Schwätze heißt Schaffe: Führung auf Distanz will gelernt sein – Warum Unternehmen virtuelle Medienkompetenz benötigen #StreamCamp14

Virtuelle Kommunikations-Kompetenz
Virtuelle Kommunikations-Kompetenz

„Schaffe, net Schwätze“ zählt wohl immer noch den zu den Empfehlungen der deutschen Arbeitswelt, wenn es um Produktivität geht. In Zeiten der Wissensarbeit lässt sich dieser Leitspruch aber nicht mehr halten, konstatiert Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in einem Blogbeitrag. In vielen Köpfen existiert noch das Verständnis, dass Kommunikation keine „echte« Arbeit“ sei, sondern bestenfalls koordinative Zutat oder gerade mal notwendiges Verbindungsglied zwischen den „echt“ produktiven Tätigkeiten der Konzeption, Dokumentenerstellung oder praktischen Erstellung von Produktteilen.

Es wird Zeit, neu zu denken, fordert Hofmann:

„Wir wissen aus vielen Erhebungen typischer Tätigkeitsanteile von Wissensarbeitern, dass Kommunikation einen sehr großen und sehr stabilen Anteil an der täglich verbrachten Arbeitszeit einnimmt. Befragungen von Mitarbeitern in unterschiedlichen Branchen zeigen: rund zwei Drittel der Arbeitszeit unserer Wissensarbeiter verbringen diese mit kommunikativen Tätigkeiten: Beim Lesen und Schreiben von Emails, beim Telefonieren, in Conference-Calls, bei der Nutzung sozialer Medien und bei allen Arten von kurzen oder langen, geplanten oder ungeplanten, indirekten oder face-to-face Besprechungen.“

Warum kostet uns Kommunikation so viel Arbeitszeit, fragt sich Hofmann.

„Hier zeigen sich die Effekte unserer modernen Wissensgesellschaft: Produkte und Dienstleistungen werden zunehmend individualisiert und kundenbezogen konfiguriert, was entsprechenden Austausch notwendig macht; der Dienstleistungsanteil unserer Güter, der häufig ein beratender ist, steigt an; Arbeit wird immer mehr standort- und länderübergreifend organisiert, was wesentliche Anstrengungen zur Etablierung des kommunikativen Rahmens, der Orientierung und der Rückmeldung in virtuellen Teams erforderlich macht.“

Kommunikation müsse professionalisiert werden und die Kommunikationsfähigkeit noch viel mehr ins Zentrum von Mitarbeiter- und Führungskräftetrainings rücken. „Führung auf Distanz“ werde immer mehr Regel denn Ausnahme sein. Die technisch gestützte Kommunikation finde im Arbeitsalltag häufig in recht unproduktiver Form statt, was auch die Persiflage über Telefonkonferenzen sehr schön zum Ausdruck bringt.

Zur Zeit sind dezentrale und mobile Arbeitsverhältnisse auf dem Rückzug, wie eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung belegt:

„Das Versagen und der Rückgang von räumlich verteiltem Arbeiten sind weniger den technologischen Aspekten geschuldet, sondern eher der Nicht-Bereitschaft von mittleren Führungsebenen, welche die Idee des ‚Distance Managements‘ noch nicht verinnerlicht haben“, so die Erfahrung von Thomas Dehler vom Dienstleister Value5.

Nachweisbare Medienkompetenz sollte nach Ansicht von Hofmann deshalb zu einem zentralen Auswahlkriterium für Führungs- und Koordinationsaufgaben avancieren und auch bewertbare Größe in Führungssystemen werden: „Schaffe und Schwätze“ sei dabei das neue Leitmotto.

Ein Thema, das auch beim diesjährigen StreamCamp im November eine große Rolle spielen wird – diesmal in München. Schon mal vormerken.

Unternehmenskommunikation: Video schlägt Telefon und E-Mail #Bloggercamp.tv

Vom Nutzen der Videokommunikation
Vom Nutzen der Videokommunikation

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wie viel „mehr“ könnten wir dann erst durch Bewegtbilder wie Videokommunikation transportieren?

