Schornsteinfeger spielen wohl immer noch Monopoly

Eher Glückspilz als Glücksbringer

Das Kaminkehrermonopol ist bekanntlich zum 1. Januar gefallen. Als Kunde (also Hauseigentümer oder Hausbesitzer) kann ich jetzt selbst entscheiden, wer bei mir die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben bei der Überprüfung meiner Heizungsanlage vornimmt.

„Bisher mussten Hausbesitzer denjenigen schwarzen Mann ins Haus lassen, den das Amt für sie bestellt hatte: denn seit 77 Jahren hat die Regierung mit der Aufteilung der Kehrbezirke den Schornsteinfegern ihre Kundschaft förmlich zugeschanzt. 8000 registrierte Bezirksmeister teilten das Bundesgebiet unter sich auf“, so die FAZ. Das entsprach in den Augen der Europäischen Union nicht den Regeln eines freizügigen Marktes, weswegen sie der Bundesrepublik diese Praxis untersagte.

So sieht jedenfalls die Theorie aus.

Der „bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger“ für Bonn-Duisdorf agiert aber nach wie vor so, wie in den Jahrzehnten davor. Im Briefkasten findet sich eine Benachrichtigungskarte mit einem Termin(Vorschlag) – mehr nicht. So stand der Mann vor meiner Tür und wollte die Prüfung meiner Gas-Heizung vornehmen. Länger als fünf Minuten dauert es selten, da wir unsere Anlage regelmäßig warten lassen. Schnell verdientes Geld also, denn für diese „Prüfarbeiten“ bekommen wir immer die gleiche Rechnung – so um die 70 Euro. Rechnen wir das mal etwas großzügig mit zehn Minuten Prüfzeit pro Haus, kommt der Kaminkehrer in unserer Wohnsiedlung auf einen Stundenumsatz von 420 Euro. Vielleicht sind es auch „nur“ 300 Euro. Davon können andere Berufsgruppen nur träumen.

Ein Bonner Heizungsinstallateur bestätigte mir, dass ein Kaminkehrer pro Tag rund 40 Haushalte abklappert und einen Tagesumsatz von 3.000 Euro erzielt. Der Installateur prüft übrigens bei der Wartung von Heizungsanlagen nach demselben Schema wie die fegenden Meister im lukrativen Schornstein-Geschäft. Nur wird diese Prüfung nicht von der Innung anerkannt. Wäre ja noch schöner, wenn von den 3.000 Euro-Tagesumsatz etwas flöten ginge.

Nun stand der besagte Bezirksschornsteinfeger vor meiner Tür und wollte – wie immer – kurz in den Keller marschieren, um nach kurzer Zeit wieder freudestrahlend zum nächsten Haus zu stapfen. Ich fragte ihn höflich, wo denn sein Angebot sei. Er wies mich im polternden Ton daraufhin, dass ich ja eine Benachrichtigungskarte erhalten habe und von mir kein Widerspruch vorliegt. Darauf sagte ich, dass solch eine Karte doch kein Angebot sei. Darauf er:

„Eines kann ich Ihnen gleich sagen. Der Preis ändert sich nicht!“

Daraufhin sagte ich zu ihm, er möge mir ein Angebot schreiben. Er zog von dannen und machte dabei ein recht grimmiges Gesicht. Die Quittung für mein unverschämtes Ansinnen lag dann ein paar Tage später in meinem Briefkasten.

Sein Angebot liegt jetzt bei 102,49 Euro brutto.

Wettbewerb sind die Kaminkehrer nicht gewöhnt

Die Höhe der Kosten werde ich durch alternative Angebote abschätzen. Aber auch die Form des Angebots entspricht nicht den Gepflogenheiten bei handwerklichen Dienstleistungen. Darauf verweist Thomas W. Müller von der Aktion SchornsteinFegerRechtsReform im ichsagmal-Interview.

„Das fängt damit an, dass oben auf der Rechnung nicht mehr ‚Der Bezirksschornsteinfeger‘ steht, sondern Schornsteinfeger Fritz Feger oder wie immer er heißt. Es sollten Angebote gemacht werden, die der Preisangabe-Verordnung entsprechen. Gegenüber Endverbrauchern sind immer Bruttopreise einschließlich Umsatzsteuer anzugeben. Auch das alte Abrechnungssystem nach Arbeitswerten gehört nicht mehr auf das Angebot. Das ist zum Jahreswechsel außer Kraft getreten. Ein guter Schornsteinfeger würde jetzt Pauschalangebote machen und sagen, das Prüfen einer Gasheizung kostet bei mir pauschal 45 Euro. Das einmalige Kehren eines Kamins kostet soundso viel. Oder, wie es sonst im Handwerk üblich ist, dass man einen klaren Stundensatz angibt. Dann kann der Kunde nämlich nachvollziehen, wie eine Rechnung zustande kommt.“

Dieses Vorgehen sei allerdings die absolute Ausnahme.

