Mein Blogger-Motto ist wichtiger denn je: Repression verdünnen!
Patrick Breitenbach hat sehr treffend die Selbsterhaltungskräfte der staatlichen Sicherheitsorgane aufs Korn genommen und sie als Geheimdienst-Industrie-Komplex beschrieben. Er ist verantwortlich für das gesamte Reporting der Bedrohungslage. Er berichtet an die Regierung wie gefährlich die Welt geworden ist, wobei das meiste für die Öffentlichkeit sowieso nicht bestimmt ist. Aus Sicherheitsgründen. Oder die Methode Friedrich-Pofalla. Es wurden x-Terrorpläne erfolgreich verhindert und es gab ja nur x-Spähaktionen der Amerikaner, die nicht weiter ins Gewicht fallen – alles nicht so schlimm. Keiner kann diese Aussagen überprüfen. Ist ja alles geheim. Und wer diese Geheimnisse ausplaudert, kommt lebenslänglich in den Knast. So einfach geht das.
„Damit verwehrt man allerdings auch der Öffentlichkeit und der vierten Gewalt die Chance auf jedwede Falsifikation der Thesen. Je mehr Bedrohung das System berichtet, desto mehr Budget wird dem System zur Verfügung gestellt.“
Das System sei nicht nur theoretisch in der wunderbaren und verlockenden Lage, sich seinen eigenen Markt selbst zu erschaffen, es arbeitet auch permanent an den Marktregeln. Neue Rechtsgrundlagen wie der Patriot Act sorgen dafür, dass die Arbeit des Komplexes noch reibungsloser verläuft und weniger rechtlichen Einschränkungen unterliegt, weil die Bedrohung angeblich massiv ansteigt und man noch schneller und härter eingreifen muss.
„Alles geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit wohlgemerkt.“
Ich werde nicht in die Lage versetzt, Friedrich-Pofalla-PRISM-Obama zu widerlegen. Ähnlich operieren übrigens auch die Sicherheits-Gichtlinge der Software-Industrie – ich meine das Cyberwar-Gesabbel von Firmenvertretern, die Software für die IT-Sicherheit verticken. An erster Stelle wäre Genosse Kaspersky zu nennen, der eine KGB-Ausbildung zum Kryptologen vorweisen kann.
Wirklich schlimm an der Daten-Spionage über Programme wie PRISM ist nicht nur die Demontage von Freiheitsrechten, die Kultivierung eines Verdächtigungs-Totalitarismus – es ist die Stigmatisierung von Menschen auf Basis von Daten, die über Algorithmen ausgewertet werden und genauso dämlich funktionieren wie die „normalen“ Big Data-Programme.
Darüber möchte ich gerne ausführlicher schreiben in den nächsten Tagen. Wer Bock auf Interviews via Hangout on Air zur Vorbereitung meiner Berichte hat, sollte sich bei mir melden.
Die neue Welt kann nicht sein ohne die alten Fertigkeiten
Je höher die Innovationsgeschwindigkeit ist, desto weniger veraltungsanfällig sind alte Lebensformen, so die überraschende Feststellung des Philosophen Odo Marquard. Die moderne Wandlungsbeschleunigung würde selber in den Dienst der Langsamkeit treten. So sollte man sich beim modernen Dauerlauf Geschichte – je schneller sein Tempo wird – unaufgeregt überholen lassen und warten, bis der Weltlauf – von hinten überrundend – wieder bei einem vorbeikommt. Gerade die neuesten Technologien benötigen die alten Fertigkeiten und Gewohnheiten. Unsere Arche Noah im Umgang mit der Überinformation sei eine alte Kunst: der Rückgriff aufs Mündliche. Das war schon zur Zeit des Buchdrucks so.
