Sobooks oder: Das Buch als Website #fbm13 #StreamCamp13

Lobo

Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, wie Hannes Schleeh und ich mit dem Crowdfunding-Buchprojekt über die Streaming Revolution “Hangout on Air” gnadenlos gescheitert sind.

Es sollte ein fließendes Un-Buch sein, um bei einem so dynamischen Technologiethema zum Erscheinen des Werkes nicht sofort wieder hinter dem Mond zu landen. Die Erscheinungsform wollten wir bewusst in der Schwebe halten, um Neuigkeiten sofort aufnehmen zu können. Aber uns war nicht ganz klar, ob das als eBook möglich sein würde.

Entsprechend zweifelnd reagierte die Netz-Community auf unsere Projektbeschreibung. Beim Social Media Club in Bonn gab es bei der Vorstellung unserer Startnext-Idee eine Frage, die mich grübelnd zurückließ: Warum macht Ihr das Buchprojekt nicht in Form einer Website? Anfänglich hielt ich das für Blödsinn.

Streaming Revolution

Etwas später waren wir davon überzeugt, eine Melange aus App, Website und eBook auf den Markt zu bringen. Es gibt einen Startpunkt aber kein Ende des Werkes. Wir halten unser Opus bewusst in der Schwebe, um Neuheiten, die sich bei Streaming-Technologien ereignen, sofort aufzunehmen. Leider kam die Erkenntnis zu spät – der Finanzierungszeitraum war schon fast abgelaufen.

Inspiriert hat uns vor allem Dirk von Gehlen mit seinem Startnext-Buchprojekt „Eine neue Version ist verfügbar“.

“Es geht nicht mehr einzig um das Werkstück, das früher auf analoge Datenträger gebannt wurde. Ein Film, ein Song, ein Text (und alle digitalisierten Werkstücke) werden ihren besonderen Zauber künftig immer mehr aus dem Prozess ihres Entstehens ziehen, denn einzig aus dessen Resultat.“

Crowdfunding-Buchpionier Dirk von Gehlen

Gehlen sieht die Analogie zum Fußball: Die Fans im Stadion wollen mitfiebern, reinrufen, teilnehmen, jubeln und sich ärgern.

“Und das tun sie nicht nur wegen der Resultate. Das tun sie, weil Fans, Spieler und Öffentlichkeit gemeinsam ein Erlebnis schaffen können, das mindestens ebenso wichtig sein kann wie das Ergebnis. In einer Welt, in der die Ergebnisse kopierbar und kaum zu halten sind, könnte der Blick auf das Erlebnis neue Perspektiven öffnen.”

Um so überraschter bin ich jetzt von dem programmatischen Konzept des neuen Verlages „Sobooks“, das am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse von Sascha Lobo und Christoph Kappes vorgestellt wird.

Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat Sascha Lobo die Idee der Firmengründung ausführlich erläutert. So doof waren wohl unsere Gedanken über das Buch zur Streaming Revolution gar nicht:

„eBook, wie wir sie heute kennen, sind nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat – was aber machen Internet und soziale Medien aus dem Buch? Mit Sobooks versuchen wir, das zu beantworten, was allerdings dazu führt, dass jedes Buch, das man auf Sobooks kaufen kann, vollständig im Netz steht.“

Und jetzt kommt es: Bücher seien bei uns eigentlich Websites, schon um die Kraft des Internets zu nutzen. Ein Buch könne verschiedene Formen annehmen – jenseits von Kopierschutz-Systemen wie DRM.

Auch ein Buch könne – rein technisch betrachtet – die Form einer speziellen Website annehmen.

„Vielleicht muss es das sogar, um mit dem Netz seinen vollen wirtschaftlichen und kulturellen Mehrwert auszuschöpfen.“

Wenn das Buch im Browser stattfindet, könne man auch die vielen Instrumente nutzen, mit denen sich hervorragend Informationen verbreiten lassen. Und das gilt auch für die Interaktion. „Sobooks-Leser können im Buch selbst über das Buch diskutieren. Das ist wichtig, weil Bücher das Gesprächsthema Nummer eins sind, und wir glauben, dass es keinen organischeren Ort für diese Diskussion gibt als das Buch selbst.“

Lobo spricht von einem bereichernden Diskussionstrubel und knüpft damit nahtlos an das Dirk von Gehlen-Credo an.

