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Bildung ohne Unterricht und Ökonomik ohne Erbsenzähler #Sommerinterview mit @bildungsdesign

Die Mainstream-Ökonomen markieren eine merkwürdige Kampflinie gegen die pluralen Ökonomen: Für einige Professoren ist es eine Horrorvorstellung, dass die „Pluralen“ in ihr Fach nun Marxismus, Gender-Theorie oder Postwachstums-Ideen einschmuggeln könnten.

„Die Vertreter der sogenannten Pluralen Ökonomen wollen die Wirtschaftswissenschaft sturmreif schießen“, sagt Joachim Weimann von der Universität Magdeburg nach einem Bericht der FAZ. Viele Pluralismus-Vertreter hätten einfach keine Ahnung. „Sie beherrschen die Sprache und die Methoden der Ökonomen nicht, obwohl sie diese ständig kritisieren“, sagt Weimann.

Etwas ärmlich scheint die Replik, die sich immer noch in Kategorien der politischen Gesäß-Geografie bewegt. Siehe auch den Blogpost: Warum die Ökonomik sich wandeln muss.
Dabei gibt es gute Gründe, dass naturwissenschaftliche Gehabe der neoklassischen Wirtschaftstheorie mit ihrem pseudo-neutralen Habitus in Frage zu stellen.

Wirtschaftswissenschaft auf Excel-Tabellen-Niveau

Hier sehe ich die Notwendigkeit für eine Radikalkur. Die von den pluralen Ökonomen geforderte thematische Ausweitung des Studiums reicht dabei nicht aus. Es muss etwas anderes geben als die ökonomische Erbsenzählerei, bei der man die Bäume vor lauter Wald nicht erkennt. Es erscheint eine Flut von Fachartikeln, die alle im gleichen Stil verfasst werden: Diagramme, Excel-Tabellen (mit fatalen Folgen für die Politik-Beratung zur Euro-Krise: Thomas Herndon versus Reinhart/Rogoff – Wenn inkompetente Excel-Ökonomen irren und zur Tagesordnung übergehen) und pseudo-wissenschaftliche Prognosen durchfluten die Aufsätze, um an der akademischen Karriere zu feilen. Es fehlen sprachmächtige Analysen, großartige Monografien, verständliche Essays, diskursfreudige Utopien und geistreiche Einwürfe. Traditionelle Ökonomen sind nur noch langweilige Buchhalterseelen, die mit ihrer Empirie in den Rückspiegel schauen und Erkenntnisse für den Altpapier-Container produzieren.

Studium ohne Unterricht

(Nicht nur) BWL- und VWL-Studiengänge sollten wie Kunstakademien gestaltet werden. Diesen Vorschlag machte der Innovationsexperte Jürgen Stäudtner im Käsekuchen-Diskurs:

„Man hat an den guten Kunstakademien gar keinen richtigen Unterricht mehr. Es gibt ein Orientierungsjahr, in dem versucht man, seinen Weg als Künstler herauszufinden. Es wird erwartet, dass man sich die dafür notwendigen Fähigkeiten selber beibringt. Im Hauptstudium geht es dann rund drei bis vier Jahre nur darum, eigene Projekte durchzuführen, besser zu werden und an der Verbesserung seiner Fähigkeiten zu arbeiten.“

Leidenschaft für Veränderungen

Was generell im akademischen Gefilde fehlt, ist die Vorbereitung auf Unvorhergesehenes und die Leidenschaft für Veränderungen. Studierende an Kunstakademien brennen für ihre Themen:

„Beste Voraussetzungen also, um eine Disziplin zu lehren, die junge Menschen zur eigenen schöpferischen Arbeit und künstlerischen Identität finden lässt — Kunst ist nicht lehrbar, wohl aber künstlerische Techniken, Methoden und Forschungsstrategien“, sagt Stäudtner.

In drei bis endlos langen Jahren gehe es nur darum, eine eigene künstlerische Position zu beziehen und gegenüber seinem professoralen Mentor zu verteidigen. Viel Zeit, um Themen zu erproben und die Gesellschaft zu verändern.

Bestehende Grenzen und Beschränkungen des Denkens, Wollens und Handelns müssen gesprengt werden. Nur so kommt Neues in die Welt, ohne dem Gipsabdruck von karrieristischen Erbsenzählern der Ökonomik zu folgen.

Was sich generell im Bildungssektor ändern sollte, erörtere ich am Samstag, den 19. August, um 10 Uhr mit dem Schweizer Bildungsethiker Christoph Schmitt im Bonner . Man hört, sieht und streamt sich nächsten Samstag auf http://www.facebook.com/gsohn.

Vorher gibt es noch einen Livestream am Dienstag, den 15. August, um 18 Uhr zur Podiumsdiskussion über Rheuma & Arbeit.

Siehe auch:

Bildungsethik jenseits der Zeigestock-Pädagogik

So sieht es aus in unserer Bildungslandschaft: 7,5 Jahre Warten auf den Studienplatz – ist das legal?