„Obwohl heute große Datenmengen übertragen werden können, hat sich die Videokommunikation im Berufsalltag noch nicht durchsetzen können. Meiner Erfahrung nach steht bei der Einführung von Videokonferenzen meist immer noch das Einsparpotenzial bei Reisekosten klar im Vordergrund – weshalb die Technologie vor Jahren auch zunächst an der Unternehmensspitze Einzug hielt. Ein recht schnöder Grund, der potenzielle Mehrwerte wie Effektivität und Qualität der Kollaboration völlig vernachlässigt. Um herauszubekommen, ob Video- und Webkonferenzen tatsächlich auf breiter Basis eine Alternative zu anderen Formen der Fernkollaboration darstellt, also für eine echte Kosten- und Nutzenanalyse, haben wir genauer hingesehen. Und sind dieser Frage mit freundlicher Unterstützung von OmniJoin in einem Experiment nachgegangen“, erläutert Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).

Dazu wurden Gruppenaufgaben sowie typische Probleme aus dem Arbeitsalltag entwickelt, die konvergierende Interessen und Konfliktpotenzial mit sich brachten: eine Budgetverteilung und eine Büroplanung.

„Unsere Vergleichsgruppen bearbeiteten dann jeweils eine Aufgabe mit Telefon und E-Mail und eine über die integrierte Plattform mit Video innerhalb einer festgesetzten Zeit und füllten im Anschluss einen Fragebogen aus“, so Hofmann.

In puncto Schnelligkeit konnte die Videokommunikation keine Vorteile vorweisen. Der Mehrwert liege in der Qualität und im Prozess – und in der Zufriedenheit mit dem Ergebnis. „Unsere Beobachtungen legen nahe, dass die Effekte von Videokollaboration eher ‚weiche‘ Effekte und daher eher über mehrere Meetings hinweg zum Tragen kommen“, sagt Hofmann.

70,2 Prozent der Teilnehmer gaben zu Protokoll, dass bei Einsatz von Videokonferenztechnik eine höhere Motivation und mehr Engagement in der Team-Diskussion zu verzeichnen war, da jeder Teilnehmer das gleiche Dokument vor Augen hatte und man sich im Gegensatz zu Telefonkonferenz und E-Mail gegenseitig sehen konnte.

59,6 Prozent der Teilnehmer sagten, dass die Visualisierung des Diskussionsobjekts und die Sichtbarkeit aller Teilnehmer eine offenere Diskussion gestattet – auch weil man sieht, wer sich zu Wort melden möchte.

Video macht locker
Video macht locker
73,9 Prozent der Teilnehmer vermerkten, dass die direkte und persönlichere Kommunikation via Video zu einer positiveren und damit entspannteren Arbeitsatmosphäre führte. Für Neun von zehn Probanden ist eine positive und entspannte Arbeitsatmosphäre essentiell, um komplexe Teamaufgaben bewältigen zu können.

Telefon und E-Mail schneiden bei diesem Kriterium schlecht ab. 81 Prozent der Studienteilnehmer vertreten die Meinung, dass mit diesen Instrumenten Aufgaben nur aufgeteilt, aber nicht gemeinsam gelöst werden. Mit der integrierten Plattform sei man gemeinsam zu einer Lösung gekommen.

„So lautete unsere Schlussfolgerung, dass die Zusammenführung von Video, Ton und gemeinsam bearbeiteten Dokumenten in der integrierten Kollaborationsplattform Teamarbeit als echten Gruppenprozess ermöglicht. Unterm Strich bedeutet das: die ‚um den Tisch‘ versammelte Intelligenz wird voll ausgeschöpft, Teilnehmer fühlen sich integriert und schalten darum auch nicht so schnell ab“, betont Hofmann.

Die Gespräche über Videokonferenzen seien natürlicher, auch non-verbale Signale können von Gesprächspartnern besser verarbeitet werden, die Moderation kann besser auf Gesprächswünsche, Wortmeldungen und Stimmungen eingehen.

