Der iPhone-Schock – Gerätehersteller auf der Suche nach dem „Super-Handy“

Das iPhone hat nach einem Bericht der FAZ die etablierten Handyhersteller herausgefordert und ihnen wohl einen gehörigen Schrecken eingejagt. „Während der Mobilfunkmesse Mobile World Congress im spanischen Barcelona übertrumpfen sich die Hersteller mit der Präsentation von Handys, die noch mehr Dienste und Anwendungen beherrschen als die schon sehr komplexen Mobiltelefone. Die Branche ist auf der ‚Suche nach dem Superhandy’, heißt es in Barcelona. Andere Analysten formulieren es schärfer und sprechen von der ‚Suche nach dem iPhone-Killer’“, schreibt die FAZ.  Nach Meinung des Branchenexperten Bernhard Steimel, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de, sollten die Hersteller die richtigen Schlüsse ziehen aus der Apple-Strategie. „Komplexe Technik und Dienste müssen mit einem nutzerfreundlichen Interface ausgestattet sein.  Der wichtigste Impuls, der von der iPhone-Philosophie ausgeht, ist ein Paradigmenwechsel zu Endgeräten, die verstehen, was der Nutzer will“, sagt Steimel, der zum Mobile World Kongress in Kooperation mit der Unternehmensberatung Strateco http://www.strateco.de und der Fachzeitschrift absatzwirtschaft http://www.absatzwirtschaft.de eine Studie über Markttrends im Mobilfunkgeschäft veröffentlicht hat.

 

 

 

Die Sprachautomatisierung ist nach Auffassung von Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de, ein wichtiger Baustein für das Super-Handy der Zukunft: „Wie häufig hätten wir gerne im Alltag genaue Informationen zu Sportergebnissen, Telefonnummern oder Adressen. Unendlich viele Dinge, die wir, wenn wir gerade im Internet wären, sofort über Google abrufen würden. Da das aber in der Freizeit und von unterwegs selten der Fall ist und der Zugriff über das Handy mit Tastatur oder Touchscreen zu mühselig ist, verzichten wir meistens darauf, unseren Wissenshunger sofort zu stillen. Anders wäre es, wenn wir mit einfachen gesprochenen Suchbefehlen unsere Anfrage starten und die Suche dann bei Bedarf eingrenzen könnten, genauso, wie wir es derzeitig mit der PC-Tastatur und der Maus tun und das ganze jederzeit und von jedem Ort aus“, erklärt Sprachdialogexperte Pape gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht.

 

Die fehlenden Bausteine dafür seien jetzt schon verfügbar, so dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich die Menschen weltweit an dieses neue Interface gewöhnt haben. „Die Spracherkennung im personalisierten Diktiermodus ist schon sehr ausgereift, die mobilen Datenzugriffe werden immer schneller und auch Flatrates im Mobilfunk werden vermutlich bald genauso verbreitet sein wie im DSL-Geschäft“, prognostiziert Pape.Viele Informationen würden bereits strukturiert vorliegen, wie Fahrplaninformationen, Telefonnummern, Sportergebnisse, bewertete Restaurants und sonstige Adressen. „Was fehlt, ist eine Art Yahoo des ‚Voicewebs‘, über das sich jeder personalisiert seine gewünschten Angebote zusammenstellen und über Sprache oder Multimodale Interfaces abfragen kann“, so Pape.

 

Kostenlos-Mentalität der Internetnutzer wird sich auch im Mobilfunk durchsetzen

Mobile Internetdienste werden nach Ansicht von Branchenexperten darüber entscheiden, wer den Wettlauf in der digitalen Kommunikationswelt gewinnen wird. Hier stehen nicht nur Konzerne wie Microsoft unter Druck, sondern auch die Handyhersteller. „Wer sich heute noch auf den Verkauf von Mobiltelefonen fokussiert, wird ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Konzerne Grundig oder Telefunken, die im Fernsehgeschäft den Kampf gegen die japanische Billigkonkurrenz verloren haben und von der Bildfläche verschwunden sind“, warnt Mobilfunkexperte Michael Sander, Geschäftsführer der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de.  Das Geschäft mit mobilen Diensten biete neue Ertragspotenziale und werde auch das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Netzbetreibern verändern. „Nokia hat das erkannt und entwickelt auf der Plattform Ovi http://ovi.nokia.com mobile Internetdienste für Musik, Fernsehen, Spiele und Navigation“, sagt Sander. Die Bündelung verschiedener mobil verfügbarer Inhalte und Dienste auf einer Plattform ist auch nach Einschätzung von Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdienste-Anbieters NEXT ID http://www.next-id.de, vielversprechend: „Der Trend geht klar hin zu hybriden Geschäftsmodellen, die ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle über alle Medien hinweg integrieren und so die entscheidenden Verbundeffekte und Preisbündelungen, aber auch eine übergreifende Kundenbindung ermöglichen. Strategisches Ziel ist die Diversifikation der Erlösquellen, um sich langfristig im Markt behaupten zu können“, so Zilles.  Ovi ist nach Meinung von Bernhard Steimel, Autor des Praxisleitfadens Mobile Marketing http://www.absatzwirtschaft.de/mobile-marketing, auch eine strategische Antwort auf das iPhone von Apple: „Ich bin allerdings skeptisch, ob eine vergleichbare Erfolgsstory wie bei iTunes noch ein zweites Mal geschrieben werden kann. Mittelfristig werden sich weder Hersteller noch Netzbetreiber erfolgreich als Türsteher zum mobilen Internet behaupten können. Vielmehr wird sich eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Internet vollziehen: von einer BTX-Welt über Dienste wie AOL zum World Wide Web“, sagt Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Voice Days http://www.voicedays.de. Mit steigenden Werbeausgaben für das mobile Internet komme es zu einer Veränderung der Geschäftsmodelle. „Ich rechne im Mobilfunk mit einer Entwicklung wie beim klassischen Internet. Werbefinanzierte Inhalte führen zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets – auch hier wird sich die ‚Kostenlos-Mentalität’ durchsetzen“, prognostiziert Steimel. Das iPhone belege eindeutig, dass ein neues „vertikales“ Geschäftsmodell nur funktioniert, wenn ein attraktives Online-Portal kombiniert werde mit einem attraktiven Multimedia-Endgerät und einer nahtlosen Integration. „Die wahren Konkurrenten der Handyhersteller sind deshalb die Suchmaschinen-Giganten Google und Yahoo“, erläutert der Internetkenner Steimel.

