Das tägliche Chaos des beruflichen Daseins und nützliche Tools für die Organisation der Unübersichtlichkeit

In seinem neuen Opus Meconomy stellt der Autor Markus Albers einige wichtige Fragen über modernes Arbeiten und wie man das tägliche Chaos seines beruflichen Daseins in den Griff bekommen kann.

Wie viel Zeit brauchen wir, um produktiv und kreativ zu sein? Um jene Dinge zu verfolgen, die uns wirklich wichtig sind? Und was müssen wir aufgeben, einschränken oder abschaffen, um die Ressourcen zu haben, etwas Neues zu schaffen? „Wer Dinge schaffen will, egal ob ein Buch, einen Song oder einen Businessplan, muss – es hilft alles nichts – die permanente Erreichbarkeit und die ständige Ablenkung eindämmen. Und zwar nicht nur diejenige durch Job, Kollegen und Chefs. Sondern auch durch Freunde, Friends, Kontakte, andere Twitterer und eigene Follower. Die Position vertritt vehement der Produktivitätsexperte Merlin Mann. Er kämpft gegen die allgegenwärtige Versuchung, sich ablenken zu lassen, beschäftigt zu tun, aber nichts Produktives oder Kreatives zu schaffen. Der moderne Mensch, so sagt er gern, ist wie der Mitarbeiter eines Sandwich-Ladens, der lauter Bestellungen entgegennimmt, diese auf Zettel schreibt und die Zettel dann in immer neuen Reihenfolgen sortiert, immer wieder überlegt, wie man all diese Aufträge am effektivsten abarbeiten könnte – aber vor lauter Sortieren und Planen nie dazu kommt, die Brote zu belegen. ‚Don’t just take orders, make sandwiches‘, lautet Manns Ratschlag, der natürlich in übertragendem Sinn zu verstehen ist. Dabei nützen Tools und Techniken, die ich in meinem Buch beschreibe. Ich selbst könnte zum Beispiel ohne Evernote, Things, GTD, und Zero-Inbox nicht mehr arbeiten“, erläutert Albers im Interview mit „Kunst und so“.

Über diese Tools kann ich noch nichts sinnvolles berichten, bin aber immer auf der Suche nach nützlichen Tools, um das Chaos meines Arbeitsplatzes ein wenig besser beherrschbar zu machen.

Um mit seinem Schlachtfeld Schreibtisch fertig zu werden, hat der Journalist Gordon Bolduan einen Selbstversuch für das persönliche Wissensmanagement gemacht. Der Beitrag ist in der März-Ausgabe der Zeitschrift Technology Review zum Fokusthema „Wissensmanagement“ erschienen. Um gegen riesige Bookmark-Listen anzugehen, könnte der virtuelle Zettelkasten von Zotero weiterhelfen. Das Programm ermöglicht, auf bequeme Art und Weise und direkt aus dem Browser heraus Websites zu archivieren. „Ein Mausklick genügt, und Metadaten wie Autor, Webadresse und Aufrufdatum werden automatisch aus dem Quelltext der ausgewählten Internetseite extrahiert und in der Eingabemaske ausgeführt. Zusätzlich kann ich den virtuellen Zettel noch mit Notizen anreichern und beispielsweise mit Schlagworten (Tags) wie ‚Robotik‘ oder ‚Künstliche Intelligenz‘ versehen“, so Bolduan. So seien Mehrfachkategorien möglich. Zudem könne man eine Kopie des digitalen Archives auf einem Zotero-Server im Internet hinterlegen. Zu aufwändig sei allerdings die nachträgliche Archivierung von Daten aus den vergangenen Jahren. Bei Bolduan sind es elf Gigabyte.

„Die Installation der kostenlos erhältlichen Software ‚Copernic Desktop Search‘ rettet mich. In wenigen Minuten erstellt sie einen Index von meinem gesamten Datenbestand, den sie jedes Mal aktualisiert, wenn der Computer nicht allzu viel zu tun hat“, führt der TR-Autor aus. Cool, das werde ich auf alle Fälle mal abtesten.

