Big Show mit kleinem Budget: #Bloggercamp.tv jeden Mittwochabend nach der Tagesschau :-)

Livestreaming beim StreamCamp - in diesem Jahr in München am 18. und 19. Oktober
Livestreaming beim StreamCamp – in diesem Jahr in München am 18. und 19. Oktober

Hangout on Air ist ein verkanntes Internetmedium: Schon der Name macht das Format in Deutschland nicht eben für den Alltagsgebrauch tauglich. Was steckt aber wirklich an Potenzial und Möglichkeiten im Medium für die TV-Autonomen? Was braucht es an Technik, Know-how und rechtlichen Voraussetzungen? Es gibt schon sehr erfolgreiche Beispiele dafür, wie man das Zwitterformat aus Google Plus und YouTube einsetzen kann. In Bloggercamp.tv haben wir das exzessiv unter Beweis gestellt: Von virtuellen Bier- und Weinproben bis zum Live-Übertragungsmarathon von der Agritechnica in Hannover wurde schon vieles ausprobiert. Selbst Kanzlerin Angela Merkel musste sich von uns „besiegen“ lassen, weil sich die liebwertesten Gichtlinge ihres Beraterstabes wohl nicht ausreichend über die medienrechtlichen Restriktionen im Vorfeld des geplanten Hangouts der Regierungschefin informiert hatte.

Rotations-Merkel
Rotations-Merkel

Hangout on Air, das klingt nicht nach einem seriösen Dienst in deutschsprachigen Ohren. Es hört sich eher wie Abhängen oder Herumhängen an. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Hangout so viel wie die Bude, der Lieblingstreff oder das Stammlokal. Es liegt sicher nicht nur an dem flapsigen Namen, dass die Livestreaming-Technologie auch nach zwei Jahren immer noch wenig genutzt wird. Google Plus, die Plattform, auf welcher der Dienst läuft, befindet sich nicht in einem vitalen Zustand. Anders verhält es sich mit YouTube, der wichtigste Teil des Livestreaming-Dienstes von Google, denn hier werden die Hangouts aufgezeichnet. Wahrscheinlich wird der Suchmaschinen-Gigant die einzelnen Dienste wieder auf eigenständige Füße stellen, was die Akzeptanz von Hangout on Air sicherlich steigern würde.

Aber warum soll Hangout on Air ein Hidden Champion sein, wie wir es in unserem Hanser-Buch beschrieben haben? Es sind die Einfachheit und Schnelligkeit: So einfach, wie man mit diesem Dienst Videos erstellen und als multimedialen Inhalt auf seiner Seite einbetten kann, gibt es das sonst nirgends im Internet. Warum die Youtube-Stars noch nicht darauf gekommen sind, fragt man sich schon lange. Bisher nutzen sie Hangout on Air lediglich, um ihre Fans zu pflegen. Das liegt vielleicht auch daran, dass man bei einer Livesendung hinterher nichts mehr rausschneiden kann, und das sind die Youtuber bislang nicht gewohnt. Was viele nicht wissen: Mit der entsprechenden Software oder Hardware kann man aber auch live schneiden.

Zufall und Handlung

Hangout on Air ist ein faszinierendes und dazu noch kostenloses Tool, um sich der Ästhetik der Live-Übertragung zu verschreiben, wie es der italienische Wissenschaftler und Umberto Eco in seinem Band „Das offene Kunstwerk“ formuliert. Nur das Fernsehen könne Bilder erzeugen und zur Ansicht bringen, während sich die dargestellten Vorgänge ereignen – ohne die Möglichkeit der Wiederholung. Allein in der Improvisation des Jazz sieht Eco eine Parallele zum Live-Fernsehen. Auch der Fernsehregisseur stürze sich in ein Gestaltungsabenteuer. Es geht um Zufall und Handlung. Als Umberto Eco in den 60er Jahren seine Gedanken zur TV-Poetik zu Papier brachte, ging er noch von einem enormen technischen Aufwand mit Ü-Wagen, Regiepult, schweren Kameras und einem exorbitanten Personalaufwand aus. Bei den Social TV-Shows zur Generalversammlung der GLS Bank im Bochumer Ruhr Congress benötigte Bloggercamp.tv zwei Laptops, zwei Logitech-Kameras, ein Mikrofon mit Mischpult und ein winziges Smartphone. Wir machten in zwei Sendungen in jeweils knapp 30 Minuten Außenreportagen, vorproduzierte Einspieler und Interviews mit Vorständen, Filialleitern, Gründungsmitgliedern der ersten sozial-ökologischen Universalbank, wichtigen Kunden sowie Prominenten wie die Starköchin Sarah Wiener.

