Lieschen Müller, Tante Erna, Netzaktivisten und das Weltbild der #Drosselkom

Tante Erna und Co.

Ständig werden Lieschen Müller und Tante Erna rangezogen, um die Drosselpolitik der Telekom zu begründen. Als gegnerisches Lager hat der Magenta-Konzern die Vielnutzer und Netzaktivisten ausgemacht, die weiterhin auf Kosten der Allgemeinheit billig im Internet herumsurfen wollen. So sieht das jedenfalls Pippi Langstrumpf die Führungsetage des Bonner Unternehmens.

Den Netzaktivisten warf ein Telekom-Sprecher jetzt Klientelpolitik vor. Es sei verständlich, dass die Jungen sich zu Wort melden und ihre Interessen durchsetzen wollen. “Aber es geht um mehr als um die Einzelinteressen der Netzaktivisten.“

„Die Jungen“, „die Netzaktivisten“, „die Vielnutzer“. Die Taktik des Telefonie-Ladens ist klar. Zwietracht säen. Den armen Normal-Nutzer von den parasitären Nerds abgrenzen, die nur als Trittbrettfahrer im Netz unterwegs sein wollen.

Die vielen Proteststimmen quer durch die Gesellschaft und durch alle Altersgruppen, die in Petitionen, auf Demonstrationen, in Blogs, Tweets und Facebook-Postings zum Ausdruck kommen, werden vom Telekom-Management als nervige Randerscheinung abgestempelt.

Aber so doof sind Lieschen Müller und Tante Erna nicht. Bleibt die Telekom bei ihrem rüden Drosselkurs bei gleichzeitiger Bevorteilung eigener und externer Dienste (und da gelangt ja immer mehr ans Tageslicht), dann kommt es zu einer massenhaften Abwanderung der Kunden – auch wenn die Konkurrenz bei Serviceleistungen nicht besser ist. Aber welche Telco-Unternehmen sind schon im Kundenservice gut. Die sind eher alle gleich schlecht. Man wählt das geringere Übel.

Siehe auch:

Deutsche Telekom erklärt: Netzneutralität ist Klientelpolitik von und für Netzaktivisten.

Die Pfründe-Wirtschaft der #Drosselkom: Wenn die Politik nicht handelt, sollten die Kunden reagieren

Ehrenwerte Telefon-Gesellschaft

Alles, was das Brot-und-Butter-Geschäft des Ex-Monopolisten Telekom bedroht, ist in den vergangenen Jahren massiv torpediert worden. Die Telekom nutzte ihre Vorherrschaft bei DSL, um WLAN als echten Wettbewerb auszuschalten und schuf über ein ausgedehntes Netz von WLAN-Hotspots für T-Mobile die besten Voraussetzungen für ein 4G-Mobilfunknetz. Ergebnis: Die Telekom kann auf eine WLAN-Verbreitung zurückgreifen, die keiner der Wettbewerber im Mobilfunk hat. Selbst kleine Initiativen zur Etablierung von Hotspots an Zigaretten-Automaten sind in der Vergangenheit massiv vom Magenta-Konzern bekämpft worden.

Oder wie war das mit der Skype-App auf dem iPhone? Er wurde von T-Mobile blockiert. Und die Begründung kommt einem doch irgendwie bekannt vor: Würden iPhone-Anwender ihre Datenverbindung für Skype-Gespräche nutzen, würde die Leistung des Netzes leiden. Datenübertragungen würden verlangsamt, das Netz könnte überlastet werden. Davor müsse man sich schützen.

Zudem müsse man eine gleichbleibende Qualität der Sprachverbindungen garantieren. Probleme mit Skype könnten von den Kunden als Telekom-Probleme fehlinterpretiert werden. In Wahrheit ging und geht es um die Bewahrung des Kerngeschäftes mit Sprachtelefonie. Die Telekom ist getrieben von Abschottungs-Strategien. Sie war schon immer Drosselkom und sie setzt in diesen Auseinandersetzungen stets die gleichen Rhetorik-Schablonen ein.

Ähnlich agitiert sie bei der Telefonie über das Internet Protokoll (VoIP), wie Constanze Kurz in der FAZ eindrucksvoll nachweist.

