Kein Bock auf Netzdialoge: Social Media-Kompetenzverlust der deutschen Elite


Heutzutage entscheiden die Medienkonsumenten, was eine Nachricht ist und was nicht, schreibt die Journalistin Ulrike Langer in einem Beitrag für das t3n-Magazin:

„Sender und Journalisten müssen ihre neue Rolle in der veränderten Medienwelt, in der jeder Laie ein Publizist sein kann, oft erst noch finden. Dabei bietet die Vernetzung ungeahnte Möglichkeiten, an Informationen zu kommen und Inhalte zu verbreiten.“ Jeder, ob großes Medienhaus oder kleiner Self Publisher, könne von der neuen Vernetzung profitieren. „Für letztere ist vor allem die Spezialisierung auf ein Themengebiet oder ein besonderes Talent und zudem die enge Verbindung zur Webszene oder der Fanbasis wichtig. Das bedeutet, Beiträge im Netz nicht nur ‚abzuwerfen‘, sondern sich intensiv um den Austausch mit der Zielgruppe zu bemühen“, so Langer.

(Siehe auch: Eigentlich gibt es sie schon, die Zukunft des Journalismus).

Sieben von zehn Führungskräften pfeifen auf soziale Netzwerke

Gleiches gilt auch für die Servicewelt. Und auch da sind die traditionellen Anbieter noch nicht auf Dialog oder Crowdsourcing gepolt – egal, ob eine Firma nun schon auf Facebook, Google Plus oder Twitter aktiv ist oder nicht. Nachzulesen in meiner Freitagskolumne für Service Insiders. Deutsche Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Verwaltung scheuen den offenen Austausch mit der Netzöffentlichkeit. Das belegt das Allensbacher Elite-Panel für die Zeitschrift Capital. „Rund 20 Millionen Deutsche sind Mitglied bei Facebook – die große Mehrheit der Topentscheider lässt lieber die Finger von sozialen Netzwerken im Internet. Rund 70 Prozent der im Elite-Panel Befragten nutzen weder Facebook noch andere Dienste wie Xing oder Linkedin“, führt Capital aus.

Wer gibt sich auch schon gerne mit dem niederen Fußvolk ab, um ungefilterte Meinungen über das eigene Schaffen zur Kenntnis zu nehmen und zu diskutieren – ohne die Weiße Riese-Funktion von Pressestellen, Assistenten oder Redenschreibern. In einer Welt der Sprachregelungen und Freigaben ist für einen offenen Schlagabtausch im Netz kein Platz. In einer Ökonomie des Teilens und der Aufmerksamkeit darf sich die so genannte Elite dann allerdings nicht beschweren, wenn sie von den Netzbewohnern mit Nichtbeachtung bestraft wird. Der Wunsch nach direkter Kommunikation via Maschine könnte aber für die Wirtschaft äußerst hilfreich sein. Schließlich sei das Internet kein passiver Raum mehr, der allein von irgendwelchen Nerds und Suchmaschinen bewohnt und regiert wird, sondern ein Ort, den jeder aktiv gestalten kann, so Helge David von der Kommunikationsagentur Text-Raum.

Deutschland verliert den Anschluss

Social Media sollte man allerdings nicht als reines Marketing-Instrument definieren, wie es die meisten Entscheider in Unternehmen tun. Hier kann man keine Vertriebsstrategien nach Plan realisieren. Kontrollfreaks passen nicht zum unberechenbaren Chaos des Netzes. Da hilft es auch nicht weiter, wenn Marketingmanager die ach so beliebten Gewinnspiele auf Facebook übertragen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass ein so generierter Fan auch wirklich zu einem Kunden wird, ist in etwa genauso groß, wie die Wahrscheinlichkeit, dass dieser bei dem Gewinnspiel ein iPad gewinnt. Das eigentliche Ziel der Marken, nämlich beispielsweise mit den Fans zu interagieren, sie an die Marke zu binden und sie langfristig zu einem Stammkunden werden zu lassen, der auch noch ein Markenbotschafter ist, wird so sicher nicht erreicht“, kritisiert Falk Hedemann vom t3n-Magazin.

Wer mit Ignoranz oder Indifferenz auf die digitale Kommunikation reagiert, manövriert seine Organisation nicht nur in das seichte Wasser von Gewinnspielen und Einweg-Propaganda, sondern riskiert den Kompetenzverlust für die vernetzte Serviceökonomie. Wie gut Deutschland im Social Commerce wirklich ist, untersucht eine Anbieterbefragung des Beratungshauses Mind Business Consultants gemeinsam mit der absatzwirtschaft. Die Studie wird im Februar erscheinen und steht dann kostenfrei unter www.absatzwirtschaft.de/social-media gegen Bezugsnachweis zum Download zur Verfügung. Interessierte können sich direkt an tanya.dimitrova@mind-consult.net wenden.

Ich bin gespannt, ob der Servicekanal der Deutschen Bahn, der im Dezember startet, dialogorientierter ausfallen wird.

Unified Communications: Revolution oder Evolution? Entwicklung abhängig von Unternehmen

Wie lange wird es wohl dauern, bis analoge Telefone abgeschafft sind und man für eine Mitarbeiter-Versammlung nicht mehr in einen Raum zusammenkommen muss, sondern ganz bequem vom eigenen Schreibtisch aus teilnehmen kann? Das Thema Unified Communications (UC) sei im stetigen Wandel und hängt laut Detlev Artelt, Geschäftsführer des Beratungshauses Aixvox, von den Einsatzgebieten der Unternehmen ab. Der Berliner Telekommunikationsspezialist Aastra bietet einen solchen Service und findet nach eigenen Angaben die passende Lösung für jedes Unternehmen und gestaltet Kommunikationsprozesse effizienter. In den vergangenen Jahren Jahren hat Aastra mehrere Hersteller gekauft und ist als Anbieter mitten im Transformations-Prozess von analog zu „UC“: 50 Prozent läuft „Voice über IP“-basiert und die anderen 50 Prozent in einem gemischten Hybrid-Ansatz.

