Neue Unternehmen braucht das Land @KfW_Research @BVMWeV @Haufe_NMP #SchubkraftTV @rafbuff @haucap @NadineSchoen @Ogruen @MenzelFrauke #ZukunftstagMittelstand

Wer die ökonomische Welt nur in Aggregatzuständen betrachtet, verliert die wesentlichen Quellen wirtschaftlicher Kreativität und technologischer Entwicklungssprünge aus dem Auge. Das ist das Manko von Planungsfetischisten und Makroökonomen. Sie unterschätzen die tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle von unvorhersehbaren Innovationen, die alles durcheinander würfeln und Technologien sowie Geschäftsmethoden revolutionieren. Makroökonomische Entwicklungen können durch Einzelentscheidungen, durch disruptive Innovationen, Multikrisen, Kriege, Protektionismus, Sanktionen, Inflation und dergleichen kräftig durcheinander gewirbelt werden. Ende vergangenen Jahres redeten Konjunkturforscher noch von einer unausweichlichen Rezession für das Jahr 2023. Mittlerweile erhellen sich die Vorhersagen und wir schrammen an einem Minus im Wirtschaftswachstum vorbei. Das hatte ich ja bereits im Dezember vorhergesagt.

Darauf machte bereits in den 1920er und 1930er Jahren der Ökonom Joseph A. Schumpeter aufmerksam. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden, kritisierte der Ökonom Joseph Schumpeter bereits in den 1920er und 1930er Jahren. Einzelne Unternehmerinnen und Unternehmer, Firmen, Branchen, Konsumenten, die Rolle von staatlichen Institutionen und die Wirkung von Gesetzen verschwinden aus dem Blickfeld. Vor allem die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelt Schumpeter, der sich mit seinen konjunkturpolitischen Abhandlungen leider nicht aus dem Schatten von John Maynard Keynes lösen konnte. Was bedeutet das für die Rolle des Staates bei Innovationen?

Ein wichtiger Punkt ist schlichtweg die Zahl der neuen und frischen Unternehmen, die aus dem Routinebetrieb der Wirtschaft ausbrechen und Innovationen antreiben. Hier wäre Staatskunst in der Wirtschaftspolitik gefragt. Seit rund 23 Jahren passiert zu wenig. Das zeigen die aktuellen Zahlen der KfW:

Nur 23 Prozent der 18–67-Jährigen würden sich unabhängig von ihrer aktuellen persönlichen Situation für die berufliche Selbstständigkeit entscheiden. Altersunterschiede sind hier allerdings sichtbar. So haben die unter 30-Jährigen den Corona-Schock besser verdaut und würden sich wieder häufiger für die Selbstständigkeit entscheiden. Von den Erwerbsfähigen, die noch nie selbstständig waren, haben nur 14 Prozent eine Präferenz für die Selbstständigkeit, 32 Prozent wären aber bereit, sich einmal selbstständig zu machen. Das ist mehr als ein Viertel aller Erwerbsfähigen (26 Prozent) und zeigt, dass Gründungspotenziale vorhanden sind. Vor allem Jüngere können sich vorstellen, einmal selbstständig zu werden – sogar häufiger als noch vor einigen Jahren. „Um Gründungspotenziale zu heben, wären verschiedene Maßnahmen geeignet. Weniger Bürokratie, eine faire Einbindung in die Sozialversicherungssysteme und eine bessere Absicherung im Insolvenzfall sind dabei die drei Maßnahmen, denen die stärkste Wirkung beigemessen wird. Bessere Angebote zur Kinderbetreuung würden zudem vor allem bei Frauen mit minderjährigen Kindern die Gründungsbereitschaft erhöhen. Wirtschaftspolitische Unsicherheit und Fachkräftemangel lassen die Attraktivität der beruflichen Selbstständigkeit sinken, eine zu geringe Gründungtätigkeit ist die Folge. Es sollten deshalb alle Anstrengungen unternommen werden, um alle Gründungspotenziale zu heben. Denn wenn der deutsche Mittelstand erodiert, verlieren wir die starken Schultern, die die Volkswirtschaft tragen“, so KfW-Analyst Dr. Georg Metzger.