Kanzleien vernachlässigen Marketing zur Mandantengewinnung

Die Zulassung zum Rechtsanwalt war früher eine Garantie für finanzielle Sicherheit und für einen Beruf mit einem hohen gesellschaftlichen Ansehen. Diese Zeiten sind lange vorbei: Bereits 1996 betitelte das Manager-Magazin mit dem „Auszug aus dem Olymp“ die zunehmenden Schwierigkeiten der Rechtsanwälte, sich im Wettbewerb zu behaupten und die Herausforderung der Rechtsanwälte, neue Dienstleistungen für die Mandanten zu entwickeln. 

„Heute ist es für Mandanten sehr einfach, sich juristisches Wissen über das Internet anzueignen und gut informiert eine Kanzlei aufzusuchen. Die Basisberatung wird immer weniger nachgefragt. Folglich fällt für den Rechtsanwalt dieser Abrechnungsbetrag weg. Die Mandanten verlangen sehr spezielle juristische Informationen, so dass der Rechtsanwalt ohne Spezialisierung kaum noch Chancen hat. Der jedem Kollegen bekannte Kampf um Mandate zwingt damit nicht nur zu verstärktem, sondern auch zu innovativem Kanzleimarketing“, so der Rat von Joachim Höhl, Geschäftsführer von AdvoGarant http://www.advogarant.de.

 

Gerade kleine und mittelgroße Kanzleien sowie Kanzleigründer sollten sich wie ein klassischer Dienstleister positionieren und mit PR, Marketing und Werbung um neue Mandanten bemühen. „Dabei ist die persönliche Servicebereitschaft eine besonders wertvolle, oft aber unterschätzte Marketingmaßnahme in eigener Sache und damit ein Schlüssel für den Erfolg. Immerhin war für 83 Prozent der in einer Studie des Soldan-Instituts http://www.soldaninstitut.de befragten Mandanten ist die Frage der Erreichbarkeit von höchster Priorität, gefolgt von der Freundlichkeit des Personals mit 71 Prozent. Manchmal reicht schon eine pfiffige Idee oder persönlicher Einsatz, um sich einem Publikum gezielt zu präsentieren. Hier heißt es vor allem: Keine Angst, Konventionen zu brechen und sich als Querdenker zu profilieren“, erläutert Höhl. Wichtig sei vor allem eine klare Strategie und ein unverwechselbares Profil. „Das ist einfacher gesagt als getan. Laut Anwaltsmonitor 2007 http://www.anwaltsmonitor.de haben es sogar viele der Branchengrößen noch nicht geschafft, dies für sich selbst zu ermitteln – ein Versäumnis, das manchmal erst entdeckt wird, wenn die Umsätze nicht mehr stimmen“, sagt Marketingprofi Höhl.

 Nach der Umfrage des Soldan-Instituts geben vier Fünftel der Befragten zu Protokoll, dass die kurzfristige Terminierung ausschlaggebend für die Mandatserteilung ist. Aus diesen Erkenntnissen sollten die Anwälte nach Ansicht von Höhl zwingende Rückschlüsse für das eigene Serviceverhalten und für die Kanzleiorganisation ziehen: „In Zeiten zunehmender Ungeduld stößt ein nicht besetztes Telefon oder ein Anrufbeantworter auf Ablehnung. Das Telefon muss stets besetzt sein, auch während der Mittagspausen. Ohnehin wirkt es nicht gerade serviceorientiert, sondern eher ‚verstaubt’, wenn während der Mittagszeit die Kanzlei nicht erreichbar ist“, meint der AdvoGarant-Chef. Auch der Bestandsmandant toleriere kein Freizeichen oder einen Anrufbeantworter. Bei Wiederholung drohe Unzufriedenheit mit Abwanderungstendenz. Hilfreiche seien daher externe Dienstleister, die einen 24-Stunden-Servie anbieten, inklusive Telefonsekretariat mit Vorzimmerfunktion und Präsenz während der Abwesenheit des Anwalts. Das könne man für kleines Geld organisieren und führe zu einer hundertprozentigen Erreichbarkeit.  „Entscheidend ist auch ein professioneller Internetauftritt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Die Potentiale des Onlineauftritts werden aber häufig unterschätzt. Websites, die nur Kanzleinamen, Rechtsgebiete und sonstige Harmlosigkeiten enthalten, sind ihr Geld nicht Wert und verschaffen in der Regel ein ‚Nullimage’ bis hin zur negativen Einschätzung“, führt Höhl aus.  Nach einer Studie der amerikanischen Online Publishers Association http://www.online-publishers.org erwartet der User von der Website in erster Linie redaktionell aufbereitete Informationen und Aktualität, aber auch persönliche Ansprache. „Genau an dieser Stelle sollten Kanzleien ansetzen. Hier kann man sich fachlich profilieren und nützliche Angebote platzieren. Beispielsweise Onlinerechner für Unterhalt oder Pfändungsgrenzen, E-Mail-Beratung, Online-Mahnbescheid und Mandantenhotline“, betont Höhl.  

