Wie Sprunginnovationen Deutschland verändern werden – #StudioZ Interview mit dem Ideengeber und Gründungsdirektor @Rafbuff

Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovationen

Mit Silo-Kommunikation misslingt das Community-Management

CXO-Kurator Sendung 9vor9

Wer auf fremde Inhalte verweist, wird selbst zitiert und verlinkt. Eigentlich eine ganz einfache Regel, die Kerstin Hoffmann in ihrem PR-Doktor-Blog erläutert. Wer permanent das eigene Zeugs lobt und verteilt, mutiert im Netz zum Egomanen. Über Reichweite und Sichtbarkeit des Contents entscheidet autark die Community. „Ein Inhalt verbreitet sich also dann erst, wenn andere ihn für interessant und nützlich genau halten, um ihn mit anderen zu teilen. Profile und Seiten in sozialen Netzwerken wiederum sind für andere nur dann interessant, wenn sie nicht ausschließlich Links und Verweise zu den Inhalten ein- und desselben Anbieters enthalten. Wer sich also in einem bestimmten Bereich profilieren will, sollte eigene Inhalte um Verweise auf andere Seiten und Plattformen ergänzen“, so Hoffmann.

Da haben wir schon mal eine erste Antwort auf meine Recherche-Fragen, die ich vor einiger Zeit im CXO-Kurator-Blog gestellt habe. In vielen Unternehmen werden gigantische Etats in Social Web-Strategien gesteckt, um mit eigenen Formaten im Netz zu punkten. Zum Einsatz kommen Analysetools, Influencer-Auswertungen und ausgefeilte Redaktionspläne, die aber häufig verpuffen. Man ist immer noch im Egomanen-Modus unterwegs und schwächelt bei Netzwerk-Effekten. Gutes Community-Management ist in Unternehmen rar gesät, kommentiert Verlagsexpertin Beatrix Gutmann im prmagazin-Interview.

Wenn das intern nicht gut kuratiert und vorbereitet wird, passiert im Social Web wenig. Es herrscht das Silo-Syndrom. „Ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Organisationen bekommt die netzöffentlichen Aktivitäten gar nicht mit oder wird erst verspätet darüber unterrichtet“, kritisiert Gutmann. Da hilft dann auch das beste Social Intranet nicht weiter, wenn die Führungsebene für Transparenz, Partizipation und offene Formen der Kommunikation nicht zur Verfügung steht. 

Was ist denn Eure Rezeptur für gutes Community-Management?

Vom MP3-Debakel zum Olymp der Sprunginnovationen? #Zukunftstaucher @rafbuff

Mit einer Agentur für Sprunginnovationen will die Bundesregierung aus der exzellenten Grundlagenforschung in Deutschland Impulse für die Volkswirtschaft ableiten. „Zahlreiche Erfindungen, die völliges Neuland eröffnen und ganze Märkte umkrempeln können, sind in Deutschland entstanden, scheitern jedoch häufig noch in der Anwendung. Die neue Agentur zielt darauf ab, aus diesen hochinnovativen Ideen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft auch erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze in Deutschland entstehen zu lassen“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. 

Fahndungsauftrag 

Die Agentur verfolgt einen personenzentrierten Ansatz. Sie setzt auf hochkompetente und kreative Innovationsprotagonisten, die zeitlich befristet in der Agentur tätig sind und besondere Handlungsfreiräume genießen. Sie können nach Angaben der Bundesregierung Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit Sprunginnovationspotential von der Idee möglichst bis hin zur Anwendung auswählen, steuern und – je nach Projektverlauf – beenden oder fortsetzen. Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen setzen die Vorhaben um. Geförderte Ideen werden über Ausgründungen, durch Unternehmen oder auch durch den Staat selbst, im Rahmen der öffentlichen Beschaffung verwertet und in den Markt eingeführt.

Die Mitarbeiter der Agentur sollen nach innovativen Ansätzen in der Wissenschaft fahnden und Erfinder ermuntern, ihre Ideen auch in der Praxis umzusetzen. Bis zum Ende der Legislaturperiode stellen Bundesforschungs- und Bundeswirtschaftsministerium dafür mindestens 151 Millionen Euro bereit. Für die gesamte Laufzeit der Agentur – zehn Jahre sind geplant – wird mit einem Mittelbedarf von rund einer Milliarde Euro gerechnet.