„Die meisten Schornsteinfeger versuchen nach dem alten System mit diesen Arbeitswerten zu operieren und auch bei der Positionierung der einzelnen Teilaufgaben nach der alten Kehr- und Überprüfungsordnung abzurechnen“, so Müller.

Was der Bezirksschornsteinfeger – nennen wir ihn mal HB – mir zugeschickt hat, kann also nicht als Angebot betrachtet werden. Ein Umschalten in den Köpfen habe eben bei vielen Ex-Monopolisten noch nicht stattgefunden, kritisiert Müller.

Im Laufe des Interviews weist er zudem daraufhin, dass jeder, der einen freien Schornsteinfeger jetzt beauftragen möchte, auf die gesetzlichen Prüffristen achten sollte. Ansonsten könnte es Ärger mit der Behörde geben.

Alle wichtigen Infos zu diesem Thema findet man auf der Website von Thomas W. Müller: SchornsteinFegerRechts-Reform.

Ich werde jetzt auf jeden Fall einen freien Schornsteinfeger beauftragen. Muffel-Köppe bei Serviceleistungen sollte man nicht noch mit Aufträgen belohnen.

Sparlampen werden nicht nur teurer, sie sind auch toxikologisch strahlend schön


Der Rasen ist zu grün, der Ball zu rund, ein Spiel dauert 90 Minuten und zufälliger Weise müssen wegen der gestiegenen Rohstoffpreise die Energiesparlampen teurer werden und das zu einem Zeitpunkt, an dem man die herkömmlichen 60-Watt-Glühbirnen nicht mehr verkaufen darf. „Inklusive einer Preisanhebung vom Frühjahr verteuern sich laut Osram-Sprecher Stefan Schmidt Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren um bis zu 25 Prozent“, so die Tagesschau.

Hintergrund sei nicht das Glühbirnenverbot, sondern der Anstieg der Rohstoffpreise (ach was): „Seltene Erden sind in den vergangenen zwölf Monaten um 700 Prozent teurer geworden.“ Für die Produktion der Leuchtmittel würden vor allem Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium aus der Gruppe der Seltenen Erden benötigt, erläuterte Schmidt. Den Osram-Kunden sei die Preiserhöhung schon vor einigen Wochen angekündigt worden. Ob und wie stark diese Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben würden, liege allerdings beim Handel, sagte Schmidt weiter. Osram-Vorstand Martin Goetzeler hatte zuvor der „Financial Times Deutschland“ erklärt, er rechne mit Preissteigerungen in der gesamten Branche.

Die anderen Hersteller werden dem Beispiel sicherlich folgen. Da passt doch auch ein Bericht der WDR-Sendung „Markt im Dritten“. Rat an die Verbraucher: Man sollte genau überlegen, wo man Energiesparlampen einsetzt. „Denn bei Betrieb werden sie heiß und könnn Schadstoffe ausdampfen.“

Was so an Emissionen gemessen wurde, dokumentiert dieses Filmchen.

Warum diese ganze Verbotsaktion auch ökologisch schwachsinnig ist, habe ich hier ja schon aufgeführt.

Glühbirnen-Anarchie
Glühbirnen-Anarchie

Deshalb gilt mein Motto: Es lebe der Glühbirnen-Anarchismus!

Und: Wehrt Euch gegen die Eurokraten – Kauft Glühbirnen in Bosnien!

Was die Energiewende mit der Netzneutralität zu tun hat

In einer NeueNachricht-Vorabmeldung beschäftigen wir uns mit den Themen Netzneutralität und Energiewende. Meldung kommt in den Abendstunden. Die Frage, ob alle Daten gleichberechtigt übertragen werden sollten, bekommt durch die Energiewende eine weitere Dimension: Denn das Energienetz der Zukunft („Smart Grid“) wird voraussichtlich über das Internet gesteuert. Einen Stromausfall, weil zu viele Youtube-Videos die Netze verstopfen, will kein Mensch. Einen Zwei-Klassen-Zugang allerdings auch nicht. „Bei der Netzneutralität geht es letztlich um Freiheit: Jeder Bürger hat das Recht, Informationen zu konsumieren und zu veröffentlichen. Aus politischer Sicht muss die Netzneutralität also erhalten bleiben. Es stellt sich aber auch die Frage, wie dies technisch möglich ist, wenn das Internet in Zukunft auch ein Smart Grid enthält“, sagt Bernd Stahl vom Netzwerkausrüster Nash Technologies mit Sitz in Stuttgart und Nürnberg.