Vielleicht sollten wir unser Streaming-Buchprojekt noch einmal bei Sobooks starten. Wir könnten das auf dem StreamCamp13 am 16. und 17. November in einer Session diskutieren.

Siehe auch:

Dirk von Gehlen: “…das unkopierbare Erlebnis der Teilhabe.”

Drei spannende Buch-Startups abseits des Selfpublishing.

Bloggercamp.tv oder: Besser scheitern mit Crowdfunding

Heiter scheitern

Heute Abend ab 18 Uhr ist es soweit. Es startet in Kölle ein Crowdfunding-Roundtable, der monatlich über die Bühne gehen soll. Ich bin auch dabei und soll etwas über unser Startnext-Projekt zur „Streamingrevolution – ein fließendes Unbuch mit und über Hangout on Air erzählen“. Und wie es im Leben eben mal vorkommt, das Ganze war zum Scheitern verurteilt. Warum, das werde ich in rund 20 Minuten skizzieren. Als Verlierer stehen wir trotzdem nicht da, denn als Ergebnis entstand unser Workshop-Konzept “Video-Blogging und Echtzeitkommunikation über Streaming-Dienste: Von Laien für Laien“. Und das wird gut gebucht 🙂 So bleibt eben vom Scheitern eher das Heiter übrig.

Ablauf:

Einleitung und Begrüßung durch Dennis Schenkel.

Gunnar Sohn erzählt uns von seiner eigenen Crowdfunding-Kampagne.

Adrian Porger von United-Equity beleuchtet Crowdfunding aus der Sicht eines Crowdfunding-Portals.

Vidar Andersen lässt uns einen Einblick in seine Crowdfunding-Erfahrungen haben.

Get-Together in entspannter Atmosphäre.

Ab 19:30 gibt werden wir in Bloggercamp.tv live über die Kölner Gesprächsrunde berichten und Eindrücke des Zusammentreffens auffangen. Ab 18:30 Uhr ist Hannes Schleeh on Air mit: Warum eine Königin ein iPad-Magazin macht.

Crowdfunding oder: Scheitern leichtgemacht

Startnext-Projekt des Bloggercamps

In der finalen Phase unseres Startnext-Projektes zur Streaming Revolution „Hangout on Air“ kommen wir wohl nicht mehr so richtig in die Gänge. Deshalb haben Hannes und ich uns entschlossen, unseren Unterstützer-Kreis über den Status quo der Finanzierung zu informieren. Nur noch 11 Tage und bisher knapp 20 Prozent der Finanzierung erreicht:

Mit dem Startnext-Projekt zur Streaming Revolution sind wir gut gestartet, bekamen eine Menge Zuspruch, haben für Aufmerksamkeit gesorgt und konnten erste Erfahrungen mit einer Crowdfunding-Plattform sammeln. Zum Ende des Projektes wird aber deutlich, dass wir uns das Finanzierungsziel wohl etwas zu sportlich gesetzt haben. Und als Crowdfunding-Neulinge haben wir auch einige Fehler gemacht.

Nicht weiter wild – nur so lernt man. Das Ganze auf die Umwälzung der Buchbranche auszurichten mit unserem fließenden Projekt war wohl falsch und hat einige Interessenten verwirrt. Das erste Projekt-Video war zu lang und unsere Ideen zu komplex angelegt.

Versuch-und-Irrtum-Schleifen gehören zum Wesen von Innovationen und Ideen. Nicht in den Rückspiegel schauen, sondern aus den Erfahrungen die richtigen Konsequenzen ziehen und weitermachen. Das ist das Schöne an Crowdfunding. Scheitern leichtgemacht – ohne Blessuren.

Sollten wir also bis Anfang Mai nicht die Schallmauer von 5.000 Euro erreichen, bekommen unsere Unterstützer das Geld zurück (so sind die Regeln beim Crowdfunding) und wir starten ein neues Projekt. Dabei stehen dann ausschließlich neue Formate für Video-Kommunikation und Video-Blogging im Vordergrund. Klar und deutlich formuliert, mit einem machbaren Finanzierungsziel. Wir setzen dann wieder auf Euch!

Im Laufe der Startnext-Kampagne sind einige gute Ideen entwickelt worden. So etwa ein Workshop, der demnächst über die Bühne geht und der vielleicht generell auf Interesse stößt bei Unternehmen, Initiativen und Netzwerken. Hier das Programm – kann natürlich verändert, erweitert und verkürzt werden.

