Schumpeter und der Strukturwandel zur digitalen Ökonomie

Kurzfassung: Wir ergehen uns in industriepolitisch motivierten Abwehrschlachten und vergeuden damit eine Menge Zeit beim Umbau der Arbeitswelt. Wenn wir uns mit Konjunkturprogrammen und Abwrackprämien beschäftigen, sollten wir das noch einmal genauer reflektieren: Ein Phänomen, das Joseph Schumpeter schon den 1920er Jahren feststellte. Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten? Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Prozesse beruhte.

Welchen wirtschaftlichen Strukturwandel erleben wir in Deutschland und wie wirkt sich das auf die Zukunft der Arbeit aus? Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte ist dabei hilfreich. Etwa die Abhandlung des Nationalökonomen Joseph A. Schumpeter„Die Tendenzen unserer sozialen Struktur“ aus dem Jahr 1928 (Schumpeter 1993, S. 177–193). 

Hier untersucht Schumpeter die Diskrepanz zwischen der Wirtschaftsordnung Deutschlands und der Sozialstruktur. Die Wirtschaftsorganisation war kapitalistisch, die deutsche Gesellschaft war aber in ihren Gebräuchen und Gewohnheiten nach wie vor in ländlichen, ja sogar feudalen Denkweisen gefangen – heute sind es industriekapitalistische Rezepte in einer digitalisierten Ökonomie. 

Zur Reichsgründung 1871 haben nahezu zwei Drittel der Bevölkerung auf Gütern oder Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern gelebt, noch nicht einmal 5 Prozent in Großstädten von mehr als 100.000 Einwohnern. Bis 1925 hatte sich der Anteil der Stadtbewohner verfünffacht, während der Anteil der Landbevölkerung um die Hälfte zurückgegangen ist. Ursache war vor allem ein sprunghafter Anstieg der Agrarproduktivität. Während 1882 in Deutschland nur 4 Prozent der kleinen Landwirtschaftsbetriebe Maschinen einsetzten, waren es 1925 schon über 66 Prozent. Die Mechanisierung löste eine Landflucht aus und trieb die Landarbeiter in die Städte.

1927 erschien „Die sozialen Klassen im ethnisch homogenen Milieu“: Ein wegweisender Beitrag zur noch jungen Disziplin der Soziologie (Schumpeter 1927). Schumpeter selbst zählte den Aufsatz zu den wichtigsten Werken, was aus Notizen hervorgeht, die er gegen Ende seiner Forschungstätigkeiten schrieb. Grundthese: Der Klassenstatus ist das Ergebnis vorhergegangener Ereignisse und daher anachronistisch. Er weist daraufhin, dass die meisten reichen Familien, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts an der Spitze der Gesellschaft gestanden haben, drei Generationen später dort nicht mehr zu finden waren.

1. Die Kunst der Kombinatorik

Man könnte annehmen, dass nach der protestantischen Ethik von Max Weber vernünftige Sparsamkeit, eine bescheidene Lebensweise und der Erhalt einer soliden Grundlage für Unternehmen ausreichend seien, um an der Spitze zu bleiben. Schumpeter vertritt jedoch die These, jede Firma, die sich auf eine derartige Routine beschränkt, werde schon bald von offensiver agierenden, risikofreudigeren, wettbewerbsorientierten Unternehmen verdrängt werden.

Die Einführung neuer Produktionsmethoden, die Erschließung neuer Märkte, überhaupt die erfolgreiche Durchsetzung neuer geschäftlicher Kombinationen hat Fehlerquellen, Risiken und begegnet Widerständen, die in der Bahn der Routine fehlen.

In seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ schreibt Schumpeter: Erfolge habe in erster Linie jener, der das Neue am besten organisiert. Die Deutschen verstanden es im 19. Jahrhundert besser als die Briten, die Textilindustrie zu organisieren, selbst wenn sie wenig zu deren maschineller Technologie beitrugen.

Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus. Innovationen entstehen eben nicht nur durch Erfindungen: 

„Nur dann erfüllt er [der Unternehmer; GS] die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“ (Schumpeter 2006, S. 174)

2. Konzepte für die postindustrielle Epoche 

Wer die ökonomische Welt nur in Aggregatzuständen betrachtet, verliert die wesentlichen Quellen wirtschaftlicher Kreativität und technologischer Entwicklungssprünge aus dem Auge. Das ist das Manko von Makroökonomen. Sie unterschätzen die tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle von unvorhersehbaren Innovationen, die zu nachhaltigen Veränderungen einer Volkswirtschaft beitragen. 

Wir setzen keine Akzente in der Wirtschaftspolitik, um uns von den Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser ausdrückt (Abelshauser 2004, S. 453).

Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten? Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, „dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierten Stoffumwandlungsprozessen beruhte“, schreibt Abelshauser. 

1980 zählte der Industriesektor das erste Mal nicht mehr zur dominanten Branche in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Den Gipfelpunkt hatte das produzierende Gewerbe 1960 erreicht, seitdem geht es stetig bergab. Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. 