Zu diesem Thema gibt es am Mittwoch, den 1. März, um 11 Uhr eine spannende Diskussionsrunde in der Station in Berlin beim Zukunftstag des BVMW:

Thema: Unternehmertum in Zeit der Veränderung.

Teilnehmer: Dr. Vivien Lo, Abteilungsdirektorin KfW Research, Kreditanstalt für Wiederaufbau
Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor, Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE), Mitglied Wissenschaftlicher Beirat BVMW
Verena Hubertz, MdB, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende SPD-Bundestagsfraktion, Deutscher Bundestag
Stefan Teuchert, Leiter Markt Deutschland, BMW AG
Christen J. Merkle, Geschäftsführer, AHP Merkle GmbH

Moderation: Andreas Jahn, Bundesgeschäftsleiter Politik, Der Mittelstand. BVMW e.V.

Und am Nachmittag, um 15:25 ein digital-innovationspolitischer Paneltalk:

Teilnehmer:

Dr. Oliver Grün, Präsident, Bundesverband IT-Mittelstand
Rafael Laguna de la Vera, Gründungsdirektor, Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND
Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden, Telekom Deutschland
Nadine Schön, MdB, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Deutscher Bundestag
Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts, Microsoft Deutschland
Dagmar Zoder, Head of Strategy für Zentraleuropa, Adobe

Moderation: Matthias Brucke, Leiter der Kommission für Innovation und Förderprogramme des BVMW, embeteco GmbH & Co. KG

Wir können dann ja zusammen einen Zukunftsplan für den Mittelstand entwickeln am Schubkraft-Stand der Telekom.

Siehe dazu auch meine Überlegungen in der Innovationskolumne von New Management: In einer Session auf der Next Economy Open brachte Deepa Gautam-Nigge (SAP), Herausgeberin des Buches „#EcosystemInnovation“, thematische Sonderwirtschaftszonen ins Spiel. Etwa bei Technologien, die den Klimaschutz, die Kreislaufwirtschaft und die Energiewende nach vorne bringen. „Hier liegen die Stärken von Europa und Deutschland und das sollte gezielt gefördert werden.“ Die gesellschaftliche Notwendigkeit sei evident. Die besten Köpfe, die besten Talente und Innovationen seien in Deutschland und Europa vorhanden.

Die Eventseiten auf LinkedIn – da könnt Ihr Euch auch anmelden. Wer Karten für Berlin braucht, kann mich direkt kontaktieren via 01776204474 oder gunnareriksohn@gmail.com

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7031666922819604480

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7031669643610050560

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7031669419525201920

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7031668780682346496

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7031668654639337472

https://www.linkedin.com/video/event/urn:li:ugcPost:7033822316878856193/

Wir machen am Stand natürlich auch noch Adhoc-Interviews. Man hört, sieht und streamt sich in Berlin. 

Hier unser Vorbericht:

#ChatGPT, was würdest Du machen, wenn Du #KönigVonDeutschland wärst

Antwort von ChatGPT: In jedem Fall wäre es wichtig, bei der Gestaltung von politischen Maßnahmen und Programmen die Interessen und Bedürfnisse aller Bürger im Blick zu haben und diese angemessen zu berücksichtigen. Eine wichtige Aufgabe wäre es, sich um Themen wie Umweltschutz, Bildung, Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftswachstum zu kümmern.

Als König von Deutschland würde ich sicherstellen, dass die Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie gewahrt bleiben und dass die Bürger in einer offenen und transparenten Gesellschaft leben können, in der Meinungsfreiheit und Pluralismus geschützt werden. Ich würde auch darauf achten, dass Deutschland eine verantwortungsvolle Rolle in der internationalen Gemeinschaft spielt und zur Bewältigung globaler Herausforderungen beiträgt, wie zum Beispiel beim Klimawandel und bei der Bekämpfung von Armut und Ungleichheit.

Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass eine solche Aufgabe nicht von einer einzelnen Person oder Institution geleistet werden kann. Eine erfolgreiche politische Gestaltung erfordert die Zusammenarbeit und den Input verschiedener Stakeholder und Beteiligter aus der Gesellschaft, darunter Experten, Politiker, Bürger und Unternehmen.

Hätte Scholz nicht besser beantworten können.

Hier unsere Lesung im Rotary Club Solingen-Klingenpfad.

Hier kann man das Buch kaufen.

turned on computer monitor displaying text

#ChatGPT: Steht die Künstliche Intelligenz vor einer Zeitenwende? Ein Lob dem technologischen Kopistentum – #Notizzettel für den Livetalk mit Professor Wolfgang Wahlster

Vorbereitung auf den Livetalk mit Professor Wolfgang Wahlster zum Thema: #ChatGPT: Steht die Künstliche Intelligenz vor einer Zeitenwende?

Gute Einordnung von Georg Fischer: „GPT3 generiert keine unbrauchbaren Buchstabenketten – sondern im besten Falle Formulierungen, Absätze oder sogar längere, in sich geschlossene Texte mit Sinn und Bedeutung. Das klingt aufregend, geheimnisvoll und sogar ein bisschen beängstigend. Dass Sprachverarbeitungstechnologien wie GPT3 für Veränderungen sorgen werden, ist offensichtlich. Die Frage ist eher: Wie tief werden diese Veränderungen greifen? Eine definitive Antwort auf diese Frage zu finden ist nicht einfach. Und doch verdeckt der aufgeregte Diskurs um die neue Technologie, was GPT3 eigentlich ist: eine Kopiertechnologie, die durch massenhafte Mustererkennung lernt, mit Informationen umzugehen, diese zu bewerten und zu ordnen, um daraus neue Aussagen zu generieren. GPT3 sollte daher bis auf Weiteres als lernende und sich selbst verbessernde Remix-Maschine verstanden werden: schon mächtig (und in Zukunft noch mächtiger), aber dennoch als Technologie, die vor allem Texte rekombiniert, dafür auf präzise Anfragen angewiesen ist sowie auf das Material, das sie findet.“

Mit GPT3 und anderen digitalen Technologien, die auf maschinellem Lernen basieren und sich aus Textkopien speisen, deute sich nach Ansicht von Fischer ein weiterer Schub technischer Reproduzierbarkeit an. „Diesmal auf der Ebene der Referenzialität: Denn nun sind automatisierte Arrangements von textuellen Einheiten (Sprache, Sätze, Wörter, Buchstaben) möglich, deren Bedeutungsgehalt Menschen als (mehr oder weniger) sinnvoll erleben. Interessant ist auch: Ohne die vielen hunderttausend Replikationen von Texten, mit denen GPT3 trainiert wurde, wäre der Schub auf der Referenz-Ebene nicht möglich gewesen. Die Qualität des Texte-Korpus und die Menge der verfügbaren Texte ist entscheidend. Ohne die Open-Access-Bewegung würden sich die Antworten von GPT3 vermutlich ganz anders lesen.“

Die Anforderungen für Menschen aus der schreibenden Zunft, darunter Journalisten, Schriftstellerinnen, Drehbuchautoren, wissenschaftliche Autorinnen und andere, werden sich mittelfristig verändern.

„Gleichwohl heißt das nicht, dass ihre Arbeit vollkommen überflüssig werden wird. Wahrscheinlicher ist, dass Technologien wie GPT3 vor allem mechanische und generische Textarbeiten ergänzen und teils auch ersetzen werden. Das könnte solche Genres wie Zusammenfassungen, kurze Dossiers, Erklärungen, Beipackzettel und andere Formate betreffen, die vor allem auf dem Zusammentragen und Aufbereiten von Informationen beruhen“, erläutert Fischer. Sein Rat. Neue Kopiertechnologien erfordern neue Kompetenzen. Daher könnte man im Sinne von Dirk von Gehlen ausrufen: Ein Lob der Kopie.

Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek schrieb 1990 in einem Spiegel-Artikel, dass die Montage von Fundstücken zu den häufigsten Kunsttechniken zählt: Walter Kempowski, Georg Büchner, Thomas Mann, Alfred Döblin, Arno Schmidt, Joseph Roth, Peter Weiss oder Karl Kraus: Sie alle haben abgeschrieben und dazu das Abgespickte zwecks Tarnung auch noch leicht redigiert: „Alle haben sie plagiiert, spätestens seit Büchner mit 23 Jahren mitten in der Sünde des Abschreibens starb, der in seinen ‚Woyzeck‘ teilweise wörtlich zwei gerichtsmedizinische Gutachten einarbeitete und in seinem Stück ‚Dantons Tod‘ wörtlich Redeprotokolle der Französischen Revolution zitierte. Ohne Quellenangabe“, so Karasek.

Viele Erzähler, Maler, Musiker der Moderne seien nicht Erfinder, sondern Finder. Und das gelte nicht erst für die Moderne. Shakespeare etwa war so ein Ausplünderer, sein „Hamlet“ wäre heute vor einem Plagiatsprozess nicht sicher. Der große österreichische Volksdramatiker Johann Nepomuk Nestroy habe keines seiner über 80 Stücke selber erfunden – es sind meist Bearbeitungen französischer Possen, deren Plot er ungeniert übernahm.

Auch in der Wirtschaft sind die Kopisten, Kombinierer, Plagiatoren und Imitatoren eine unverzichtbare Quelle des Fortschritts und Wohlstandes. Darauf verweist der FAZ-Redakteur Rainer Hank. Die Wirtschaft lebt vom Kopistentum. Patentrecht und Copyright werden häufig als Waffe gegen Konkurrenten missbraucht. „Längst haben die Wirtschaftshistoriker herausgefunden, dass rückständige Volkswirtschaften mit dem Abkupfern existierender Technologien ihr Wachstum befeuern: Aufholen durch Nachahmen. Japan und Korea hat diese Strategie nach dem Zweiten Weltkrieg enorm genutzt. Häufig spielt der Zufall eine Rolle: Bei einem flüchtigen Besuch in amerikanischen Supermärkten sahen japanische Autofirmen-Vorstände, wie dort die Ware automatisch nachgefüllt wurde. Das war die Geburt der Just-in-time-Produktion.“ Die steht zwar wegen der angespannten Lage des globalen Handels in Frage, war aber ein echter Katalysator für die Steigerung der Produktivität.

Was heißt heute noch Original und was Kopie bei einem Medium, „in dem alles auf dem Prinzip der Kopie basiert“, fragt sich Urs Gasser im Interview mit Dirk von Gehlen (abgedruckt im von Gehlen-Buch „Lob der Kopie“ S. 54 ff.): „Ich glaube, durch die Digitalisierung werden so viele Grenzen unscharf, dass wir da enormen Gesprächsbedarf haben – zwischen unterschiedlichen Anspruchsgruppen, aber auch zwischen den Generationen.“

Schon in seinem Smart-Web-Projekt hat Professor Wolfgang Wahlster immer wieder von Antwortmaschinen als Ablösung von Suchmaschinen gesprochen: Zur Zeit dominiere ein primär syntaktisches Web mit Layout-, aber ohne Bedeutungsannotationen.

„Das führt zu einer Informations- beziehungsweise Linküberflutung, da beispielsweise Textdokumente letztlich auf eine sinnfreie Kombination aus Buchstaben reduziert werden, Fotos und Videos sind nur Ansammlungen von verschiedenfarbigen Pixeln“, sagte Wahlster vor einigen Jahren.