Video-Blogging und Echtzeitkommunikation über Streaming-Dienste

Eintägiger Workshop von 10,00 bis 18,00 Uhr

Workshop-Team: Gunnar Sohn (Wirtschaftspublizist und ichsagmal.com-Blogger), Hannes Schleeh (Social Media-Berater und Hangout on Air-Operator).

10,00 bis 12 Uhr: Kommunikation mit Abwesenden oder: „Was macht Ihr Messestand eigentlich nachts?“ (Spruch stammt von Sascha Stoltenow). Wie verlängere ich das Verfallsdatum von Informationen mit den Mitteln der Aufmerksamkeitslogik des Netzes.

Lerninhalte: Grundlagen des Video-Bloggings; Longtail-Effekte über Youtube und Co.; die Kunst des Teilens (Einbettung und Nutzung von Streaming-Diensten und Video-Portalen); vom Suchen und Finden im Netz (Aufmerksamkeit im Social Web: Hash-Tags, Suchmaschinen-Optimierung, virale Effekte); Technische Ausstattung für den schnellen und mobilen Einsatz; Stellschrauben für Beleuchtung, Ton und Bild; Video-Studio für kleines Budget (Scheinwerfer, Kamera, Greenscreen, Mikrofon); Software und Open Source-Programme; medienrechtliche Fußnoten (nach der neuen Linie der Landesmedienanstalten, Hangouts nicht mehr als Rundfunk zu betrachten, sind es noch nicht mal Fußnoten).

12,00 bis 12,30 Uhr: Mittagspause

12,30 bis 13,15 Uhr: Aus dem Nichts etwas erzeugen.

Lerninhalte: Expertise entfalten und Community-Effekte erzeugen; Formate und Anlässe schaffen; Entwicklung von Format-Ideen.

13,15 bis 13,30 Uhr: Kaffeepause

13,30 bis 16,00 Uhr: Aus der Praxis für die Praxis

Lerninhalte: Technik-Einweisung, Übungen mit eigenen Bordmitteln (Kamera, Ton und Licht), Umsetzung der Format-Ideen, Interview- und Statement-Training.

16,00 bis 16,30 Uhr: Kaffeepause

16,30 bis 17,45 Uhr: Final Cut

Lerninhalte: Aufbereitung des Aufnahmematerials für die direkte Nutzung im Blog

17,45 bis 18,00 Uhr: Der Vorhang zu und noch Fragen offen?

Soweit unsere Workshop-Idee.

Wir hören und sehen uns spätestens auf der republica in Berlin 🙂

Merkel-Hangout und Sendelizenz: Was als harmloser Tweet begann und in einer 007-Debatte eskalierte

Das Hangout-Lizenzgefecht

Ich bekenne mich schuldig. Am Mittwochnachmittag stellte ich über Twitter eine harmlose Frage, die eigentlich eher als kleine Scherzeinlage gedacht war:

Daraufhin kam ziemlich schnell die Antwort eines Politberaters, die ich Euch leider nicht mehr als Tweet darstellen kann. Sie wurde wohl gelöscht oder ist in der Unendlichkeit des virtuellen Universums verschwunden:

@gsohn sage nur: 007.

007 als Maßstab für die Bundeskanzlerin? Wie isses nur möglich? Reden doch die digital überforderten Politikerinnen und Politiker immer von der Notwendigkeit, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein dürfe.

Auf die 007-Replik folgte dann die Ankündigung meiner Presseanfrage bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Was dann so alles folgte, dürfte ja bekannt sein.

Was das bedeutet, bekommt nun auch die Kanzlerin mit ihrem Hangout-Projekt zu spüren – sozusagen als Hüterin des medien- und netzpolitischen Dilettantismus in Deutschland. Wenn man mal die klassischen Fernsehanstalten ausnimmt, macht niemand Rundfunk beim Einsatz des Streaming-Dienstes von Google.

Startnext-Projekt des Bloggercamps

Nicht das Bloggercamp, nicht das digitale Quartett oder sonstige Formate, die live ins Netz gestreamt werden. Auch die Notwendigkeit einer Lizenzpflicht ist idiotisch. Das hatte in analogen Zeiten vielleicht noch eine Berechtigung, als die Sendeplätze technisch begrenzt waren und die Medienanstalten gehalten waren, ein Verfahren zur Zuteilung von Sendeplätzen zu organisieren. Im Internet macht das keinen Sinn. Deshalb sollte auch der Rundfunkstaatsvertrag noch nicht mal ansatzweise auf Aktivitäten im Netz angewendet werden.

