Wenn Markenartikler den Online-Handel gängeln: Der Kunde wird das abstrafen!

Vor kurzem ist Ken Kasischke über ein Zitat des Ökonomen Peter Drucker gestolpert:

„Der Kunde entscheidet darüber, was ein Unternehmen ist.“

Bemerkenswert an diesem Ausspruch: Er ist fast 60 Jahre alt!

„Die Konsumentendemokratie ist also kein so neues Phänomen, wie sie uns heute erscheint. Vielmehr bringen Internet und Social Web lediglich ans Licht, dass echte Kundenorientierung allzu häufig eher Absichtserklärung als gelebte Praxis ist. Doch glücklicherweise sind Internet und Social Web keine Einbahnstraßen. Unternehmen, die von ihren Kunden dort unter Druck gesetzt werden, können von offenem Kundenfeedback enorm profitieren – sofern sie es aktiv einfordern, und danach handeln“, schreibt Questback-Marketingmanager Ken Kasischke in einem Gastbeitrag für den Smart Service-Blog.

Das Machtgefüge würde sich zugunsten der Kunden verschieben. Die Unternehmen hätten das Monopol über ihre Markenbotschaften verloren. Everybody’s a publisher: Man vertraue anderen Kunden mehr als irgendwelchen offiziellen Markenversprechen. Einige Manager von vorgestern haben das allerdings noch nicht kapiert. Siehe meine heutige Kolumne für Service Insiders: Alle Macht dem Kunden? Mehr Web Democracy in Unternehmen wagen.

Es gibt immer noch mächtige Unternehmen, die das nicht akzeptieren und den Kontrollverlust im Social Web mit allen Mitteln abwehren wollen. Markenartikler klagen, schreiben Regeln für den Online-Verkauf vor oder zwingen Kunden in den stationären Fachhandel. Die jüngsten Fälle dokumentiert heute die FAZ. Adidas und Scout.

Angeblich seien Markenimage, Beratung und Service durch nicht autorisierte Online-Händler in Gefahr. Das riecht doch stark nach dem Kaffee-Vollautomaten-Hersteller Jura, der Anfang des Jahres schrieb:

„In Folge der hohen Beratungsintensität unserer Premium-Produkte beschlossen wir 2001, uns auf den beratenden Fachhandel als Vertriebsweg zu unseren Kunden zu konzentrieren. Wird unser Produkt bei einem von uns autorisierten Händler gekauft, gewähren wir als Hersteller 25 Monate Garantie. Ihre IMPRESSA C5 haben Sie bei einem von Jura nicht autorisierten Fachhändler erworben, weshalb wir keine Kosten in Garantie oder Kulanz übernehmen.“

Gut, dass ich im Bibliotheksgespräch mit Heinrich Welter vom Softwareunternehmen Genesys damals auf diese Problematik eingegangen bin – mittlerweile ist die Haltung von Jura wohl kein Einzelfall mehr.

Für Welter sind das vorgeschobene und anachronistische Argumente.

„Der Kunde hat heute so viel Macht, dass er solche Unternehmen auf Dauer abstrafen wird. Es gibt sicherlich noch Anbieter mit einer sehr konservativen Klientel unter den Käufern, die es sich leisten, die Prinzipien des stationären Handels auch in der Onlinewelt aufrecht zu erhalten. Eigentlich kann sich das niemand mehr leisten.“

Der tradierte Fachhandel werde von seiner Funktion im Verkauf zunehmend ausgehöhlt.

„Die Beratungsintensität wird durch das Internet sogar gesenkt. Die Kunden informieren sich intensiv im Netz, bevor sie online einkaufen. Auch die Markenunternehmen profitieren von den virtuellen Möglichkeiten, Produkte und Preise zu vergleichen, Kundenbewertungen einzuholen oder durch Empfehlungen über soziale Netzwerke neue Kunden zu bekommen“, erläutert Welter.

Deshalb sei es nicht hinnehmbar, wenn Markenunternehmen den Online-Handel ans Gängelband nehmen. Nach Ansicht von Peter Gentsch von der Business Intelligence Group gibt es bei Unternehmen noch eine große Diskrepanz, zwischen dem, was in sozialen Netzwerken postuliert wird und dem, was dann tatsächlich gelebt wird.

„Es ist relativ leicht, auf Facebook präsent zu sein. Was in der Regel fehlt, sind die Prozesse dahinter“, sagt Gentsch im Gespräch mit Service Insiders.

Keine Kontrolle über Marketingbotschaften

Wenn man das Thema netzpolitisch betrachtet, habe das Ganze sehr viel mit der Kultur der Beteiligung, mit Transparenz und mit Kontrollverlust zu tun. Die Kultur in den Unternehmen würde das nicht widerspiegeln. Man habe schlichtweg im Social Web keine Kontrolle mehr über die eigenen Marketingbotschaften. Einige Markenartikler können das wohl nur schwer verkraften.

„Die neue Kommunikationskultur des offenen Austausches und des Teilens muss von der Unternehmensspitze vorgelebt werden und von möglichst vielen Mitarbeitern mit unterschiedlichsten Zuständigkeiten und Hierarchiestufen praktiziert werden. Dies bedeutet in der Konsequenz: Erst die Umsetzung eines internen Enterprise 2.0-Ansatzes schafft die Voraussetzungen für eine echte Dialogorientierung mit den Kunden in der externen Kommunikation. Ohne den sozialen Innendialog über Abteilungen und Silobunker hinweg kann auch kein echter Außendialog mit Kunden und anderen Marktpartnern verstanden und aufgebaut werden“, bestätigt die Marketingprofessorin Heike Simmet von der Hochschule Bremerhaven.

