Jetzt live: Sensationelle Bilder von der #Agritechnica – Leistungsschau in Bonn

Oder einfach mal bei Agrarblogger vorbeischauen 😉

Wer sich für die Traktoren im Kleinformat interessiert, sollte das hier lesen:

Es gibt sie noch, die guten Dinge: Aber nicht nur bei Manufactum – Der Kulttraktor Porsche-Diesel 419 im Maßstab 1:25

Digitale Aufklärung statt Kulturpessimismus

Wissenschaftler und Science Fiction-Autor Professor Franke
Wissenschaftler und Science Fiction-Autor Professor Franke

Statt mit kulturpessimistischen Digital-Debatten wertvolle Zeit zu verplempern, sollten wir uns Hirn vielleicht etwas mehr anstrengen, um Sinnvolles auf die Beine zu stellen. Beispielsweise in der Bildungspolitik, wo wir uns nicht mit den Potenzialen des vernetzten Lernens beschäftigen, sondern sinnlose Strukturdebatten führen. Dabei wäre es wichtig, sich besonders in der Bildungspolitik mit den Vorzügen des vernetzten Lernens auseinanderzusetzen. Stattdessen vergeuden die Kultusminister von Bund und Ländern wertvolle Zeit für Struktur-Diskussionen. An den wirklichen Schwächen der Wissensvermittlung mogeln sich die meisten vorbei.

„Besonders im Schulunterricht werden Dinge gemacht, die eher schädlich sind als nützlich. Ein Lehrer muss sich mit 30, 60 oder 90 Schülern beschäftigen; er hat ja nicht nur eine Klasse und muss das große Ganze im Blick haben, aber nicht den Einzelnen“, sagt der Wiener Naturwissenschaftler und Science Fiction-Autor Professor Herbert W. Franke.

Eine individuelle Förderung sei unter diesen Umständen nicht möglich. Beim Einsatz von digitalen Lernautomaten würde das anders aussehen. Wenn man ein analytisches System zur Verfügung habe, ist eine Bestandsaufnahme für jeden einzelnen Schüler möglich. Zudem könne der Unterricht variabler gestaltet werden.

„Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten. So könnte man in Schulen in den ersten Jahren völlig ohne Formeln auskommen. Eine Visualisierung der Mathematik bringt sehr viel bessere Lernergebnisse“, sagt Franke.

So sei es heute mit Computerhilfe möglich, komplizierteste Gebilde in Bruchteilen von Sekunden auf den Schirm zu zaubern – wenn gewünscht bewegt oder interaktiv veränderlich.

„Der größte Teil aller mathematischen Zusammenhänge lässt sich in Bildern ausdrücken und erspart in den meisten Fällen die Mühe einer umständlichen Interpretation“, weiß Franke.

Visualisierte Formen würden zudem einen ästhetischen Reiz ausüben und die übliche Abneigung gegen Mathematik reduzieren.

„Diese Erkenntnis gilt generell für Naturwissenschaften – selbst für Quantenphysik und Molekularchemie“, sagt Franke.

Vielleicht übertragen die omnipräsenten Internet-Skeptiker auch nur ihre eigenen Ängste auf die ganze Gesellschaft. Nicht unüblich für eine Zeitenwende, wie die Autoren Ossi Urchs und Tim Cole in ihrem neuen Buch „Digitale Aufklärung – Warum uns das Internet klüger macht“ konstatieren. Was die liebwertesten Gichtlinge der Neo-Phobie in die Welt blasen, sagt mehr über das Weltbild der Kritiker als über die Wirklichkeit. Sie betrachten die Informationsgesellschaft eher mechanistisch.

„Sie sehen die Menschen als Vieh, das nur stumm wiederkäuen und sich ansonsten von medialen Hirten wie ihnen vorantreiben lassen muss in eine ungewisse, fremdgesteuerte Zukunft“, so Urchs und Cole.

In Wahrheit geht es beim kollektiven Gejammere um Machtverschiebungen oder um enttäuschte Erwartungen, wie bei Joran Lanier, der mittlerweile das Internet für Maoismus hält und dabei wohl nur seine eigenen gescheiterten Projekte als Risikokapital-Unternehmer kompensiert. Er sollte weniger in der Mao-Bibel blättern und mehr Kant lesen: „Jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung.“ Vor der gleichen Aufgaben stehen wir heute mit der digitalen Aufklärung, resümieren Urchs und Cole in ihrem Opus. Stimmt! Mehr dazu in meiner morgigen The European-Kolumne.