Social TV-Show mit Sarah Wiener
Social TV-Show mit Sarah Wiener

Wir stellten Bioprodukte vor und übertrugen eine musikalische Kostprobe vom Schauspielhaus Bochum mit ihrem Singspiel „Bochum“. Es gab alle drei bis fünf Minuten ein neues Ereignis, unterschiedliche Kameraperspektiven, Regie und Moderation mit einer technischen Ausstattung, die in eine Reisetasche passt.

„Es soll Fernsehen sein – eine richtige Show mit vielfältigen Elementen, unterhaltsam, trotzdem mit viel Inhalt, ein Dutzend Gäste, mehrere Kameraperspektiven. Es darf nichts kosten, wird aber weltweit ausgestrahlt und mit Produktionsmitteln hergestellt, die wir bereits im Büro besitzen und die mit wenig Personal bedient werden. Big Show – low budget“, beschreibt TV-Journalist Kai Rüsberg aka @ruhnalist die beiden Sendungen, die er produzierte und auch die Regie führte: „Wir wollten unbedingt raus aus dem Studio – live mit Außenreportagen und per Einspielfilm, um einen Zeitsprung zu realisieren.“

Ausführlich in meiner The European-Mittwochskolumne nachzulesen.

Gute Gründe, um jeden Mittwochabend nach der Tagesschau bei den Bloggercamp.tv-Salonisten vorbeizuschauen – nicht bei den Salafisten. Man hört und sieht sich morgen Abend, um 20:15 Uhr.

Live-Show mit Unterhaltungswert – Social-TV mit Hangout on Air #gls40

Social-TV-Studio beim #GLS40 Kongress in Bochum
Social-TV-Studio beim #GLS40 Kongress in Bochum

Jede öffentliche Veranstaltung würde sich für Live-Hangouts eignen, meint Norbert Bolewski in einem Blogbeitrag für die Fernseh- und Kinotechnische Gesellschaft. Das schaffe auch Transparenz in der Gesellschaft.

„Es bietet die Möglichkeit, alles öffentlich zu machen. Man kann über alles berichten was man möchte, um auch gesellschaftliche Prozesse auszulösen oder darzustellen. Bürgerinitiativen sind ein Beispiel. Die Bürgerveranstaltungen mit Infos über die havarierte Atommüllkippe Asse bei Wolfsburg ist eines davon. Man hat auch die Möglichkeit der Archivierung, und kann sich die Diskussionen erneut später in Ruhe anschauen. Es gibt keine rechtlichen Regelungen, wie beispielsweise bei öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, was die Dauer der Verfügbarkeit anbelangt“, schreibt Bolewski und meint damit den Zwang zur Depublizierung, den wir in mehreren Bloggercamp.tv-Sendungen über die Greenscreening-Technik ausgetrickst haben.

In den vergangenen Jahren gebe es aber auch bei der technischen Qualität enorme Fortschritte. Das erkenne man deutlich bei Livestreams im so genannten Content Marketing. Bolewski erwähnt das durchgängige TV-Angebot zur Kieler Woche, das von Audi gesponsert wurde – mit Beiträgen, Zusammenfassungen, Berichten und Ausblicken und täglich live. Ein weiteres Beispiel ist die Staatsoper in München. Als Sponsor konnte die Linde-Gruppe gewonnen werden. Die Livestreams werden bevorzugt gerne im amerikanischen und asiatischen Raum gesehen.

„Es handelt sich hier bereits mehr um eine professionelle Übertragung mit sechs Kameras und zig Mikrofonen.“

Livestreaming biete die Möglichkeit, sich sozial zu vernetzen und durch das Social Web Kommunikationsprozesse neu zu steuern.

„So wurde vor drei Jahren schon ein ganzes Fußballspiel live in Facebook übertragen. Man musste dazu den Like-Button auf der Fanpage eines Bierherstellers anklicken. Die technische Qualität war eher als schlecht zu bezeichnen. Trotzdem hatte der Bierhersteller von einem Tag zum anderen 10.000 mehr Fans auf seiner Webpage. Die Werbewirkung war größer als es je ein deutscher Fernsehsender zu bieten vermag. Das hat übrigens viele Nachahmer gefunden. So überträgt der DFB Livestreams zum Frauenfußball“, weiß der Autor.