Erst wenige Unternehmen hätten die Notwendigkeit für diesen holistischen Ansatz erkannt. Sie würden stattdessen auf der ersten Ausprobierstufe von Social Media verharren, während die Innovatoren weiter vorpreschen und sich nachhaltige Wettbewerbsvorsprünge in der immer stärker digitalisierten Welt sichern.

„Es gibt sogar Fälle, wo Mitarbeitern der Zugang zu Facebook blockiert wird. Wie soll jemand so mit der Zielgruppe im Social Web zusammen kommen, wenn er noch nicht einmal die Möglichkeit eines Zuganges in dieses Medium hat“, kritisiert Gentsch.

Häufig scheitere die Öffnung auch an der eigenen IT-Abteilung. Eine digitale Transformation müsse das gesamte Unternehmen erfassen.

„Es ist ein altes Lied. Es spielen Abteilungsegoismen und Machtstrukturen mit rein. Mein Wunsch wäre, dass man auch social wird und Web Democracy mehr ins Unternehmen bekommt, um damit die Potenziale von sozialen Netzwerken besser zu heben“, resümiert Gentsch, der am 10. Juli in Amsterdam in einer interessanten Panel-Runde mit Michael Buck (Dell), Brian Solis (Altimeter Group), Scott Galloway (L2), , Dennis Wedderkop (Vodafone), Michael J. Saylor (Microstrategy), Peter Mann (CDS/UK Army) und Ulf Valentin (HRS) über Social Commerce-Trends diskutiert.

Und im Social Commerce müssen Firmen noch einige Lektionen lernen!

Siehe auch:

Enterprise 2.0: Nutzung sozialer Software im Unternehmen – Konsequenzen für den Kundenservice.

Bibliotheksgespräch über die Dominanz der asynchronen Servicekommunikation, machtvolle Kunden und blinde Markenhersteller.

P. S. Mal schauen, ob Adidas meine Anfrage beantwortet:

Vor sieben Stunden habe die Fragen gestellt, bis jetzt (16:38 Uhr) gab es keine Reaktion. Aber das wundert mich ja auch nicht mehr, denn es dominiert ja Marketinggeschwafel statt Kundendialog.

Wahlfreiheit und überall der gleiche Service? Wenn Kunden sich für Online-Einkäufe entschuldigen müssen

Dosentelefon-Blogger Christoph Pause, Chefredakteur der Zeitschrift acquisa, hat endlich DSL. Hallelujah!

„Hat ja auch nur alles zusammen vier Monate gedauert. Und bei der Telekom von Bestellung bis Freischaltung 23 Tage. Ohne Anna aus dem Team von Telekom_hilft hätte es noch viel länger gedauert. (An dieser Stelle ein tief empfundenes Dankeschön! an Anna)“, so Pause.

Mit der Hotline hatte das nicht funktioniert. Aber hier fängt die Geschichte eigentlich erst an, denn der Service-Spaß ging nach dem Technikerbesuch weiter:

Er brauchte den Router der Telekom, weil der O2-Router natürlich nicht kompatibel ist. Also ging Christoph Pause in „seinen“ in Kirchzarten. Dort entspinnt sich nach 10 Minuten Wartezeit (am Samstag nur zwei Leute in den Laden zu stellen, wenn jeder kommt, der unter der Woche keine Zeit hat: Tolle Idee!) folgender Dialog:

Ich: “Hallo, ich bin Neukunde, ich brauche einen Speedport.”

Verkäufer: “Gut, da nehmen Sie den Speedport W732, kostet 129,99.”

Ich: “Na gut. Bei O2 gabs den Router gratis zum Vertragsabschluss.”

Verkäufer: “War aber sicher auch das Einzige, was bei O2 funktioniert hat…”

Ich: “Nein, auch sonst war alles wunderbar.”

Verkäufer: “Wo haben Sie denn den Anschluss bestellt?”

Ich: “Im Online-Shop.”

Verkäufer: “Haben Sie davon irgendwelche Vorteile, oder warum haben Sie online gekauft?”

Ich: “Weil ich grad online war.”

Verkäufer: “Hätten Sie bei mir bestellt, hätten Sie den Router für 79 Euro bekommen.”

Ich: “Toll, dass einem im Online-Shop das nicht auch angeboten wird. Ich erwarte von der Telekom, dass auf allen Kanälen derselbe Service geboten wird.”

Verkäufer: “Nein, das geht nicht. Besser ist es im Laden, dafür sind wir Händler da. Es geht nicht alles so über das Internet.”

„Toller Service, toller Verkäufer. Ob es wirklich sinnvoll ist, Neukunden zu beschimpfen, weil sie online gekauft haben, was er im Laden anbietet, weiß ich nicht. Ich weiß nur eins: ich geh nie wieder hin. Und falls es in Kirchzarten Menschen gibt, die in einen Telekom-Shop müssen: Geht nach Freiburg, dort weiß man eher, was Multichannel heute heißt. Kirchzarten ist eben doch ein Dorf.“

Soweit zur Frage der Wahlfreiheit, selbst zu entscheiden, wie man Produkte und Services erwerben möchte. Da bekomme ich sofort einen Kaffee-Vollautomaten-Flash :-(….…„weshalb wir keine Kosten in Garantie oder Kulanz übernehmen“ #juravollautomat

Aber was sagte noch Brian Solis?