Bernd, der blöde Blogger und die seriösen Zeitungsnachrichten: Bayerische Grundschüler lernen Medieninkompetenz

Stefan Niggermeier hat wieder einmal einen medialen Goldschatz gehoben. Es geht um ein Projekt der bayerischen StaatsLandesregierung. Grundschüler der dritten und vierten Klasse sollen Medienkompetenz lernen. Über einen Medienkompetenzführerschein können die lieben Kleinen unter Beweis stellen, wie man sich in der bösen Medienwelt zurechtfindet. Als Unterrichtsmaterial steht eine Broschüre zur Verfügung mit dem Titel „Schau genau hin“. Niggemeier hat genau hingeschaut und Erstaunliches entdeckt: Da gibt es den blöden (sorry, steht so nicht in der Broschüre) Blogger Bernd, der bei einem Fallbeispiel praktisch alle Fakten verdreht und nichts auf die Reihe bekommt.
„Das ist kein Wunder, denn im Internet werden ja, anders als bei der Zeitung, die Informationen vor der Veröffentlichung nicht überprüft. Oder wie es im Begleitmaterial für die Lehrer heißt:
Die Kinder sortieren die einzelnen Schritte der vorgeschlagenen Nachrichtenwege. Danach vergleichen sie: Einmal sind es drei, einmal vier Schritte. Welcher Schritt fehlt bei dem Nachrichtenweg ins Internet im Vergleich zum Weg in die Zeitung? Antwort: Es ist die Überprüfung der Information. Der Journalist hat bei der Polizei nachgefragt, die Fakten gesammelt und erst dann veröffentlicht.
(…)
Beim Blog-Text werden die Informationen ungeprüft ins Netz gestellt. Vielleicht hat Bernd einiges missverstanden oder erinnert sich nicht mehr genau. Fakt aber ist, dass seine Informationen nicht geprüft sind. An dieser Stelle bietet sich auch der Vergleich zu dem Spiel ‚Stille Post‘ an. Auch da gehen Informationen auf dem Weg der Übermittlung verloren. Natürlich können auch Journalisten etwas falsch verstehen. Deshalb können in einer Zeitung ebenfalls fehlerhafte Informationen stehen. Sollte dies vorkommen, werden dort in der Regel aber Falschmeldungen korrigiert.“

Wer also zufällig seine Elaborate auf den Produkten der Holzindustrie veröffentlichen kann, ist ein seriös und gewissenhaft recherchierender Journalist. Wer im Netz publiziert, leidet unter Alzheimer und spielt „Stille Post“.

„Schau genau hin!” heißt die Lerneinheit. „Zu ihren ehrenwerten Zielen gehört es, dass die Kinder (jedenfalls im Internet) auf den Urheber einer Nachricht achten sollen, um die Glaubwürdigkeit von Informationen bewerten zu können. ‚Firmen verfolgen eigene Interessen‘, warnt das Begleitmaterial, ‚und werden vor allem sich selbst oder ihre Produkte ins rechte Licht rücken.‘
In der Tat. Herausgeber der Unterrichtseinheit ist übrigens zufällig der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV)„, schreibt Niggemeier.

Beim VBZV war übrigens die verantwortliche Dame nicht zu erreichen – sie ist erst am Donnerstag zu sprechen. Auch die Pressestelle des bayerischen Kultusministeriums hat mich noch nicht zurückgerufen (kein Vorwurf). Einige Fragen habe ich noch:
Wer finanziert diesen Spaß, der nicht nur als vbzv_presse abrufbar ist, sondern auch in gedruckter Form an die Grundschüler in Bayern verteilt wird? Wer hat das Blättchen mit dem Märchen von der heilen Printwelt politisch abgesegnet? Wer hat das Ganze redaktionell begleitet?
Im Impressum steht lediglich folgende Info:
Impressum:
© 2010 mct media consulting team, Dortmund
Konzeption: Prof. Dr. Günther Rager, Anke Pidun
Inhalt: Anke Pidun
Gestaltung: Rosalie Schnell, Miriam Schmikowski
Zeichnungen: Laura Martin
Pädagogische Fachberatung: Claudia Pidun-Martin

Und dann noch abschließend: Wie hoch sind die Kosten und wer hat die Kosten getragen?

Nachtrag: Ein Ministeriumssprecher hat mich gerade angerufen und will mir im Laufe des Tages die Fragen beantworten.

Zweiter Nachtrag: Der Ministeriumssprecher hat noch einmal angerufen und mich an die Staatskanzlei verwiesen.

Dritter Nachtrag: Habe gerade die Staatskanzlei angerufen. Heute ist Kabinettssitzung. Werde wohl erst so gegen 15 Uhr zurückgerufen.

Vierter Nachtrag: Nun der Schlusspunkt meiner bayerischen Recherche-Reise. Einen Rückruf der Staatskanzlei habe ich nicht erhalten. Stattdessen wurde meine Anfrage wieder an den Verband Bayerischer Zeitungsverleger weitergeleitet. Um 17,30 Uhr rief mich der VBZV-Geschäftsführer Dr. Markus Rick an. Die Printlastigkeit der Broschüre könne nicht überraschen, da ja der VBZV der Herausgeber sei. Das ist nachvollziehbar. Da das Projekt aber modular aufgebaut sei, würden auch die anderen Medienformate nicht zu kurz kommen. Die Staatskanzlei hatte die Initiative für einen Medienführerschein wegen mehrerer Vorkommnisse gestartet. Dazu zählt auch der Amoklauf von Winnenden. Hier sah die Landesregierung politischen Handlungsbedarf. Mittlerweile lägen Erfahrungen mit dem Medienführerschein in 30 Pilotschulen vor und man werde das Projekt auf freiwilliger Basis ausweiten. Steuergelder wurden dafür nach Angaben von Rick nicht in Anspruch genommen. Das wird über die Zeitungsverlage finanziert. Das Printmodul sei dem Kultusministerium vorgelegt und geprüft worden. Es würde den Lehrplänen der dritten und vierten Klasse entsprechen. Die Darstellung der Bloggerwelt hält Rick für eine pointierte Verkürzung. Als zentrale Botschaft soll vermittelt werden, dass es sich bei der Zeitung um ein geprüftes Produkt handeln würde.

Ende der Durchsage. Ich werde das jetzt mal nicht weiter kommentieren.