Deutschland unter Generalverdacht – Vorratsdatenspeicherung treibt Kosten in Unternehmen und Behörden

Wieder einmal befasst sich das höchste deutsche Gericht mit der Klärung, ob getroffene politische Entscheidungen mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Noch in der letzten Woche war aber noch strittig, ob es der Erste oder Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts http://www.bundesverfassungsgericht.de sein würde, der die Frage der Verfassungsmäßigkeit der so genannten Vorratsdatenspeicherung verhandeln muss – an der Ablehnung des Gesetzes durch Bürgerrechtler und unterschiedlichste Verbände hat dies keinen Einfluss.  Denn die Verpflichtung für die Telekommunikationsanbieter zur Registrierung von elektronischen Kommunikationsvorgängen, ohne dass ein Anfangsverdacht oder konkrete Hinweise auf Gefahren bestehen, stößt nach wie vor auf massive Kritik. „Die Bundesregierung verspricht Sicherheit, liefert aber nur sichere Einnahmen für die Überwachungsindustrie“, kritisiert denn auch Ricardo Cristof Remmert-Fontes vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung http://www.vorratsdatenspeicherung.de und ergänzt: „In einer freien Gesellschaft hat die Überwachung der Reisebewegungen jedes einzelnen ebenso wenig Platz, wie die Überwachung des Telekommunikationsverhaltens jedes einzelnen“, so Remmert-Fontes mit Blick auf die von EU-Kommissar Frattini mittlerweile auch vorgesehene Speicherung von Flugreisedaten der Bürger. Erfasst werden sollen sämtliche Flüge zwischen Europa und Nicht-EU-Staaten. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hatte zum Jahreswechsel die Verfassungsbeschwerde gegen die sechsmonatige Speicherung aller Verbindungsdaten mit initiiert.  Auch der Verband der deutschen Internetwirtschaft http://www.eco.de hat das Gesetzgebungsverfahren sehr kritisch begleitet. „Die Information, wer wann mit wem telefoniert hat, eine E-Mail geschickt hat oder im Internet war, lasse weitreichende Schlüsse über persönliche Lebensumstände zu“, sagt Oliver Süme, Vorstand Recht und Regulierung des Verbandes. Ihre Nutzung müsse deshalb auf den Zweck der Aufklärung von gravierenden Straftaten und Auskünfte gegenüber Strafverfolgungsbehörden beschränkt bleiben, so die Argumentation des Verbandes. Die ursprüngliche Rechtfertigung für das Anhäufen riesiger Mengen sensibler Daten über die Kommunikationsverbindungen aller Bürgerinnen und Bürger war die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität. Genutzt werden dürfen sie nun aber zusätzlich zur Gefahrenabwehr, durch Nachrichtendienste, und zur Aufklärung auch minder schwerer Straftaten. Eco-Vorstandsvorsitzender Michael Rotert weist darüber hinaus auch auf die Kostengesichtspunkte für Behörden und Unternehmen hin: „Aus technischer Sicht kann man die Forderungen der Politiker an die Serviceprovider nur als Hirngespinste abtun. Vor allem weil die Politiker glauben, dass man mit dieser kostenlosen Unterstützung durch die Serviceprovider Geld sparen kann! Das Gegenteil wird der Fall sein. Die meisten Behörden sind weder personell noch technisch ausgestattet, die sich jährlich verdoppelnden Datenströme ermittlungstechnisch zu analysieren“, so Rotert. Die Vorratsdatenspeicherung verpflichtet ab 2009 auch alle Internet Service Provider, Daten der Nutzer für sechs Monate zu speichern. „Welcher Beamte kann 15.000 Mail-Adressen und 500.000 An- und Abmeldungen analysieren, denn so viele fallen allein beim Dienst E-Mail bei drei Monaten Überwachung an einem einzigen Account an. Und 95 Prozent davon sind Spam. Die Mehrbelastung bei den Providern haben letztendlich die Endverbraucher zu tragen“, prognostiziert Rotert. Die Lobby der Rechteinhaber, so bemängelte der Eco-Verband, möchte dabei erreichen, dass sie ohne richterliche Kontrolle einen direkten Auskunftsanspruch bekommt. Würden die Beschränkung der Verwendung der Daten und der Richtervorbehalt aufgehoben, hätten Private sogar einen leichteren Zugriff auf die Vorratsdaten als staatliche Stellen. „Die Vorratsdatenspeicherung sorgt bei vielen Unternehmen für Missmut, erzeugt Kosten und Aufwand“, bestätigt Omar Khorshed, Vorstandschef der Düsseldorfer acoreus AG http://www.acoreus.de, ein Outsourcing-Dienstleister für Kundenmanagement, Abrechnung und Zahlungsverkehr . Mit dem Paradigmenwechsel im Datenschutz, weg vom bisher geltenden Verbot anlass- und verdachtsunabhängiger Datenspeicherung, würden die Nutzer in Deutschland unter Generalverdacht gestellt. Er erwartet außerdem, dass „die Verbände der Musik- und Filmwirtschaft, die die Daten zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen nutzen wollen, die Ermittlungsbehörden mit Anzeigen lahm legen und die Fahndung nach Terroristen erschweren.“

Internet der Zukunft wird von Sprachtechnologie beherrscht – Microsoft, Google und Yahoo setzen auf intuitive Mensch-Maschine-Kommunikation