Customer behavior is changing quicker then the ability of companies to adapt. What is the key game changer and which industries are bound to die?

Siehe auch: Wollen Unternehmen im digitalen Darwinismus überleben, müssen sie sich dem Wandel stellen!

Schöne übrigens auch: Von der Vergeblichkeit, einen Festnetzanschluss zu bekommen, Teil II

Wo die Reise im Handel hingeht, beleuchtet t3n: M-Commerce: ebay-Studie zeigt Trends und Entwicklungen.

Wie soziale Netzwerke Unternehmen radikal verändern, beantwortet Hannes Schleeh im Interview mit Heinrich Bruns im Vorfeld der Berliner Wissenschaftskonferenz Informare:

Bibliotheksgespräch über die Dominanz der asynchronen Servicekommunikation, machtvolle Kunden und blinde Markenhersteller

Das zweite Bibliotheksgespräch führte ich mit dem Kommunikationsexperten Heinrich Welter vom Software-Anbieter Genesys. Klar, dass am Anfang des Interviews auch ein Kaffee-Vollautomat eine Rolle spielt 😉

„Auch Jura profitiert davon, wenn Kunden sich im Internet über ihre Produkte informieren, andere Meinungen einholen, Preise vergleichen und Mund-zu-Mund-Propaganda betreiben“, sagt Welter. Auf der anderen Seite wolle die Firma die Verbraucher in den teureren Fachhandel lenken. Das passe nicht zusammen. Welter vergleicht das mit Kunden von Genesys, die ihre Kunden immer noch dazu zwingen wollen, bei einer Hotline anzurufen. „So funktioniert die Welt nicht mehr. Services und Servicekräfte müssen dort hinkommen, wo der Kunde sich bewegt: Ins Internet, in soziale Netzwerke, Web-Chats und Foren.“

Er stellt einen radikalen Wandel im Kommunikationsverhalten fest. Heute werde in einer breiteren Forumsform diskutiert. Es gebe kaum noch ein Interesse an einer Punkt-zu-Punkt-Kommunikation. „Die asynchrone Kommunikation dominiert.“ Tradierte Hersteller und auch Hotline-Anbieter würden die Signale noch nicht richtig deuten. Das dürfte sich irgendwann rächen. Bestätigt wird das übrigens in einem Alltagskommentar der Wochenzeitung „Der Freitag“: Wieso verweigere ich mich dem Telefonieren?

Telefonieren ist anders geworden in Zeiten der sozialen Netzwerke. Das Smartphone überlässt mir die Entscheidung, über welchen Kanal ich mich melde. Und setzt mich damit unter Druck. Ich spüre, dass auch ich häufig zögere, bevor ich eine Nummer wähle. Es könnte ja den überfordern, den ich spontan anrufe. Also sichere ich mich ab und frage als Erstes: „Störe ich?“ Das kann auch heißen: „Was tust Du gerade?“ So eröffne ich mein Gespräch, mit einer Entschuldigung und Smalltalk gleichzeitig. Meist aber entscheide ich mich, per SMS vorzufühlen, ob man sich nicht mal für die kommenden Tage zum Telefonieren verabreden möchte. Dieses erwünschte Telefonat ist dann wie ein Besuch früher.

Genesys-Manager Welter wird am 28. Februar auch an der Expertenrunde am 28. Februar von 14 bis 15 Uhr auf der Call Center World in Berlin teilnehmen.

Thema: Von Welterklärungsmaschinen und der unsichtbaren Servicekommunikation: Visionen für die Mensch-Maschine-Interaktion. Teilnehmer: Heike Simmet (Hochschule Bremerhaven), Günter Greff (Call Center-Experts), Walter Benedikt (3C Dialog), Bernhard Steimel (Mind Business), Andreas Klug (ITyX), Peter Gentsch (Business Intelligence Group) und Heinrich Welter (Genesys). Moderation: Icke.

Am Schluss des Bibliotheksgespräches erzielte ich mit Welter übrigens einen Konsens. Die Call Center World wird in naher Zukunft nicht mehr Call Center World heißen. Wir haben einen neuen Vorschlag ins Spiel gebracht: iService World!

Ein Bericht zum Bibliotheksgespräch folgt am Freitag in meiner Kolumne für den Fachdienst Service Insiders.

Ob wir als Kunden vielleicht doch blöd sind, untersuchte Frank Plasberg in seiner Talksendung.

Siehe auch:

Call Center-Fanboys und das Gleichnis des liberalen Frosches

Alle Kunden sind gleich. Aber manche sind gleicher

Das roboterhafte Gefasel der Marketingindustrie

Über Lustgewinn und Schmerzvermeidung im Social Commerce äußert sich übrigens Marken-Consultant Markus Roder in einem interessanten Interview mit dem Smart Service-Blog.

„Soziale Netzwerke lösen immer mehr die alten Kommunikationswege ab“

Welche Wirtschaftsbranchen durch Internet-Dienste und Apps schon jetzt ins Schwanken kommen: Die Angst vor Veränderung

Bericht über das erste Bibliotheksgespräch: Warum eine Überhöhung der Technik zu Denkfaulheit führt

…weshalb wir keine Kosten in Garantie oder Kulanz übernehmen #juravollautomat

Auf Umwegen hat mich jetzt doch noch eine Botschaft von MediaInfo@jura.com erreicht und bestätigt die Wertung der Kritiker über die wenig freundliche Haltung zum Online-Handel. Alles höflich ausgedrückt, passt aber nicht mehr ins Social Web-Zeitalter.

