medienbüro.sohn/NeueNachricht/Zehn Jahre Google und das Endspiel um die Vorherrschaft im Internet

In den vergangenen zehn Jahren hat Google das Suchen und Finden im Internet revolutioniert. Jetzt stößt der Gigant in neue Geschäftsfelder vor. „Umwelt, Gesundheit, Bibliotheken – überall hat Google die Finger im Spiel. So könnte die Zukunft aussehen: Das grenzenlos mobile Internet wird künftig gesteuert über webbasierte Software, ist jederzeit und überall einsetzbar. Spracherkennung macht den Blick auf das Display überflüssig“, spekuliert Welt-Online http://www.welt.de und wird von Branchenexperten bestätigt: „Google hat schon vor Jahren die Spracherkennung als Schlüsseltechnologie für seine Expansionspläne entdeckt. So beobachten wir seit längerer Zeit wie der Suchmaschinen-Gigant in die Erforschung der Einsatzfelder von Sprachtechnologie und Entwicklung eigener Produkte investiert. Für Google ist der Einsatz von Spracherkennung ein strategisches Projekt im Rahmen der selbsternannten Mission ‚Organize the world’s information’. Denn das Internet wächst und dehnt sich aus – es wird immer mehr zum Bewegtbild und zum mobilen Medium“, sagt Bernhard Steimel, Sprecher der Brancheninitiative Voice Business, die Mitte Oktober in Wiesbaden den Kongress Voice Days http://www.voicedays.de/

veranstaltet. 

Die Rolle der Sprachtechnologie könne man anhand von drei Zielen erläutern, die auch als Entwicklungsstufen eines strategischen Plans von Google betrachtet werden können: „Es soll in der ersten Stufe einen einfachen Zugang zu Internet-Suchdiensten auch per Telefon geben. Der Zugang soll von überall und über jedes Endgerät möglich sein – die Sprachsteuerung dient als Dialogmedium. In der zweiten Stufe wird die Suchfunktion auf nicht-textbasierte Informationen wie Audio- und Video-Content ausgeweitet. Die Sprachtechnologie dient hier als Analyse-Medium. In der dritten Stufe wird man die Suche auf andere Trägermedien ausdehnen und alle Inhalte, auch lokale, erfassen. Die Sprachtechnologie wird dann als Eingabemedium eingesetzt“, erläutert Steimel im Gespräch mit dem Bonner Magazin NeueNachricht http://www.ne-na.de.

 

Erste Maßnahmen habe Google bereits eingeleitet. Ein Spracherkenner sei bereits entwickelt worden, der mit Daten aus der Telefonauskunft 0800-GOOG-411 http://www.google.com/goog411/

gefüttert werde. „Mit dem Start des Video Search Dienstes geht man noch einen Schritt weiter. Wenn auch Videoinhalte anhand von konkreten Äußerungen in die Suchfunktionen einbezieht, lässt sich die Online-Werbung passgenau platzieren und kann generell für die Werbeindustrie die Media-Analyse effizienter im Internet betrieben werden“, glaubt Steimel.

 

Je mehr das Handy zum Computer werde und als Multimedia-Speicher und Abspielmedium fungiere, desto mehr werden nach den Plänen des Mountain View-Konzerns auch hier Suchdienste vonnöten sein. Dabei stoße die Tastatur als Eingabemedium an ihre Grenzen, denn die Eingabe von Suchanfragen über die Zifferntastatur sei wenig komfortabel. Spracherkenner könnten zu einer Vereinfachung beitragen: „Vor diesem Hintergrund erlangt das Google-Betriebssystem Android eine zusätzliche Bedeutung – die Spracherkennung wird wohl direkt mit eingebaut“, erwartet Steimel. Google, frohlocken seine Freunde und fürchten seine Feinde, werde auch in den nächsten zehn Jahren das Cyberspace entscheidend prägen.