„Wir werden künftig mitnichten dauernd vorm Bildschirm sitzen, sondern – je mehr datenspendende Schirme flimmern – wir werden fern vom Bildschirm im kleinen oder großen Gesprächskreise mündlich jenes Wenige besprechend ermitteln, was von dieser flimmernden Datenflut wichtig und richtig ist“, schreibt Marquard in seinem überaus klugen Essay „Zukunft braucht Herkunft“.
So bleiben die schnellen Informationsmedien zähmbar und in der Reichweite der langsamen Menschen. Auch die neue Welt kommt ohne die alten Fähigkeiten nicht aus. Jedes Medium rücke verdrängte Effekte oder Eigenschaften wieder in den Vordergrund. Marshall McLuhan hat das in seiner Tetrade am Beispiel des Radios dokumentiert: Es stellt das gesprochene Wort wieder in den Vordergrund. Ähnliches vollzieht sich in der Videokommunikation. Auf Facebook, Twitter oder Blogs dominiert wieder das geschriebene Wort. Das spielt einem wortmächtigen Autor wie dem ehemaligen WDR-Hörspielchef Wolfgang Schiffer in die Karten, der mit seinem Literaturblog „Wortspiele“ in kürzester Zeit für Aufmerksamkeit sorgte.
Die Renaissance der Verschriftung im Kundenservice bestätigt das. Wo dumme Call Center-Anbieter vom Markt gefegt und in die Insolvenz getrieben werden, entdeckt man alte Fähigkeiten mit überraschenden Vorteilen. Die Kundenanfrage über eine Hotline ist anonym und garantiert nicht, auf den richtigen Experten zu treffen. Läuft die gleiche Anfrage in schriftlicher Form über Twitter, Facebook oder über eine Online-Community, dann kann sie gesichtet und gezielt an den Spezialisten weitergegeben werden. Im technischen Service eines größeren Heizungsherstellers sind das Meister, Techniker und Ingenieure, die speziell für das Social Web geschult werden. Die beantworten auch Fragen auf Facebook und eben nicht das Marketingteam. Effekt: Viele Fragen werden gar nicht mehr gestellt, da die Antworten auf den Social Web-Präsenzen des Unternehmens schon abrufbar sind – andere Kunden hatten das gleiche Problem und eine Lösung liegt für die Crowd vor.
Altes Ingenieurswissen up to date
Selbst beim Umgang mit Datenbanken ist altes Können gefragt. Egal, wo Daten abgelegt und organisiert werden. In Fragen der Systemsoftware braucht man immer noch Kenntnisse der alten Programmiersprachen, um die Migration der Daten in andere Umgebungen erfolgreich abzuschließen. Auch die radikale Umstellung und Konvergenz von Fernsehen, Telefon, Videokonferenzen oder Musikdienste auf das Internet-Protokoll ist kein profaner Vorgang, der ein- und ausgeschaltet werden kann wie ein Lichtschalter, so die Erfahrung des Netzwerkspezialisten Bernd Stahl von Nash Technologies.
So genannte All-IP-Netze benötigen einen sanften Übergang von der alten analogen in die digitale Welt.
„Um das zu realisieren, muss man beide Welten gut verstehen. Entsprechend ist auch das alte Systemwissen der Telekommunikation mehr denn je gefragt, wenn es um Ausfallsicherheit und dergleichen mehr geht“, bestätigt Stahl im ichsagmal-Interview.
Meine Schlagzeile ist natürlich Humbug. Der Oberguru des Axel Springer-Verlages wird ein Teufel tun, seine Sprücheklopfereien von vorgestern zu revidieren. Dennoch muss der gestrige Tag fett im Kalender markiert werden:
Wie der Zufall es will, verkündete am gleichen Tag das zweitgrößte deutsche Call Center-Unternehmen seinen Rettungsschirm-Antrag, um eine Pleite abzuwenden. Das klassische Telefonie-Geschäft schmilzt wie Schnee in der digitalen Sonne und nur wenige Hotline-Anbieter sind in der Lage, mit den vernetzten Kunden auf Augenhöhe zu marschieren. Siehe: Es ist wie ein Hohn, schweigt das Telefon – Hotline-Pleiten überraschen nicht wirklich.