Auf die Frage, ob sich die klassische IT-Welt das Thema Telekommunikation vielleicht zu einfach vorstellt, antwortet Jürgen Engelhardt von Aastra: „Jedem ist bewusst, dass Sprache und Echtzeitkommunikation kritische Themen sind; nicht nur aus der Applikations-, sondern auch aus der Netzwerk-/Infrastruktur-Betrachtung. Da muss man wissen, was man tut. Und vor allem, wie man es tut.“ Doch von wem geht die nächste, entscheidende „UC-Welle“ aus? Wer gibt die entsprechenden und notwendigen Impulse? Hier erhofft man sich von der jüngeren Generation, den „digital natives“ einen Antrieb. Diese „in die Management-Etagen oder in die Büro-Etagen wachsende Generation“, so Artelt, benutzt die Medien, wie zum Beispiel Skype und Instant-Messaging, mit einer souveränen Selbstverständlichkeit, die für „Unified Communications“ sicher angebracht, aber leider noch nicht überall vorhanden ist.

Viel Potenzial sieht Engelhardt unter anderem bei medizinischen Einrichtungen. Hier laufe vieles noch analog ab – doch die Zukunft sieht anders aus: „Multimedia-Patienten-Entertainment“ soll dann der Reiz eines jeden Krankenhauses sein. „17-Zoll-Terminal“, „Video-on-demand“ und „W-Lan“ auf dem Zimmer sollen bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Ich hatte die beiden ITK-Experten mit meiner Flip-Kamera interviewt. Hier das Ergebnis.

Müde Firmen, mieser Kundenservice, bunte PowerPoint-Folien und Buzzwords

Nach einer Umfrage des Softwarespezialisten Genesys, die auf der Fachkonferenz von Nuance in München vorgestellt wurde, lassen sich deutsche Unternehmen durch schlechten Kundenservice jährlich mehr als 12 Milliarden Euro durch die Lappen gehen. Die befragten Kunden konnten angeben, wie viel die Geschäftsbeziehung, die abgebrochen wurde, jährlich wert gewesen ist. Diese Daten wurden dann durch Datamanitor/Ovum hochgerechnet. Als Gründe für die miesen Dienstleistungen in Deutschland sieht Genesys-Manager Heinrich Welter die unzureichende Qualität von Sprachdialogsystemen, die schlechte Erreichbarkeit der Agenten im Call Center, unqualifizierte Ansprechpartner, kostenpflichtige Services sowie eine fehlende Synchronisation zwischen den Kanälen für den Kundenkontakt. „Der Markt wurde jahrelang durch überzogene Versprechungen der Lieferanten einerseits und der ‚nur der Preis entscheidet-Manie’ andererseits vornehmlich mit kostengünstigen, aber durch die Bank weg schlechten Lösungen zugepflastert“, kritisiert Welter im Interview mit NeueNachricht.

An kritischen Web 2.0-Debatten mit Firmen wie Jack Wolfskin erkenne man, dass sich die Menschen immer aktiver und kritischer mit Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen. „Millenials, Digital Natives oder wie auch immer man die Gruppe bezeichnen möchte, sind im Bewusstsein der tradierten deutschen Unternehmen oft noch nicht angekommen. Erst langsam wird realisiert, dass sich das Verhalten der Verbraucher in den nächsten Jahren grundlegend ändern wird. Noch heute haben viele Unternehmen nicht einmal E-Mail integriert, geschweige denn SMS oder Chat. Da ist dann Social Media noch ganz weit weg“, so Welter. Oft sei es aber auch weniger die mangelnde Einsicht, etwas tun zu müssen, als das einfache Problem, wie man es denn umsetzen könnte, die Grundlage für diese Müdigkeit. „Nur Technologie ist in diesen Fällen natürlich nicht die Antwort. Denn was nützt der schönste Agent-Desktop mit Chat und SMS, wenn der Agent nicht den richtigen Ton in Chat oder SMS trifft“, führt Welter gegenüber NeueNachricht aus.

Hier geht es zum kompletten Interview.

Mit bunten PowerPoint-Folien und neuen Buzzwords kommt die Kommunikation über das Internet Protokoll nicht in die Gänge

Experten wissen, dass die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll kein Kinderspiel ist. Mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag). Ähnlich sieht es Andreas Latzel von Aastra-DeTeWe http://www.aastra-detewe.de in Berlin: „Wer die alte Welt der Telekommunikation nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es in der Software-Branche zu beobachten ist“, erläutert Latzel.

Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur müsse man einige Dinge berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie biete Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Ob der Anwender die neuen Funktionen der Unified Communications nutzen könne und möchte, hänge von Firmenkultur, Branche und dem Arbeitsplatz ab, so die Erfahrungen von Latzel. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt werde und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun habe.

Mehr zum Thema unter „Zukunft braucht Herkunft: Konvergenz von Informationstechnologie und Telekommunikation kein Kinderspiel“.