Das deutsche Trauma

„Dass der Bund nun eigens eine Agentur zur Förderung solcher Entwicklungsschritte gründet, hat auch mit einem deutschen Trauma zu tun, das in der Regierung seit Monaten immer wieder zitiert wird: die Geschichte des MP3-Players. Die Technik für dieses Gerät wurde schon in den achtziger Jahren in Deutschland entwickelt, von einer Gruppe von Forschern um Karlheinz Brandenburg am Fraunhofer-Institut in Erlangen und der dortigen Universität. Damit viel Geld verdient haben später allerdings nicht deutsche Unternehmen, sondern in erster Linie die asiatischen Elektronikkonzerne“, schreibt die FAZ. Das dürfe nicht noch einmal passieren, betonte vor einigen Wochen die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Nur waren es nicht Firmen in Asien, die MP3 zur Entfaltung brachten, sondern Apple mit ihrem kongenialen Chef Steve Jobs. Und es waren nicht in erster Linie neue Erfindungen, die Jobs erfolgreich auf dem Markt etablierte, sondern Kombinationen von bestehenden und neuen Technologien. Der Apple-Mitgründer entsprach dem innovativen Unternehmen, wie ihn der Ökonom Joseph Schumpeter in seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschrieben hat – vor über 100 Jahren:

„Nur dann erfüllt er (der Unternehmer) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“

Kombinatoriker müssen keine Erfinder sein 

Innovatives Unternehmertum unterscheidet sich dabei deutlich vom Routineunternehmer, der auf überkommenen Grundlagen arbeitet und nie Neues schafft. Aus altbekannten Techniken wie W-LAN, MP3 und Bewegungssensoren schuf Apple neue Geräte mit Kultfaktor. Und auch das benutzerfreundliche Design ist keine Kreation aus Cupertino. Steve Jobs und seine Entwickler folgten konsequent dem Less-and-More-Diktum des legendären Industriedesigners Dieter Ram, der in den 1960er und 1970er Jahre bahnbrechende Produkte für die Braun AG schuf. Und was noch wichtiger für die Erfolgsstory von Apple ist: Jobs erzeugte neue Märkte. Der dynamische Unternehmer orientiert sich nicht primär an gegebener oder unmittelbarer Nachfrage des Konsumenten, sondern „er nötigt seine Produkte dem Markte auf“, so Schumpeter. Das ist Steve Jobs mit Produkten und Diensten für das mobile Internet und für den Tablet-Markt gelungen. 

Gelingt so etwas mit einer staatlich initiierten Agentur für Sprunginnovationen? 

Verrückte Persönlichkeiten vonnöten 

Dazu braucht man charismatische und ein wenig verrückte Persönlichkeiten, die Neues durchsetzen, intelligenter organisieren und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Es sind nicht nur Unternehmer, die das schaffen, sondern auch Beamte wie der Generalpostmeister Heinrich von Stephan, der Ende des 19. Jahrhunderts unter Reichskanzler Otto von Bismarck aus Berlin ein Silicon Valley der Telekommunikation machte. Er erfand die Postkarte, gründete die Reichsdruckerei, das Postmuseum (heute: Museum für Kommunikation) sowie den Allgemeinen Postverein (1878 Weltpostverein) und forcierte erst in Deutschland, dann in der ganzen Welt den Aufbau der modernen Telegraphie. Stephan erkannte als einer der Ersten die politische und wirtschaftliche Relevanz des Telefons als Medium der Echtzeit-Kommunikation. So einen könnte die neue Agentur, die Anfang des nächsten Jahres ihre Arbeit aufnimmt, gut gebrauchen. 

Propheten der Innovation brauchen wir nicht  

Als Vorbild dient der Bundesregierung die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) in den USA.

Als bekanntestes und erfolgreichstes Projekt kann das ARPANET angesehen werden, aus welchem das Internet hervorging. Welche Persönlichkeiten brauchen wir für Innovationen? brand eins-Autor Wolf Lotter hat im vergangenen Jahr auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal einige ins Spiel gebracht, die man möglichst meiden sollte. 

