Über Schützenvereine, siechende Lokalzeitungen und lebendige Stadt-Communities

Lokaljournalismus

Thomas Knüwer hat in einer Besprechung des „TATSACHENROMANS“ von Ralf Heimann das hausgemachte Siechtum der Lokalzeitungen auf den Punkt gebracht. Es geht in dem Opus „Die tote Kuh kommt morgen rein – Ein Reporter muss aufs Land“ um ein Medienorgan namens “Borkendorfer Bote”:

„Ein willenloses Boot im Strom der Gezeiten, die sich zusammensetzen aus Weihnachten, Karneval und Schützenfest… Bemerkenswert – und der Realität entsprechend – spielen allerdings Kühe, Landwirte und Felder kaum eine Rolle. Viel präsenter sind die lokalen Vereine und Politiker“, so Knüwer.

Für Menschen aus den Medien jedoch ist dieser Roman ein Schlachtfest, meint der Indiskretion Ehrensache-Blogger.

Heimann beschreibt auch die Haltung der Leser gegenüber der Zeitung. Oder besser: die Haltung der Interessengruppen, Honoratioren, Seilschaften, Netzwerke und selbst ernannten Sprecher irgendwelcher Initiativen – in Bonn würde mir da beispielsweise der IHK-Präsident mit seinem Engagement für das Beethoven-Festpielhaus einfallen.

„Die Zeitung hat zu drucken, was man ihr gibt. Der Bürgermeister versieht eine Mitteilung schon mal mit dem Hinweis, sie dürfe nicht verändert werden, die Kleintiervereine gehen auf die Barrikaden, wenn sie nicht genug Papierplatz erhalten“, erklärt Knüwer.

Der Rest des redaktionellen Platzes wird mit Agenturmeldungen zugepflastert – so bekommt das Lokalblättchen dann die Nachrichtenrelevanz der Tagesschau vom Vortag. Das gilt besonders für den Politik- und Wirtschaftsteil. In Bonn kann man das selbst nachprüfen. Greift Euch den GA und zählt mal im Wirtschaftsteil die Meldungen durch, die von dpa und Co. stammen. Was in der lokalen und regionalen Wirtschaft abläuft, ist eher ein Randgeschehen.

Mit Journalismus im eigentlich Sinn habe das wenig zu tun, kritisiert Knüwer.

„Und ohne die Moralkeule zu schwingen thematisiert Heimann das grundlegende Problem deutscher Lokalzeitungen: Sie tun brav, was Interessensgruppen wie Schützen oder Karnevalisten von ihnen verlangen. Das erfreut zwar diese, doch gilt das auch für die Masse der Leser?“

Nicht ohne Grund schießen lokale Netz-Communities wie Pilze aus dem Boden. Wenn die klassischen Lokalmedien das Leben am eigenen Wohnort nur unzureichend aufgreifen und irgendwelche wichtigtuerischen Honoratioren diktieren, was im Blatt stehen muss, wächst halt das Bedürfnis, lokale Nachrichten als „Ich-Verleger“ zu produzieren. In Bloggercamp.tv hatten wir zwei Initiatoren aus dem Rheinland zu Gast. Hakan Cengiz von Wir-Siegburger und Johannes Mirus von Bundesstadt.com. Das Internet vereinfache die Möglichkeiten der Partizipation, sagt Johannes. Deshalb sollte man die Möglichkeiten nutzen, Informationen ungefiltert zu publizieren.

„Das Ziel von Bundesstadt.com ist es, ein Portal zu schaffen, auf dem man alles über Bonn erfährt.“

Geboten werden Publikationsmöglichkeiten ohne Hindernisse – jeder könne Autor werden. Der ungehinderte Zugang beflügelt Nachrichten, die von der Lokalzeitung nicht aufgegriffen werden.

„Es bedarf natürlich noch einige Anstrengungen, um wirklich in die Breite zu kommen und möglichst viele Autoren zu gewinnen, die das ja nebenberuflich in ihrer Freizeit machen“, betont Johannes.

