Livestreaming: Mach Deine eigene Social TV-Show – Sessionvorschlag für das #barcampkoeln @ruhrnalist

Neulich im Wald
Neulich im Wald

Zusammen mit dem Fernsehjournalisten Kai Rüsberg aka @ruhrnalist will ich die Formatidee Social TV via Hangout on Air popularisieren: Es soll Fernsehen sein – eine richtige Show mit vielfältigen Elementen, unterhaltsam, trotzdem mit viel Inhalt, ein Dutzend Gäste, mehrere Kameraperspektiven. Es darf nichts kosten, wird aber weltweit ausgestrahlt und mit Produktionsmitteln hergestellt, die wir bereits im Büro besitzen und die mit wenig Personal bedient werden. Big Show – low budget.

Erste Gehversuche haben wir bei der Bochumer Generalversammlung der GLS-Bank unternommen und die technischen Möglichkeiten für Livestreaming voll ausgereizt. Unser Resümee:

Neutral betrachtet waren die Social TV-Shows aus Bochum ein Riesenerfolg: Ein Erfolg der zeigt, wo engagiertes Social TV inzwischen angekommen ist. Emotionales, spontanes Live-Video mit verschiedenen Kamerapositionen und Außenübertragungen. Low-Budget-TV ohne keimfrei und gestelzt zu wirken. Prädikat: Geeignet für den Medienwandel.

„Man kann sich ausmalen, was mit diesem Setup noch alles möglich ist. Ich denke an moderierte Veranstaltungsbegleitung oder an Supra-Lokalfernsehen auf Stadtteilebene“, schreibt Kai Rüsberg in seinem Blog.

Was wir in Bochum erlebt haben und was wir für die Zukunft planen, möchte ich in einer Session beim Barcamp Köln vorstellen.

Social TV via Hangout on Air und der Charme des Unperfekten

Social TV Studio in Bochum

Social TV auf dem Niveau einer Magazinsendung zelebrierte Bloggercamp.tv in Live-Hangouts auf der Generalversammlung der GLS Bank im Ruhr Congress. Mit zwei Laptops, zwei Logitech-Kameras, einem Mikrofon mit Behringer-Mischpult und einem Smartphone machten wir in zwei Sendungen in jeweils knapp 30 Minuten Außenreportagen, vorproduzierte Einspieler und Interviews mit Vorständen, Filialleitern, Gründungsmitgliedern der ersten sozial-ökologischen Universalbank, wichtigen Kunden sowie Prominenten wie die Starköchin Sarah Wiener. Wir stellten Bioprodukte vor und übertrugen eine musikalische Kostprobe vom Schauspielhaus Bochum mit ihrem Singspiel „Bochum“. Redaktioneller Plan, alles drei bis fünf Minuten ein neues Ereignis, unterschiedliche Kameraperspektiven, Regie und Moderation machten das Ganze zu einem abwechslungsreichen Livestreaming-Erlebnis.

„Es soll Fernsehen sein – eine richtige Show mit vielfältigen Elementen, unterhaltsam, trotzdem mit viel Inhalt, ein Dutzend Gäste, mehrere Kameraperspektiven. Es darf nichts kosten, wird aber weltweit ausgestrahlt und mit Produktionsmitteln hergestellt, die wir bereits im Büro besitzen und die mit wenig Personal bedient werden. Big Show – low budget“, beschreibt TV-Journalist Kai Rüsberg die beiden Sendungen, die er produzierte und für die er Regie führte: „Wir wollten unbedingt raus aus dem Studio – live mit Außenreportagen und per Einspielfilm, um einen Zeitsprung zu realisieren.“

Jeweils ein Dutzend Positionen standen auf dem Sendelaufplan. Das Team war minimal: ein Redakteur, der auch als Produktionsleiter und Regisseur fungierte und zusätzlich der Kameramann für die Außenreportagen war. Dazu ein Hangout-erfahrener Moderator, der zusätzlich die Kamerapositionen am Regiepult schalten musste und einen Blick auf die Zuschauerreaktionen hatte. Außerdem ein Praktikant, der die Gäste in die Sendung lotste und als Regieassistent einen Blick auf den Ablaufplan hielt. Für die Außenreportage stand eine gänzlich TV-unerfahrene Reporterin vor einer echten Herausforderung. Nicht viel Personal für zwei Live-Sendungen mit je einem Dutzend Sende-Elementen und einem Dutzend Studiogästen.

