Facebook-Servicebürokratie und eine Frage an Gunnar Bender

Wenn man an seiner eigenen Fanpage herumbasteln möchte, gebärdet sich Facebook wie ein störrischer Esel. So wollte die Süddeutsche ihren Namen aus nachvollziehbaren Gründen in Süddeutsche Zeitung ändern. Für den Zuckerberg-Konzern ein nicht nachvollziehbarer Wunsch. Wo käme man denn da hin, wenn eine Instanz wie die Süddeutsche, die seit Jahrzehnten zu den wichtigsten überregionalen Tageszeitungen zählt, zu ihrem Namen wechseln möchte, der zum Markenzeichen des Printmediums gehört.

Die Erfahrungen mit der Facebook-Servicebürokratie erläutert SZ-Blogger Stefan Plöchinger so:

„Man darf nicht einfach selbst den Namen seiner Facebook-Seite ändern. Man muss das bei Facebook beantragen. Wer denkt, er hat Hoheit darüber, wie er mit seinen Fans kommuniziert – falsch gedacht. Facebook hat die Hoheit. Im Kern ist das Argument des Konzerns: Solange über Süddeutsche.de, der Internetseite der Süddeutschen Zeitung, nicht wortwörtlich ‚Süddeutsche Zeitung‘ steht, wird der Name der zugehörigen Facebook-Seite nicht geändert. Denn es könnte ja sein, dass ein Facebook-Nutzer zwar Süddeutsche.de mag, die Süddeutsche Zeitung jedoch nicht. Der Einwand, dass wir von einem solchen Fall noch nie gehört haben, verfing nicht. Entschieden hat das ein Team des Konzerns in Irland oder den USA (wo man unsere Fans offenbar besser kennt als wir selbst).

Wenn Sie die Geschichte für grotesk halten: Sie ist nicht zu Ende.

Wir haben von Facebook immerhin das Recht erhalten, die erwähnte inoffizielle Fanseite der Süddeutschen Zeitung zu übernehmen – und in eine offizielle Seite zu überführen; das ist so üblich bei derlei Markenkonflikten. Nun wollten wir dem Gründer dieser inoffiziellen Seite (einem echten Fan!) eigentlich für seine bisherige Arbeit danken und ihn bitten, an der Sache weiter mitzuarbeiten. Wir baten Facebook schon vor Monaten um die Möglichkeit, zu ihm Kontakt aufzunehmen, was ebenfalls nicht simpel möglich ist. Und bekamen ebenfalls eine Abfuhr: Wir könnten den Facebook-Regeln gemäß nur Kontakt zu unserem eigenen Fan herstellen, indem wir auf die inoffizielle „Süddeutsche Zeitung“-Fanseite ein Posting mit der Bitte schreiben, er solle sich melden. Das taten wir. Und bekamen leider nie Antwort.“

Das gefällt mir überhaupt nicht und passt gut in die Kategorie der „Friss-oder-stirb-Geschäftspolitik“, die sowohl Facebook als auch Google an den Tag legen.

Was sagt denn der neue Facebook-Lobbyist Gunnar Bender zu dieser Vorgehensweise?

Wirtschaftsblogs im Überblick

Die Süddeutsche Zeitung Online hat heute einen sehr schön Beitrag über interessante Wirtschaftsblogs veröffentlicht: „Sie werden mehr, sie werden besser: Eine Reihe von Blogs kommentiert die aktuelle Wirtschaftslage. Es geht tiefsinnig um Geldpolitik, um Banken mit Filialen auf Facebook und freche Kommentare“, schreibt die SZ.

Zum Beispiel http://www.weissgarnix.de/. Weissgarnix sei der Feuilletonist unter den Wirtschaftsbloggern. Hinter dem Pseudonym stecke der Österreicher Thomas Strobl, 43, der mittlerweile als Finanzmanager in Hamburg lebt. Er kommentiere die Wirtschaftslage lakonisch und mit Literatur-Zitaten.

Oder: http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/ „Egghat ist der Prototyp eines Wirtschaftsbloggers. Der Software-Entwickler, der nicht unter seinem echten Namen im Internet unterwegs ist, kommentiert seit fünf Jahren meist sehr pointiert die aktuellen Wirtschaftsnachrichten“, urteilt die SZ.

Da wäre noch http://www.blicklog.com: Hinter dem Blicklog stehe der Unternehmensberater Dirk Elsner, 47, aus Bielefeld. Bei ihm gehe es um Banken, Finanzierung und Risikomanagement – und zwar tiefgründig.

Höchst lesenswert finde ich den Handelsblog, wo u. a. Olaf Storbeck, Redakteur des Handelsblattes, publiziert. Sein eigener Blog in englischer Sprache findet sich unter: http://olafstorbeck.com/. Deutsche Version unter: http://olafstorbeck.com/deutsche-texte/

Alle weiteren Blogs findet man in dem SZ-Beitrag.

