Führungskräfte im Social Web – Einfluss statt Autorität? Live-Hangout um 12 Uhr mit @ChristianeAhoi

Was muss sich ändern, damit Führungskräfte ein anderes Führungsverständnis entwickeln. Twitter & Co. könnten helfen, die klassischen Managementkonzepte über Bord zu werfen. Dazu habe ich in den vergangenen Jahren ja immer wieder Interviews geführt – mit twitternden Chefs, mit Persönlichkeiten wie Harald Schirmer von Continental und mit vielen Kennern der Netzszene.

Heute geht es um das Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“. Mit der Co-Autorin Christiane Brandes-Visbeck aka @ChristianeAhoi werde ich via Live-Hangout über das neue Opus diskutieren. Ihr könnt mitdiskutieren über die Chatfunktion von YouTube.

Man hört, sieht und streamt sich um 12 Uhr 🙂

Schöne Steilvorlage für das heutige Interview: Manager meiden Transparenz und offene Netzwerke

Werkzeuge gegen Organisationen im Befehlsmodus @fonski_berlin

FonskiVerlagBerlin

In meinem letzten Live-Hangout via Google+ mit Lydia Krüger aka @fonski_berlin sind einige Methoden zur Sprache gekommen, wie man Hierarchie-Organisationen intern und extern auseinander nehmen kann:

Spielerisch mit dem Quartett Kampf der Abteilungen, in Meetings mit dem Notizblock Buzzword-Bingo und für Rhetorikschlachten mit autoritären sowie cholerischen Führungskräften können ab September Antwortkarten gegen Totschlag-Argumente zum Einsatz kommen.

Man hört, sieht und streamt sich künftig ohne Hangout on Air als eigenständigen Dienst von Google

Sommerinterview: Hierarchie à la „Ich Chef, du nix.“ @Fonski_Berlin

Alltag im Angestelltenkäfig
Alltag im Angestelltenkäfig

ichsagmal.com-Sommerinterview mit Lydia Krüger, Jahrgang 1972, Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation (HdK Berlin), Master Communications Managment (USI Lugano), TV-Redakteurin, PR-Beraterin, zuletzt Pressesprecherin und Leiterin Unternehmenskommunikation bei einer großen Versicherung. Sie bloggt auf Büronymus.de über die menschliche Seite der Arbeit und entwickelt und verlegt satirische Spiele mit ihrem Fonski-Verlag.

Sie schreibt gerade ein Buch darüber, wie sie eine Hierarchie-Organisation überlebt hat

Titel: HORGs* sind tot – sie wissen es nur noch nicht (*Hierarchie-Organisationen)

Ihr Thesen für das Sommerinterview am Mittwoch, den 17. August um 10 Uhr:

  1. Viele Unternehmen in Deutschland sind in ihrer Unternehmenskultur/Führungskultur in den 50er Jahren steckengeblieben, insbesondere hierarchische Organisationen wie Konzerne, Institutionen, Behörden. („HORGs“)

– Da helfen auch Lippenbekenntnisse (Vision, Leitbild) nichts – genauso wenig wie das blinde und mechanistische Umsetzen neumodischer Konzepte (Führungskraft als Coach, laterale Führung, das Mäuse-Prinzip o. ä. Quatsch).
2. HORGs haben starke Ähnlichkeiten zum DDR-System (oder irgendeinem anderen repressiven System) – mit denselben Auswirkungen auf die Psyche.
3. HORGs machen Menschen krank. Oder um es anders auszudrücken: Als gesunder Mensch hat man es schwer in einem solchen Biotop. Also wird man krank. Erst leidet die Psyche unter den ständigen inneren Konflikten (gesunder Menschenverstand vs. Realität in der HORG, „Businesstheater“), später kommen ggf. körperliche Krankheiten dazu. Es wird viel zu viel von außen auf die Menschen geschaut und viel zu wenig darauf, was dieses Systeme mit ihnen machen. Deshlab blogge ich auf Büronymus.de über „die menschliche Seite der Arbeit“.
4. HORGs sind ineffektiv.
Eine Firma, die eine Person abstellt, um Deckblätter für die Prozessbeschreibungen zu basteln, hat sie nicht mehr alle. Ich wundere mich immer, wie lange solche dysfunktionalen Organisationen trotzdem noch bestehen bleiben. Oft ist es nur „too big to fail“. Langfristig sind sie aber zum Scheitern verurteilt.
5. HORGs sterben aus. Denn niemand, der einigermaßen bei Verstand ist, wird sich in Zukunft auf so eine Arbeitswelt einlassen. Oder wie Thomas Sattelberger es in dem Film „Alphabet“ formulierte, sich „in Ketten legen lassen“.