Sendeplan schnell umgestellt
Sendeplan schnell umgestellt

„Von der ersten Minute an war es hektisch. Gesendet werden sollte in den Pausen der Veranstaltung. Doch die überzog um 20 Minuten. Unser ‚Stargast‘ Sarah Wiener stand dafür um so pünktlicher im improvisierten Studio und drohte wieder zu verschwinden. Also starteten wir die Übertragung, obwohl weit und breit keiner der übrigen Gesprächspartner zu sehen war. Reporterin und Kameramann rückten ab zur Außenposition, der Platz des Regisseurs war daher verweist. Für die Außenübertragung aus einem entfernten Saal musste das Smartphone zuerst in ein neues WLAN-Netz eingebucht und dann in dem Hangout wieder angemeldet werden. Weil der Platz für die Bildregie verweist war, hätte in diesem Moment der Moderator den Ton wegschalten müssen – während er mitten im Gespräch war. Überfordernd. Dadurch störten die Nebengeräusche der Außenreportage den Sendeton für ein bis zwei Minuten“, kommentiert Rüsberg das Geschehen.

Und auch die Bildregie konnte der Moderator nicht wie geplant übernehmen, während er durch die vielen Laufplan-Positionen mit durchaus anspruchsvollen Interviews führte.

„So kam es während eines Interviews dazu, dass die Kameraposition Hangout-typisch automatisiert ständig hin- und hersprang: durch den Ton gesteuert. Im Sendebild war leider zumeist nicht die Totale, sondern die Moderatorenkamera zu sehen. Der Interviewgast war dann nur angeschnitten im Bild. Auch das zweite Highlight der SocialTV-Show bereitete Probleme. Ein irrtümlich freigeschaltetes Mikrofon sorgte für einen ungeplanten Echo-Effekt bei dem Musik-Gig des Schauspielhauses Bochum. Und dabei wird auch ein Problem von Hangout sichtbar. Durch die geringe Bildwiederholrate der Google-Übertragung wirken schnelle Handbewegungen an der Gitarre abgehakt und unnatürlich“, bemerkt der TV-Profi.

Charme des Unperfekten

Doch Kritik von der Crowd gab es nicht. Das Unperfekte gehört bei SocialTV dazu. Im Gegenteil: Viel wohlwollendes kam über die verschiedenen Social Media Kanäle zurück. Es zählt das „Gesamtkunstwerk“:

„Was Sie da gemacht haben mit geringem technischem Aufwand, da hätten wir vom Bayerischen Rundfunk eine Großübertragung daraus gemacht. So viele Gesprächsgäste und dazu noch Außenreportagen. Das ist beeindruckend, was heute mit der Hilfe des Internets möglich ist“, meint ein Wirtschaftsredakteur des BR.

Und ein Konzernsprecher sagte uns:

„Wir machen auch Live-Streams von unseren Bilanzpressekonferenzen. Die Übertragungen kosten ein paar Tausend Euro plus Kamerateam. Aber solche moderierten Live-Shows sind wirklich auch sehr interessant.“

Google-Experte Frank Schulz postet:

„Hangout on Air wird erwachsen… Sieht gut aus.“

Die Technik ist noch lange nicht ausgereizt.

„Social TV steckt in den Kinderschuhen. Besser gesagt, die Möglichkeiten und der gewaltige ‚Bums‘ dahinter sind noch nicht im Ansatz erkannt. Das mag mit der mangelnden Beweglichkeit der ‚alten‘ Bewegtbild-Generation zusammen hängen, kann aber natürlich auch mit der natürlichen Angst vor Veränderung und Marktneudefinition erklärt werden. Eines scheint sicher: Die Entwicklungen bei Social TV, Hangout & Co. werden die lokale Berichterstattung und das Segment der Spartensender komplett verändern. Wie sich in diesem Umfeld lokale Tageszeitungen, Radiosender und auch die großen privaten und öffentlichen Sendeanstalten entwickeln bleibt abzuwarten“, kommentiert Frank Michna von der MSWW PR-Agentur.

Denkt man das Thema einmal bis zum Ende, so entwickelt sich hier ein ungeheures Potential, das aber wiederum zu erheblichen Verschiebungen in der uns heute bekannten Berichterstattung führen werde:

„Das Senden und Empfangen wird noch einmal neu definiert, der Live-Charakter stellt ganz neue Anforderungen an alle Beteiligten. Das wird spannend“, so die Reaktion von Michna.