CDU-Netz-Altland-Politik: Neuer Staatssekretär soll digitale Zustände bündeln

Nationaler IT-Lutschpastillen-Gipfel
Nationaler IT-Lutschpastillen-Gipfel

In meiner Mittwochskolumne für „The European“ habe ich mich über den ideologischen Überbau der digitalen Altland-Politik der Union ausgelassen und nun werden meine dortigen Analysen nicht nur von der Realität bestätigt, sondern sogar übertroffen – im negativen Sinne. So berichtet heise.de von einem Gesprächskreis der CDU zur „Digitalisierungspolitik“, der Vorschläge für die neue Legislaturperiode erarbeitet hat.

Statt eines Internet-Ministers, wollen die Unionisten nur einen zusätzlichen Staatssekretär installieren, der die „Zuständigkeiten“ für Themen der Digitalisierung“ auf Regierungsebene stärker bündeln solle. Der Beamte könnte unter das Dach des Innen- oder Wirtschaftsministerium schlüpfen. Auch die Notwendigkeit eines eigenständigen Bundestagsausschusses sehen die Altland-Neuland-Strategen der Merkel-Partei nicht. Es reiche ein Unterausschuss für Digitalpolitik als Anhängsel des Innen- oder Wirtschaftsausschusses aus, heißt es in einem heise online vorliegenden Strategiepapier der Arbeitsgruppe mit dem Titel „Vorschläge zur Digitalisierungspolitik“.

„Der Begriff ‚Netzpolitik‘ taucht in dem Dreiseiter, der eine ‚digitale Strategie für Deutschland‘ umreißen soll, gar nicht auf.“

Die abgegebenen Empfehlungen seiner Parteikollegen begeistern den CDU-Bundestagsabgeordneten und cnetz-Politiker Thomas Jarzombek nicht. Er selbst habe an der Gesprächsrunde nicht teilnehmen können – was ich etwas merkwürdig und schwach finde. So richtig Ballhöhe haben die Netzpolitiker der Union wohl nicht, wenn man sich ihre Website anschaut. Der letzte Eintrag (Stand heute) ist von August.

So hätten sich in dem Papier offenbar führende CDU-Rechtspolitiker weitgehend durchgesetzt, die kein großes Interesse an einem weiteren Hauptausschuss hätten.

Mir wird so langsam übel, wenn ich Vorschläge lese, die ein neuer Staatssekretär erfülle solle: „Zuständigkeiten“ für Digitalisierung auf Regierungsebene „bündeln“. Erinnert sich noch jemand an den Altherren-IT-Gipfel aus dem Jahr 2007? Da ist ein Staatssekretär als so genannter Bundes-CIO installiert worden unter dem Dach des Staatstrojaner-Innenministeriums, um die digitalen Aktivitäten der Bundesministerien zu bündeln – mit dem unglaublichen Sachverstand von teuer bezahlten Unternehmensberatern.

Ein Blick in die Haushaltspläne reicht aus, um zu erkennen, wie viel Kohle bei den BundOnline-Projekten in den Sand gesetzt wurde. Jedes BundOnline-Projekt hatte und hat übrigens einen eigenen externen Unternehmensberater einer weltweit führenden Beratungsfirma, die mit „M“ beginnt. Auch ein weiterer Staatssekretär wird an diese digitale Lutschpastillen-Politik anknüpfen – in der Regel sind das übrigens Verwaltungsjuristen, die auf diese Jobs gesetzt werden. Da schließt sich der Kreis zum aktuellen Strategiepapier der Altland-Partei.

Siehe auch:

CDU-Gesprächskreis Digitalisierung will weniger Netzpolitik.

Wenn Politikflüsterer das Internet unterschätzen.

Der Kunde sagt Dir, wie Du mit ihm sprechen sollst: Call Center machen keinen Dialog

Hotline-Terror
Hotline-Terror

Das Motto der Call Center World im nächsten Jahr, die sich verschämt nur noch CCW nennt, lautet “Wir machen den Dialog” und bringt Service-Experten direkt auf die Palme.