Altpapier-Weisheiten
Eine gute Gelegenheit, an die Durchhalteparolen der Gestern-Industrien zu erinnern. Und dazu zählt eben auch das ominöse “Unverdrängbarkeitsgesetz” von Riepl:
“Keine neue Mediengattung ersetzt die bestehenden. Medienfortschritt verläuft kumulativ, nicht substituierend. Es kommt immer Neues hinzu, aber das Alte bleibt. Bis heute ist dieses Gesetz unwiderlegt. Das Buch hat die erzählte Geschichte nicht ersetzt. Die Zeitung hat das Buch nicht ersetzt, das Radio nicht die Zeitung, das Fernsehen auch nicht das Radio. Und also wird das Internet auch nicht das Fernsehen oder die Zeitung ersetzen“, palaverte der Springer-Chef vor vier Jahren.
Schon damals spekulierte ich, dass wohl kaum einer der analogen Fans sich die Mühe gemacht hat, die Hypothesen der Dissertation von Riepl aus dem Jahr 1913 wirklich zu studieren. In der Abhandlung unter dem Titel „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ geht es um das Nebeneinander von schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Und die Beispiele von Riepl zeigen sehr wohl, dass Medien sterben können. So ist der Bote in unseren Tagen längst kein Medium mehr mit Relevanz. Und welche Rolle spielt der Telegraph für die Individualkommunikation? Ausgestorben. Welche Bedeutung haben Prediger, Ausrufer oder Kalender für die Massenkommunikation? Keine.
Ich möchte ja jetzt nicht wie ein Schlaumeier wirken. Aber der heutige Handelsblatt-Bericht überrascht mich nicht wirklich und sicherlich auch nicht die Leser des ichsagmal-Blogs:
„Die einst blühende Branche der Callcenter dümpelt vor sich hin. Die Nummer zwei im Markt, Walter Services, steht vor der Pleite. Schuld sind jene Firmen, die nicht mal mehr via Call-Center erreichbar sein wollen.“
Die Hotline-Branche galt früher als Hoffnungsträger vieler Wirtschaftsförderer und die Call Center-Unternehmen nutzten diese Gelegenheiten reichlich – vor allem in den neuen Bundesländern florierte ein regelrechter Wanderzirkus bei der Inanspruchnahme von Staatskohle. Mehr als Telefonleitungen hatten aber die meisten Anbieter nicht zu bieten. Und nun versuchen die Auftraggeber nach Handelsblatt-Angaben sogar, die Fragen ihrer Kunden schriftlich zu beantworten.
„Heute hat dieser Trend nach unten ein prominentes Opfer gefordert: Der Callcenter-Betreiber Walter Services, nach eigenen Angaben die Nummer zwei in Zentraleuropa, steht vor der Pleite und hat daher ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Unternehmen bleibt so drei Monate vor seinen Gläubigern geschützt, und das bisherige Management kann in dieser Zeit eine Sanierung versuchen. Andernfalls droht die endgültige Insolvenz“, so das Handelsblatt.
Walter Services beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland noch 6000 Mitarbeiter und im Ausland noch 2.400 weitere Mitarbeiter. Einige Jahre zuvor sollen es sogar rund 10.000 Mitarbeiter gewesen sein – also ein Call Center-Riesentanker.
Walter Services hatte in der Vergangenheit kräftig expandiert und Call Center-Standorte der Deutschen Telekom, von Karstadt-Quelle und vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft. Im Nachhinein habe sich das teilweise als Fehlgriff erwiesen, so das Handelsblatt.
„Angesichts massiver Volumenrückgänge im Kernsegment Telekommunikation, die sich seit Juni deutlich beschleunigt haben, muss die Gruppe restrukturiert werden. Aufgrund von Überkapazitäten im Markt sowie des hohen Margendrucks war es nicht möglich, verlorene Auftragsvolumina zeitnah zu ersetzen“, teilt Walter Services in einer Presseverlautbarung mit.