Guten Abend Herr Sohn

Anbei die versprochene Stellungnahme. Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende und senden beste Grüße (diese Höflichkeitsfloskeln könnt Ihr Euch sparen, gs)

JURA Elektroapparate AG

Sehr geehrter Herr Sohn,

es tut uns leid, dass Ihnen in Verbindung mit einem Espresso-/Kaffee-Vollautomaten aus unserem Haus in den vergangenen Tagen Ärger entstanden ist.

Um solchen Unannehmlichkeiten vorzubeugen, weisen wir auf unserer Homepage http://www.jura.com über die von uns autorisierten Fachhändler und die damit verbundenen Garantieleistungen hin. Somit ist sichergestellt, dass im Schadensfall Anspruch auf die volle Garantieleistung besteht.

In Folge der hohen Beratungsintensität unserer Premium-Produkte (hier solltet Ihr Euch ein Beispiel an Steve Jobs nehmen: Bauhaus-Stil statt Techno-Stress) beschlossen wir 2001, uns auf den beratenden Fachhandel als Vertriebsweg zu unseren Kunden zu konzentrieren. Wird unser Produkt bei einem von uns autorisierten Händler gekauft, gewähren wir als Hersteller 25 Monate Garantie. Ihre IMPRESSA C5 haben Sie bei einem von JURA nicht autorisierten Fachhändler erworben, weshalb wir keine Kosten in Garantie oder Kulanz übernehmen. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir mit dieser Konsequenz der Verantwortung unserer Vertriebsbindung, sowohl gegenüber unseren Kunden, die unser Produkt beim autorisierten Fachhandel gekauft haben, als auch gegenüber dem Fachhandel nachkommen.

Um Ihre Gewährleistungsansprüche geltend zu machen, möchten wir Sie bitten, sich an Ihren Händler zu wenden, der gesetzlich verpflichtet ist, Ihre Gewährleistungsansprüche zu erfüllen.

Wir hoffen, dass wir Ihre Fragen beantworten konnten.

Mit freundlichen Grüßen
JURA Elektrogeräte Vertriebs-GmbH
Kundenkommunikations-Center

JURA Elektrogeräte Vertriebs-GmbH – Kundenkommunikations-Center
Handelsregister beim Amtsgericht Nürnberg, HRB 8150
Geschäftsführer: Rolf Peter Diehl
Postanschrift: Postfach 99 01 44, 90268 Nürnberg

Mein Ärger wird immer größer. So nicht, Freunde der Vollautomaten. Nie wieder werde ich ein Produkt Eures/Ihres Hauses erwerben.

Siehe auch:

Über die Unfähigkeit, die Chancen des Onlinehandels zu erkennen: Alle Kunden sind gleich. Aber manche sind gleicher

Jura’s Steinzeit Interpretation von Service

Wer einen #Jura Kaffee-Vollautomaten über Amazon bestellt, hat wohl die Ar…karte gezogen #Service1.0

Von der Kunst, sich bei Kunden unbeliebt zu machen #juravollautomat

Eigentlich müsste ich die Verantwortlichen von Jura ähnlich torten, wie es die Digitalen Konditoren mit Guttenzwerg gemacht haben. Weder wurde meine Presseanfrage bis heute beantwortet (Sehr geehrter Herr Sohn, herzlichen Dank für Ihre Nachricht. Wie telefonisch besprochen habe ich Ihre Anfrage an meine Kollegen von JURA weitergeleitet, die sich in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen werden. Beste Grüße Frauke Beigel), noch hat mich das so genannte Kundenkontaktcenter dieses Unternehmens kontaktiert, wie mir vollmundig auf Facebook versprochen wurde.

Getortet habe ich dann heute in meiner Freitagskolumne im Fachdienst Service Insiders. Titel: Über die Unfähigkeit, die Chancen des Onlinehandels zu erkennen: Alle Kunden sind gleich. Aber manche sind gleicher

Mit ihrer Servicementalität stoßen die Vollautomaten-Macher im Netz nicht gerade auf eine positives Echo:

„Das ist so wie das Fotografier-Verbot bei Saturn und MediaMarkt. Eine reine Abwehrschlacht, um die böse Konkurrenz aus dem Internet zu treffen. Markenunternehmen und Handel müssen endlich aus der Defensivstrategie herauskommen und begreifen, dass der Online-Handel neue Möglichkeiten bietet, den Kunden mit personalisierten Angeboten abzuholen“, so die Reaktion von Bernhard Steimel von der Unternehmensberatung Mind Business. Brian Solis nennt das „die Unfähigkeit, die Chance zu erkennen“ und prophezeit solchen Unternehmen, dass sie dem Digitalen Darwinismus zum Opfer fallen werden. „Meiner Meinung nach liegt es oftmals eher an der mangelnden Fähigkeit der Unternehmen, sich an das veränderten Konsumverhalten anzupassen. In unserer repräsentativen Social Commerce-Studie stellen wir dazu fest, dass die Online-Produktsuche die analoge Welt im Weihnachtsgeschäft abgehängt hat. Mit der Verlagerung der Produktsuche ins Social Web wird das Angebot immer transparenter. Das ist eine Macht, die der Kunde für sich ausnutzt. Es entsteht mehr Transparenz über Preise, Lieferzeiten, Qualität und Bewertungen. Die Steinzeit-Interpretation von Service, die Jura an den Tag legt, ist im Social Web nicht überlebensfähig“, so Steimel im Gespräch mit Service Insiders. Nach Einschätzung von Karl-Heinz Land, Senior Vice President von Microstrategy, wächst der Wettbewerbsdruck auf den stationären Einzelhandel, dessen Angebote in der Informationsphase an Relevanz verlieren und damit Gefahr laufen, nicht berücksichtigt zu werden.