Darum geht es bei dem Streit, den wir am Mittwoch im Vorfeld unserer Bloggercamp-Sendung angezettelt haben. Schlafende Hunde konnten wir dabei gar nicht wecken. Die waren auch vorher schon recht wachsam und kläfften munter über die Einordnung von Netz-Kommunikation in ein Regelwerk aus den Glanzzeiten von Wim Thoelke. Vielleicht bequemen sich jetzt Merkel und ihre Kollegen in den Bundesländern zu einer Reform des Medienrechts.

Ich werde das am Mittwoch in meiner Kolumne für das Debattenmagazin „The European“ aufgreifen. Eure Meinungen würde ich wieder gerne über Interviews einfangen. Ist bis Dienstag so gegen 14 Uhr möglich.

Lesenswert der Beitrag meines Bloggercamp-Kollegen Hannes Schleeh: Sendelizenz für die Kanzlerin? – Auf einmal hat es ZAK gemacht!

Merkel-TV via Hangout on Air: Google-Propaganda und Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag?

Merkel-Hangout-Mashup

Gestern verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel den Start eines neuen Sendeformats, der live über den Google-Dienst Hangout on Air ins Netz gestreamt wird.

Für Spiegel Online ist das ein perfektes Unterfangen für den Suchmaschinen-Konzern, da Google+ als Antwort auf Facebook nicht so richtig in die Gänge kommt. Und die bislang erreichte Nutzerzahl laufe nicht ganz freiwillig:

„Google bewirbt seine Facebook-Konkurrenz massiv und verknüpft sie mit anderen Diensten wie zum Beispiel YouTube.“

„Es überrascht also, dass sich Angela Merkel ausgerechnet dieses Medium ausgesucht hat, um die Menschen zu erreichen“, so Spiegel Online.

Nach dieser Logik wirbt also Merkel für Google+. Ähnlich wie US-Präsident Barack Obama und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Nun möchte ich mich hier nicht zum Fürsprecher der neuen Live-Sendung von Frau Merkel aufschwingen. Was da am 19. April mit sechs handverlesenen Bürgerinnen und Bürgern über die Bühne gehen wird, ist wohl eher ein keimfreier Ringelpietz mit Anfassen.

Merkel-Hangout-Mashup 2

Fragen dürfen nur im Vorfeld gestellt werden, die dann wahrscheinlich wohldosiert von einem Moderator in die Diskussion eingeworfen werden – da hat man dann genügend Zeit, der Kanzlerin einen entsprechenden Waschzettel für die Antworten vorzubreiten. Mit Echtzeit-Interaktion und einem direkten Dialog mit der Bevölkerung hat das nichts zu tun. Es wirkt eher gekünstelt und lächerlich, wie auch das gestrige Ankündigungsvideo von Frau Merkel.

Aber ist das nun kostenlose Propaganda für Google? Wenn das so ist, dann zählt Spiegel Online zu den PR-Sturmgeschützen des Internet-Giganten. Kaum eine Online-Präsenz profitiert mehr von den Google-Diensten wie der Spiegel.

„Laut einer Aussage von Google-Sprecher Kay Oberbeck werden pro Minute rund 100.000 Klicks von Google auf Internet-Seiten von Verlagen weitergeleitet. Verlage strengen sich mit aberwitzigen redaktionellen Verrenkungen an, möglichst häufig und großflächig bei Google News gelistet zu sein, weil auch dies enorme Traffic-Zuwächse bringt“, schreibt Meedia.

Und Spiegel Online zählt zur ersten Garde, was die Zugriffsraten anbelangt. Und das wird ja auch kräftig befeuert über Suchmaschinen-Optimierung, Social Web-Präsenzen, Einbindung der Google+-Facebook-Twitter-Buttons zum Teilen im Netz und der Nutzung von allen Diensten, die die Internet-Konzere zur Verfügung stellen wie etwa Youtube.

Da sind wir dann wieder mitten in der netzpolitischen Debatte, die ich in der vergangenen Woche begonnen habe. Wer also in der Netzöffentlichkeit mitspielen will und auf Facebook oder Google+ aktiv ist, zählt wohl automatisch zu den willfährigen PR-Agenten der amerikanischen Internet-Konzerne. Das ist etwas zu simpel gedacht. Im Lunchtalk der Wirtschaftswoche habe ich mich zum Geschäftsgebaren von Google geäußert.