Das lassen wir jetzt mal so im Raum stehen. Ob nun der Trend zur Verschriftung im Kundenservice die Hauptursache für die Misere der Hotline-Industrie ist, darf aber stark bezweifelt werden.
Eher ein ganzes Bündel von Entwicklungen, die sich gegen die klassischen Telefondienste wenden.
Und dieser Trend ist nicht erst seit wenigen Monaten in vollem Gange, sondern seit rund sieben Jahren. Als Indikator kann der Rückgang des Anrufvolumens der so genannten Mehrwertdienste herangezogen werden. Und hier trifft es vor allem die Auskunftsdienste. Hier gibt es die extremste Substitution durch entsprechende Angebote im Netz und über Apps.
„Es gibt nur noch Wenige, die bei der Auskunft anrufen. Über das stationäre oder mobile Web bekomme ich einen schnelleren Zugriff auf Informationen. Umständliche Anrufe erübrigen sich“, so die Analyse des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) in Bad Honnef.
Es gebe gravierende Veränderungen im Nutzerverhalten, die sich nachteilig für telefonische Dienste auswirken. Beim Smartphone sei das gut zu beobachten. Vor allen Dingen Applikationen mit Lokalisierungsdiensten zählten zu den Wachstumstreiben bei mobilen Anwendungen. Die volle Wucht der mobilen Dienste sei noch gar nicht spürbar, weil man noch weit von einer Sättigung des Marktes mit Smartphones und Tablet-PCs entfernt sei.
Der Trend zur Verschriftung im Kundenservice, der sich in sozialen Netzwerken abspielt, verschärft das Ganze noch. Dazu kommen How to-Videos, Kunden-helfen-Kunden-Foren und dergleichen mehr, obwohl es hier auf der Anbieterseite noch gar keine Professionalisierung gibt, wie mir Andreas Graap von Webvideo.com im ichsagmal-Interview bestätigte.
Ein Mittelständler der Industrie bestätigte das nachdrücklich: Die Kundenanfrage über eine Hotline ist anonym und garantiert nicht, auf den richtigen Experten zu treffen. Läuft die gleiche Anfrage in schriftlicher Form über Twitter, Facebook oder über eine Online-Community, dann kann sie gesichtet und gezielt an den Spezialisten weitergegeben werden. Im technischen Service sind das Meister, Techniker und Ingenieure, die für das Social Web geschult wurden. Die beantworten auch Fragen auf Facebook und eben nicht das Marketingteam. Effekt: Viele Fragen werden gar nicht mehr gestellt, da die Antworten auf den Social Web-Präsenzen des Unternehmens schon abrufbar sind – andere Kunden hatten das gleiche Problem und eine Lösung liegt für die Crowd vor.
“Wenn man in einer telefonischen Beratung dem Kunden weiterhelfen kann, dann freut sich nur dieser eine Anrufer. Wenn es sich um einen Service-Fall handelt, der bei vielen anderen Kunden auch auftritt, dann bekommt es keiner mit”, so die Erfahrungen des Mittelständlers.
Den gleichen Effekt mit noch größerer Wirkung erzeugt man mit Dialogangeboten, die live über Dienste wie Hangout on Air übertragen werden. Die Videos sind schneller verfügbar und können direkt als Aufzeichnung via Youtube abgerufen werden. Kein aufwändiges Schneiden, keine Ladezeiten – die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Aber auch hier werden sich erst in den nächsten Jahren die Netzwerkeffekte so richtig bemerkbar machen – für klassische Hotline-Unternehmen wird es also noch düsterer.
Kittler und die FlaschenpostFlaschenpost an die Zukunft könnte man die Gespräche nennen, die wir jede Woche in unserer Hangout on Air-Sendung Bloggercamp.tv führen. Also live übertragene Interviews, die kurze Zeit später als Youtube-Aufzeichnung vorliegen. Die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Unterhaltungen, die nicht im Netz verdunsten, sondern über die Speicherung ein Gedächtnis bekommen (Themen, die wir im November beim StreamCamp in Kölle vertiefen wollen).
