Abkühlung statt Erwärmung? In der Klimafrage benötigen wir einen seriösen wissenschaftlichen Diskurs und keine Prophetien!

LatifGerade rauschte in mein E-Mail-Fach eine Meldung, die über die Medienagentur Bavaria weitergeleitet wurde. Sie beinhaltet recht brisante Informationen. Demnach hat Professor Latif vor der UNO-Klimakonferenz am 1. September 2009 in Genf über die menschliche Ursache der Klimaerwärmung gesagt, die Erde hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht erwärmt und wir werden wahrscheinlich für die nächsten „zehn bis zwanzig Jahre eine Temperaturabkühlung erleben.“

Man muss nicht direkt Schaum vor den Mund bekommen und im propagandistischen Jargon antworten: „Ich habe es ja schon immer gewusst, die Klimaerwärmung ist reine Hysterie“. Genauso unredlich ist der Umgang mit den Zweiflern, die man als Skeptiker oder sogar als Leugner (in Anlehnung an den Holocaust) diffamiert, auf Schwarze Listen setzen oder ihnen sogar das Publizieren verbieten will. Wichtig wäre ein seriöser wissenschaftlicher Diskurs mit naturwissenschaftlichen Hypothesen, um ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Ob Professor Latif seine Äußerungen so gemacht hat und ob sie belastbar sind, konnte ich noch nicht überprüfen.

Unstrittig ist es wohl, dass es keinen Königsweg im Umweltschutz gibt. Energie- und Umweltexperten sollten sich in der Klimapolitik mehr streiten über die politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Kohlendioxid-Problematik. Kurzschlussreaktionen, blinder Aktionismus und Maßnahmen mit Placebo-Effekten bringen überhaupt nichts. Auch monokausales Denken ist eher hinderlich, um die komplexen Zusammenhänge der Klimaentwicklung zu erklären.

Ein buchhalterisches Herangehen an die Ressourcenfrage mit der mehr oder weniger klaren Absicht der Rationierung ist sogar schädlich. Vielmehr benötigt die Nachhaltigkeitsidee Dinge und Verhältnisse, die erst noch erfunden werden müssen. Diese Situation erfordert eine Politik, der auf den Erfindungsreichtum freier Menschen baut. Die heutige Politik tut aber genau das Gegenteil, indem sie vordringlich solche Forschung fördert, die Zukunftsängste und den dadurch geförderten Aberglauben bestärken.

Erinnert sei an das Prognosedesaster der selbsternannten Umweltexperten im Club of Rome. Top-Manager, Bürokraten und Wissenschaftler aus 25 Ländern unter Führung des Fiat- und Olivetti-Vorstandes Aurelio Peccei waren Ende der 1960er Jahre ähnlich ambitioniert gestartet wie die UN-Klimabehörde IPCC. Unter Leitung von Dennis L. Meadows vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) bastelten Betriebswirtschaftler und Systemanalytiker an einem kybernetischen „Weltmodell“ und schockierten die Weltöffentlichkeit mit Untergangsszenarien, die sich am Ende als heiße Luft herausstellten.

Professor Latif soll nun festgestellt haben, dass sich der Atlantik abgekühlt hat. Die Abkühlung soll sich auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren fortsetzen. Wie starkt dies Abkühlung ausfallen werde, konnte er noch nicht sagen. Ein Prognosezeitraum von zehn oder zwanzig Jahren ist allerdings auch wenig belastbar. Das gilt auch für die Propheten, die vor einer Erwärmung der Erde warnen. Jetzt ist es an der Zeit, mit mehr Nüchternheit über die Klimafrage zu disputieren.

Professor Latif ist Wissenschaftler für Klimamodellierung. Er ist Empfänger von mehreren internationalen Klimaforschungspreisen und einer der Autoren des Klimaberichts der United Nations‘ Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

Starre Unternehmenskultur verhindert Telearbeit und schadet der Umwelt

Pendler-StressJeder fünfte deutsche Erwerbstätige ist ständig unterwegs. Die meisten davon sind Fernpendler mit täglich mindestens zwei Stunden Fahrzeit. Sie müssen dabei einige Nachteile zu tragen. „Die Unfallgefahr ist nicht zu unterschätzen. Sie ist gerade für Autopendler das Gesundheitsrisiko Nummer eins“, sagt Verkehrspsychologe Thomas Wagenpfeil vom TÜV Süd. Außerdem führt die Dauerpendlerei dazu, dass die Mobilen weniger Zeit mit Freunden und der Familie verbringen können und sich ständig organisieren müssen.