Schirrmacher, Merkel und die ungelesenen Bücher

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ist mal wieder Baff und fast sprachlos, seit Samstag. Und zwar seit dem Gespräch, das Angela Merkel am Samstag mit der F.A.Z. geführt habe (Merkel im Gespräch: „In der CDU kann jeder seine Meinung sagen“ ) und in dem sie gefragt wurde, ob sie Thilo Sarrazins Buch mittlerweile gelesen habe. „Nein, die Vorabpublikationen sind vollkommen ausreichend und überaus aussagekräftig, um These, Kern und Intention seiner Argumentation zu erfassen. Ich habe die Verantwortung als Bundeskanzlerin, an einer Gesellschaft mitzuarbeiten, in der jeder Mensch durch Bildung eine Chance bekommen kann, für sein eigenes Glück und zum Wohle unseres Landes.“

Das findet nun Schirrmacher unglaublich und macht ein riesengroßes Fass auf. „Seit drei Wochen gibt es Sarrazins Buch. Es ist sechshundertfünfzigtausend Mal verkauft worden, und es wird wahrscheinlich vor Weihnachten die Eineinhalbmillionenmarke erreichen. Bei einem Buch, das verliehen und weitergegeben wird, heißt diese Zahl, dass es dann von an die zwölf Millionen Menschen gelesen worden sein kann. Es hat Vergleichbares noch niemals gegeben. Der Autor ist wegen der Buchkritik der Kanzlerin und des Bundesbankchefs und der Winke des Bundespräsidenten mittlerweile arbeitslos, gewiss das Maximum an Bestrafung in einer bürgerlichen Welt. Und jetzt, drei Wochen danach, erklärt die Bundeskanzlerin fast stolz, dass sie das Buch, um dessentwillen sie die Absetzung des Bankers betrieb und das ihr Staatsvolk zutiefst spaltet, immer noch nicht gelesen hat, sondern nur aus Vorabdrucken kennt.“ Toll, wie der FAZler aus diesem Infohäppchen in der seiner Postille eine ganz Seite voll schreiben kann. Gibt es einen Kauf- und Lesezwang, nur weil ein Politiker, der mit mittelmäßiger Rhetorik-Kunst durch die Lande reist, ein provokatives Opus gekritzelt hat? Glaubt Schirrmacher allen Ernstes, dass im Bundeskanzleramt niemand das Buch des SPD-Politikers gründlich studiert und die Kanzlerin ordentlich gebrieft hat? Sind nicht in der gigantischen Sarrazin-Roadshow alle wichtigen Behauptungen des Finanzpolitikers rausgeblasen worden (zuletzt mit einem Namensbeitrag in der FAZ)?

Man sollte sich zudem nicht nur mit den Worten des ehemaligen SPD-Finanzsenators beschäftigen, sondern auch mit seinen Taten. Und da hat die Schirrmacher-Kollegin Heike Schmoll ein aufschlussreiches Stück geschrieben: „Als Thilo Sarrazin Berliner Finanzsenator war, sanken die Gehälter von Erzieherinnen und Lehrern, die Vorklassen wurden abgeschafft. Das schadete gerade Einwandererkindern. Fast scheint es, als habe er seine Prophezeiungen selbst eingeleitet.“ Sarrazin beklagte, dass immer mehr Kinder in die Schulen kämen, die nicht schulreif seien. Als Sündenbock machte er die Kitas aus. „Die durchschnittliche Berliner Kita ist nicht bildungsorientiert aufgestellt, obwohl wir den bundesweit höchsten Personaleinsatz haben“, so der SPD-Mann er. Es werde beispielsweise wenig gesungen, viel zu wenig vorgelesen und extrem wenig auswendig gelernt.

„Bei diesen Äußerungen allerdings hat Sarrazin, der von 2002 bis 2009 das Berliner Finanzressort leitete, auf die Vergesslichkeit der Berliner gesetzt. Während seiner Amtszeit wurden Gehalt und Arbeitszeit der Erzieherinnen gekürzt. Da sich die Öffnungszeiten der Kitas nicht änderten, verdienten sie bei gleicher Arbeitszeit weniger. Sie wurden zugleich dazu verpflichtet, über jedes Kind ein Tagebuch zu führen, in dem die Lernfortschritte dokumentiert werden. Dass jede Reform in der Berliner Bildung für die Beteiligten mit höheren Belastungen und weniger Verdienst einherging, bekamen auch die Lehrer zu spüren. Die Arbeitszeiterhöhung für Beamten wurde im Jahre 2001 – vor Sarrazins Zeit – zurückgenommen, mit Ausnahme der Lehrer. Daran hat sich auch unter Sarrazin nichts geändert. Die schlechteren Einstiegsgehälter in Berlin sorgen dafür, dass qualifizierte Junglehrer sich möglichst rasch in andere Bundesländer bewerben, weil sie dort einige hundert Euro mehr verdienen und außerdem Aussicht auf eine Verbeamtung haben“, führt Schmoll weiter aus.

Wirklich einschneidend habe sich die Abschaffung der Vorklassen im Jahre 2003 ausgewirkt. Damals besuchten etwa 10.000 Kinder die Vorklassen, 14.000 andere der gleichen Altersstufe Kitas. „Im Westteil Berlins waren Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen in Vorklassen eingesetzt, im Osten der Stadt ehemalige Unterstufenlehrerinnen. Die Vorklassen versuchten, Defizite bei den Kindern zu beheben, bevor sie in die Schule kamen. Die Vorklassenleiter haben Eltern beraten, Müttern einen Sprachkurs an der Schule vermittelt und den Kindern eine logopädische Behandlung oder Integrationsstunden vermittelt. Vor allem in der Sprachförderung haben sie Migrantenkinder weitergebracht. Für viele Familien war die kostenlose Vorklasse ein Ausweg, weil die Kindergartengebühren seinerzeit gerade erhöht worden waren“, so die FAZ-Redakteurin.

