Auto mit Flügeln ist noch kein Düsenjet: Über die Online-Strategien des Handels

Welche Zukunft hat der stationäre Handel?
Welche Zukunft hat der stationäre Handel?

Online-Geschäft und stationärer Handel greifen angeblich immer besser ineinander. Immer mehr Anbieter würden die unterschiedlichen Vertriebskanäle miteinander verknüfen, um den Kunden ein durchgängiges Einkaufserlebnis zu ermöglichen. Wie im vergangenen Jahr auch, wird der IBM Omnichannel Maturity Index 2013 vom Elektronik-Fachhandel mit Conrad auf dem ersten Platz angeführt, doch die Abstände werden enger: Warenhäuser und Mode schließen auf, allerdings bietet das Fashion-Segment immer noch ein eher uneinheitliches Bild. Der Lebensmittelhandel hinkt aufgrund der geringen Brutto-Margen und der hohen Logistikanforderungen nach wie vor hinterher.

„Die Kunden differenzieren immer weniger zwischen Online und Filiale“, sagt Roland Scheffler, Partner in der Strategieberatung bei IBM Global Business Services.

Stationäres Geschäft und Online-Handel müssten sich deshalb ergänzen und können sich im besten Fall auch gegenseitig beflügeln. Ein nahtloses, durchgängiges Kundenerlebnis sei dabei wichtig für den Erfolg. Kanalübergreifende Kundenbindungsprogramme gehörten dazu. Sie werden derzeit jedoch von weniger als der Hälfte (47 Prozent) der untersuchten Unternehmen eingesetzt.

Auch in diesem Jahr schnitten die großen Elektronik-Händler am besten ab, mit Abstand führend bleibt Conrad. Das Unternehmen erreichte mit 82 Prozentpunkten (Saturn: 66 Prozent, Media Markt: 64 Prozent) die höchste Punktzahl. Insgesamt fünf der besten zehn Unternehmen kommen aus diesem Segment.

Generell trägt der Handel auch dem Trend zum Mobile Business Rechnung: Über eine mobile App verfügen 56 Prozent (Vorjahr 41 Prozent) der untersuchten Unternehmen, eine mobile Website bieten 63 Prozent (Vorjahr 47 Prozent). Mobile Bestellungen sind bei 32 (App) beziehungsweise 54 Prozent (mobile Website) möglich.

Insgesamt kommen die Autoren der Untersuchung zu dem Schluss, dass es bei der Entwicklung integrierter Handelskonzepte nicht den einen „Königsweg“ gibt:

„Wir beobachten, dass die klassischen Filialisten ihre Online-Kompetenz rasch erweitern und die ehemaligen reinen Online-Händler zum Teil sehr erfolgreich ein Filialnetz aufbauen“, behauptet IBM-Mann Scheffler.

Ich sehe das nicht so – zumindest beim stationären Handel sehe ich den Wandel nicht. Auch nicht bei den zitierten Elektronikketten.

„Wenn sie Flügel an ein Auto montieren, wird es trotzdem kein Düsenjet werden. Es geht eben nicht um den Wettbewerb der Vertriebswege, um Omni-Channel. Am Markt entscheidet das Businessmodell. Der Kampf verläuft zwischen Product Centricity gegen Consumer Centricity. Die von IBM ausgelobten Branchensieger, wie Conrad, Saturn und Mediamarkt kämpfen nicht miteinander um ein Omni-Channel-Maturity-Ranking,
sondern um Konsumenten. Ihre Herausforderer halten sich nicht an traditionelle Branchen- und Landesgrenzen um Kunden zu gewinnen, sie organisieren und optimieren Beziehungen und verkaufen nebenbei Produkte. Es handelt sich um die Unternehmen der Netzwerkökonomie, wie Amazon, Ebay, Google und vielleicht auch einmal Zalando“, kommentiert Trendforscher Professor Peter Wippermann.

Ähnlich kritisch kommentiert Smart Service-Blogger Bernhard Steimel den Befund von IBM:

„Omnichannel ist hier nur eine weitere Worthülse. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen bereit sind, konsequent ihre Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und auf Einfachheit, Durchgängigkeit und Konsistenz zu trimmen.“

Multichannel, Cross Channel und jetzt Omnichannel kaum ein Kraut ist gegen die Vergesslichkeit der meisten Unternehmen gefeit.