Das “Wir” klingt nach Größenwahnsinn, obwohl Hotline-Einheiten im Kundenservice der Unternehmen nie weit oben auf der Agenda standen. Man erweckt den Eindruck, so Harald Henn in einem Gastbeitrag für den Smarter Service-Blog, andere Organisationseinheiten seien nicht weiter wichtig, wenn es um den Dialog mit den Kunden geht.

„Zweiter Irrtum – und der wiegt weitaus schwerer: Das Unternehmen mit seinem Call Center erhebt den Anspruch, Dialoge zu führen und zu gestalten. Kein Wort, keine Silbe zum Kunden und seiner Rolle in diesem Spiel“, moniert Henn.

Das Ganze riecht auch ein wenig nach Wahrnehmungsstörungen, da Hotline-Anbieter in Deutschland konstant am unteren Ende der Beliebtheitsskala rangieren – ungefähr vergleichbar mit Heizdecken-Verkäufern und Versicherungsvertretern. Die Schmalzlöffel in Autohäusern würde ich noch dazu packen.

„Dieses Negativ-Image begleitet die Branche seit ihrer Geburtsstunde“, so Henn.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue negative Schlagzeilen produziert werden. Es sind dann immer die berühmten Schwarzen Schafe, die als Ursache herhalten müssen. Als Maßnahme wird regelmäßig eine Image-Kampagne ins Spiel gebracht.

“Wir machen den Dialog” sei die trotzige Reaktion einer Branche, die sich missverstanden und beleidigt fühlt. Strukturelle Probleme werden nicht gesehen.

„Seit 2006 geht das Anrufvolumen zurück. In vielen Studien dokumentieren die befragten Personen, dass sie die asynchrone Kommunikation einem Anruf vorziehen. Gleichzeitig wünschen sie sich eine Verbesserung der persönlichen Kommunikation in den Fällen, wo sie mit einem Unternehmen reden wollen oder müssen. Die Verlagerung auf Selfservices, die Nutzung von Apps und digitalisierten Geschäftsprozessen schreitet unaufhaltsam voran. Ganz zu schweigen davon, dass die Kunden auch ein anderes Selbstbewusstsein im Umgang mit Unternehmen entwickeln“, führt Henn weiter aus.

Egal, um was es geht, der Kunde gibt entscheidet, wann und wir er kontaktiert werden will. Das gilt für Service-Anliegen und auch fürs Marketing, wie Jan Steinbach von Xengoo und Inken Kuhlmann von Hubspot auf der Inbound Marketing Fachkonferenz in London erläutern – für Hubspot sozusagen die Deutschlandpremiere im öffentlichen Auftreten bei Bloggercamp.tv.

Kunden haben keinen Bock mehr auf blutleere und bürokratische Prozesse von der Stange. Loslassen und Kontrollverluste hinnehmen ist das Gebot der Stunde.

„Es steht für mich völlig außer Frage, dass wir in den nächsten 15 Jahren noch weitere tektonische Veränderungen sehen werden. Es wäre zutiefst fahrlässig, diese Veränderungen zu ignorieren. Ähnlich der Technisierung der Produktion in den 70ern wird auch der Kundenservice technisiert werden – schon in den nächsten Jahren werden erste Marken völlig neue Konzepte realisieren“, so Andreas Klug vom Kölner Softwarehaus Ityx.

Er formuliert einige Fragen, die wir in einer Call Center-Expertenrunde heute Abend, um 19:30 in Bloggercamp.tv beantworten wollen:

Wo ist die Antwort der Call Center-Branche? Welche Konzepte werden verfolgt? Oder will der Kundenservice solange warten, bis das Marketing die Hoheit über die Kundeninteraktion übernommen hat?

Hashtag via Twitter verwenden, wer während der Liveübertragung mitmischen möchte. Wir sehen und hören uns gleich 🙂

Wenn Politikflüsterer das Internet unterschätzen

Wie aktiv sind die Internetnutzer?
Wie aktiv sind die Internetnutzer?