„Die Re-Industrialisierung hat vom Ton her etwas reaktionäres und gehört zur Vorstellungswelt der Volksparteien, die sich hier sehr einig sind. Sie sind in der Industriegesellschaft geboren worden und sind mit der Kultur der Industriegesellschaft eng verhaftet. Sie haben ein mechanistisches Menschenbild und gehen davon aus, dass Fabriken leichter zu kontrollieren sind. Mit der neuen Welt der Wissensgesellschaft können sie sich nicht anfreunden“, kritisiert brandeins-Autor Wolf Lotter.

Warum transportieren eigentlich Organisationen wie das Institut der deutschen Wirtschaft dann immer noch das Märchen von der heilsamen Wirkung der Re-Industrialisierung? Warum ist das so? Nach Ansicht von Schumpeter liegt es an Wirtschaftswissenschaftlern, die sich in erster Linie mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen, Konsumenten, die Rolle von staatlichen Institutionen und die Wirkung von Gesetzen verschwinden aus dem Blickfeld. Vor allem die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt. 

Wir brauchen aber mehr Unternehmer, die das Neue organisieren und durchsetzen. Die Neukombination beruht nur wenig auf Faktoren, die von außen einwirken. Das Ganze ist primär auch kein Preisproblem. Es liegt am unternehmerischen Können und Wollen. Das Problem liegt auch in der klassischen Sichtweise von Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftspolitik und Managementdenken: Ohne Neuerungen lassen sich zwar mit den klassischen makroökonomischen Instrumenten kurzfristig Wachstum und Beschäftigung erzeugen. Die Konsequenzen sind nach der Logik von Schumpeter für eine Volkswirtschaft allerdings fatal: Innovationsarmut erzeugt Einkommensarmut.

3. Perspektiven für den Homo Digitalis

Wenn es um die Netzökonomie geht, kommen wir mit dem geistigen Fundus der traditionellen Ökonomik nicht weiter: Wir sollten uns mit der Frage auseinandersetzen, ob wir in Deutschland mit der Digitalisierung wirklich nur Effizienz können und bei Innovationen versagen, wie es Detecon-Analyst Marc Wagner ausdrückt: „Beim Aufsetzen von Effizienzprogrammen und bei inkrementellen Verbesserungen sind wir in Deutschland total gut. Darauf sind wir konditioniert. Da werden die letzten fünf Prozent an Effizienz herausgeschwitzt. Was Unternehmer wie Robert Bosch gut konnten, das haben wir verlernt.“ Als aktionistische Ausweichaktion gründet so ziemlich jedes Unternehmen etwas und dem Stichwort ‚Lab‘ oder ‚Garage‘. Davor steht dann meistens ‚Digital‘. Beheimatet sind die Zukäufe oder Neugründungen meistens in San Francisco, Tel Aviv oder Berlin. „Man erhofft sich in einem fancy Umfeld tolle radikale Innovationen. Ausgestattet mit einem dicken Budget soll der Anschluss an Unternehmen in den USA, in Asien und Israel gelingen. Es geht aber in diesen Labs primär nur um den Anfang von Innovationen. Es geht um die Frage, mit welchen Ideen die Firmen antreten könnten. Die Umsetzung ist häufig ausgeklammert“, bemerkt Wagner. 

Das sei abhängig vom ‚Rest‘ der Organisation, und die beäugt das Lab-Spektakel kritisch. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden Gehälter gekürzt, Konstrukte zur Kostensenkung in Gang gesetzt und Rationalisierung im Kundenservice durchgesetzt.  „In den Labs ballert man das Geld raus, pumpt den Kollegen die Finanzmittel in den Hintern, scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um die Gestaltung des Arbeitsumfeldes und in der Stamm-Organisation geht, sitzen alle wie die Hühner auf der Stange. Solche Diskrepanzen motivieren nicht zur Umsetzung neuer Ideen.“ Einen weiteren Grund für die mangelhafte Innovationskultur sieht Wagner im klassischen Management, die er vor allen Dingen in Konzernen feststellt. Da werde viel von Innovationen und visionären Ideen gesprochen. In Wirklichkeit gehe es um eine gnadenlose Kapitalmarktorientierung und kurzfristige Optimierungen von KPIs – also Leistungskennzahlen, mit denen Mitarbeiter gegängelt werden. Da sei kein Platz für innovative Ideen. Die Hipster in den Labs sind eher Feigenblatt-Einheiten, die beim nächsten Vorstandswechsel wieder rausfliegen.

Irgendwann schlägt der Chef-Controller zu und macht die digitalen Ableger dicht. In deutschen Unternehmen gibt es extrem viele Manager, die dafür exzellent ausgebildet sind. Wir finden viele Controller, Finanzexperten und Juristen, die mit dem Kapitalmarkt umgehen können und die am Reißbrett von einer Restrukturierung zur nächsten jagen. Unternehmerischer Sachverstand ist im Top-Management aber Mangelware (Wagner/Sohn 2017).