Neben Kunst und Kultur, die zur Zeit das Themenspektrum von Bundesstadt.com dominieren, wünscht er sich noch mehr Beiträge, die Anreize zur Diskussion in Bonn bieten. Auch Stadtteil-Geschichten seien hoch willkommen. Das habe bislang noch nicht stattgefunden.

In Siegburg gibt es viele Künstlerinnen und Künstler, denen es schwerfällt, sich über die klassischen Medien bekannt zu machen. Hier sieht Hakan schlummernde Potenziale, die über Wir-Siegburger aktiviert werden können. Auch Lebensberichte von älteren Menschen über die Stadtgeschichte seien überaus spannend. Bloggercamp.tv-Kollege Hannes Schleeh favorisiert Porträts von lokalen Persönlichkeiten, die einem speziellen Beruf nachgehen oder interessante Erlebnisse schildern. Das machen klassische Lokalzeitungen viel zu selten.

Was für Wünsche hegt Ihr denn? Über welche Themen sollten lokale Portale berichten?

Nachtrag:

Obwohl Bundesstadt.com erst seit dem 1. November am Start ist, beeindruckt mich schon jetzt die Themenvielfalt und das sage ich nicht nur, weil ich mit bislang zwei spärlichen Beiträgen zu den Autoren des Portals zähle 🙂

Hier eine kleine Auswahl:

Rollstuhlbasketball in Tannenbusch.

Wird Hannes gefallen: Alle mal malen? Jan Loh, das Bonner Stadtoriginal.

S 13 nach Oberkassel – wozu?

Bonn sollte Tatort-Stadt werden, wenn die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk irgendwann einmal abdanken sollten: Tote Taube in der Beethovenstraße.

#MiMiMiMi! Die erste Bloglesung in Bonn.

Warum Verleger weinen würden und die Blockadestrategie gegen Google verlogen ist

Beim Mainzer Kongress „besser online“ des DJV haben Vertreter von klassischen Medien, Onlinemedien und Blogs einen Tag lang über aktuelle Themen des Internet-Journalismus diskutiert. Die Podiumsdiskussionen und Fachforen waren mit interessanten Experten bestückt. Häufig fehlte aber eine lebendige Debatte, was teilweise an den etwas emotionslosen Moderatoren lag.

Beim Eröffnungspodium „Google sei bei uns“ sagte Björn Sievers, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft/Finanzen von Focus Online, dass die Blockadestrategie von Rupert Murdoch und Springer gegen Google zum Scheitern verurteilt sei: „Technisch ist es einfach möglich, Google und jede andere Suchmaschine über eine kleine Textdatei, die man auf dem Server ablegt, auszuschließen. Das ist kein Hexenwerk. Wenn man sich den Traffic von großen Nachrichten-Websites anschaut, dann liegt der Prozentanteil des Google-Traffics ungefähr zwischen 30 und 60 Prozent. Das bedeutet, das ein typisches deutsches Nachrichtenportal um die Hälfte schrumpfen würde, wenn man Google ausschließt“.

Entsprechend verlieren Verlage Anzeigenerlöse über die Websites. Man könne zwar versuchen, diesen Verlust durch Paid Content-Strategien wieder aufzufangen. Sievers glaubt allerdings nicht an den Erfolg dieses Vorgehens. Bei allgemeinen Nachrichten werde man damit scheitern. Eher funktioniere so etwas bei der Stiftung Warentest, wo man vor dem Kauf einer Waschmaschine vielleicht auch Geld für einen Testbericht ausgibt, weil man dann in der Relation zum Kaufpreis wichtige Informationen erhält. Wenn Murdoch und Springer es wahrmachen und Kassenhäuschen für die Nutzung ihres Contents aufstellen, dann kommt der Markt für Journalismus wieder in Bewegung und es gibt neue Chancen für alternative Angebote wie dem Heddesheimblog von Hardy Prothmann.

Der freie Journalist Albrecht Ude warf die Gegenfrage auf. Was würden Verleger sagen, wenn Google die Entscheidung trifft, Verlage auszusperren? „Die würden schreien, die würden klagen, die würden verzweifelt sein und das sind sie eigentlich auch jetzt schon. Die Verleger versagen. Es ist die Aufgabe der Verleger, aus guten Inhalten auch irgendwann gutes Geld rauszukriegen und das schaffen sie im Internet zur Zeit nicht“.