Auch meine kritischen Beiträge zu den AGB-Diktatoren des Netzes dürften bekannt sein. Soll man als Konsequenz in ein digitales Exil abwandern und sein Dasein in der Bedeutungslosigkeit einer netzpolitischen Filterblase fristen? Das sehe ich anders.
Wenn der Berg nicht zum Netzpropheten kommt, muss der Netzprophet zum Berg gehen.

Allerdings heißt das nicht, sich widerstandslos die Hände der AGB-Diktatoren zu begeben und die Notwendigkeit eines freien Netzes in den Wind zu schießen. Man müsse gegenüber Facebook und Co. für Plattformneutralität kämpfen, fordert beispielsweise Michael Seemann. Man kann sollte das eine tun, ohne das anderes zu lassen. Deshalb ist die Nutzung des Google-Dienstes für Live-Videostreaming immer noch eine fantastische Sache, die leider von anderen Anbietern so nicht bewerkstelltigt wird. Wir nutzen diesen Dienst, ohne uns den Mund verbieten zu lassen – schon gar nicht von Google.

Weit wichtiger finde ich die Frage, ob es beim neuen Live-Format der Bundeskanzlerin irgendwelche Sonderrechte gibt nach dem George Orwell-Motto:

Klar ist nur, nach dem Rundfunkstaaatsvertrag ist die Merkel-TV-Sendung „Rundfunk“. Ohne Sendelizenz wäre das ein Verstoß gegen das Amtsschimmel-Gesetz.

Und das wäre dann doch eine recht nette politische Komplikation, die von allen mit Interesse verfolgt wird, die zur Hangout on Air-Community zählen und sich teilweise nicht trauen, eigene Formate auf die Beine zu stellen.

Mal schauen, was die Pressestellen des Kanzleramtes und der Landesmedienanstalt Berlin zur Notwendigkeit einer Sendelizenz sagen werden. Unser Un-Buch-Projekt über die Streaming Revolution bekommt neue Nahrung 😉

Un-Buch über Jedermann-TV – Ein Projekt des Teilens und Zusammenarbeitens #bloggercamp #hoa

Streaming Revolution

Im gestrigen Werkstattgespräch über unser Un-Buch (es erscheint als Website und als eBook) zur Streaming Revolution mit und über Hangout on Air – also Videokommunikation, die live ins Netz übertragen wird – wurde uns empfohlen, die Projektidee etwas kürzer und verständlicher zu vermitteln. Hier ein Versuch:

Es gibt Textstrecken, Youtube-Videos mit Demos, Experteninterviews in Hangouts on Air, Lesungen von fertigen Texten in Hangouts on Air mit Unterstützern und Interessenten (um direkt die Verständlichkeit der Texte mit den Lesern zu überprüfen), Vorstellung von neuen HOA-Projekten und, und, und. Ist halt ein fließendes Buch oder Un-Buch mit einem Starttermin aber keinem Endpunkt. Es soll ein Projekt des Teilens und Zusammenarbeitens sein sowie neue Entwicklungen der Videokommunikation immer wieder aufgreifen. Das ist mit einem gedruckten Buch nicht möglich – vielleicht mit Zeitverzögerung in weiteren Auflagen – aber das passiert ja nur mit Bestsellern ;-)

Alles weitere kann man sich in der Aufzeichnung unserer gestrigen Live-Diskussion anschauen. Da braucht man allerdings mehr Zeit. Etwas für die Abendstunden:

Und hier ein Erklärvideo von Hannes Schleeh für die ersten Schritte zum Livestream:

Wer unser Startnext-Projekt finanziell unterstützen möchte, auch über kleine Beträge freuen wir uns sehr, findet hier alle Infos.

„Networking ist alles“: Wie man Crowdfunding-Kampagnen zum Erfolg führt #wmbn #bloggercamp

Webmontag im Bonner Waschsalon

Dennis Schenkel von der Plattform Rally.org will die Crowdfunding-Bewegung professionalisieren. Etwa über Fundraising-Roundtable, die auch in Köln gestartet werden sollen.

„Hier kann man Projekte und Plattformen vorstellen, über Erfolgsfaktoren und Probleme diskutieren“, so Schenkel beim Webmontag-Treffen im Bonner Waschsalon in der Kaiserstraße.