Was macht also einen Unternehmer konkret aus, der es vermag, die Wirtschaft in neue Bahnen zu lenken? Heute müsste man fragen, wer ist wirklich ein Homo Digitalis, der im 21. Jahrhundert Akzente setzen kann? Es geht dabei um das schöpferische Gestalten und nicht um das passive Konsequenzen ziehen. Professor Reinhard Pfriem bringt Neugründungen ins Spiel, die die Welt wirklich besser machen. Nicht nur marktschreierisch, wie es Google & Co. im Gebetsmühlen-Jargon betonen. Pfriem setzt auf Social und Sustainable Entrepreneurship. Transformative Unternehmen sollten nicht-nachhaltiges Wirtschaften aus der Welt schaffen. Automobilindustrie, Energiewirtschaft und auch die Ernährungs- und Landwirtschaft verweigern sich, hier die nötigen schöpferischen Zerstörungen durchzuführen. „Das Zerstörerische muss zerstört werden, bessere additive Technologien reichen nicht aus“, kritisiert Pfriem (Sohn 2019). 

Literatur

Abelshauser, Werner (2004): Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von 1945 bis zur Gegenwart. München. C.H. Beck. 

Andersen, Esben Sloth (2015): Joseph A. Schumpeter – Eine Theorie der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Evolution. Berlin. Duncker & Humblot. 

Dahlmann, Jesko (2017): Das innovative Unternehmertum im Sinne Schumpeters: Theorie und Wirtschaftsgeschichte. Marburg. Metropolis.

Hedtke, Ulrich (1997): Desiderata der deutschen Schumpeter-Edition – Zur Neuveröffentlichung der nachfolgenden Reden Schumpeters. In: Berliner Debatte Initial 8, S. 57-92.

Lotter, Wolf/Sohn, Gunnar (2012): Gunnar Sohn im Interview mit Wolf Lotter. In: Sohn, Gunnar, Wolf Lotter und die Dampfmaschinen- Ideologie https://ichsagmal.com/2012/10/24/wolf-lotter-und-die-dampfmaschinen-ideologie-der-liebwertesten-industrie-gichtlinge/ (24.10.2012)

McCraw, Thomas K. (2008): Joseph A. Schumpeter – Eine Biographie. Hamburg. Murmann. 

Schneider, Erich (1970): Joseph A. Schumpeter – Leben und Werk eines großen Sozialökonomen. Tübingen. J.C.B Mohr. 

Schumpeter, Joseph A. (1927): Die sozialen Klassen im ethnisch homogenen Milieu. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Tübingen. Mohr. 

Schumpeter, Joseph A. (1993): Aufsätze zur Tagespolitik. Hrsg. und kommentiert von Christian Seidl und Wolfgang F. Stolper. Tübingen. J.C.B. Mohr. 

Schumpeter, Joseph A. (1994, orig. 1942): Capitalism, Socialism and Democracy. London/New York: Routledge.

Schumpeter, Joseph A. (2006, orig. 1912): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung: Nachdruck der 1. Auflage von 1912. Hrsg. und erg. um eine Einführung von Jochen Röpke und Olaf Stiller. Berlin: Duncker & Humblot.

Sohn, Gunnar (2019): Das Zerstörerische kreativ zerstören – Wünsche an den Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen @rafbuff. Berlin: Netzpiloten-Magazin https://www.netzpiloten.de/agentur-fuer-sprunginnovationen/ (24.10.2019)

Swedberg, Richard (1994): Joseph A. Schumpeter. Eine Biographie. Stuttgart: Klett-Cotta.

Wagner, Marc/Sohn, Gunnar (2017). Gunnar Sohn im Interview mit Marc Wagner. In: Wenn in Unternehmen nur noch Effizienz ausgeschwitzt wird. https://www.netzpiloten.de/unternehmen-effizienz-labs/ (25.08.2017)

Vom MP3-Debakel zum Olymp der Sprunginnovationen? #Zukunftstaucher @rafbuff

Mit einer Agentur für Sprunginnovationen will die Bundesregierung aus der exzellenten Grundlagenforschung in Deutschland Impulse für die Volkswirtschaft ableiten. „Zahlreiche Erfindungen, die völliges Neuland eröffnen und ganze Märkte umkrempeln können, sind in Deutschland entstanden, scheitern jedoch häufig noch in der Anwendung. Die neue Agentur zielt darauf ab, aus diesen hochinnovativen Ideen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft auch erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze in Deutschland entstehen zu lassen“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. 

Fahndungsauftrag 

Die Agentur verfolgt einen personenzentrierten Ansatz. Sie setzt auf hochkompetente und kreative Innovationsprotagonisten, die zeitlich befristet in der Agentur tätig sind und besondere Handlungsfreiräume genießen. Sie können nach Angaben der Bundesregierung Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit Sprunginnovationspotential von der Idee möglichst bis hin zur Anwendung auswählen, steuern und – je nach Projektverlauf – beenden oder fortsetzen. Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen setzen die Vorhaben um. Geförderte Ideen werden über Ausgründungen, durch Unternehmen oder auch durch den Staat selbst, im Rahmen der öffentlichen Beschaffung verwertet und in den Markt eingeführt.