Lars Reppesgaard, Autor des Buches „Das Google-Imperium“, findet es verlogen, wenn die Verleger behaupten, sie würden durch Google enteignet werden. Als Autor findet er diese Position unverschämt, da ihn Verleger jeden Tag mit buy out-Verträgen und anderen Unfreundlichkeiten knebeln würden. Dadurch werde man als Urheber faktisch enteignet durch das Ungleichgewicht der Kräfte. Beim Druck, den Verleger derzeitig gegen Google aufgebauen, gehe es nicht um die Aufrechterhaltung von Qualitätsjournalismus, sondern nur um eine bessere Verhandlungsposition mit dem Mountain View-Konzern, um die eigenen Kassen zu füllen. Hier liegen die wahren Gründe für die Forderung nach einem so genannten Leistungschutzrecht. Hier die komplette Audio-Aufzeichnung der Runde (die Qualität der Lautsprecher im Konferenzsaal des ZDF war nicht so besonders):

Der FAZ-Netzökonom Holger Schmidt hat es zum zehnjährigen Jubiläum von Google den Punkt gebraucht: „Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. Zumindest nicht für die junge Generation, für die das Internet Leitmedium und Google ihr zentraler Wegweiser ist: Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen ‚im Internet’. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent. Noch deutlicher fällt dieser Anstieg unter jungen Menschen aus: Von 19 Prozent auf 75 Prozent ist dieser Wert hochgeschnellt. Ob Online-Händler, Reiseanbieter, Produktvergleichsmaschine oder Medien – fast alle, die im Internet Geld verdienen, bekommen einen großen Teil ihrer Kunden oder Leser über Google. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um reguläre Suchtreffer handelt oder Werbung auf der rechten Seite. Die Präsenz unter den Top-Ten-Suchtreffern entscheidet über Sein oder Nichtsein im Internet“.

Und wenn Google so eine Teufelsmaschine ist, warum forcieren denn viele Verleger ihre Präsenz in der Suchmaschine? „Heerscharen sogenannter Suchmaschinenoptimierer basteln zurzeit an den Internetseiten der Medien, damit ihre Inhalte von Google möglichst prominent angezeigt werden. Die Journalisten müssen heute ‚Google-optimiert’ schreiben, also die richtigen Schlagworte in der richtigen Häufigkeit einsetzen. Die ‚optimale Keyword-Dichte’ ist im Google-Zeitalter essentiell geworden. Denn auch Journalisten wissen längst: Zugriffe auf Artikel, die auf Google News oben stehen, schnellen sofort hoch. Wessen Artikel nur unter einer Sammeladresse wie ‚und 856 ähnliche Artikel’ aufgeführt ist, hat es schwer, die gewünschte Aufmerksamkeit zu bekommen“, so Schmidt.

Jens Matheuszik, Macher des Pottblogs, hat auf sympathische Weise dargestellt, warum seine lokalen Berichte auf eine so große Resonanz stoßen und bei den Lokalzeitungen eher kritisch beäugt werden. Er ist eben häufig schneller mit relevanten kommunalen Ereignissen im Internet präsent als WAZ und Co. Ähnliches berichtete Hardy Prothmann vom Heddesheimblog (den Vortrag hörte sich meine Freundin an, lief parallel).
Hier geht es zur Audioaufzeichnung des Pottblog-Vortrages:

Die Twitter-Runde mit dem Thema „Nachrichten oder Nabelschau“ war nicht so prickelnd, so dass ich irgendwann mein Aufnahmegerät ausgeschaltet habe. Über Sinn und Unsinn des Nachrichtendienstes immer noch zu palavern, war doch nervig. Frank Schmiechen von Welt Kompakt war in dem Kreis noch der interessanteste Diskutant. So setzt er nach eigenen Aussagen auf die Interaktion mit den Social Media-Kanälen. Zwei Seiten in jeder Printausgabe werden diesem Thema gewidmet. Ich habe das Blatt lange Zeit nicht mehr gelesen, werde es aber überprüfen. Hier eine Hörprobe der Expertenrunde:

Siehe auch:

Purer Protektionismus: Kampf von Springer und Co. gegen Google verlogen.

