen Grafen von Waldstein auf sich, was dem jungen Mann noch vor dem endgültigen Untergang Kurkölns vor dem Ansturm der französischen Revolutionstruppen zu einem Stipendium seines Landes- und Dienstherrn  zum Weiterstudium nach Wien verhalf – in die Herkunftsstadt des letzten Kölner Kurfürsten Maximilian Friedrich von Österreich, dessen Vater und Brüder aufeinanderfolgend als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Wien residierten.

In Interviews mit Dr. Ingrid Bodsch vom StadtMuseum Bonn und mit Professorin Ingrid Fuchs und Professor Otto Biba von der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien konnte ich einige sehr interessante Aspekte beleuchten und vertiefen.

Welche Grundlagen für sein außergewöhnliches Können und Schaffen wurden in den Bonner Jahren gelegt?

Zum Kreis um Beethovens Jugendfreunde zählte beispielsweise der Hofkoch, Kaufmann, spätere Bonner Bürgermeister und Direktor der Rheinschifffahrtsbehörde Johann Joseph Eichhoff. Er kann als Vordenker des freien Binnenmarktes in Europa gesehen werden – so werte ich jedenfalls die Forderungen nach Abschaffung der Zölle für die Schifffahrt.

Wichtig im Bonner Umfeld von Beethoven sind auch Freimaurer, Illuminaten und die Lesegesellschaft. Die „Lese“ existiert übrigens noch heute. Hier wird klar, warum die Residenzstadt Bonn eine Hochburg der Aufklärung war. Allein 15 der Hofmusiker-Kollegen von Beethoven zählten zur Lese, zum Teil sehr aktive, darunter auch solche mit illuminatischer Vergangenheit. Unter den Gründern waren 1787 Christian Gottlob Neefe, Franz Anton Ries, Joseph Reicha, Nikolaus Simrock. 1788 folgten Sebastian Pfau, Joseph Welsch und Georg Libisch, 1789 dann Maximilian Willmann, Friedrich Müller und Thomas Pokorny, 1790 schließlich Gaudenz Heller, Andreas Bamberger, Andreas Perner, Joseph Lux und Johann Baptist Paraquin.

Auch Hofschauspieler Anton Steiger war seit 1788 in der Gesellschaft, und seit 1789 der Theatermaler Johann Peter Beckenkamp, Ehemann der Hofsängerin Veronika Beckenkamp, geb. Krämer.

Bei Familie von Breuning, die Beethoven gleichsam eine zweite Heimstatt geboten hat, in den musikausübenden Häusern der Grafen Belderbusch und Wolff-Metternich oder von Mastiaux, von Gruben und Wurzer traf er ebenfalls auf Lese-Mitglieder. Zu diesem Themenkomplex machen wir in den nächsten Wochen eine literarische Runde im Arndt-Haus – live gestreamt im Netz 🙂

Professor Otto Biba betont im zweiten Teil meiner Interviews den enormen Stellenwert von Kurfürst-Erzbischof Maximilian Franz von Österreich für die musikalische Sozialisierung von Beethoven und für den Aufbau eines wertvollen Netzwerkes in der Wiener Zeit von Beethoven.

Die Schau im Ernst-Moritz-Arndt-Haus umfasst mehr als 200 Exponate. Sie kommen vor allem aus dem eigenen Bestand des Stadtmuseums und aus der Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Hinzu kommen Leihgaben aus der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz, dem Beethoven-Haus Bonn, dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, dem Wetterau-Museum, dem Baden-Württembergischen Landesarchiv (Abteilung Staatsarchiv Ludwigsburg) und dem Zentralarchiv des Deutschen Ordens in Wien.

Außerdem werden verschiedene Porträts präsentiert, die aus Privatbesitz und meist von direkten Nachfahren stammen: Sie zeigen den berühmten Geiger und letzten Direktor der Bonner Hofmusik, Franz Anton Ries, und seine Gemahlin in jungen Jahren, den ehemaligen Hofkoch Johann Joseph Eichhoff als hohen Beamten in französischen Diensten und den Juristen und ehemaligen Bonner Professor Bartholomäus Fischenich , die alle in Beziehung zu Beethoven standen.

Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses in der Adenaueralle 79 mittwochs bis samstags von 13 bis 17 Uhr und sonntags von 11.30 bis 17 Uhr anschauen. Am 24., 25. und 31. Dezember 2020 ist das Haus geschlossen. Der Eintritt kostet 2,50 Euro.

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