Die Unzahl an Blogs bekommt Bolduan ebenfalls mit einer freien Software in den Griff. Um eine bessere Übersicht darüber zu erhalten, was sich auf ausgewählten Websites tut, richtet er sich eine Art Nachrichtenticker ein. Grundlage sind RSS-Feeds, Infohappen aus Schlagzeilen, Textanriss und Links zum Weiterlesen. Mit dem Programm BlogBridge kann man die Mini-Meldungen in Ordnern zusammenlaufen lassen, die den eigenen Interessen entsprechen. Mit einem Mausklick wird sichtbar, wo eine neue Meldung erschienen ist.

ManchmalSehr häufig liebe ich allerdings auch das Chaos meiner Arbeitshöhle, denn es bringt ab und zu Dinge zum Vorschein, die mich immer wieder überraschen und meine Recherchen bereichern. Welche Tipps habe Ihr parat, was habt Ihr ausprobiert? Beim persönlichen Wissensmanagement gibt es wohl keinen goldenen Weg.

Schummeln mit dem Dosenpfand – Dumpingpreise für Einweg-Getränke ein Fall für das Kartellamt

Mülleimer neben dem Rücknahmeautomat

Mit der ökologischen Korrektheit hat der Technology Review-Blogger Niels Boeing merkwürdige Erfahrungen gesammelt. Er wollte Einwegflaschen und Dosen am Rücknahmeautomaten eines Supermarktes zurückgeben. Zwei Dosen spukte der Apparat wieder aus. Eine Verkäuferin erklärte Boing, dass die abgewiesenen Einwegverpackungen kein Pfandsymbol tragen würden und deshalb nicht zurückgenommen werden. Eine Pfandrückerstattung könne deshalb nicht erfolgen. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass die beiden Markenbier-Dosen für Polen produziert worden waren.

Vom Büdchenbesitzer, bei dem das Bier gekauft wurde, erfuhr Boeing, dass es sich nicht um Pfanddosen handelt: „Nein, sagte er, das stimmt, aber wir bekommen die manchmal auf Paletten angeliefert. Ob er wisse, wer die liefere? Daran könne er sich leider nicht erinnern“, sagte der Mann im Kiosk. Nach Erkenntnissen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) http://www.duh.de handelt es ich mitnichten um Irrläufer. Offenbar hat sich seit Einführung des einheitlichen Pfandsystems im Jahre 2006 ein schwunghafter Handel mit pfandfreien Dosen entwickelt. „Die Umwelthilfe beobachtet das Geschehen schon länger. In vielen deutschen Imbissbuden, Kiosken und Tankstellenshops seien Exportdosen im Regal ganz normal, und so mancher Betrieb schlägt die 25 Cent Pfand trotzdem drauf“, schreibt Boeing in seinem Blogbeitrag.

Umweltexperten und die mittelständische Getränkeindustrie kritisieren massiv das Regelungschaos des Dosenpfandes. Kaum ein Verbraucher blicke mehr durch, welche Getränke unter die Pfandpflicht fallen und welche nicht. Unterschiede zwischen Mehrweg und Einweg seien kaum noch zu erkennen. Fast jeder zweite Verbraucher in Deutschland wisse selbst sechs Jahre nach Einführung des Einwegpfandes nicht, dass es neben Mehrweg-Pfandflaschen auch Einweg-Pfandflaschen gibt. Entsprechend hoch seien die Pfandgelder, die in den Kassen des Handels verbleiben.

Die Mineralbrunnen-Betriebe gehen davon, dass Pfandgewinne von den Discountern in die Quersubventionierung von Einweggetränken gesteckt werden. Umgerechnet auf den Literpreis koste Mineralwasser beim Discounter 13 Cent und im normalen Getränkehandel 50 Cent. Um den mit Hilfe von Einweg-Dumpingpreisen geführten Verdrängungskampf der Discounter gegen den mehrwegorientierten Mittelstand zu stoppen, fordern Umwelt- und Branchenverbände neben dem Einwegpfand eine wirksame Lenkungsabgabe von mindestens 20 Cent pro Flasche. Anders werde das in der Verpackungsverordnung verbindlich festgeschriebene Ziel eines Anteils von 80 Prozent ökologisch vorteilhafter Verpackungen nicht erreicht.