Im Netz verliert man schnell seinen guten Ruf

Ähnlich sieht das der Webexperte Jens Klemann von Strateco:

„Wenn ich bei jedem Amazon-Einkauf erst prüfen müsste, ob eine Autorisierung vom Hersteller vorliegt, dann könnten wir das gesamte Bestellwesen unserer Firma über den Haufen werfen! Verkaufen wollen alle gerne, aber wehe es kommt zum Service-Fall. Warum agieren Hersteller so? Sie verlieren ihren guten Ruf und das spricht sich im Netz schnell herum“, erläutert Klemann.

Ob die Vorgehensweise von Jura juristisch sauber ist oder nicht, klug ist sie auf keinen Fall.

Wer einen #Jura Kaffee-Vollautomaten über Amazon bestellt, hat wohl die Ar…karte gezogen #Service1.0

Wenn alle roten Lämpchen bei einer Jura-Maschine erleuchten, ist das kein gutes Zeichen. Es sind auch keine guten Vorboten für die Service-Erlebnisse, die einem als Kunde blühen. Und man erlebt sogar immer wieder neue Überraschungen von unzumutbaren Geschäftsregeln, wenn man Garantieleistungen in Anspruch nehmen will. Aber alles nach der Reihe. Vor zwei Tagen verweigerte unsere Jura-Maschine ihre Dienste und erfreute uns mit allen Warnleuchten, die ihr zur Verfügung stehen. Was bleibt einem anders übrig, als bei einer Hotline anzurufen. Das hat meine Frau getan. Dann kamen von der Call Center-Agentin die üblichen Standardantworten: „Sie müssen den Strom unterbrechen und einen Neustart probieren“. Gesagt, getan. Keine Änderung. Nach mehreren versuchen war klar, da ist wohl eine Reparatur fällig. Die Agentin stellte uns zwei Möglichkeiten vor. Entweder wir fahren selbst zum nächstgelegenen Service-Center (da käme Wesseling in Frage) oder DHL holt die Maschine bei uns Zuhause ab. Telefonat beendet. Aus Bequemlichkeit wollten wir uns für die DHL-Variante entscheiden und es ist mir übertragen worden, noch einmal bei diesem Jura-Call Center anzurufen. Und ich wusste schon vorher, dass das kein gutes Ende nehmen wird.

Einen Tag habe ich mich erfolgreich gedrückt. Heute nun habe ich mutig angerufen. Wie erwartet, konnte ich die ganze Geschichte noch einmal erzählen – der berühmte Hotline-Alzheimer-Effekt. „Sie haben das letzte Mal im Oktober angerufen und eine Frage zur Entkalkung gestellt.“ Nein, wir haben das letzte Mal vor zwei Tagen angerufen und die Information bekommen, dass sie auch einen Abholservice via DHL anbieten. Diese Option wollen wir nun in Anspruch nehmen. „Bei welchem Händler haben Sie Ihren Vollautomaten gekauft“. Beim „Fachhändler“ Amazon. Das ist so schön bequem und wird wohl mittlerweile von einer Vielzahl von Verbrauchern genutzt. Amazon hat ein sehr breites Angebot an Jura-Maschinen. „Dann müssen Sie sich direkt an Amazon wenden. Amazon ist kein autorisierter Fachhändler. Deshalb gilt unsere Garantie nicht.“ Ok. Auf welchem analogen Planeten lebt eigentlich Jura? Ich sagte der Call Center-Agentin Petra S., dass es doch wohl keinen Unterschied macht, ob ich das Gerät direkt im Laden oder über den weltgrößten Versandhändler Amazon kaufe. „Da kann ich leider nichts machen. So sind die Bestimmungen“, sagte die Hotline-Dame (sagten die Vopos an der Grenze auch immer). Da sagte ich: Was soll denn Amazon mit dem Gerät machen? Das ist eine Originalmaschine Ihres Hauses. Die können das doch überhaupt nicht reparieren. Ich halte das für eine Unverschämtheit und werde mich bei der Pressestelle informieren. Gespräch beendet.

Pressestelle angerufen. Die haben gar keine eigene. Auf der Website ist eine PR-Agentur in Frankfurt angegeben:

Fleishman-Hillard Germany GmbH
Frauke Beigel
Hanauer Landstr. 182 c
60314 Frankfurt am Main

Tel.: +49 69 40 57 02 235
Fax: +49 69 43 03 73
Email: jura-presse@fleishmaneurope.com

Mit der Dame habe ich mittlerweile telefoniert und eine schriftliche Antwort eingefordert. Frau Beigel muss erst einmal Rücksprache mit dem Unternehmen halten. Mal schauen, was die mir mitteilen. Ein Blick auf die Website von Jura macht die Sache schon klarer.

Zur Jura-Garantie werden dann folgende Angaben gemacht:

Wer sich heute für den Kauf eines unserer Produkte entscheidet, hat neben einem Premium-Produkt auch direkt eine Premium-Garantie erworben. JURA hat sein Garantie-Paket für Sie ausgeweitet. Für alle aktuellen Produkte, die Sie ab dem 1. Juli 2006 bei einem autorisierten JURA Fachhändler gekauft haben, gilt jetzt eine verlängerte Garantiezeit von 25 Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums können Sie Ihre berechtigten Ansprüche gegenüber uns als Hersteller geltend machen.

