#vinewalkde bei #Bloggercamp.tv: Daumenkino in sechs Sekunden – Warum läuft das in Deutschland so schlecht?

Vine-Walker in Köln
Vine-Walker in Köln

Ein Videodienst, der wie Daumenkino funktioniert, bekommt im Social Web immer mehr Fans – nur nicht in Deutschland. Oder besser gesagt: Noch nicht. Die Rede ist von Vine, der im Gegensatz zu Youtube auf schnelle und mobile Anwendungen ausgerichtet ist. Über die App muss man noch nicht einmal eine Aufnahmetaste drücken – das geht per Fingertap.

„Lässt man wieder los, stoppt die Aufnahme und man kann die Szenerie wechseln“, schreibt das Internet Magazin.

Am Ende bilden die vielen kleinen Videosequenzen ein Stop-Motion-Video – sechs Sekunden lang.

Vine-Produzenten in Kölle
Vine-Produzenten in Kölle

Für die Youtube-Fraktion mit den drei bis fünfminütigen Filmchen wohl nur eine Lachnummer. Für kreative Geister eine echte Herausforderung. Durch die Stop-Motion-Technik lassen sich in sechs Sekunden ganze Storys erzählen. Man transportiert sehr schnell und ohne großen Aufwand Emotionen, sagt Nicole Hundertmark, die alle sechs bis acht Wochen einen Vine-Walk in Köln organisiert und bei mir die Experimentierlust weckte.

Twitter fördert Kurzprosa und Vine beflügelt visuelle Effekte mit einer ungewöhnlichen Bildsprache. So gut der Video-Dienst in den USA läuft, so schlecht ist bislang die Akzeptanz in Deutschland. „Das erinnert an die Jahre, in denen Twitter in den USA seinen großen Boom erlebte, großen Anklang fand und zum Trendnetzwerk wurde, während die Nutzer in Deutschland gerade Facebook in ihren Alltag integrierten“, so das Internet Magazin.

Man brauche Communities, um mit Vine etwas anfangen zu können. Vinewalkde bietet das allemal, wie der Vine-Walk am vergangenen Samstag unter Beweis stellte.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, wenn man mal von meinen dilettantischen Versuchen absieht.

Was man beruflich und privat mit dem Dienst so alles machen kann, diskutierten wir am Mittwoch in der unserer 11 Uhr-Sendung von Bloggercamp.tv mit Nicole Hundertmark.

Man sieht und hört sich also zur unserer Daumenkino-Sendung am Mittwoch. Für Twitter-Zwischenrufe und Anregungen während der Liveübertragung bitte wieder als Hashtag verwenden.

Siehe auch:

Why Brands Love Stop-Motion Vines.

Die digitale Revolution frisst analoge Theorien: Springer-Chef erklärt Riepl-Gesetz für ungültig

Kreative Zerstörung

Meine Schlagzeile ist natürlich Humbug. Der Oberguru des Axel Springer-Verlages wird ein Teufel tun, seine Sprücheklopfereien von vorgestern zu revidieren. Dennoch muss der gestrige Tag fett im Kalender markiert werden:

„Im Rückblick werden Wirtschaftshistoriker vermutlich jenen 25. Juli 2013 als den entscheidenden Punkt definieren, an dem Springer-Vorstandschef Döpfner den Grundstein für sein Medienhaus der Zukunft gelegt hat – ohne den Ballast von Print-Produkten abseits von Bild und Welt. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem man noch eine knappe Milliarde dafür erlösen konnte. Selbst wenn man 260 Millionen davon quasi als Kredit an die Funke-Gruppe vergab“, schreibt Karsten Lohmeyer in seiner trefflichen Analyse „Rette sich wer kann! Was jeder Journalist aus der Print-Amputation bei Springer lernen sollte“.