„Die Regeln, nach denen Sprachverkehr zwischen den Telefongesellschaften vermittelt wird, sind eigentlich klar und eindeutig: Über Vermittlungsknoten werden Anrufe zwischen den Netzen ausgetauscht, dem Kunden soll es egal sein können, bei welchem Anbieter er seinen Anschluss hat. Anrufen kann er jede Nummer, und umgekehrt auch angerufen werden – zumindest in der Theorie.“

Die Telekom habe die Erreichbarkeit ihrer eigenen 0180-Nummern aus dem Netz von sipgate eingestellt.

„Sipgate-Kunden können daher etwa die verbreiteten Service-Rufnummern, die viele Unternehmen und Behörden betreiben, nicht mehr erreichen, soweit diese im marktbeherrschenden Telekom-Netz geschaltet sind. Auch die für ähnliche Zwecke genutzten 0700-Nummern von Telekom-Kunden sind derzeit nicht aus den Netzen von kleineren Konkurrenten erreichbar“, so Kurz.

Harte Eingriffe sind von der zuständigen Bundesnetzagentur nicht zu erwarten – auch nicht beim Angriff der Telekom auf die Netzneutralität, schließlich besitzt der Bund noch einen sattes Telekom-Aktienpaket. Wie soll da eine Bundesbehörde wirklich neutral vorgehen? Jetzt sind die Kunden gefragt, die ihre gestiegene Macht ausspielen sollten. Mit den Füße abstimmen und kündigen – das lädiert den Börsenkurs und zwingt den Bonner Konzern vielleicht doch in die Knie.

Von der Politik wird nichts kommen – auch nicht von der Regierungsopposition. Beim Leistungsschutzrecht und der Bestandsdatenauskunft ist das ja schon unter Beweis gestellt worden.

Statt zu blockieren, sollte die Telekom das eigene Netz besser pflegen.

Über die Breitenwirkung der Kampagne zur Netzneutralität #drosselkom

Anti-Drossel-Demo im Regen

Thilo Specht hat sich kritisch mit den netzpolitischen Kampagnen zur Netzneutralität auseinandergesetzt – besonders mit den Plakatmotiven der Digitalen Gesellschaft/D64.

Es sei nach seiner Meinung ein Fehler, die Pläne der Telekom für eine Abschaffung echter DSL/VDSL-Flatrates zum Anlass für die Kampagne zu nehmen. #Drosselkom werde zum geflügelten und harmlosen Stichwortgeber für Motive und Slogans rund um die Kommunikationsoffensive.

„Die Drosselung wird thematisiert, Netzneutralität nicht erklärt.“

Hier nur ein Beispiel, den Rest kann man sich auf der entsprechenden Website anschauen.

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Das hinterlasse den Eindruck, dass hier wieder einmal ein paar Jugendliche mit zu viel Freizeit und Farbe im Haar motzen, weil etwas teurer wird. „That’s not my business. Die Drosselung von DSL/VDSL-Anschlüssen hat erst einmal nix mit der Netzneutralität zu tun. Was die Telekom für Verträge anbietet, ist schlicht und ergreifend ihre Sache“, so Specht.

Jein. In der Kombination mit der geplanten Drossel-Ausnahme für externe und interne Dienste hat das natürlich etwas mit der Netzneutralität zu tun. Und nur durch die Prominenz der Telekom und der ziemlich rüden Magenta-Kommunikationspolitik ist das Problem der Netzneutralität jetzt auf die politische Agenda gekommen. Ohne Drosselkom wäre das so schnell nicht möglich gewesen.

Um politischen Druck aufzubauen, muss allerdings mehr passieren – beispielsweise Bündnisse mit der Gaming-Szene. Und auch die von Thilo Specht aufgeführten plakativeren Beispiele sind wichtig.

„Stichwort Banking. Wäre das nicht ganz toll für Daytrader und Fussballmanager, wenn sämtliche Datenbewegungen innerhalb einer Banking-Plattform, z.B. von der Postbank, bei der Telekom kostenlos wären? Einfach einen Kombitarif bei der Telekom buchen, schon hat man ein Postbank-Konto und kostenlosen Traffic. Schön! Sicher, andere Banken fänden das nicht so prickelnd, aber was haben die schon zu melden, in der Politik interessiert sich doch niemand fü… oh, wait.