Als Hersteller gewähren wir heute nur dann Garantie auf unsere Produkte, wenn diese bei einem von uns autorisierten Händler gekauft wurden. Was das heißt? Über 5.500 Händler in Deutschland sind von uns dazu autorisiert, JURA Geräte zu verkaufen. Dies bietet Ihnen – unseren Kunden – beste Beratungs- und Servicequalität. Und die liegt uns besonders am Herzen. Egal, ob Sie sich vor der Kaufentscheidung informieren wollen oder bereits eine Maschine erworben haben. JURA Vollautomaten, die nicht bei einem autorisierten Händler gekauft wurden, genießen keine Hersteller-Garantie.

Unser Tipp deshalb: Erkundigen Sie sich vor dem Kauf, ob der Händler von uns zum Verkauf von JURA Maschinen autorisiert ist. Fragen Sie den Händler nach den JURA Garantieleistungen. Dies gilt vor allem beim Kauf von JURA Produkten im Internet. Nur so können Sie von den vollen JURA Garantieleistungen profitieren.

Toll dieser Tipp, wenn man auf der Website von Amazon unterwegs ist und wir sowieso fast alle elektronischen Geräte online bestellen. Ich habe als Kunde keinen Bock, durch die Stadt zu tingeln und mich mit einem XXL-Paket herumzuschlagen. Lieferung via DHL an die eigene Haustür ist doch viel besser. Auf der Website von Amazon findet man dann diese Info:

Wir haben für Sie eine Liste mit Hersteller-Service-Informationen zusammengestellt, für den Fall, dass Probleme bei einem Produkt auftreten sollten, oder Sie weitere technische Informationen benötigen.

Geht man auf J für Jura findet man folgende Information:

Geht man auf die Amazon-Website und sucht nach einem Ansprechpartner für Servicefälle, dann wird folgende Nummer angegeben:

Jura:vTel: 0180 / 3523333 (0,09 EUR/Min. aus dem Festnetz der deutschen Telekom – u. U. abweichend aus Mobilfunk)

Und welche Hotline-Nummer findet man auf der offiziellen Website von Jura? Richtig! Die gleiche Nummer: 0180 3 523333

Wo steht also bitte was von Garantieausschluss? Warum macht Jura so einen Hampelmann mit den „autorisierten Fachhändlern“? Wie hält es Jura mit dem E-Commerce? Warum werden dann die Originalprodukte von Jura über Amazon verkauft (dat sind doch keine Plagiate)?

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht mit diesem oder anderen Herstellern? Ich werde Euch über den Fortgang der Geschehnisse weiter informieren. Vielleicht mache ich auch noch eine größere Story aus dem Thema. Verkauft Amazon die Jura-Maschinen also unautorisiert? Die Position von Amazon würde mich natürlich auch noch interessieren.

Web 2.0 findet im deutschen Online-Handel nicht statt – Social Commerce erst recht nicht

Wenn in einem Online-Shop Produkte von Kunden positiv bewertet werden, steigt die Kaufwahrscheinlichkeit um rund 39 Prozent. Zu diesem nicht sehr überraschenden Ergebnis komm eine Studie von E-Commerce-Center Handel (ECC-Handel). Ohne Kundenbewertungen liegt die Kaufwahrscheinlichkeit nur bei 10 Prozent. „Online-Shopper lassen sich davon beeinflussen, wie andere Online-Shopper einen Anbieter bewerten“, so Sebastian van Baal von ECC-Handel.

Für die Vertrauensbildung im E-Commerce sei das nicht zu unterschätzen, besonders wenn es für Neukunden darum gehe, die Seriosität des Anbieters einzuschätzen. Nun sind die Kundenbewertungen ja noch kein Riesenschritt zur Ökonomie der Beteiligung oder zum Social Commerce. Denn klar ist ja auch, dass wir bei Produkten und Dienstleistungen am meisten den Meinungen von Freunden und Bekannten vertrauen – das will ja wohl auch Facebook nutzen, um zum Internet im Internet zu werden. Social Graph nennt Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Idee eines personalisierten, menschlicheren Webs, dessen Informationsquelle ein Netz von Freunden, Kollegen und Familie ist. Er glaubt, dass jeder, der einen Arzt sucht, die beste Kamera oder einen Mitarbeiter, diesem Graph vertraut. Das Ganze läuft dann eben nicht mehr anonym, da Facebook-Nutzer ihre Online-Identität freiwillig ins Netz stellen. Social Commerce ist dann ein Empfehlungsprogramm mit einer noch viel höheren Wirkung – eine echte E-Commerce-Rakete. Soweit die Visionen.

Aber wie sieht die Realität des Online-Handels in Deutschland aus? Eine Studie von Novomind belegt, dass sich fast jeder zweite deutschsprachige E-Shop-Betreiber auf die reine Warenpräsentation und einzelne Dialog-Angebote beschränkt. Nur rund jedes dritte E-Commerce-Unternehmen bietet seinen Kunden beispielsweise Platz für Produktbewertungen. „Die Unternehmen riskieren damit, dass Kunden abwandern. Denn die Ansprüche von Online-Shoppern sind in den letzten Jahren gestiegen. Das ergab eine E-Shop-Studie“, teilt Novomind mit.