Die Internetsuche wird sich nach Ansicht von Webexperten immer mehr in Richtung Spracherkennung bewegen: „Wir finden es sehr wichtig, dass man seine Fragen in einer natürlichen Sprache eingeben kann. Ich rechne damit, dass das noch fünf oder zehn Jahre dauert“, prognostiziert die Google-Strategin Marissa Mayer im Gespräch mit der FAZ http://www.faz.net Bedeutsam werde zudem die Suche in Audiodateien. „Wir haben schon verschiedene Varianten untersucht, mit denen wir zum Beispiel die Texte aus Podcasts herausschreiben und durchsuchbar machen können. Aber das ist sehr schwierig. Musikaufnahmen interessieren uns dagegen nicht so sehr. Denn da sind die rechtlichen Fragen sehr schwierig“, so Mayer gegenüber der FAZ. Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt Microsoft-Gründer Bill Gates: „Der Wandel wird sich umso schneller vollziehen, je mehr die Technik sich den Bedürfnissen der Menschen im Umgang der Menschen miteinander anpasst. Durch den Einsatz kostengünstigerer und leistungsstärkerer Computer konnten Forscher bereits viele Probleme lösen, zum Beispiel kann die Technik jetzt Sprache und Handschrift verstehen. Gerade erst entstehen Möglichkeiten, den Computer intuitiv zu nutzen – indem wir sehen, sprechen, etwas berühren, von Hand schreiben und gestikulieren“, glaubt Gates. Dass man dem Computer Dinge so einfach mitteilen und seine Antworten so einfach verstehen könne, werde enorme Auswirkungen auf unseren alltäglichen Umgang mit Technik haben, aber auch auf den Umgang der Menschen untereinander.

 

Den Durchbruch erwarten Branchenkenner allerdings wesentlich früher: „Die Google-Strategin Mayer stapelt bewusst tief. Fünf bis zehn Jahre wird es auf keinen Fall dauern, bevor wir mit natürlicher Sprache auch Suchmaschinen steuern können. So bietet Google in den USA schon jetzt einen experimentellen Sprachservice unter dem Namen ‚Google Voice Local Search’ an. Unter der Nummer 1-800-GOOG-411 kann man den Namen eines Unternehmens oder einer Unternehmensbranche in allen Teilen der USA anfragen. Das erfolgt nach der Eingabeaufforderung. Man kann Stadt und Bundesstaat oder wahlweise die Postleitzahl in einem Satz nennen: Nachdem der Anrufer einen Eintrag gewählt hat, hat er in nächster Instanz die Möglichkeit, den Anruf direkt zu tätigen“, weiß Lupo Pape, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens SemanticEdge http://www.semanticedge.de. Das lokale Suchsystem sei vollständig automatisiert und liefere die gleichen lokalen Geschäftsinformationen wie Google Maps. „Die Ergebnisse werden über das Text-to-Speech-System wiedergegeben und können zudem als SMS auf den Mobiltelefonen abgerufen werden“, sagt Sprachdialogexperte Pape. Auch Bernhard Steimel, Sprecher des Fachkongresses „Voice Days“ http://www.voicedays.de, geht davon aus, dass der Suchmaschinengigant schon in den nächsten Jahren ausgereifte Konzepte für Sprachtechnologie präsentiert: „Die Rekrutierung von Mike Cohen als Manager der Speech Technology Group ist ein untrügliches Zeichen für die Google-Strategie. Nachdem Cohen bei SRI International ein volles Jahrzehnt aktiv in der Forschungsarbeit für Spracherkennung tätig war, hat er als Mitgründer die damalige Nuance Communications aufgebaut. Letztere ist mittlerweile durch ScanSoft, die den Namen Nuance übernommen hat, aufgekauft worden“. Google wisse sehr genau, dass eine große Anzahl von Informationen in der Welt gesprochene Informationen seien. Hierzu gehörten auch die Audio-Angebote, die sich immer stärker im Internet ausbreiten. „Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit von Cohen sehe ich bei Dialogsystemen für mobile Endgeräte“, spekuliert Steimel. Auf den diesjährigen Voice Days im Oktober zähle die Endgerätesteuerung durch Spracherkennung zu den wichtigsten Trendthemen: „Und da will Google in der ersten Liga mitspielen. Sie werden das Ziel verfolgen, die Interaktion mit Endgeräten so einfach und kurz wie möglich zu gestalten, dabei allerdings nicht so kurz, dass der Nutzer sein Ziel verfehlt. Die Nutzererfahrung zu vereinfachen, ist selbst im Web von Bedeutung und Google ist bekannt für das knappe Interface seiner Suchfunktionen. Bei mobilen Geräten ist das Streamlining von noch größerer Bedeutung, besonders dann, wenn die Interaktion komplett von einem Sprachsystem getragen wird, da die Sprachausgabe als Serie verläuft und langsamer als eine Textmitteilung ist“, erklärt Steimel.  

Auch der Konkurrent Yahoo arbeite fieberhaft an besseren Input-Vorrichtungen für mobile Engeräte. „Es ist sehr schwierig, eine lange URL in das Telefon einzugeben. Ebenso problematisch ist es, längere Texte einzutippen und Dinge anzuklicken und dann, nachdem man etwas angeklickt hat, noch auf die Antwort zu warten. Aspekte wie Dringlichkeit, das Bedürfnis nach Schnelligkeit und eine leichte, komfortable Handhabung spielen für Yahoo eine größere Rolle als dies beim PC der Fall ist“, so Steimel. Der Sprachtechnologie-Wettkampf des Dreigestirns Microsoft, Google und Yahoo werde nach seiner Meinung wie ein Katalysator wirken und die digitale Kommunikation revolutionieren.

