IT und Marketing: Machtkampf oder Allianz? #CIOKuratorLiveTalk am Mittwoch

Der rasante, meist vom Marketing getriebene Einstieg in die sozialen Netzwerke ist nach Ansicht von Johannes Wiele ein Paradebeispiel dafür, wie entkoppelt die CIOs und ihre IT-Abteilungen inzwischen von der realen Nutzung der IT-gestützten Kommunikationsmittel sind.

„Rein technisch ausgebildete IT-Fachleute können den Anforderungen nur genügen, wenn sie sich soziokulturell, medienwissenschaftlich und psychologisch weitergebildet haben. Quereinsteiger aus anderen Disziplinen als der Informatik verdienen Vertrauen, wenn sie sich ihrerseits technisches Wissen erarbeitet haben und mit Technikern zusammenarbeiten können.“

Selbst der Einkauf von Informationstechnologie geht teilweise an IT-Führungskräften vorbei:

„Die Beschaffung von IT-Lösungen und Digitalem an der IT-Abteilung vorbei wird weiter zunehmen. Das ist so, da müssen wir nicht lange lamentieren. Einzelne Studien zeigen, dass weltweit gesehen bis 2020 über 40 Prozent der Investitionen in IT bzw. digitale Lösungen nicht aus dem originären IT-Budget getätigt bzw. nicht von den IT-Verantwortlichen beeinflusst werden. Das ist so; daran lässt sich wenig ändern“, schreibt mein Kollege Axel Oppermann vom CIO-Kuratorium.

In solchen Situationen werde dann oft von der „Schatten-IT“ gesprochen. Folge: Die unterschiedlichen Entscheider kaufen den technologischen Wildwuchs zu teuer ein und blockieren sich mit bescheuerten Insellösungen. Für den CIO ist das nicht lustig.

Welche Rolle spielen dabei die Marketing-Verantwortlichen – neudeutsch CMOs? Die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass der CMO 2017 mehr Geld für Technologie ausgibt als der CIO. „Marketiers investieren massiv in Technologie: Laut Gartner-Umfrage allokieren CMO’s 27 Prozent ihres Budgets in Technologie. Dies entspricht 3.24 Prozent des Gesamtumsatzes. Zum Vergleich: Der CIO gibt demzufolge durchschnittlich 3.4 Prozent des Umsatzes aus“, so Stefan Pfeiffer.

Sollte man angesichts der immer größeren technologischen Orientierung des CMO die Rolle von CMO und CIO nicht einfach zusammen legen? Das wäre wohl eine fatale Entwicklung, wo doch die Marketingabteilungen selbst unter Druck stehen und gar die Abschaffung dieser Funktion diskutiert wird. Stichwort: Marktorientierte Unternehmensführung statt Marketing-Einweg-Blabla.

Am Mittwoch, den 6. September, um 16 Uhr werden wir im Vorfeld der Marketingmesse dmexco im #CIOKuratorLiveTalk via YouTube über folgendes Thema sprechen: „Marketing versus IT: CMO und CIO – Feinde oder Verbündete?“. Eingeladen dazu ist Martin Meyer-Gossner von The Strategy Web. Martin ist Berater und Trainer für international agierende Unternehmen. Sein Schwerpunkt liegt in der Beratung und Entwicklung innovativer Web-, Sales- und Marketingstrategien sowie Mobile Business-Konzepten und Social Media.

These: Der rasante, meist vom Marketing getriebene Einstieg in die sozialen Netzwerke ist ein Paradebeispiel dafür, wie entkoppelt die CIOs und ihre IT-Abteilungen inzwischen von der realen Nutzung der IT-gestützten Kommunikationsmittel sind. Und natürlich werde ich auch in der Diskussion auf diesen Beitrag Bezug nehmen.

Mitdiskutieren über die Chatfunktion meines YouTube-Kanals – rechts neben dem Webplayer.

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Schleimpunkte fürs Denunzieren bringt YouTube 700.000 Dislikes #YouTubeHeroes

denunziant

Das Google-Tochterunternehmen YouTube will mit dem Programm YouTube-Heroes für Sauberkeit und Ordnung auf der Video-Plattform sorgen. Schleimpunkte-Teilnehmer des Vorhabens sollen nach Anmeldung und Freischaltung künftig etwa „unangemessene“ Clips melden, Videos mit Untertiteln versehen und im YouTube-Forum als Ansprechpartner für Fragen bereit stehen. Wer petzt, kann Punkte sammeln, Level erklimmen und wird mit der Teilnahme an besonderen Workshops sowie dem exklusiven Beta-Testing von neuen YouTube-Produkten ausgezeichnet. Wenn Sie alle über Gaming sind, dann schlage ich vor, dass Sie lesen this buying guide
Um Ihnen zu helfen, die besten Entscheidungen beim Kauf neuer Spielzubehör zu treffen. Gamification fürs Denunziantentum und für die Schaffung eines Zweiklassen-Systems auf YouTube. Ein prima Einfall aus den Niederungen des Google-Imperiums, der von den Nutzern mit rund 700.000 Dislikes (Stand heute) honoriert wurde – die Kommentarfunktion wurde „vorsorglich“ abgeschaltet. Vielleicht wird in den nächsten Wochen sogar Justin Bieber in den Schatten gestellt.