Wie der Zufall es will, verkündete am gleichen Tag das zweitgrößte deutsche Call Center-Unternehmen seinen Rettungsschirm-Antrag, um eine Pleite abzuwenden. Das klassische Telefonie-Geschäft schmilzt wie Schnee in der digitalen Sonne und nur wenige Hotline-Anbieter sind in der Lage, mit den vernetzten Kunden auf Augenhöhe zu marschieren. Siehe: Es ist wie ein Hohn, schweigt das Telefon – Hotline-Pleiten überraschen nicht wirklich.

Altpapier-Weisheiten
Altpapier-Weisheiten

Eine gute Gelegenheit, an die Durchhalteparolen der Gestern-Industrien zu erinnern. Und dazu zählt eben auch das ominöse “Unverdrängbarkeitsgesetz” von Riepl:

“Keine neue Mediengattung ersetzt die bestehenden. Medienfortschritt verläuft kumulativ, nicht substituierend. Es kommt immer Neues hinzu, aber das Alte bleibt. Bis heute ist dieses Gesetz unwiderlegt. Das Buch hat die erzählte Geschichte nicht ersetzt. Die Zeitung hat das Buch nicht ersetzt, das Radio nicht die Zeitung, das Fernsehen auch nicht das Radio. Und also wird das Internet auch nicht das Fernsehen oder die Zeitung ersetzen“, palaverte der Springer-Chef vor vier Jahren.

Schon damals spekulierte ich, dass wohl kaum einer der analogen Fans sich die Mühe gemacht hat, die Hypothesen der Dissertation von Riepl aus dem Jahr 1913 wirklich zu studieren. In der Abhandlung unter dem Titel „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ geht es um das Nebeneinander von schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Und die Beispiele von Riepl zeigen sehr wohl, dass Medien sterben können. So ist der Bote in unseren Tagen längst kein Medium mehr mit Relevanz. Und welche Rolle spielt der Telegraph für die Individualkommunikation? Ausgestorben. Welche Bedeutung haben Prediger, Ausrufer oder Kalender für die Massenkommunikation? Keine.

Aber warum sollten man sich mit diesen Dingen noch herumschlagen, Herr Döpfner. Wir werden es tun. Am nächsten Mittwoch in unserer Bloggercamp.tv-Sendung, die wir um 18:30 Uhr wie immer live übertragen.

Thema: Die digitale Revolution frisst die Gestern-Industrien. Wer als Diskutant mitwirken möchte, sollte sich bei Hannes Schleeh oder mir melden.

Jetzt live: Bierprobe im #Bloggercamp – Startup St. Erhard-Brauerei

Ab 18:30 Uhr. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe .

Braukunst statt Brühwürfel-Bier: Die Gerstensaft-Probe im #Bloggercamp

St. Erhard

Vergangene Woche verköstigten Hannes Schleeh und Jochen Mai noch einen Spätburgunder-Tropfen in der wohl ersten Weinprobe, die live via Hangout on Air ausgestrahlt wurde, da kontern wir heute mit einer Bier-Session um 18:30 Uhr in Bloggercamp.tv.

Wir unterhalten uns nicht nur mit dem Startup-Unternehmer Christian Klemenz von der Bamberger Brauerei St. Erhard, wir testen in der Sendung auch sein Bier.

Denn es gibt gute Gründe, sich mit Unternehmen in Deutschland zu beschäftigen, die sich vom Brühwürfel-Massenbier absetzen und stärker auf die Qualität von Hopfen, Malz und Wasser achten. Denn das sind die entscheidenden Stellschrauben, die zu einem würzigen und süffigen Bier führen. Den Wein-Verstehern sei ins Stammbuch geschrieben, auch beim Bier gibt es Gaumenkino oder eben nicht.

Unsere Dominanz als Land der Braukunst haben wir verloren, so ein Bericht der ZDF-Sendung Zoom:

Bierkultur in SF

„Offenbar stimmt auch etwas mit der Qualität nicht. Beim ‚World Beer Cup‘ werden anerkannterweise die besten Biere der Welt prämiert. Deutsche Sieger gab es bei der WM 2010 in den zahlreichen Auszeichnungs-Kategorien jedoch kaum. Sogar der Preis für das beste ‚German Style Pilsener‘ ging an eine Brauerei aus Kalifornien. Pro Jahr trinken die Deutschen nur noch zirka 100 Liter Bier. Vor 20 Jahren waren es noch 35 Liter mehr. Die deutsche Hopfen- und Malz-Schrumpfwirtschaft wird von vielen mit resignativem Schulterzucken begleitet.“

In San Francisco und Umgebung schießen kleine Brauereien wie Pilze aus dem Boden und die machen fast alle sehr gutes Bier. Früher produzierten die eher Chemo-Mist.