 

„Mit diversen Projekten und Beteiligungen hat sich der Suchmaschinenkonzern schon in Position gebracht“, berichtet Welt-Online: Nach den Worten von Vorstandschef Eric Schmidt will Google eines Tages ein „Supercomputer“ sein, über den die Nutzer alles online erledigen können. Jede Anwendung wäre internetbasiert und der Kauf von externer Software überflüssig. Ob Mailen, Surfen, Textverarbeitung, Präsentationen, Buchhaltung oder Statistik, alles würde von riesigen Serverfeldern ausgehen und Google wäre deren Eintrittstor und Gehirn zugleich. Das Stichwort dafür heißt Cloud-Computing: Es läutet nach Auffassung von FAZ-Redakteur Holger Schmidt das Endspiel um die Vorherrschaft im Internet ein: „Dokumente, Internetseiten, Fotos und Videos müssen künftig nicht mehr auf dem heimischen Rechner abgelegt werden, sondern irgendwo ‚in der Wolke’, womit riesige, über die ganze Welt verteilte Datenzentren gemeint sind. Die Internetnutzer können dann überall und mit allen Geräten auf ihre Daten zugreifen und mit anderen Nutzern teilen.“

 

Was werde Google in zehn Jahren sein? „Wenn es nach dem Willen von Larry Page ginge, dann wäre Google eines Tages eine perfekte künstliche Intelligenz, die ‚alles weiß, und das heißt, dass man alles wird tun können’“, schreibt Welt-Online. Dann werde Google vielleicht nicht nur suchen und finden, sammeln und verbreiten, sondern auch fragen und antworten, bewerten, belohnen und bestrafen. Google werde dann zu einer mächtigen Denkmaschine.

 

Siehe auch:

 

http://www.digitalnext.de/die-google-oekonomie

 

http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~ECF21B6D568F948389F884C3CFC556A8D~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

 

http://www.welt.de/webwelt/article2400155/Die-Google-Zukunft-Vom-Suchen-zum-Denken.html

 

http://www.absatzwirtschaft.de/Content/Online-Marketing/News/_pv/_p/1003186/_t/ft/_b/64088/default.aspx/google-hat-bei-der-spracheingabe-die-nase-vorn—microsoft-kann-kontern.html

 

http://www.pte.at/pte.mc?pte=070412027

 

http://www.nmz.de/kiz/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=11457

Mobilfunker mutieren zu virtuellen Speditionsfirmen

Die erfolgreich Markteinführung des Apple-Kultgerätes iPhone hat die Schwächen der Mobilfunkbrache offen gelegt: „Mit dem klassischen Handy wurden in der Vergangenheit satte Profite eingefahren. Die Mobilfunker besitzen zu viele Kunden mit festen Verträgen und können sich als Betreiber von elektronischen Mautstellen für jede Art von Mobilfunkdiensten positionieren. Alle von uns befragte Experten erwarten, dass durch die Einführung von Flate Rates für den Datenverkehr die Dose der Pandora geöffnet wird. Mit der steigenden Nutzung des mobilen Internets wird sich auch hier die Kostenlos-Mentalität des Webs durchsetzen“, spekuliert Bernhard Steimel, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net und Sprecher der Bonner Voice Days http://www.voicedays.de, im Interview mit dem Magazin NeueNachricht http://www.ne-na.de. 
 
Die meisten Branchenkenner erwarten, dass sich die Geschäftsmodelle radikal verändern werden, von so genannten Mehrwertdiensten auf Abo-Basis oder Zahlung per Abruf hin zu werbefinanzierten Konzepte. „Es kann durchaus sein, dass die in Zukunft entstehenden Werbeeinnahmen an den Netzbetreibern vorbei bei Google & Co. und den Medienhäuser landen“, so Steimel.
 
Die Mobilfunker müssten von der Konsumgüterindustrie lernen, wie man in gesättigten Märkten profitabel bleibt und nicht nur im Verdrängungswettbewerb über den Preis seine Marktanteile sichert. „Bislang wurde es allerdings von den Netzbetreibern versäumt, echte Marken aufzubauen, für die ihre Kunden bereit wären, einen Premium-Preis zu zahlen. Der Hype um das iPhone zeigt doch auch, dass die Mobilfunker bislang nicht in der Lage waren, mit Vodafone Life, T-Zone & Co. nach dem Erfolg der SMS eine neue Erfolgsgeschichte zu schreiben. Ein Grund mag sein, dass die Marktforschungsabteilungen der Mobilfunker eher ein Schattendasein fristen – im Gegensatz zu Markenartiklern oder Großbanken. Es wäre zu überlegen, ob anstatt eines Chief Information Officer (CIO) nicht ein Chief Market Intelligence Officer den Unternehmen mehr bringt“, erläutert Steimel.
 