Gründe:
a) Bevormundung & Bürokratie
Junge Leute (oder andere Digital Natives), die im Netz aufgewachsen sind, sind es gewohnt, über alle Infos zu verfügen, sehr viel selbst zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen. Und dann kommen sie in eine Organisation, wo sie erst mal ein Treppenbegehungsseminar absolvieren müssen. Da sagt man ihnen dann, dass sie sich immer schön am Geländer festhalten sollen. Ich denke mir das nicht aus. Da fühlt man sich doch veräppelt. Aber die meinen das ernst. Reinhard K. Sprenger spricht von einer Infantilisierung der Mitarbeiter. Es gibt extrem absurde Situationen und Persönlichkeiten – das nehme ich in meinem Kollegen-Quartett „Kampf der Abteilungen“ auf die Schippe.

b) Arbeitszeiten
– Junge Leute (oder andere Digital Natives) haben gesehen, wie ihre Eltern ihr Leben lang geschuftet haben und dann pünktlich zum Renteneintritt tot umgefallen sind – die wollen das nicht mehr. Die wollen jetzt leben – und die meiste Zeit des Tages verbringen wir nun mal mit Arbeiten. Entweder die Arbeitszeit wird reduziert (Wer sagt eigentlich, dass jeder Job in exakt 40 Wochenstunden zu schaffen ist?)

c) Hierarchie à la „Ich Chef, du nix.“
– Dass da jemand kommen kann ohne Know-how und einem Vorschriften machen darf nur aufgrund seines Status – das erschließt sich nicht für jemanden, der anders aufgewachsen ist.

HORGS haben nur drei Argumente auf ihrer Seite: Geld, Sicherheit, Glamour. Der Glamourfaktor, also der große Name, ist als erstes weg, wenn man merkt, wie spießig es dort zugeht. Ich weiß von einem großen Sportartikelhersteller, der über viele Jahre nicht mal ein Intranet hatte. Oder ein Weltkonzern, der chauvinistisch und frauenfeindlich agiert. Wer tut sich sowas noch an? Sicherheit ist auch nicht mehr das, was es mal war. Bleibt das Geld. Und das ist für viele nicht mehr das stärkste Argument.

Fazit:
Junge Menschen werden abgeschreckt, kreative Menschen werden abgeschreckt, sensible Menschen werden abgeschreckt, Querdenker, Freigeister, Innovatoren. Das sind aber genau die Menschen, die die Unternehmen dringend brauchen. Da klafft eine riesige Lücke zwischen dem, was sie brauchen und dem, was sie anziehen. Sie ziehen nämlich vor allem bequeme Leute an, die es gern sicher, warm und trocken haben und dafür in Kauf nehmen, ihre Persönlichkeit und ihre Kreativität an der Garderobe abgeben zu müssen.

Die Schere geht immer weiter auseinander zwischen Unternehmen, die ganz weit vorne sind (Augenhöhe, Musterbrecher, Holacracy) und denen, die in den 50ern steckengeblieben ist. Angestellte werden mit den Füßen abstimmen.

Mitdiskutieren über die Google Plus-Seite – Fragebutton des Webplayers einsetzen oder via Twitter mit dem Hashtag #AufstandderKreativen

Über den Niedergang des homo hierarchicus

Balanceakt

Am Wochenende habe ich ja schon angedeutet, dass ich mich an einer Theorie der Sozialen Ökonomie abarbeite. Eher der fragmentarische Versuch, ein neues Verständnis für die Wirkungen des Digitalen und Social Webs zu entwickeln. Für meine Mittwochskolumne habe ich jetzt erst mal den Anfang fertig. Mein Titelvorschlag: Die neuen Autonomen – Über den Niedergang des homo hierarchicus.