All das werden wir heute Abend im Bloggercamp, um 18:30 Uhr diskutieren. Hashtag für Zwischenrufe während der Live-Übertraung wie immer .

In der zweiten Session geht es um 19:30 dann um „HIGHTECH IM STALL UND AUF DEM ACKER – PRECISION FARMING VIA CLOUD COMPUTING“ – sozusagen MUH-TV im Bloggercamp.

Ferienjob via Social Web

Ferienjob auf dem Land?
Ferienjob auf dem Land?

WDR 2 hat sich gerade ausführlich mit der Ferienjob-Suche via Social Web auseinander gesetzt und einige nützlich Tipps zusammengetragen: „Quintessenz – Die Suche nach dem Ferienjob“.

„Je mehr Jobangebote in einem Portal zu finden sind, je mehr Austausch dort stattfindet, umso sicherer kann man sich dort auch fühlen. Gerade große Börsen wie Unicum für Studenten oder auch Anbieter wie Monster haben große Teams die Unternehmen überprüfen und zertifizieren und unseriöse Angebote streichen. Der Suchende selbst sollte auf eine ausführliche und transparente Job- und Aufgabenbeschreibung achten. Im Idealfall nennt das Unternehmen auch einen Ansprechpartner, der direkt bei Fragen angerufen werden kann“, so die Empfehlung der WDR 2-Redaktion.

Was generell bei Bewerbungen und bei der Kandidatensuche über soziale Netzwerke zu beachten ist, habe ich gestern auf NeueNachricht ausführlich beschrieben.

Karriere und Jobsuche im Social Web noch in den Kinderschuhen – Bewerber aktiver als Personalabteilungen.

Wer das Thema vertiefen möchte und Erfahrungen mitbringt, ist herzlich zu einem Hangout-Interview bei Bloggercamp.tv eingeladen. Einfach melden und wir vereinbaren einen Sendetermin.

Morgen geht es um 18:30 Uhr um BRAUKUNST STATT BRÜHWÜRFELBIER – DIE ST. ERHARD BLOGGERCAMP.TV-BIERPROBE und 19:30 Uhr um HIGHTECH IM STALL UND AUF DEM ACKER – PRECISION FARMING VIA CLOUD COMPUTING.

Weißwein-Tricks bei Spätburgunder-Verköstigung #Bloggercamp #ironblogger

Wein und Bier im Bloggercamp!

Was man mit unserer Livestreaming-Sendung Bloggercamp nicht so alles anstellen kann. Hannes Schleeh und Jochen Mai (Weinbilly.de – Das Leben ist zu kurz für teuren Wein) zelebrierten heute sehr amüsant die erste Weinprobe via Hangout on Air. Und das hörte sich richtig kompetent an. Das Lob kommt allerdings von einem Bierkenner – muss also nichts bedeuten. Die Viertelstunde ging aber schnell vorbei. Experiment gelungen.

Die Chronologie der Ereignisse während der Weinprobe habe ich mit Twitter-Kommentaren begleitet:

In einer der nächsten Bloggercamp-Sendungen beschäftigen wir uns dann mit Bier. Thema vielleicht sogar einer ganzen Serie von Übertragungen: Qualitätsbier versus Brühwürfel-Massenware.

Die St. Erhard-Brauerei in Bamberg war schon so freundlich, mich mit Flaschen zu bestücken – auf Anregung des Startup-Unternehmens Dozeo. Braukunst ist in Deutschland immer noch aufzufinden, auch wenn wir in den Supermärkten mit besagtem Brühwürfel-Hopfenextrakt-Mist zugepflastert werden. Vielleicht klappt es ja schon nächsten Mittwoch, um 18:30 Uhr. Dann wird Christian Klemenz, Gründer und Chef von St. Erhard, im Bloggercamp unser Interviewgast sein. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet – eine Startup-Brauerei!

