Was ich vom Hamburger Datenschutz-Kasperle auf der Call Center World in Berlin erwarte

Es ist rührend, wie sich der Hamburger Datenschützer um mein Wohl als Netzbürger sorgt: So wird in einer Pressemittelung Professor Johannes Caspar als Einführungsredner der Berliner Call Center World-Kongressmesse mit folgendem Bekenntnis angepriesen. „Persönliche Daten werden immer mehr zu einer Handelsware, an der private Unternehmen mehr Interesse haben, als der Staat. Um Bürgerinnen und Bürger vor einem Ausverkauf dieser Daten zu schützen, bedarf es einer modernen Datenschutzstrategie.“ Aber was, liebwertester Datenschutz-Gichtling, hast Du bis jetzt wirklich für mich getan?

Er möchte mich vor dem Ausverkauf meiner Daten schützen, weil gewinnsüchtige Konzerne, in der Regel in den USA angesiedelt, begierig meine Privatsphäre und geheimen Wünschen ausspionieren wollen? Hat der Staat also keine Interessen, mich kollektiv in die Kategorie von Kinderpornografie-Konsumenten einzustufen? Oder wie sieht es mit dem Vorhaben der „vorauseilenden Volksüberwachung“ aus – besser bekannt unter dem Namen „Vorratsdatenspeicherung“ (siehe die Spiegel Online-Kolumne von Sascha Lobo)? Gegenwind bekommt hier der obsessive Kontrollwahn des Staates nur von den Netzaktivisten und nicht von den Datenschutz-Bürokraten.

Auf der Call Center World erwarte ich deshalb vom Hamburger Datenschutz-Kasperle endlich eine nachprüfbare Bilanz seines Tuns und keine Bla-Bla-Empörungs-Powerpoint-Weisheiten. Es reicht jetzt mit dem Social-Plugins-ach-wie-schlimm-Dilettantismus. Meine Privatsphäre schütze ich selbst. Die Datenschutz-Bürokraten schützen eher ihre eigenen Planstellen. Verwaltung bleibt eben Verwaltung. „Die=Alle könn‘ mich lumbeckn!“ (Arno Schmidt, Zettel’s Traum). Nachzulesen in meiner heutigen Kolumne für das Debattenmagazin „The European“.

Gespannt bin ich übrigens auf den Konter von Spackeria-Bloggerin Julia Schramm, die nach Caspar reden wird.

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Wunsch an die Spackeria: Staatlichen Datenschutz sezieren!

Auf der Spackeriade in Berlin hielt der Spiegel Online-Redakteur Ole Reißmann einen sehr guten Vortrag über Themen, die von den Spackos stärker aufgegriffen werden könnten. Im Zuge der Datenschutz-Debatte sind die Positionen der Spackeria im vergangenen Jahr doch recht gut wahrgenommen worden. Die Empfehlungen von Reißmann sind da sehr hilfreich, um in dem Netz-Diskurs noch besser punkten zu können, ohne sich über irgendwelche Organisationsstrukturen, Sprecherfunktionen oder sonstige Vereinsmeiereien Gedanken zu machen. Auch eine gemeinsame Linie ist nicht vonnöten, die sich kritisch mit den Grenzen des Datenschutzes auseinandersetzen. Verstecken braucht man sich vor den Positionen von Kurz, Rieger und Co. nicht, wenn man sich die Vorschläge des CCC zur Stiftung Datenschutz und die Positionen zur personalisieren Werbung betrachtet – das ist doch häufig politisch naiv und dämlich. Siehe auch: Mist, Facebook will bestimmen, welche Badehose ich demnächst kaufe #Timeline #Open-Graph.

Die Spackos könnten beispielsweise den staatlichen Datenschützern stärker auf die Finger schauen. Was bringt das inszenierte Datenschutz-Theater den Bürgern wirklich? Was haben die Datenschutz-Bürokraten erreicht? Wie viel kündigen sie an und am Ende kommt nichts heraus? Was wurde denn nun ermittelt beim Staatstrojaner-Skandal? Da ist uns der Bundesbeauftragte noch ein paar Antworten schuldig. Reißmann hat diesen Wunsch an die Spackeria ab der Sendeminute 10:40 ausgeführt.