Führungskräfte der Wirtschaft verfügen über zu wenig Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien und setzen weiterhin auf hierarchisch gesteuerte Entscheidungen. Das zeigt die Capgemini-Studie „Digitale Revolution“. Im Arbeitsalltag gehen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.

„Fest steht, dass der Erfolg von Transformationsprojekten heute in den Händen von Führungskräften liegt, die häufig nicht gewillt oder nur schlecht auf diese Herausforderung vorbereitet sind“, so die Studien-Autorin Imke Keicher.

Die Gründe für diese Abwehrhaltung sind vor allem die Angst um den Einfluss- und Statusverlust (47 Prozent) und die dichte Taktung der Veränderungsprojekte in den vergangenen Jahren, bestätigen 40 Prozent der Befragten.

74 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sich Veränderungen nur schwer von außen aufzwingen lassen, wenn die Mitarbeiter dazu innerlich nicht bereit sind. Für eine erfolgreiche Veränderung kommt es nicht nur darauf an, Fakten zu vermitteln (57 Prozent Zustimmung), erfolgskritisch ist es, Menschen emotional zu erreichen und für den Wandel zu begeistern (85 Prozent Zustimmung). Betrachtet man allerdings die in der Praxis angewandten Methoden, so überwiegt die fachlich-sachliche Ansprache entlang der etablierten Hierarchiestrukturen.

Einstellung und Wirklichkeit driften besonders auseinander, wenn es um den Einsatz sozialer Medien geht – den sogenannten Enterprise 2.0-Anwendungen. 65 Prozent der Befragten geben zu Protokoll, dass sie sich eine Arbeitserleichterung durch den Einsatz solcher Anwendungen versprechen. Aber nur für 15 Prozent spielen die vorhandenen 2.0-Anwendungen eine unverzichtbare oder große Rolle. Zwar werden bereits verschiedene „digitale“ Werkzeuge genutzt, jedoch sind Führungskräfte zögerlich, wenn es um den Einsatz „echter“ Enterprise 2.0-Anwendungen geht.

„Die digitale Transformation liegt noch in weiter Ferne, besonders wenn es darum geht, Mitarbeiter in den Veränderungsprozess einzubinden und einen Austausch über alle Hierarchiestufen hinweg zu ermöglichen“, betont die Capgemini-Beraterin Keicher.

Führungskräfte tappen im Dunkeln

Die Zurückhaltung gegenüber den neuen digitalen Anwendungen begründen 64,6 Prozent der Studienteilnehmer mit mangelnder Erfahrung. Es könnte natürlich auch etwas ganz Anderes hinter den Blockaden stecken.

Sind es wirklich „Change-Aversionen“, die dem „Wandel“ entgegenstehen? Vielleicht ist es das Substrat einer pseudo-modernen Organisation, entworfen auf dem Reißbrett von Planungs- und Prozessfanatikern, das man krampfhaft bewahren will.

Zum Lieblingsvokabular der Manager zählen doch Ziel, Optimierung, Strategie, Change, Projekt, Performance, Evaluation und der berühmte Prozess, wie Christoph Bartmann „Leben im Büro“ sehr schön ausgebreitet. Eine semantische Powerpoint-Brühe, die das bürokratisch-industrielle Büroleben prägt – angetrieben von einem Gemisch aus BWL und IT. Ein Regime der Standards, Formulare, Meetings, Organigramme und To-Do-Listen. Das Ganze wird von einem Mehltau an Sprachregelungen, Leerformeln, Zielen, Strategien und operativen Handlungsanweisungen überzogen. Wichtigtuerei, gesteuert von einem rhetorischen Autopiloten – programmiert von neunmalschlauen Consulting-Päpsten, die sich mit Binsenweisheiten über Wasser halten.