Als Bonner Ironblogger freue ich mich auf diese Sendung!!!!

Siehe auch:

Deutsches Weintor: Spätburgunder trocken 2011 #Hangout #Weinprobe

SHIFT happens: Wieso ein Nerd plötzlich Print macht? #Bloggercamp heute live um 18:30 Uhr #tck13

Shift

Mit dem Tweetcamp in Kölle hat unsere heutige Bloggercamp-TV-Sendung um 18:30 Uhr direkt nichts mehr zu tun. Aber ich habe Daniel @juicedaniel dort das erste Mal persönlich kennengelernt. Er ist Neu-Bonner, ich bin ein Berliner Alt-Bonner. Grund genug, sich über sein Startnext-Projekt für ein neues Printmagazin auszutauschen. Mit der Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform soll sein Opus „Shift“ bereits im Juli/August in den Druck gehen:

„Die erste Ausgabe ist eine nichtkommerzielle Ausgabe. Heißt: Es wird sie später nirgends zu kaufen geben. Wenn ihr also eine Erstausgabe in den Händen halten wollt, solltet ihr euch diese Crowdfunding-Aktion nicht entgehen lassen“, schreibt Daniel auf Startnext.

Knapp 2.000 Euro hat er schon zusammen. Schlappe 3.000 Euro fehlen noch, um das Finanzierungsziel zu erreichen. 28 Tage stehen noch zur Verfügung. Also heute Abend den Ausführungen von Daniel lauschen und dann direkt das Projekt mit einem kleinen oder großen Beitrag unterstützen – ich zähle schon zum Unterstützerkreis.

@juicedaniel

Ich finde es sehr sympathisch, so eine Geschichte ohne Verlag zu wuppen. Im Journalismus brauchen wir solche Initiativen!!!!

Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertragung wie immer .

„Gute Freunde kann niemand trennen“: Über die Vernetzungskultur im Social Web #Bloggercamp

Friends und Netzwerke

Vor 40 Jahren erschien ein Aufsatz, der sich in den Folgejahren zu einem soziologischen Klassiker mauserte. Es handelt sich um die Studie von Mark Granovetter über Arbeitslose in Boston, die einen Job suchten. Wer einen Arbeitsplatz fand, ist danach befragt worden, wer sie auf die freie Stelle aufmerksam gemacht hat. Granovetter ging von der Hypothese aus, dass die Empfehler vor allem aus dem engeren Bekanntenkreis kommen müssten. Also die Franz Beckenbauer-Variante (in dem Video stellt der Kaiser übrigens sein unfassbares Rhythmus-Gefühl unter Beweis…).

In Kölle würde man sagen: Man kennt sich, man hilft sich.

„So sollte man denken – Granovetters Befunde waren aber genau die umgekehrten. Einen neuen Arbeitsplatz hatten die Befragten meist durch Hinweise von Personen gefunden, die sie nur flüchtig kannten oder selten sahen. Die Erklärung dieser ‚Stärke schwacher Bindungen‘ greift auf ein Wissen zurück, das jeder hat. Wer ein Gerücht in Umlauf bringen möchte, wem sollte er es wohl mitteilen? Am besten dem Frisör. Denn wenn der Frisör davon erfährt, wird er es Leuten weitererzählen, die untereinander wenig anderes gemeinsam haben als den Frisör“, schreibt Regina Mönch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Beiläufige Bekannte öffnen den Zugang zu Netzwerken, zu denen man selber nicht gehört, schwache Bindungen transportieren Informationen schneller über größere soziale Distanzen hinweg. Umgekehrt: Wer viele flüchtige Bekannte hat, erfährt viel und erweist sich als Katalysator für Netzwerkeffekte. Besonders die schwachen Beziehungen dienen als Brücken zwischen Netzwerken und helfen, Probleme zu lösen, Informationen zu sammeln und neue Ideen aufzugreifen.

