So laufen sie ab, die Sessions in der Watson Work Lounge #rp17 #IBM

Eine kleine Auswahl der Themen, die vom 8. bis 10. Mai auf der re:publica in der Networking Area diskutiert werden:

Man hört, sieht und streamt sich in Berlin 🙂

Automobilindustrie: Osteuropäische Löhne als Kalkulationsbasis für Zulieferer #Boardreport

Wirtschaftswunderjahre
Wirtschaftswunderjahre

Die De-Industrialisierung in Deutschland beschleunigt sich und der Druck auf Zulieferer wächst. Das gilt vor allem in der Automobilindustrie, wie Thomas Meichsner, Geschäftsführer Operations bei der Firma Faurecia Interior Systems, im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Boardreport deutlich macht:

„Bislang wurde das enorme Wachstum unserer Automobilhersteller durch die rasante Marktentwicklung in Asien vorangetrieben – besonders in China. Das Wachstum in Europa ist flach und der Gewinn wird außerhalb Europas erwirtschaftet.“

Den Wettbewerbsdruck bekomme vor allem die Zulieferer-Industrie zu spüren.

“In der ersten Phase der Kostensenkung sind wir mit einer so genannten ‘verlängerten Werkbank in die neuen Bundesländer gegangen. Wenige Zeit später eröffnete ich unsere ersten Low Cost Standorte in Polen, Rumänien und dann in China. In diesen Werken sollte nur produziert werden, die Verwaltung mit der Entwicklung und der Hauptproduktion fand immer noch in Deutschland statt. In der zweiten Phase investierten wir massiv in die Kostenreduzierung durch eine hohe Automatisierung in der Produktion durch Roboter und spezielle CIM Fertigungslinien. Die Entwicklung stellten wir komplett vom manuellen Zeichenbrett auf CAD mit 3D Simulation aller Prozessschritte um.”

Das globale Wachstum führte zu einer Vervielfältigung der Produktionsstätten mit den modernsten
Fertigungstechnologien rund um den Globus.

“Aus dem Erlernten in einer bestehenden Fabrik wurde jeweils das nächste Werk in einer verbesserten Version aufgebaut. Die modernsten Werke sind heute in China realisiert worden und das ist auch ein Teil der Erfolgsgeschichte der deutschen Automobilkonzerne in Asien”, erläutert Meichsner.

Aktuell lauten die Vorgaben der Einkäufer in der deutschen Automobilindustrie „Global Sourcing“ und „Target Cost Squeeze”.

“Lieferanten bei neuen Aufträgen werden nur berücksichtigt, wenn wir osteuropäische Löhne als Kalkulationsbasis zu Grunde legen. Zusätzlich fordern Firmen wie VW sogenannte Quick Savings, das sind sofort fällige Preisreduzierungen auf das bestehende Geschäft in Höhe von fünf Prozent als Gegenleistung für den Erhalt eines neuen Auftrages. Häufig ist es dann so, dass das Bestandsgeschäft noch in Deutschland produziert wird und hier der Nachlass gegeben wird, auch wenn die Produktion später in einem Low Cost Standort erfolgt. Bei jedem neuen Auftrag sinkt die Umsatzrendite im Altstandort immer weiter. Des Weiteren müssen vier Jahre lang je fünf Prozent an Preisreduktion zugesichert werden. Dieser Preisnachlass lässt sich durch Produktivitätssteigerung nur noch in den Low Cost-Standorten darstellen, da in Deutschland die meisten Abläufe bereits automatisiert wurden. Aufgrund des hohen Kostendrucks werden zusätzlich ganze Entwicklungsaufträge in Niedriglohnstandorte verlegt. In Indien arbeitet ein CAD-Entwicklungsingenieur für rund fünf Prozent des deutschen Gehaltsniveaus und zusätzlich ohne Arbeitszeitbegrenzung. Darüber hinaus erfolgt die Produktion der meisten Werkzeuge und Maschinen ohnehin schon in Asien”, weiß Meichsner.

Mit einem Lohnkosten-Unterschied von rund 40 Euro in Deutschland und vier bis sechs Euro in den osteuropäischen Ländern, werden immer mehr Industriearbeitsplätze in Niedriglohnländer verlagert.
Das komplette Interview mit Thomas Meichsner könnt Ihr in der Januar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport nachlesen.

Ein Pflaster für den Kandidaten oder: Steinbrück macht den Röttgen

Der Namenschild-Kanzlerkandidat

Die SPD hat nach einer Postillon-Eilmeldung auf die unglücklichen Aussagen ihres Spitzenkandidaten reagiert und den Mund von Peer Steinbrück bis zur Bundestagswahl mit Heftpflastern versiegelt. Durch diese drastische Maßnahme wollen die Sozialdemokraten ihre ohnehin nur noch geringen Chancen auf einen Sieg wahren.

