Weltpremiere beim literarischen Interview in Bonn: Wolfgang Schiffer liest aus seinem Buch, das erst im Frühjahr im Elif-Verlag erscheint:
Wörter und Träume nicht nur für den Sonntag. Der ehemalige WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer stellt isländische Lyrik vor, in deutscher Übersetzung im Elif-Verlag erschienen #DasLiterarischeInterview in #Bonn. pic.twitter.com/DP1ABs4NiK
Die Relevanz von sozialen Kontakten im Alter. Es sei wichtig, rechtzeitig dafür zu sorgen, „dass ich nicht alleine bin. Man kommt über den Verlust eines Menschen, mit dem man sehr lange sehr gut zusammen gelebt hat, nicht hinweg. Aber man hat Familie, man hat Freunde, man interessiert sich für alle möglichen Dinge. Mit dem Verlust muss man leben. Soziale Kontakte sind wichtig“, erklärt Koch.
Der Tübinger Theologe und Systematiker Eberhard Jüngel hat sich in dem Opus „Tod“, erschienen im GTB-Verlag, intensiv mit den religiösen, philosophischen und soziologischen Aspekten des Todes beschäftig. Ein Satz trifft auch meine Lebenssituation seit dem plötzlichen und nicht vorhersehbaren Tod meiner lieben Frau Miliana am 6. Mai 2019 zu: „Der Tod des Anderen, insbesondere der des Nächsten, ist ein mein Dasein betreffender Verlust von Möglichkeiten meines eigenen Existierens.“
Alles, was an schnellen Kommentaren kommt, von „die Zeit heilt alle Wunden“ bis „das Leben geht weiter“ ist in unseren Tagen eine Verdrängung des Todes. Es gibt seit langer Zeit das Phänomen, den Tod aus der Gesellschaft zu entfernen und zur Tagesordnung zurückzukehren. „Damit verbunden ist die Tendenz, den Trauerfall aus dem öffentlichen Bewusstsein zu eliminieren. Das kann durchaus auch durch die Inszenierung eines Staatsbegräbnisses geschehen, die den Trauerfall zum – respektablen – Schauspiel macht, aber ach, zum Schauspiel nur“, schreibt Jüngel. Auf Facebook oder Twitter wird dann höchstens noch R.I.P. gepostet, um sich danach wieder angenehmeren Themen zu widmen. Pflichtübungen. Nicht mehr.
Das Leben neu zu sortieren, den Verlust der Möglichkeiten des eigenen Existierens zu bilanzieren, sich nicht aufzugeben, über den Tod und über ein Leben nach dem Tod nachzudenken, die Liebe meines Lebens nicht zu vergessen, den Zusammenhalt der Kernfamilie zu organisieren und die von Marianne Koch angesprochenen sozialen Kontakte anzugehen, all das prägt nunmehr mein Leben, meinen Alltag.
Es ist ein schwerer Gang, auch wenn es in den beruflichen Projekten, Live-Formaten, Interviews und sonstigen Postings im Social Web anders wirkt. Miliana fehlt mir sehr.
Unfassbar, was die liebe Ingrid Bodsch so alles auf die Beine gestellt hat. Das geht weit über die Ausstellung „Bonns goldenes Zeitalter – die kurkölnische Residenzstadt zur Zeit Beethovens“ hinaus.
Die kurkölnische Residenzstadt #Bonn zur Zeit Beethovens – den Katalog solltet Ihr Euch besorgen 🙂 pic.twitter.com/Z4UwGKNuZW
Detlef Arens hat das sehr gut zum Ausdruck gebracht:
Und Sohn@Sohn waren in den vergangenen Monaten ja auch ein wenig beteiligt bei den Projekten von Ingrid:
Für die Manga-Fans:
Zum Katalog:
„Im Fleiß dem Titanen ebenbürtig ist Ingrid Bodsch, die Direktorin des Bonner Stadtmuseums, die mit dieser Ausstellung ihr Opus ultimum abliefert. Wie die dichte Reihung von Dokumenten ein Instrument der historischen Phantasie sein kann, das zeigt hier die Vergegenwärtigung der Lebenswelt von Beethovens Gönner. Graf Waldstein wurde 1788 in der Bonner Schlosskirche in den Deutschen Orden aufgenommen, dessen Hochmeister der Kurfürst war. Als es noch Ritter gab und auch das wirkliche Leben den Regeln eines Balletts folgte, erlebte Bonn seine goldene Zeit. Plötzlich ging sie zu Ende“, schreibt Patrick Bahners in der FAZ.
Die Publikation entstand als Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des StadtMuseum Bonn „Bonns goldenes Zeitalter. Die kurfürstliche Residenzstadt zur Zeit Beethovens“, ausgerichtet im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, der Dependance des StadtMuseum Bonn in Kooperation mit dem Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Allen Leihgebern, sowohl den privaten, die namentlich nicht genannt werden möchten, wie den Institutionen und Einrichtungen, die vielfach schon oft von uns erbetene Objekte aus ihrer jeweiligen Sammlung dem StadtMuseum Bonn für Sonderausstellungen anvertraut haben: Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv Bonn: Beethoven-Haus Bonn Bonn: Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Duisburg: Land Nordrhein-Westfalen – Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland Friedberg (Hessen): Magistrat der Kreisstadt Friedberg, Wetterau-Museum Friedberg Ludwigsburg: Land Baden-Württemberg, Landesarchiv Baden-Württemberg Abteilung Staatsarchiv Ludwigsburg Wien: Archiv, Bibliothek und Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Wien: Deutschordenszentralarchiv (DOZA) Wien: Österreichisches Staatsarchiv/Haus-, Hof- und Staatsarchiv (AT-OeStA/HHStA). Im Film gibt es zudem ausführliche Erläuterungen von Alexander Wolfshohl und Detlev Arens. Der Katalog kostet 29 Euro. Direktbestellungen über stadtmuseum@bonn.de.