Technomanager und die selbstkonstruierte Wirklichkeit: Warum Entscheider der ITK-Branche auf herumschwirrende Ideen achten sollten

„Die Vernunft, das haben wir von Kant gelernt, ist das auf die Spitze getriebene Vermögen, sich selbst nicht über den Weg zu trauen“, so Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und Kulturanalyse an der Zeppelin Universtät in Friedrichhafen. Technomanager scheinen diese Selbstskepsis nicht an den Tag zu legen. Sie vertrauen ihrem eigenen Expertenwissen mehr als externe Erkenntnisse. Persönliche Erfahrungen sind für Entscheider der ITK-Branche nach Erkenntnissen des Unternehmensberaters Bernhard Steimel von MIND Consult die wichtigste Wissensquelle. Das könne schnell in die Hose gehen. Die interne Sicht über Marktmechanismen und Kundenzufriedenheit sollte durch externe Erkenntnisse ergänzt werden. Eine solche Außensicht liefere oftmals wichtige Erkenntnisse abseits bequemer Wahrheiten. Entscheider sollten aufpassen, nicht Opfer einer selbstkonstruierten Wirklichkeit zu werden.

Nur jedes zehnte Unternehmen bewertet den Grad der Informiertheit als unzureichend. Diese subjektiv positive Einschätzung sollte allerdings nicht mit dem tatsächlichen Ausmaß der Marktforschung gleichgesetzt werden. „Besonders im Vergleich mit reiferen Branchen sollten die ITK-Unternehmen den Grad ihrer Informiertheit kritisch hinterfragen“, so der Rat von Steimel. Siehe auch das Youtube-Video:
Interview mit dem Berater Bernhard Steimel

Wer nur im eigenen Saft schmort, läuft Gefahr, zu erstarren und wichtige Entwicklungen des Marktes zu verschlafen. Oder systemisch ausgedrückt „Intelligenz und Innovation in Unternehmen hängen davon ab, welche Informationen beobachtet werden und wie die wichtigen Informationen ihren gebührenden Stellenwert erhalten – was man leider erst im Nachhinein wissen kann“, schreibt Professor Winfried W. Weber in seinem Buch „complicate your life“ (Verlag Sordon).

Der Managementdenker Peter Drucker kritisiert die Sichtweise von Managern, die sich eng nur auf das eigene Unternehmen bezieht. „Viele Manager leben noch im 19. Jahrhundert, als Neuerungen aus der Firma oder aus der Branche kamen. Heute hingegen sind es im Wesentlichen die Veränderungen um das Unternehmen herum, die die Geschicke der Firma beeinflussen.“ Innovationen entstünden nicht nur aus Fortentwicklungen und Patenten innerhalb des eignen Fachspektrums. Heute kämen in viel stärkerem Maß als früher gesellschaftliche Entwicklungen hinzu, die als Ausgangspunkt für Innovationen erkannt werden müssten (nachzulesen im Buch „Peter Drucker – Der Mann, der das Management geprägt hat“, herausgegeben von Professor Weber).

Ein kluger Manager führt im richtigen Moment herumschwirrende Ideen mit Akteuren zusammen, nutzt Marktungleichgewichte, erkennt die Lücke und setzt die Innovation durch oder übernimmt im richtigen Moment das Risiko einer nicht sicheren aber vielversprechenden Entscheidung. „Das unterscheidet ihn vom Verwalter, der die organisatorische Routine oder die organisatorisch geronnene Reduktion von Komplexität nicht mehr in Frage stellen kann“, erläutert Weber. Wie bei den Schachgroßmeistern gehe es im Management einer komplexer werdenden Welt darum, ein reiches und komplexes Spielfeld zu erhalten. „Die Disziplin verlässt die Entscheidungskultur des one-best-way, des Alles-im-Griff-haben-Wollens. Wer es versteht, sich von der Komplexität nicht überfordern zu lassen, wer erkennt, dass man immer weniger durchschaut, wer sein Spielfeld pflegt und damit rechnet, dass bald die Lücke kommt, kann dann sofort entscheiden, ohne zu zögerlich zu sein“, führt Weber aus. Oder in den Worten des Kybernetikers Heinz von Foerster: „Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst.“

„Unified Communications“: Die große Unbekannte in Unternehmen – Gesamtstrategie für Integration von IT und TK gefragt

UC-Studie von Berlecon
UC-Studie von Berlecon
Laut einer Berlecon-Studie, die im Auftrag der Firmen Aastra, Cisco und Damovo erstellt wurde, setzt sich der Großteil der Führungskräfte für Informationstechnologie und Telekommunikation (ITK) in deutschen Unternehmen bereits mit „Unified Communications“ (UC) auseinander. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat in Ansätzen eine entsprechende Lösung im Einsatz oder plant es. Bei einem weiteren Viertel wird dies zumindest intensiv diskutiert. Allerdings wurde in der Marktanalyse konkret die Bündelung verschiedener Kommunikationskanäle und ihre Integration in Anwendungen abgefragt. Mit dem Begriff „Unified Communications“ können viele Entscheider immer noch nichts anfangen. Demnach steht UC nur in wenigen Firmen als strategisches Thema auf der Agenda. Zudem wird der Einfluss von Unternehmens- und Kommunikationskultur auf den Erfolg von UC-Projekten unterschätzt. Fundierte Informationen über den tatsächlichen Stand der ITK-Integration und der Umsetzung von UC müssen noch erarbeitet werden. Deutliche Unterschiede gibt es nach wie vor beim Stellenwert von IT und TK. Während die IT die Geschäftsbereiche und ihre Prozesse aktiv unterstützen soll, herrscht mit Blick auf die TK häufig noch eine operative Sichtweise vor. Sie soll in erster Linie kostengünstig sein und reibungslos laufen.