„Der Plan könnte aufgehen: Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Opinion Control zufolge kann ein schweigender Steinbrück sogar mit leichten Stimmgewinnen rechnen, weil die Wähler es durchaus zu schätzen wissen, wenn sie wenigstens von einem Kandidaten nicht permanent angelogen werden. Was Peer Steinbrück persönlich von der neuen Wahlkampfstrategie hält, ist nicht bekannt. Nach seiner Meinung gefragt rollte er nur mit den Augen und meinte: ‚Mffmmfmfp fmppffmppfmp mpmmffmpp Ppmmpppffpmpmpppmf mffppp mpmmppppp Mmmpfffmmmmfmfp'“, berichten die gut informierten Hauptstadt-Korrespondenten des Postillon.

Das ist aber bedauerlich. Jetzt können wir die Weisheiten und Klugheitslehren von Herrn Röttgen Steinbrück gar nicht mehr bewundern. Beispielsweise weitere Erläuterungen der neuen Wahlkampflinie der SPD:

„Wenn man eine Sache nicht erlangen kann, ist es an der Zeit, sie zu verachten.“

Siehe auch:

Karrieretipps des Kanzlerkandidaten.

Der Wiederholungstäter.

Energiewende: Härtetest für die Netze der Zukunft

Interview mit der Energieexpertin Martina Dietschmann von Nash Technologies. Was müssen die Netz leisten, um die Energiewende zu bewerkstelligen? Welche Fehlerquellen müssen berücksichtigt werden, welche intelligenten Technologien werden gebraucht für einen sparsamen Umgang mit Energie. Alles das ist Thema der Energy World in Essen, die ich heute besucht habe.

Im intelligenten Netz verschmelzen zahlreiche neue Technologien mit der bestehenden Energie-Infrastruktur. Wind, Solar, Bioenergie – die dezentral aus ganz Deutschland Energie liefern – müssen mit der klassischen Energieerzeugung verwoben werden und in die sich verändernden Netze integriert werden. Die Steuerung des Smart Grids läuft über das Internet, was noch mehr Integrationsarbeit bedeutet. „Wir müssen dies von Anfang an beachten“, sagt Dietschmann und plädiert für einen branchenübergreifenden Dialog über die Standards und die Architektur des Netzes.

Ein Beispiel für die verschiedenen Komponenten, die im Smart Grid berücksichtigt werden müssen, sind die „Smart Meter Gateways“. In den Gateways werden die Energieverbrauchswerte von vielen Anschlussnutzern, wie zum Beispiel in Mehrfamilienhäusern oder großen Liegenschaften, erfasst, gesammelt und weitergeleitet. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI, hat dazu ein „Schutzprofil“ entworfen. Das sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, so Dietschmann: „Die Gateways sind ein Knotenpunkt von vielen, und sie alle müssen ordentlich gesichert sein.“

Siehe auch unseren NeueNachricht-Bericht.

Weihnachtsspecial: Das neo-expressionistische Zweitwerk von DJKloschüssel

Folgt nach dem Facebook-Bashing der Exodus?

Scheinbar wirkte die Entwicklerkonferenz von Facebook auf ein paar Exponenten des Netzdiskurses wie ein Kulturschock (etwa der off-the-record-Blogger Olaf Kolbrück: Goodbye Facebook). Jedenfalls verkündeten einige, ihre Präsenz zu löschen oder ihre Aktivitäten auf null zu fahren. Nun, ich bin gespannt, wie sich der Erregungszyklus auf die Nutzerzahlen auswirken wird. Jedenfalls habe ich die Ereignisse der vergangenen Wochen gerade in einem Interview mit Felix Holzapfel diskutiert. Er hat zusammen mit seinem Bruder das Buch „Facebook – Marketing unter Freunden: Dialog statt plumpe Werbung herausgegeben“. Das Ergebnis werde ich in der nächsten Woche bringen. Artikel und natürlich die komplette Audioaufzeichnung. Ein eifriger Kämpfer spielte in dem Gespräch natürlich auch eine kleine Nebenrolle. Der Datenschutz-Deichgraf Thilo Weichert, der nach einer Meldung von heise heute noch einmal bekundete, gegen ausgewählte öffentliche und private Website-Betreiber in Schleswig-Holstein vorgehen zu wollen. Die Überschrift der Meldung gibt den Sachverhalt allerdings falsch wieder: „Schleswig-Holsteins Datenschützer kämpft weiter gegen Facebook“. Eben nicht. Dazu ist Weichert wohl nicht willens und in der Lage.

Positiv ist die Nachricht, dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein verkündete, Facebook weiter nutzen zu wollen und notfalls einen Musterprozess zu führen (so etwas hätte auch der Bundesverband Digitale Wirtschaft tun können!). Na dann, Herr Weichert. Hier haben Sie dann doch die erste Institution für ein Verwaltungsverfahren. Er betonte übrigens noch, man ja nur das Ziel der Verwirklichung des Datenschutzes verfolge. „Uns geht es nicht um Wettbewerbsverzerrungen oder das Drangsalieren kleiner Betreiber“. Aber große Betreiber wollen Sie drangsalieren? Wo liegt denn bei Ihnen die Grenze zwischen klein und groß? Herr Weichert, Sie sollten nicht nur den Roman 1984 von George Orwell studieren, sondern auch sein Opus „Farm der Tiere“: „Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“ Mit der Gleichheit vor dem Gesetz hat das nichts mehr zu tun.