Die hochnäsigen Netzaktivisten sollten endlich zur Kenntnis nehmen, dass es eine digitale Spaltung in der Gesellschaft gibt, die uns allen etwas fremd vorkommt, mahnt der CDU-Mann Stephan Eisel in seiner Socialbar-Rede im Bonner Wissenschaftsladen. Er sieht die Spaltung in der Internet-Nutzung vor allem am Arbeitsplatz. Das sei vielen Menschen aufgrund ihrer beruflichen Situation verwehrt:

„Es gibt im Internet keine Chancengleichheit zwischen denen, die den ständigen Zugang haben und denjenigen, die den Zugang nur in ihrer Freizeit haben. Es macht einen Unterschied, ob ich Busfahrer oder Krankenpflegerin oder ob ich Kommunikationsleitern bin. Auch das wird viel zu wenig diskutiert – vielleicht auch deswegen, weil übers Internet vor allem in akademischen Zirkeln diskutiert wird. Und akademische Zirkel sind sich wenig bewusst, dass sie in der Minderheit sind.“

Auf die Netzkompetenz sollte man sich allerdings wenig einbilden, denn in vielen Berufen seien auch Akademiker Analphabeten, meint Eisel:

„Wenn wir ein Schwein schlachten und Wurst herstellen müssten, würden wir schnell an die Grenzen unserer Kompetenz stoßen.“

In der Tat, liebwertester Internet-Erklär-Gichtling Eisel. Jeder Experte ist auch ein Idiot und Laie fernab seiner Expertise. Nur sind die Metzgermeister wesentlich weiter, als es Politikwissenschaftler vermuten. So kommen beim Fleischverkauf intelligente Waagen zum Einsatz, die mit Warenwirtschafts-, ERP- oder SAP-Systemen verbunden sind – bis hin zur Kopplung an die Preisfindung. Mit der von Philipp Matthäus Hahn im 18. Jahrhundert erfundenen „Wand-Neigungswaage“ hat das nichts mehr zu tun. Die Metzger-Maschinen sind wiegende und druckende Internet-Terminals.

Auch Kühe und Schweine sind in der Computerwolke

Und selbst Traktoren, Milchvieh und Schweine halten sich schon längst im Netz auf. So etwas nennt sich Präzisions-Landwirtschaft – neudeutsch auch Precision Farming genannt. „Beim Ackerbau wird nicht mehr konstant gedüngt, sondern nur noch punktuell nach dem Bedarf der Pflanzen“, erläutert Antje Krieger, Marketing-Managerin von Agri Con in einer Bloggercamp.tv-Gesprächsrunde.

So kann über Bodenanalysen der Stickstoff-Bedarf genau ermittelt werden. Die Traktoren ziehen über GPS automatisch ihre Bahnen, ohne dass der Fahrer lenken muss. Die Vermessung des Feldes liegt in der Computerwolke.

Die tägliche Nutzung des Internets am Arbeitsplatz skizzierte auch Gerald Maatmann, Jungbauer in der Grafschaft Bentheim. Früher wollte er seine 80 Kühe über Excel verwalten.

„Eine Kuh produziert Daten und die möchtest Du natürlich sofort eingeben. Da musste ich ständig zum Rechner rennen. Das klappt einfach nicht.“

Jetzt setzt er das Programm von der QSX-Datenschmiede ein.

„Unser Lehrling hat die Anwendung auf seinem Smartphone und auch mein Vater. Es läuft auf dem Stallrechner. Man muss keine Updates installieren – einfach anmelden und alles ist da.”

Bei einer Trächtigkeitsuntersuchung seiner Kühe ist das Smartphone mal in den Gülle-Schacht gefallen.

„20 Kühe hatten wir mit dem Tierarzt schon durch. Im vernetzten Stall gehen die Daten direkt nach der Eingabe in die Cloud. Das Gerät war hinüber, aber meine Daten nicht”, sagt Maatmann.

Man könnte noch weitere Anwendungsfelder anführen, die belegen, wie viele Berufsgruppen außerhalb des akademischen Milieus Zugang zum Internet haben und ohne Netzintelligenz gar nicht mehr auskommen können und wollen. Schaut man sich die von Eisel zitierten Studien etwas genauer an, sieht man auch dort die Dynamik der digitalen Transformation für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sich quer durch alle Bevölkerungsgruppen vollzieht.

So geht der Internet-Zuwachs in Deutschland vor allem von den über 60-Jährigen aus, von denen inzwischen 43 Prozent im Netz aktiv sind. 169 Minuten sind die Onliner täglich im Netz – eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 36 Minuten. Das liegt vor allem am Siegeszug von Smartphones und Tablets.