Kampf gegen Google verlogen.

Vorhang zu und alle Fragen offen: Replik auf Robert Schweizers Verteidigung des Leistungsschutzrechts.

Hardy Prothmann vom Heddesheim-Blog über Bratwurstjournalismus und den Autismus der Lokalzeitungen.

Anzeigen finanzieren Printmedien, nicht Leser: Und die wandern ins Netz!

Endlich hat jemand mal die Sache in der Diskussion um die Zukunft der Printmedien auf den Punkt gebracht! Joachim Dreykluft, Nachrichtenchef von FTD online hat eine einfache Frage treffend beantwortet.

Wer bezahlt für die Inhalte der Printmedien, wer bezahlt Journalisten?

„Hierfür haben sich Verleger schon vor Hunderten von Jahren eine zweite Einnahmequelle ausgedacht: Anzeigen. So gut wie kein Blatt der Welt verzichtet darauf. Bislang fiel die Tatsache, dass gar nicht die Leser die Journalisten bezahlen, nicht weiter auf. Es war auch nicht wichtig, das einzeln aufzudröseln. Denn alle Einnahmen kamen in der guten alten Zeit in einen Pott. Druckereierlöse, Vertriebserlöse, Anzeigenerlöse. Am Ende wurde zusammengezählt. Heraus kam oft eine schöne schwarze Zahl. Und das war kein Wunder. Denn die Verlage hatten nicht nur ein begehrtes Produkt anzubieten. Sie hatten auch einen starken Zugriff auf die Margen eines bedeutenden Teils des Produktionsprozesses.“

Und sie hatten wie in Bonn oder Köln auch ein schönes Zeitungsmonopol. Da waren die Lokal- oder Regionalzeitungen richtige Dukatenesel. Aber wer braucht denn noch Immobilienanzeigen, Stellenzeigen, Kleinanzeigen oder Heiratshilferufe in Gesternzeitungen. Das können Webangebote viel besser darstellen. Schneller, günstiger, informativer und sogar personalisiert. Häuser, die in allen Facetten gezeigt werden mit Fotos und Filmchen, bundesweite Recherchemöglichkeiten für die Jobsuche und von den vielen Partnerbörsen ganz zu schweigen. Das Experiment, Printprodukte hoch zu bepreisen und auf Anzeigen zu verzichten, wagt aus gutem Grund so gut wie niemand, meint Dreykluft. „Denn der Leser ist nicht bereit, neben den Distributionskosten auch noch den Inhalt zu finanzieren. Aber genau dieser Denkfehler führt zur Diskussion über Paid Content“.

Zunächst sollten Journalisten, die für Print arbeiten und glauben, der Leser bezahle sie und deshalb sei ihr Inhalt wertvoller als der der Onlinekollegen, in sich gehen. Und Verleger sollten nicht alle paar Jahre eine neue Bezahlinhalte-Sau durchs Dorf treiben. „Sonst wird die Diskussion immer wieder da enden, wo sie es schon 2001 und 2004 tat: im Nichts. Viel wichtiger ist, darüber nachzudenken, wie es Verlagen gelingen kann, wieder Kontrolle über größere Teile der Distributionskette zu bekommen. Wenn Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser Druckereien und Vertriebe besitzen, warum überlassen sie es dann Amazon, Sony oder Apple, mobile Lesegeräte auf den Markt zu bringen? Hier etwa wäre eine große Chance, wieder Marge zu machen. Und für solch eine Initiative müsste man nicht auf Rupert Murdoch warten“. Aber das wird nicht gelingen. Da fehlt den Verlegern ein Genius wie Steve Jobs. Daher wird Apple auch hier einen großen Teil der Wertschöpfung abschöpfen.

Siehe auch:
Jeff Jarvis und die pawlowschen Reflexe der alten Medienwelt – Die Zeiten sind vorbei, wo Zeitungen bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen konnten.