Wie Beethoven in Bonn musikalisch geprägt wurde durch Kurfürst Maximilian Franz von Österreich:
„Zu schnelle Lektüre verwässert die basalen Einsichten“, schreibt Frank Berzbach in seinem neuen Buch „Ein Literaturverführer“. Es entwickelte sich ein bemerkenswerter Bonner Abend mit Frank mit vielen Schnittmengen zu meiner Literatur-Rezeption und auch zu meinen musikalischen Vorlieben:
Komplette Version des literarischen Sommerinterviews auf Twitter, LinkedIn, YouTube und Facebook.
Von Nick Cave, Punk bis zu Heimito von Doderer: Frank Berzbach über sein neues Buch "Die Kunst zu lesen: Ein Literaturverführer" https://t.co/dQcUatB2fo
„In ein ‚Horror-Vakuum, von dem ich jetzt noch träume‘, sei er damals gefallen, schildert Klaus Weise während seiner Lesung bei Buchhändler Alfred Böttger. Gemeint ist die Zeit nach Weises Generalintendanz für Oper und Schauspiel in Bonn zwischen 2003 und 2013, in der er auch als Regisseur das Profil mitgestaltete. Jenes ‚Horror-Vakuum‘, das weniger privilegierte Menschen sicher allzu gern mit ihm tauschen würden, fand ein Ende mit der Arbeit an seinem ersten Roman: ‚Sommerleithe – Wortbegehung einer Kindheit'“, schreibt der General Anzeiger.
„Sinnlicher als eine Metzgerei geht’s kaum“, sagt Weise im Laufe seiner Bonner Lesung, betont der GA. Was er in Bonn-Duisdorf sagte, seht Ihr hier:
#DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf am Freitag 19 Uhr mit #DincerGücyeter: “ich reiße hinter Türen ohne Schlösser die alte Tapete ab, das Notizbuch der Zeit“.
Was der Lyriker in seinem Gedichtband „Aus Glut geschnitzt“ bildstark und sprachgewaltig begann, findet in der neuen Sammlung seine radikale Fortschreibung. Radikal, weil die neuen Gedichte noch tiefer nach den Wurzeln seiner Herkunft graben, noch gründlicher das Geflecht familiärer Bindungen ausleuchten, die Herausforderungen des Aufbruchs ins Neue, ins Ungewisse, den manchmal tödlichen Clash gesellschaftlich tradierter Vorstellungen mit anderen Lebensweisen. Ob die Texte ihren geografischen Ort in einem anatolischen Dorf oder in der Prostituierten-Szene Istanbuls haben, in einem kindlichen Fantasiereich oder in der niederrheinischen Provinz, der Gedichtband „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ verwebt sie zu einer die Vielfalt der menschlichen Existenz umspannenden Welt.
Sein Opus ist auf der SWR-Bestenliste. Dort steht: „Dinçer Güçyeter, geboren 1979, ist eine vielseitige Begabung. Er machte eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, hat als Schauspieler am Theater gearbeitet, gründete 2012 den Elif Verlags für Lyrik und ist darüber hinaus und vor allem selbst ein Lyriker von Format. Sein neuer Gedichtband ist Selbstbefragung und Dialog zugleich. Das Ich, das hier spricht, begibt sich auf die Spuren seiner Herkunft, seiner Prägung, seiner Sprache, die nicht nur eine ist und sich aus unterschiedlichen Quellen speist: ‚im Jahr 1983, Deutschland‘, so heißt das erste Gedicht und es zeigt die Mutter:
müde sitzt sie am Küchentisch
ihre Schultern hängen wie eine Seilbrücke
zwischen zwei entschwundenen Heimaten
entfernt die Fäden der grünen Bohnen
als sie meinen Atem im Nacken spürt, murmelt sie
diese blöden Fäden sind wie Lederriemen
Schon in diesem Auftakt klingen zentrale Motive an, die Güçyeter dann weiter ausführt. Es ist die Brücke zwischen Anatolien, woher die Eltern kommen, und dem Rheinland, wo der Sohn geboren wird.“
#DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf mit der Autorin Ingeborg Gleichauf, deren Buch „Hannah Arendt und Karl Jaspers – Geschichte einer einzigartigen Freundschaft“ in diesem Monat bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienen ist. Hannah Arendt und Karl Jaspers – zwei herausragende Persönlichkeiten der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts, die eine vor allem politische Denkerin, der andere ursprünglich Mediziner und Psychologe, die beide mit den Erschütterungen der Welt und ihres persönlichen Lebens durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg zurechtkommen mussten und dabei doch der Welt immer zugewandt blieben. Sie haben viele bedeutende Schriften hinterlassen, Denkansätze, deren Relevanz bis heute nicht nachgelassen hat. Über beide ist viel geschrieben und geforscht worden – allein ihre sehr tiefe und besondere, fast lebenslange Freundschaft, ist bislang seltsam unerforscht.
Diesem Umstand will das vorliegende Buch abhelfen. Ingeborg Gleichauf, Philosophin und Schriftstellerin, nähert sich der Beziehung von Arendt und Jaspers über die Beschäftigung mit den großen Fragen und Themen, die die beiden zeit ihres Lebens umtrieben und legt den Focus auf das über lange Zeiträume und große Distanzen nie versiegende Gespräch zwischen ihnen, ob persönlich oder in Briefen – auf den fruchtbaren, auch manchmal streitbaren, immer vertrauensvollen, von Neugier, Offenheit und Redlichkeit geprägten Austausch.