Auf den Spuren des Elektro-Expressionismus in Bonn: Zur Neuerscheinung von „Wurst aufs Brot“


In einem exklusiven Interview erläutert Herr Latz vom legendären Duo „Die KotKanonen“, in Insiderkreisen auch als DJ Kloschüssel bekannt, seine elektro-expressionistische Phase bei der Komposition seines ersten Albums „Wurst aufs Brot“. Zur Weltpremiere stand der Musikkünstler für den Ich sag mal-Blog Rede und Antwort. Das Gespräch über ein völlig neues Genre wird sicherlich Volksmusikgeschichte schreiben:

Teil 1:

Teile 2:

Wie man verkrustete Organisationen überlisten kann

Unterhaltsames Interview mit Dr. Gerhard Wohland, Autor des Buches „Denkwerkzeuge der Höchstleister“ und Leiter des Instituts für dynamikrobuste Höchstleistung des Kölner IT-Spezialisten ITyx.

Ich führte am Rande der User Conference des Unternehmens ein Gespräch mit ihm in Köln:

Hier der Artikel zum Interview auf Service Insiders.

Hier der komplette Vortrag von Dr. Wohland, der er auf der User Conference gehalten hat (1 Stunde und 20 Minuten – ne Menge Holz, aber lohnt sich):

Günter Gaus, der Meister des Interviews, im Gespräch mit Golo Mann: Wahre Rhetoren

So gegen 1 Uhr nachts habe ich im ZDF-Kulturkanal zwei meisterhafte Rhetoren gesehen: Günter Gaus im Gespräch mit dem Historiker Golo Mann, der heute 100 Jahre alt geworden wäre. Solche Persönlichkeiten gibt es nicht mehr in Deutschland.

Das Interview ist geprägt von Respekt, Esprit, Ernsthaftigkeit, Universalbildung, Leidenschaft, Nachdenklichkeit und Präzision. Es erscheint noch einmal eine versunkene bildungsbürgerliche Welt, der Geist von Humboldt. Youtube sei Dank, dass man es auch im Internet sich anschauen kann.





Ein Dialog wie ein verlorener Schatz. Gaus und Mann, beide zu Zeiten, die wie aus einer anderen Welt scheinen, in einem Gespräch, das alles in Frage stellt und gleichzeitig alles festhält. So spät, fast wie ein Traum, und doch so real, eine Begegnung der Köpfe, die in der heutigen Welt fehlen. Es ist, als würde man ein längst vergessenen Kapitel aufschlagen, wo der Geist noch im Vordergrund stand, wo Worte Gewicht hatten, wo Bildung nicht eine Phrase war, sondern gelebte Realität. Es ist ein Blick in den Spiegel der Vergangenheit, der uns in die Augen schaut und fragt: Wo ist dieser Respekt, diese Tiefe, diese Hingabe geblieben? Es ist nicht nur Nostalgie, es ist die schmerzhafte Erkenntnis, dass diese Art des Denkens, des Dialogs, verschwunden ist. Ein Verlust, den YouTube glücklicherweise konserviert, aber der doch schmerzlich bleibt.

Was wir da sehen, ist mehr als nur ein Gespräch, es ist ein Zeugnis, eine letzte Erinnerung an eine Zeit, die uns verloren gegangen ist. Es ist die Mahnung, dass Bildung, Ernsthaftigkeit, und eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit der Welt, das Fundament einer jeden Gesellschaft sein sollten. Was bleibt, ist die Sehnsucht nach solchen Begegnungen, nach dem Esprit, dem Ernst, der Leidenschaft, der in jeder Zeile dieses Gesprächs mitschwingt. Was wir verloren haben, sehen wir hier – und das macht es umso wertvoller.


Andreessen über traditionelle Medien: Kill the print edition

andreessenSuper Interview mit provokanten Thesen.

Charlie Rose:
So to play offense for a newspaper for you means what?

Marc Andreessen:
Oh, you got to kill the print edition.

Charlie Rose:
You would stop the presses tomorrow?

Marc Andreessen:
You have to kill it.

Charlie Rose:
Stop the presses tomorrow.

Marc Andreessen:
You have to kill it.

Charlie Rose:
Stop the presses tomorrow.

Marc Andreessen:
Stop the presses tomorrow. I’ll tell you what. The stocks would go up. Look at what’s happened to the stocks. This investors are through this. The investors are through the transition. You talk to any smart investor who controls any amount of money, he will tell you that the game is up. Like it’s completely over. And so the investors have completely written off the print operations. There is no value in these stock prices attributable to print anymore at all. It’s gone.

Charlie Rose:
So you would recommend to the owners of the New York Times, stop printing papers.

Marc Andreessen:
Yeah, absolutely. You have to. You have to –

Charlie Rose:
And take your losses –

Marc Andreessen:
Yeah. You have to.

Charlie Rose:
Like a courageous person.

Marc Andreessen:
Chronic pain? Acute pain. How many years — music industry, same thing. How many years of chronic pain do you want to take to avoid taking a year of acute pain?