Etwa Propheten, die es in Glaubensgemeinschaften, in der Dogmatik und in der Ideologie gibt. „Entweder Du machst mit oder Du landest in der Hölle. Ich bin gut und Du bist böse, hier ist mein Evangelium. Das sind die nicht sehr anschlussfähigen Damen und Herren, die in ihren Bubbles leben und den anderen die Welt erklären“, so Lotter. 

innovate or die-Gelaber 

Es sind Bühnenkünstler, die von Disruption und kreativer Zerstörung labern, aber Clayton M. Christensen oder Schumpeter nie im Original gelesen haben. Es sind alarmistische Lautsprecher, die vom Darwinismus schwadronieren, aber die Evolutionstheorie schlicht nicht verstehen. Als weiteren Vertreter der Innovationstypologie benennt Lotter den Eroberer. Er folgt dem Propheten auf dem Fuß und erklärt Innovationen zum Maß der Dinge. Religionskriege, ideologische Eroberungen aber auch die darwinistische Variante des „innovate or die“ sind sein Credo. „Wer sich nicht digitalisiert, ist von gestern und dessen Unternehmen wird sterben. Das sind die Sprüche, die wir kennen“, erläuterte Lotter auf der Keynote Arena der Zukunft Personal-Messe: Artificial intelligence sofort einführen und zum Segen der Industrie erklären. Wer noch ein paar Fragen zur Sinnhaftigkeit hat, ist von vorgestern und hat nichts kapiert. 

Fragen zur Intelligenz nicht erwünscht 

Dass mit der Unterscheidung von natürlicher und künstlicher Intelligenz noch nicht alles geklärt ist, sei dahingestellt. Auch das Rätselraten von Biologen und Neurologen bei der Erklärung von natürlicher Intelligenz darf die KI-Verkäufer nicht stören. Alles nur Marketinggeschwurbel, kritisiert Lotter.  Selbst Erfinder werden uns wohl nicht mit volkswirtschaftlich relevanten Sprunginnovationen beglücken. Sie verbohren sich in ihrem Fach, so Lotter. Ihre Metamorphose endet im Fachidiotentum. 

Ich habe Patente, also bin ich?

Das systematische und planmäßige Erfinden in Konzernen produziert nach Auffassung von Lotter zuverlässig eine Vielzahl an Patententen und Rechten, der Wirksamkeit allerdings fraglich ist, lieber FDP-Bundestagsabgeordneter Thomas Sattelberger. Da helfen dann auch nicht Erbsenzählereien in irgendwelchen Studien zur KI-Forschung weiter. Lotter verweist auf die amerikanische Innovationsforscherin Rosabeth Moss Kanter, die dieses Dilemma sehr schön auf den Punkt bringt: Meistens folgen den großartigen Innovationsankündigungen mittelmäßige Ausführungen, die anämische Resultate nach sich ziehen. Irgendwann schlägt dann das Controlling zu. Moss Kanter nennt diese Vertreter „Innovations-Ersticker“. Welche Typologien sind besser?

Lotter nennt sie Erkenner und Ermöglicher. Also Persönlichkeiten, die Ideen aufsaugen, orchestrieren und kombinieren. Sie führen keinen Krieg gegen Talente, sie belohnen nicht Opportunismus, sondern Individualismus. Ich bin gespannt, ob wir das mit der neuen Agentur hinbekommen. Die Ansätze des Gründungsdirektors Rafael Laguna de la Vera ein paar Antworten und werden von mir in einem ausführlichen Beitrag für die Netzpiloten in den nächsten Tagen gewürdigt.

Bei unserem Schumpter-Abend am Montag in Bonn werden wir das vertiefen. Kommt vorbei (Ettighoffer Str. 26a, 53123 Bonn):

„Wenn ihr die Dinge nicht verändert, verändert die Gesellschaft sie für euch“: Autorengespräch mit @trill_stephan auf der #NEO19x

Was soll das bitte sein: “Future Business”? Geht es hier um das nächste große Ding, die erstaunlichste technische Innovation, den heißesten Scheiß? Das fragt sich Stephan Grabmeier in seinem neuen Buch „FUTURE BUSINESS KOMPASSDER KOPÖFFNER FÜR BESSERES WIRTSCHAFTEN“, das auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert wird: Es geht um die Grundlagen für eine neue Art zu […]

„Wenn ihr die Dinge nicht verändert, verändert die Gesellschaft sie für euch“: Autorengespräch mit @trill_stephan auf der #NEO19x — #NEO19x Matchen, Moderieren, Managen

Future of Work Initiative gegründet #ZPEurope19 – Manifest erscheint 2020

HR Innovatoren

Zum Start der Fachmesse Zukunft Personal Europe in Köln, haben der Veranstalter spring Messe Management und Vertreter der Unternehmen Design Offices, Detecon, Haufe, IBM und TriCAT die Gründung der „Future of Work Initiative“ bekannt gegeben. Ziel der Initiative ist es, praxisnahe Handlungsanweisungen mit einem realistischen Blick zu entwickeln und im Herbst 2020 als Manifest vorzustellen.