Kasseler Abfallforum diskutierte über aktuelle Müllprobleme
Kasseler Abfallforum diskutierte über aktuelle Müllprobleme
„Das Dosenpfand in der jetzigen Regelung ist für den massiven Rückgang der Mehrwegquote verantwortlich. Besser wäre von Anfang an eine Abgabenlösung gewesen, die von großen Teilen des Einzelhandel auch mitgetragen worden wäre. Die dadurch erzielten Einnahmen kämen der Allgemeinheit zugute. Jetzt haben wir die reine Einweg-Pfandlösung mit den bekannten Folgen des Pfandschlupfes“, kritisierte Gottfried Jung vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium beim Kasseler Abfallforum. Der gewaltige Preisunterschied treibe die Verbraucher zu Einweg-Getränken. Daran würde auch die vom Bundesumweltministerium vorgeschlagene Kennzeichnungspflicht nichts ändern.

Wie der Einweg-Dumpingpreis der Discounter zustande kommt, könne sich Dr. Helge Wendenburg vom Bundesumweltministerium nicht erklären. Die Prüfung der Ursachen sei nicht die Aufgabe seines Hauses. Hier stünden das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundeskartellamt in der Pflicht. Wenn ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliege, müsse entsprechend gehandelt werden.

Hier der Mitschnitt der Pressekonferenz des Kasseler Abfallforums mit den Aussagen von Gottfried Jung vom Umweltministerium in Rheinland-Pfalz und Dr. Helge Wendenburg vom Bundesumweltministeriums.

Experten äußern sich zum Dosenpfand-Debakel
Experten äußern sich zum Dosenpfand-Debakel

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IP-Kommunikation: Wenn die Leitung kracht, wie zu Omas Zeiten

Unzuverlässigkeit neues Merkmal des Internet-Zeitalters?
Unzuverlässigkeit neues Merkmal des Internet-Zeitalters?
Der Wechsel von hart verdrahteter Hardware hin zu geschmeidiger Software hat nach Ansicht von Technology Review-Blogger Ben Schwan viele Vorteile. Auf modernen Hifi-Anlagen läuft inzwischen Linux, so dass man, wenn es sein muss, auch Web-Sites von dort ausliefern könne. Das DSL-Modem könnte wahrscheinlich auch, wenn ein Grafikchip enthalten wäre oder ein Bildschirmanschluss, zu einer Runde Online-Doom einladen. Das DECT-Telefon kontaktiere den Server des Herstellers, um neue Bildschirmhintergründe herunterzuladen oder Börsenkurse anzuzeigen.

„Das Problem bei alledem: Niemand scheint sich angesichts dieser Internetisierung der Elektronik mehr darum zu kümmern, dass Geräte ihre grundsätzlichen Aufgaben zuverlässig und problemfrei erledigen – und zwar in jeder Situation, mit der der Anwender sie konfrontieren könnte. Nehmen wir beispielsweise das Festnetztelefon in einem modernen Haushalt mit günstiger Breitband-Flatrate. Das Gerät hängt nicht mehr an der Dose der Telekom, sondern an einem Router. Die Gespräche erfolgen nicht mehr über das nahezu unkaputtbare vermittelte Leitungsnetz, sondern per Voice-over-IP“, so Schwan. Bei einem Ausfall des Routers funktioniere dann gar nichts mehr. Streikt der Server beim Provider, schaut man auch dumm aus der Wäsche. „Und wenn man zufällig auf die Idee kommt, einen größeren Download mit voller Geschwindigkeit parallel zu einem Telefon durchzuführen, kracht es in der Leitung, wie weiland zu Omas Zeiten“, moniert der Technology Review-Autor.

Die Entwickler müssten ähnlich wie ihre Ingenieurvorbilder in früheren Jahrhunderten rigorose Qualitätssicherung betreiben. „Wir leben blöderweise in einem Beta-Zeitalter, in einem Zeitalter der Unzuverlässigkeit“, moniert Schwan. Die Frage ist nur, wie leidensfähig der Kunde noch sei.
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Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums in München, hält die Zuspitzung von Schwan für übertrieben. „Man sollte nicht denken, dass das ‚alte’ GSM-Telefon ohne Ausfälle gelaufen ist. Da steckte auch eine Menge IT dahinter. Es lieg am Anfang nicht gerade stabil, verfügbar und komfortabel. Die heutigen Netzkomponenten werden immer stabiler – trotz aller Spams und Virus-Attacken. Es gibt weniger Staus als auf einer Bundesautobahn“, meint Rebetzky, der hauptberuflich als CIO für den Balinger Technologiespezialisten Bizerba tätig ist. Etwas anders sehe es mit der Software aus. Hier würden häufig unreife Systeme auf den Markt kommen. Da heiße es dann: Warten, bis die ersten Bugfixes geliefert sind!