Die Unternehmen seien zwar auf vielen Kanälen auf Sendung gegangen, ohne die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass man die Kunden entlang dieser Kontaktpunkte wiedererkennt und ihnen ein konsistentes Service-Erlebnis vermittelt.

„Diese Digitale Demenz wird meines Erachtens bis 2020 zum strategischen Wettbewerbsnachteil, wenn der Typus des digital vernetzten Kundens nicht die Ausnahme, sondern der Regel sein wird“, so Steimel.

Wie seht Ihr das? Hat der stationäre Handel in Deutschland wirklich den Amazon-Gong schon gehört und die richtigen Konsequenzen gezogen?

Würde gerne zu dieser Frage ein paar Hangout-Interviews machen. Wer interessiert ist, sollte sich bei mir melden.

Über Spitzenpolitiker, Beamte und Technikrevolutionen: Welche Rolle spielt der Staat? #lunchtalk

Technik-Visionär Heinrich von Stephan
Technik-Visionär Heinrich von Stephan

Wenn wir über die Neuland-Exkursionen der Kanzlerin sowie über die mangelhafte Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft diskutieren, kommt immer wieder die Frage nach der Rolle des Staates auf die Tagesordnung – so auch beim Wiwo-Lunchtalk.

Soll man alles dem Wettbewerb überlassen oder muss die öffentliche Hand selbst ins Steuer greifen? Klar ist wohl die Unfähigkeit des Staates, in Konkurrenz mit Google und Co. treten zu können. Das schafft nur die NSA…Aber von Spitzenpolitikern und Beamten kann man zumindest mehr Weitsicht erwarten beim Umbau der technologischen Infrastrukturen. Etwa wie der von mir hochgelobte preußische Beamte Heinrich von Stephan. Der Generalpostmeister unter der Ägide von Bismarck erkannte sofort die wirtschaftliche und gesellschaftliche Dimension der elektrischen Nachrichtenübertragung und war der Wegbereiter für einen neuen Gründergeist in Berlin.

Mitte Oktober 1877 wurde Stephan ein Bericht der Zeitschrift „Scientific American“ vom 6. Oktober 1877 über Bells Telefon vorgelegt. Schon am 24. Oktober hat er zwei Telefone in Händen. Es waren die ersten Apparate, die überhaupt nach Europa kamen. Schon am gleichen Tage beginnt der Generalpostmeister mit den ersten Versuchen in seinem Amtsgebäude.

„Dann werden das Generalpostamt Berlin, Leipziger Straße und das Generaltelegraphenamt in der Französischen Straße verbunden“, schreibt Hermann Heiden in seinem Buch „Rund um den Fernsprecher“, erschienen 1963 im Georg Westermann Verlag.

Am 26. Oktober erklärt Stephan:

„Meine Herren! Diesen Tag müssen wir uns merken“.

Es war die Geburtsstunde des Fernsprechers in Deutschland.

„Ende 1877 sind es 19 Orte, Ende 1880 bereits 1000 geworden, die über den Fernsprecher Anschluss an das Telegrafennetz erhielten. In Amerika war der Fernsprecher zur Errichtung von Fernsprechnetzen in Städten und zur Herstellung von Privattelegrafenlinien benutzt worden. Dass man ihn zur Erweiterung des staatlichen Telegrafennetzes benutzte, war etwas ganz Neues“, erläutert Heiden.

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Die Widerstände in Deutschland gegen die Einführung des Telefons waren so groß, dass Stephan sich mit der Bitte an die Ältesten der Kaufmannschaft wendet, ihm geeignete Persönlichkeiten zu nennen, die bereit wären, gegen Vergütung die Werbung für den Fernsprecher in die Hand zu nehmen. Die Wahl fällt auf Emil Rathenau, den späteren Gründer der AEG. 1897, im letzten Lebensjahr des Generalpostmeisters, werden in Berlin von neuen Fernsprechämtern 170 Millionen Gespräche vermittelt. Davon 20 Millionen Ferngespräche nach den von Berlin zu erreichenden Orten mit Fernsprechanschlüssen.

Drei Jahre später schreibt die „Berliner Illustrirte“ stolz, dass Berlin mehr Fernsprechanschlüsse habe als ganz Frankreich mit Paris und dass es sogar London und New York übertreffe.