„Über Future of Work wird viel gesprochen und geschrieben. Die Lücke, die wir schließen wollen, ist der realistische Blick auf das Konzept und die Vermittlung konkreter Handlungsempfehlungen, insbesondere vor dem Hintergrund der sich abkühlenden wirtschaftlichen Gesamtlage“, erläutert Ralf Hocke, CEO von spring Messe Management, bei der offiziellen Gründung im Beisein von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.
„Die Initiatoren teilen die Überzeugung, dass die Umsetzung von Future of Work einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung von Unternehmen darstellt, die in einer komplexen und unsicheren Welt immer schneller auf sich wandelnde Kundenbedürfnisse reagieren müssen“, so Hocke weiter. Jedes Unternehmen und jeder Arbeitsplatz sei von der Transformation betroffen. Umso wichtiger seien eine partizipative Führungskultur sowie die digitale Employability, für die die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter elementar sei. Zugleich betonte Hocke, dass die Antwort dabei für jedes Unternehmen individuell sei.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil begrüßte den Ansatz der Initiative, wissenschaftliche Erkenntnisse mit unternehmerischer Praxis zu verbinden: „Die Gestaltung der Arbeitswelt ist eine Gemeinschaftsaufgabe für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die mit vielen Chancen, aber auch kritischen Fragestellungen einhergeht. Beides gilt es, mutig und engagiert zu diskutieren und in praktische Handlungsoptionen einfließen zu lassen“, so Heil.

Untersuchung zur realistischen Betrachtung von Future of Work

Als erstes Projekt hat die Initiative eine qualitative Untersuchung beauftragt, die die Bedeutung von Future of Work vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwungs beleuchtet. Auf Basis von zehn Interviews mit Experten aus der HR Szene resümiert Professor Stephan Fischer, Studiendekan Human Resources Management und Direktor des Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim, ein Kernergebnis: „Das Zurückgehen zu klassischen Modellen und Strukturen wird in einer wirtschaftlichen Krise nicht erfolgreich sein. Stattdessen wird das Gesamtkonzept der Future of Work unter Berücksichtigung verschiedener Bedingungen in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs an Relevanz gewinnen.“

Ob sich Unternehmen erfolgreich auf Future of Work einstellen können, hänge entscheidend von der Führungs- und Unternehmenskultur ab, ergänzte Fischer: „Besonders Modelle, die ein Miteinander auf Augenhöhe propagieren, werden hier erfolgreich sein.“

Entwicklung eines konkreten Manifests zur Umsetzung von Future of Work

Neben der wissenschaftlichen Untersuchung haben die Gründungsmitglieder zehn Thesen mit praxisnahen Handlungsanweisungen zur Umsetzung von Future of Work entworfen, die in den nächsten zwölf Monaten in verschiedenen interaktiven Formaten unter anderem auf der Konferenz Digital Mind Change (24. Oktober 2019, BMW Welt München) und der Zukunft Personal Series in Hamburg, Stuttgart und Köln diskutiert werden. Die Thesen können auch auf der Internetseite https://newmanagement.haufe.de/themen/future-of-work eingesehen und kommentiert werden. Ziel ist es, im Herbst 2020 ein Manifest zur Umsetzung von Future of Work vorzustellen.

Am zweiten Tag der Zukunft Personal Europe werde ich zu diesem Themenschwerpunkt noch einige Interviews führen. Habt Ihr spezielle Wünsche für Fragen und Experten?

Was spricht für Live-Videos im Netz? #KK19

In den vergangenen Jahren habe ich einige Beiträge in unterschiedlichsten Medien veröffentlicht, die sich mit Live-Kommunikation oder genauer, die sich mit Live-Videos beschäftigen. In den nächsten Wochen und Monaten gibt es zwei weitere Anlässe, das zu vertiefen. Etwa auf dem Berliner Kommunikationskongress am Freitag, den 13. September von 10:20 bis 11:25 Uhr. Thema: Live-Kommunikation im Marketing-Mix (die Chancen und Herausforderungen hätte man getrost rauslassen können – zählte in meiner Zeit bei einer politischen Stiftung zur Standardformulierung. Oder quo vadis oder so ähnlich). Text: Vorlauf war gestern, heute ist Echtzeit! Einen archetypischen Content-Marketing-Ansatz hat IBM bei der Eventkommunikation begründet: Das IBM Livestudio. In einer Podiumsdiskussion teilen die Referenten aus Agentur und Unternehmen ihre Erfahrungen (mit). Das sind Birgit Heinold und Lars Basche von Archetype, Stefan Pfeiffer von IBM und icke.