Wenn sich nichts grundsätzliches ändere, mutieren die Netzbetreiber zu virtuellen Speditionsfirmen, zu reinen Lieferanten von Bits und Bytes. „Die Branche braucht Management-Kompetenz“, bestätigt der Lindauer TK-Experte Michael Sander von Terra Consulting Partner http://www.terraconsult.de. „Hier schaut es aber eher düster aus, oder warum hat die gesamte Mobilfunkbranche Ewigkeiten gebraucht, um nahe liegende Geschäftsmodelle wie Ethno-Marketing aufzugreifen. Das hätte man sich in anderen Branchen abgucken müssen. Stattdessen hat man jahrelang mit monatlich neuen Tarifen die Kunden verwirrt und sich die Zuwachsraten über Handysubventionen erkauft“, kritisiert Sander.
 
In der Vergangenheit sei der Mobilfunk ein relativ einfaches Geschäft gewesen und glich der Lizenz zum Gelddrucken. Größere Marktanteile seien mittlerweile nur zu gewinnen, wenn man sie dem Konkurrenten wegnimmt – und das ist nicht nur schwierig, weil ein Großteil der Kunden über Verträge gebunden ist, sondern es ist auch extrem teuer. Da die Branche trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht vom System der subventionierten Handys abrücke, schlägt jeder neue Kunde im Schnitt erst einmal mit rund 200 Euro Kosten zu Buche. „Das liegt oftmals daran, dass die Marketingbudgets für die Kundengewinnung höher sind als für die Kundenbindung. Die Mobilfunker müssen Servicequalität nicht nur als Lippenbekenntnis verstehen. Wer plant, mit Datenprodukten viel Geld zu verdienen, sollte mit einkalkulieren, dass unzufriedene Kunden nicht bereit sind, ein zweites oder drittes Produkt zu kaufen“, so der Einwand von Steimel. Die Pläne von E-Plus gehen nach Auffassung von Omar Khorshed, Vorstandschef des Düsseldorfer Abrechnungsdienstleisters acoreus http://www.acoreus.de, in die richtige Richtung. Nach dem Vorbild der Bild-Zeitung sollen Musikkonzerne, Finanzhäuser, Medien- und Markenfirmen eigene Mobilfunkangebote etablieren. „Die Netzbetreiber sind über Telefonie und SMS nicht hinausgekommen. Die Strategie der Mobilfunker, die Hand auf allem, was sich Mehrwertdienst schimpft, zu halten und zu sagen ‚das ist meins und ich entscheide allein darüber, was der Kunde bekommt oder nicht bekommt und was es kosten soll’ – ist nicht aufgegangen und das ist auch keine Überraschung. Die Chance liegt darin, dass die Netze geöffnet werden, auch für fremde Mehrwertdienste, eigentlich beliebige Dienste. Man kann das gut mit dem Internet vergleichen. Jeder kann anbieten was er will. Er kann seine Angebote verkaufen oder kostenlos vertreiben“, empfiehlt Khorshed.
 
Die Herausforderung liege für die Mobilfunkbranche darin, technische Standards zu etablieren: „Wie kann ich Mehrwertdienste auf möglichst einfache Art und Weise in ein Mobilfunknetz integrieren? Welche Dienste erfolgreich sein werden, einen tatsächlichen Mehrwert, gute Umsätze und Erträge generieren, ist nur schwer vorher zu sagen und zählt nicht zu den Kernkompetenzen der Netzbetreiber. Für bestimmte Altersgruppen können es Spiele sein, für wiederum andere sind es vielleicht Börsenanwendungen. Der Phantasie dürften an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt sein“, resümiert Khorshed.