Politische Ziele werden durch das Regierungshandeln und durch die staatliche Administration in die Tat umgesetzt. Hier schwächelte Sarrazin. In seiner politischen Laufbahn, die 1973 als wissenschaftlicher Angestellter der Friedrich-Ebert-Stiftung begann, hätte er doch mehrfach unter Beweis stellen können, wie man die Integrationsprobleme besser in den Griff bekommt.

Er könnte jetzt zumindest seinen Polit-Sprüchen Taten folgen lassen und unter Beweis stellen, dass man mit dem Hartz-IV-Regelsatz von 4,25 Euro pro Tag ausgewogen und gesund essen kann. Im Winter wird die Heizung runtergedreht und der dicke Pulli übergestreift. Zudem würde ich an seiner Stelle auf die dicke Pension verzichten, das millionenschwere Buchhonorar für Stipendien spenden und für fünf Euro die Stunde arbeiten gehen.

Wenn Matheformeln nicht mehr abschreckend wirken

Grafikfähige Schulrechner für die Mathepaukerei werden wohl noch nicht so richtig anerkannt. 87 Prozent haben keine Erfahrungen mit Grafikrechnern oder kennen diese gar nicht. Darüber hinaus befürchten vor allem Ältere, dass Grafikrechner Schülern das Denken abnehmen. Das zeigt der Mathemonitor von CASIO, für den Forsa bundesweit 1.003 Personen ab 14 Jahren befragte.

Grafikrechner würden zeitraubende Rechenschritte übernehmen. So bleibe Lehrern mehr Raum, ihren Mathematikunterricht realitätsnah und anschaulich zu gestalten. Die Meinungen der Deutschen zum Grafikrechnereinsatz gehen weit auseinander: 46 Prozent der Befragten finden das Lehrmittel sinnvoll und zeitsparend, 38 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Auffallend ist, dass immerhin 16 Prozent gar keine Angabe zu dieser Fragestellung machen. Die Vorteile der Grafikrechner erkennen vor allem Jüngere und formal besser Gebildete. Zweifel am Einsatz von Grafikrechnern haben vor allem Ältere. Sie fürchten, Schüler würden im Unterricht kein selbstständiges Rechnen erlernen. So sind 56 Prozent der 45- bis 59-Jährigen der Meinung, dass durch den Grafikrechnereinsatz Schülern das Denken abgenommen wird. Ein klarer Trend zeigt sich zudem beim Bildungsstand: Während nur 44 Prozent der Befragten mit Abitur oder Studium glauben, dass Grafikrechner Schülern das Denken abnehmen, sind immerhin 57 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss „eher“ oder „voll und ganz“ dieser Meinung. Diese Sorge teilen viele Pädagogen nicht. Sie argumentieren für den Einsatz dieser wichtigen Lehrmittel. „Der Grafikrechner kann Ergebnisse veranschaulichen und monotone Rechenschritte übernehmen. Aufwendige, sich wiederholende Rechnungen fallen weg – so bleibt mehr Zeit für verschiedene Ansätze und Lösungsstrategien, deren Diskussion und Reflexion sowie letztlich für eine bessere Implementierung aller Bildungsstandards“, erklärt Dr. Jens Weitendorf, Mathematiklehrer am Gymnasium Harkheide in Norderstedt.

Der Wissenschaftler und Science Fiction-Autor Professor Herbert Werner Franke sieht die Frage der Visualisierung noch radikaler. „Das ererbte Verständigungssystem ist die Sprache, derer wir uns heute meist in Form von Schrift bedienen: Die im Gehirn auftretenden Vorstellungen werden durch Laute codiert, die dann als Buchstaben über das Auge aufgenommen werden, um im Gehirn wieder in die Lautsprache zurückübersetzt werden. Und dann erst folgt die Transformation in eine bildliche Vorstellungswelt. Das ist nicht die beste Art, etwas mitzuteilen“, so Franke im Interview mit mir (die komplette Audioaufzeichnung des Interviews kann man hier abrufen). Der Gesichtssinn könne sehr viel mehr Informationen pro Zeiteinheit aufnehmen als das an zweiter Stelle stehende Gehör, und dazu komme die Fähigkeit, zwei-, in gewissem Maß sogar dreidimensionale Entitäten wahrzunehmen.

„Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten. So könnte man in Schulen in den ersten Jahren völlig ohne Formeln auskommen. Eine Visualisierung der Mathematik bringt sehr viel bessere Lernergebnisse“, sagt Franke. So sei es heute mit Computerhilfe möglich, komplizierteste Gebilde in Bruchteilen von Sekunden auf den Schirm zu zaubern – wenn gewünscht bewegt oder interaktiv veränderlich. „Der größte Teil aller mathematischen Zusammenhänge lässt sich in Bildern ausdrücken und erspart in den meisten Fällen die Mühe einer umständlichen Interpretation“, erklärt Franke. Visualisierte Formen würden zudem einen ästhetischen Reiz ausüben und die übliche Abneigung gegen Mathematik reduzieren. „Diese Erkenntnis gilt generell für Naturwissenschaften – selbst für Quantenphysik und Molekularchemie“, sagt Franke.

Die Schule in der Kreidezeit: Null Blog, keine Internetpeilung und der „Medienkompetenzführerschein“

Der Spiegel-Artikel und die merkwürdig kurzsichtigen Ausführungen von NRW-Ministerin Schwall-Düren zum „Medienkompetenzführerschein“ (was für ein fürchterliches Wortungetüm) sind Anlass genug, um die Frage der Internetfähigkeiten der jungen Generation zu thematisieren. Einen sehr schönen Beitrag hat netzwertig-Blogger Martin Weigert geschrieben.