Knöllchenjäger für die Staatskasse: Bußgeldpolitik der Kommunen verfassungsrechtlich nicht haltbar

Bei einer Informationsveranstaltung vor Gewerbetreibenden in der Bonner Südstadt ist die Bußgeldpolitik der Stadt Bonn kritisch beleuchtet worden. Hauptredner war der Bad Honnefer Wirtschaftsjurist und Vorsitzende der “Aktion Gewerbefreiheit” Horst Mirbach. Alle Geldbußen oder verfahrensrelevanten Zahlungen dürfen nach seiner nicht für Zwecke verwandt werden, für die üblicherweise Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden: „Wir haben ein ganz einfaches Prinzip zur Finanzierung des Staates. Dafür gibt es nach außen Zölle und dafür gibt es nach innen Steuern. Mit dem Rechtssystem hat das Finanzsystem überhaupt nichts zu tun. Man hat zwar auch in der Vergangenheit Geldstrafen und Verwaltungsgebühren eingenommen. Das spielte in der Vergangenheit für die öffentlichen Haushalte kaum eine Rolle. Allerdings gibt es auch unrühmliche Ausnahmen. Schon Anfang der 1970er Jahre brüstete sich das Bonner Ordnungsamt damit, dass es das einzige Amt mit Überschüssen sei“, führt Mirbach aus. Mittlerweile seien die kommunalen Kassen leer und entsprechend würden die Begehrlichkeiten wachsen, generell über Ordnungsämter Mehreinnahmen zu erwirtschaften. „Diese Praktiken sind rechtsstaatlich nicht haltbar. Sinn und Zweck des Rechtes ist es, die Gesetze dem Gesetzeszweck entsprechend durchzuführen und im Einzelfall bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder zu verlangen. Man darf allerdings nicht Tatbestände inszenieren, um möglichst hohe Bußgeldsummen zu erzielen. Das ist in den Kommunen mittlerweile leider der Fall. Mit einer künstlichen Verknappung des Parkraumes oder willkürlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen provoziert man Ordnungswidrigkeiten“, kritisiert Mirbach.

Es sei doch höchst merkwürdig, dass viel häufiger an den Stellen kurz vorm Ortsausgangsschild die Geschwindigkeit kontrolliert werde als vor einem Kindergarten, wo es eigentlich mehr Sinn machen würde. „Aber die teuren Überwachungsgeräte müssen sich amortisieren und es ist halt lukrativer, drei Meter vorm Ortsausgangsschild Blitzer aufzustellen, wo die Leute noch mit Tempo 70 unterwegs sind. Ich sehe in der kommunalen Finanzierungspraxis einen klaren Verstoß gegen die Verfassung“, so Mirbach. Das sei mit den Grundprinzipien nicht Staates nicht vereinbar. „Wenn man sich juristisch systematisch die ersten Artikel im Grundgesetz anschaut, dann ist es relativ klar, die Menschenwürde steht an der Spitze und sie wird dann detailliert durch die nachfolgenden Grundrechte manifestiert und das sind fast alles Freiheitsrechte. Wenn das der Leitgedanke unseres Staates ist, dann kann man nicht an jeder Straßenecke ein Parkverbotsschild, eine Geschwindigkeitsbegrenzung und alle anderen möglichen Beschränkungen realisieren“, so Mirbach. In Bonn dominiere eine Politik, die einseitig gegen die Benutzung des Autos gerichtet sei. „Man sieht es an der Ampelschaltung in den verschiedensten Straßen, wo bewusst die Rotschaltung als Geschwindigkeitsbremse eingesetzt wird. Auch diese kommunale Praxis könnte man als Rechtsverstoß werten – ein Verstoß gegen Straßenverkehrsgesetz. Die Ampelschaltung darf nicht als Geschwindigkeitsbegrenzung benutzt werden“, moniert Mirbach.

Mehrwegquote unter 30 Prozent-Marke: Dosenpfand vernichtet mittelständische Getränkeindustrie – Deutschland in der Ex-und-Hopp-Sackgasse

Das seit 2003 gültige Pflichtpfand auf Einweg-Getränkeverpackungen hat den dramatischen Verfall der Mehrwegquote bei alkoholfreien Getränken nicht stoppen können. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) http://www.wafg-online.de in Berlin sank die Mehrwegquote in diesem Sektor von 51,4 Prozent im Jahr 2002 auf nur noch 29,9 Prozent Ende 2007. Mehrwegverpackungen aus Glas und PET sowie Getränkekartons würden zunehmend von PET-Einwegflaschen verdrängt; deren Marktanteil liege inzwischen bei 58,4 Prozent. Die vom Bundesrat abgesegnete fünfte Novelle zur Änderung der Verpackungsverordnung habe nach Auffassung der wafg die Mehrwegfrage ausgespart. Trotz des Pflichtpfandes für Einwegflaschen und Dosen sinke die Mehrwegquote unaufhörlich.  

„Bundesumweltminister Sigmar Gabriel glänzt auf internationalen Konferenzen als klimapolitischer Musterknabe. Seine ökologischen Hausaufgaben vernachlässigt er allerdings sträflich. Wir waren mal Mehrweg-Weltmeister und sind jetzt in einer Ex-und-Hopp-Sackgasse gelandet“, kritisiert Energieexperte Tobias Janßen, Vorstandschef der Düsseldorfer Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com, gegenüber dem Onlinemagazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 Bundestag und Bundesrat hätten bei der Verpackungsnovelle noch eine Chance gehabt, die mangelhafte Rechtslage beim Dosenpfand zu beseitigen. Mit den nicht zurück gebrachten Einwegflaschen würden die Discounter horrende Gewinne zu Lasten der Verbraucher und der mittelständisch geprägten Mehrwegbranche einfahren. „Das sind pro Flasche immerhin 25 Cent. Da verdient der Händler am Pfand mehr als am Inhalt“, moniert Janßen. Nach Angaben der Genossenschaft Deutscher Brunnen seien das jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. „Mit diesem Geld können die Discounter über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten“, so Andreas Rottke, Vorstandschef der Genossenschaft Deutscher Brunnen http://www.gdb.de.  

Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Einzel- oder Getränkehandel 50 Cent. Die rund 220 mittelständischen Mineralbrunnenbetriebe seien unter diesen Bedingungen nicht mehr konkurrenzfähig. „Bei Aldi & Co. sind es nur noch fünf national operierende Lieferanten, die zum Zuge kommen“, sagt Rottke. Nur diese Firmen beherrschen den Einwegmarkt. Die Politik müsse schnell etwas tun, wenn sie den Mehrwegmarkt noch erhalten wolle. Das Pflichtpfand für Einweggetränke in der heutigen Ausgestaltung reiche nicht aus und sollte um eine Abgabenlösung ergänzt werden. Nach Meinung von Goldfish-Vorstand Janßen reiche es aus, die Pfandgelder über eine Treuhandstelle zu verwalten: „Dann kann man sich nicht mehr mit dem Pfandschlupf bereichern und Einweggetränke künstlich verbilligen“.

Vermächtnis von Bill Gates: Wir brauchen Garagentüftler und keinen pompösen IT-Gipfel

Man soll immer dann gehen, wenn es am schönsten ist. Oder wenn man als Unternehmer am erfolgreichsten ist. Legt man diese Kriterien an, dann hat Microsoft-Gründer http://www.microsoft.com Bill Gates vielleicht schon die Zeit für den richtigen Abgang verpasst. In letzter Zeit hat das Markenimage von Microsoft doch arg gelitten, weil Wettbewerber einfach den besseren Riecher für neue Trends hatten. Mit 52 Jahren räumt Gates, der mit seinen ewigen Pullovern, der nicht unbedingt modischen Brille und Frisur immer noch wie ein Informatik-Student im 20 Semester aussieht, jedenfalls den Schreibtisch und will in Zukunft nur noch Philantrop sein. Die finanziell hervorragend gepolsterte „Bill & Melinda Gates Foundation“ http://www.gatesfoundation.org liefert ihm dafür die nötige Basis.

Die in den Vereinigten Staaten idealisierte „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Karriere kann Gates nicht vorweisen. Das liegt eventuell auch daran, dass es immer mehr Spülmaschinen gibt und Gates als zweitreichster Mann der Welt selbstverständlich mehrfacher Milliardär ist. Er wuchs als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwalts und einer Lehrerin auf und machte bereits in der Grundschule mit seinen überragenden Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften auf sich aufmerksam. Dass ein abgeschlossenes Hochschulstudium keine Voraussetzung für eine Karriere als erfolgreicher Unternehmer ist, stellte Gates ebenfalls unter Beweis. Zwar ging er 1973 an die renommierte Harvard-Universität, doch schon zwei Jahre später brach er sein Studium ab.

Doch Mitte der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war noch nicht abzusehen, wie clever und geschäftstüchtig der etwas linkisch wirkende „Tekkie“ einmal werden sollte. Im Sommer 2007 erinnerte sich der Informatik-Professor Harry R. Lewis an seinen ehemaligen Studenten, den er in den Jahren 1974 bis 1975 unterrichtete. „Ich habe Gates in der Zeit gut kennengerlernt. Ich denke, er war ziemlich gelangweilt in meinen Kursen und hat ja selbst gesagt, dass er sich in den meisten Seminaren gelangweilt hat. Aber er ging zu vielen Veranstaltungen und war ziemlich interessiert“, so der vormalige Dekan des Harvard Colleges gegenüber Spiegel-Online http://www.spiegel.de. „Manchmal schlief er in den Seminaren ein. Nachher habe ich erfahren, dass er bis tief in die Nacht möglicherweise an der Gründung von Microsoft arbeitete. Das erklärte natürlich, warum er dann am Tag schläfrig war.“

Auch heute noch schlafen viele Studenten in Vorlesungen und Seminaren ein oder kommen erst gar nicht aus dem Bett und brechen ihr Studium ab. Sie werden aber in der Regel Taxifahrer und nicht Multimilliardär. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest http://www.tns-infratest.com im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab aber zumindest, dass Bill Gates für angehende Jungunternehmer in Deutschland das größte Vorbild ist. Ein weiteres erstaunliches Resultat: Drei Viertel der Jugendlichen im Schulalter können sich laut dieser Studie vorstellen, später selber Unternehmer zu werden. Und dass, obwohl sie von Beamten unterrichtet werden, die oft noch keinen Betrieb aus der Nähe gesehen haben.