„Die Beharrlichkeit, Weitsicht und Intuition des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan könnten wir heute in Deutschland sehr gut gebrauchen, um für die vernetzte Ökonomie die modernste Infrastruktur zu schaffen. Nur so ist wirtschaftliche Prosperität möglich – von der Logistik bis zur Energiewende“, sagt Systemingenieur Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies.

Interessant ist beispielsweise die Geschichte von DeTeWe. Sie begann 1882, als der mecklenburgische Schlosser Carl Christian Robert Stock nach Berlin zog und eine Anstellung bei einem Zulieferer der noch jungen Telefonindustrie fand. Stock war fasziniert von der Technik und witterte gleichzeitig schnell seine Chance, an dem Boom der Branche teilzuhaben. Er machte sich selbstständig, wickelte mit der Nähmaschine seiner Frau Spulen für die Telefonhersteller. Trotz der bescheidenen Produktionsmittel war er schneller und arbeitete präziser als seine Konkurrenten, so dass die Nachfrage nach seinen Produkten wuchs. Robert Stock stellte einen ersten Mitarbeiter ein und gründete am 11. Mai 1887 das Unternehmen „R. Stock, Telegraphenapparate“ – der Grundstein der heutigen DeTeWe Communications. In kurzer Zeit erweiterte sich das Produktportfolio des jungen Unternehmens, Fernsprechgeräte und ganze Fernsprechämter kamen hinzu.

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Auf der Gewerbeausstellung in Treptow 1896 stellte Stocks Firma ein „Telephon-Verbindungs-Amt“ (Fernmeldeamt) vor. Bis 1905 baute Stock europaweit 129 Fernsprechämter. Zahlreiche weitere Patente folgten, häufig wurden einzelne technische Bestandteile verbessert, bestehende Lösungen fortentwickelt. Bis zum zweiten Weltkrieg entwickelte DeTeWe Rohrpostanlagen, Schreibmaschinen, Rundfunkgeräte und Rechenmaschinen. In Zeiten des Wirtschaftswunders stieg der Bedarf an öffentlichen und privaten Telefonanlagen. Die DeTeWe konzentrierte die gesamte Produktion auf den Fernsprechsektor.

Seit 2005 gehört das Unternehmen zum kanadischen ITK-Hersteller Aastra Technologies Limited. Auch nach der Übernahme bleibt die DeTeWe Berlin-Kreuzberg treu: 1887 wurde sie in diesem Bezirk gegründet und befindet sich seit 1895 am Standort in der Zeughofstraße. Im !9. Jahrhundert entwickelte sich Berlin in kürzester Zeit zum Silicon Valley der Telekommunikation. Geburtshelfer war der geniale Postmeister Heinrich von Stephan – eine technologische Spürnase ersten Ranges.

Über die Notwendigkeit einer „strukturkultivierenden Marktwirtschaft“ (Gunter Dueck) für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft würde ich in nächster Zeit gerne einige Hangout-Interviews führen. Auch über die Technikrevolutionen im 19. Jahrhundert und die Ableitungen für heute. Wenn Interesse besteht, einfach bei mir melden.

Ferienjob via Social Web

Ferienjob auf dem Land?
Ferienjob auf dem Land?

WDR 2 hat sich gerade ausführlich mit der Ferienjob-Suche via Social Web auseinander gesetzt und einige nützlich Tipps zusammengetragen: „Quintessenz – Die Suche nach dem Ferienjob“.

„Je mehr Jobangebote in einem Portal zu finden sind, je mehr Austausch dort stattfindet, umso sicherer kann man sich dort auch fühlen. Gerade große Börsen wie Unicum für Studenten oder auch Anbieter wie Monster haben große Teams die Unternehmen überprüfen und zertifizieren und unseriöse Angebote streichen. Der Suchende selbst sollte auf eine ausführliche und transparente Job- und Aufgabenbeschreibung achten. Im Idealfall nennt das Unternehmen auch einen Ansprechpartner, der direkt bei Fragen angerufen werden kann“, so die Empfehlung der WDR 2-Redaktion.

Was generell bei Bewerbungen und bei der Kandidatensuche über soziale Netzwerke zu beachten ist, habe ich gestern auf NeueNachricht ausführlich beschrieben.