Aber, sagt jetzt wiederum Stephan Eisel, der Aktivitätsgrad im Internet sei doch viel geringer als viele Internet-Aktivisten tatsächlich wahrnehmen wollen. Er erwähnt die Zahl der regelmäßigen Nutzer von Facebook, die man auf rund 26 Millionen schätzt. Zur regelmäßigen Nutzergruppe werden auch jene gezählt, die sich nur ein einziges Mal im Monat einloggen. Das habe mit Aktivität wenig zu tun, so Eisel.

Er sollte sich die Statistik noch einmal etwas genauer anschauen, denn von den registrierten Nutzern sind 19 Millionen jeden Tag auf Facebook unterwegs – also knapp ein Viertel der deutschen Bevölkerung und nicht die vom früheren Kohl-Ghostwriter angeführten drei bis vier Prozent.

Ja aber, erwidert dann Meister Eisel, Like-Klicks könne man doch nicht mit einem fundierten Diskurs verwechseln, der in einer Demokratie so wichtig sei. Er könnte noch auf die von Jakob Nielsen vor sieben Jahren aufgestellte 90-9-1-Regel für Online-Communities verweisen. Demnach konsumieren 90 Prozent die Informationen eher passiv, neun Prozent tragen gelegentlich etwas mit Beiträgen bei und nur ein Prozent sind wirklich aktiv bei der Erstellung von Inhalten. Aber auch diese These aus den Frühzeiten des Social Webs hat sich erledigt.

Nach Analysen von BBC ist die Nielsen-Verteilung nicht mehr zu halten, da sich heute bereits mindestens 17 Prozent der Menschen intensiv im Social Web beteiligen. 60 Prozent sind aktiv beim Hochladen von Fotos, beim Start von Diskussionen oder bei der Gründung von Initiativen, da das technische Rüstzeug für die Beteiligung im Social Web immer komfortabler und einfacher in der Handhabung wird. Man kann es selbst ausprobieren, wenn es beispielsweise um Liveübertragungen geht, die früher nur mit schweren Geräten und Ü-Wagen möglich waren. Heute genügt eine halbwegs vernünftige Webcam, ein USB-Mikro und ein Laptop – fertig ist das Fernsehstudie und man kann Dienste wie Google Hangout on Air nutzen. Mit kleinem Budget, ohne Technikaufwand und ohne großen Personalaufwand.

Streamcamp-Komplett

Wie das geht, demonstrieren wir in vier Wochen beim StreamCamp in Köln. Da könnten wir die Möglichkeiten des Social Webs weiter diskutieren in einer Session – natürlich mit Livestreaming ins Netz 🙂

Meine Eisel-Replik kann man ausführlich im Debattenmagazin „The European“ nachlesen.

So sieht sie aus, die Mauerpolitik im Netz: SPD, Grüne, CDU und FDP mauern gegen Transparenz im Landtag.

Auch da sollte man am Ball bleiben: Coming soon: Buch zum NSA-Überwachungsskandal

Mehr direkte Demokratie wagen! ichsagmal-Interview-Reigen zur Netzpolitik: Heute mit @nowanda1

Bedarf für netzpolitisches Engagement
Bedarf für netzpolitisches Engagement

In ihrem Blogpost verweist Anke Knopp @nowanda1 auf einen berechtigten Einwurf der Bertelsmann-Stiftung zum Ausgang der Bundestagswahl:

„Niedrige Wahlbeteiligung, die Fünf-Prozent-Hürde und der Anteil nichtwahlberechtigter Ausländer führen dazu, dass die im Deutschen Bundestag gewählten Abgeordneten lediglich 53,6 Prozent aller Einwohner Deutschlands im wahlfähigen Alter repräsentieren bzw. nur 59,5 Prozent aller Wahlberechtigten. Ähnliche Legitimitätsprobleme zeigen sich auch bundesweit in vielen Direktwahlergebnissen. So reichten im Wahlkreis Berlin-Mitte, dem Sitz des Bundestages, am vergangenen Wahlsonntag die Erststimmen von lediglich 13,4 Prozent aller Bürger im wahlfähigen Alter aus, um das Direktmandat für den Bundestag zu gewinnen.“

So richtig fett hat sich die Wahlbeteiligung ja nicht nach oben entwickelt. Von 70,8 auf immer noch magere 71,5 Prozent. Grund genug auch für die etablierten Parteien, sich Gedanken über neue Beteiligungsmöglichkeiten im politischen Diskurs Gedanken zu machen.