Die semantische Wende führe zu einem hochpräzisen Antwortverhalten in einem Web, das Sinnzusammenhänge in den Mittelpunkt stellt. „Wenn es also gelingt, die Semantik von Texten, Bildern, Gesten und künstlerischen Darbietungen durch standardisierte Begriffe so zu formalisieren, dass die so gewonnenen Daten maschinenlesbar sind, dann könnte die Vision der Antwortmaschine Realität werden“, so Wahlster. Eine klassische Suchmaschine wäre dann überflüssig.

Wahlster war zwischen 1982 und Dezember 2018 Inhaber eines Lehrstuhls für Informatik an der Universität des Saarlandes sowie von 1997 bis zum Januar 2019 Direktor und CEO des 1988 gegründeten Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Er ist seit 2003 Mitglied in der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften (Kungliga Vetenskapsakademien), welche unter anderem das Komitee zur Vergabe der Nobelpreise für Physik und Chemie stellt. Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech). Am Mittwoch, den 22. Februar, um 11 Uhr befragen wir Wahlster in einem Livetalk. Ihr könnt mitdiskutieren und Fragen stellen.

Man hört, sieht und streamt sich.

Rege Teilnahme auf LinkedIn.

person paying using her smartwatch

Wie der Staat auf die Beeinträchtigung der öffentlichen Meinungsbildung durch Internet-Plattformen reagiert – #ChatGPT kommt jetzt noch hinzu @ronzhei1 @TABundestag @ITAS_KIT @digitalnaiv @larsbas

people sitting in a train
Photo by Ayşe İpek on Pexels.com

„Wie rasant das Tempo der digitalen Transformation ist, konnte am Freitag im Bundestag beobachtet werden. Diskutiert wurde in der Plenardebatte der Bericht des Bundestags-Büros für Technikfolgenabschätzung dem Titel ‚Algorithmen in digitalen Medien und ihr Einfluss auf die Meinungsbildung‘. Zu verhandeln war, wie der Staat auf die Beeinträchtigung der öffentlichen Meinungsbildung durch Internet-Plattformen und ‚Informations-Intermediäre‘ reagieren soll. Zwei grüne Bundestagsabgeordnete benutzten dabei den Textgenerator ChatGPT als Redenschreiber“, schreibt der Berliner Journalist Manfred Ronzheimer auf Facebook.

Der Algorithmus-Report kam auf Initiative des Ausschusses für Kultur und Medien zustande. „Im Mittelpunkt stehen die dynamischen Entwicklungen und Wirkungen algorithmisierter Nachrichten in Bezug auf soziale Medien. In sieben Kapiteln werden die informationstechnische Funktionsweise von Algorithmen auf den Kommunikations-Plattformen im Internet sowie der gesellschaftliche Wandel der Mediennutzung dargestellt. Behandelt werden ebenfalls die Tendenzen zum automatisierten Journalismus, sowie die Folgen für die öffentliche Meinungsbildung und die Herausforderungen für das deutsche Medienrecht. Im Empfehlungskapitel werden sechs konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, darunter zur noch nicht gegeben Überprüfbarkeit von algorithmischen Systemen und zum Monitoring von Informationsintermediären“, erläutert Ronzheimer.

Seine Facebook-Präsenz ist übrigens sehr empfehlenswert, weil Manfred bei solchen Themen immer die Nase vorn hat.

In der Drucksache 20/4453 „Technikfolgenabschätzung (TA) Algorithmen in digitalen Medien und ihr Einfluss auf die Meinungsbildung“ steht unter 8.4 Fazit:

„Aktuell fallen algorithmische Intermediäre weder unter das rundfunkzentrierte Modell der Konzentrationskontrolle noch unter die medienstaatsvertragliche Plattformregulierung, die die Medienordnung in Deutschland prägen. Mit der Aufnahme von Transparenzpflichten für Medienintermediäre bezüglich ihrer Auswahlkriterien hat der Gesetzgeber einen ersten Schritt getan, die bestehenden Wissensgefälle zwischen Anbietern, Medienaufsicht und Nutzerinnen und Nutzer zu verringern und eine rudimentäre Kontrollmöglichkeit von Diskriminierungsformen eingeführt. Auch das im gleichen Zuge eingeführte Diskriminierungsverbot mit Blick auf journalistisch-redaktionelle Angebote stellt eine Reaktion des Gesetzgebers auf die Meinungsmachtpotenziale von Intermediären dar. Diese Regulierungsansätze berühren aber nur einen kleinen Teil der mittlerweile umfangreich vorliegenden Vorschläge, wie algorithmische Intermediäre in einem medienrechtlichen Rahmen zu behandeln sein könnten. Darunter fallen zum Beispiel ihr Einbezug in ein Gesamtmedienmodell der Konzentrationskontrolle, deutlich erweiterte Transparenzvorschriften bezüglich der Funktionsweise der algorithmischen Selektion oder auch eine stärkere positive Verpflichtung auf die Darstellung von Vielfalt bei der Selektion. Gegen die Vorschläge werden Kritikpunkte vorgebracht, deren zentraler Punkt die strukturell anders gelagerte Funktion und Vermittlung von Meinungsmacht bei algorithmischen Intermediären ist. Insbesondere staatlich vorgegebene Vielfaltsgebote und Diskriminierungsverbote sind mit Bezug auf die Priorisierung von (Einzel- )Inhalten – wie die Medienaufsicht ganz praktisch feststellen muss – schwer zu operationalisieren und geraten schnell in den riskanten Bereich staatlicher inhaltsbezogener Vorgaben. Zudem würde ein zu starkes regulierendes Eingreifen andere Grundrechte berühren, darunter die Berufsfreiheit der Anbietenden und die Informationsfreiheit der Nutzerinnen und Nutzer.

Soweit der Bericht. Auswirkungen der Plattformen auf die öffentliche Meinung sind übrigens nur halbgar erforscht. Das steckt in den Kinderschuhen. Dennoch könnte man schon jetzt mit besseren Haftungsregeln agieren, unabhängig von irgendwelchen inhaltlichen Kontrollen via Regulierung. Da sehe ich klare Verstöße gegen Grundrechte.

Ich hätte da noch eine Klausur aus dem Wintersemester 2018/2019:

  1. Die Medienpolitik in Deutschland hatte lange Zeit die kommunikative Macht von Plattformen wie Facebook, Google und Twitter nicht auf der Agenda. Mit dem Begriff der „Intermediäre“ will man das ändern. Wo liegen die Stärken und Schwächen dieses Konzeptes in der Medienpolitik?  Bearbeitungszeit: 20 Minuten
  2. Social-Media-Plattformen gewinnen für die Individual-, Gruppen-, Organisations- und für die Massenkommunikation immer mehr an Bedeutung. Beschreiben Sie die Konsequenzen für die Medienpolitik in Deutschland. Bearbeitungszeit: 20 Minuten
  3. Unsere Vorstellung von Öffentlichkeit ist von Bildern geprägt  – von der Agora und der res publica, vom Caféhaus, dem Salon, dem Boulevard und der Piazza. An Orten wie diesen bildet(e) sich eine öffentliche Meinung heraus. Welchen Unterschied sehen Sie zu den Social Media-Plattformen? Bearbeitungszeit: 15 Minuten. 
  4. Wie verändern Facebook und Co. die öffentliche Meinung? Wie verändert sich die Willensbildung der Menschen? Welchen Stellenwert haben noch die klassischen Medien? Bearbeitungszeit: 20 Minuten. 

Diese Fragen könntet Ihr doch mal bei ChatGPT rein knallen.

Siehe auch:

Verlage fordern Lizenzgebühren für Chatbot-Nutzung – war doch klar.

In Intendant:innenrunden – hä?

#TheBigNew: Man hört, sieht und streamt sich auf der Zukunft Personal #ZPSüd #ZPNord #ZPEurope

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren für die Zukunft Personal: Es geht um Nachhaltigkeit in all ihren Facetten, Digitalisierungsboom und die Weiterentwicklung der HR-Funktion – unter dem Motto „The Big New“.