Martin v. Berswordt-Wallrabe, Kommunikationsmanager von Berswordt-Wallrabe & Partner in Düsseldorf, lobt den Mut zur Spontanität und den effizienten Einsatz von „kleiner Technik“:

„Inhalte und Atmosphäre stehen im Mittelpunkt.“

Und Peter Mock meint, dass es der richtige Weg sei.

„Journalismus allein ist zu wenig. Der Nutzer will dabei sein, wenn ihn etwas interessiert.“

Fachlich betrachtet waren die Social TV-Shows auch aus Sicht von Kai Rüsberg ein Riesenerfolg:

„Ein Erfolg, weil es zeigt, wo engagiertes Social TV inzwischen angekommen ist. Emotionales, spontanes Live-Video mit verschiedenen Kamerapositionen und Außenübertragungen – alles Low-Budget. Man kann sich ausmalen, was mit diesem Setup noch alles möglich ist. Ich denke an moderierte Veranstaltungsbegleitung oder an Supra-Lokalfernsehen auf Stadtteilebene.  Ich werde das ausprobieren. Mitstreiter willkommen.“

Kleiner Auszug aus dem Kapitel “Social TV und die Kultur der Beteiligung” unseres Livestreaming-Buches, das am 4. September im Hanser Verlag erscheint. Gehet hin und erfreut uns mit unendlich vielen Vorbestellungen.

Vom Charme der eigenen Social TV-Show – Gespräch mit @ruhrnalist #Bloggercamp.tv

Es geht auch ohne Megaphon
Es geht auch ohne Megaphon

Wenn man sich anschaut, welchen Aufwand diverse TV-Piratensender in den 70er Jahren mit simpler Videorekorder-Technik treiben mussten, um über „Open Channel“ einige Häuser im eigenen Stadtviertel erreichen zu können, wird man den Unterschied zu den Optionen von Diensten wie Hangout on Air schnell erkennen. Damals reichte der Radius nur bis zu regionalen Initiativen, Protestaktionen und Nachbarschaftsfesten.

Heute ist beides möglich: Jedermann-TV für die Nachbarschaft – also hyperlokale Formate, die beispielsweise der Marketingexperte Günter Greff für seinen neuen Heimatort Perinaldo in Ligurien plant – und Formate mit internationaler Ausrichtung. Mobil und stationär sind die Möglichkeiten zum Senden und Empfangen von Audio- und Videobeiträgen nahezu unbegrenzt.

Darüber spreche ich ab 16 Uhr mit dem TV-Journalisten Kai Rüsberg aka @ruhrnalist.

Wer mitdiskutieren möchte, sollte die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus benutzen. Man hört und sieht sich gleich 🙂

Zum Thema: Handwerkszeug für digitale Autodidakten.

Live-Show mit Unterhaltungswert – Social-TV mit Hangout on Air #gls40

Social-TV-Studio beim #GLS40 Kongress in Bochum
Social-TV-Studio beim #GLS40 Kongress in Bochum

Jede öffentliche Veranstaltung würde sich für Live-Hangouts eignen, meint Norbert Bolewski in einem Blogbeitrag für die Fernseh- und Kinotechnische Gesellschaft. Das schaffe auch Transparenz in der Gesellschaft.

„Es bietet die Möglichkeit, alles öffentlich zu machen. Man kann über alles berichten was man möchte, um auch gesellschaftliche Prozesse auszulösen oder darzustellen. Bürgerinitiativen sind ein Beispiel. Die Bürgerveranstaltungen mit Infos über die havarierte Atommüllkippe Asse bei Wolfsburg ist eines davon. Man hat auch die Möglichkeit der Archivierung, und kann sich die Diskussionen erneut später in Ruhe anschauen. Es gibt keine rechtlichen Regelungen, wie beispielsweise bei öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, was die Dauer der Verfügbarkeit anbelangt“, schreibt Bolewski und meint damit den Zwang zur Depublizierung, den wir in mehreren Bloggercamp.tv-Sendungen über die Greenscreening-Technik ausgetrickst haben.