Stichwort ‚Smart Metering (coming soon)‘: Toll, die Telekom bietet einen RWE-Kombitarif an! Sämtliche Datenbewegungen zu Strom, Gas und Wasserverbrauch und Steuerung sind inklusive! Toll! Finden Greenpeace, Lichtblick und Naturstrom wahrscheinlich nicht…“

Realistisch ist seine Einschätzung, dass wir von Lobbyorganisationen wie Bitkom mit dem Vizepräsidenten René Obermann nicht sehr viel Unterstützung erwarten können. Übrigens auch nicht von den Konkurrenten der Telekom, die im VATM organisiert sind. Beispiel gefällig?

Hier eine Stellungnahme des VATM zu den Drosselplänen des Bonner Konzerns:

„Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, macht eine angemessene Drosselung von Datenflatrates Sinn, wenn hierdurch die Normal- und Wenignutzer entlastet werden und die Extremnutzer dazu gebracht werden, in Verträge zu wechseln, die der erbrachten Leistung entsprechen und wenigstens einen Mindestanteil der erforderlichen Investitionen wieder einspielen.

Wichtig: Drosselung bedeutet Kostensicherheit und nicht eine Kostenfalle durch etwaige Zusatzpreise für eine höhere Datennutzung. Wie im Mobilfunk üblich kann der Kunde sich an den für seine Datennutzung individuell richtigen Vertrag herantasten. Fair und ohne jedes Kosten-Risiko.

Aber: Wer Datenautobahnen möglichst ohne Belastung des Steuerzahlers ausbauen will, muss sich fairerweise darüber Gedanken machen, wer den meisten Nutzen hat und damit auch entsprechend mehr zum Ausbau beitragen sollte. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die reale Belastung und zeitweise Überlastung der Netze weniger durch ‚immer mehr Nutzer‘, sondern stark zunehmend durch wenige ‚Heavy User‘ ausgelöst wird, die sich z. B. Filmarchive zu Spitzenverkehrszeiten anlegen (insofern stimmt wohl die Bemerkung von Sascha Lobo, dass die Telekom wohl den kürzesten Strohhalm unter den Providern gezogen hat, gs).

Fakt ist: Während die Gesamt-Daten-Nutzung bezogen auf den Durchschnittskunden im Festnetz nur langsam steigt, explodiert sie geradezu bei den „Heavy Usern“ (Grafik bitte besorgen). Wer sehr große Datenmengen transportieren will und das mit Porsche-Geschwindigkeit, sollte einen der Qualität angemessen höheren Tarif wählen.

Keine Belastung für den Normalnutzer bedeutet auch für ihn muss YouTube, gelegentliche Filmdownloads und natürlich normales Surfen in höchster Geschwindigkeit möglich bleiben. Wer Verträge speziell zum Fernsehen, Video on demand etc. bucht und hierfür einen Aufpreis zahlt, hat höhere Anforderungen, die in der Flat berücksichtigt werden müssen.

Die Grenzen müssen daher sinnvoll festgelegt werden. Die von der Telekom Deutschland in die Diskussion gebrachten Volumina können als ein diskussionswürdiger Ansatz. Jedes Unternehmen muss sorgsam auf seine Kunden abgestimmte Grenzen bestimmen, die als Ausgangsbasis dienen können und sicherlich auch von Zeit zu Zeit angepasst werden. Hierfür sorgen der Markt und der Wettbewerb.

Problematisch erscheint eine Drosselung auf nur 384 Kbit/s . Hier sollten die für eine Mindestversorgung gesetzten und politisch verankerten Grenzen nicht unterschritten werden….“

Faktisch planen also alle Netzbetreiber etwas Ähnliches wie die Telekom. Darauf verwies schon im Februar Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Co. Siehe: Führt die Datenexplosion zu einem Zweiklassen-Netz?

Konzentrieren sollte man sich jetzt auf die gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität! Siehe auch die Petition, die ich gerade gezeichnet habe. Das sind noch viel zu wenige.