Technologiewandel, neue Werte, globale Instabilität. Unternehmen schauen in eine Zukunft voller Herausforderungen. Und offener Fragen. Wie radikal müssen wir uns ändern? Die Art und Weise, wie wir denken. Wie wir arbeiten. Wie wir wirtschaften. Um relevant zu bleiben im rasanten Run um Innovation, um Kund:innen und Communitys, um Skills und Talente. Es geht darum, Neues zu gestalten und die Menschen noch näher zusammenzubringen – kollaborativ, kulturell, digital vernetzt. Es geht um „The Big New“.

„Mit unserem Leitmotiv wollen wir 2023 Lösungen und Trends erlebbar machen und den aktiven Dialog über neue Ansätze von HR und ihre Business-Potenziale fördern“, sagt Astrid Jaeger, Geschäftsführerin des Veranstalters spring Messe Management.

Frühjahrs-Kickoff: in Hamburg

Die Vorbereitungen sind schon im vollen Gang, die Messen sind bereits sehr gut gebucht. Am 18. und 19. April 2023 präsentieren führende Unternehmen in Hamburg auf der ZP Nord innovative Lösungen für HR der Zukunft. In allen relevanten Themenbereichen: Recruiting & Attraction, Operations & Services, Learning & Development, Corporate Health und Future of Work. Auch das Programm bietet jede Menge HR-Input – mit hochkarätigen Keynotes, Best Practices und interaktiven Formaten wie Workshops oder Learning Cafés. Neu in Hamburg: die Kamin-Lounge. HR-Expert:innen sprechen in intimer Atmosphäre über ihre Erfahrungen und tauschen sich persönlich mit der Community aus.

Die ersten Speakerinnen und Speaker auf der ZP Nord stehen fest und folgen dem diesjährigen Motto „The Big New“, wie Heike Riebe, Program Director der Zukunft Personal, erläutert: „Wir haben bei der Programmauswahl großen Wert darauf gelegt, Diversität, Inklusion und Business-Transformation auf unsere Bühnen zu bringen.“ Dafür stehen: Gazelle Vollhase (Recruiting und Diversity & Inclusion Partnerin bei idealo, die Tipps für eine diverse und inklusive Recruiting-Strategie gibt, sowie Frank Kohl-Boas (Personalchef des Medienverlags Zeit) und Silvia Wiesner (ehem. Managing Director Unilever Belgien und Luxemburg, Young Global Leader des WEF). Sie diskutieren darüber, wie Führungskräfte ihre Teams durch Krisen und Zeiten der Transformation führen können.

Unter dem Namen „Arbeitsschutz Smart Event“ treffen außerdem in einem eigenen Expo-Bereich aktuelle Themen zu modernem Arbeits- und Gesundheitsschutz auf die HR-Community. Innovative Lösungen und Produkte, Keynotes, Talks, zahlreiche Best Practices – für das Event im Event kooperieren ZP-Veranstalter spring Messe Management und der in Karlsruhe ansässige Veranstalter Hinte Expo & Conferences.

Die ZP Nord findet am 18. und 19. April 2023 in der Halle A1 der Hamburg Messe statt.

Infos zum Event und Ticketregistrierung finden Interessierte hier.  

Anfang Mai: ZP Süd in Stuttgart

Am 9. und 10. Mai 2023 trifft sich die HR-Community auf der ZP Süd in Stuttgart. Das heißt: zwei Tage Produktneuheiten und Trends der Arbeitswelt live erleben. Plus Austausch und Networking, interaktive Sessions und inspirierende Insights von erfahrenen HR-Expert:innen. Zu den Programm-Highlights zählen die Keynotes von Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg (Managing Director SRH Institut für Nachhaltiges Management, Gründerin, Zukunftsforscherin, LinkedIn Top Voice Nachhaltigkeit), welche in ihrem Vortrag anschaulich erklärt, was Future Mindset bedeutet und dass nur Unternehmen, die diese Eigenschaften bei ihren Führungskräften und Mitarbeitenden unterstützen und fördern, sich erfolgreich für die Zukunft aufstellen können.