Insbesondere die Informationstechnologie (IT), für die Gates wie kein zweiter steht, ist für die Wirtschaft in Deutschland wie in der übrigen westlichen Welt von enormer Bedeutung. Auf der Computermesse Comdex rief der Microsoft-Gründer daher im Jahr 2001 ein „digitales Jahrzehnt“ aus. „In dieser digitalen Dekade wird Computer-Technologie jeden Teil unseres Lebens verändern und das Versprechen des wirklich sicheren und wirklicheren persönlichen Computers einlösen“, so Gates. „In Deutschland fehlt es an weithin bekannten Vorbildern wie Gates, auch wenn Ende vergangenen Jahres wieder ein pompöser IT-Gipfel veranstaltet wurde“, sagt Tobias Janßen, Vorstandschef der Düsseldorfer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com und Mitglied im Executive Board der American Chamber of Commerce http://www.amcham.de. „Bei solchen Treffen schielt man hierzulande nur auf die großen Konzerne. Mittelständler oder gar der findige Jungunternehmer in der Garage haben hierzulande kaum eine echte Chance. Bei uns hätte Bill Gates wahrscheinlich nicht so eine erstaunliche Karriere gemacht.“

„Wenn ich heute zwischen 18 und 22 Jahre alt wäre, würde ich mich von Frau Merkel, dem SAP-Chef Kagermann oder dem Bitkom-Präsidenten Professor Scheer, der für die Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien steht, nur bedingt angesprochen fühlen. Die Informationstechnologie muss bei uns dringend aus dem Old-Economy-Muff erwachen. In den USA und in anderen Ländern ist man schon wesentlich weiter“, bestätigt Michael Zondler vom Düsseldorfer IT-Beratungshaus Harvey Nash http://www.harveynash.de im Gespräch mit dem Onlinemagazin NeueNachricht.

Arbeiten ohne Stechuhr – Das Ergebnis zählt und nicht die Nine-to-Five-Mentalität

Das Wort Flexibilität wird oft formelhaft wiederholt. Der klassische Nine-to-Five-Job passt nicht so recht in die schöne neue Arbeitswelt. Nach der Studie „Flexible Working 2007“ von Johnson Controls Global Work Place Solutions http://www.johnsoncontrol.com wird flexible Büroarbeit zur Norm. Mehr als 60 Prozent der 200 internationalen Studienteilnehmer arbeiten nämlich regelmäßig an verschiedenen Orten – im Büro, zu Hause oder unterwegs. Im Vergleich zum 2006, so die Autoren der Studie, verbrachten die Befragten in 2007 weniger Arbeitszeit im Unternehmen (18 Prozent), dafür mehr Zeit im Homeoffice (36 Prozent) sowie beim Kunden oder auf Reisen (46 Prozent).„Bisher stand für Arbeitnehmer vor allem freie Zeiteinteilung im Vordergrund. Die aktuelle Studie von Johnson Controls zeigt hingegen, dass die flexible Wahl des Arbeitsumfeldes zunehmend wichtiger wird“, kommentierte Paul Barlett, Vorsitzender des Office Productivity Network http://www.officeproductivity.co.uk, die Resultate der Befragung. Das Büro werde vorwiegend zum Ort der Interaktion, an dem sich Mitarbeiter austauschen und zusammenarbeiten. Es reiche nicht mehr aus, Mitarbeitern „nur“ einen Büroarbeitsplatz im Unternehmen bereitzustellen.

„Die technischen Voraussetzungen für räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten sind durch die moderne Telekommunikation gegeben. Wer die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen will, muss ihnen mehr bieten als nur eine angemessene Bezahlung. Dazu gehört auch ein möglichst flexibles Arbeitsumfeld. Zudem kommt dieses Modell berufstätigen Müttern und Vätern entgegen. Allerdings verhindert eine konservative, ja starre Kultur in manchen Unternehmen, dass Telearbeit oder Gleitzeitmodelle auch wirklich zum Einsatz kommen“, sagt der Personalexperte Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung in Köln http://www.kirchconsult.de.

In einer globalisierten Arbeitswelt müssten sich auch die Arbeitszeiten internationalen Standards anpassen, so Emde. „In Europa klammern sich einige noch viel zu stark an die 35-Stunden-Woche oder den geregelten Arbeitstag von neun bis 17 Uhr. Das gehört der Vergangenheit an. In den Vereinigten Staaten geht man teilweise schon viel radikalere Wege“, weiß der Personalexperte. Er verweist auf den größten amerikanischen Elektronikhändler namens Best Buy http://www.bestbuy.com, den die Wochenzeitung Die Zeit http://www.zeit.de als das „Kaufhaus der Freiwilligen“ beschrieben hat. Dort gibt es weder vorgeschriebene Stundenzahlen für die Beschäftigten, noch Anwesenheitspflicht bei Besprechungen und auch keine Kernzeit. „Statt Stunden nachzuweisen, zählt nur das Ergebnis: erledigte Aufgaben, abgearbeitete Projekte“, schreibt Zeit-Autorin Heike Buchter.

„So ganz schlecht scheint das Unternehmen damit nicht zu fahren“, meint Emde. „Schließlich erwirtschaftete die Elektronikkette im dritten Geschäftsquartal 2007 einen satten Gewinn. Es ist ja auch ein Trugschluss, dass Arbeiten ohne Kernzeit und Stechuhr weniger produktiv oder leistungsbezogen sei. Ganz im Gegenteil: Die Führungskräfte haben in einem solchen System die Aufgabe, ihre Mitarbeiter anhand der tatsächlich geleisteten Arbeit zu beurteilen. Entscheidend ist die Produktivität, und nicht, ob von neun bis fünf die Schreibtischlampe brennt.“

Die Arbeitsmarktpolitik von Bundesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden hat nach Auffassung des Dienstleistungsexperten Michael Müller diese neue Lebenswirklichkeit noch nicht erfasst. „Vor allen Dingen der Einstieg in die digitale Ökonomie hat Menschen und Märkte verändert, Ansprüche an Produkte und Service individueller gemacht. In einer von so genannten E-Lancern beherrschten Ökonomie wandelt sich die Rolle des Wirtschaftsmanagers, der nichts mehr gemeinsam hat mit dem Industriekapitän vergangener Tage. An die Stelle eines Unternehmens industrieller Prägung tritt ein Netz von freischaffenden und weitgehend selbstbestimmten Arbeitskräften, die über die gesamte Welt verstreut und auf elektronischem Wege verbunden zusammenarbeiten können“, meint Müller Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o http://www.aogroup.de. Und hier werde nach Leistung bezahlt und nicht nach Löhnen und Arbeitszeiten, die Tarifkartelle am Grünen Tisch festlegen.  