Und dann am 29. und 30. Oktober auf der Digital X in Kölle (genauer auf der Koelnmesse). Da brauche ich noch einen knackigen Titel für einen Workshop – zudem werde ich da mit StudioZ an Ort und Stelle sein, um Interviews zu führen.

Stefan interessiert sich bei Videos insbesondere für Live-Formate, mit denen er ja bei , beim IBM-Livestudio und beim in Kürze auf der DMEXCO 2019 stattfindenden Acoustic Studio experimentiert. Jenseits der verwendeten Plattformen gibt es eine Empfehlung, Live-Videos vorher anzukündigen, dabei detailliert zu beschreiben und in den sozialen Kanälen zu promoten. Und seine Frage halte ich für wichtig: Was ist „die“ Plattform für B2B-Videos, für hohe Zugriffszahlen und Interaktion?

Ich habe verschiedene Antworten gegeben.

Es reicht einfach nicht mehr aus, mit schweren Tankern im Social Web unterwegs zu sein und sich hinter Institutionen zu verstecken. Man muss personalisiert, vernetzt und schnell handeln. Der Philosoph Gilles Deleuze hat dafür das Bild des Rhizoms geprägt. Moderne Organisationen sollten in wuchernden und unübersichtlichen Netzstrukturen anders vorgehen. Man braucht vielfältige Geschicklichkeiten, um sich Gehör zu verschaffen. Das Viele, das Multiple muss in allen Dimensionen beackert werden, so Deleuze. „Ein solches System kann man Rhizom nennen.“ Es sind Knollen und Knötchen, die die Verknüpfung und Vielfalt bewältigen. „Im Unterschied zu den Bäumen und ihren Wurzeln verbindet das Rhizom einen beliebigen Punkt mit einem anderen: jede seiner Linien verweist nicht zwangsläufig auf gleichartige Linien, sondern bringt sehr verschiedene Zeichensysteme ins Spiel und sogar nicht signifikante Zustände…Es besteht nicht aus Einheiten, sondern aus Dimensionen“, schreiben Gilles Deleuze und Félix Guattari im Merve-Band „Rhizom“, erschienen 1977 (!). Man sollte Form und Formate so wechseln, wie es taktisch erforderlich ist, empfiehlt der Internetstratege Christoph Kappes. Schnell, direkt und wandelbar ist beispielsweise die Live-Kommunikation, die derzeit die taz ausprobiert. Reporter Martin Kaul stellt fest, dass häufig auch Menschen, die der Zeitung vorher nicht verbunden waren, die taz für etwas schätzen lernen, das erst in der Erprobungsphase ist – die Video-Live-Berichte auf Periscope:

Vielfalt besser bewältigen

„Das Ergebnis dieser Arbeit, vor allem aber auch die sehr vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass diese Form des manchmal etwas verpixelten Journalismus Potenzial hat. Sie ermöglicht es uns, mehr zu zeigen, als für gewöhnlich in einen Text passt, und hilft unseren Zuschauer*innen, ein umfassenderes Bild zu erhalten, als sich dies oft in kurzen ‚Tagesschau‘-Beiträgen einfangen lässt. Sie ist dadurch auch geeignet, das Vertrauen in den Journalismus zu befördern und die Produktionsbedingungen unserer ReporterInnen vor Ort zu zeigen“, schreibt Kaul im taz-hausblog.

Das Ganze läuft ohne schwerfällige Technik, ohne Ü-Wagen, ohne große Teams. So lässt sich Vielfalt viel besser bewältigen und darstellen – rhizomtauglich und ohne Postproduktion.