„Damit insbesondere mittelständische Unternehmen die richtigen Fachkräfte in die Provinz holen, müssen sie bei den Arbeitszeiten deutlich flexibler werden. Es motiviert Mitarbeiter ungemein, wenn sie auch mal am Montag oder Freitag in den eigenen vier Wänden arbeiten dürfen“, sagt der Personalexperte Marc Emde, Geschäftsführer von KCP-Executives in Köln. Die technischen Voraussetzungen für räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten seien durch die moderne Telekommunikation längst gegeben.

„Wer die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als nur eine angemessene Bezahlung. Dazu gehört auch ein möglichst flexibles Arbeitsumfeld“, so Emde. Zudem komme dieses Modell berufstätigen Müttern und Vätern entgegen. Allerdings verhindere eine konservative, ja starre Kultur in manchen Unternehmen, dass Telearbeit oder Gleitzeitmodelle auch wirklich zum Einsatz kommen.

„Tägliches Pendeln zur Arbeitsstelle und zurück wirkt sich je nachdem negativ auf die Finanzen und auf den Stresslevel der betroffenen Personen aus. Wenn viele Pendler in Deutschland mit entsprechenden Technologien ausgestattet wären, könnten sie genauso gut – wenn nicht sogar besser – von zu Hause aus arbeiten“, bestätigt Andreas Latzel, Deutschlandchef der Aastra-DeTeWe-Gruppe in Berlin.

Unternehmen würden gleich mehrfach von Heimarbeit und flexiblen Arbeitsbedingungen profitieren, denn „sie können so ihre Immobilien- und Energiekosten reduzieren und gleichzeitig die Mitarbeiterbindung stärken“, fügt Latzel hinzu. Sein Unternehmen folge dem Beispiel der European Mobility Week, ein von der Europäischen Kommission ins Leben gerufener autofreier Tag. Wenn 20 Millionen Arbeitskräfte oder 10 Prozent der Mitarbeiter innerhalb der EU nur ein bis zwei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten würden, könnten die Kohlendioxid-Emissionen laut Forschungsergebnissen um ungefähr 22 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Das Umweltministerium untersucht mal wieder Getränkeverpackungen – dabei steht der Mehrwegflasche das Wasser bis zum Hals

14.000 mittelständische Arbeitsplätze in Gefahr

Dosenpfand-Gewinntonne beim Discounter. Praktische Einrichtung: Direkt neben dem Rücknahmeautomaten steht eine Mülltonne für Einwegflaschen, die die Maschine nicht schluckt. Für den Verbraucher eine teure Angelegenheit. Pro Flasche verbleiben 25 Cent in der Kasse des Discounters.
Dosenpfand-Gewinntonne beim Discounter. Praktische Einrichtung: Direkt neben dem Rücknahmeautomaten steht eine Mülltonne für Einwegflaschen, die die Maschine nicht schluckt. Für den Verbraucher eine teure Angelegenheit. Pro Flasche verbleiben 25 Cent in der Kasse des Discounters.
Das Bundesumweltministerium (BMU) lässt wieder einmal Ökobilanz und Rücklaufquoten von Einweg- und Mehrwegflaschen untersuchen. Dabei ist Branchenkennern seit Jahren klar, was besser, sprich für die Umwelt verträglicher ist. Nach Auffassung des BMU sind gesetzliche Maßnahmen zum Schutz ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen erst dann sinnvoll, wenn die Ursachen des Rückgangs der Mehrwegquote näher untersucht wurden. Das Problem ist: Das wird noch dauern. Der Untersuchungsbericht des beauftragten Bifa Umweltinstitutes in Augsburg ist erst für Ende September 2009 angekündigt. Damit läuft vor allen Dingen den mittelständischen Mineralbrunnen-Betrieben buchstäblich die Zeit davon. In der Getränkewirtschaft kritisiert man, dass die Politik sich scheue, logische Konsequenzen aus dem Dosenpfand-Debakel zu ziehen.