Für den Netzwerk-Experten gibt es letztlich zwei technische Lösungsmöglichkeiten: Entweder bekommt das Smart Grid ein komplett eigenes Kontrollnetz, das neben dem Internet läuft. Oder das bestehende Internet wird weiterentwickelt – was praktisch auf ein partielles Re-Design hinauslaufen kann. Willkommen im „Future Internet“. „Im aktuellen IP-Netz werden Daten in Pakete aufgeteilt und wie eine Postsendung durch die Leitung geschickt. Ursprünglich gab es keine garantierten Ressourcen. Nachträglich eingebaut führt das zu einem erheblichen Anstieg der Komplexität. Einfacher und effektiver wäre es, wenn die Internet-Schicht bereits von Anfang an diese Features enthalten würde“, erläutert Stahl. „Das Internet leidet auf technischer Ebene also unter einer Komplexitätsblase. Es ist vom Ursprung her als offenes Netz gedacht, über das Universitäten kommunizieren konnten und nicht als ein multifunktionales Beförderungssystem für alle Arten der Kommunikation. Für eine Lösung müssen wir wie Einstein denken: Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen.“

Wenn man davon ausgeht, dass das klassische Internet und das Smart Grid in einer einzigen Netz-Technologie verschmelzen, dann könnte Peering die Lösung sein, um die Zusammenarbeit der einzelnen Netze effektiv, sicher und fair zu regeln, so Stahl. Beim Voice Peering im klassischen Telefonnetz und im NGN (Next Generation Network) haben sich die Netzbetreiber geeinigt, wie zwischen ihren Netzen abgerechnet wird und wie im Gegenzug die Ressourcen garantiert werden. Denn das Telefonnetz ist wie das Internet im Grunde ein Flickenteppich aus zahlreichen Netzen. „Vergleichbare Mechanismen brauchen wir auch für das Smart Grid“, sagt Stahl. Soweit ein kleiner Ausschnitt der Meldung. Später mehr.

Auch für die Energiewende braucht man Internetkompetenz, liebwerteste Gichtlinge der Politik

Die Bürger haben ein feines Gespür bei der Wahrnehmung der Kompetenzen des politischen Personals. Darauf gehe ich in meiner Kolumne für The European ein: Wenn es um das Internet geht, trauen sie den Volksvertretern nicht sehr viel zu. Fast jeder zweit Wahlberechtigte denkt so – das ist desaströs. Gerade jetzt müssten wir alle Ressourcen bündeln, um bei den neuen Hochtechnologien in der ersten Liga mitzuspielen. Hier geht es ja nicht nur um die Notwendigkeit eines schnelleren Internets für Unterhaltung, Spaß und Spiel. Es geht um die Zukunftsfähigkeit einer informations- und wissensbasierten Ökonomie.

So ist eine Energiewende in Deutschland nur möglich mit einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur. Stromfressenden Endgeräte in Unternehmen und privaten Haushalten bekommen nur dann Öko-Intelligenz, wenn sie über das Internet mit den Stromerzeugern und Netzbetreibern gekoppelt werden. Verlängerte Laufzeiten machen Atomkraft nicht mehr zum Zukunftsmarkt, sondern sorgen eher für ein quälendes Ende. Auch für die Energieversorgung braucht man Internetkompetenz, liebwerteste Gichtlinge der Politik. Siehe auch: Energiemarkt 2.0: Wie man mit Netzintelligenz die Öko-Wende schafft.

Das hat der Mathematiker Gerd Antes in einem Gastbeitrag für die FAZ sehr schön zusammengefasst. Für Deutschland als rohstoffarmes Land sei eine überlebenswichtige Frage, ob uns der Umgang mit einem unbegrenzten Rohstoff gelingt: Wissen. Im Informationszeitalter seien wir noch nicht angekommen. „Wie weit wir davon tatsächlich entfernt sind, zeigt sich daran, dass es einer apokalyptischen Katastrophe bedarf, um von der Kanzlerin zu hören, dass auch für Deutschland Umdenken angesagt ist“, so Antes.

Siehe auch:
Intelligentes Netz für die Energiewende.

Beim E10-Gelaber die wirklich wichtigen Fragen nicht vergessen: Energiewende über intelligentes Netz