Das ideale Netzwerk besteht daher aus einem Kern von starken Beziehungen und einer umfangreichen Peripherie von schwachen Beziehungen.

Man kann also ohne großen Aufwand die schwachen Beziehungen ausbauen, ohne die starken Beziehungen zu vernachlässigen. Auf die Brückenfunktion kommt es an. Das gilt auch für Unternehmen. Entsprechende Forschungsarbeiten hat der Chicagoer Soziologe Ronald S. Burt vorgelegt.

In seinen Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Informationen vor allem über feste Bekanntschaften zirkulieren. Ein Widerspruch zu Granovetter? Betriebswirte sprechen nicht gern mit Ingenieuren, Forscher nicht gerne mit dem Marketing, Abteilungen am liebsten mit sich selbst.

„Bekanntschaft und Gewohnheit verstärken sich gegenseitig, man konzentriert sich auf die nächste Umgebung, und so entstehen ’strukturelle Löcher‘ (Burt) zwischen Netzwerken. In der Beurteilung der Verbesserungsvorschläge schnitten aber gerade diejenigen Manager am besten ab, die solche Löcher überbrücken. Sie haben im Durchschnitt das höhere Gehalt und machen schneller Karriere“, so Mönch.

Und selbst unter den Spitzenkräften der von Burt untersuchten Firma waren diejenigen, die sich auf intensiven Austausch im engsten Kreis beschränkten, auch diejenigen mit den schwächsten Innovationsideen.

Wer im eigenen Saft schmort, verliert Wirkung – müsste der Netzgemeinde ja bekannt vorkommen…

Wie kann man das Granovetter-Prinzip nun im Social Web umsetzen? Nach Ansicht von Smart Service-Blogger Bernhard Steimel liegt ein Schlüssel in der Exklusivität.

„Wer im digitalen Raum Erlebnisse nur mit ausgewählten Menschen teilen möchte, der tut gut daran, Mechanismen zu nutzen, die das Weiterverbreiten unterbinden.

Wie bei elitären Golfclubs müssten Mitglieder für Neulinge bürgen und das Besondere ist, dass jedes Mitglied nur eine beschränkte Anzahl an Bürgschaften abgeben darf.

„Für Außenstehende bleibt verborgen, was in der Community passiert“, so Steimel.

Wo bleibt aber die Brückenfunktion des Frisörs in diesem geschlossenen Zirkel? Das Weiterverbreiten unterbinden, den Faktor der Weitererzählbarkeit beschränken? Das läuft irgendwie einer offenen Kultur des Teilens und der Beteiligung zuwider. Schließlich lebt das Social Web vor allem über das Geben. Entsprechend sympathisch finde ich das Plädoyer von Christian Müller: „Warum wir mehr (Links) teilen sollten.“

Über die Vernetzungskultur im Social Web wollen wir heute Abend um 18:30 Uhr im Bloggercamp diskutieren mit Smart Service-Blogger Bernhard Steimel, Eleftherios Hatziioannou von Peopleizers und Marco Ripanti von Spreadly.

Hashtag für Twitter-Zwischenrufe während der Live-Übertragung wie immer .

Wird bestimmt eine spannende Disputation 🙂

Weitersagen? Gern – aber richtig! Korrektes Teilen in Facebook.

Heute um 19:30 Uhr #Bloggercamp-TV: Gamification und Netzpolitik

Bloggercamp

Als Reaktion auf meinen gestrigen Blogpost schrieb Klaus Eck:

„So langsam scheint das Thema doch seinen mühsamen Weg in die Öffentlichkeit zu finden und das ist gut so…“

Dem wollen wir weitere Taten folgen lassen und natürlich nicht bis zur Gamescom im August warten.

Siehe etwa meine heutige The European-Kolumne mit dem Titel: Spielende Veränderung – Gaming statt Hierarchien: Wie Computerspiele das politische System verändern könnten. Das Opus wird hoffentlich ordentlich im Social Web verbreitet und gibt Denkanstöße für den netzpolitischen Diskurs.