Die Mitarbeiter der Agentur sollen nach innovativen Ansätzen in der Wissenschaft fahnden und Erfinder ermuntern, ihre Ideen auch in der Praxis umzusetzen. Bis zum Ende der Legislaturperiode stellen Bundesforschungs- und Bundeswirtschaftsministerium dafür mindestens 151 Millionen Euro bereit. Für die gesamte Laufzeit der Agentur – zehn Jahre sind geplant – wird mit einem Mittelbedarf von rund einer Milliarde Euro gerechnet.

Das deutsche Trauma

„Dass der Bund nun eigens eine Agentur zur Förderung solcher Entwicklungsschritte gründet, hat auch mit einem deutschen Trauma zu tun, das in der Regierung seit Monaten immer wieder zitiert wird: die Geschichte des MP3-Players. Die Technik für dieses Gerät wurde schon in den achtziger Jahren in Deutschland entwickelt, von einer Gruppe von Forschern um Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut in Erlangen und der dortigen Universität. Damit viel Geld verdient haben später allerdings nicht deutsche Unternehmen, sondern in erster Linie die asiatischen Elektronikkonzerne“, schreibt die FAZ. Das dürfe nicht noch einmal passieren, betonte vor einigen Wochen die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Nur waren es nicht Firmen in Asien, die MP3 zur Entfaltung brachten, sondern Apple mit ihrem kongenialen Chef Steve Jobs. Und es waren nicht in erster Linie neue Erfindungen, die Jobs erfolgreich auf dem Markt etablierte, sondern Kombinationen von bestehenden und neuen Technologien. Der Apple-Mitgründer entsprach dem innovativen Unternehmen, wie ihn der Ökonom Joseph Schumpeter in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben hat – vor über 100 Jahren:

„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“

Kombinatoriker müssen keine Erfinder sein 

Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Steve Jobs und seine Entwickler folgten konsequent dem Less-and-More-Diktum des legendären Industriedesigners Dieter Ram, der in den 1960er und 1970er Jahre bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugte neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das mobile Internet und für den Tablet-Markt gelungen. 

Gelingt so etwas mit einer staatlich initiierten Agentur für Sprunginnovationen? 

Verrückte Persönlichkeiten vonnöten 

Dazu braucht man charismatische und ein wenig verrückte Persönlichkeiten, die Neues durchsetzen, intelligenter organisieren und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Es sind nicht nur Unternehmer, die das schaffen, sondern auch Beamte wie der Generalpostmeister Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts unter Reichskanzler Otto von Bismarck aus Berlin ein Silicon Valley der Telekommunikation machte. Er erfand die Postkarte, gründete die Reichsdruckerei, das Postmuseum (heute: Museum für Kommunikation) sowie den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein) und forcierte erst in Deutschland, dann in der ganzen Welt den Aufbau der modernen Telegraphie. Stephan erkannte als einer der Ersten die politische und wirtschaftliche Relevanz des Telefons als Medium der Echtzeit-Kommunikation. So einen könnte die neue Agentur, die Anfang des nächsten Jahres ihre Arbeit aufnimmt, gut gebrauchen. 

Propheten der Innovation brauchen wir nicht  

Als Vorbild dient der Bundesregierung die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) in den USA.

Als bekanntestes und erfolgreichstes Projekt kann das ARPANET angesehen werden, aus welchem das Internet hervorging. Welche Persönlichkeiten brauchen wir für Innovationen? brand eins-Autor Wolf Lotter hat im vergangenen Jahr auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal einige ins Spiel gebracht, die man möglichst meiden sollte. 

Etwa Propheten, die es in Glaubensgemeinschaften, in der Dogmatik und in der Ideologie gibt. „Entweder Du machst mit oder Du landest in der Hölle. Ich bin gut und Du bist böse, hier ist mein Evangelium. Das sind die nicht sehr anschlussfähigen Damen und Herren, die in ihren Bubbles leben und den anderen die Welt erklären“, so Lotter. 

innovate or die-Gelaber 

Es sind Bühnenkünstler, die von Disruption und kreativer Zerstörung labern, aber Clayton M. Christensen oder Schumpeter nie im Original gelesen haben. Es sind alarmistische Lautsprecher, die vom Darwinismus schwadronieren, aber die Evolutionstheorie schlicht nicht verstehen. Als weiteren Vertreter der Innovationstypologie benennt Lotter den Eroberer. Er folgt dem Propheten auf dem Fuß und erklärt Innovationen zum Maß der Dinge. Religionskriege, ideologische Eroberungen aber auch die darwinistische Variante des „innovate or die“ sind sein Credo. „Wer sich nicht digitalisiert, ist von gestern und dessen Unternehmen wird sterben. Das sind die Sprüche, die wir kennen“, erläuterte Lotter auf der Keynote Arena der Zukunft Personal-Messe: Artificial intelligence sofort einführen und zum Segen der Industrie erklären. Wer noch ein paar Fragen zur Sinnhaftigkeit hat, ist von vorgestern und hat nichts kapiert. 