Weniger auf das Delegierten-Prinzip setzen, mehr Mitbestimmung in den Parteien einräumen, stärker auf schnelle Dialogformate des Netzes setzen und Stimmungen über richtungsweisende Entscheidungen abrufen – wie etwa die Entscheidungen zur Regierungsbildung oder Steuererhöhungen. All das kann mit einfachen Satzungsänderungen eingeführt werden, ohne das Grundgesetz im Ganzen ändern zu müssen.

Wenn es um Eindämmung des Funktionärstums geht, sollten allerdings auch größere Lösungen angestrebt werden, wie die Reduzierung der Verweildauer im Parlament. Anke Knopp hält zwei Legislaturperioden für ausreichend – in Bund, Ländern und Kommunen. Zudem sollten sich die Netzaktivisten in unterschiedlichen Politikfeldern engagieren, die immer stärker in den Sog der digitalen Transformation fallen. Von Bildung bis Wirtschaft. Wenn es um eine Stadtplanung 2.0 geht, könnten Netzaktivisten mit ihrer fachlichen Expertise vorangehen und den Entscheidungsträgern Wege aufzeigen, wie man eine Kultur der Beteiligung entfalten kann.

Es zählen Taten und keine Neuland-Belustigungs-Shitstorms, an denen ich allerdings nicht ganz unbeteiligt war 😉

Wer sich an diesem netzpolitischen Diskurs beteiligen möchte via Hangout-Interviews, sollte sich einfach bei mir melden. gunnareriksohn@gmail.com

Siehe auch:

Diskurshäuflein mit Katzenjammer (so klein ist der Haufen doch gar nicht, gs)

Was die NEOS richtig gemacht haben.

Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss.

Netzintelligenz im Service und Plattform-Gigant Apple – Zweimal #Bloggercamp.tv heute Abend

Um die Sache mit den Postings heute zu vereinfachen, findet Ihr hier unsere beiden Sessions von Bloggercamp.tv (Einbettung erfolgt jeweils kurz vor der Live-Schaltung via Hangout on Air).

Ab 18:30 Uhr sprechen wir über die vernetzte Service-Ökonomie jenseits von Hotline-Blödheit mit Pascal van Opzeeland von userlike, Matthias Meisdrock von OMQ, Alexander Keck von Einfach machen lassen (cooler Firmenname, gs) und
Mark Egert von dozeo. Die glorreichen Vier haben sich bekanntlich zur Deutschen Service Allianz zusammen geschlossen.

Ab 19:30 geht es um den Plattform-Champion aus Cupertino und die Frage: Wollen nicht alle so sein wie Apple?

Diskutanten sind bisher Bernhard Steimel von der Unternehmensberatung Mind Business und Marco Ripanti von Spreadly sowie ekaabo.

Twitter-Zwischenrufe währende der Live-Runden mit dem Hashtag versehen.

Man sieht und hört sich heute Abend hoffentlich.

Moderatoren für virtuelle Gesprächsräume: Unternehmen brauchen Medien- und Inszenierungskompetenz

Bloggercamp.tv-Session mit dem Fraunhofer-Institut
Bloggercamp.tv-Session mit dem Fraunhofer-Institut

Zwei Drittel unserer Büroarbeitszeit bestehen aus Kommunikation – Gespräche mit Kollegen, Telefonate, Sitzungen, E-Mails, Berichte, Memos, Flurfunk und immer stärker auch Videokonferenzen.

„Das ist ein recht stabiler Wert, den wir in unseren Umfragen ermittelt haben. Und häufig entsteht der Vorwurf, dass man ja nicht nur kommunizieren, sondern auch ‚schaffen’ müsse. Dabei ist Kommunikation doch Arbeit und sollte technisch, organisatorisch und didaktisch professionalisiert werden“, fordert Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation im Bloggercamp.tv-Interview.

Kommunikationskompetenz sei aber in fast allen Unternehmen und in der Management-Ausbildung ein eher unterbelichtetes Thema.

„Eine erweiterte Medien- und Inszenierungskompetenz wird nicht vermittelt. Das sollte aber die gleiche Relevanz bekommen wie die Technologie“, so die Erkenntnis von Hofmann.