Trolliges Medienecho und helles DuMont-Entsetzen

Die Affäre um anonym abgegebene Kommentare im Blog von Stefan Niggemeier, die zumindest vom Rechner des Verleger-Sohnes Konstantin Neven DuMont stammen, zieht größere Kreise. Meedia hat das Presseecho zusammengefasst: Die FTD, die Süddeutsche und die FAZ haben den Skandal um „erfundene Kommentatoren“, „wilde Vermutungen“ und „einen mitteilsamen Verleger“ aufgenommen. Gut kommt DuMont dabei nicht weg. Die Financial Times Deutschland (FTD) stellt sogar die Frage: „Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?“

FTD-Autor Matthias Oden bringt das Blog-Theater auf den Punkt: “Es ist ein gewaltiger Vorwurf, der da mitschwingt: Ein Verleger, der anonym einen mehrfach für seine Verdienste um die deutsche Medienlandschaft ausgezeichneten Blogger zu diskreditieren versucht?….Und eigentlich wäre Neven DuMonts Antwort schon unangenehm genug für ihn: Mitarbeiter eines Konzernvorstands, die ohne dessen Wissen von seinem Rechner aus Feldzüge gegen den Kritiker des Chefs führen – es gibt Eingeständnisse, die leichter fallen. (Ahnlich habe ich das auch gewertet. Was sagen eigentlich die Verlagsmanager, die für die IT-Sicherheit verantwortlich sind, zur Aussage ihres Vorstandsmitgliedes??????, gs) Aber es kommt noch dicker: Denn Niggemeier zufolge erreichen ihn noch immer Kommentare von Neven DuMonts Computer. Und wenn beide, Neven DuMont und Niggemeier, die Wahrheit sagen, führt das wiederum zu der Frage: Wer greift da gegen den erklärten Willen von Neven DuMonts auf seinen Rechner zu? Wie auch immer die Antwort darauf ausfallen mag, in einem hat Niggemeier wohl recht: ‚Es ist eine bizarre Geschichte.’”

Unruhig ist wohl auch die Stimmungslage verlagsintern. So schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Es gibt nicht wenige Leute in der Verlagswelt, und viele davon arbeiten für DuMont, die die Kommunikationslust des jungen Verlegers lustig finden. Doch das Amüsement ist verflogen. Es herrsche ‚helles Entsetzen‘, heißt es aus dem Umfeld der Unternehmensführung. Es geht um eine E-Mailadresse und sehr viele Identitäten. Und es geht um den Ruf des Hauses DuMont.“

Und wenn die Aussagen von Konstantin Neven DuMont zutreffen sollten, stellt sich die Frage nach seinen Qualitäten als Vorstandsmitglied eines großen Medienverlages in Deutschland. Schließlich verantwortet er einen wichtigen Geschäftsbereich: Unternehmensstrategie und Kommunikation.

Jakob Augstein: Düstere Prognosen für Tageszeitungen

Omas Zeitung liegt im Sterben
Omas Zeitung liegt im Sterben
Seit Jahren büßen Tageszeitungen an Auflage ein und wandert Werbung ins Internet ab. Die Folge: Verlage verdienen immer weniger mit Anzeigen und sind immer stärker auf – stetig sinkende – Vertriebserlöse angewiesen. Die größte Bedrohung jedoch: Immer weniger junge Menschen kaufen Zeitungen. Warum auch, wenn Lokalblätter den Nachrichtenwert einer Konservendose haben.

„Die Zeitungen ändern sich?“ war das Diskussionsthema des „Medientreffpunkts Mitteldeutschland“. Jakob
Augstein beurteilte die Perspektiven für Tageszeitungen als „düster bis tief schwarz“, so der Geschäftsführer der Wochenzeitung „Der Freitag“ und Mitgesellschafter der Spiegel-Verlagsgruppe. Die Zeitungen änderten sich eben nicht, führte er aus: „Die Beharrungskräfte in den Redaktionen und die Abhängigkeit von alten Erlösmodellen stehen einer Anpassung an die neuen Verhältnisse im Weg.“

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, schilderte den Weg der Tageszeitungen ins Internet: In einer ersten Phase hätten die Verlage Zeitungsinhalte einfach ins Netz gestellt. Heute gebe es
Zusatzangebote wie Themendossiers oder Fotostrecken – „eine verlängerte Zeitung“. Als eigenes Produkt und eigene Marke aber hätten die Verlage das Onlinemedium noch nicht begriffen. Die Markenbildung hält auch Augstein für eine der wichtigsten Aufgaben von Online-Zeitungen. Inhalte verschiedener Anbieter müssten sich
„viel stärker“ voneinander unterscheiden, sagte er. „Von spiegel.de bis zu sueddeutsche.de ist es heute nur ein Klick. Die Trennschärfe ist nicht groß genug.“ Augstein setzt auf die Kommunikation mit den Lesern: „Journalisten müssen vom hohen Ross des Dozierens runterkommen.“ Mehr Beteiligung der Medienkunden klingt doch irgendwie nach Jeff Jarvis. Siehe auch „das Ende der Zeitungspapier-Ära“.