Hier wird vor allen Dingen der merkwürdige Führerschein für Schüler aufgegriffen: „Das Vorhaben soll primär den Umgang mit Facebook lehren, ein Blick auf die Argumentation von NRW-Ministerin für Europaangelegenheiten und Medien Angelica Schwall-Düren lässt jedoch befürchten, dass es weniger um Kompetenz sondern eher um die einseitige Verbreitung von Platitüden geht: Schwall-Düren wies darauf hin, dass unvorsichtig preisgegebene persönliche Daten zu Mobbing missbraucht werden und auch bei beruflichen und sozialen Karrieren hinderlich sein’ können“, schreibt Weigert.

Ein gekonnter Umgang mit partizipativen Medien, mit dem Echtzeitweb und mit der Informationsflut sei essentiell, um als Individuum sowie als Gesellschaft in größtem Maße vom digitalen Wandel profitieren zu können. Und das gilt bei weitem nicht nur für Schüler, sondern auch für Lehrer, Eltern, und natürlich (erst recht) für Politiker: Wer wie Medienministerin Schwall-Düren auf die Frage nach Twitter nur folgende zwei Sätze zu sagen habe, wirkt selbst noch recht unbeschlagen, was die Kenntnis über das Web betrifft: “Ich twittere nicht. Diese Schnell-Nachrichten enthalten oft Banalitäten, so dass ich keine Notwendigkeit sehe, das mitzumachen.”

„Angenommen, Schwall-Düren wäre die erste Testperson für den geplanten Medienkompetenzführerschein, welche Aspekte müssten ihr (und den Schülern in NRW sowie ganz Deutschland) vermittelt werden“, fragt Weigert und sammelt Vorschläge. Diese Steilvorlage greife ich doch gerne auf. Schwall-Düren sollte sich mit der Internet-Inkompetenz der Lehrer, Lehrpläne und Lehrerausbildung beschäftigen. Vor meiner Abreise nach Perinaldo führte ich ein erfrischendes Interview mit dem 83jährigen Professor Herbert W. Franke, Senior Fellow des Berliner Zuse-Instituts und Science Fiction-Autor. In dem Interview ging es um Technologien zur Visualisierung von Wissen. Natürlich drehte sich das Gespräch auch um das Bildungswesen.

Die Lehrer seien in keiner Weise darüber unterrichtet worden, welche Mittel außer Sprache und Formeln, im Unterricht eingesetzt werden können. Sie müssten eine Menge darüber lernen, wie man sich mit Bildern ausdrückt, welche Möglichkeiten es gibt. Das sind nicht nur Abbildungen, das wäre viel zu wenig. Visuelle Sprache könne mehr. Sie könne beispielsweise sehr gut verwendet werden, um Kreisfunktional-Prozesse zu verdeutlichen und verständlich zu machen. Der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck spricht davon, dass die Schule sich noch in der Kreidezeit befindet. Professor Franke schlägt vor ein Lernen in automatisierten Schulen vor. „Die Methoden in Schulen sind vielfach antiquiert und man macht es den Schülern wirklich viel zu schwer, diese Dinge zu verstehen, die sie eigentlich alle verstehen sollten. „Von der automatisierten Schule war schon vor 30 oder 40 Jahren die Rede und das hat die Leute, die davon gehört haben, natürlich eher abgeschreckt. Statt einem Lehrer jetzt da eine Art Roboter vor sich zu haben, das ist eine Situation, die man sehr negativ beurteilt. Also das menschliche Verständnis und das Eingehen auf die Besonderheiten einzelner Schüler etwa, das wird man von einem Roboter nicht unbedingt erwarten, obwohl es in der Zukunft mehr und mehr möglich sein wird“, so Franke.

Man könnte mit den Automaten die Kenntnisse jedes einzelnen Schülers recht gut beurteilen, viel besser als das ein Lehrer aufgrund seiner Übersicht macht, die er sich verschafft während des Unterrichts und da kann man sich Methoden ausdenken, die durchaus auf eine interessante Weise dann auch den Unterricht beleben würden. Man könne mithilfe der Erkenntnisse, die man auf diese Weise errungen hat, einen Unterrichtsstoff bereitlegen, der auf den Kenntnisstand und die Fähigkeiten einzelner Schüler eingeht. Mit Lernautomaten könnten Lehrer besser auf die Fähigkeiten der einzelnen Schüler eingehen.

Die endlosen Bildungsdebatten über Strukturreformen, von der Ganztagsschule bis zum Turboabitur, würden am Kern des Bildungsproblems vorbeigehen. An der Qualität des Unterrichts habe sich nichts geändert. Schule und Uni seien immer noch langweilig.

„Es sind also gerade im Unterricht Dinge gemacht und durchgesetzt worden, die eher schädlich sind als nützlich. Da gab es vor mehreren Jahrzehnten eine Theorie der Vermittlung von Mathematik beispielsweise, die auf einer Grundlage beruht, die nicht haltbar war. Man hat einige Jahre die Schüler gequält, indem man ihnen Eingang zu mathematischen Kenntnissen verschaffen wollte, die eher die Sache schwieriger gemacht haben, als das vorher war. Das war etwas, was äußerlich vielleicht sogar bisschen Ähnlichkeit hat zu jenem, was ich verbinde mit Visualisierung. Aber in einer Weise, die für Kinder nicht vorstellbar war, beispielsweise der Zahlenbegriff muss nicht unbedingt gleich visualisiert werden. Wir können Zahlen recht gut zu verstehen. Das ist sogar im Tierreich nachweisbar gewesen und der Mensch hat diese Fähigkeit in viel größerer Weise. Also man muss zum Beispiel ein bisschen genauer informiert sein darüber, was der Mensch zunächst einmal überhaupt mit seinem Denken vollbringen kann. Und das ist auf der einen Seite mehr, als man denkt und auf der anderen Seite ist es natürlich auch weniger. Man muss den Unterricht so gestalten, dass er ein Vergnügen wird. Und nicht ein Zwang oder eine Qual. Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit. Ich muss sagen da waren 80 Prozent von dem, was man uns beibringen wollte, unerträglich. Ich bin unglaublich ungern in die Schule gegangen“, erklärt Franke.