„Flaschenpost an die Zukunft“ ist auch der Titel eines neuen Buches des Kadmos-Verlages und beinhaltet ein Gespräch des Künstlers Till Nikolaus von Heiseler mit dem Medienwissenschaftler Friedrich Kittler, das kurz vor seinem Tod vor gut zwei Jahren aufgezeichnet wurde. Es dokumentiert das intellektuelle Vermächtnis des großartigen Denkers, der die Medienwissenschaften neu erfand.
Formate der postmedialen Epoche
Es geht um den Zusammenhang von Kulturtechniken und der Entwicklung des Wissens. Mit der Computerkommunikation stoßen wir in eine postmediale Ära. Es dominieren nicht mehr massenmediale, sondern soziale Formate. Und der Kampf um den Augapfel, der zwischen Fernsehbildschirm und Computermonitor ausgetragen wird, kennt nur einen Sieger: den Computer. Vor gut 20 Jahren ist Kittler für diese These noch ausgelacht worden.
„Und was sehen wir heute: absolute Medienkonvergenz, aber eben in eine einzige Richtung: Alle anderen analogen und halbdigitalen Medien fließen in dieses eine universale hinein, wie es ihm von der Seinsgeschichte bestimmt worden ist.“
Man kann es so herrlich simpel erklären, warum viele Firmen viel stärker auf Service-Strategien im Social Web setzen sollten. Zur Vorbereitung eines Videoblogging-Workshops brachte es ein größerer Mittelständler aus der Industrie auf den Punkt.
Die Kundenanfrage über eine Hotline ist anonym und garantiert nicht, auf den richtigen Experten zu treffen. Läuft die gleiche Anfrage in schriftlicher Form über Twitter, Facebook oder über eine Online-Community, dann kann sie gesichtet und gezielt an den Spezialisten weitergegeben werden. Im technischen Service sind das Meister, Techniker und Ingenieure, die für das Social Web geschult wurden. Die beantworten auch Fragen auf Facebook und eben nicht das Marketingteam. Effekt: Viele Fragen werden gar nicht mehr gestellt, da die Antworten auf den Social Web-Präsenzen des Unternehmens schon abrufbar sind – andere Kunden hatten das gleiche Problem und eine Lösung liegt für die Crowd vor.
„Wenn man in einer telefonischen Beratung dem Kunden weiterhelfen kann, dann freut sich nur dieser eine Anrufer. Wenn es sich um einen Service-Fall handelt, der bei vielen anderen Kunden auch auftritt, dann bekommt es keiner mit“, so die Erfahrungen des Mittelständlers.
Den gleichen Effekt mit noch größerer Wirkung erzeugt man mit Dialogangeboten, die live über Dienste wie Hangout on Air übertragen werden.
Andreas Graap von Webvideo.com hat das in unserer Bloggercamp.tv-Sendung an Beispielen erläutert:
So verweist er auf den Anbieter E-Bike-World, der das schon praktiziert.
Bei erklärungsbedürftigen Produkten wie E-Bikes sind Videos besser als schriftliche Informationen. Auch wenn es um Installationen, Wartungen oder Hinweise zur Behebung eines Problems geht, sollten Videos die erste Wahl sein. Der Sohn vom Sohn greift nie zur Bedienungsanleitung, sondern sucht erst einmal nach Erklärvideo – also die How to-Schiene.
All das und noch mehr würden wir (also Hannes Schleeh und ich) gerne in einem StreamCamp auf die Agenda setzen – Videokommunikation in den verschiedensten Facetten.
Nach unserem Bloggercamp.tv Update-Interview mit Ali-Reza Mokhtari von zoomm.me wächst bei uns die Neigung, Köln als Standort für dieses Barcamp zu wählen.