Fragen zur Intelligenz nicht erwünscht 

Dass mit der Unterscheidung von natürlicher und künstlicher Intelligenz noch nicht alles geklärt ist, sei dahingestellt. Auch das Rätselraten von Biologen und Neurologen bei der Erklärung von natürlicher Intelligenz darf die KI-Verkäufer nicht stören. Alles nur Marketinggeschwurbel, kritisiert Lotter.  Selbst Erfinder werden uns wohl nicht mit volkswirtschaftlich relevanten Sprunginnovationen beglücken. Sie verbohren sich in ihrem Fach, so Lotter. Ihre Metamorphose endet im Fachidiotentum. 

Ich habe Patente, also bin ich?

Das systematische und planmäßige Erfinden in Konzernen produziert nach Auffassung von Lotter zuverlässig eine Vielzahl an Patententen und Rechten, der Wirksamkeit allerdings fraglich ist, lieber FDP-Bundestagsabgeordneter Thomas Sattelberger. Da helfen dann auch nicht Erbsenzählereien in irgendwelchen Studien zur KI-Forschung weiter. Lotter verweist auf die amerikanische Innovationsforscherin Rosabeth Moss Kanter, die dieses Dilemma sehr schön auf den Punkt bringt: Meistens folgen den großartigen Innovationsankündigungen mittelmäßige Ausführungen, die anämische Resultate nach sich ziehen. Irgendwann schlägt dann das Controlling zu. Moss Kanter nennt diese Vertreter „Innovations-Ersticker“. Welche Typologien sind besser?

Lotter nennt sie Erkenner und Ermöglicher. Also Persönlichkeiten, die Ideen aufsaugen, orchestrieren und kombinieren. Sie führen keinen Krieg gegen Talente, sie belohnen nicht Opportunismus, sondern Individualismus. Ich bin gespannt, ob wir das mit der neuen Agentur hinbekommen. Die Ansätze des Gründungsdirektors Rafael Laguna de la Vera ein paar Antworten und werden von mir in einem ausführlichen Beitrag für die Netzpiloten in den nächsten Tagen gewürdigt.

Bei unserem Schumpter-Abend am Montag in Bonn werden wir das vertiefen. Kommt vorbei (Ettighoffer Str. 26a, 53123 Bonn):

#Schumpeter sieht die Ökonomie nicht als Glasperlenspiel, sondern als sozialwissenschaftliches Phänomen #NEO19x

„Die Informationstechnologie ist möglicherweise nicht mit einer Marktwirtschaft vereinbar, zumindest nicht mit einer Wirtschaft, die in erster Linie von Marktkräften reguliert wird.“ Diese These von Paul Mason elektrisiert nicht nur den Autor Professor Lutz Becker, sondern ist sinnbildlich für den Forscherdrang aller Wirtschaftswissenschaftler, die am Band „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“ (Provisionslink) mitgewirkt haben – der Autor dieser Kolumne zählt dazu (Disclaimer).

Schumpeter eignet sich in besonderer Weise dafür, auch die aktuellen netzökonomischen Tendenzen unserer Volkswirtschaften zu diskutieren, ohne profan beim Begriff der „schöpferischen Zerstörung“ stehen zu bleiben, wie es fast alle sogenannten Keynote Speaker für die digitale Transformation betreiben. Sie zitieren Schumpeter, sie lesen ihn aber nicht. Das ist schade. Denn Schumpeter sieht die Ökonomie nicht als Glasperlenspiel, sondern als sozialwissenschaftliches Phänomen. Darauf macht Lambert T. Koch im Vorwort des Schumpeter-Buches aufmerksam. Mit ihm gelingt es, die dogmatische Verkrustung der Ökonomik zu durchbrechen und sie wieder als entwicklungsoffene Wissenschaft zu formieren.

Befreiung aus der ökonomischen Statik

Heinz D. Kurz fragt in der Einleitung zurecht: Wie nur konnte die Profession Schumpeters Verdienste bei der Befreiung der ökonomischen Analyse aus der ökonomischen Statik und seine Pionierleitung bei der Durchdringung der Welt der Dynamik die gebührende Achtung versagen?“ Teilweise gilt das heute noch, wenn man beispielsweise sieht, wie Apologeten der Makroökonomie den Faktor der unternehmerischen Innovationen vernachlässigen. Selbst die Protagonisten der Europäischen Zentralbank könnten da noch etwas lernen. Lars Hochmann bringt es auf die Formel „Wer über Wirtschaft spricht, darf über Unternehmen nicht schweigen“ – vor allem von jenen Wirtschaftseinheiten nicht, die ihr Geld nicht mit finanzkapitalistischen Hütchenspielen „verdienen“. Letztere sollte man endlich mit einer satten Transaktionssteuer zur Kasse bitten, denn sie wirken kontraproduktiv für die Realwirtschaft.