„Wer schon einmal versucht hat, eine Telefonkonferenz mit mehr als drei Teilnehmern zu einem kontroversen Thema zu moderieren, weiß, wie anstrengend und eigentlich unmöglich es ist, eine befriedigende Interaktion zu erzielen. Hier erlaubt gerade der visuelle Kanal eine wesentlich bessere Gesprächssteuerung, die Meetingteilnehmer fühlen sich präsenter, können sich leichter einbringen und auch nicht so leicht zurückziehen. Durch die Möglichkeit, gemeinsam das gleiche Arbeitsdokument zu betrachten und zu bearbeiten, können Misserständnissen und Doppelarbeit vermieden werden“, resümiert Hofmann, die in der nächsten Woche, am 4. September in Bloggercamp.tv, die Studienergebnisse mit uns diskutieren wird. Allerdings nicht in den Abendstunden, wie gewohnt, sondern schon um 11 Uhr.

Auf dem StreamCamp im Kölner Startplatz am 16. und 17. November werden wir das aufgreifen. Das Thema beschäftigt uns schon eine Weile: Warum sich Videokommunikation erst jetzt in Unternehmen durchsetzt – Impulse setzen private Nutzer.

Vorteile ergeben sich ja nicht nur für die unternehmensinterne Zusammenarbeit. Auch die Kommunikation mit Kunden lässt sich verbessern. Statt skriptgesteuerte Fließband-Gespräche mit Hotline-Mitarbeitern zu führen, kann man im Video-Chat viel besser auf Probleme mit Technik und Fragen zu Diensten eingehen. Am Telefon ist es für Verbraucher schwieriger, Service-Anliegen präzise zu erläutern. Viel besser ist es, wenn er es in Wort und Bild zeigen kann. Aber da bewegt sich in der Service-Branche bislang wenig.

Also, liebe Innovatoren der Wirtschaft, kommt zum StreamCamp nach Köln und stellt Eure Systeme für die Videokommunikation mit Mitarbeitern und Kunden vor!

Siehe auch:

Warum sich Call Center in der Weisheit der Vielen verflüssigen #StreamCamp

Energiemix der Zukunft – Es geht ohne Atomstrom #zdfumwelt

Das Umweltmagazin des ZDF hat in einem sehr informativen Beitrag dokumentiert, wie wir zum 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstellen können. „Das technische Potential der Erneuerbaren Energien ist enorm. Der Strombedarf der ganzen Welt ließe sich allein durch Windenergie decken, doch genutzt wird nur ein Bruchteil. Wissenschaftler untersuchen, mit welchen Techniken wir künftig unseren Strombedarf decken können“, so ZDF Umwelt. Dabei geht es aber nicht nur um Windenergie. Zu Wort kommt Professor Jürgen Schmid vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel, der die AKWs als veraltete und überholte Technik bezeichnet.

Erneuerbare Energien gehörten heute zur modernsten Form der Energiegewinnung und des Transports. „Sie sind wesentlich umweltfreundlicher, wesentlich risikoärmer und das Interessanteste: Sie sind nicht teurer.“ Er ist davon überzeugt, dass Deutschland langfristig weder Atomstrom noch Grundlastkraftwerke benötigt. Bundesregierung, Bundesländer und Industrie seien gut beraten, den Umbau jetzt zügig voranzutreiben. „Es wird sich später herausstellen, dass das die Industrie der Zukunft ist, mit einer ganzen Menge an neuen Arbeitsplätzen. Am Ende dieser Transformationsphase werden wir ein beispielhaftes, gutes und umweltfreundliches Energiesystem haben, um das uns die anderen Länder mit ihren vielleicht noch bestehenden Kernkraftwerken beneiden werden“, so Schmid im ZDF-Interview. Das Stirnrunzeln über den angeblichen deutschen Sonderweg wird dann umschlagen in die Nachahmung der Energiewende – sie wird ein Exportschlager für die nächsten Jahrzehnte. Biomasse und Wind werden dabei eine herausragende Rolle spielen, gefolgt Solarenergie. Trotz steigenden Strombedarfs könnte sich bis zum Jahr 2028 unsere gesamte Versorgung aus erneuerbaren Quellen speisen. Das Kasseler Modell heißt „Kombikraftwerke“. Entscheidend sind dabei Speichertechnologien und internationale Netze. Großes Potential sehen die Wissenschaftler in Kassel in der Intelligenz der Netze. Stromnetz und Datennetz werden kombiniert. So könnten Geräte in den Privathaushalten sowie Maschinen und Produktionsanlagen in Unternehmen ferngesteuert werden. Die Partizipation der Bevölkerung ist dabei der Schlüssel für den Erfolg der Energiewende.