„Es gibt mindestens 17 Datenschutzbehörden mit vielen Mitarbeitern. Da würden uns natürlich Zahlen, Daten und Fakten interessieren. Kann man nicht mal genauer hingucken und sich überlegen, was kostet das und was machen die eigentlich? Jedes Mal, wenn in den Medien jemand auftritt und sagt, da wird der Datenschutz eingeschaltet und das wird vom Datenschutz überprüft, dann dauert es ja immer Monate und man könnte fragen, was am Ende nun wirklich dabei raus gekommen ist. Warum stellt sich die Spackeria nicht hin und seziert das Ganze“, fragt sich Reißmann.

Der staatliche Datenschutz versagt seit Jahrzehnten und niemand recherchiert die Sache systematisch. Bei der Staatstrojaner-Geschichte könnte man doch mal anfangen.

Wie Facebook unsere Daten verspeist: Zwingt man Zuckerberg mit Datenschutz in die Knie?

Das t3n-Magazin hat heute sehr ausführlich dokumentiert, wie ausgeklügelt und weitreichend Facebook mit Trackingtools unsere Daten verspeist.
Grundlage des Beitrages ist ein Artikel von Byron Acohido in USA Today. Er hat mit Engeneering Director Arturo Bejar, Engineering Manager Gregg Stefancik sowie Andrew Noyes und Barry Schnitt einige hochrangige Facebook-Mitarbeiter interviewt.

„Eine der wohl pikantesten Bestätigungen zum Tracking durch Facebook: Das Unternehmen hat zugegeben, dass es seine Nutzer auch trackt, nachdem sie Facebook verlassen haben. Wer mit seinem Facebook-Account angemeldet ist und im Web surft, wird von einem Cookie geloggt. Das bedeutet im Detail, dass das Session Cookie dabei neben den besuchten Webseiten auch den Namen, die E-Mail-Adresse, Freunde und alle anderen Daten des entsprechenden Nutzerprofils mit aufzeichnet.“

Was macht nun Facebook mit den gesammelten Daten?

„Gegenüber USA Today äußerte sich Facebook auf diese Frage dahingehend, dass man die gesammelten Daten lediglich dazu verwende, um die Sicherheit und Plugins zu verbessern. Man hätte keine anderen Pläne zur Verwendung der Informationen. Allerdings hat das soziale Netzwerk erst vor kurzem einen Patentantrag für eine Technologie gestellt, die Tracking-Daten in Korrelation mit Werbung bringen soll. Das macht aus Sicht von Facebook durchaus Sinn, denn die Erkenntnisse aus dem Tracking von Suchanfragen und den besuchten Seiten der Nutzer erlauben nicht nur Rückschlüsse auf deren Vorlieben, sondern auch auf politische und religiöse Einstellung oder auch Gesundheitsaspekte. Diese Informationen sind für werbetreibende Unternehmen Gold wert. Bisher scheint Facebook, wenn man dem Netzwerk Glauben schenken mag, diese Daten nicht zu verkaufen – die Verlockung dürfte jedoch groß sein.“

Eigentlich wollte ich heute ja in meiner heutigen Freitagskolumne für Service Insiders das Thema Facebook und die Diktatur der Marketing- und Werbeindustrie aufgreifen. Bin aber ein wenig angeschlagen (schnief, hüstel), so dass ich erst am Montag fertig werde. Ein paar Reaktionen auf meinen Aufruf vor ein paar Tagen möchte ich hier dennoch bringen.

Peter Jebsen, Leitender Redakteur AUDIO VIDEO FOTO BILD:

Hier kann doch nicht von Ausbeutung die Rede sein! Wir entscheiden freiwillig, welche persönlichen Informationen wir mit Facebook teilen.
Re: „Wer hat denn mal auf die Einblendung einer personalisierten Anzeige irgendetwas gekauft?“ Ich noch nicht. Ich habe lediglich mal als jemand, der bestimmte Bands „geliket“ hat, eine *kostenlose* Compilation eines ähnlichen Soulsängers empfohlen bekommen und heruntergeladen. Die hat mir sehr gut gefallen, so dass ich mir wohl auch die regulären Alben kaufen werde.
Ich hätte es bedauert, wenn ich dieser personalisierten Anzeige nicht begegnet wäre.