In den vergangenen Jahren gebe es aber auch bei der technischen Qualität enorme Fortschritte. Das erkenne man deutlich bei Livestreams im so genannten Content Marketing. Bolewski erwähnt das durchgängige TV-Angebot zur Kieler Woche, das von Audi gesponsert wurde – mit Beiträgen, Zusammenfassungen, Berichten und Ausblicken und täglich live. Ein weiteres Beispiel ist die Staatsoper in München. Als Sponsor konnte die Linde-Gruppe gewonnen werden. Die Livestreams werden bevorzugt gerne im amerikanischen und asiatischen Raum gesehen.

„Es handelt sich hier bereits mehr um eine professionelle Übertragung mit sechs Kameras und zig Mikrofonen.“

Livestreaming biete die Möglichkeit, sich sozial zu vernetzen und durch das Social Web Kommunikationsprozesse neu zu steuern.

„So wurde vor drei Jahren schon ein ganzes Fußballspiel live in Facebook übertragen. Man musste dazu den Like-Button auf der Fanpage eines Bierherstellers anklicken. Die technische Qualität war eher als schlecht zu bezeichnen. Trotzdem hatte der Bierhersteller von einem Tag zum anderen 10.000 mehr Fans auf seiner Webpage. Die Werbewirkung war größer als es je ein deutscher Fernsehsender zu bieten vermag. Das hat übrigens viele Nachahmer gefunden. So überträgt der DFB Livestreams zum Frauenfußball“, weiß der Autor.

Weltweite Angebote gibt es für Cricket-Enthusiasten und selbst die Floorball-Weltmeisterschaft in Hamburg wurde live übertragen – so eine Art Hallen-Hockey mit Eishockeyschlägern.

Kompaktes Live-Programm mit wenig Technik
Kompaktes Live-Programm mit wenig Technik

Social-TV auf dem Niveau einer Magazinsendung zelebrierte Bloggercamp.tv in Live-Hangouts auf der Generalversammlung der GLS Bank im Ruhr Congress. Mit zwei Laptops, zwei Logitech-Kameras, einem Mikrofon mit Behringer-Mischpult und einem Smartphone machten wir in zwei Sendungen in jeweils knapp 30 Minuten Außenreportagen, vorproduzierte Einspieler und Interviews mit Vorständen, Filialleitern, Gründungsmitgliedern der ersten sozial-ökologischen Universalbank, wichtigen Kunden sowie Prominenten wie die Starköchin Sarah Wiener.

Wir stellten Bioprodukte vor und übertrugen eine musikalische Kostprobe vom Schauspielhaus Bochum mit ihrem Singspiel „Bochum“. Redaktioneller Plan, alles drei bis fünf Minuten ein neues Ereignis, unterschiedliche Kameraperspektiven, Regie und Moderation machten das Ganze zu einem abwechslungsreichen Livestreaming-Erlebnis.

Sendeplan: Szenenwechsel im Drei-Minuten-Takt
Sendeplan: Szenenwechsel im Drei-Minuten-Takt

Zwei überraschende Reaktionen kamen direkt nach unserem kleinen Experiment:

„Was Sie da gemacht haben mit geringem technischem Aufwand, da hätten wir vom Bayerischen Rundfunk eine Großübertragung daraus gemacht. So viele Gesprächsgäste und dazu noch Außenreportagen. Das ist beeindruckend, was heute mit der Hilfe des Internets möglich ist“, meint ein Wirtschaftsredakteur des BR.

Und ein Konzernsprecher sagte uns:

„Wir machen auch Live-Streams von unseren Bilanzpressekonferenzen. Die Übertragungen kosten ein paar Tausend Euro plus Kamerateam. Aber solche moderierten Live-Shows sind wirklich auch sehr interessant.“

Hangout on Air ist noch längst nicht ausgereizt für Livestreaming-Experimente 🙂

Das alles könnt Ihr natürlich in unserem Livestreaming-Buch nachlesen. Ab dem 4. September.

Weiterer Auszug aus dem Buch:

Über den Piratensender der Regierungschefin.

Countdown für Social TV: 40 Jahre GLS Bank in Bochum #gls40

Ab 13 Uhr Ausblick auf unsere zwei Sessions, die wir live von der Generalversammlung der GLS Bank im RuhrCongress in Bochum übertragen – Gespräch mit @ruhrnalist.

Erste Session: 16:50 bis 17:20 Uhr.

Zweite Session: 18:40 bis 19:10 Uhr.