Jeder Schüler sollte daher einen Computer an seinem Arbeitsplatz haben. Mit ausgeklügelten Lernsystemen könnten Lehrer den Wissensstand jedes Schüler genauer analysieren. Nach der Unterrichtsstunde könne sich der Lehrer informieren, welche Gruppe von Schülern schon so weit ist, dass er den Unterricht fortsetzen kann oder welche Schüler eine Hilfestellung brauchen, eine Wiederholung des Stoffs, einen anderen Aspekt, der ihnen das vielleicht klarer macht. Und dabei könne man dann eingehen auf die Schwächen der Schüler, aber auch auf ihre Fähigkeiten.

Zudem müssten die Lehrpläne entrümpelt werden. „Das Auswendiglernen ist etwas, was schon völlig antiquiert ist. Wir haben Systeme, die ein Gedächtnis haben, die speichert der Computer und diese Systeme sind so, dass man die notwendigen Informationen sehr schnell abrufen kann. Also dieses Auswendiglernen, noch dazu von Formeln, was ich noch erlebt habe, das ist eine völlig falsche Methode. Ich glaube, dass in naher Zukunft das Auswendiglernen von Sprachen, besser gesagt der Sprachen-Unterricht völlig überflüssig ist. Dabei sind die Sprachen wie griechisch oder lateinisch besonders bedenklich“, kritisiert Franke. Und dann müsse der angehende Lehrer auf die neue Technik vorbereitet sein, was ja heute – so viel wie ich weiß – überhaupt nicht geschieht. „Wie setzt man Computer vernünftig ein? Welche Vorteile hat man? Wie geht man mit dem Computer um?. Diese Fragen müssten in der Bildungspolitik jetzt beantwortet werden. „Und schließlich muss der Lehrer einiges davon verstehen, worüber wir uns ja schon unterhalten haben. Was wichtig ist zu wissen, auf welche Weise man diesen Stoff vermittelt kann. Da komme ich auf die Visualisierung zurück. Das ist aber nicht die einzige Methode, da gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten. Man muss etwas mehr wissen über die Art und Weise, wie der Mensch Wissen aufnimmt, über die Organisation unseres Gedächtnisses, über die Möglichkeiten, Erkenntnisse in besserer Weise zu verschlüsseln“, fordert Franke.

Hier noch einmal die komplette Audioaufzeichnung des Interviews mit Professor Franke.

Siehe auch den Carta-Beitrag.

Professor Herbert W. Franke über Lernautomaten und die Visualisierung von Wissen

Professor Herbert Werner Franke ( geb. 14. Mai 1927 in Wien) ist ein österreichischer Wissenschaftler und Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten lebenden deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren. Er ist außerdem aktiv im Bereich der Zukunftsforschung, der Höhlenforschung sowie der Computergrafik und Computerkunst.

Vor meiner Abreise nach Ligurien hatte ich die Möglichkeit, ein längeres Interview mit ihm über die Kommunikation von morgen und übermorgen zu führen.

Ein Betätigungsfeld größter Bedeutung ist nach Ansicht von Professor Franke die Frage der Vermittlung von Daten. Das ererbte Verständigungssystem ist die Sprache, derer wir uns heute meist in Form von Schrift bedienen: Die im Gehirn auftretenden Vorstellungen werden durch Laute codiert, die dann als Buchstaben über das Auge aufgenommen werden, um im Gehirn wieder in die Lautsprache zurückübersetzt werden. Und dann erst folgt die Transformation in eine bildliche Vorstellungswelt. Das sei nicht die beste Art, etwas mitzuteilen, so Franke. Der Gesichtssinn könne sehr viel mehr Informationen pro Zeiteinheit aufnehmen als das an zweiter Stelle stehende Gehör, und dazu komme die Fähigkeit, zwei-, in gewissem Maß sogar dreidimensionale Entitäten wahrzunehmen. Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten. So könnte man in Schulen in den ersten Jahren völlig ohne Formeln auskommen. Eine Visualisierung der Mathematik würde sehr viel bessere Lernergebnisse zur Folge haben. Jeder Schüler sollte mit Lernautomaten ausgestattet werden, um mit modernen Visualisierungsmethoden Wissen vermittelt zu bekommen. Die Automaten würden die individuellen Lernfortschritte sehr viel besser dokumentieren. Lehrer könnten das nur bedingt. Die Kreidezeit in Bildungsinstitutionen, wie es der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck ausdrückte, sollte so schnell wie möglich der Vergangenheit angehören.

Ich konnte das Interview noch nicht auswerten. Aber hier schon einmmal für Interessierte die komplette Audioaufzeichnung. Berichte zu dieser Thematik folgen in den nächsten Wochen:

Wenn die Birne leuchtet, lernen wir nicht besser – Ein Profihirn zeigt wenig Aktivität

Vertrauen ist ein Hirnzustand. Das ist die Grundthese von Professor Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. „Vertrauen hat etwas mit Lernprozessen zu tun. Es geht dabei nicht nur um positive Einstellungen zu Dingen oder Personen, sondern es ist ein Verlass-Aspekt auf Personen oder Dinge und Verlass impliziert bereits, dass man multiple Erfahrungen machen muss, um sich auf etwas zu verlassen“, erläutert Scheich. Lernprozesse, die dabei eine Rolle spielen, seien im Wesentlichen alte Bekannte. Es gibt die Pawlowsche und die instrumentelle Konditionierung. Das sind Lernprozesse, wo man in der Auseinandersetzung mit Reizen zu neuen Verhaltensweisen kommt. Bei der Pawlowschen Konditionierung kommt es eigentlich nur darauf an, dass man irgendeine positive Überzeugung hat von irgendetwas, klassisch gesehen. Futter ist immer gut. Es können aber auch andere Dinge sein. Man lernt, mit einem solchen positiven Objekt oder einer positiven Person irgendetwas zu assoziieren, was die Sache ankündigt oder umreißt. Diese Art von Lernprozess ist überhaupt nicht geeignet, Vertrauen zu schaffen“, weiß der Wissenschaftler. Dabei könne sich nichts als Erfahrung bewähren im Sinne einer Rückkoppelung, also einer positiven Erfahrung. Das könne man in der Werbung beobachten: „Vieles wird hochkarätig angekündigt und verpufft dann als Luftblase“, sagt Scheich.