So langsam dämmert es den Controlling-Süchtigen, wie soziale Medien dieses Konglomerat des Prozess-Managements untergraben. Eine Kultur der Beteiligung, die in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik immer stärker eingefordert wird, entlarvt die Seifenblasen der Funktions- und Positionselite, die sich zur letzten Abwehrschlacht in Erdlöchern verkriecht. Ein Grabenkampf, um Pfründe zu retten, wie beim Leistungsschutzrecht. Soweit der Anfang, der noch mit schönen Beispielen verfeinert wird. Aber dazu mehr am Mittwoch. Meine Kolumne erscheint ja immer so gegen 9 Uhr. Ob daraus dann eine Theorie der Sozialen Ökonomie entsteht, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht machen wir daraus auch ein Buchprojekt und folgen dem Experiment des SZ-Redakteurs Dirk von Gehlen auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. Ich unterstütze dieses Vorhaben übrigens mit 30 Euro. Bin gespannt auf das Ergebnis im Frühjahr des nächsten Jahres. Wird Dirk von Gehlen doch bestimmt auf der republica vorstellen, oder?

Kolumne in der vergangenen Woche: Grenzwächter des Internets. Dubai und so weiter….

Warum im Chor der analogen Defensivdenker das Klagelied vom Kontrollverlust ertönt

Der niederländische Soziologe Jan van Dijk von der Universität Twente entwirft ein höchst misanthropisches Gemälde der Netzwirklichkeit:

„Das Internet führt nicht zu mehr Demokratie und Gerechtigkeit. Vielmehr verstärkt die global vernetzte Gesellschaft die Ungleichheit auf allen Ebenen – zwischen Staaten ebenso wie zwischen Organisationen und Individuen. Immer weniger Firmen/Menschen werden immer größer/mächtiger (die ‘Knoten’ im Netzwerk), während gleichzeitig immer mehr Firmen/Menschen immer unbedeutender werden (der ‘Long Tail’). Die Mitte verschwindet – und damit der Kitt zwischen den beiden Polen.“

Seine Thesen habe ich ja ausführlich dokumentiert.

Auf Service Insiders habe ich auf diese altbekannten Thesen, die auch von der anderen Web-Kritikern vertreten werden, noch einen weiteren Konter gesetzt. Titel: Wir sind das Netz: Warum Hierarchien in Wirtschaft und Politik zerbröseln. Das Netz befördert in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik eher die antihierarchischen Formationen. Warum ertönt denn im Chor der analogen Defensivdenker das Klagelied vom Kontrollverlust? Warum gibt es massive Bestrebungen, Netzfreiheiten über Sperren, Verbote und Abmahnorgien zu beschränken?

Netz-Eingeborene revoltieren gegen Obrigkeitsdenken

Der polnische Dichter Piotr Czerski hat die Befindlichkeit der Netz-Eingeborenen in einem Gastbeitrag für die Zeit auf den Punkt gebracht: Die junge Generation stört sich an traditionellen Geschäftsmodellen und Obrigkeitsdenken:

„Unser Verständnis von sozialen Strukturen ist anders als eures: Die Gesellschaft ist ein Netzwerk, keine Hierarchie. Wir sind es gewohnt, das Gespräch mit fast jedem suchen zu dürfen, sei er Journalist, Bürgermeister, Universitätsprofessor oder Popstar, und wir brauchen keine besonderen Qualifikationen, die mit unserem sozialen Status zusammenhängen. Der Erfolg der Interaktion hängt einzig davon ab, ob der Inhalt unserer Botschaft als wichtig und einer Antwort würdig angesehen wird. Und da wir, dank Zusammenarbeit, ständigem Streit und dem Verteidigen unserer Argumente gegen Kritik das Gefühl haben, dass unsere Meinungen einfach die besseren sind, warum sollten wir dann keinen ernsthaften Dialog mit der Regierung erwarten dürfen“, fragt sich Czerski.

„Was uns am wichtigsten ist, ist Freiheit. Redefreiheit, freier Zugang zu Information und zu Kultur. Wir glauben, das Internet ist dank dieser Freiheit zu dem geworden, was es ist, und wir glauben, dass es unsere Pflicht ist, diese Freiheit zu verteidigen. Das schulden wir den kommenden Generationen, so wie wir es ihnen schulden, die Umwelt zu schützen“, so der polnische Dichter.