Das habe ich ja heute auch in meiner The European-Kolumne aufgegriffen. Wer Nein zur Atomenergie sagt, darf nicht gleichzeitig technische Innovationen behindern, die als Kompensation unverzichtbar sind. Wenn wir den Atomausstieg wollen und die alten Energieträger in den Ruhestand verabschieden, brauchen wir eine neue Infrastruktur.

Google-Killer oder: Wer Antworten will, braucht auch Fragen

Auch die NZZ hat sich mit dem vermeintlichen Google-Killer beschäftigt, der zur Zeit über Blogs kräftig ins Rampenlicht gerückt wird. „Derjenige, der da Google übertrumpfen und mittels künstlicher Intelligenz allem Unwissen den Garaus machen will, wurde als wissenschaftliches Wunderkind bekannt, hat sich an den besten Universitäten hervorgetan und hat als Programmierer eine technisch komplexe, kommerziell erfolgreiche Software geschaffen. Es ist der Ruhm des britischen Physikers Stephen Wolfram, der dieser Tage unzählige Online-Journalisten und Blogger dazu bringt, die Begriffe Google-Killer, neuartige Suchmaschine, künstliche Intelligenz wieder einmal in einem Satz zusammenzubringen“, so die NZZ. Ob Wolfram-Alpha halten kann, was Blogger vermuten, steht auf einem anderen Blatt. Der Suchmschinen-Genius selbst beschreibt die neue Suchmaschine als „computational knowledge system“, als Wissensberechnungsmaschine. „Ausserhalb von Wolfram Research, der Firma, die Mathematica und Alpha entwickelt, hat bis jetzt nur ein einziger Mensch – Nova Spivack – die neue Suchmaschine ausprobieren können“, schreibt die NZZ. Das ist doch ein kluger PR-Schachzug. Spivack ist so euphorisch, als sei eben gerade eine neue bewusstseinserweiternde Droge entdeckt worden: Wolfram Alpha sei nicht eine Suchmaschine, sondern eine Antwort-Maschine. Das ist aber keine Sensation. Denn auch KI-Forscher wie Professor Wolfgang Wahlster vom DFKI oder das Fraunhofer Institut drehen an dieser Schraube. Darüber habe ich schon mehrfach berichtet. Und auch die Semantic Web-Experten von Google verweilen nicht im Tiefschlaf. Mit Mike Cohen, seinen früheren Nuance-Mitarbeitern, Franz Och und vielen anderen Spezialisten hat Google einige gute Leute an Bord.

Schon jetzt sei Google gar nicht so schlecht, meint die NZZ. Auch diese Suchmaschine kann schwierige Fragen mit wenigen Ziffern beantworten. Füttert man Google beispielsweise mit der Frage aller Fragen, der allerletzten Frage, und schreibt: ‚The answer to life, the universe and everything‘, erhält man als Antwort: ’42‘. Wie man beim englischen Science-Fiction-Autor Douglas Adams nachlesen kann, ist diese Antwort korrekt, dies sei tatsächlich die allerletzte Antwort“. Allerdings gerate in Vergessenheit, welches die dazu passende allerletzte Frage war. So werde man dann halt vielleicht Wolframs Answer Machine eine Frage-Maschine zur Seite stellen müssen, orakelt die NZZ und hat nicht ganz Unrecht. Siehe auch meinen Blog-Beitrag vor ein paar Tagen.