Wichtig sei es zu verstehen, so Hochmann, dass Unternehmen nicht einfach nur neue Dinge den bestehenden Dingen hinzufügen. „Sie verändern absichtsvoll oder beiläufig, just durch ihr Tätigwerden, die gesellschaftlichen Verhältnisse und damit ihre eigenen erwerbswirtschaftlichen Bedingungen im Sinne strategischer Wettbewerbsvorteile.“ Es geht dabei nicht nur um Technologien, sondern um eine Veränderung der kulturellen Praxis. Innovationen können sich nicht nur zu ökonomischen Erdbeben entwickeln, sie können auch komplett das Staatengefüge verändern und als gesellschaftliche Interventionen wirken.

Vulgärkapitalist Thiel sollte Schumpeter studieren

Oder wenn man den vulgärkapitalistischen Vordenkern des Silicon Valley, wie dem Donald Trump-Adepten Peter Thiel, die kritischen Passagen von Schumpeter über den Laissez-faire-Liberalismus unter die Nase reibt. Schumpeter, so schreibt es Hans Frambach, übt harsche Kritik am Utilitarismus – also am reinen Nützlichkeitsdenken. Man dürfe die Gesamtheit menschlicher Werte nicht auf ein einziges Schema reduzieren und dabei das, was wirklich zähle, außen vor lassen. Es herrsche eine Philosophie, die an Flachheit nicht zu überbieten ist. Etwa wenn man vordergründige Korrelationen zwischen Intelligenz und hohem Einkommen konstruiert für ressentimentgeladene Ausfälle gegen Bundestagsabgeordnete (man braucht sich auf YouTube nur die Phrasendrescherei eines Unternehmensberaters anschauen, der danach lechzt, im AfD-Milieu möglichst viele Beifallsbekundungen einzusammeln).

Alles andere als flach sind Schumpeters Thesen vom Untergang des Kapitalismus, mit denen sich Lutz Becker auseinandersetzt. Sie können sogar dazu beitragen, mögliche Fehlentwicklungen und Risiken von Digitalisierung und der Plattformökonomie deutlich zu machen. „Bereits in den 1980er Jahren stellten meine akademischen Lehrer Reinhard Rock und Klaus Rosenthal fest: ‚Die Informationswirtschaft ist der pointierteste Ausdruck der ökonomischen Entwicklungsgeschichte, die sich jetzt allerdings in ihrem Fortschreiten zu radikalisieren scheint.‘ Ohne Zweifel ist die Digitalisierung, die Informationswirtschaft, inzwischen in unserem Leben angekommen“, schreibt Becker in seinem Beitrag für den Schumpeter-Band.

Die Moloch-Systeme des Silicon Valley

Inzwischen seien die digitalen Artefakte in unserer gesellschaftlichen und ökonomischen Lebenswelt allgegenwärtig. Dafür stehe Google, ein Unternehmen, das uns das Bedürfnis nach allgegenwärtigem Informiertsein und ubiquitärem Wissen erfüllt und uns durch die Straßen dieser Welt navigiert, und auch Facebook, eine Plattform, die unsere sozialen Kontakte managen will, oder Amazon, schon lange nicht mehr nur der digitale Buchhändler, sondern ein global agierender Moloch, der dabei ist, den gesamten Warenverkehr in den Unternehmen und um die Unternehmen herum unter seine Fittiche zu nehmen.

Wettbewerb sei etwas für Loser, propagiert der ewig leben wollende Investor Thiel – Wert schafft man in seiner Logik nur durch Monopole. Und dieser ideologische Überbau ist tatsächlich das ökonomische Schmiermittel im Silicon Valley. Die Plattformen der Internet-Giganten sind in der Lage, durch Internalisierung bestimmter ökonomischer und gesellschaftlicher Übereinkünfte, Regeln und Prozeduren, sowie deren Unterwerfung unter die eigenen Geschäftsmodelle (nennen wir es „take-over“), die Spielregeln von Märkten und Branchen, von Kultur und Gesellschaft, von Arbeit und Kapital, substanziell und radikal zu verändern und damit den Markt und in der Folge Gesellschaften digital zu kolonialisieren, nämlich spätestens dann, wenn die Plattformen faktische Voraussetzung zur Teilnahme an Markt oder Gesellschaft werden, erläutert Becker. „Netzöffentlichkeit“ würde ich noch ergänzen.