Karriere und Jobsuche im Social Web noch in den Kinderschuhen – Bewerber aktiver als Personalabteilungen.

Wer das Thema vertiefen möchte und Erfahrungen mitbringt, ist herzlich zu einem Hangout-Interview bei Bloggercamp.tv eingeladen. Einfach melden und wir vereinbaren einen Sendetermin.

Morgen geht es um 18:30 Uhr um BRAUKUNST STATT BRÜHWÜRFELBIER – DIE ST. ERHARD BLOGGERCAMP.TV-BIERPROBE und 19:30 Uhr um HIGHTECH IM STALL UND AUF DEM ACKER – PRECISION FARMING VIA CLOUD COMPUTING.

Köln als Tourismus-Magnet….für Müll: Verbrennung Alaaf

Müllpolitik der Kommunen ist Müll

Über die kommunalen Fehlplanungen beim Bau von Müllverbrennungsanlagen, die auf die Müllgebührenzahler abgewälzt werden, habe ich mich ja schon einige Male ausgelassen. Jetzt lese ich gerade im stets gut informierten Fachdienst Euwid folgende Nachricht:

„Die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (AVG) Köln mbH darf erstmals Abfälle aus den Niederlanden in der Restmüllverbrennungsanlage (RMVA) direkt annehmen und verbrennen. Das teilte das Unternehmen mit. Demnach liege bereits seit April eine entsprechende Notifizierung vor, in der festgelegt sei, dass innerhalb eines Jahres bis zu 4.000 Tonnen Gewerbeabfälle aus der Region Roermond nahe der deutschen Grenze verarbeitet werden können. Damit nutze die AVG Köln erstmals die durch eine Ratsentscheidung im Frühjahr 2012 eingeräumte Möglichkeit, Abfälle auch aus dem Ausland annehmen und verbrennen zu dürfen. Demnach dürfen in der RMVA Köln nunmehr auch Abfälle aus dem Ausland verbrannt werden, sofern die Entsorgungssicherheit in der Stadt Köln gewährleistet bleibt und die Auslastung der Anlage sichergestellt werden kann. Mit den Lieferungen aus den Niederlanden soll die Anlage, an der der Entsorgungskonzern Remondis fast 50 Prozent der Anteile hält, ökonomisch betrieben werden, hieß es weiter. Ziel sei es, die Verbrennungsentgelte möglichst stabil zu halten. Die AVG hatte bei der Beantragung zur Verbrennung ausländischer Abfälle im letzten Jahr argumentiert, dass der Stadt bis zu 17 Prozent höhere Verbrennungsentgelte drohen, wenn man die RMVA nicht auch für ausländische Mengen öffne.“

Das bestätigt meine Ausführungen, die ich in der Kolumne „Recyclingland bald abgebrannt“ gemacht habe:

Mit den Wolkenkuckucksheim-Planungen der Kommunen in der Abfallwirtschaft sind in Deutschland massive Überkapazitäten bei Müllverbrennungsanlagen entstanden, die nicht gerade als Wundermaschinen bei der Gewinnung von Wärme und Strom glänzen. Im Städte-Dreieck Bonn-Köln-Leverkusen kann man diesen milliardenschweren Irrsinn stellvertretend für viele andere Gebietskörperschaften bewundern.

Der Wirkungsgrad der meisten Verbrennungsöfen erreicht eher beschauliche Werte – kein Wunder, denn die MVAs wurden auf die Abfallbeseitigung ausgerichtet und nicht auf die Energiegewinnung. Umso mehr lasten die Betriebskosten, die über Müllgebühren verrechnet werden, auf den kommunalen Finanzhaushalten. Je weniger Müll in den Verbrennungsöfen landet, desto höher sind die Kosten pro Tonnage. Umso aggressiver steigen die kommunalen Entscheider gegen die mittelständische Recyclingwirtschaft in den Ring, um von Textilien bis Altmetall alles unter ihre Fittiche zu bekommen. Immer mit dem Argument, man brauche neue Einnahmequellen, um die Müllgebühren nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

Im Bloggercamp wollten wir eigentlich mit Professor Justus Haucap von der Monopolkommission ausführlich über diese Entwicklung reden. Sein Uni-Rechner hatte aber etwas dagegen.