Anders sehe es mit der instrumentellen Konditionierung aus. Hier würde man Verhaltensweisen und Erfahrungen auf nachhaltige Vorteile überprüfen. Es handele sich um Rückkopplungs-Lernprozesse. „Man kann mit einem Bestrafungsparadigma sehr schnell einen Lernprozess in Gang bringen und auch zu einem asymptotischen Niveau bringen, also einem hohen Niveau, wo diese Aufgabe gelöst wird. Das ist jedem geläufig: Gebranntes Kind scheut das Feuer. Das geht wahnsinnig schnell. Nur will man mit dieser Erkenntnis nichts mehr zu tun haben, weil man unangenehme Erfahrung damit verbindet. Macht man das Ganze aber mit Belohnungslernen, geht die Sache zwar viel langsamer und führt aber auch zu demselben Niveau“, führt Scheich aus.

Mit einseitiger Belohnung oder Bestrafung könnten die Ergebnisse nie hundertprozentig werden. „Das heißt also, Sie können noch so sehr belohnen, es bleibt immer eine Differenz zu einer optimalen Performanz übrig. Eine Restdifferenz von Nichtvertrauen, die das Ganze immer gefährdet. Sie können diese Belohnungen weglassen, und das Hirn merkt sich wahnsinnig schnell, dass kein Vorteil mehr bei der Sache besteht, das könnte beispielsweise passieren, wenn irgendwas mit mehr Vorteilen kommt oder wenn Zweifel daran aufkommen lässt, dass die Belohnung überhaupt eine Belohnung war. Dann gibt es eine Extinktion, das heißt also das Verhalten fällt sofort wieder in kurzer Zeit auf Null zurück. Interessant ist bei der ganzen Betrachtungsweise, dass die Mischung von Belohnung und Bestrafung, das heißt Vorteile und Nachteile nicht etwa dazu führt, dass die Sache auf Null fällt, sondern zu einem Superlernen führt. Wenn Sie jeden positiven Umgang belohnen und jeden negativen Umgang bestrafen, dann gibt es hundert Prozent Performanz in ganz kurzer Zeit. Man vergisst das praktisch nie mehr. Das ist das perfekte System, um irgendetwas anzutrainieren“, empfiehlt der Neurobiologe. Allerdings müsse es eine positive Bilanz von Belohnungen geben. Wenn diese Art von Dynamik auftritt, dann könne man das Superlernen erreichen.

Wichtig sei auch das interne Belohnungssystem des Gehirns. Es werde der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet. „Das Dopamin hat eine zweifache Wirkung: Es gibt ein gutes Gefühl, wenn Sie Erfolge haben. Der zweite Effekt ist noch viel wichtiger: die Erinnerung. Wir erleben enorm viele Dinge, die wir in unseren Kopf schnüren und nicht alles bleibt im Langzeitgedächtnis haften. Die Umsetzung vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis wird über das Dopamin gesteuert“, so Scheich. Erfolg mache Spaß, da unterscheiden sich Menschen und Mäuse nicht. Dabei könne sich ein Überflieger, der beim ersten Versuch auf die Lösung kommt, genauso freuen wie ein minder Begabter, der mehr Anläufe benötigt. Es komme darauf an, sich die richtigen Ziele zu setzen. „Die Stimmungsaufheller wirken direkt auf die Gedächtnisbildung. Das hilft uns, eine Erfolgsstrategie automatisch abzuspeichern. Der Zusammenhang gilt auch umgekehrt: Wir behalten emotional gefärbte Erlebnisse besser als neutrale. Der erste Schultag, die große Liebe oder der Tod eines Freundes prägen sich uns tiefer ein als jede Mathe-Formel. Wem es auf der anderen Seite gelingt, trockenen Lernstoff mit Emotionen oder Sinn zu verknüpfen, wird ihn besser memorieren. Die Telefonnummer 14921960 etwa setzt sich aus dem Jahr der Entdeckung Amerikas und der Olympischen Spiele in Rom zusammen“, berichtet die Zeitschrift Focus.

Auch ausreichende Ruhepausen zwischen den Lektionen seien für das Funktionieren des Langzeitgedächtnisses unerlässlich. „Inhalte, die dauerhaft in unserem Gehirn verankert werden sollen, erfordern einen grundlegenden Umbauprozess an den Nervenzellen, der mindestens 24 Stunden in Anspruch nimmt. Kommen neue Informationen zu schnell hintereinander, konkurrieren ihre Inhalte und löschen sich aus“, so Focus. „Ohne Pausen“, erklärt Scheich, „wissen die Neuronen nicht mehr, was sie speichern sollen.“ Visueller Müll aus Fernseher und Computerspiel oder aufwühlende Erlebnisse würden das Langzeitgedächtnis blockieren. Was als Ablenkung gedacht sei, kommt im Speicher als Störsignal an.