Plattformen vernichten Märkte

Becker spricht gar trefflich von der Marktfiktion, die die digitalen Plattformen erzeugen. Der Markt als sozio-kulturelle Veranstaltung verschwindet in den Untiefen der Plattform-Algorithmen. „Man mag nun angesichts des gerne beschworenen Begriffes vom ‚Digital Marketplace‘ meinen, dass Plattformen, wie Amazon, Facebook und Uber, die Funktionen des Marktes reproduziert und dazu noch zu einem größeren Angebot (durch Vergrößern des Marktes und Senken von Marktschranken), Effizienz (durch Senkung von Transaktionskosten und mehr Transparenz) geführt hätten“, so Becker. Das ist Mimikry.

Auf Chatbot- und KI- basierten Plattformen, insbesondere unter den Bedingungen von (Big-) Nudging sieht das anders aus. Es dominieren mehr oder weniger fest verdrahtete Sequenzen von Regeln, die sozio-technische Abläufe präzise strukturieren, automatisieren und/oder bewerten, um bestimmte ökonomische Ziele zu erreichen.

„Der Nutzer reagiert einseitig auf die Plattform, während auf der Plattform nur ein algorithmisches System, also in einem einseitig kontrollierten Prozess, eine Illusion wechselseitiger Kontingenz erzeugt wird, die mit einem ‚Verlust von Partitäten‘ einhergeht“, führt Becker aus.

Entscheidend ist also das Geschäftsmodell und nicht mehr, dass sich die Preise über Angebot und Nachfrage bilden (was sie sowieso nicht tun), sondern dass ein Algorithmus die Profitraten der Plattform maximiert durch Werbeeinnahmen oder Vertriebsprovisionen. Man könnte auch sagen, dass die Plattformen wie ein Schwarzes Loch den Markt ansaugen und verschlucken. Es bleibt einfach nichts mehr übrig. Also schnell den Schumpeter-Band besorgen und nach der Lektüre Pläne entwickeln, wie man Amazon und Co. zerschlagen kann. Ich verweise auf die Telekommunikation und den Energiesektor in den USA. Möglich ist das.

Oder sich mit meinem Kapitel beschäftigen. Es geht um die Bonn Phase im Leben von Joseph Schumpeter. Er lehrte ja von 1925 bis 1932 an der Bonner Uni: In dieser Zeit veröffentlichte binnen kurzer Zeit mehrere einflußreiche Aufsätze. Dazu zählt die 1928 im Economic Journal veröffentlichte Abhandlung „The Instability of Capitalism“. In ihm beschreibt er die dem Kapitalismus seiner Ansicht nach innewohnenden selbstzerstörerischen und diesen letztlich transzendierenden Kräfte, und nimmt damit eine Hauptidee seines knapp anderthalb Jahrzehnte später veröffentlichten Buches Capitalism, Socialism and Democracy (1942) vorweg.

„Schumpeter trägt in seinem Aufsatz dem Umstand Rechnung, dass es die von ihm verherrlichte Gestalt des ‚Unternehmers‘ immer seltener gibt. An die Stelle des Wettbewerbs-Kapitalismus sei der in Trusts vermachtete Kapitalismus getreten. Dieser ist gekennzeichnet durch eine Trennung von Eigentum und Kontrolle sowie die wachsende Bedeutung der neu entstehenden Kaste der Manager“, erläutert Kurz.

Die Aufsteiger-und Absteigertypen in einer vertrusteten Gesellschaft seien völlig andere als in einer Konkurrenzgesellschaft und der Unterschied überträgt sich schnell auf Motive, Stimuli und Lebensstile, führt Schumpeter aus. Es wirkt sich negativ für die ökonomische Wohlfahrt aus. Oder in den Worten von Wilhelm Röpke, der zu den Architekten der Sozialen Markwirtschaft gehörte: Es leidet die Mannigfaltigkeit – nachzulesen im Buch „Wilhelm Röpke – Wissenschaftler und Homo politicus zwischen Marburg, Exil und Nachkriegszeit“, erschienen im Metropolis-Verlag. In Märkten, die von ungesunden Machtstrukturen dominiert werden, leiden mittelständische Unternehmen und leidet auch die Kundschaft.

Brauchen wir also eine neue Wirtschaft? Damit beschäftigt sich Professor Lutz Becker in einem Meinungsbeitrag auf LinkedIn. Er wird das auf der Next Economy Open vom 26. bis 28. November vertiefen.

Und welche Antworten gibt Schumpeter auf die vertrustete Gesellschaft?

Das werde ich in einem amüsanten Bibliotheksgespräch mit dem WDR-Journalisten David Eisermann am 28. Oktober erörtern. Es beginnt um 19 Uhr in Bonn-Duisdorf, Ettighoffer Str. 26a, 53123 Bonn. Eintritt frei.