„Die Konvergenz von IT und TK – auf der Anwendungsebene als Unified Communications bezeichnet – ist schon in verschiedenen Bereichen in den Unternehmen zu finden: in der Netzwerktechnik auf Basis universeller Nutzung des Internet Protokolls, in der Server-Architektur in Form Ethernet-IP-vernetzter Server auf offenen Betriebssystemen, beim Einsatz einer einzigen Applikation für alle Kommunikationsmedien sowie in den Endgeräten in Form eines einzigen Clients für den Zugriff auf alle Kommunikationsformen. Dazu zählen Computer, Festnetz und Mobilfunk. Besonders in größeren Unternehmen mit verteilten Standorten finden wir eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen der Konvergenz – in aller Regel in technisch heterogenen Umgebungen. Die Potenziale von UC werden allerdings in den meisten Firmen noch nicht ausgeschöpft. Vielmehr handelt es sich häufig um eingeschränkte Tests oder Insellösungen“, so die Erfahrung von Andreas Latzel, Deutschlandchef von Aastra.

Insofern könne es kaum überraschen, dass nach der Berlecon-Studie nicht einmal die Hälfte der Unternehmen eine Integration von UC in Anwendungen wie CRM und ERP plant. „Hier herrscht noch großer Aufklärungsbedarf. Eine Integration in prozessorientierte Anwendungen setzt eine generelle Einführung von UC in Unternehmen voraus. Entsprechend sind Lösungen gefragt, mit denen Systemintegratoren gewachsene heterogene IT- und TK-Umgebungen in Gesamtlösungen überführen können, um sowohl Kosten zu sparen als auch die Prozesse im Unternehmen besser zu unterstützen“, erklärt Latzel. Nur so könne man die Vorteile einer einheitlichen Kommunikationsinfrastruktur für alle Firmenstandorte, Heimarbeitsplätze und mobile Mitarbeiter nutzen. „Der aktuelle wirtschaftliche Druck wird die Einführung von UC im Mittelstand und bei Großunternehmen beschleunigen“, ist sich Latzel sicher.

UC: Fachkongress Voice Days plus will Licht ins Dunkel bringen
UC: Fachkongress Voice Days plus will Licht ins Dunkel bringen
Unified Communication ist auch nach Ansicht von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, ein wichtiges Leitbild für das Zusammenwachsen von IT und TK, um als Plattform für effizientere Kommunikationsprozesse im Unternehmen zu sorgen. „Allerdings befindet sich der Einsatz noch in einem frühen Marktstadium. Die Verbreitung in deutschen Unternehmen ist allerdings noch auf einem eher bescheidenen Niveau. Insofern verwundert es auch nicht, dass UC für viele Entscheider ein Fremdwort ist. Umso mehr sind Anbieter aufgefordert, mit konkreten Beispielen aus unterschiedlichen Branchen den Nutzen aufzuzeigen. Stattdessen wird in der Kommunikation auf die Darstellung von Funktionalitäten, allgemeiner Anwendungsgebiete und abstrakter Nutzenargumente gesetzt“, moniert Steimel. Kaum ein Unternehmen würde sich auf Seminaren, Konferenzen und Fach-Kongressen als UC-Anwender „outen“. „Das wollen wir auf unserem Nürnberger Fachkongress am 7. Oktober ändern und Licht ins Dunkel bringen. Mit acht Anwenderberichten aus vier Branchen werden wir auf den VDP Programm aufzeigen, wie Firmen bei der Einführung von UC-Lösungen vorgehen, welche Erfolgsfaktoren und Stolpersteine zu beachten sind“, kündigt Steimel an. Voice Days plus-Mitorganisator Jens Klemann warnt zudem vor einer zu technischen Diskussion: „Die größten Potenziale liegen bei einer radikalen Neudefinition der Geschäftsprozesse liegen. Die müssen genau analysiert und aufgebrochen werden, um sie auf Basis der neuen Möglichkeiten mit den Kommunikationsprozessen zu synchronisieren und damit neu zu definieren, lässt sich daraus ein echter Wettbewerbsvorteil im Sinne von Geschwindigkeit und Flexibilität erzielen“, so Klemann, Geschäftsführer des Beratungshauses Strateco.

Die Einführung von Unified Communications werde häufig nur aus dem Blickwinkel der internen Unternehmenskommunikation beleuchtet. Ebenso dramatisch seien aber auch die Veränderungen an der Schnittstelle zum Kunden – denn eine ganzheitliche UC-Strategie bedeutet auch an die Kommunikation mit Kunden kanalübergreifend zu managen. „Zu viele Unternehmen haben noch immer massive Probleme, eine kanalübergreifende Historie zu Kundeninteraktionen abzubilden und alle zur Problemlösung notwendigen Ressourcen einzubeziehen“, resümiert Klemann.

VoipSiehe auch den Blog-Beitrag: Leere VoIP-Versprechen und überforderte „Softwarebubis“

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Wie Kommunikationstechnologien über den Geschäftserfolg entscheiden

Viele IT-Manager sind heutzutage mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, ihre Budgetausgaben so zu verwalten, dass der finanzielle Ertrag für ihr Unternehmen maximiert wird. Die Verschmelzung der klassischen Telefonwelt und der Datenwelt eröffnet vielfältige Möglichkeiten. „Zwei oder drei verschiedene Telefonnummern in der Berufswelt sind keine Ausnahme mehr. Oftmals sind es sogar noch mehr. Die Möglichkeit mit nur einer Nummer zu arbeiten, die an das Gerät und den auswählten Ort geleitet wird, bietet viele Vorteile. Man ist nicht nur besser erreichbar, optimiert die Kosten für die Weiterleitung und erspart sich diverse Ausgaben. Große und kleine Unternehmen sollten darüber Nachdenken, Mobiltelefone in die Nebenstelle des Unternehmens zu integrieren“, so lautet beispielsweise die Empfehlung des ITK-Unternehmens Aastra in Berlin.

Experten sind davon überzeugt, dass die Beherrschbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Betriebs von integrierten Lösungen verschiedenster Informations- und Kommunikationstechnologien über den Geschäftserfolg entscheiden. Es geht beispielsweise um die Beschleunigung des Durchlaufs von Produkten – vom Entwicklungs- und Produktionsprozess über die Auslieferung an den Kunden bis zu nachfolgenden Services. Es geht um innovative Prozessideen, mit denen neue Geschäftsfelder erschlossen werden.