Warnungen spricht Professor Scheich beim Modethema Neuroökonomie aus: „Man sollte sehr misstrauisch sein gegenüber den Weisheiten, die aus diesem Bereich kommen und zwar insbesondere wenn sie über die Macht der Bilder erzielt werden. Fast alle Medien würden zur Zeit Bilder der Kernspintomographie veröffentlichen. Da taucht ein Fleck im Gehirn auf, also muss das irgendwas bedeuten“, so Scheich. Da gebe es sehr viel Rattenfängerei. Es sei einfach nicht richtig zu glauben, wenn die Birne aufleuchtet und die Aktivierung im Gehirn größer wird, ein besserer Zustand des Gehirns erreicht werde. Im Gegenteil: „Große Aktivierung im Gehirn bedeutet Unsicherheit des Gehirns. Wenn Sie Aufgaben untersuchen, wie sie gelöst werden, von unsicherem Status bis zum Profi, dann finden Sie eine negative Korrelation mit der Größe der Hirnaktivierung. Der Profi setzt eigentlich nur noch seine spezifischen Mechanismen für etwas ein“, so der Hinweis von Scheich. Gehirnjogging mit riesiger Hinaktivierung nachzuweisen, sei Unfug. Die kleine Aktivierung, die beim scharfen Nachdenken von einem Profi produziert werde, das ist die eigentliche Aktivierung, die richtig ist.

Chemie-Lernworkshop – Sommerbeschäftigung

Themen der Nachprüfung meines Sohnes im Fach Chemie

1. Ionen

Voraussetzungen:
Ionenbindung, Kationen und Anionen, Ableitung der Verhältnisformeln für Salze, Redoxreaktionen, Elektronegativität;

Themen:
Die galvanische Zelle (Aufbau, Vorgänge), Redoxreihe der Metalle (edel/unedel),
Zink-Kohle Batterie und Alkali-Mangan-Batterie, Blei-Akkumulator.

2. Kohlenstoffatom

Voraussetzungen:
Elektronenpaarbindung, Vierbindigkeit des Kohlenstoffs, Bindungswinkel am C-Atom;

Themen:
Benennung und Bau der Kohlenwasserstoffe, Löslichkeitseigenschaften der Kohlenwasserstoffe im Vergleich zum Wasser; Benennung von Isomeren der Alkane, Alkene und Alkine.

Hat jemand Anregungen für den Workshop, Übungsaufgaben, Literatur, didaktisches Vorgehen etc.?

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Die Rolle der Kommunikationstechnologie für den Aufschwung

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Nach einer Studie des DIW sollte die Bundesregierung ihr Konjunkturprogramm stärker auf das Bildungswesen, die Energieeffizienz, Gesundheitsförderung und den Ausbau der Internet-Infrastruktur ausrichten, beispielsweise durch eine flächendeckende Breitbandversorgung . Hier habe Deutschland im internationalen Vergleich einen hohen Nachholbedarf. Im Bildungssektor sollten 4,4 Milliarden Euro gezielt in die Verbesserung der Lehrmittelausstattung investiert werden.
Konjunkturprogramme sollen die Auswirkungen der Finanzkrise eindämmen. Damit die Milliardensummen nicht verpuffen, müsse nachhaltig investiert werden.

Andreas Latzel, Deutschland-Chef der Aastra-DeTeWe-Gruppe, lobte im Interview mit dem Deutschlandfunk die Investitionen der Bundesregierung in die Kommunikationsinfrastruktur. Als Beispiel nannte er ein Projekt des Bundesfamilienministeriums. Dabei geht es um das Thema Altenpflege und insbesondere darum, was Technik in der Altenpflege bewirken könne. „Das Projekte hat den Namen ‚Das intelligente Heim’ und verfolgt den Ansatz, einfach übergreifend zu schauen, an welchen Stellen wirklich nachhaltig auch mit dem Einsatz von Technologie die Pflege verbessert werden kann. Wir haben daran teilgenommen und haben eine Lösung vorgestellt, die das Thema Pflegedokumentationen im Schwerpunkt hat. Und ich glaube, die meisten Menschen wissen, dass Qualität in der Pflege – das ist ja auch in der Vergangenheit öfters durch die Presse gegangen – inzwischen eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt“, sagte Latzel.

In der Pflegedokumentation habe man bislang viel mit Papier gearbeitet. „Wenn man dann weiß, dass die Personalressourcen in der Altenpflege natürlich auch knapp bemessen sind, dann ist ein Großteil der Arbeitszeit auch für das Dokumentieren von erbrachten Leistungen verwendet worden. Und hier ganz speziell hat Aastra einen Weg beschrieben, der den Einsatz von Kommunikationstechnologie, insbesondere auch das Thema Sprache, nutzbar macht, um viel Zeit zu sparen und damit letzten Endes mehr Zeit für die Pflege der Menschen zu haben“, so Latzel.

Generell werde seine Branche gebraucht, um Menschen umfassend und frühzeitig mit Kommunikationstechnologie zu versorgen. „Wir arbeiten sehr eng mit einigen Hochschulen zusammen, wo übergreifendes Wissen dann letzten Endes auch in der Praxis abrufbar ist. Ich denke da zum Beispiel an die Hochschule der Künste in Berlin, wo auch wirklich Menschen umfassend sowohl das Thema Technologie als auch das Thema Design oder Anwendungsorientierung mitnehmen und daraus ganz neue mögliche Arbeitsgebiete entstehen“, so Latzel gegenüber dem Deutschlandfunk.

Nach Analysen des DIW habe Deutschland die besten Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. In keinem anderen Land sei der Anteil der Wertschöpfung, der auf die Produktion forschungsintensiver Güter und wissensintensiver Dienstleistungen entfällt, höher als in Deutschland. Dabei würde Deutschland in den forschungs- und wissensintensiven Wirtschaftsbereichen eine besonders breit gefächerte Basis besitzen. „Voraussetzung für einen Ausbau der Spitzenposition ist jedoch, dass die Unternehmen unvermindert weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren – auch dann, wenn damit kurzfristig keine Erlöse zu erzielen sind“, so der DIW-Wissenschaftler Martin Gornig.