Heute Abend, von 19:30 bis 20:00 Uhr, geht es dann weiter mit einer Bloggercamp-Sendung, in der wir über „Gamification statt Hierarchien“ sprechen und auch Überlegungen anstellen, wie die Gaming-Community im Schulterschluss mit der Netzgemeinde aktiviert werden könnte etwa zur Drosselpolitik der Telekom. Meine Gäste sind Roman Rackwitz „Engaginglab – regime of competence“ sowie der Powergamer und Informatikstudent Constantin Sohn – also der Sohn vom Sohn. Hashtag für Zwischenrufe während der Livesendung wie immer .

Hannes Schleeh ist diesmal nicht dabei – er genießt seinen wohlverdienten Urlaub. Neid.

Roman wird auch beim GameCamp in München Ende Juni eine Session über Gamification anbieten.

Wer heute Abend noch spontan in der Hangout-Sendung dabei sein und mitdiskutieren möchte, kann sich gerne bei mir melden.

Google Glass und die German Angst: Mit dem dritten Auge sieht man besser #rp13

republica-Feldexperiment

Bei technischen Innovationen gründen wir in Deutschland erst einmal Kommissionen, Arbeitskreise und wissenschaftliche Initiativen zur Technikfolgen-Abschätzung. So auch bei Google Glass. Was da so alles auf uns zukommt: Ständige Überwachung durch Brillenträger. Selbst beim Nerd-Klassentreffen namens re:publica gab es solche Reflexe, wie das Feldexperiment von Hannes Schleeh unter Beweis stellte.

„Er war das gefragteste Fotomotiv der re:publica und Gesprächsthema, wo er auftauchte: ‚Da ist einer mit der Google Glass!‘ Doch wer Hannes Schleeh ansprach, erfuhr die Wahrheit von ihm: Das Erlebnis ist unbezahlbar, die Brille aus dem 3D-Drucker hat 25 Euro gekostet“, schreibt die Rhein-Zeitung und führte mit Hannes ein Interview über seine Erfahrungen, drei Tage mit diesem Gerät in Berlin durch die Gegend zu laufen.

Müssen wir uns auf ein neues Spionage-Gadget einstellen und rechtzeitig über die alarmististischen Staats-Datenschützer neue Bollwerke zum Schutz der Privatsphäre errichten?

Hobby-Spione können sich im Online-Handel schon jetzt wesentlich wirksamer mit allen möglichen Geräten aufrüsten, um unbemerkt andere Menschen zu beobachten. Vom Schlüsselanhänger mit Camcorder, über SpyCam-Kugelschreiber bis zum Feuerzeug mit Webcam ist alles dabei und niemand scheint sich so richtig darüber zu echauffieren.

Taucht in einem Produktnamen das Wort „Google“ auf, brennen in der öffentlichen Debatte schnell die Sicherungen durch. Insofern hat Sascha Lobo in seiner Spiegel Online-Kolumne sicherlich recht, wenn er Google vorwirft, nicht genügend über die Wirkung von Google Glass zu diskutieren.

„Die technosoziale Faszination ist so groß, dass der Verkauf selbst kaum mehr als eine Preisfrage sein wird. Google Glass braucht kein Marketing, sondern Aufklärung.“

Im April 2012 stellte Google den Prototyp „Project Glass“ vor. Eine Brille mit eingebautem Display über einem Auge, das Informationen übermittelt, über gesprochene Kommandos Nachrichten verwaltet und über eine eingebaute Kamera Bilder und Videos aufnehmen kann.

„In Zukunft wird die Zusammenstellung von tragbarer Technologie, Augmented Reality und P2P eine Kombination aus Sinneseindrücken, Information und sicherer Kommunikation bieten und einige nützliche Geräte hervorbringen“, schreiben Google Chairman Eric Schmidt und Google Ideas-Direktor Jared Cohen in ihrem Buch „Die Vernetzung der Welt“.