Mit der richtigen und leicht verfügbaren Technologie ausgestattet, könnte die Mehrheit der wissensbasierten Arbeitskräfte ihre Aufgaben ebenso gut, wenn nicht sogar besser, von zu Hause aus erledigen. „Wenn man dieses flexible Arbeiten näher betrachtet, dann sollten Unternehmen unbedingt auch die Kommunikation über das Internet Protokoll (VoIP) integrieren, um wiederkehrende Kosten, die aus der Nutzung von Mobiltelefonen entstehen, zu vermeiden. Mitarbeiter, die Zuhause arbeiten, sind somit unter der gleichen Nummer erreichbar und profitieren von den gleichen Funktionen, die ihnen auch im Büro zur Verfügung stehen“, erklärt Aastra.

Offene Standards seien generell von Nutzen. „Das so genannte Session Initiation Protocol (SIP) ist der wichtigste Standard, über den ein Entscheidungsträger beim Kauf von IT-Lösungen Bescheid wissen sollte, wenn es um Sprachkommunikationssysteme geht. Systeme auf SIP-Basis sind dazu gedacht, problemlos in zukünftige Systeme integriert werden zu können. Unternehmen verlassen damit das ‚Gefängnis’ ihrer eigenen Systeme und können ihre Kommunikationstechnologie weiterentwickeln und stetig aktualisieren“, empfiehlt Aastra. Viele Unternehmen würden den Investitionen in neue Technologien noch skeptisch gegenüberstehen. Eine drastische Komplettumstellung sei aber gar nicht notwendig, meint der Berliner ITK-Spezialist: Unternehmen sollten sich vielmehr auf einen allmählichen Prozess einstellen, der Ihnen bereits zu Anfang Verbesserungen ermöglicht, ohne große Anfangsinvestitionen leisten zu müssen.

„Wenn wir über die Effizienzverbesserung von Kommunikationslösungen reden, sollten Unternehmen aber auch noch folgendes berücksichtigen: die Existenz eines Verwaltungstools, das anzeigt, ob ein Kollege bereits in einem Gespräch ist, um Anrufe effektiver organisieren zu können; eine Software zum Austausch von Daten, damit noch mehr konstruktive Dialoge zwischen Mitarbeitern ermöglicht werden; auf Laptop installierte Softphones um die Kosten durch Anrufe auf Mobiltelefone zu verringern, die bei Reisen oder Fernarbeit entstehen; mobile Kommunikation über WiFi Netzwerke“, sagt Aastra-CEO Andreas Latzel.

Die Kreditkrise führe zu drastischen Budgetkürzungen. Unternehmen sollten daher überlegen, wie Investitionen in Kommunikationstechnologie sinnvoll vorgenommen werden können. „Besonders in rezessiven Zeiten ist es für Unternehmen wichtig, dass sie die richtigen Kommunikationslösungen haben, um den Wünschen ihrer Kunden zu entsprechen und dafür sorgen zu können, dass ihre Mitarbeiter effizienter arbeiten“, so die Empfehlung von Latzel.

Balkan statt Irland: Absturz des Wirtschaftswunderlands – Attraktive Firmenstandorte in Slowenien

Kaum ein europäisches Land ist nach einem Bericht der Kölnischen Rundschau (KR) stärker von der Krise getroffen als Irland. „Nach dem EU-Beitritt wurde aus dem bitterarmen Inselstaat die Boomregion Europas; nun drohen Irland erneut schwere Zeiten“, so die KR. Der keltische Tiger sei zum kranken Kätzchen mutiert. „Ich bedauere, dass es für einige schwer wird, aber wir müssen harte Maßnahmen ergreifen“, kommentierte Premierminister Brian Cowen kürzlich den Nachtragshaushalt.

„Ausländische Investoren hatten – angelockt vom englischsprachigen Standort in der Euro-Zone mit niedrigen Steuern – dem Ex-Armenhaus Europas den Weg geebnet. Arbeitsplätze entstanden, Immigranten strömten ins einstige Auswandererland. Doch aktuell verlagert zum Beispiel der US-Computerkonzern Dell seine Produktion mit 1.900 Arbeitsplätzen aus Limerick nach Osteuropa“, schreibt die KR. Zwar planen nach einer DIHK-Umfrage 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren grenzüberschreitenden Kapitaleinsatz im Vergleich zum Vorjahr zu senken. Aber Experten sind davon überzeugt, dass attraktive Standorte beispielsweise in den Balkan-Ländern gut vermittelbar sind.

So habe ich den Hinweise auf ein attraktives Objekt in Slowenien bekommen, das an der Grenze zu Kroatien liegt. Der Ort Semic ist infrastrukturell sehr gut gelegen, die Flughäfen Zagreb und Rijka sind in einer Autostunde erreichbar, außerdem liegt Semic direkt an der Autobahn Ljubljana-Belgrad.

Das Gebäude wurde vor fünf Jahren erbaut, verfügt über 3700 qm Produktionsfläche bzw. Büroräume und wurde in hochwertiger Bauweise erstellt. Das dreigeschossige Gebäude steht auf einem 7000 qm Grundstück, weitere Anbauten sind möglich. Der Betrieb hat Kabelkonfektionen hergestellt, meist für die Automobil-Branche.
Für Produktionsbetriebe also eine nette Sache.