Weltweite Angebote gibt es für Cricket-Enthusiasten und selbst die Floorball-Weltmeisterschaft in Hamburg wurde live übertragen – so eine Art Hallen-Hockey mit Eishockeyschlägern.

Kompaktes Live-Programm mit wenig Technik
Kompaktes Live-Programm mit wenig Technik

Social-TV auf dem Niveau einer Magazinsendung zelebrierte Bloggercamp.tv in Live-Hangouts auf der Generalversammlung der GLS Bank im Ruhr Congress. Mit zwei Laptops, zwei Logitech-Kameras, einem Mikrofon mit Behringer-Mischpult und einem Smartphone machten wir in zwei Sendungen in jeweils knapp 30 Minuten Außenreportagen, vorproduzierte Einspieler und Interviews mit Vorständen, Filialleitern, Gründungsmitgliedern der ersten sozial-ökologischen Universalbank, wichtigen Kunden sowie Prominenten wie die Starköchin Sarah Wiener.

Wir stellten Bioprodukte vor und übertrugen eine musikalische Kostprobe vom Schauspielhaus Bochum mit ihrem Singspiel „Bochum“. Redaktioneller Plan, alles drei bis fünf Minuten ein neues Ereignis, unterschiedliche Kameraperspektiven, Regie und Moderation machten das Ganze zu einem abwechslungsreichen Livestreaming-Erlebnis.

Sendeplan: Szenenwechsel im Drei-Minuten-Takt
Sendeplan: Szenenwechsel im Drei-Minuten-Takt

Zwei überraschende Reaktionen kamen direkt nach unserem kleinen Experiment:

„Was Sie da gemacht haben mit geringem technischem Aufwand, da hätten wir vom Bayerischen Rundfunk eine Großübertragung daraus gemacht. So viele Gesprächsgäste und dazu noch Außenreportagen. Das ist beeindruckend, was heute mit der Hilfe des Internets möglich ist“, meint ein Wirtschaftsredakteur des BR.

Und ein Konzernsprecher sagte uns:

„Wir machen auch Live-Streams von unseren Bilanzpressekonferenzen. Die Übertragungen kosten ein paar Tausend Euro plus Kamerateam. Aber solche moderierten Live-Shows sind wirklich auch sehr interessant.“

Hangout on Air ist noch längst nicht ausgereizt für Livestreaming-Experimente 🙂

Das alles könnt Ihr natürlich in unserem Livestreaming-Buch nachlesen. Ab dem 4. September.

Weiterer Auszug aus dem Buch:

Über den Piratensender der Regierungschefin.

Countdown für Social TV: 40 Jahre GLS Bank in Bochum #gls40

Ab 13 Uhr Ausblick auf unsere zwei Sessions, die wir live von der Generalversammlung der GLS Bank im RuhrCongress in Bochum übertragen – Gespräch mit @ruhrnalist.

Erste Session: 16:50 bis 17:20 Uhr.

Zweite Session: 18:40 bis 19:10 Uhr.

40 Jahre Social Banking: Livestreaming auf der Generalversammlung der GLS Bank in Bochum #gls40

Finanzwirtschaft geht auch anders
Finanzwirtschaft geht auch anders

Egal ob es sich um Konjunkturforscher, hochbezahlte Analysten oder Wichtigtuer in Rating-Agenturen handelt. Ihre Zahlenspielchen seien niederschmetternd schlecht, kritisiert der Schriftsteller Hans-Magnus Enzensberger. Es sind Scharlatane mit Triple-A-Syndrom: anmaßend, arrogant und abergläubisch. Ja, abergläubisch. Denn die größten Gewinne fahren die fraktalen Börsenschwätzer mit Moden, Leidenschaften und Wahnvorstellungen ein. Vor allen Dingen in depressiven Phasen der Konjunktur funktionieren die Eseleien der Vermögensberater, Hedge-Fonds-Piraten und Firmenjäger. In keiner anderen Phase trennen sich Menschen schneller von ihrem Geld. Wenn der Crash droht, brennen die Sicherungen durch und es zählt nur der Schlachtruf:

„Rette sich wer kann.“

Treffend spricht der Buchautor Wilfried Stadler auch von den unverschuldeten Leiden der Realwirtschaft. Entsprechend berechtigt sind seine Forderungen, das Bankensystem komplett umzubauen. Finanzinstitute sollten sich darauf konzentrieren, solide Kredite zu vergeben und die ihnen anvertrauten Einlagen abzusichern.