Begleitet werde das Ganze mit einem Blog, der in Kürze startet und sich nicht auf das Ausspeien von Nachrichten im Stile eine Aggregators reduzieren soll.

„Crowdfunding ist eine Methode, um Projekte zu finanzieren. Aber nicht durch einen einzigen Geldgeber, wie es Startups in der Regel machen über Risikokapitalgeber, sondern durch viele Investoren. Man sucht sich eine breite Masse, die bereit ist, eine Idee zu unterstützen. Das müssen nicht 1000 Euro pro Person sein. Es sind vielleicht nur fünf Euro. Entsprechend geringer ist die Hemmschwelle bei den Geldgebern. Entscheidend sind die Internet-Plattformen, die das organisieren“, erläutert Schenkel.

Es könne ein soziales Anliegen sein, etwa der Bau eines Kindergartens, oder technische Produkte, Musik, Literatur sowie Kunst.

„Man bekommt also eine Gegenleistung. Das können auch Anteile an einer Firma sein. Bei Spendenaktionen ist es eher ein gutes Gefühl. Bei Wahlkämpfen kann es die Unterstützung eines Kandidaten oder einer Partei sein.“

So wurde Rally vom Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney genutzt, um Spenden online einzusammeln – rund 300 Millionen Dollar.

Das alles klingt einfach, sollte aber in der Umsetzung nicht unterschätzt werden. Etwa bei der Auswahl der richtigen Plattform, bei der Kommunikation der Idee, bei der richtigen und verständlichen Präsentation über Videos und Projektblogs, bei der Ansprache von Communities sowie bei viralen Kampagnen im Netz.

„Das ist ein zeitaufwändiges Unterfangen. Es geht um die nötige Aufmerksamkeit, die ich meinen Unterstützern entgegenbringen muss – egal, ob sie mir fünf oder fünftausend Euro geben. Man muss zuvorkommen und ehrlich sein. Aufkommende Fragen müssen direkt beantwortet werden. Wer etwas verschweigt, muss mit dem Scheitern seiner Kampagne rechnen. Also sollte man offen mit Problemen umgehen“, rät Schenkel.

Auch nach der Finanzierung müsse man mitteilen, was mit dem Geld gemacht wurde. Das könnte sich sonst auf Folgeprojekte negativ auswirken.

„Networking ist alles. Man geht zu Events, man redet mit den Leuten, man redet über die eigene Kampagne und animiert andere, die Crowdfunding-Idee weiterzutragen. Wenn meine Kampagne nicht bekannt wird und auf einer Plattform herumdümpelt, kommt auch kein Geld rein“, sagt Schenkel.

Entsprechend werden wir uns anstrengen, weitere Unterstützer für unser Un-Buch über die Streaming Revolution zu gewinnen. Etwa beim morgigen Bloggercamp-Werkstattgespräch, um 18,30 und am Freitag in Expertendiskussionen 🙂

Ein fucking neues Un-Buch: Ideen für unser Crowdfunding-Projekt „Die Streaming Revolution“

Alles fließt

Wie kann man ein Buch verflüssigen, wenn es in konventionellen Maßstäben erscheint? In einer gedruckten Form braucht man gar nicht darüber nachdenken. Und als eBook?

Bei unserem Crowdfunding-Projekt über die „Streaming Revolution – Ein flüssiges (da dachte ich wieder zu sehr an Gerstensaft) fließendes Buch über und mit Hangout on Air“ war uns von vornherein klar, dass wir die ausgetretenen Pfade von Buchpublikationen verlassen müssen. Finanzierung selber über Netzwerkeffekte auf die Beine stellen. Ohne Restriktionen eines Verlages operieren. Keine knebelnde Autorenverträge akzeptieren. Nicht mit irgendwelchen schwerfälligen Vertriebsstrukturen arbeiten. Keine 08/15-Empfehlungen von Lektoren einholen. Zur Republica Anfang Mai in Berlin die erste Version veröffentlichen und dann weiter an dem Projekt arbeiten. Es gibt zwar einen Anfang, aber kein richtiges Ende bei unserem Schaffensprozess.