Sprechende Assistenten: Alltagsroboter sollen das Leben erleichtern

Roboter haben den modernen Lebens- und Arbeitsalltag des Menschen erobert. Sie montieren Autos, übernehmen Hausarbeiten, spielen Fußball mit den Kindern. Fast scheint es, dass der Traum vom allzeit willigen Helfer, den Literatur und Science-Fiction seit Jahrhunderten ausgemalt haben, Realität geworden ist. Wie aus Träumen Wirklichkeit wurde, dokumentiert das Frankfurter Museum für Kommunikation mit seiner Ausstellung „Die Roboter kommen!“ Musikautomaten aus dem 18. Jahrhundert, legendäre Werberoboter der 1950er Jahre und moderne Forschungsroboter, darunter der humanoide Roboter „Armar II“, veranschaulichen die Entwicklung.

Moderne Serviceroboter, die staubsaugen oder die Geschirrspülmaschine ausräumen können, sehen wie freundliche Hausgenossen aus. Gerade erst hat Toyota einen Geige spielenden Roboter vorgestellt, der zeigt, wie die elektronische Welt von morgen aussehen könnte. Dabei ist Toyota nicht allein mit seinen Planungen, sondern hat im eigenen Land eifrige Konkurrenten:

„Lange führte dabei Honda die Entwicklung von humanoiden Robotern an: Vor über 20 Jahren startete der Auto- und Motorradhersteller ein bis vor Kurzem viel belächeltes Roboterprogramm. Inzwischen kann der Roboter Asimo laufen, die Hand geben und soll bereits in den kommenden Jahren als Bote in Büros arbeiten“, berichtet Focus Online. Auch „Nissan stellte auf der Tokyo Motor Show einen fußballgroßen Roboterkopf vor, der in das Armaturenbrett seines Konzeptautos Pivo 2 eingebaut war. Der Kopf soll mit dem Fahrer plaudern und ihm bei Müdigkeit Restaurants für eine Pause vorschlagen“, so das Magazin.

Sprechende Assistenzsysteme scheinen auf dem Vormarsch, auch in der Unternehmenskommunikation, wie das Beispiel Daimler belegt. Der Personal Assistant ist hier eine Vermittlungs- und Assistenzanwendung für das Personal Information Management der Konzernmitarbeiter. Sie verwirklicht ein so genanntes One-Number-Konzept für die ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter und den Wechsel von der Festnetztelefonie auf Vermittlungs- und Assistenzdienste. Realisiert wurde diese Anwendung vom Berliner Unternehmen SemanticEdge:

„Selbst wenn man den Namen eines Geschäftspartners gerade nicht weiß, kann man über eine Suchfunktion mit der Eingabe von Branche und Standort die gewünschte Verbindung aufbauen”, erklärt SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape.

Per Spracheingabe könnten die Mitarbeiter eine Routing-Funktion nutzen, alle Anrufe umleiten, so dass sie auf einer bestimmten Nummer zu erreichen sind.

Sprachverarbeitende Technologie, davon ist auch der Berliner Zukunftsforscher Norbert Bolz überzeugt, wird in den nächsten Jahren eine wachsende Rolle spielen.

„Wenn Sie auf Ihr Auto zugehen und können es öffnen und starten, indem Sie es ansprechen, das lässt sich niemals überbieten“, erläutert er einen alten Traum der Zivilisation. „Ich persönlich kenne überhaupt keinen Zukunftsforscher oder Technologen, der Zukunftsszenarien entwickelt und nicht davon ausgehen würde, dass die Stimme letztlich das ultimative Interface ist“, sagte Bolz bei den Bonner Voice Days.

Die KI-Forschung und speziell die Robotik gelten weltweit als Zukunftsmarkt.

„6,9 Milliarden Euro setzte allein die deutsche Roboterwirtschaft 2005 mit ihren Produkten um. Außerhalb der industriellen Fertigung gelten Serviceroboter als Wachstumsbereich”, analysiert die Zeitschrift Technology Review.

Die Begeisterung für Robotertechnik erinnert Microsoft-Gründer Bill Gates an die Zeit, als er und sein Partner Paul Allen davon träumten, dass irgendwann auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus ein Computer stehen könnte. Gates könne sich eine Zukunft vorstellen, in der roboterähnliche Geräte zu einem fast allgegenwärtigen Bestandteil des täglichen Lebens werden. Für den Sprachdialogexperten Pape sind das keine Hirngespinste. Bereits heute existierten die dafür notwendigen Technologien wie dezentrales Rechnen, Sprach- und Mustererkennung. Drahtlose Breitbandverbindungen könnten die Tür zu einer neuen Generation selbständiger Geräte öffnen, die Aufgaben für Menschen erledigen.

„Da liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns. Für Maschinen ist es sehr schwierig, sich in einem Raum zu orientieren, auf Geräusche zu reagieren, Sprache zu interpretieren und Gegenstände zu ergreifen, die höchst unterschiedlich sind”, sagt Pape.

Eine funktionierende Spracherkennung werde unverzichtbar sein, um Roboter im Alltag einzusetzen, etwa in der Altenpflege oder bei der Unterstützung behinderter Menschen.