Fraunhofer moniert die mangelhafte Schulung. Dieses Thema gehöre dringend auf die Agenda der Personalabteilungen. Man benötige jetzt vor allem ein Verständnis für visuelle Medien, um die Vorteile der Videokommunikation voll auszuspielen. In virtuellen Gesprächsräumen müsse anders moderiert werden. Hofmann spricht von virtuellen Führungsfähigkeiten in neuen Team-Konstellationen, die sich aus der Zusammenarbeit in einer virtualisierten Welt herauskristallisieren.

Bei der Videokommunikation könne über die Moderatoren-Rolle die Interaktion in Unternehmen beflügelt werden. Über E-Mail und Telefon dominiere die klassische Arbeitsteilung:

„Es ist sehr mühsam, über einen reinen Audiokanal zu diskutieren. Teilnehmer gehen auf Tauchstation, beschäftigen sich mit anderen Dingen oder sind genervt. Als Moderator hat man keine Chance, dagegen etwas zu machen oder auf die Stimmungslage einzugehen“, berichtet Hofmann von den Ergebnissen einer Vergleichsstudie ihres Instituts.

Am Ende benötige man eher wieder einen Kommando-Stil, um überhaupt Ergebnisse zu erzielen. Bei audiovisuellen Gesprächen sei das anders. Man komme zwar nicht schneller zu Arbeitsergebnissen, aber die Qualität ist wesentlich besser.

Als Hemmschuh für die Popularisierung der Videokommunikation sieht Hofmann die Fehler der Vergangenheit und die Reduktion der Vorteile auf die Einsparung von Reisekosten.

„Die Technik war schwerfällig, unzuverlässig und stand häufig nur in der obersten Chefetage, wo sich keiner hinwagte. Zudem war man froh, wenn ein IT-Mitarbeiter um die Ecke schaute, der das Ganze aktivieren und regeln konnte. Einen spontanen Einsatz gab es nicht. Systeme, die man nicht regelmäßig im Arbeitsalltag nutzt, setzen sich nicht durch“, sagt Hofmann.

Und diese Zeit sei noch gar nicht so lange her. Die Stabilität, Nutzerfreundlichkeit und Integrationsfähigkeit seien wichtig, um Videokommunikation am Arbeitsplatz zu etablieren. Auch die Belastung der Unternehmensnetze müsse geklärt werden, sonst scheitert man am Widerstand der CIOs.

Zu den Fraunhofer-Studienergebnissen siehe auch: Unternehmenskommunikation – Video schlägt Telefon und E-Mail.

Auf der Suche nach Einfachheit: Videokommunikation für den Mittelstand

Mit der Frage der Moderatorenrolle in virtuellen Gesprächsräumen sollte sich auch das StreamCamp beschäftigen – es geht eben nicht nur um Technologie!

Henne, Ei, Angebot oder Nachfrage – Wer ist Schuld am langsamen Internet? #Bloggercamp.tv

Merkel-Gipfel mit Männern in dunklen Anzügen: Foto von Hannes Schleeh
Merkel-Gipfel mit Männern in dunklen Anzügen: Foto von Hannes Schleeh

Heute Abend diskutieren wir in unserer zweiten Bloggercamp.tv-Session, um 19:30 Uhr mit Constantin Mang vom ifo Institut, Zentrum für Bildungs- und Innovationsökonomik, über die Frage, warum unser Netz in Deutschland so lahm ist.

Das ifo Institut kommt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium zu dem Schluss, dass es an der schwachen Nachfrage liegt – warum überrascht mich das jetzt nicht….

Dazu die ifo-Studie:

„Vor 15 Jahren wurden die Telekommunikationsmärkte in Deutschland liberalisiert. Die Verbraucher profitierten damit nicht nur von sinkenden Preisen, sondern auch von der Verfügbarkeit immer schnellerer Netze. Gab es Anfang 2005 beispielsweise noch so gut wie keine Internetanschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von mehr als 3 Mbit/s, kann heute jeder zweite in den Genuss eines Hochgeschwindigkeitsanschlusses mit mindestens 50 Mbit/s kommen (?????,gs), Zugänge mit 16 Mbit/s sind für knapp 75 Prozent der Bevölkerung verfügbar und rund 85 Prozent der Bevölkerung haben die Möglichkeit, zumindest eine Leitung mit 6 Mbit/s nutzen zu können. (äh, an der Rechnung stimmt doch irgendwas nicht, gs).