In Slowenien oder Kroatien beträgt der Bruttoarbeitslohn rund 680 Euro monatlich, inklusive aller Nebenkosten für den Unternehmer. Kontaktmöglichkeit für das Objekt in Slowenien: miliana.romic@web.de

Leere VoIP-Versprechen und überforderte „Softwarebubis“

Warum Unternehmer mit der Kommunikation über das Internet Protokoll hadern

VoIP für Mutti?
VoIP für Mutti?
Voice over IP ist ein Dauerbrenner in den Fachmedien für Informationstechnik und Telekommunikation. Von der Realität der Kommunikation in Privathaushalten und der Geschäftswelt erfährt der geneigte Leser wenig. Umfragen, Analysten und Branchenvertreter gehen in ihren VoIP-Prognosen häufig nur von Optionen und Wünschen aus. In Studien werden dann Fragen gestellt „Wird sich VoIP“ in den nächsten fünf Jahren durchsetzen“ oder „Halten Sie VoIP für sinnvoll“. Das sind die berühmten und empirisch höchst unseriösen Fragetechniken nach dem Prinzip „Wollen Sie arm oder reich sein?“. Schaut man sich das nackte Zahlenmaterial der Bundesnetzagentur an, bleibt von dem VoIP-Wortschwall der ITK-Szene nicht mehr viel übrig. Nach dem aktuellen Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur kann man Ableitungen für 2007 vornehmen. Danach liegt der Anteil der VoIP-Nutzung bei mickrigen 8,6 Prozent. Für das vergangene Jahr schätzt das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) den Wert auf rund 10 Prozent.

„Für Geschäftskunden, die sehr häufig Nebenstellenanlagen betreiben, deren weitere Wartung durch die Lieferanten zu Ende geht, erwarte ich persönlich eine schnellere Migration zu VoIP als bei den Privatkunden, wenngleich die Nachfrage nach Lösungen für VoIP-Centrex dem Vernehmen der Anbieter nach enttäuschend ist. Hier liegen uns belastbare Zahlen jedoch nicht vor“, so WIK-Senior Consultant Dr. Thomas Plückebaum gegenüber NeueNachricht. Die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll ist kein Kinderspiel und mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Wenn man jeden Tag mit PR-Texten von Firmen bombardiert wird, die eine „nachhaltige und ganzheitliche VoIP-Strategie garantieren, Prozesse optimieren und implementieren, eine Vielzahl von Synergien realisieren und mit leistungsfähigen Tools basierend auf einem Netzwerk von Applikationen für geringere Kosten und einer höheren Effizienz sorgen“, darf man sich über die starre Haltung der Unternehmer gegenüber neuen Kommunikationstechnologien nicht wundern.

Spielzeug für Vati
Spielzeug für Vati
Und wenn man jetzt schon auf jedem sich bietenden Fachkongress vom Trend zur Unified Communications spricht, fehlt den Branchenexperten augenscheinlich eine gehörige Portion Wahrnehmungskompetenz: In neun von zehn Unternehmen dominiert nach wie vor die klassische Festnetz-Telefonie. Das belegt eine aktuelle Umfrage der Experton Group, die fast punktgenau die Erkenntnisse der Bundesnetzagentur wiederspiegelt. Entwickler und Hersteller der Telekom-Branche sowie Anwender müssen noch einen dornenreichen Weg zurücklegen, um VoIP auf breiter Front durchzusetzen. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen“, so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden“ (Hanser Verlag).

Ähnlich sieht es Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums in München: „Es ist ein weiter Weg von der Idee zur Umsetzung. Zudem verschieben sich notwendige Investitionen für VoIP durch die angespannte Wirtschaftslage. Die alte Telefonanlage tut es noch ein Jährchen, vielleicht mit ein wenig höheren Reparaturkosten“, sagt Rebetzky. Daher sei VoIP in den Vorstandsetagen erst einmal in die zweite Reihe gerückt. „Man konzentriert sich eher auf Prozessoptimierungen in der Logistik oder Bestellabwicklung. Dennoch: Die Zeit wird wiederkommen und wohl denen, die schon mit gereiften Konzepten in den Startlöchern stehen“, resümiert Rebetzky, CIO des Lebensmitteltechnologie-Spezialisten Bizerba.

Folgt man den Analysen des Beratungshauses Berlecon, hält zwar eine große Mehrheit der Entscheider in deutschen Unternehmen die Integration verschiedener Kommunikationskanäle und deren Einbindung in Geschäftsanwendungen für sinnvoll. Allerdings sind in vielen Unternehmen die notwendigen technischen Voraussetzungen gar nicht vorhanden: „Nur ein geringer Teil verfügt bisher über eine VoIP-Infrastruktur, wie etwa IP PBX oder gemeinsame Netze für Daten und Sprache. Von einer Sättigung ist der deutsche VoIP-Markt demnach noch weit entfernt und für die Anbieter gibt es noch erhebliche ungenutzte Potenziale zu aktivieren“, so Berlecon. „Was nutzen mir die effektvollen Powerpoint-Präsentationen über Unified Communications und die Versprechen einer schöneren Kommunikationswelt im IP-Zeitalter, wenn die Softwarebubis mit meiner alten TK-Anlage nichts anfangen können. Ich schmeiße doch meine gesamte Infrastruktur nicht über Bord“, klagt ein mittelständischer Firmenchef im Gespräch mit NeueNachricht.