Live ist live, so lautet das PR-Credo von Lars Heitmüller, Leiter Marketing und Kommunikation bei S-Kreditpartner in Berlin. „Das Gefühl, live dabei zu sein und etwas just in dem Moment zu sehen, in dem es passiert, gibt dem Zuschauer ein ganz anderes Gefühl als sich mit zeitlichem Abstandgeschnittenes Video-Material aus der Konserve anzuschauen.“ Es passt zur Dialogform in Echtzeit, die wir im Social Web immer mehr einfordern. Die Grundlage für seine Strategien zieht Heitmüller aus dem Cluetrain Manifest, dass schon 1999 das Ende der Geheimnisse proklamierte. „Die vernetzten Märkte wissen über die Produkte der Unternehmen mehr, als die Unternehmen selbst. Ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sie wird weitergegeben.”

Der Tod der One-Voice-Policy und wesentlicher Gatekeeper sei also keine neue Erkenntnis. „Aber Social Media und die Pluralität der Plattformen haben dazu beigetragen, dass dies offensichtlich wird. Das Live-Zeitalter lebt von der Pluralität der Perspektiven und Kompetenzen. Eine künstliche Verkürzung auf eine ‚regulierte‘ Stimme passt nicht mehr in die Zeit“, betont Heitmüller.

Kunden sind genervt

Kunden seien zunehmen genervt, wenn sie primär als Rezipienten von Werbung verstanden werden. „Transparentes und dialogorientiertes Verhalten von Unternehmen wird hingegen geschätzt. Man will teilnehmen und mitwirken“, so der Kommunikationsexperte der Sparkassen-Finanzgruppe. Als ein Baustein sieht er Livestraming-Formate. Sie können Unternehmen dabei unterstützen, Communities aufzubauen und eine Vertrauensbeziehung zu wichtigen Stakeholdern aufzubauen und zu pflegen. „Livestreaming senkt die Kommunikationsschwelle nicht nur in Richtung des Kunden, sondern auch nach innen. Wer bringt Dinge am besten auf den Punkt? Wer spricht am unterhaltsamsten? Live-Formate wecken ungeahnte Kommunikationstalente in allen Teilen des Unternehmens. Mitarbeiter bekommen eine Bühne und können sich als Markenbotschafter wirkungsvoll positionieren. Ideal für das Employee Empowerment wie für das Employer Branding: Es sollte die neue Lieblingsplattform aller Personalleiter sein. Schließlich hat Livestreaming die Kraft, die ganze heterogene Kraft eines Unternehmens sichtbar zu machen. Das stärkt die Kultur der Organisation“, meint Heitmüller.

Unternehmen besitzen eine Vielzahl von bedeutenden Informationen und Kompetenzen, die im Alltag oft unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben. Livestreaming könne einen Beitrag dazu leisten, diese zu heben und sichtbar zu machen, resümiert Heitmüller. Solche Live-Formate sind nicht nur für die Unternehmenswelt ein probates Mittel. Gleiches gilt für den Journalismus.

Brief an deutsche Journalisten

Das machte Jay Rosen in einem Beitrag für die FAZ deutlich. „Brief an die deutschen Journalisten“ heißt das Opus: „Ich werde derjenigen deutschen Redaktion eine Goldmedaille verleihen, die als erste ihre Schwerpunkte in der Berichterstattung öffentlich macht. Ich stelle mir eine Live-Funktion vor, die online frei zugänglich ist, ein redaktionelles Produkt, das wöchentlich oder bei wichtigen Ereignissen aktualisiert wird. Die Punkte auf dieser Prioritätenliste sollten das Ergebnis gründlicher Überlegungen und sorgfältiger Recherchen sein – und natürlich müssen sie die Realität spiegeln und bei den Bürgern ankommen. Wenn jemand in aggressivem Ton fragt: ‚Und was ist Ihre Agenda?‘, schicken Sie ihm einfach den Link. Wenn er nicht zufrieden ist, bitten Sie ihn um Verbesserungsvorschläge. Das böte unter anderem den Vorteil, dass die Notwendigkeit echter redaktioneller Vielfalt sofort sichtbar würde.“

Selbst Redaktionskonferenzen könnten ab und zu im Live-Modus mit Beteiligung der Leserschaft ablaufen. Auch das erhöht die Bindung. Dennoch organisieren sich viele Unternehmen, Verbände und andere Institutionen immer noch wie eine Wagenburg. Man will alles im Griff haben. Ob Blog, Facebook, Twitter, Pressemitteilungen, Live-Videos, öffentliche Reden oder Interviews mit Journalisten: Es gibt aber kein Journalistenmonopol und auch kein „Kanal“-Monopol mehr, schreibt Christian Lawrence, der frühere Kommunikationschef der Munich Re, in einem Beitrag für das PR-Magazin. „Kunden, Mitarbeiter und Investoren informieren sich nicht mehr statisch aus unseren Kanälen, die, wenn man selbstkritisch darauf blickt, schon immer stark verbesserungsbedürftig waren. Sie nehmen stattdessen teil am ständigen Strom der Diskussionen über uns auf Plattformen, von denen wir nicht mal ahnen, dass es sie gibt. Geschweige denn, dass wir die Kraft oder die Ressourcen hätten, dort mitzureden.“