„Man kommt sich vor wie ein Schüler, der gute Noten bekommt und dem man gleichzeitig mitteilt, dass seine Versetzung gefährdet ist“, kritisiert der Chef eines abfüllenden Betriebes. Das Umweltministerium wolle die Thematik aus dem Wahlkampf heraushalten und nur Zeit gewinnen. Es sei so, als würde man einem schwer verletzten Unfallopfer erst dann Erste Hilfe leisten, nachdem die Unfallursache geklärt ist. Nach einem Bericht des Fachdienstes EUWID bekenne sich das BMU zwar zum Ziel der Stabilisierung und Förderung ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen. Die politischen Bestrebungen, die Mehrwegquoten wieder zu stärken, seien durch die eindeutig nachgewiesenen ökologischen Vorteile von Mehrwegsystemen begründet. Wenn das so klar vom Umweltministerium formuliert werde, müssten keine weiteren Untersuchungen durchgeführt werden.

Der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels, Günther Guder, erläutert, wie sehr der Mehrweg-Glas-Mineralwasserflasche das Wasser bis zum Hals steht: Der Anteil von Mehrwegflaschen lag seinen Angaben zufolge Ende 2007 bei 37,9 Prozent. Ende 2008 waren es noch 34,1 Prozent. Das sei innerhalb eines Jahres ein kräftiger Aderlass. Bei der Bifa in Augsburg hält man sich äußerst bedeckt über Art, Umfang und Details der Untersuchung. Man verweist auf die angekündigten Ergebnisse. Vorher wolle man den verschiedenen Lobby-Interessen nicht genüge tun.

Branchenkennern wie Guder geht das alles viel zu langsam. Bei einem weiteren Absinken der Mehrwegquote seien die mittelständischen Betriebe kaum zu halten. Deutschland sei zwar im weltweiten Vergleich noch „ein absolutes Getränkeparadies“ und habe die meisten Hersteller von Bier, Mineralwasser und vielen anderen Getränkearten wie Säften. „Diese Vielfalt ist akut gefährdet durch die Dumpingpreise der Discounter.“ Wenn Mehrweg bei Mineralwasser untergehe, würden im Mittelstand rund 14.000 von insgesamt 18.000 Arbeitsplätzen wegfallen. Und: Sind die ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen erst einmal verschwunden, werden sie wohl nie wieder kommen.

Einzelhandel muss die großen Probleme lösen: Arbeitsplätze, Umwelt und Vertrauen in die Wirtschaft – New Yorker Fachkonferenz Retail’s Big Show im Zeichen der Wirtschaftskrise

Wal Mart-Chef H. Lee Scott
Wal Mart-Chef H. Lee Scott
Nach Ansicht von Wal Mart-Chef H. Lee Scott tritt der neue US-Präsident Barack Obama sein Amt in einer der schwierigsten Zeiten in der Geschichte der USA an. Es gehe um Arbeitsplätze, um die Stabilisierung der Hauspreise und um die Wiederstellung des Vertrauens in die Wirtschaft. „Wir brauchen mutige und entschlossene Maßnahmen in jedem dieser Bereiche, um unsere Wirtschaft wieder in Schwung bringen“, sagte Scott zum Auftakt der Fachkonferenz Retail’s Big Show in New York.

Jetzt sei die Zeit gekommen, die wirklich großen Probleme des Landes zu lösen. Es müsse eine finanzierbare medizinische Versorgung für alle Menschen geben, über alternative Energiequellen müsse man sich unabhängig vom Öl machen und das Bildungssystem dürfe nicht länger eine Schande für die USA sein. „In guten Zeiten werden die harten Fragen nur selten gestellt – das hat sich nun geändert“, so Scott. Die Bevölkerung wolle in Washington keine Machtspiele und keinen kleinkarierten Egoismus erleben: Republikaner gegen Demokraten, Liberale gegen Konservative, Unternehmer gegen Gewerkschaften. „Politischer Entscheider sind jetzt gefordert, ihre Differenzen beiseite zu schieben und sich auf die Gemeinsamkeiten zu besinnen“, fordert Scott.