Allerdings hinkt die Nachfrage hinterher. 70 Prozent aller Internetanschlüsse in Deutschland weisen eine Zugangsgeschwindigkeit von nur 6 Mbit/s oder weniger auf, und lediglich 10% der Haushalte mit Internetanschluss haben eine Leitung mit 16 Mbit/s. „Auch wenn in ländlichen Gebieten die Verfügbarkeit von schnellen Breitbandanschlüssen sicher noch zu wünschen übrig lässt, zeigt dies, dass ein Großteil der Bevölkerung hohe Anschlussgeschwindigkeiten verhältnismäßig wenig nachfragt“, erklärt Prof. Dr. Oliver Falck, Stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Bildungs- und Innovationsökonomik. Des Weiteren ist auch das Datenvolumen pro Nutzer nicht in dem Maße gestiegen wie erwartet. Bei leistungsgebundenen Internetanschlüssen lag es in den vergangenen Jahren bei 12 Prozent, die prophezeite Explosion im Datenverkehr pro Nutzer lässt also weiterhin auf sich warten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Mobilfunk. Auch dort ist die Nachfrage nach den schnellen LTE-Tarifen eher verhalten. So verfügt zwar die Hälfte der Haushalte an ihrem Wohnort über LTE-Netzabdeckung, aber die Zahl der LTE-Kunden beträgt gerade mal 1,12 Mio., bei aktuell 40 Mio. Nutzern mobiler Datendienste.

Anwendungen mit Wachstumspotenzial können Nachfrage stimulieren

Eine Erklärung für die geringe Nachfrage ist, dass noch zu wenige überzeugende An-wendungen für Nutzer existieren (wie sollen sich diese Anwendungen denn entfalten bei einer schlechten Infrastruktur?, gs). Der Blick auf die Inhalte des Datenverkehrs offenbart, dass in Europa sowohl im Fest- als auch im Mobilfunknetz ca. 40% des Datenverkehrs auf Streaming-Dienste entfallen, in den USA sind es sogar 70%. „Geht man davon aus, dass die Nachfrage nach schnellen Anschlüssen vor allem auf Unterhaltungsdienste zurückzuführen ist, könnte dies die Zurückhaltung der Verbraucher erklären. So sehen Internetznutzer mit Satelliten- oder Kabelfernsehen eventuell nur wenig Nutzen darin, über internetbasierte Dienste fernzusehen“, kommentiert Falck.“

Mehr Vernetzung bitte
Mehr Vernetzung bitte

Nun ja, genügend Stoff für eine interessant Debatte Constantin Mang. Wer sich übrigens in der Sendung mit Constantin Mang kontrovers auseinandersetzen möchte, ist herzlich eingeladen. Schnell bei mir oder Hannes Schleeh melden. gunnareriksohn@gmail.com Wer sich während der Liveübertragung via Twitter an der Diskussion beteiligen möchte, benutzt bitte als Hashtag. Man hört und sieht sich hoffentlich heute Abend.

Meine Position dürfte bekannt sein 😉

Die Netzbetreiber argumentieren ja ähnlich wie ifo und Wirtschaftsministerium: VATM-Studie: Zur Lage der TK-Dinosaurier – Warum Apple und Google besser sind. Dr. Roman Friedrich von Booz & Co. kommt da zu einer ganz anderen Erkenntnis:

„Es gibt eine ganz starke Korrelation zwischen der Infrastruktur-Ausstattung eines Landes und dem Sozialprodukt. Hier fallen wir zurück. Im weltweiten Maßstab sinken unsere Investitionen für Festnetz, Mobilfunk und Breitbandkommunikation. Wir verschenken damit Wachstum. Das ist leider ein Ergebnis der Regulierung.”

Oder auch: Ideenlose Beamten-Elite: Keine Netzvisionen.

Und nicht zu vergessen:

Altherren-IT-Gipfel, Krankenakte digitale Wirtschaft und leere Versprechen eines Ministers.

Jetzt live: #Bloggercamp.tv zum einjährigen Jubiläum von Hangout on Air

Ab 18:30 Uhr.