In der Steuerung des „Buches“ neue Wege gehen. Videos einbauen, andere Navigationsmöglichkeiten einräumen, Suchfunktionen ermöglichen, das Teilen nicht nur auf kleine Markierungen reduzieren und, und, und. Nicht abhängig sein von eBook-Readern, die technisch begrenzte Fähigkeiten aufweisen. Das alles diskutierten Hannes Schleeh und ich mit Michael Dreusicke, Gründer und Geschäftsführer von PAUX Technologies, um unsere nächste Bloggercamp-Schreibwerkstatt am Mittwoch, um 18,30 Uhr vorzubereiten. Ich freu mich schon auf das Gespräch mit Michael.

In unserem Projekt brauchen wir uns nicht an Konventionen halten. Wir können alles neu denken. Fucking neu! Eine Art Un-Buch oder Nicht-Buch, wo es doch auch schon Unkonferenzen und ähnliches gibt. Wenn wir Live-Videos als Rechercheinstrument einsetzen, sollten auch bewegte Bilder in unserem Streaming-Opus im Vordergrund stehen. Wir könnten sogar erklärende Texte über unsere Schreibwerkstätten ins Un-Buch hineinlesen – egal, wo wir gehen und stehen. Auf der Zugspitze oder in der Kneipe.

„Video ermöglicht eine persönlichere Kommunikation, als es das geschriebene Wort jemals bieten kann. Und anders als beim geschriebenen Wort, benötigt Video keine Vorbildung, keinen Duden und keine Schönschrift. Video ist keine Abbild, sondern ein echter Einblick in unser Leben. Video ist gelebte Kulturtechnik“, so Markus Hündgen (@videopunk) in einem Beitrag für die aktuelle Wired-Ausgabe.

Und Hangout on Air ist die technische Revolution für Jedermann-TV – wo doch das klassische Fernsehen die letzte Bastion der massenmedialen Gatekeeper ist – häufig eine Ansammlung von eitlen Selbstdarstellern.

Was bewirkt die Graswurzel-Talkultur? Wird auch das Fernsehen Opfer der zerstörerischen Kraft des Digitalen? Bislang wird ja das so genannte Social TV in der Kategorie des “Second Screen” gesehen – also als Begleitmedium für TV-Sendungen, wo etwa über Twitter “Wetten, dass” mit Markus Lanz hoch und runter kommentiert wird. In dieser Wundertüte steckt vielleicht mehr drin. Das sollten wir in der Schreibwerkstatt mit dem Berliner Professor Ralf T. Kreutzer, Co-Autor des Buches „Digitaler Darwinismus“ vertiefen.

Man hört und sieht sich vielleicht am Mittwoch bei der Bloggercamp-Schreibwerkstatt.

Cebit, Big Data und Datenverbrechen

Big Data-Revolution?

Immer, wenn es um Zukunftsprognosen geht, steigt die Fehlerquote der Rechenmethoden. Auch wenn man schmutziges Big Data zum Einsatz bringt und einfach nur Muster aus der amorphen Datenmasse herausschält. Man operiert mit Annahmen und Hypothesen, die mehr über das mechanistische Menschenbild der Analysten als über die untersuchten Personen aussagen – auch wenn das die zumeist naturwissenschaftlich geprägten Big Data-Gurus anders sehen. Wenn fehleranfällige Maschinen Entscheidungen über einzelne Menschen treffen, etwa bei der Verweigerung von Krediten, hört der Spaß auf.

Es reicht dann auch nicht aus, einen Big Data-TÜV ins Spiel zu bringen, bei dem ich die Möglichkeit habe, die Vorhersagen der automatischen Denunzianten-Systeme zu entkräften. So eine Institution hat Professor Mayer-Schönberger vom Internet Institute in Oxford ins Gespräch gebracht: Algorithmen, die Risiko-Vorhersagen für Internetnutzer berechnen, müssten für Experten einsehbar sein, sagte der Autor des neuen Buches „BIG DATA – A REVOLUTION THAT WILL TRANSFORM HOW WIE LIVE, WORK AND THINK“ im Gespräch mit der Zeit:

„Die Faktoren, die in die Berechnung der Prognose einfließen, müssen transparent sein, und es muss Regeln geben, wie der Betroffene das Ergebnis widerlegen kann.“

Umgekehrt wird ein Schuh draus, Meister Mayer-Schönberger. Die Beweislast muss beim Big Data-Anwender liegen. Wenn er mich ohne meine Zustimmung und ohne Offenlegung der Berechnungsmethoden als kriminellen und nicht zahlungsfähigen Alkoholiker einstuft, kann ich das betreffende Unternehmen oder die Organisation als „Datenverbrecher“ anzeigen und strafrechtlich belangen.