Hurra, das Schumpeter-Buch wird am 17. Dezember ausgeliefert – Euer Weihnachtsfest ist gerettet: Wünscht Euch das neue Ökonomie-Werk

Hans Frambach/ Norbert Koubek/ Heinz D. Kurz/ Reinhard Pfriem (Hrsg.):Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums. Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter
Lambert T. Koch:
Von Schumpeter lernen – Geleitwort

1. Innovationen und wirtschaftliche Entwicklung

Heinz D. Kurz:
Die Durchsetzung neuer Kombinationen, schöpferische Zerstörung und die Rastlosigkeit des Kapitalismus. Zur Aktualität Joseph A. Schumpeters

André Reichel:
Die Neuerfindung des Neuen. Soziale Innovationen in kollaborativen Innovationsprozessen

Birger Priddat:
Schumpeter und die modernen Marktdynamiken

Ekaterina Brandtner/ Jörg Freiling:
Dominante Logiken – Barrieren oder Wegbereiter für Schumpeters „schöpferische Zerstörung“?

Norbert Koubek/ Hermann Sebastian Dehnen/ Jan Hendrik van Dinther: Schwellenländer in der Weltwirtschaft. Von der Doppel-Triade zur Doppel-Helix

Bettina Kieselbach/ Marco Lehmann-Waffenschmidt:
Strategien zur schöpferischen Vermeidung von Monopolen in innovativen Branchen – eine neo-Schumpetersche Fallanalyse des Digitalisierungsprozesses in Sachsen

Marlies Schütz/ Rita Strohmaier/ Stella Zilian:
Vom Datenkapitalismus zum Datensozialismus? Zur Bedeutung der Werke J. A. Schumpeters und T. B. Veblens in Zeiten des digitalen Wandels

Christine Volkmann/ Wolfgang Kuhn):
Elektrisches Licht und Taschenlampen: historische und gesellschaftliche Dimensionen eines innovativen Phänomens

2. Geschichte und Zukunft des Unternehmertums

Hans Frambach:
Der Schumpetersche Unternehmer in der Geschichte des ökonomischen Analyse

Lars Hochmann:
Lebendiges Unternehmertum als revolutionärer Entwurf. Versuch einer radikalen Ökonomik im Zeitalter digitaler Revolutionen

Uwe Schneidewind/ Annika Rehm:
Unternehmen als strukturelle Kraft. Vom schöpferischen Zerstörer zum konstruktiven Schöpfer

Klaus Fichter/ Karsten Hurrelmann:
Climate Entrepreneurship. Von der schöpferischen Zerstörung zur Schöpfung gegen Zerstörung – Unternehmertum in Zeiten des Klimawandels

Ulrich Braukmann/ Daniel Schneider/ Dominik Bartsch:
Youth Entrepreneurship Education und ihr Potential für eine (Re-)Vitalisierung
des Schumpeter‘schen Unternehmertums in Deutschland

Stephanie Birkner/ Lisa Heinrichs:
Eine Frage der Zeit? Eine feministisch motivierte Reflektion
der historischen Bedingtheit des Schumpeter’schen Gedankengutes zum Unternehmertum

3. Gesellschaftstheoretische Dimensionen in Schumpeters Werk

Reinhard Pfriem:
Ökonomik als Gesellschaftswissenschaft. Zukunftsfähigkeit und Grenzen des Sozialökonomen Joseph A. Schumpeter

Lutz Becker:
Schumpeters blinder Fleck. Das Spannungsfeld zwischen Markt und Unternehmer im Zeichen der Plattform-Ökonomie

Richard Sturn:
Kapitalismus, Populismus, Demokratie

Harald Hagemann:
Schumpeter und die Weltwirtschaftskrise: Die Vorzüge schlechter Zeiten oder eine pathologische Depression?

Lars Immerthal:
Dionysische Störungen. Ein Kommentar zur Her- und Zukunft der Metapher der ’schöpferischen Zerstörung’

Eberhard K. Seifert:
Schumpeter über Marx als Ökonomen. Theoriegeschichtliche Anmerkungen zu seiner Kritik der Arbeitswerttheorie in ‚Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie’

Gunnar Sohn:
Wenn Volkswirtschaften in Routine ersticken. Schumpeters soziologische Analysen in seiner Bonner Zeit

Die Uni Bonn bringt so etwas nicht zustande – ist mir nach wie vor völlig unverständlich.

Habe bei den Herausgebern allerdings vorgeschlagen, in Bonn eine Buchvorstellung auf die Beine zu stellen. Vielleicht im Schumpeter-Saal des Uniclubs.

#Schumpeter, Nachhaltigkeit und der Wandel des Unternehmertums #KönigvonDeutschland Utopie-Podcast

Eine neue Folge des Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland, den ich zusammen mit Lutz Becker produziere. Wir sprachen mit dem Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Pfriem u.a. über Bundesverkehrsminister, über die Notwendigkeit einer neuen Ökonomie mit mehr demokratischer Beteiligung, über Skeptiker als solidere Optimisten, über Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn. Professor Pfriem bietet übrigens im Wintersemester an der Schumpeter School of Business and Economics in Wuppertal ein Schumpeter-Seminar an. Thema: Schumpeter, Nachhaltigkeit und der Wandel des Unternehmertums.

Hört, kommentiert und teilt bitte unsere neues #KönigvonDeutschland Interview.