Wie das Social Web die IT-Welt verändert #SocialBreakfast

Die Wirtschaft steht nach Ansicht des Blogger-Irokesen Sascha Lobo vor der Herausforderung, dass sich die Gesellschaft durch die digitale Vernetzung grundlegend verändert – in den Arbeitsprozessen, der Kommunikation und im Konsum. „Das Internet zwingt die Unternehmen von außen und von innen, das Potenzial der Vernetzung zu heben“, so Lobo in einem Interview mit der FTD.

So arbeiten viele Universitätsabsolventen mit völlig anderen Instrumenten, als es die meisten Unternehmen tun. Die Nachwuchstalente stellen sich die Frage, warum sich die Wirtschaftswelt nicht viel stärker mit Cloud-Anwendungen vernetzt: „Ihr kommt hier noch mit euren Faxgeräten um die Ecke, das mach ich nicht mit.“ Beim Kampf um die neuen Talente könne die Art der Kollaboration sehr relevant werden, so Lobo.

Hat die IT-Branche wirklich verstanden, was sich über Apps, Social Web, Cloud, Smartphone, Tablett-PC, mobiles Internet so alles ändert? Da dominierten bislang rieisge Projekt-Trümmer, wie Professor Lutz Becker von der Karlshochschule treffend bemerkt:

„Jetzt hat man eine stabile Infrastruktur und drum herum Satelliten, die sehr anpassungsfähig sind – nämlich Applikationen. Apps passen sich perfekt dem eigenen Nutzungsverhalten an. Genau diesen Aspekt hat die IT-Branche lange Zeit vernachlässigt. Und wir sind noch in der Lernphase.“

Und Harald Henn, Geschäftsführer von Marketing Resultant, meint zu diesem Thema:

„Der jetzigen Generation an Management und IT-Verantwortlichen fehlt die Vorstellungskraft und der Mut, sich eine App-Welt zu denken. Im Weltbild einer zentral gesteuerten IT Landschaft haben Satelliten-Anwendungen, die sich verselbständigen – noch – wenig Platz. Die Wirklichkeit im Markt und bei den Kunden schreitet viel schneller voran als die IT-Wirklichkeit in den Unternehmen. Das ist eine völlig ungewohnte Situation für die Unternehmen. Und dabei stehen wir erst am Anfang.“

Da lohnt doch eine intensive Diskussion, die ich jetzt regelmäßig in einer neuen Veranstaltungsreihe führen möchte: Im virtuellen CIO-Gespräch. Mit Interviews, Gastbeiträgen, Blogparaden, virtuellen Roundtable-Gesprächen, Veröffentlichung von Studien, Disputationen, Prognosen, Umfragen und vieles mehr. Einige Verbände, Unternehmen und Blogger haben schon Interesse an dieser Geschichte signalisiert.

Wir starten am 9. November mit einem Social Media Breakfast des IT-Beratungshauses Harvey Nash in München.

Das Ganze geht von 9 bis 11 Uhr. Den Anfang macht talkabout-Geschäftsführer Mirko Lange mit einem Vortrag – im Anschluss diskutieren Mirko und IT-Führungskräfte in einem Panel über seine Thesen. Moderation: Icke. Der Hauptredner und die Panelrunde werden via Hangout On Air live übertragen. Aufgeteilt in zwei Sessions. Nach der Rede von Mirko muss sich ja erst das Podium neu sortieren.

Die Liveübertragung organisiert Hannes Schleeh, mit dem ich ja auch das virtuelle Blogger Camp veranstalte. Den Livestream kann man im Blog „Das virtuelle CIO-Gespräch“ anschauen. Weitere Infos folgen in den nächsten Tagen. Hashtag für die Twitter-Zwischenrufe während der Übertragung: #SocialBreakfast

Fragen, die Mirko aufwirft: Der fruchtlose Streit: Ist Social Media nun mehr Technologie oder mehr Kommunikation?; Spielverderber oder Enabler: Welche Rolle spielt die IT bei Social Media?; Social Media als Dialogtool: Wann stirbt die E-Mail?; Social Intelligence, Social Analytics & Social CRM: Verändert Social 
Media die IT?; Wo Technologie unverzichtbar ist: Wie können Unternehmen 
„Dialog“ skalieren?; Eine Frage des Timings: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um auf 
neue Technologie zu setzen?; Der IT-Manager der Zukunft: Wie können Sie sich und Ihre 
Abteilung richtig aufstellen?

Was sollte man in der Panel-Diskussion noch aufgreifen? Für Vorschläge wäre ich dankbar.

Ob man die Digitalisierung mit Schutzrechten und Barrieren nach vorne bringt, ist allerdings mehr als fraglich.

„Shoot first, ask later“: Merkwürdiges Verständnis im Umgang mit Kunden – Über die Sperrung eines Google+-Accounts


Da habe ich ja was losgetreten. Heute früh habe ich noch überlegt, aus der Google+-Debatte über die Verzichtbarkeit von Telefonanrufen einen Blogpost zu schreiben. Gesagt, getan. Das Ganze spielte sich auf dem Google+-Account von Mirko Lange ab, der hinter dem Komma noch seinen Firmennamen angegeben hat (talkabout – was für ein Staatsverbrechen). Dabei fiel mir auf, dass das Konto von Mirko nicht mehr erreichbar war und ich keinen Link auf den Stream setzen konnte. Auf Nachfrage teilte mir Mirko mit, dass sein Account gesperrt wurde wegen der Erwähnung des Firmennamens. Dann fragte ich in meinem Google+-Stream beim Google-Sprecher Stefan Keuchel nach, ob man die Löschung denn nicht rückgängig machen könne. Und schon sind wir mittendrin in einer kontroversen Diskussion über Verhaltensweisen in sozialen Netzwerken. Nach meiner Meinung riecht die Vorgehensweise „Shoot first, ask later“ sehr stark nach Algorithmen-Gängelung. So kann man mit Social Media-Kunden nicht umgehen. Ohne unsere Präsenz in Google+ wäre das Projekt nicht machbar. Entsprechend höflich sollte also Google mit uns umgehen, sonst mündet das in Maschinen-Paternalismus. Oder wie Silvan Rehberger schrieb:

+Andreas Roedl: Mich interessiert auch nur (noch) die grundsätzliche Frage daran, nicht der konkrete Fall 🙂 Wenn Du von »Anhörung« sprichst, meinst Du aber die »nachträgliche Anhörung« nach der Sanktion, oder? Also sozusagen »Erst Untersuchungshaft, dann Haftprüfungstermin«, sprich es liegt ein schweres Delikt vor, und durch die Sanktion muss sichergestellt werden, dass die Straftat nicht vertuscht wird? Ich übertreibe bewußt, um die Grenzen der Analogie auszuloten…

Und Google ist in dem Fall Polizei, Staatsanwalt und Richter zusammen, und sperrt nach externer Meldung und eigener Prüfung ohne vorherige Anhörung. Wie gesagt, ich halte vor allem die Reihenfolge für unpassend….

Genau das ist fragwürdig. Oder nicht? Eure Meinung interessiert mich. Hier noch die Debatte auf Facebook.