Innovationszyklen und Preisdruck machen Software fehleranfällig
Innovationszyklen und Preisdruck machen Software fehleranfällig
Dass in den komplexen Softwarelösungen häufiger Fehler auftreten, liege vor allen Dingen an den kurzen Innovationszyklen, so die Erfahrung von Marc Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity in Bonn. „Die Anbieter schaffen es kaum noch, mit den Aktualisierungen für die Fehlerbeseitigung der alten Software hinterher zu kommen. Auch der Preisdruck ist nicht zu vernachlässigen. Internationale Telefongespräche für wenige Cent pro Minute, Internet Flat Rates für monatlich 15 Euro, das drückt auf die Qualitätssicherung. Unterm Strich erhält der Kunde zwar im Durchschnitt keine qualitativ hochwertigen und langfristig wertstabilen Produkte, wie früher etwa bei Leica-Kameras, Radios von Telefunken und Tonbandgeräte von Braun, aber dafür hat er die Chance, im Rhythmus von zwei oder drei Jahren eine Vielzahl von leistungsfähigen Geräten zu erwerben und immer wieder zu erneuern“, sagt Schmidt. Mit der vor zehn Jahren für umgerechnet 1.000 Euro erworbenen Digital-Kamera wolle heute niemand mehr Bilder machen. „Bei Lösungen für Unternehmen muss die Balance anders gewählt werden. Hier steht nicht der Marketing-Hype im Vordergrund, sondern die Zuverlässigkeit. Geschäftstelefonie sollte zu jeder Zeit fehlerfrei funktionieren. Beim Bürotelefon spielen hochauflösende Farbdisplays eine untergeordnete Rolle“, so Schmidt.

Geklaute Mobilfunkwelten, LTE-Feldversuche in Nürnberg und kognitive Funktechnik

dsc_0008Technikjournalisten zufolge haben der Mobile World Congress in Barcelona und die Cebit in Hannover keine Impulse für die Mobilfunkwelt gebracht. Am Ende bleibe nur Enttäuschung und Ratlosigkeit: Keine spektakulären Ideen, wenig Neuvorstellungen und Inspirationen. „Was in diesem Jahr geboten wurde, war vor allem peinlich. Einer guckt vom anderen ab. Microsoft kommt mit seinem neuen Betriebssystem 7 für Taschencomputer nicht in die Puschen. Was macht der Konzern? Er präsentiert ein Interims-Release, Windows Mobile 6.5, und die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit, die Geräte nun besser mit dem Finger zu steuern. Abgeschaut bei HTC und seinem Touch Flo-System und natürlich bei Apples iPhone“, schreibt FAZ-Redakteur Michael Spehr. Auch der vom Handy aus erreichbare Marktplatz für Software stamme ursprünglich von Apple. Microsoft mit dem Windows Marketplace und Nokia mit dem Ovi Store würden nur nachahmen. „Wenn Apple neuerdings den Handy-Speicher mit seinem ‚Mobile Me’ ins Internet hinein erweitert, auf dass man mit iPhone und PC auf ein und denselben Datenbestand zugreife, heißt das Plagiat von Microsoft ‚My Phone’ und bei Nokia abermals ‚Ovi’. Die Zielrichtung der großen drei ist damit klar: Wer sich für eines dieser Konvergenzprodukte entscheidet, bindet sich fest an den betreffenden Anbieter, denn natürlich ist nichts untereinander kompatibel“, so Spehr. Insgesamt sei der Auftakt des Mobilfunkjahres 2009 ein Debakel.

„Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Man sollte sein Augenmerk auch nicht nur auf neue Handys oder Smartphones setzen oder welche Apple Store-Kopien sich durchsetzen werden. Vielmehr zeigte der Kongress in Barcelona dem geneigten Fachbesucher zum Beispiel eines: Die neue Technologie Long Term Evolution (LTE) oder 4G, also die vierte Mobilfunk-Generation kommt ins Laufen. Das konnte man zum Beispiel an der Ankündigung von Verizon ablesen, dem größten US-Mobilfunkanbieter, sein Netzwerk in den nächsten Jahren auf LTE umzustellen. Dabei haben Alcatel-Lucent und Ericsson den Zuschlag bekommen. Wie ich finde, eine gute Nachricht für die europäische Telekom-Branche. Nicht zu übersehen war auch die fulminante Präsenz von Ausrüstern aus Asien, allen voran China mit Huawei und ZTE, die eine zunehmende Konkurrenz für die europäischen und amerikanischen Platzhirsche darstellen. Die haben den Ernst der Lage jedoch erkannt“, erläutert Mobilfunk-Experte Dirk Zetzsche von Nash Technologies in Nürnberg. Er geht davon aus, dass vor allen Dingen die Länder der westlichen Hemisphäre auf die LTE-Technologie setzen werden. Sein Unternehmen betreibe in Nürnberg bereits ein eigenes Netz für Feldtests der Netzbetreiber.

So habe der Nokio-Chef Olli Pekka Kallasvuo eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Qualcomm angekündigt, um neue Handys zu bauen, basierend auf den Chipsätzen von Qaulcomm und Nokias S60 Plattform. „Alles in allem kein schlechter Auftakt in das Mobilfunkjahr 2009, auch wenn das kaffeekochende Smartphone und der einzigartige Superstore nicht gezeigt wurden“, meint Zetzsche im Gespräch mit NeueNachricht.

Allerdings klaffen zwischen den Funktionen der neuen Endgeräte und den angebotenen Diensten der Netzbetreiber noch Lücken, betont Aastra-Deutschlandchef Andrea Latzel. „Ob die eingebaute Kamera sechs, acht oder zwölf Megapixel Auflösung hat, spielt im Grunde keine Rolle, genauso wenig, ob das Betriebsystem des Smartphones Mac OS X, Windows Mobile, Symbian oder Android heißt. Insofern variieren die gezeigten Geräte den zur Verfügung stehenden Pool an Leistungsmerkmalen in beliebiger Kombination. Was aber auch nicht wundert, da die den technischen Plattformen der Handys zugrunde liegenden Prozessoren und Chips ziemlich gleich sind“, sagt Latzel. Die Rückkopplung der Leistungsmerkmale auf die angebotenen Dienste der Netzbetreiber entscheidet, ob Geräte in die Subventionierung über Mobilfunkverträge gehen oder nicht. „Und damit entscheidet sich, ob ein Gerät ein Massenmodell wird oder ein Nischenmodell in geringer Stückzahl bleibt. Die Situation um mobiles Fernsehen in Deutschland und das Mobile 3.0 Konsortium hat deutlich gezeigt, dass Technologie und Inhalte keine kommerzielle Chance haben, wenn die Netzbetreiber nicht in die Geschäftsmodelle involviert sind. Mit der Broadcast-Übertragung über DVB-H und der Lizenz im Besitz eines Konsortiums ohne Teilnahme der Mobilfunknetzbetreiber war im Grunde das Scheitern dieses Dienstes vorprogrammiert“, kritisiert Latzel.

Was derzeit weiter fehle, seien interessante und gleichzeitig für den Betreiber profitable Anwendungen. Apple habe das mit dem iPhone und iTunes exemplarisch vorexerziert, und damit auch die Netzbetreiber eingefangen. Wobei die Mobilfunknetzbetreiber nur als Vertriebsvehikel und Bitpipe für Apple dienen würden. Richtig Spaß wird der Mobilfunk erst machen, wenn man sich als Anwender über die kryptischen Abkürzungen wie GMS, GPRS, HSDPA, EDGE, Bluetooth, UMTS, WLAN oder LTE keine Gedanken mehr machen muss. Abhilfe könnte der so genannte „kognitive Funk“ schaffen: „Das Telefon der Zukunft sucht sich die schnellste oder billigste Verbindung automatisch aus – der Nutzer muss sich um lästige Details nicht mehr kümmern. Kommt man unterwegs zum Beispiel an einem offenen WLAN vorbei, schaltet das Handy nahtlos von der teuren UMTS-Verbindung auf WLAN um – und verbindet sich beim Verlassen des Netzes ohne Unterbrechung wieder mit UMTS“, berichtet die Zeitschrift „Technology Review“.