Ein wenig konnten wir dennoch plaudern. Wir werden wir wiederholen, wenn sich der Rechner von Professor Haucap abgekühlt hat 😉

Kölle Alaaf, Müll Alaaf, Verbrennung – großer Mist.

Barcamps statt Hochglanz-Gequatsche #tck13

Barcamp-Diskussionskultur

So ganz möchte ich meine morgige The European-Kolumne hier nicht ausbreiten. Aber ein paar Ausschnitte animieren vielleicht zur Lektüre meiner Ergüsse über das Social Web-Gelabere von Führungskräften der Wirtschaft, die nach außen eine Menge Blendwerk aufbauen und nach innen immer noch wie Generaldirektoren agieren.

Also hier der Appetitmacher:

Die Krawattenfraktion im Management, die sich auf Internet-Tagungen salopp mit Polohemd und Slipper-Schuhen in Szene setzt, kann mit der Wirklichkeit des Mitmach-Webs wenig anfangen. Da labern Führungskräfte und so genannte Keynote-Speaker auf öligen Kongressen ihre Kalenderweisheiten ins Publikum und ergötzen sich an irgendwelchen Statistiken über die Relevanz von Facebook und Co. Veredelt wird das Gesagte mit bunten Powerpoint-Präsentationen.

Kleiner Sprung zum Ende meines Beitrages:

Egal, ob es nun um soziale Netzwerke oder andere Themen geht: Es ist Fließband-Ware von einschlägigen Veranstaltern, die für schlappe 1.000 oder 2.000 Euro pro Teilnehmer über Hochglanz-Broschüren und Newslettern verkauft wird. In der Taktung präsentiert man die Propaganda wie Schweinebauch-Reklame in Anzeigenblättern. Eine Kultur des offenen Austauschs und Dialogs sieht anders aus. Die liebwertesten Gichtlinge der Wirtschaft sollten sich mal an der Organisation von Barcamps versuchen, wo die Teilnehmer das Programm selbst bestimmen können. Hier gibt es keine Sprachregelungen, dümmlichen Verkäufersprüche von der Kanzel und versnobte Wichtigtuer-Gespräche beim Verzehr von Blätterteigtaschen mit Thunfisch-Füllung, Lachsmousse, Fleischpastetchen und Scampi-Mango–Spießen. Wer vom Social Web redet, sollte auch sein Handeln danach ausrichten. Wie etwa die drei Online-Redakteurinnen des Kölner Stadt-Anzeigers, die beim Tweetcamp in Köln offen über ihre Flops und Tops bei Twitter-Kampagnen sprachen und kritische Einwürfe nicht wie eine Majestätsbeleidigung behandelten.

Beim Tweetcamp gab es kalte Pizza, wie es sich gehört.
Beim Tweetcamp gab es kalte Pizza, wie es sich gehört.

Nachzulesen in meinem Blogpost: Krümelmonster, besiegte Kanzlerin und viele Tweets #tck13

Beim tck13 kam das Thema mit den Barcamps, die von (tradierten) Unternehmen veranstaltet werden könnten, wohl auch auf. Diese Session ging allerdings an mir vorbei. Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema? Sollten wir dazu mal eine Bloggercamp-Sendung machen?

Lesenswert zu diesem Thema auch: Wenn aus Facebook nichts werden kann: 10 Gründe, warum Unternehmen auf Facebook scheitern! Es gibt so viele Fanseiten, die diese Bezeichnung einfach nicht verdienen. Zwar haben sie Fans, aber für die wird schlicht nichts gemacht. Antworten auf Fragen der Kunden? Fehlanzeige! Support bei Problemen mit einem Produkt? Nope! Interaktionen mit den Fans? Nicht wirklich! Liebe Unternehmen, Marken und Organisationen, wenn euch eure Fans so egal sind, dann lasst es lieber mit der Facebook-Seite.

Falk Hedemann hat gibt die richtige Empfehlung.

Weiterer Lesehinweis: Tame, Twitter, Changemanagement und mehr – mein Tweetcamp Köln 2013 #tck13

Und natürlich: Hach, Flausch und Pizza für alle!

Deutsches Google? Das verdient den Chirac des Tages #Prism

Starker Staat is watching you

Ibrahim Evsan hat auf die Forderung der Innenpolitiker nach der Etablierung einer deutschen Konkurrenz zu Google die passenden Worte gefunden.