„Wirklich nachhaltige Wertschöpfung kann nur aus einer Finanzwirtschaft kommen, die der Realwirtschaft dient“, so Stadler im Band „Der Markt hat nicht immer recht“ (erschienen im Linde Verlag).

Moral-hazard-Zockereien müssen schlicht verboten werden – also das Eingehen von Risiken auf Kosten anderer. Investmentbanken, die synthetische Wertpapiere bündeln, müssen dafür auch geradestehen. Auch sechs Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise sollte man nicht aus den Augen verlieren, welcher Flurschaden für Volkswirtschaften entstanden ist und wie wenig die Politik bislang regulatorisch eingegriffen hat.

Um so spannender sind Projekte, die einen ganz anderen Weg gehen und mehr Aufmerksamkeit verdienen.

„Es gibt Banken, die zweierlei miteinander zu verbinden suchen: Sie wollen ihre Anleger dafür interessieren, was mit deren Geld geschieht, sobald es anderen Kunden als Kredit zur Verfügung gestellt wird. Es geht ihnen außerdem darum, mit Krediten solche Vorhaben von Unternehmen, Institutionen oder einzelne Menschen zu finanzieren, die dem Gemeinwohl und menschenwürdigen Zielen, nicht aber bloßem Kapitalinteresse dienen“, schreibt der Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen in seinem Opus „Good Bank“.

Das Geld landet nicht in Fonds mit wenig transparenten Inhalten und dem Versprechen auf aberwitzige Renditen, die man mit normalen Mitteln niemals erwirtschaften kann.

Vorreiter eines alternativen Modells ist seit 40 Jahren die GLS Bank, die Dohmen in seinem Buch analysiert. Etwa im Interview mit dem Vorstandssprecher Thomas Jorberg, der das Hauptproblem auf dem Finanzmarkt in unserer Entscheidungsmatrix bei Investitionen und Geldanlagen sieht.

„Bei gleichem Risiko und gleicher Laufzeit entscheidet immer die Höhe des Zinssatzes darüber, was mit dem Geld passiert. Völlig außer Acht lassen wir dabei, was mit dem Geld finanziert wird. Dies sehe ich als den Kern des Problems an.“

Er findet es irrwitzig, dass wir heute überhaupt von Realwirtschaft sprechen müssen. Das müssten wir nur deswegen, weil es im Finanzsektor eine Vielzahl von Geschäften gibt wie Zertifikate oder Derivate, die sich völlig vom sinnvollen Wirtschaften losgelöst haben. Das mache es überhaupt erst notwendig, von Realwirtschaft zu sprechen.

Social Banking, dem sich die GLS Bank verschrieben hat, ist nach den Lektionen der vergangenen Jahre längst kein Randthema mehr. Der Bedarf an nachvollziehbaren und offenen Geschäftspraktiken steigt.

Aktuell will die GLS-Bank dazu beitragen, dass Elektromobilität ihre Tauglichkeit im Alltag beweisen kann, so Jorberg in einer Presseverlautbarung:

„Aber selbstverständlich ist Elektromobilität allein nicht die Lösung der Mobilitätsfrage, sie ist ein wichtiger Baustein. Deswegen investieren wir ebenso in Carsharingkonzepte und fragen uns: Welche neuen Technologien sind notwendig, um Mobilität mit deutlich weniger Lärm, CO2, Flächenversiegelung, Feinstaub und so weiter sicherzustellen?“

Am Freitag werde ich als Moderator in zwei Livestreaming-Sessions über das 40-jährige Jubiläum der GLS-Bank auf ihrer Generalversammlung im RuhrCongress in Bochum berichten. Auf der Agenda stehen Berichte, Außenreportagen und Interviews über Initiativen, Unternehmen und Projekte, aktuelle und historische Ereignisse.

Erste Session von 16:50 – 17:20 Uhr:

Zweite Session von 18:40 – 19:10:

Hashtag #gls40

Man hört und sieht sich am Freitag – natürlich via Hangout on Air 🙂