Der Deutschland-Chef des ITK-Unternehmens Aastra, Andreas Latzel, kann den Unmut vieler Unternehmer verstehen. „Man sollte nicht das Blaue vom Himmel versprechen oder eierlegende Wollmilchsäue verkaufen. Wer die alte TK-Welt nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es zur Zeit in der Software-Branche zu beobachten ist. Es geht um eine sehr komplexe Integrationsaufgabe. Innovation und Kontinuität gehören zusammen“, so das Credo von Latzel. Zunächst müsse man einige Hürde überwinden, um mit VoIP die gleiche Qualität und Sicherheit wie bei der klassischen Telefonie zu bieten.

dsc_0011„Das klingt zunächst trivial, ist es aber nicht. Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur sind besondere Dinge zu berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie bietet Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Viele reine IP-Lösungen haben heute genau mit diesen Funktionen ihre Schwachstellen. Ob der Anwender hingegen die vielgerühmten neuen Funktionen der Unified Communications immer nutzen kann und möchte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das unterscheidet sich deutlich von Unternehmen zu Unternehmen, hängt von Firmenkultur, Demokratie der Arbeit, Hierarchie- und Entscheidungsmodell, von Branche und dem Arbeitsplatz selbst ab. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt wird und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun hat“, erläutert Latzel.

Einen Trägheitsmoment bei Geschäftskunden sieht auch Bernhard Steimel von Mind Business Consultants. „Bei bereits getätigten TK-Investitionen sowie Miet- und Wartungsverträgen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren geht man konservativ vor. Zudem wird die Kommunikation als unternehmenskritische Funktion angesehen und das Misstrauen in die Zuverlässigkeit der VoIP-Technik ist besonders im Mittelstand weit verbreitet. VoIP wird sich sicherlich durchsetzen. Die Frage ist nur, wie schnell“, so Steimel.

Facebook als Jederzeit-Medium im Web – Zuckerberg plant zentralen Aufmerksamkeitsverteiler

n4_76971In dieser Woche gibt sich Facebook ein neues Gesicht. Die langfristigen Ziele beschreibt Facebook-Chef Mark Zuckerberg in seinem Firmen-Blog mit Schlagworten wie „Informationsstrom“ oder „Menschen Kontakt zu allem geben, was sie interessiert“. Auf lange Sicht sollen Menschen Facebook nicht mehr benutzen, um „bestimmte Inhalte zu finden, sondern um am Informationsfluss selbst teilzuhaben“. „Mit der Neugestaltung baut Zuckerberg Facebook ganz pragmatisch zum Jederzeit-Medium um. Die Hauptseite soll demnächst in Echtzeit jedem Mitglied Nachrichten darüber liefern, wer aus seinem Bekannten- und Freundeskreis gerade was denkt, kommentiert, im Web entdeckt, gekauft, gehört, gesehen hat. Bislang aktualisierte Facebook die zentrale Nachrichtenseite nur alle 10 bis 15 Minuten, nun soll das ständig passieren“, analysiert Spiegel Online-Redakteur Konrad Lischka.

Wenn ständig etwas Neues passiere sei der Drang groß, ständig die entsprechende Seite zu verfolgen. Das erinnere sehr an den Reiz von Twitter, dem gerade enorm gehypten Echtzeit-Mikroblogging-Dienst, der seinen Nutzern das Gefühl gibt, nahezu live zu verfolgen, was im Web passiert. „In Zukunft unterscheidet Facebook nicht mehr sonderlich zwischen den Seiten von normalen Mitgliedern und Unternehmen, Politikern, Bands und Stars“, schreibt Lischka. Der Dienst könne sich zum großen Aufmerksamkeitsverteiler im Web mausern. Neue Musik? Mal sehen, was die Freunde bei Facebook empfehlen. Gipfeltreffen in Washington? Mal sehen, was das Team von Obama schreibt. Der nächste logische Schritt wäre nach Ansicht des Internetexperten Sascha Lobo die Entwicklung eines echten eigenen Browsers, der ganz nebenbei dazu führen würde, dass man die Community überhaupt nicht mehr verlässt.

Teile des Redesigns würden darauf hindeuten: viele Navigationspunkte wurden in die nicht bewegliche Fußleiste verlagert. Die Redundanz mit der Navigation auf der Fläche sei nicht zufällig – sondern soll den Nutzer daran gewöhnen, Facebook auch dann zu benutzen, wenn auf der Fläche des Screens eine andere Seite dargestellt wird. Mit Cloud Computing würden Betriebssystem und Browser sowieso zusammenwachsen zu einem „Betriebsbrowser“. Die Office-Anwendungen von Google Docs beim Browser Chrome seien dabei richtungsweisend. „Mit einem echten eigenen Facebook-Browser würde die halbautomatische Kommunikation in Form eines umfassenden Lifestreams Realität, weil alles, was wir im Browser erledigen – bei mir wäre das ungefähr alles -, dann Teil unseres Kommunikationsstromes werden könnte“, spekuliert Lobo.
„Das Praktische an einem halbautomatischen Kommunikationsstrom ist, dass ich nicht mehr aktiv eingreifen muss, sondern immer mehr reagieren kann – wenn man will. Ein tolles Szenario. Nicht ‘Big Brother is watching you’ sondern ‘Facegoogle is watching, tracking, analysing and predicting you’”, meint Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity. Die Facebook-Strategie bietet für Unternehmen enorme Chancen, so die Ansicht des Neue Medien-Publizisten Sebastian Paulke, Geschäftsführer von Wort + Welt: „Sie können sich schon jetzt auf eine völlig neue Marketingwelt freuen, in der statt Budgets Strategien zählen, da die eigentliche Multiplikation von Informationen sich zunehmend automatisieren wird und damit keine Kostenstelle mehr sein muss.”

Facebook werde eine neue Runde im Social Web einläuten und damit die Messlatte für Enterprise Team Collaboration anheben: „Die Fachkräfte von heute lernen jetzt schon, dass Informationsflüsse automatisiert ablaufen – cc-Mail-Orgien á la Outlook und Lotus Notes entfernen sich damit weiter von den gelernten Anforderungen der nächsten Wissensarbeiter-Generation: Die wird ein Corporate-Facebook verlangen, anstatt sich über jede Information Gedanken zu machen, wer die nun benötigt oder nicht“, erläutert Paulke. In der von seinem Unternehmen erstellten Studie „Kollaborieren oder kollabieren? Enterprise Team Collaboration 2.0” wird deutlich, dass jeder dritte Projektmanager wichtige Aufgaben nicht mehr erledigen kann, weil er in Kommunikationspflichten ertrinkt. „Es ist es höchste Zeit, eine Plattform zu schaffen, die das Informationsmanagement automatisiert und zentralisiert“, fordert Paulke.