„Liebe Politiker: Einfach mal so Google zu bauen ist das „lächerlichste“ was man vorschlagen kann. Ihr habt die digitale Wirtschaft weder verstanden noch lebt ihr sie. Ihr habt die digitale Wirtschaft verschlafen. Jetzt zahlt die Gesellschaft den Preis. Danke schön!“

Noch einmal zur Erinnerung: Die europäische Antwort auf Google sollte Quaero sein. So protzte es zumindest der Ex-Präsident Chirac durch die Gegend. Doch das vollmundige deutsch-französische Prestigeprojekt ist kläglich in die Hose gegangen. Wie soll also etwas in Europa oder Deutschland gelingen, was vor einigen Jahren schon nicht klappte? Übrig geblieben ist das deutsche Forschungsprogramm Theseus – auch da ist bislang der Durchbruch nicht gelungen.

Und wenn so eine Forderung aus dem Munde des Starker-Staat-Staatstrojaner-Ich-habe-keine-Peilung-vom-Netz-Politiker Uhl kommt, kann ich mich vor Lachkrämpfen kaum noch halten. Im gleichen Atemzug wollen Merkel und Co. die Überwachung wegen der Terrorbekämpfung ausbauen. Pharisäerhafter kann man nicht argumentieren. Richard Gutjahr sollte alle Plakatwände in Deutschland mit seiner Statistik zukleistern, um zu belegen, wie durchsichtig das Argument der Terrorabwehr ist.

lauschangriff

Siehe auch: Überwachungsprogramm Prism: Innenpolitiker fordern ein deutsches Google.

Bin gespannt, was die Sicherheitsbehörden auf meine Prims-Anfrage antworten werden.

Hier kann man die Anti-Prism-Petition zeichnen.

Frag den Staat zum Spähprogramm #Prism

Spionage

Folgende Frage habe ich heute via fragdenstaat.de an den Bundesnachrichtendienst gestellt. Dieser Laden untersteht zwar dem Bundeskanzleramt – aber nach Rücksprache mit einem Behörden-Insider wird man da zu schnell abgewimmelt. Ist mir beim Bundesinnenministerium so ergangen. Also geht die Frage direkt an die Bundesbehörde:

Bitte teilen Sie mir auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes mit, ob Ihre Behörde Daten aus dem amerikanischen Spähdienst PRISM erhalten hat oder Zugriff auf diese hatte. Dabei ist es ohne Belang, wann dies geschah und ob die Daten weiterverwendet wurden oder nicht. Auch ist es für mein Informationsersuchen nicht von Belang, zu welchen Vorgängen diese Daten erhalten oder genutzt wurden, so dass ich keine Offenlegung von eventuell sicherheitsrelevanten, einzelnen Vorgängen erwarte.

Gleichlautend ging die Anfrage auch an das Bundesamt für Verfassungsschutz und an das Bundeskriminalamt.

Wenn Ihr ähnliche Anfragen startet, würde mich das interessieren.

Welche Taktiken die Behörden anwenden, um das Informationsgesetz zu unterlaufen, habe ich ja schon einige Male beleuchtet. Etwa in meinem Beitrag „IFG-Erlebnisse: Verzögern, verschleppen, vernebeln, Hürden einziehen, Zugang erschweren“.

Lustig die Geschichte von netzpolitik.org: Copyrightverstoß in PRISM-Logo.

Die Geldschneiderei der Dünnbrettbohrer-Fließband-Veranstalter

Social Web ist anders, ätsch

Mein Briefkasten wird jede Woche mit irgendwelchen Broschüren von den großen Konferenzveranstaltern zugemüllt. Das sind Fließbandproduktionen, um Trendthemen als Umsatzmaschine zu nutzen. Interesse an Inhalten, die in die Tiefe gehen, ist bei diesen Anbietern nicht vorhanden. Man präsentiert ein paar prominente Namen und verlangt für diese dünne Sauce dann 1000 bis 3000 Euro Gebühr pro Teilnehmer.

08/15-Hochglanz-Scheiße. Powerpoint-Orgien, keimfreie Top-Hotels, dümmliche Tagungsunterlagen, aseptische Diskussionen, schlechter Kaffee und wichtigtuerisches Personal. Meine Konsequenz: Weder lasse ich mich als Redner für solche Dünnbrettbohrer-Konferenzen buchen, noch plane ich den Besuch dieser Schlau-Schwatz-Zusammenkünfte. Zeitverschwendung für einen zu hohen Schnöselfaktor.