Markus Hövener von Bloofusion:

Was erwarten die Leute eigentlich? Es gibt nichts geschenkt – auch und vor allem nicht im Netz. Die Nutzung von Facebook ist grundsätzlich kostenlos – aber für die Bereitstellung des Dienstes zahlen wir eben alle kollektiv. Vielleicht führt Facebook ja mal eine Bezahlvariante ein, bei der man dann Facebook nutzen kann, ohne dass die Daten missbraucht werden.

Es ist aber auch von Vorteil, wenn Facebook viel von mir weiß, denn dann kann mir zielgerichtet Werbung ausgeliefert werden. Ja, das ist kommerziel, aber Werbung bekomme ich sowieso. Dann darf die auch zielgerichtet sein.

Und wen das stört, der darf sich ja gerne von Facebook fernhalten. Man kann ja ein erstaunlich gutes Leben ohne Facebook realisieren.

Olaf Kopp von SEM Deutschland:

Ich sehe das so, Facebook, Google & Co. stellen verschiedene Service kostenlos zur Verfügung. Dass diese Unternehmen das nicht aus purer Nächstenliebe tun ist klar. Sie wollen Daten sammeln, um ihre Marketing Dienstleistungen aufzuwerten, die dann von Werbetreibenden gegen Entgelt genutzt werden können. Ich finde das legitim und jeder aufgeklärte Internet Nutzer kann entscheiden, ob er diese Dienste nutzt oder nicht. Über mich als Einzelperson erfährt der Werbetreibende nichts (das besagt unser Datenschutz). Ich werde höchstens zum Teil einer Zielgruppe. Es ist ein Abwegen zwischen dem Mehrwert des Services und dem Willen Nutzungsdaten zur Verfügung zu stellen. Möchte ich das nicht nutze ich eben keine Social Networks oder andere nichtkommerzielle Suchmaschinen.

Zurück zum Punkt Verbesserung der Marketing Dienstleistungen. Ich bin es leid während eines Boxkampfs in jeder Pause mit Werbung belästigt zu werden für Produkte an denen ich kein Interesse habe. An für mich uninteressanten TV und Print Werbung haben wir uns gewöhnt. Ist das besser? Ich denke nicht. Dann lieber abgestimmt auf die Zielgruppe zu der ich, aufgrund meiner Internet Nutzung zugeordnet wurde.

Ich denke auf der anderen Seite haben Werbetreibende und Marketing Agenturen die Verantwortung die neuen Möglichkeiten wie z.B. Behavourial Targeting oder Retargeting nicht inflationär zu nutzen, sondern mit Blick auf die Zielgruppe. Es geht nicht um Penetration, sondern Animation. Im Bereich Social Media funktioniert Werbung meistens eh nicht (siehe auch meinen Beitrag Warum Social Media Werbung und Facebook Ads nicht funktionieren) also hat man hier eh schlechte Karten mit plumpen Marketingmethoden und ist auf die Sympathie des „Freundes“ angewiesen.

Eine ganz andere Frage wirft Christian Heller in seinem Buch Post-Privacy auf, die ich schon in meiner The European-Kolumne „Warum der Staat das freie Netz hasst“ angedeutet habe:

Machtzentren wie Google und Facebook ziehen Datenschützer magisch an. Aber nicht, weil sich die Datenschützer um die Freiheit des Netzes sorgen. Es sind Mitspieler, die eher nach den Ordnungsregeln der Paternalisten spielen. „Das sind Ordnungen, in deren Rahmen der Datenschutz sich Lösungen wie das ‚Recht auf Vergessen‘ oder das ‚Verpixelungsrecht‘ erträumt und plant. Will der Datenschutz diese Rechte durchsetzen, sind es diese Ordnungen, die er bewusst oder unbewusst verlangt: König Facebook ja, denn der sorgt für Ruhe und Ordnung; ein freies Netz nein, denn dort kann ja wer weiß was mit den Daten passieren“, so der Buchautor Christian Heller.