Als Termin steht November zur Diskussion. Ist das noch zu schaffen?
Was meint Ihr? Interesse an einem StreamCamp? Sollten wir das in Köln machen? Und wann?
Meldet Euch 🙂
Um 13 Uhr 13:30 Uhr (sollte meine Termine besser lesen) werde ich den Aspekt „Kommunikation mit Abwesenden“ in einem ichsagmal-Interview mit Andreas Graap vertiefen. Natürlich live, natürlich über Hangout on Air. Man hört und sieht sich.
Dennoch entfaltet sich mit der Datenwissenschaft eine neue Disziplin, um Navigatoren auszubilden, die mit der Flut von Bits und Bytes umgehen können. Es geht dabei nicht um Betätigungsfelder für Schnüffel-Programme und Geheimdienste, sondern um Anwendungsfelder in Medien, Verbänden und Unternehmen.
„In den vergangenen Monaten hatten wir eine einzige Anfrage.“
Wenn man die einzelnen Themen betrachtet, die sich hinter dem Hype um Big Data verbergen, sieht es auf dem Kandidatenmarkt anders aus. Stichworte sind Data Warehouse, Business Intelligence, Dokumenten-Management oder soziale Netzwerke.
„Bei der Auswertung von großen Datenmengen steigt die Nachfrage auf dem Personalmarkt schon seit einigen Jahren. Es geht um Analysten für Geschäftsführung, Vertrieb, Marketing, Kundenservice, Kommunikation oder Finanzen. Hier sind wir dauerhaft auf der Suche nach qualifizierten Kandidaten“, bestätigt Nobis.
Denn es sei schwierig, die technische Expertise mit den fachlichen Anforderungen zu kombinieren:
„Zudem ist ein Typus gefragt, der die Ergebnisse auch gut präsentieren kann.“
Daten-Analysten müssten sich darüber hinaus mit den Produkten der Anbieter auskennen – also mit den Programmen von Firmen wie Microsoft, Oracle oder SAP.
„Eine große Herausforderung für die Fachkräfte ist der Umgang mit richtig großen Datenmengen, die weit über die Datenbanken von Organisationen hinausgehen“, erläutert Nobis.
Den universell ausgerichteten Big Data-Analysten werde man wohl auch in den nächsten Jahren nicht finden. Es gehe eher um Fähigkeiten, in interdisziplinären Teams arbeiten zu können und sich auszutauschen.
„Alles andere ist utopisch. Eine Person wird niemals alle geforderten Qualifikationen mitbringen können“, resümiert der Harvey Nash-Manager.
Big Data ist also wohl eher eine Klammer für unterschiedliche Einsätze. Die Marktforscher von Gartner erwarten in diesem Umfeld bis zum Jahr 2015 weltweit rund vier Millionen neue offene Stellen. Nur rund ein Drittel könne mit qualifizierten Kandidaten besetzt werden. Für den Big Data-Nachwuchs eine höchst erfreuliche Botschaft.
Big Data will ich weiter im Auge behalten. Wer seine Expertise in einem Hangout-Interview zum Ausdruck bringen möchte, ist herzlich eingeladen. Einfach eine Mail schicken an: gunnareriksohn@gmail.com
Ob Blogger Brahms lieben, ist wohl eher meiner Freude an der Alliteration geschuldet und dem alten Kino-Klassiker mit Ingrid Bergman, Yves Montand sowie Anthony Perkins. Man könnte ja auch Wagner, Mozart, Verdi oder Beethoven lieben. Oder generell klassische Musik. Und darum geht es in unserer heutigen Bloggercamp.tv-Sendung um 18:30 Uhr.
Orchestrasfan-Bloggerin Ulrike Schmid stellt ihr Projekt „Ab auf die Konzert-Couch“ vor. Sie war schon auf der Auto-Couch von Robert Basic, zu der er Blogger einlädt, um mit ihnen während einer Probefahrt mit einem Testwagen über Blogs, Technik und die Zukunft zu reden.