„Das Maß aller Dinge ist meine Bereitschaft, Daten von mir preiszugeben. Hier liegt der Kern von Big Data-Anwendungen. Mein digitales Ich, meine digitale Repräsentanz und mein digitales Beziehungsnetzwerk müssen in meiner Hand liegen. Sozusagen ein Recht auf virtuelle Selbstbestimmung. Die Nutzung dieser Daten kann ich den Big Data-Systemen zu jeder Zeit wieder wegnehmen“, so Unternehmensberater Bernhard Steimel, nachzulesen in meinem Beitrag für die Frühjahrsausgabe der Zeitschrift GDI-Impuls.

Wir sollten uns im netzpolitischen Diskurs nicht länger mit personalisierter Werbung aufhalten, die über Big Data im Internet eingeblendet wird. Ich lasse mich von den blöden Anzeigen nicht zum willenlosen konsumsüchtigen Käufer degradieren.

Anders sieht es mit Entscheidungshilfen von Maschinen aus, die mein Leben beeinflussen und hinter meinem Rücken ablaufen. Deshalb fordern wir (also Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh und ich) die Big Data-Vielschwätzer heraus, in unserer Schreibwerkstatt für das Crowdfunding-Buch „Die Streaming Revolution“ den Giftschrank ihrer Systeme zu öffnen und die Treffsicherheit der Prognosen nachzuweisen. Live und ohne doppelten Boden. Das Ganze fließt ein in das Kapitel „Die Vermessenheit der Big Data-Weltvermesser – Ein Crowdsourcing-Experiment mit Hangout on Air“.

Ansonsten klassifiziere ich die Big-Data-Gichtlinge weiterhin nach der Devise von Hoffmann von Fallersleben:

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“

Was das Ganze mit meinem Zigarettenkonsum und meinen Vorlieben für Gerstensaft ohne Hopfenextrakt zu tun hat, erkläre ich morgen in meiner The European-Kolumne.

Absurde Korrelationen findet man ja schon zahlreich: Je mehr Likes ein Krankenhaus hat, desto weniger Menschen sterben dort.

Wirtschaft und Politik verpennen die digitale Transformation: #BloggerCamp Gespräch mit Staatssekretär Otto

Digitales Mittelmaß

Die Netzbetreiber erhoffen sich hohe Umsätze aus der digitalen Transformation der deutschen Wirtschaft. Doch diese Hoffnungen könnten sich als Blütenträume erweisen. Die Wirtschaft ist seltsam lustlos auf dem Weg in eine vernetzte Ökonomie. Sie suhlt sich in ihren Erfolgen als Exportnation aus den guten alten Tagen der industriellen Massenproduktion und spekuliert auf eine industrielle Renaissance. Die Politik ergeht sich in aktionistischer Symbolpolitik (als jährlicher Höhepunkt sichtbar auf dem Altherren-IT-Gipfel) und bringt noch nicht einmal die eigenen eGovernment-Projkte erfolgreich auf den Weg (Bund Online als Stichwort: Die digitale Kompetenz der Bundesregierung – Placebo-Lutschpastillen). Deutschland verliert international den Anschluss und gleitet ins digitale Mittelmaß ab, wie Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company konstatiert. Er spricht sogar von einer technologiefeindlichen Einstellung der Wirtschaft.

Genügend Diskussionsstoff für unsere morgige Bloggercamp-Sondersendung von 18,30 bis 19,00 Uhr mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Und um 12 Uhr stellen wir in der Hamburger Social Media Week unser Projekt „Die Streaming-Revolution – Ein Buch über und mit Hangout on Air“ vor. Auch die Startnext-Website steht mittlerweile. Ihr könnt uns jetzt unterstützen!!!!!

Morgen geht es in meiner The European-Kolumne natürlich auch um das Thema „Lustlos im Netz“. Anregungen, Kommentare, Meinungen, Studien kann ich heute noch so bis 16 Uhr verarbeiten. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe zu unseren beiden Sendungen

Die Politik sollte vielleicht mal aufhören, Mittel für Internet-Lauschangriffe zu verplempern. eGovernment statt Staatstrojaner!

Zum Booz-Pressegespräch siehe auch: Pläne der Netzbetreiber: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?