Start der #RheinlandRunde mit Wirtschaftsthemen aus Bonn, Köln, Overath und Umgebung

Den Niedergang der lokalen und regionalen Medien und die Auswirkungen auf die Wirtschaftsberichterstattung diskutieren wir übrigens am Freitag, den 15. März, um 15:30 Uhr in einem neuen Diskussionsformat: #RheinlandRunde. Ort: Die Sohnsche Sendezentrale in Bonn-Duisdorf, Ettighoffer Str. 26a, 53123 Bonn. Open Space. Mit dabei: Michael Pieck (Pressesprecher der IHK Bonn Rhein-Sieg, Bernd Rützel und Norbert Q. Engelen (coworking4you in Overath). Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind hoch willkommen.

Bitte anmelden via Facebook.

Siehe auch: Dumont-Scoop und die Totengräber des Journalismus @ulrikesimon – #RheinlandRunde diskutiert Niedergang der lokalen und regionalen Medien

Oder auch: #WirtschaftimRheinland

Unternehmerische Verantwortung jenseits der Quartalsergebnisse #wef18 #IHKBonn #Dieselgate

Ausblick auf Donnerstag:

Am Donnerstag bei der IHK in Bonn ab 18:00 Uhr könnt Ihr alle mitdiskutieren zum Thema „Unternehmerische Verantwortung und das demokratische Gemeinwesen. Herausforderungen, Chancen und Perspektiven für die Wirtschaft und Politische Bildung“

Das Thema hat auch Stefan Pfeiffer sehr schön angerissen: Diskussion auf dem WEF: Die Tyrannei der Quartalsergebnisse versus nachhaltige Planung und Entwicklung

Das ist alles andere als verantwortungsvoll: Auch Menschen wurden Abgastests ausgesetzt

Nachhaltigkeit und Verantwortung: Druck auf die Wirtschaft steigt – Unternehmen in der Sandwich-Position #wef18 #FutureWatchDe

Organisationseinheiten für Nachhaltigkeit, Verantwortung und Ethik – wenn es sie überhaupt gibt – haben in Unternehmen meistens wenig zu melden. Im Prinzip sind es die Kommunikationsabteilungen, die das in Personalunion abhandeln. Neben den Geschäftsberichten werden eben auch die Nachhaltigkeitsberichte abgehandelt. Einfluss auf das Top-Management haben die CSR-Beauftragten selten.

„Man hat den Eindruck, dass diese Abteilungen eher dafür da sind, nicht ethisches Verhalten zu legitimieren“, kritisiert Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius.

Sein Kollege Amit Ray sieht das ähnlich. Das Ganze werde unter PR-Gesichtspunkten kommuniziert.

„Man will alles in einem positiven Licht darstellen. Das ist aber nicht vertrauenswürdig. Jeder weiß, dass Unternehmen nicht zu 100 Prozent nachhaltig unterwegs sein können. Keine Firma kann das leisten.“

Dann sollten sie ehrlicher mit der Öffentlichkeit umgehen und nicht alles als heilig und perfekt darstellen.

„Konzerne wie Bayer oder BASF transformieren nicht über Nacht zum Bio-Ponyhof“, bemerkt Becker im ichsagmal.com-Gespräch.

Klar ist allerdings auch, dass Unternehmen sich ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung nicht entziehen können. Es gebe Druck von unten, also von der Kundschaft, und Druck von oben, also regulatorische Anforderungen über Reporting-Systeme und anderen Maßnahmen. Es entstehe politischer Druck, etwa über die Enzyklika Laudato Si’ von Papst Franziskus, und auch durch Konsumenten, die ihre Möglichkeiten für ethischen Einkauf immer stärker nutzen. „Unternehmen geraten in eine Sandwich-Position. Selbst Banken und Rückversicherungen haben sich entschieden, aus schmutzigen Energien rauszugehen“, erläutert Becker.

Der Soziologe Holger Backhaus-Maul sieht eine gravierende Bedeutungsverschiebung zugunsten von Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

„An die Stelle eines dominierenden korporativen Staates treten netzwerkartige Austauschbeziehungen zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft und auch Staat.“

Als Instrumente und Verfahren der Handlungskoordination könnten die Beteiligten nicht auf hierarchische Weisungen zurückgreifen, sondern müssen sich in Abstimmungsprozessen verständigen und gemeinsame Vereinbarungen treffen.

„Wirtschaft und Unternehmen sind Teil der Gesellschaft und befinden sich in einem Interdependenzverhältnis mit Staat und Zivilgesellschaft. Welche Ausprägungen eines unternehmerischen Gesellschaftsverständnisses sich in einer polyzentrischen Gesellschaft herausbilden, steht in engem Zusammenhang mit den Vorstellungen und Verhandlungspositionen von Zivilgesellschaft und Staat. So ist die Zivilgesellschaft in Deutschland trotz ihrer seit Ende der 1960er Jahre beschleunigten und dynamischen Entwicklung sachlich fragmentiert und organisatorisch vielgestaltig; eine kollektiv geteilte Vorstellung von Zivilgesellschaft konnte sich unter diesen Bedingungen bisher nicht herauskristallisieren. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Zivilgesellschaft in Deutschland trotz ihrer relativen Unübersichtlichkeit und Intransparenz in der Öffentlichkeit in hohem Maße als vertrauenswürdig angesehen wird. Insofern kann die Zivilgesellschaft in Abstimmungsprozessen mit Wirtschaft und Unternehmen bisher auf einen nicht unerheblichen Vertrauensvorschuss in der Öffentlichkeit verweisen“, schreibt Backhaus-Maul in einem Beitrag für die Schriftenreihe „Aus Politik und Zeitgeschehen“.

Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg und das CSR-Kompetenzzentrum Rheinland veranstalten zu diesem Themenkomplex eine interessante Diskussion: „Unternehmerische Verantwortung und das demokratische Gemeinwesen. Herausforderungen, Chancen und Perspektiven für die Wirtschaft und Politische Bildung“ ein. Podiumsdiskussion und Publikumsgespräch zum politischen Neujahr 2018 finden am Donnerstag, 1. Februar, 2018, 18 Uhr, in der IHK Bonn Rhein/Sieg, Bonner Talweg 17, 53113 Bonn, statt – mit anschließendem Empfang und Get-Together. Unter der Moderation von Dr. Karoline Rörig, Bonn, diskutieren Daniel Kraft (Bundeszentrale für politische Bildung, Leiter Stabsstelle Kommunikation), Dr. Ulrike Hospes (Konrad-Adenauer-Stiftung, Leiterin Büro Bundesstadt Bonn), Martin Pfafferott (Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro NRW) und Stephan Multhaupt (Partner deep white, Bonn, und CSR-Botschafter des CSR-Kompetenzzentrums).

Man hört, sieht und streamt sich am 1. Februar. Wir übertragen das Ganze live.

In Davos gibt es dazu eine harte Debatte.

Wutrede des Justin Trudeau

Sozialwissenschaftlicher Spiritus rector unserer Bonner Alma Mater #Schumpeter #BestofStartups

Der fünfte Ideenmarkt #BestofStartups der IHK-Bonn/Rhein-Sieg in der CampusMensa in Poppelsdorf war nicht nur eindrucksvoll bestückt mit Gründerideen, sondern beförderte auch klare Bekenntnisse der beteiligten wissenschaftlichen Institutionen zum Unternehmertum ans Tageslicht. Etwa von Professor Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn. Traditionell werde die Universität nicht mit dem Thema Unternehmertum verbunden. Er wolle einen Gründergeist bei Hochschullehrern und Studierenden verankern und macht das sogar zur Chefsache.

„Die Gesellschaft muss von unterschiedlichen Talenten bespielt werden. Wir müssen den jungen Menschen helfen, den richtigen Lebensweg zu finden“, so Hoch.

Und das könne eben auch der Weg in die Selbständigkeit sein.

An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist man da schon ein wenig weiter, wie der Rektor Professor Hartmut Ihne in seinem Statement darlegte:

„Wir machen seit 13 Jahren den Business-Campus gemeinsam mit dem Rhein-Sieg-Kreis und der Kreissparkasse Köln. Wir haben auch eine Reihe anderer Formate entwickelt, um das Gründertum in verschiedenen Facetten zu fördern – in der Forschung, Lehre und im Transfer.“

Man neige leider in den Bildungseinrichtungen dazu, Menschen für die Angestelltentätigkeit oder für die Beamtenlaufbahn auszubilden. Das könnte an Hochschulen anders praktiziert werden. Wissenschaftler seien zwar formal Angestellte, aber sie sind nach ihrer Mentalität eher Unternehmer:

„Sie suchen etwas, sie gehen Risiken ein, probieren etwas aus, sie scheitern oder sie sind erfolgreich. Deshalb sollte man an Hochschulen viel stärker das Unternehmertum stimulieren. Wir müssen ein Umfeld erschaffen, wo junge Menschen angeregt werden, nicht nur wissenschaftliche Unternehmer zu werden, sondern auch ökonomische Unternehmer, die der Welt etwas Neues zur Verfügung stellen. Und das ist ein Stück unserer Mission“, proklamiert Ihne.

Bescheidene Unternehmensgründungen

Das sei eine Kultur, die man braucht in diesem Land, um die relativ bescheidenen Unternehmensgründungen etwas zu intensivieren. Das wäre auch bitter nötig: Die Anzahl der Existenzgründer ist im vergangenen Jahr laut KfW-Gründungsmonitor auf einen neuen Tiefstand gesunken. Mit 672.000 Personen haben 91.000 weniger eine neue selbstständige Tätigkeit begonnen als im Jahr 2015.

Das wäre doch ein schöner Anlass für Professor Hoch, für Professor Ihne, für die IHK, für die Stadt Bonn und für den Rhein-Sieg-Kreis eine Schumpeter-Akademie oder ein Schumpeter-Gründer-Lab aus der Taufe zu heben, um dynamische Unternehmerinnen und Unternehmer hervorzubringen. Die Erinnerung an Schumpeter soll hier keine Totenbeschwörung sein und erst recht keine Totenklage, um uns die geistige Gestalt Joseph Schumpeters vor unser inneres Auge zu rufen. Wir sollten diese Institution schaffen, weil Schumpeter „mehr als irgendein anderer Anspruch darauf erheben darf, als sozialwissenschaftlicher Spiritus rector unserer Bonner Alma Mater zu gelten“, so der Soziologe Gottfried Eisermann, der seine Bonner Antrittsvorlesung im Jahr 1962 Schumpeter widmete.

Gottfried Eisermann würdigt Schumpeter

Eisermann weist auf wichtige Erkenntnisse im Werk des Nationalökonomen hin, der 1925 dem Ruf auf den Lehrstuhl für wirtschaftliche Staatswissenschaften als Nachfolger von Heinrich Dietzel an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität folgte. Schumpeter warnte vor den Routine-Unternehmen, die eigentlich nur aus geschulten Spezialisten-Truppen bestehen. Konkret meinte er angestellte Manager und ihre bezahlten Vollzugsorgane in großen Konzernen, die zu wachsenden Spannungen in der Gesellschaft führen und Ressentiments gegen den Kapitalismus nähren. Wir könnten das mit aktuellen Beispielen gut belegen.

Ausführlich nachzulesen in meiner Netzpiloten-Kolumne.