„Seit ich auf der Auto-Couch Platz nehmen durfte, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie kurzweilig und interessant der Austausch während so einer Autofahrt sein kann. Roberts Initiative, neuartige und teils komplizierte Technik durch gemeinsames Erleben und Austausch ‚erfahrbar‘ zu machen und sich über mögliche zukünftige Entwicklungen zu unterhalten, brachte mich auf die Idee, dieses Prinzip auch auf mein Lieblingsthema klassische Musik und Sinfonieorchester anzuwenden.“
Deshalb startete Ulrike die Konzert-Couch-Idee.
„Meine ‚Mission‘ ist es, möglichst viele Leute für klassische Musik zu begeistern, weil sie mich selber auf vielfältige Weise inspiriert. Dabei bin ich selbst nur ein Laie, allerdings ein sehr wissbegieriger.“
Was natürlich etwas untertrieben ist. Schließlich ist Ulrike einmal im Monat bei hr2 Kultur in der Sendung „Treffpunkt hr-Sinfonieorchester“ zu hören, wo sie dem Moderator Christoph Werkhausen alias Orchestrasvoice Fragen rund ums hr-Sinfonieorchester und zur klassischen Musik stellt.
Wie funktioniert nun die Konzert-Couch?
„Wenn mir Veranstalter für meine regelmäßigen Konzertbesuche Blogger-Karten zur Verfügung stellen, berichte ich hier über meine Konzerterlebnisse. Da ich meistens zwei Karten bekomme, möchte ich mit dem zweiten Ticket zukünftig jemanden mitnehmen, der oder die Lust auf ein Konzert hat, aber alleine vielleicht nicht hingehen würde. Das könntest zum Beispiel du sein. Einzige Bedingung auf die Konzert-Couch zu kommen ist, dass du anschließend über deine Eindrücke berichtest.“
Wie das Projekt seit dem Frühjahr angelaufen ist und welche Erfahrungen gesammelt wurden, werden wir heute Abend in unserer Sendung erfahren.
Fragen und Zwischenrufe via Twitter sollten während der Livesendung wie immer mit dem Hashtag #bloggercamp versehen werden.
Um 19:30 Uhr wird Andreas Graap unser Gast sein und sein neues Buch über „Hangout on Air“ vorstellen. Wir selbst waren ja nicht dazu in der Lage, unser Opus über die Streaming Revolution aufs Gleis zu bringen, wie ich jüngst beim Crowdfunding Roundtable in Kölle ausführte.
So manch ein Schaufenster verdient die dauerhafte VerdunklungZumindest 50 Geschäfts-Inhaber in der niederrheinischen Metropole St. Tönis. Sie kleben ihre Schaufenster mit schwarzer Folie zu, damit „ihre“ Kunden mal erleben, was das böse Internet so alles bewirken kann.
„Der örtliche Werbering hat zu dieser provokanten Kampagne aufgerufen. Statt üppiger Auslagen und liebevoller Dekorationen sind dann nur noch schlichte Papptafeln zu sehen. Darauf stehen Sprüche wie: ‚So sieht eine Innenstadt ohne Fachgeschäfte aus‘ oder ‚Hier werden Sie noch mit Namen angesprochen‘. Der Werbering will mit der Aktion die Käufer in den Fußgängerzonen wachrütteln: Wenn das so weitegeht, könnten hier bald überall die Lichter ausgehen“, so der Betroffenheits-Bericht von WDR 2.
Man habe ja eigentlich nichts gegen das Internet, tönt es in St. Tönis. Der Online-Handel sei eine Ergänzung für die „Fachgeschäfte“. Aber dieser elende Beratungslau der Kunden könne nicht länger hingenommen werden. Da kommen doch glatt Leute in das Geschäft rein, probieren Pullover, fotografieren die ersehnten Stücke, fragen direkt über eine App nach dem günstigsten Anbieter und verschwinden wieder ohne Kauf aus dem Geschäft.