Interneteinkäufer würden immer häufiger darauf achten, dass sie sich im virtuellen Ladenlokal mit anderen Usern austauschen und ihre Produkterfahrungen im Netz verbreiten können. Differenzierte Suchmöglichkeiten, eine große Auswahl an Zahlungsverfahren oder hilfreiche Empfehlungen anderer Kunden sind ein Muss. „Mit dem Verzicht auf eine breite Palette an Web-2.0-Funktionen verprellen die Unternehmen nicht nur internetaffine Kunden. Gleichzeitig vergeben sie die Chance, von der Shopping-Community mehr über das Kaufverhalten im Internet zu lernen“, so Novomind.

Ein Großteil der E-Shop-Betreiber habe sich zwar in den vergangenen Jahren mit einem Update ihrer Shops für das Web-2.0-Zeitalter fit gemacht. Dennoch schöpft jeder zweite Anbieter das technisch Machbare seiner IT-Systeme nicht aus. Das ergab ein Funktionalitätentest bei 15 ausgewählten E-Shops, die in den vergangenen zwölf Monaten einen Relaunch ihrer Shopping-IT durchgeführt haben. „Für viele Shop-Manager ist der Einsatz von Web-2.0-Funktionen noch Neuland“, erklärt Peter Wiedekamm, Technischer Vorstand von novomind. „Die Mehrheit legt den Fokus derzeit auf den Ausbau von Funktionen, die den Gang zur virtuellen Ladenkasse abkürzen und den Dialog zwischen Kunde und Anbieter komfortabler gestalten. Den Schritt zum Community-Shop haben sie noch vor sich“, so Wiedekamm. Von Social Commerce sind die deutschen Online-Händler dann allerdings noch Lichtjahre entfernt.

Internetbetrug bei Hotelbuchungen: Könnte ein internationales Kontrollgremium helfen?

Nachgemachte Hotelreservierungs-Seiten zocken monatlich mehr als 70.000 Reisende ab, berichtet der Branchendienst eTurboNews (eTN). Besonders betroffen sind jene Touristen, die online Zimmer bei den großen Hotelketten Hyatt, Clarion, TraveLodge, Comfort Inn, Red Roof, EconoLodge, Super 8, Ramada, Days Inn und Wyndham buchen. Der Betrug sei eine Kombination aus Online-Werbung, einem falschen Hotelfinder und Drittanbieter-Reservierungssystemen, der Kunden auf gefälschte Seiten der Hotelketten führt.

Nach Angaben von Fraud Tip ist das System in einem großen Netzwerk eingebettet, das tagtäglich wächst. „Betroffen sind neben Hotels, Appartments und günstigen Motels auch Luxus Hotels, Resorts und Casinos. Am schlimmsten betroffen sind die Unternehmen Super 8 Motels, Days Inn und Ramada. Insgesamt werden monatlich mehr als 50.000 Reisende, die sich für Übernachtungen in diesen Hotels interessierten, auf diese nachgemachten Buchungsseiten umgeleitet. Mehr als 15.000 User, die sich für eine Übernachtung bei Comfort Inn interessierten, wurden ebenfalls auf die falsche Page umgeleitet“, so die Nachrichtenagentur pressetext.

„Nach der Phishing-Welle bei Banken scheinen sich diese B-Geschäftsmodelle zu etablieren, wobei B für Betrug steht. Nun werden ahnungslose Internetnutzer über Online-Werbung auch auf gefälschte Suchmaschinen gelenkt. Unsere Triptivity-Kunden werden nur auf Seiten von echten Reiseanbietern weitergeleitet. Sicherheit ist eine der wichtigsten Grundlagen für zufriedene Kunden“, kommentiert Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer von Triptivity, die neue Betrugswelle.

Bei den B-Geschäftsmodellen handele es sich um ein globales Problem und dafür brauche man auch globale Lösungen. „Ein internationales, unabhängiges Kontrollgremium sollte sich dieses Problems annehmen, ohne jedoch Inhalte zu zensieren. Nicht vergessen darf man auch die Verantwortung der Anbieter: Google sollte eine Tranche des Milliardengewinns dafür verwenden, dem Napping der User den Kampf anzusagen und die Inhalte seiner Kunden gewissenhaft auf betrügerische Inhalte prüfen“, fordert Schmidt. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Der Einzelhandel in Zeiten der Ernüchterung: Lokale Intelligenz und Kundennähe werden wichtiger

In schwierigen Wirtschaftszeiten sollte man wieder näher an die Kunden rücken und lokale Märkte wieder entdecken: Das verkündeten Jamey Wojciechowski von Best Buy und Chris Kneeland von Rapp Collins Retail auf der New Yorker Fachkonferenz Retail’s Big Show. Das alte Modell der Standardisierung und Einheitlichkeit von Produktangeboten funktioniere nicht mehr. Hier definiere sich der Wettbewerb nur über den Preis und alle Händler verkaufen das Gleiche.

Handelsmanager müssten lokale Intelligenz entwickeln, ihre Kunden genau kennen und mit ihnen stärker ins Gespräch kommen. „Der lokale Wettbewerb wird wichtiger. Ein Einzelhändler muss in seinem Umfeld die Nase vorn haben“, so Will Ander von McMillan Doolittle, Co-Autor des Buches „greentailing“ (Wiley Verlag). Das alleine werde aber nicht ausreichen. Der Konkurrent könne aus der benachbarten Stadt, Region oder von einem anderen Fleck der Erde kommen. „Weit beängstigender für Platzhirsche sind E-Commerce-Wettbewerber oder Direktvermarkter, die die Spielregeln des Einzelhandels radikal ändern“, erklärte Ander.