Bereits in drei Jahren könnte es nach Prognosen von Intel-Forscher Krishnamurthy Soumyanath erste Chips geben, in denen Ansätze von kognitiver Funktechnik enthalten sind. Das größte Problem sei nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Man brauche völlig neue Vertragsmodelle, Bezahlsysteme und gegenseitige Vereinbarungen der Netzbetreiber.

Breitbandkommunikation in norwegischen Fjorden: Überall-Internet mit analogen Mobilfunknetzen

Norwegen ist unglaublich schön – besonders in jenen Ecken, die etwas abgeschiedener liegen. Jetzt könnte es nach einem Bericht von Technology Review noch schöner werden. Zumindest für Leute, die immer und überall online sein wollen: „Ein Provider namens Ice.net schickt sich seit einiger Zeit an, naturverbundene Menschen auch in der eigenen Hütte am Fjord, draußen auf einer der vielen Inseln sowie selbst im Boot vor der Küste mit dem kommunikationstechnischen Must-Have der heutigen Zeit zu versorgen: Breitband-Internet“, so Technologie Review.

Das Unternehmen setze dabei auf eine kluge Kombination aus alter und neuer Technik: Der Provider verwende die Lizenz des alten nordischen Analog-Mobilfunks NMT und betreibe darüber ein so genanntes CDMA-Netz – in den USA unter dem Schlagwort EVDO bekannt. Diese Verfahren ermöglichen die gleichzeitige Übertragung verschiedener Datenströme auf einem gemeinsamen Frequenzbereich. „Der Vorteil gegenüber UMTS: Da NMT auf einer geringeren Frequenz als UMTS sendet und empfängt, sind weniger Basisstationen notwendig und die Wellen reichen weiter. Das reicht für 2,5 bis 3 Megabit selbst in dünner besiedelteren Regionen, etwas weiter draußen bekommt man immerhin noch knapp ein Megabit“, schreibt Technology Review.

Die Technik könnte sei einfach. Man erhalte entweder ein USB-Modem oder noch simpler einen kompakten WLAN-Router, der gleichzeitig im drahtlosen Breitband-Internet eingebucht ist. Man brauche weder Passwort noch SIM-Karte, das Gerät ist sofort eingebucht. Der Router generiere eine eigene private WLAN-Zone, in die man alle im Haus befindlichen Rechner einklinken kann. Bezahlt werden rund 250 Euro für die Hardware, wenn man keinen längeren Vertrag abschließen will – ansonsten werde es billiger. Für die Flatrate kommen nochmals knapp 50 Euro im Monat hinzu. „Für norwegische Verhältnisse ist das ein Schnäppchen“, verkündet Technology Review. Für Deutschland wäre so etwas nur nach den Vorgaben der Bundesnetzagentur möglich. „Da müsste ein politischen und wirtschaftliches Interesse mit Nachdruck öffentlich geäußert werden“, so die Einschätzung von Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieteres Aastra.

Angesichts von vier UMTS-Lizenzen, die ja alle sehr teuer erworben wurden, sei das aber sehr fraglich. Neue 3G-Übertragungsverfahren könnten zur Zeit nicht durchgesetzt werden. „Technisch abwegig ist die Idee nicht. So sind die Frequenzbänder des ehemaligen analogen C-Mobilfunknetzes ja auch für Railnet verfügbar, das Netz zur Versorgung der ICE-Züge der Deutschen Bahn. Dort kommt Flash-OFDM als Modulationstechnik im Bereich von 450 MHz zum Einsatz, bei Übertragungsraten im Downlink von 1,5 bis 5,1 Mbit pro Sekunde.
Von der Technik her würden sich damit auch ländliche Regionen ohne DSL erschließen lassen“, weiß Latzel.

Allerdings zeige die Situation um WiMAX (802.16), wie schwierig sich Geschäftsmodelle für Breitbanddienste im Zeitalter der Flat Rates und des Wettbewerbs DSL gegen Kabelnetze gestalten. „Obwohl in Deutschland WiMAX-Lizenzen im Dezember 2006 vergeben wurden, ist jetzt 24 Monate später immer noch kein Angebot auf Basis des für ländliche Gebiete gut geeigneten WiMAX in Sicht“, resümiert Latzel.