Mit seiner Forderung nach mehr Inhalt, die von den Zeitungsnutzern selbst gestaltet werden, erntete Augstein Widerspruch beim Chefredakteur von sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs. Journalisten seien als
Garanten für sicher recherchierte Texte unabdingbar. Daran kann ja kein Zweifel bestehen. Nur die Printjournalisten sind halt nicht mehr die exklusive Quelle der wirklich harten Nachrichten!

Hoffnungsträger Mittelstand: Inhabergeführte Unternehmen werden wichtiger

Expertenforum Mittelstand
Expertenforum Mittelstand
„Hoffnung Mittelstand“ ist nicht nur ein häufig gehörte Formulierung in Krisenzeiten, sondern auch der Titel eines Sammelbandes, herausgegeben von Marc Beise und Lutz Diedrichs. Mittelständler hatten kein Konto bei Lehman Brothers, sie würden in der Regel keine Geschäfte mit komplizierten Derivaten machen und enthalten sich bei der globalen Zockerei auf den Finanzmärkten – aber sie bekommen dennoch die Folgen der Krise zu spüren und stehen unter dem Generalverdacht der Kapitalismus-Kritiker.

Doch mit der Gier von Managern und Fondsverwaltern, die kurzfristig Renditen von über 25 Prozent erzielen wollen, kann man die mehrheitlich inhabergeführten mittelständischen Unternehmen nicht in einen Topf schmeißen. Bei rund 95 Prozent der 3,2 Millionen Unternehmen liegt die Firmenleitung in der Hand der Eigentümer. Sie stehen für 41 Prozent der gesamten deutschen Unternehmensumsätze und für 57 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen. „Trotz ihrer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland haben die Familienunternehmen auch ohne Lafontain’sche Übergriffsversuche einen schweren Stand – das bescheinigt ihnen das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Es legte Anfang 2008 eine Vergleichsstudie Standortfaktoren in 18 Industrieländern vor, in der Deutschland gerade mal Platz zwölf einnimmt“, kritisiert die SZ-Redakteurin Dagmar Deckstein in ihrem Buchbeitrag. Aber in der Krise würden sich die Mittelständler trotzdem besser durchsetzen als Konzerne. Davon ist SZ-Redakteurin Elisabeth Dostert überzeugt. Sie verweist auf Analysen von Arnold Weissman, Berater und Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Regensburg. Die 40 größten Publikumsgesellschaften brachten es nach Weissmans Berechnungen im vergangenen Jahr auf zusammen rund 890 Milliarden Euro Umsatz, die Familienunternehmen auf 545 Milliarden. Im Jahr 2012 werden die 40 größten Familienkonzerne zusammen größer sein als die 40 größten Publikumsgesellschaften. Ihre Standorttreue und ihre Bedeutung für die Beschäftigung in Deutschlande sollt man aber nicht durch Bürokratie, unflexible Arbeitsmärkte und zu hohe Steuern bestrafen. Konzerne würden sich ins Ausland verdrücken, der Mittelstand hingegen sei heimatverbunden.

Wenn Deutschland die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise überwinden kann, dann nur dank eines stabilen Mittelstands. Besser als jedes kurzatmige Konjunkturprogramm ist daher eine nachhaltige Politik zur Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen. So muss nach Auffassung von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) die Kreditvergabe deutlich verbessert werden. „Viele Unternehmen geraten nur deswegen in die Insolvenz, weil die Banken ihnen den Kredithahn zudrehen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Um diesen verhängnisvollen Kreislauf zu durchbrechen, muss die Bundesregierung ihren Einfluss nutzen. Geld aus dem staatlichen Rettungstopf dürfen die Banken nur dann erhalten, wenn sie auch ihrer gesamtwirtschaftlichen Aufgabe nachkommen und den Mittelstand ausreichend mit Kredit versorgen“, fordert der Mittelstandspräsident. Es könne auch nicht sein, dass der Staat auf der einen Seite den Unternehmen einen Rettungsschirm aufspannt – und auf der anderen Seite den gleichen Unternehmen durch eine völlig überzogene Steuerpolitik Liquidität entzieht. „Die Stichworte hierzu heißen Zinsschranke, vorgezogene Abführung von Sozialabgaben, Beschränkung der Verlustverrechnung und so fort. Handlungsbedarf gibt es auch bei der Mehrwertsteuer. Weil diese bereits bei der Rechnungslegung fällig wird, geben die Unternehmen dem Staat einen zinslosen Kredit in Milliardenhöhe“, kritisiert Ohoven. Ein weiterer Punkt wäre die Senkung der Mehrwertsteuer zur Ankurbelung der Binnennachfrage. Von einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz würden vor allem Handel und Handwerk profitieren. Hier habe die Europäische Union Deutschland in Zugzwang gesetzt.