Gestalter statt Verwalter: Warum auch ein CIO Managementqualitäten braucht

Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums, fordert ein neues Rollenverständnis der IT-Führungskräfte. „Wir sind heute mehr denn gefordert, die Geschäftsprozesse von der Produktentstehung bis zum Vertrieb und den Services intensiv mitzugestalten“, so Rebetzky. Da könne man sich nicht mehr in irgendeiner Technikecke verstecken. Ein Warnzeichen sei die aktuelle CIO-Umfrage des IT-Beratungshauses Harvey Nash. Danach habe die Bedeutung von IT-Führungskräften in den vergangenen Jahren abgenommen. Das wichtigste Schwerpunktthema, das die Geschäftsführung für die Informationstechnologie vorsieht, ist eher die Steigerung der operativen Effizienz und weniger die Entwicklung neuer Produkte oder die Erschließung neuer Märkte. In 17 Prozent der Unternehmen wird nicht einmal erwartet, dass die IT neue innovative Technologien entwickelt, um den Wettbewerbsvorteil zu verbessern. In 55 Prozent der Unternehmen, die Innovationen erwarten, hat man noch nicht einmal konkrete Ziele gesetzt. 73 Prozent der IT-Führungskräfte sind nach der Harvey Nash-Umfrage der Auffassung, dass der CIO eine größere Rolle im Unternehmen spielen sollte. Um das zu erreichen, müssten CIOs ihre Management- und Kommunikationsqualitäten verbessern.

Der Anteil derjenigen, die ihre Rolle im Unternehmen als erfüllend oder sehr erfüllend empfinden, ist im Vergleich zum Jahr 2006 stetig gefallen – von 84 auf 74 Prozent in diesem Jahr. Zugleich stieg der Anteil derjenigen, die ihre Rolle als nicht sehr erfüllend oder überhaupt nicht erfüllend empfinden, von 17 auf 25 Prozent. Entsprechend hoch fällt die Bereitschaft aus, den Arbeitsplatz zu wechseln. Nur sieben Prozent der Befragten streben keinen Job in einem anderen Unternehmen an. 72 Prozent haben bereits einen Headhunter kontaktiert oder selbständig nach einer neuen Tätigkeit Ausschau gehalten. 63 Prozent der IT-Führungskräfte gehen davon aus, in den nächsten zwei Jahren nicht mehr bei ihrem jetzigen Arbeitgeber zu sein – das sind fünf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. „Die Abnahme des Einflusses im Unternehmen steht in direkter Beziehung zum Nachlassen der Berufszufriedenheit und letztendlich zu einem Ansteigen der Wechselbereitschaft“, kommentiert Udo Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash in Düsseldorf, die Ergebnisse.

Die abnehmende Bedeutung der IT-Abteilungen unter dem strategischen Gesichtspunkt dürfte das Ergebnis vergangener Arbeitsleistungen und nachlassender Wahrnehmung sein. Über ein Viertel der Befragten ist der Meinung, dass die IT-Systeme innerhalb des Unternehmens nicht als Komponente für die Wertsteigerung des Unternehmens betrachtet werden können. Jede zweite IT-Führungskraft ist davon überzeugt, dass die IT kein wirksames Mittel ist, um die Geschäftseinnahmen zu steigern. „IT-Führungskräfte müssen kräftig an ihren Business-Kompetenzen arbeiten. Es ist offensichtlich, dass der ideale IT-Mitarbeiter beides haben muss: technologische und unternehmerische Fähigkeiten“, so die Erfahrung von Nadolski.

„Mit Scheuklappen kann ein CIO seine Position im Unternehmen nicht mehr festigen“, bestätigt Rebetzky. Eine IT-Führungskraft brauche heute Kompetenzen für die kompletten Geschäftsprozesse seiner Firma, um beispielsweise das Engineering von Produktkomponenten in Prozesskostenanalysen zu modellieren. „Ohne dezidiertes Prozesswissen wird ein CIO zum Verwalter degradiert mit wenig rosigen Zukunftsaussichten. Wir sollten in unseren Unternehmen jedoch Gestalter sein“, fordert Rebetzky, Director Global Information der Firma Bizerba.

Das cioforum vertrete die Interessen der IT nicht zum Selbstzweck, sondern indem es die Sachlage differenziert betrachtet und Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Sei es, um die Stellung der IT in den Unternehmen zu festigen oder Kosten im Unternehmen einzusparen. „Bizerba als Technologieunternehmen investiert kräftig in neue Produkte und Produktinnovationen. Die IT spielt hierbei eine wachsende Rolle. Es gibt fast keine Projekte mehr ohne IT. Umso mehr wollen wir die Wertsteigerung erhöhen – die Hebel dazu sind vorhanden“, erklärt IT-Interessenvertreter Rebetzky. Ein wichtiges Thema im Verband sei derzeit die Erhöhung der SAP-Wartungspreise: „Wir sehen enorme Belastungen auf die Unternehmen zukommen. Betroffen ist besonders der Mittelstand. Er hat häufig weitaus schlechtere Konditionen. Dadurch wirkt sich die Erhöhung der Wartungskosten negativ für innovative Investitionen aus. Wir werden als Verband den Druck auf SAP erhöhen, damit diese Belastungen gemildert werden“, kündigt Rebetzky an.