Heute Abend in der Bloggercamp-Sendung zur Gamification werde ich das Thema auch anschneiden.

Beckedahl: Telekom ist der größte Feind der Netzneutralität #Drosselkom

Drosselkom-Demo in Köln

Der Protest gegen die Drosselpolitik der Telekom nimmt an Schärfe zu. Kein Vorwahlgeplänkel, keine Eintagsfliege – die netzpolitische Bewegung nimmt den Angriff auf die Netzneutralität nicht hin, wie Markus Beckedahl auf der Anti-Drosselkom-Demo zur Hauptversammlung der Telekom in Köln deutlich machte.

Da wird es wohl nicht ausreichen, wenn Bundesnetzagentur und Kartellamt die Pläne des Magentakonzerns prüfen. Auch der Verweis der CDU-Netzpolitiker in der gestrigen Bloggercamp-Sendung auf bestehende Regelungen im Telekommunikationsgesetz können die Netzgemeinde nicht beruhigen.

Verlangt wird eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität.

So, erst einmal trockene Klamotten anziehen. Es hat heute zur Demo ungedrosselt aus Kübeln geschifft.

Siehe auch:

Drosselkom: Offline and Online-Protests against ISP Plans to slow down Internet Connections – and for Net Neutrality.

Telekom: König Drosselkoms Abgang.

Über die Milchmädchen-Rechnungen der #Drosselkom

Protest bei der Telekom

Bis zur Demo am Donnerstag möchte ich von der Telekom-Pressestelle noch ein paar Details wissen, die mir bislang nicht übermittelt wurden. Folgend Fragen habe ich heute an die entsprechende Abteilung des Magenta-Konzerns gemailt.

Die Aussage Ihres Hauses, dass nur drei Prozent der Telekom-Kunden von der Drosselung betroffen sind, halte ich immer noch für schwer überprüfbar. Details wollten Sie bislang nicht verraten. Aber vielleicht könnten Sie mir auf der Metaebene Informationen übermitteln. Handelt es sich bei den 100 Prozent nur um Kunden mit T-DSL-Vertrag, oder werden auch alle Telekom-Kunden mit reingerechnet, die nur über einen Festnetzanschluss, nicht aber über einen DSL-Anschluss verfügen? Und was ist mit Mobilfunk-Nutzern? Das sind genau genommen ja auch Telekom-Kunden.

Aber auch abseits dieser unklaren Berechnungsgrundlage kommen starke Zweifel an dieser Berechnung auf. So spricht die Telekom einerseits von nur drei Prozent der Kunden, die mehr als das ab sofort in Neuverträgen verankerte Inklusivvolumen benötigen. Andererseits schreibt die Telekom in ihrer Pressemitteilung aber auch, dass sie davon ausgeht, dass sich das benötigte Datenvolumen bis 2016 vervierfachen wird. Selbst mit der simplen Rechnung der Telekom wären demnach 2016 nicht nur drei Prozent, sondern ein vielfaches davon von der Drosselung betroffen. Wie viele werden es denn 2016 sein?

Über eine kurzfristige schriftliche Beantwortung wäre ich Ihnen dankbar.

Wären Sie oder ein anderer Vertreter der Telekom bereit, am Rande der Demonstration vor der Köln Arena am Willy-Brandt-Platz 2 (zur Hauptversammlung am Donnerstag) ein Video-Interview mit mir zu führen?

Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

Mal schauen, ob das wieder unter die Kategorie Betriebsgeheimnis eingestuft wie bei meiner Disputation in der ehemaligen T-Mobile-Zentrale in Bonn-Beuel. Nun ist mir auch klar, welchen Herren ich da gegenüberstand…

Habt Ihr noch weitere Fragen, die man stellen sollte????????????????

Dieses Bekenntnis kann ich übrigens gut verstehen:

https://twitter.com/gr4y/status/333888105104932867

Siehe: Gewähren Sie ein Sonderkündigungsrecht für Bestandskunden, Herr van Damme!

Telekom “liebt jeden Kunden” und findet Drosselung fair.

Donnerstag in Köln: Vogelbeobachtung vor der Telekom-Hauptversammlung. Vielleicht sollten keine Drosseln zum Einsatz kommen, sonder Geier.