Bannfluch könnte auch Facebook und Google erreichen

Wer gegen diese Grundsätze verstößt, bekommt die Wucht des Netzprotestes zu spüren, der im Ernstfall auch auf der Straße ausgetragen wird, wie man am Widerstand gegen das Handelsabkommen ACTA ablesen kann. In Wahrheit geht es hier nicht um den Schutz des geistigen Eigentums über sinnvolle urheberrechtliche Regelungen, sondern um schnöde Verwertungsrechte alteingesessener Wirtschaftskonglomerate, wie es der Publizist Wolfgang Michal in einer Breitband-Gesprächsrunde von Deutschlandradio Kultur treffend formulierte.

Sollten Facebook, Google und Co. mit ihrer rüden Friss-oder-stirb-Geschäftspolitik weitermachen, wird sich der Bannfluch auch auf die amerikanischen Internet-Giganten übertragen.

„Die meisten Jugendlichen haben bis zu ihrem 20. Lebensjahr Tausende Computerspiel-Stunden hinter sich und eignen sich dadurch Fähigkeiten und Denkmuster an, die der älteren Generation völlig fremd sind“, sagt Moshe Rappoport von IBM. Analog zu Computerspielen, wo man mit Risikoverhalten schnell zum Ziel komme und nach einem „Game Over” einfach neu beginne, zeichne sich die junge Generation durch Risikobereitschaft und schnelles Handeln aus, erklärt Rappoport. Diese Denkweise spielt auch bei der Akzeptanz neuer Technologien eine wichtige Rolle. Es gibt im Netz keine in Stein gemeißelten Formationen für die Ewigkeit. Gestern Myspace, heute Facebook und Google+, morgen etwas ganz anderes. Den Faktor Unberechenbarkeit können auch die amerikanischen Web-Konzerne nicht aus der Welt schaffen, so meine Ausführungen in einem Beitrag für die absatzwirtschaft.

Die Kleinen nagen an den Großen

„Was immer Soziologen, Skeptiker und Publizisten über die Evolution des virtuellen Raums sagen, es bezieht sich in erster Linie auf sie selbst, auf ihr Weltbild und den wissenschaftlich trainierten Drang, eine prophetische Spur zu hinterlassen. Die Frage: wer mein User-Verhalten bestimmt, beantworte ich ganz klar mit: Ich. Aber, ist das wirklich so? Gäbe es keine Sozialen Netzwerke, würde ich als privater Web2.0-User Texte für die word.doc-Schublade schreiben und als Copywriter, für Kunden. Als Privatier aber nutze ich sämtliche Kanäle, darf mich austoben – wo, wann und mit wem ich will, hole mir Anregungen, Interaktion und schnelles Kurzzeitwissen – alles dreht sich um mich und meine positionierende, selbstdarstellende Ikonologie. Ich kreiere mir ein Universum im Universum – das ist es, wohin uns die Schöne neue Welt führt“, kontert der Blogger Gerald Angerer die Thesen des Soziologen van Dijk.

Das Interesse der Großen sei klar, so der Journalist und Blogger Heinrich Rudolf Bruns: Sie wollen Teile des Netzes für sich, „die Bestrebungen gegen die Netzneutralität und die Vorgänge im Zusammenhang mit ACTA und die nicht enden wollenden Datenschutz-Diskussionen sprechen eine deutliche Sprache.“ Dieses Machtgefüge sei aber nicht mehr unangreifbar:

„Je mehr Kleine sich zusammentun, desto eher werden die Begehrlichkeiten der Großen ausgebremst oder gar unmöglich gemacht. Und: Dass viele Kleine viel erreichen, hat der Arabische Frühling gezeigt, der in der virtuellen Welt seinen Anfang nahm und seinen Rückhalt fand. Und der, lieber Jan van Dijk, zu mehr Demokratie und Gerechtigkeit führte -zumindest in Teilbereichen“, resümiert Bruns.

Siehe auch:
Wir, die Netz-Kinder.