Kanalisierte Kommunikation

Dennoch gibt es viele Manager, die immer noch von KommunikationsKANÄLEN sprechen. Die Kanalarbeiter verdrängen die Tatsache, dass die Telefon-E-Mail—Newsletter-Broschüren-Sender-Empfänger-Kommunikationsberieselung nicht mehr funktioniert.

Gefragt sind heute Überlebenskünstler im Daten-Mahlstrom und keine PR-Kanalarbeiter. Um Verbündete in der Klimapolitik zu finden, geht Lawrence beispielsweise auf die Twitter-Timeline von Real Donald Trump. Bei den Gegnern des amerikanischen Präsidenten entdeckt er Meinungsverstärker, die zu den Positionen der Rückversicherung passen und die verheerenden Folgen der von Menschen verursachten Klimaerwärmung thematisieren.

Entsprechend wächst die Wahrscheinlichkeit, Netzwerk-Effekte in der Kommunikation auszulösen. Mit dieser Denkweise können sich einige (die meisten) Entscheider in Unternehmen nicht so richtig anfreunden. Die Mehrzahl sieht sich nach wie vor als Schiedsrichter über die eigene Geschäftspraxis. „Wenn sie bei einem Auseinanderklaffen von Anspruch und Verhalten ertappt werden, reagieren sie unwillig. Man erkennt es an der Verwendung von Begriffen, intern wie extern, die verharmlosen oder aber die geballte Faust in der Tasche erahnen lassen“, resümiert Lawrence.

PR-Manager drängen sich nicht um die digitalen Plätze

Es gibt nach Ansicht von Klaus Eck leider viel zu wenige Überlebenskünstler im Datenstrom. „Das wird von den Unternehmen zu wenig gefördert, weil es viel Zeit kostet, die gut im Aufbau eines Netzwerkes investiert wäre. Auf aktive Unternehmenskommunikatoren treffe ich beispielsweise auf Twitter eher selten. Zu den aktivsten digitalen Überlebenskünstlern zählen eher Akteure aus dem Agenturumfeld. Freelancer dominieren das Feld, weil sie es müssen. Demgegenüber drängen sich die PR-Manager nicht unbedingt um die digitalen Plätze, sie schauen lieber abwartend zu. Zu wenige von ihnen lenken ihre Blick auf die Kanalwelt, machen mehr als unbedingt notwendig ist.“ Als Indikator nennt Eck den Anteil der Online-PR an der Unternehmenskommunikation. Der sei ziemlich mager . „Das lässt auf geringe persönliche Aktivitäten der Kommunikatoren im Netz schließen.“ Leider sei das Social Media Thema bei vielen Firmen komplett im Marketing aufgegangen zu sein.

„Zahlen und Marketing Automation sind wichtiger als diepersönliche Kommunikation, die mit hohen (Personal)kosten verbunden ist“, sagt Eck.

Social Media-Lippenbekenntnisse

Auch wenn es viele Lippenbekenntnisse zu Social Media gibt und fast jede Organisation mit Präsenzen auf Twitter, Facebook und Co. glänzt, gibt es wenig Dialogbereitschaft bei den Akteuren der Wirtschaftswelt. Die Controlettis dominieren die Szene, moniert Stefan Pfeiffer. Auch das Thema Markenbotschafter verkümmere zum bloßen Re-Tweeten und Liken der offiziösen Angebote im Social Web. „Traurig, denn hier werden die Chancen des Netzwerkens noch immer nicht verstanden. Das soziale Netz ist zu einem gewissen Grad per se anarchisch und multipel in den verschiedenen Meinungen. Das ist Personen, die kontrolliert kommunizieren wollen, natürlich zuwider. Compliance-Gründe werden vorgeschoben. Kommunikation und Sich-Stellen in kritischen Situationen ist nicht erwünscht. Stattdessen will man totschweigen. Was das mit Kommunikation zu tun hat, frage ich mich immer wieder“, meint Pfeiffer. Das bestätigt auch Tim Ebner, Experte für Krisenkommunikation: Nahbarkeit werde nicht so gelebt, wie es sein müsste. „Ich habe das Gefühl, dass ‚Digital’ in den internen Organisationsstrukturen immer noch Bittsteller ist. An PR, Vorstand oder im schlimmsten Fall an Produktmanager. Digitale Kommunikation findet dann an der Leine statt und kann ihr Potenzial gar nicht erst entfalten. Alles muss abgestimmt und weichgespült werden. Bis traditionelle PR auf Facebook übrig bleibt.“