Der deutsche Datenschutz müsste Facebook eigentlich lieben, da es ein zentralistisch kontrolliertes Netz im Netz ist. Was auf Facebook passiert, passiert unter Kontrolle des Zuckerberg-Konzerns. „Facebook zensiert. Facebook scheißt Nutzer raus, die sich falsch verhalten…Facebook sieht und hört alles – und verspricht gleichzeitig in gewisser Weise Privatsphäre. Stelle ich etwas auf eine öffentliche Website, ist es ungehindert für alle Augen der Welt einsehbar. Auf Facebook dagegen kann ich einstellen, wer gucken darf. Ich kann verschiedene soziale Sphären bestimmen, von denen die eine dieses sehen darf und die andere jenes…..“, so Heller. Facebook locke mit jener informellen Selbstbestimmung, die die Kontrollfreaks immer einfordern. Allerdings bezahle man mit der Unterwerfung unter das Regime von Facebook – seine Überwachung, seine Zensur, sein Hausrecht. Facebook sei eigentlich das, was staatliche Datenschützer für das komplette Internet ersehnen: Ein überwachtes und gesteuertes Datenkontrollnetz.

Datenanarchie versus Datenkontrolle ist wohl eher das Spannungsfeld, in dem man die Dickfische Facebook und Google betrachten sollte. Werbung und Marketing sind da nur Nebenkriegsschauplätze mit reichlich überschätzter Wirkung. Bis Sonntag kann ich Meinungsäußerungen noch gut gebrauchen. Vor Sonntag werde ich die Kolumne für Service Insiders nicht fertigstellen.

Die Staatstrojaner: Wo bleibt die Empörung der Datenschutz-Beamten?

Ich habe es hier ja mehrfach thematisiert: Bei der ganzen Aufregung über Datenschutzvergehen von Google, Facebook oder Apple und der Empörungsspirale der Staatsaufseher im Datenschutz sollten wir die Aktionen des Staates gegen seine Bürger nicht außen vor lassen. Wer schützt denn hier die Freiheitsrechte jedes Einzelnen? Wer schaut denn mal genauer hinter die Kulissen von BKA, LKAs und Co.? Warum betreiben die Staatsorgane so eine Geheimniskrämerei beim Einkauf ihrer Überwachungstechnik? Vielleicht wird schon mehr eingesetzt als in der Öffentlichkeit bekannt und nach der Gesetzeslage erlaubt ist? So hat die bayerische Polizei zwischen 2009 und 2010 den sogenannten Bayerntrojaner fünf Mal verwendet, erklärte das bayerische Justizministerium auf eine Anfrage der Grünen, berichtet der Fachdienst Golem und bezieht sich dabei auf den Spiegel.

Die umstrittene Spionagesoftware kam in den Städten Augsburg, Nürnberg, München und Landshut zum Einsatz. Die Polizei gab als Grund an, Straftaten wie Handel mit Betäubungs- und Arzneimitteln sowie banden- und gewerbsmäßigen Betrug aufklären zu wollen. „Mit der Spionagesoftware kann die Polizei im Grunde alle relevanten Aktivitäten auf dem Computer ausspionieren. Die Ermittlungsbehörden nutzten unterschiedliche Verfahren, um die Spionagesoftware auf einem zu untersuchenden Computer aufzuspielen. So wurde die Software unter anderem über eine Remote-Installation aufgespielt, ein anderes Mal wurde eine Hausdurchsuchung dazu missbraucht, den Bayerntrojaner zu installieren“, schreibt Golem. Dagegen ist doch Google Street View ein Kindergeburtstag.

Kürzlich hatte noch die Bundesregierung Angaben zu einer parlamentarischen Anfrage verweigert, ob der Bundestrojaner gegen Terrorverdächtige bereits eingesetzt wurde.

Wer weiß, was da jeden Tag schon praktiziert wird und erst im nachhinein durch Gestzesänderungen legitimiert werden soll.

Wir sollten uns also weniger mit den vermeintlichen Einflüsterungen personalisierter Werbung von Facebook oder Google herumschlagen, sondern mit der Bedrohung der Privatsphäre beschäftigen durch staatliches Handeln unter dem Deckmantel von Terrorgefahren und einem Cyberwar, der vor allen Dingen in den Spionage-Hirnen von Verkäufern von Sicherheitssoftware gedeiht. Glauben Contanze Kurz und Frank Rieger vom Chaos Computer Club, dass eine Stiftung Datenschutz, die sie in ihrem Buch „Die Datenfresser“ vorschlagen, hier mehr Schutz für die Gesellschaft bringt? Ist es nicht etwas kümmerlich, wenn diese Stiftung mehr Aufklärung bei den allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärungen bringt, wie es die Stiftung Warentest bei Babyschaukeln und Gartengeräten vormacht?