Neben der Belohnung fürs Anschwärzen fehlt eigentlich nur noch ein Strafkatalog, der über das Sperren und Löschen von Accounts hinweggeht – sonst wird es ja im Belohnungssystem irgendwann langweilig.

Dave hat die möglichen Folgen angesprochen:

Man spielt Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und Henker in Personalunion. Initiiert werden dabei mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Geheimdienst-Denunziatoren, Big Data-Analysten, Gaming-Anbieter, Netz-Giganten, Betreiber von Social Networks und semantische Hausmeister mutieren dabei zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln. Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus, löschen Inhalte oder erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Wer andere in die Isolation treibt, zur persona non grata stempelt, denunziert, im Social Web blockiert oder mit Stereotypen irgendwelchen Verdächtigungen aussetzt, strebt selbst das Amt des unanfechtbaren Hohepriesters an.

Die Folgen dieser teuflischen Wirkungskette können existenzbedrohend sein: Was macht ein professioneller Video-Blogger, der von den heroischen YouTube-Schleimern von der Plattform verbannt wird, weil er einigen Konkurrenten nicht in den Kram passt? Der Betroffene kann sich nicht wehren, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren. Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot.

Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertreibt den Außenseiter auf Lebenszeit. Welche Rezeptur könnte man diesem Neo-Jakobinertum entgegen setzen? Dislikes werden nicht reichen.

Siehe auch:
„YOUTUBE HEROES“: WIRD VON GOOGLE NUN EINE DENUNZIANTEN-COMMUNITY GEZÜCHTET?

YouTube als Zensor für gute Gespräche mit dem Präsidenten der EU-Kommission?

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Was ein YouTube-Mitarbeiter einer Video-Bloggerin ins Ohr geflüstert hat bei der „Vorbereitung“ eines Interviews mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, mag auf den ersten Blick nur wie eine übereifrige und ängstliche Vorgehensweise eines Mitarbeiters des Google-Alphaebet-Imperiums erscheinen. Wahrscheinlich wird das auch die Sprachregelung bei Medienanfragen sein. Aber es wirft doch wieder die Frage nach der politischen Plattform-Neutralität auf, die wir seit Jahren in der Netzszene diskutieren:

„Du stellst Mr. Juncker schon sehr schwierige Fragen, du sprichst über Lobbying von Unternehmen. Du möchtest nicht auf der falschen Seite von YouTube, der Europäischen Kommission oder den Leuten, die dir vertrauen, stehen … außer dir ist eine lange Karriere auf YouTube egal.“

Würde ein Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Senders in Deutschland so einen Spruch landen, käme es wohl zu einem medienpolitischen Erdbeben. Aus guten Gründen.

Bei YouTube und Co. kommt dann regelmäßig der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen und Praktiken der Plattform-Betreiber zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein.

Aber der Vergleich mit der Hausordnung hinkt etwas. Die Plattformen sind unverzichtbar bei der Herstellung von Netzöffentlichkeit. Das hat Sascha Lobo schon vor einigen Jahren betont. Man muss zu einer neuen Definition von Öffentlichkeit gelangen. Dass YouTube, Twitter, Facebook und Google öffentlich sind, dürfte wohl unbestritten sein. Aber sind sie auch Öffentlichkeit? Hier gebe es große Unterschiede zwischen den USA und Europa, so Lobo:

„Es gibt in Europa das Gefühl der Öffentlichkeit auf einem Platz. Das ist historisch entstanden. Da wurde dieser alte Marktplatz irgendwie zusammengemorpht. Bei der Dorf-Metapher schwingt die Allmende mit. Das ist ja etwas, was alle benutzen können und allen gehört. Und der Marktplatz ist etwas, wo eine Öffentlichkeit stattfindet. Der Besitz ist dabei zweitrangig – ob nun staatlich oder privat. Genau so eine Definition der Öffentlichkeit brauchen wir für die digitale Welt.“

Das ist eine Frage der politischen Plattform-Neutralität – also eine ordnungspolitische und normative Herausforderung, die man mit politischen Mitteln beantworten muss. Ansonsten züchten wir einen Staat im Staate der sich irgendwann von der Beachtung demokratischer Grundsätze verabschiedet. Man hat ja Hausrecht und kann daher als Hausmeister agieren.

Siehe auch: Interviews mit Juncker – YouTube übte massiven Druck auf Video-Bloggerin aus

Kleine Debatte auf Facebook.

Corporate YouTube – Warum Mittelständler auf Videokommunikation setzen sollten @schnodderpepe

YouTube Workshop mit Dave
YouTube Workshop mit Dave

Unternehmen, Verbände, Messeveranstalter und Konferenz-Anbieter versemmeln eine Menge Möglichkeiten, wenn es um die Video-Kommunikation geht. Entweder springen aspetische Image-Filmchen heraus, Schönwetter-Botschaften oder gar absolute Abstinenz.