Das Hauptproblem liegt wohl in der Chefetage. Die Suche nach einem Social CEO ist in Deutschland schwieriger als die Fahndung nach einem Schwarzen Schwan. International werden gerne populäre Persönlichkeiten wie Richard Branson, Bill Marriot oder Tesla-Gründer Elon Musk genannt, so Kerstin Hoffmann in ihrem Opus „Lotsen in der Informationsflut“, erschienen im Haufe Verlag. Im nationalen Geschehen sind es eher Firmenchefs des Mittelstandes. In Konzernen und in der öffentlichen Verwaltung seien wir noch weit entfernt von Strukturen, die einen freien und offenen Austausch im Social Web erlauben, so Hoffmann.

Eure Erfahrung würde mich interessieren.

Über die Dominanz der Zukunftsverweigerer

Wie setzen sich Innovationen durch?

Die Aufgeregtheit darüber, ob und wann sich Deutschland in der Rezession befindet, überlagert und verdrängt nach Auffassung des Ökonomen die Gefahren, die den Wohlstand weit grundsätzlicher infrage stellen. „Denn seit der Finanzmarktkrise von 2008 und dem unmittelbar danach folgenden Wirtschaftsabsturz wird hierzulande zu wenig investiert. Lagen die Ausrüstungsinvestitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 1991 noch bei zehn Prozent und 2008 immerhin noch bei acht Prozent, erreichen sie momentan lediglich zwischen sechs und sieben Prozent des BIP“, schreibt Thomas Straubhaar in einem Gastbeitrag für die Welt. 

Der Kriechgang bei der Arbeitsproduktivität als Konsequenz der zurückhaltenden Investitionstätigkeit und eines damit einhergehenden langsamen Innovationstempos werde sich rächen und die wirtschaftliche Prosperität in Deutschland mehr als alles andere infrage stellen – mehr auch als Donald Trumps Aggression, Chinas Drohungen und ein ungeregelter Brexit zusammen.

Beschäftigungserfolge seien in erster Linie mit Lohnzurückhaltung erkauft worden und nicht mit einem Modernisierungsschub und mutigen Investitionen in neue Projekte. Jürgen Stäudtner hat schon vor ein paar Jahren in seinem Buch „Deutschland im Innovationsstau“ auf diesen Tatbestand hingewiesen. Die Deutschland AG wird dominiert von Zukunftsverweigerern. 

Wohin das führt, erläutere ich ausführlich in meiner Kolumne für die Netzpiloten – erscheint bis Ende der Woche.

Open Source, Security, Elderly Care – Themen im #Livestudio Magazin #ThinkAtIBM

Innovationen in der Chip-Technologie #ThinkAtIBM #Livestudio #BikiniBerlin @larsbas

In diesem Gespräch geht es um Innovationen bei der Chiptechnologie: Was sind aktuelle, spannende Entwicklungen speziell im Bereich der künstlichen Intelligenz? Wie unterscheiden sie sich von gängigen Technologien? Welche neuen Materialien und Architekturen kommen hierbei zum Einsatz? Was sind die Vorteile dieser Innovationen?

Wolfgang Maier wird uns im Livestudio diese und weitere Fragen beantworten. Er leitet seit mehreren Jahren den Bereich Hardware-Entwicklung im IBM Labor Böblingen bei Stuttgart. Als Physiker ist eine seiner primären Aufgaben Megatrends im Bereich der Halbleitertechnologie mitzuverfolgen, ihre Relevanz zu beurteilen und sie entsprechend in das IBM Systems Portfolio zu integrieren. Derzeit beschäftigt er sich in diesem Zusammenhang in erster Linie mit den Themenblöcken Künstliche Intelligenz und Quantum Computing.

Zwischenstand zur Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ – Live-Talk mit @Bitkom_Privacy @EskenSaskia @amartin171 #ThinkAtIBM