Die nächsten sechs Monate werden sehr schmerzhaft für den Einzelhandel verlaufen, so das fast einhellige Resümee von Analysten, Vertretern der Konsumgüterindustrie und des Handels zum Abschluss der NRF-Convention. Einzelhändler sollten sich auf das Überleben konzentrieren. „Nur die Besten werden durchkommen und in Zukunft eine starke Position einnehmen, um zu wachsen“, sagte Christopher Donnelly von Accenture in der Paneldiskussion „The Sky Has Fallen. Now what?“.

Nach Ansicht von Matthias Harsch, Mitglied der Geschäftsführung beim Technologiespezialisten Bizerba, beginnt jetzt für den Einzelhandel die Zeit der Umsetzung von technologischen Innovationen. „Wichtig sind strategische Investitionen für die Interaktion mit Kunden. Dazu zählen Multichannel-Konzepte, um die Kommunikation mit den Verbrauchern zu vernetzen über Ladengeschäfte, Call Center, Internet und mobile Endgeräte“, sagte Harsch in New York. Informationen müssten zeitnah und stets aktuell an Kunden vermittelt werden, um das Einkaufserlebnis zu verbessern.

Retail-Spezialist Tudor Andronic von Bizerba ergänzte, dass sich in einer Periode der Ernüchterung jene System- und Lösungsanbieter durchsetzen werden, die den Einzelhändlern sowohl Kostenreduzierung als auch besseren Kundenservice und Kundenzufriedenheit garantieren: „Das müssen Technologiefirmen und Provider schwarz auf weiß nachweisen“. Optimierungsbedarf sieht er in der Logistikkette von frischen Lebensmitteln. Allein von der Produktion bis zum Supermarkt verschwindet fast die Hälfte der Lebensmittel. „Rund fünf bis zehn Prozent gehen verloren durch den Verderb der Ware im Laden. Eine entscheidende Komponente ist dabei die Koordination und ein flexibles Management. Wenn ich weiß, dass das Haltbarkeitsdatum von frischen Lebensmitteln abläuft, muss ich in der Lage sein, mit Sonderangeboten die Ware schnell zu verkaufen. Entsprechend dynamisch sollten beispielsweise Etikettiersysteme funktionieren“, erläuterte Andronic.

Generell wichtig sei eine Reduktion der Komplexität für Kunden und Verkaufspersonal. „Deshalb bringen wir die Informationen mit Touchscreens dorthin, wo sie gebraucht werden. Sie brauchen keine Ordner zum Abheften mehr, sondern können die Informationen on demand abrufen“, so Harsch. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.

Rekordumsätze im E-Commerce – Mittelständische Unternehmen schöpfen Potentiale im Internet nicht aus

In die Stadt zum Shoppen gehen oder doch lieber bequem online bestellen? Eine aktuelle Studie des deutschen Versandhandels http://www.versandhandel.org (bvh) belegt: 31,44 Millionen Online-Käufer bewirkten, dass in 2008 erstmals mehr als 50 Prozent aller Warenbestellungen online eingingen. Dabei gaben die Deutschen für Waren und Dienstleistungen im Internet rund 19,3 Milliarden Euro aus. „Der E-Commerce ist – mit einer Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr -, als Wirtschaftsform auf dem Vormarsch. Besonders die ‚digital natives’ verhalten sich ökonomisch: Es ist Ihnen ins Blut übergegangen, etwa CD-Bestellungen schnell per Internet zu erledigen“, so Andreas Rebetzky, Director Global Information Technology beim Technologiehersteller Bizerba http://www.bizerba.de. Bewegte Bilder und Internet-Fernsehen stellen dabei Produkte auf ganz neue Art und Weise dar, sagt Thomas Lipke, Vorsitzender des Ausschusses E-Commerce im bvh: „Social-Commerce wird immer wichtiger, denn die Menschen möchten durch Empfehlungen oder Kommentare die Meinungen anderer Käufer in ihre Kaufentscheidung einbeziehen können“.

Doch fest steht: Die Branche lebt wie kaum eine andere vom Vertrauen ihrer Nutzer. Zwar hat sich auch bei der älteren Generation der „digital immigrants“ das Online-Banking mittlerweile verbreitet, „also die Transaktion mit Daten, die wir gemeinhin der Privatsphäre zuordnen“, sagt Rebetzky gegenüber NeueNachricht . Doch das Vertrauen der Online-Gemeinschaft in den Datenschutz erlebt nach wie vor Rückschläge. Der Plan von Union und SPD, dem Bundeskriminalamt bei Online-Durchsuchung von Computern mehr Freiraum einzuräumen, verunsichert die Nutzer und ruft die IT-Wirtschaft auf die Barrikaden. „Die Politik muss dafür sorgen, dass bei der Kriminalitätsbekämpfung das Vertrauen unbescholtener IT-Nutzer in ihrer Privatsphäre nicht leidet“, so BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer im Gespräch mit dem Handelsblatt http://www.handelsblatt.com. Aber nicht nur die Benutzer kämpfen mit ihrem Vertrauen, auch viele Unternehmen plagen sich mit offenen Fragen. Zwar verkauft mittlerweile jedes zweite mittelständische Unternehmen online, so eine neue Studie des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) http://www.ec-net.de. Doch trotzdem schöpfen die meisten die Potenziale vieler Internetoptionen nur ansatzweise aus. Der Grund: Kleine und mittlere Unternehmen geben zum Thema E-Business erheblichen Informationsbedarf an. Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern nannten dabei vor allem Online-Recht sowie Netz- und Informationssicherheit als bedeutendste Themen.