Das Schlagwort Augmented Reality bezeichnet die Verschmelzung der Welten, der digitalen mit der nichtdigitalen, so Lobo:

„Es handelt sich dabei um eine derzeit dramatisch unterschätzte Spielart der Technologie – insbesondere, was die Diskussion um die Wirkung angeht. Augmented Reality steht nämlich von außen betrachtet für das Gefühl, dem Internet nicht mehr ausweichen zu können, wenn man den Rechner zuklappt.“

Und Frank Schirrmacher wird wahrscheinlich der Erste sein, der für die kulturpessimistische Debatte das entsprechende Buch liefert. Das wäre schade. Selbst in den Ausführungen von Lobo taucht nicht ein einziges Beispiel auf, um die Sinnhaftigkeit bei der Kombination von realen und digitalen Wahrnehmungen zu untermauern.

Etwa bei Ferndiagnosen. Über das dritte Auge kann ein Tierarzt kontaktiert werden und einem Bauern, der mit der Netz-Brille das Tier untersucht, erste Hinweise über das Krankheitsbild geben.

Bei der Analyse eines Tatorts folgt das dritte Auge dem Sichtfeld des Inspekteurs und fängt Informationen ein, die dem Betrachter vielleicht gar nicht so richtig aufgefallen sind. Phänomen: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zudem können die Filmaufnahmen live übertragen und von weiteren Inspekteuren am Bildschirm verfolgt werden. Auch die nachträgliche Bearbeitung der Aufzeichnungen ergänzt die eigenen Sinneseindrücke, die von Störquellen beeinträchtigt sein können.

Gleiches gilt für die Wartung von Flugzeugen. Mit dem dritten Auge – gepaart mit Sprachsteuerung – hat man die Hände frei, muss nicht ständig seine Arbeit wegen Schreibarbeiten unterbrechen, protokolliert über Sprache die Arbeitsschritte und reduziert die Fehlerquellen.

In Kombination mit Minicomputer, die man als ständige Begleiter mit sich führt, werde die Sprachsteuerung erst voll zur Wirkung kommen, so die Überzeugung von Mind Business-Unternehmensberater und Smart Service-Blogger Bernhard Steimel:

„Erst dann kann man von einem elektronischen Assistenten sprechen, der meinen Alltag erleichtert, mich vor der Informationsüberflutung bewahrt und sich auf meine Bedürfnisse einstellt.“

Schon vor einigen Jahren entwickelte der Grazer Informatikprofessor und Science Fiction-Autor Hermann Maurer interessante Szenarien für Brillen, die mit Mikrofon, Kamera, Stereoton und GPS-System ausgestattet sind. Weitere Sensoren ermitteln die Kopfposition des Brillenträgers, inklusive Blickrichtung und Kopfneigung, so dass der Minicomputer stets weiß, wohin der Benutzer gerade sieht. Der „Brillen PC“ kombiniert Mobiltelefon, Fotoapparat sowie Videokamera und ist ständig mit dem Internet verbunden. Die Eingabe von Informationen über Tastatur und Mausklicks wird ersetzt durch Sprach- und Gestenerkennung.

Beim wearable computing geht es weniger darum, medienwirksame Cyborg-Phantasien oder Jacken mit eingebautem MP3-Player zu realisieren, sondern langfristig dem Menschen in persönlicher Weise zu dienen: Seinen Gesundheitszustand zu überwachen, seine Sinne zu schärfen und ihn mit Informationen zu versorgen.

Wer über die Risiken spricht, sollte also über den Nutzen nicht schweigen. Ich werde das Thema in den nächsten Wochen vertiefen: In meinen Kolumnen, in Video-Interviews und gemeinsam mit Hannes Schleeh in Bloggercamp-Hangout-Fachgesprächen. Dabei werden wir natürlich auch kritisch reflektieren, ob hier ein neuer Kulturkampf schlummert. Wer Interesse daran hat, sollte sich bei mir melden.

Auf der re:publica dominierten übrigens in der Begegnung mit Hannes Schleeh die positiven Reaktionen 🙂

Siehe auch:

Das Google Glass Experiment auf der re:publica #rpstory13