Wer schützt uns denn vor den illegalen Aktionen des Staates? Genau das ist der Ansatz der Post-Privacy-Debatte. Man sollte den Leuten nicht einreden, über Regeln, Gesetze und staatliche Datenschützer besser geschützt zu werden. Das ist ein trügerischer Glaube.
Das sollte man nicht gleichsetzen mit Defätismus oder Indifferenz gegenüber den Sauereien, die auch von Technologiekonzernen ausgehen. Es geht auch nicht um den Glaubenssatz: „Wenn wir alle transparent sind, wird alles schön“, so die etwas spöttische Bemerkung von Constanz Kurz in einem Interview. Das ist nicht der Punkt. Man sollte allerdings auch nicht Faktor Machbarkeit in seinen netzpolitischen Überlegungen ausklammern.

Eine Stiftung Datenschutz ist nun wirklich nur eine Beruhigungspille.

Zu den Hauptursachen für fremdschaminduzierenden und datenschutzhomöopathischen Aktionismus der sonst eher arbeits- oder erfolglosen Datenschützer ist folgender Beitrag lesenswert: IP-Adressen: Teufelszeug oder harmlos? Ein datenschutzkritischer Dreiteiler.

„Der Kontrollverlust darf nicht hingenommen werden“: Äh ja, was wollen Sie dagegen tun, Frau Leutheusser-Schnarrenberger?


In meiner Kolumne für den Fachdienst MarketingIT der absatzwirtschaft beschäftige ich mit dem Ausspruch: „Der Kontrollverlust darf nicht hingenommen werden. “ Das proklamierte trotzig Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. „Als Marshall McLuhan ‚Das Medium ist die Botschaft‘ schrieb, meinte er damit, dass in jeder Technologie zum Ausdruck komme, wie sie den Intellekt der Menschen anregt, welche Sinne sie anspricht und welche Erwartungen sie vernachlässigt. Der Glaube an einen ohnehin nicht mehr aufzuhaltenden Kontrollverlust ist Selbstaufgabe. Der Post-Privacy-Ansatz gibt die falsche Antwort auf die neuen Herausforderungen, denn er setzt auf Gleichgültigkeit und damit letztlich auf intellektuelle Kapitulation. Datenschützer und Verbraucherorganisationen führen auch keineswegs letzte Rückzugsgefechte, sondern bremsen die Datensammelwut von Staaten und Großkonzernen“, führt die FDP-Politikerin aus. Sie seien unverzichtbare Helfer beim Schutz der Bürgerrechte, auch gegen eine vermeintliche technische Übermacht. „Gegen innovative Geschäftsmodelle ist selbstverständlich überhaupt nichts einzuwenden. Wenn aber einige wenige Konzerne wie Google oder Facebook unüberschaubare Datenberge und Informationen über Millionen Menschen anhäufen, aus denen sich Persönlichkeitsprofile erstellen lassen und die tiefe Einblicke in Privates ermöglichen, dann ist das beunruhigend. Die damit verbundene Machtfülle droht sich auf wenige private Großunternehmen zu konzentrieren, die sich grenzüberschreitend betätigen, was eine demokratisch legitimierte Kontrolle immer schwieriger macht“, meint die Ministerin.

Mal abgesehen von den üblichen Plattitüden über vermeintliche Datenkraken aus Übersee, bewegt sich die trotzige Haltung der liberalen Dame zum Kontrollverlust auf Sandkastenniveau. Hinter diesem Wort stecken kein Ziel, keine Programmatik und auch keine Utopie. Es beschreibt schlichtweg die normative Kraft des Faktischen. Die Justizministerin sollte nicht nur Marshall McLuhan lesen, sondern auch die Werke der Systemtheoretiker um den Soziologen Niklas Luhmann. Morgen ab 9 Uhr weiterlesen unter: http://www.marketingit.de/content/news/datenschuetzer-sollten-luhmann-lesen-von-der-trotzigen-verweigerung-des-kontrollverlustes;73956