Riepl-Illusionen und die kulturellen Katastrophen der Computerkommunikation – Zeiten der Informationsmonopole sind vorbei.

dpa und AP im Sinkflug: Jetzt soll abgemahnt werden

Die großen, klassischen Generalisten unter den Nachrichtenagenturen wie die deutsche dpa oder die US-amerikanische AP geraten nach einem Bericht des Portals Meedia immer stärker unter Druck. Zunehmend springen Zeitungen wie die „WAZ“ und die „HNA“ in Deutschland als Kunden ab, kleinere, günstigere Agenturen holen auf und dann ist da noch das Internet, das das ganze Geschäftsmodell der professionellen Nachrichten-Zwischenhändler in Frage stellt.

AP-Chef William Dean Singleton habe deshalb angekündigt, dass er Angebote, die illegal AP-Inhalte verbreiten, verklagen will. „Die große, alte AP (gegründet 1846) will das weltweite Netz künftig mit einer Software nach AP-Inhalten durchforsten, um Content-Diebe zu schnappen. Ähnliches wird bei der deutschen dpa bereits praktiziert. In der ‚Süddeutschen Zeitung‘ sagte dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn jüngst, dass er keine Juristen brauche, um zu prüfen, ob jemand dpa-Inhalte klaue: „Das macht eine Maschine, der Attributor, der dpa-Inhalte automatisch erkennt“, berichtet Meedia.

Die schlaue Software werde den Agentur-Bossen aber wenig helfen. Das liege vor allen Dingen am Internet mit seiner Tendenz, Zwischenhändler überflüssig zu machen. „Und nichts Anderes sind Nachrichtenagenturen: Zwischenhändler für Informationen. Im Internet-Zeitalter aber stehen alle Informationen weltweit sofort zur Verfügung. Das, was früher ehrfürchtig als ‚Agentur-Geschwindigkeit‘ galt, ist heutzutage der Normalzustand“, so der Fachdienst. Das bestätigt WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz: „Wenn sie heute gucken, wie Nachrichtenredakteure an neudeutsch ‚Newsdesken‘, Nachrichtentischen, in Großräumen arbeiten und recherchieren, um diese Basisversorgung sicherzustellen. Die sind den ganzen Tag im Internet. Die haben vielfältige Quellen aus dem In- und Ausland, die sind in allen Medien ständig unterwegs und surfen sich durch. Auch da muss man einfach fairnesshalber sagen, auch in Richtung dpa, das Leben ist für Nachrichtenagenturen komplizierter und schwieriger geworden.“

Diverse Online-Dienste würden Anregungen für Geschichten lieferen. Sie liefern Meldungen, die man nur etwas umschreiben muss. Darunter natürlich auch Geschichten von dpa. Ob die Software das erkennt? Ulrich Reitz: „Und so, wie wir Informationen von dpa benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es aber auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen. Vielleicht ist das ein Stück weit die neue Welt. Die Zahl der Quellen hat sich ja auch dramatisch vermehrt. Wir haben aber inzwischen, auf die Initiative der Chefredakteure hin, haben wir uns verständigt, auf eine Regelung, die eben für die Zukunft ganz klar festlegt, wie wir das machen. Wir werden jede Information, die wir von dpa haben, als dpa-Information kenntlich machen.“

Da große Online-Angebote wie „Spiegel Online“ oder „Bild.de“ auch Agentur-Material verwenden, werden Agentur-Berichte zudem fast in Echtzeit an die Endverbraucher weitergereicht. „Damit wird das Agentur-Material für die gedruckten Tageszeitungen, die ja einen Tag später ‚dran‘ sind, weitgehend wertlos. Dies ist ein wesentlicher Grund für die aktuelle Sinnkrise des Mediums Tageszeitung, die mit der wirtschaftlichen Krise Hand in Hand geht“, so das Portal Meedia.

Und wenn die Nachrichtenagenturen kaum noch lokale Storys liefern, sinkt ihr Wert für Lokal- oder Regionalzeitungen weiter. Warum soll ich mir hier ein Bonn ein Blättchen kaufen, wenn beispielsweise der Wirtschaftsteil zu 90 Prozent aus Agenturmeldungen besteht, die ich am Vortag schon hoch und runter gelesen, gehört oder gesehen habe.