„Für viele Geschäfte gehe es inzwischen um die blanke Existenz, befürchtet Werbering-Chef Stefan Robben. Deshalb soll die Kampagne mit den schwarzen Schaufenstern das Szenario einer leeren Innenstadt darstellen“, führt WDR 2 weiter aus.
Mit der Aktion wolle man zeigen, wie eine Fußgängerzone ohne Ladenlokale aussehen würde. Viele könnten sich das ja gar nicht so vorstellen.
Kippen-Müll-Blumen-Kombi
Es gehe ja nicht nur um die einzelnen Läden: Man könne in den Fußgängerzonen flanieren, klönen und sich mit Freunden treffen.
„Die Händler seien es auch, die für festliche Weihnachtsbeleuchtung und Blumenkübel in den Einkaufspassagen sorgen“, so WDR 2.
Die Fußgängerzone in St. Tönis mit ihren rund 50 „Fachgeschäften“ dürfte ungefähr so groß sein wie die Verkaufsmeile in Bonn-Duisdorf. Dort werde ich kompetent bedient von fünf Friseuren, vier Bäckereien, sechs Optikern, vier Döner-Grillmeister und der üblichen Zahl an Telefon-Inkompetenz-Hier-können-Sie-nicht-kündigen-Zentren. Nicht zu vergessen die unverzichtbaren Sonnenstudios mit ihren ganzjährig gut durchbräunten Beraterinnen, den obligatorischen Nagel-Fußpflege-Haarverlängerungs-Tempeln und Massage-Salons mit den Verkaufsschildern „Ohne Erotik“.
Tierfutter konnte ich in einem Kram-Laden mit der originellen Namensgebung „Schnauze“ einkaufen – leider hat dieser Anbieter die erste Jahressteuer-Erklärung nicht mehr erlebt. Urbanität, liebwerteste Fußgängerzonen-Gichtlinge, sieht anders aus. Die Plätze und Boulevards in den Städten sind schon lange verschwunden und wurden ersetzt durch auswechselbare Blumenkübel-Urinal-Ödnis.
Ödnis in der Zone
Wo sind sie hin, die urigen Kneipen, Kaffeehäuser und Manufakturen mit handgefertigten Erzeugnissen?
Berliner Kneipenkultur: Leydicke in Schöneberg. Aus: Wolf Jobst Siedler, Die gemordete Stadt – Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum.
Was für eine Fachberatung bietet denn das Verkaufspersonal in den Fußgängerzonen-Läden? Wirkliche Profiberatung finde ich eher in Foren, Youtube-Filmen und bei den Kundenbewertungen im Netz. Preisvergleiche über spezielle Apps sollten für Verkäufer eher ein Ansporn sein für besseren Service und nicht mit Smartphone-Verboten beantwortet werden.
Deshalb ist auch die Anbieter-Diktatur von Markenartiklern und Fachhändlern ein hoffnungsloses Unterfangen, die wegen der „Beratungsintensität“ ihrer Produkte den Onlinehandel unterbinden wollen.
Beratung bekomme ich über virtuelle persönliche Assistenten, die meine Einkäufe optimieren, Produkte und Dienstleistungen bewerten und über die Expertisen anderer Kunden informieren. Unternehmen, die mit ihren vernetzt organisierten Kunden nicht mithalten können, verschwinden vom Markt. Auch in St. Tönis.
Der stationäre Handel muss das aber nicht unbedingt begreifen. Die ehrbaren Blumenkübel-Kaufleute könnten ja den 6. August zu einem jährlichen Anti-Internet-Berners-Lee-Protest-Tag ausrufen. An diesem Tag ging nämlich vor 22 Jahren die erste Website online.
Vielleicht hättet Ihr ja auch Lust, eine Blumenkübel-Blogparade zu starten. Motto: Meine Fußgängerzone soll noch schöner werden.