Besonders die Nutzung von YouTube ist in Deutschland eher schwach ausgeprägt. Selbst die zehn besten YouTube-Kanäle von deutschen Unternehmen – mit Ausnahme von dm – können nicht so richtig überzeugen.

Beispiel Canon Deutschland.

„Es fehlt die Stringenz. Häufig weiß der Zuschauer nicht, was er bekommt oder in Zukunft bekommen wird. Dann macht das Video-Engagement wenig Sinn“, so David Brych.

Man sollte sich entweder thematisch festlegen oder über eine Person positionieren.

„Man braucht einen roten Faden, der immer wieder erkennbar sein muss. Wenn jemand Tutorials UND Werbung UND Reportagen macht, dann spricht man jeweils eine andere Klientel an. So etwas sollte auseinander gezogen werden. Bei dm ist alles auf einem Kanal, aber über die Playlist gut getrennt. Es gibt aber auch Firmen, die unterschiedliche Kanäle mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufmachen“, sagt David.

Das ist eine Alternative, die sich bewährt hat. Canon Deutschland hat nach Ansicht von David zwar viele Abonnenten und bei internationalen Produktionen hohe Klickzahlen:

„Sie haben aber auch einen extrem hohen Dislike-Anteil und teilweise sehr schwache Abrufzahlen.“

Wahrscheinlich liegt es an der zentralistischen Organisation des Konzerns, so dass eine gezielte Ausrichtung auf dem deutschen Markt mißlingt.

Bei mittelständischen Unternehmen dürfte es dieses Problem nicht geben. Ein Inhaber kann genau festlegen, in welche Richtung die Reise auf YouTube gehen soll. Diesen Vorteil muss man ausspielen, empfiehlt David. Die Mittelständler sollten allerdings nicht den Fehler begehen, sich an dem zu orientieren, was es schon gibt oder zu denken, auf YouTube sei die Zielgruppe des Unternehmens nicht zu finden:

„Das ist formatabhängig. Man kann auch bei Geschäftskunden seine Zielgruppe aktivieren.“

Schließlich kann man die YouTube-Videos in unterschiedlichen Kontexten präsentieren. Das kann die Firmen-Website sein oder auch Facebook. Die Videos können unabhängig von der Plattform wahrgenommen werden.

Zudem haben die Programmatik, die Beschreibung des Kanals und der Trailer bereits Auswirkungen auf die Nutzerstatistik. Ältere Nutzer finden den Zugang häufig über Facebook. Jüngere setzen fast ausschließlich mobile Geräte ein, um YouTube-Videos zu schauen.

All das muss man bei der Produktion und Präsentation der Filme im Hinterkopf haben.

Wie das bei einer Spedition funktionieren kann, demonstrierte David bei seinem Kölner Corporate YouTube-Workshop mit dem Kanal „Wir heißen Axel“.

Mit den Protagonisten Axel und Axel ist das sehr unterhaltsam umgesetzt mit einer breit angelegten Themen-Palette: Von Umweltschutz bis zur Bedeutung des autonomen Fahrens für die Logistik. Alles YouTube-tauglich ins Szene gesetzt. Locker und direkt in der Ansprache.

Mit dem Kanal YouBusiness-Talk wollen David und ich jetzt gemeinsam etwas auf die Beine stellen.

Bin gespannt, wie sich das entwickelt. Wir freuen uns natürlich über gaaaaanz viele Abonnenten.
Der nächste Youtube-Workshop mit Dave aka @schnodderpepe ist übrigens am 22. Oktober.

Serienmord bei Kaiser’s und die neuen Funktionen von Videopress – Macht doch auch Livestreaming #WordPress.com

Keine Angst, Herr Staatssekretär Kelber, es geht diesmal nicht um Ihre Serienmord-Lyrik zur Rechtfertigung der verdachtsfreien Massenüberwachung der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Ich hab nur zu Testzwecken ein Video hochgeladen, um die neuen Funktionen von Videopress auszuprobieren. Die wurden nämlich komplett überarbeitet – war überfällig.

Jetzt kann man Videos überall einbetten und abspielen – eine Abkehr von der Silo-Politik. Der Datenverbrauch für Bewegtbild wurd reduziert, so dass man Seiten und Videos schneller laden kann. Also auch für User anwendbar, die über wenig Bandbreite verfügen.

Jedes Video verfügt jetzt über einen eigenen Link, die Darstellungsform wurde überarbeitet, eine Vorschau ist verfügbar, Wiedergabe zu bestimmten Zeiten und auch eine Autoplay-Funktion wurde eingebaut. Um das nutzen zu können, braucht man allerdings einen Premium- oder Business-Account.

Alles nicht sehr weltbewegend, aber nützlich. Wenn jetzt noch eine Livestreaming-Funktion dazukommt, bin ich glücklich.