Neben der wirtschaftspolitischen Gemengelage zählen Strategien für einen grünen Einzelhandel zu den Top-Themen der New Yorker-Konferenz. So präsentierte der Technologieanbieter Bizerba beim Presserundgang des Veranstalters National Retail Federation (NRF) sein Frischwaren-Management-System bestehend aus dem neuen Ladenwaagensystem K, dem von Bizerba entwickelten Retail Framework und einer umfangreichen Content-Datenbank. Damit wolle das Balinger Unternehmen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Einzelhändler beispielsweise den Carbon Footprint für ihre Produkte darstellen können.

„Die Content-Datenbank, auf die Verkaufsmitarbeiter per Touchscreen zugreifen können, verfügt nicht nur über umfangreiche Informationen zu Herkunft, Inhaltsstoffen und Zubereitungsmöglichkeiten von Produkten. Sie bietet Verkaufsmitarbeitern auch die Möglichkeit, sämtliche bei der Herstellung und dem Vertrieb der einzelnen Produkte entstandenen Treibhausgase für die Kunden darzustellen“, erläuterte Bizerba-Sprecherin Claudia Gross. Vor allen Dingen der Carbon Footprint habe eine sensibilisierende Wirkung und veranlasse die Konsumenten stärker dazu, einheimische und regionale Produkte zu kaufen als solche, die eine lange Produktions- und Lieferkette durchlaufen. Allerdings müsste das Problem der derzeit noch unterschiedlichen Berechnungsmethoden für den CO2-Fußabdruck schnellstens gelöst werden. Denn verlässliche Aussagen seien nur durch eine einheitliche Methodik zu treffen.

Ähnlich sehen es die Analysten von Deloitte. „Die Ökologisierung des Einzelhandels wird durch die regulatorischen Bedingungen und das wachsende Umweltbewusstsein der Käufer angetrieben“, sagte Deloitte-Vice Chairman Stacy Janiak bei der Vorstellung der Studie „A retail outlook for 2009 and beyond“. Generell werden strategische IT-Investitionen wichtiger, Business Intelligence, RFID, Online-Shopping, Personalisierung und eine stärkere Kundenorientierung. „Viele Händler wissen zuwenig über ihre Kunden und tappen bei ihren Verkaufsstrategien im Dunkeln“, so das Resümee von Janiak.

Rezession schafft ein besseres Klima – Krise für eine Effizienzrevolution nutzen!

Michael Miersch hat in der Welt einen klugen Kommentar geschrieben: Die Krise vermindert den Ausstoß von Treibhausgasen weitaus effektiver als Ökosteuern und Klimaschutzverträge. Jeder Motor, der nicht angeworfen wird, jede Maschine, die nicht läuft, jedes Flugzeug, das am Boden bleibt, hätte in Zeiten guter Konjunktur Treibstoffe verbrannt und damit Kohlendioxid erzeugt. Wirtschaftskrisen waren schon früher CO2-Senker. Als 1973 die Opec-Länder den Ölhahn zudrehten, führte das nicht nur zu einer Konjunkturflaute, sondern auch zur Effizienzrevolution. Es schärfte das Bewusstsein für die Möglichkeiten des Energiesparens und beförderte die Suche nach Alternativen. Der Untergang der DDR reduzierte die Treibhausgase noch heftiger. Nur weil in den frühen 90er-Jahren Stahlwerke, Chemiekombinate und Autofabriken im Osten pleitegingen, wurde es möglich, dass Deutschland die Ziele des Kyoto-Protokolls bereits vier Jahre vor dem Stichtag erreichen konnte. Gernot Klepper vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sagt: „Rezession bringt Klimaschutz, und Weltrezession bringt massiven Klimaschutz. Allein wenn sich das chinesische Wirtschaftswachstum halbieren sollte, geht der Anstieg der Treibhausgasemissionen um ein Viertel zurück. Es könnte sogar sein, dass die Konjunkturkrise dieses Jahr das globale Emissionswachstum stoppt.“

Die Krise sollte – wie schon die Ölkrise der 70er-Jahre – genutzt werden, um effizientere Techniken voranzutreiben, die den Verbrauch fossiler Ressourcen weiter senken. Liest man die Aussagen der kommenden US-Regierung, wird wahrscheinlich genau dies geschehen.