Ich kann daher den Wutausbruch von Marco Ripanti versehen: So nicht, liebe Konferenzveranstalter!

Siehe auch:

Wie mich die Kall Zenta Welt zum Journalisten zweiter Klasse degradierte.

Mein Bericht vom Mobile Gipfel in Bonn.

Nutzte der BND Prism-Daten, Frau Merkel? Was wussten Sie über die Bespitzelung?

Was wusste Merkel über Priem?

Sowohl das Innenministerium als auch der Verfassungsschutz haben laut eigenen Aussagen von Prism nichts gewusst und erst aus den Medien davon erfahren. Das sagten Innenminister Friedrich und Verfassungsschutz-Chef Maaßen heute bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2012. Nachzulesen bei netzpolitik.org.

Schwer vorstellbar, dass die Sicherheitsbehörden von „befreundeten“ Staaten der USA so ahnungslos sein können, wo man sich doch bei wirklich wichtigen Fragen ständig austauscht und auch bei Ermittlungen Daten zur Verfügung gestellt werden.

„Pikanter als Verfassungsschutz und Innenministerium dürfte der Auslandsgeheimdienst Bundesnachrichtendienst sein. Nachdem bekannt wurde, dass Geheimdienste in Großbritannien, den Niederlanden und Belgien Zugriff auf Prism-Daten hatten, liegt die Vermutung Nahe, dass auch der Bundesnachrichtendienst davon profitiert hat“, schreibt Andre Meister in seinem netzpolitik.org-Beitrag.

Und wenn das so ist, müsste es auf er Top-Ebene des zuständigen Ministeriums bekannt sein. Diese Frage muss also Angela Merkel gestellt werden, denn der BND zählt zum Geschäftsbereich des Kanzleramtes.

Eine Quelle aus dem Innenministerium sagte mir, wenn ich diesen Aspekt über fragdenstaat.de ansprechen würde – als Adressat das Bundeskanzleramt – würde ich „natürlich“ keine Antwort bekommen, da man sich auf Geheimhaltungsvorschriften zurückzieht. Ich werde aber in den nächsten Tagen diese Frage trotzdem stellen.

Wäre doch gut, wenn sich weitere entschließen könnten, das Bundeskanzleramt mit Fragen zu bombardieren.

Idiotische Werbeanrufe heißen im Hotline-Deutsch jetzt „proaktive Kontaktaufnahme“

Hotline-Verkaufstaktiken

Mit diesem Spruch reagierte jedenfalls ein Mitarbeiter von Base auf die Beschwerde meiner Frau, die auf der Facebook-Seite des Netzbetreibers veröffentlicht wurde. Großzügiger Weise wie man noch auf die Möglichkeit hin, der „proaktiven Kontaktaufnahme“ online widersprechen zu können.

Aha. Liebwertester Base-Gichtling. Nicht nötig. Deine proaktive Rechtfertigungslyrik kannst Du Dir sonst wo hinstecken. Ein Vertrag kam gar nicht zustande. Wir haben Eure Verkaufstricks durchschaut und Du kannst das morgen in meiner The European-Kolumne nachlesen.

Der Kommunikationstrainer Markus Euler stellt die berechtigte Frage, wann dieser Schwachsinn endlich aufhört:

„Ich weiß, es sind nur die schwarzen Schafe. Aber irgendwie blökt es an jeder Ecke so.“

Die Leierkasten-Truppe im telefonischen Kundendienst spielt schon seit Jahren die gleiche Musik:

„Schön, dass ich sie erreiche“; „Einmaliges Angebot“; „Kann keine Angebote versenden“; „Kann nicht durchstellen“; „Gilt nur heute und für Sie!“; „Wir müssen jetzt dieses einmalige Angebot am Telefon machen, da unser Server abgestürzt ist.“

Habt Ihr weitere Ausreden erlebt, die von telefonischen Heizdecken-Verkäufern abgelassen werden? Würde mich brennend interessieren.

Wo die tollen Services der Telcos hinführen, ist diesem Video zu entnehmen 🙂