„Die Employee Experience bilden wir mittlerweile perfekt ab, sowohl im Ausstellungs- als auch im Programmbereich. Dieses Jahr konzentrieren wir uns daher noch mehr auf die gesellschaftliche Transformation, die sich enorm auf die moderne Arbeitswelt auswirkt“, betont Jaeger.

Nahtlos integriert in das Themenportfolio der ZP Süd ist die frühere Stuttgarter Corporate Health Convention – mit vielen interessanten Ausstellern und umfangreichem Programm zu den Themen Corporate Health und Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Die ZP Süd findet am 9. und 10. Mai 2023 in der Halle 1 der Messe Stuttgart statt.

Die Ticketreservierung startet bald, Infos zum Event finden Interessierte hier.

Highlight im September: ZP Europe in Köln

Vom 12. bis 14. September versammelt sich die HR-Community unter dem Motto „The Big New“ auf der ZP Europe in Köln. Über 500 nationale und internationale Top-Speaker:innen, auf den Ausstellungsflächen die Branchenführer und Innovationstreiber – drei Tage lang im intensiven Austausch mit rund 20.000 Entscheider:innen. Kein anderes ExpoEvent in Europa verbindet die Themen und Menschen der HR-Welt enger miteinander, live und an einem Ort.

Die Themen der HR-Agenda von heute und morgen werden in spannenden Formaten und Specials diskutiert – mit hochkarätigen Expert:innen und branchenübergreifenden Vordenker:innen. Schon der erste von über 500 Speaker:innen in Köln verspricht außergewöhnliche Perspektiven: Veit Lindau, Buchautor, Coach und Businesspunk. Auch zwei bedeutende HR-Preise werden traditionell auf der ZP Europe vergeben: der HR Innovation Award und der Personalwirtschaftspreis.

Die ZP Europe findet vom 12. bis 14. September 2023 in den Hallen 4.1, 4.2 und 5.1 der Koelnmesse statt.

Infos zum Event finden Interessierte hier.

Das Team von Zukunft Personal arbeitet weiter mit Hochdruck am Programm der drei ExpoEvents ZP Süd, ZP Nord und ZP Europe. Und wird immer wieder neue Highlights präsentieren – per Newsletter, in den Social-Media-Kanälen von Zukunft Personal und auf der Community-Plattform ZP 365.

Ick freu mir.

Abonniert doch einfach den ZP-Newsletter.

Und den YouTube-Kanal von Zukunft Personal. So entgeht Euch nichts 🙂

#Homeoffice, Bill Lumbergh und die Käfighaltung in klassischen Büros

Der Digitalberater Thomas Knüwer wertete den Trend zum Homeoffice als den größten Managementfehler in der Pandemiezeit. Gesundheit, Karriere und die Unternehmenskultur kämen dadurch unter die Räder. Ich sehe das überhaupt nicht so. Die Bremser für dezentraler Arbeit waren eigentlich immer die Gestern-Manager, die alles unter Kontrolle halten wollen. Karikiert im legendären Film „Office Space“. Ein treffliches Opus gegen die Heiligsprechung der Präsenzkultur am Beispiel des hemdsärmeligen Vorgesetzten wie Bill Lumbergh.

Diesem Typen kann man in jedem Unternehmen begegnen. Ich sitze im Büro, also bin ich? So einen Mythos verbreiten vor allem große Organisationen in Staat und Wirtschaft mit allerlei Bespaßungsmaßnahmen, um zu kaschieren, dass das Angestelltendasein immer noch in einem „Gehäuse der Hörigkeit“ stattfindet. Je kühner Architektur-Avantgardisten und Management-Gurus die Perfektionierung des arbeitsteiligen Miteinanders im Büro auch vorantreiben – heraus kommt immer nur eine weitere Mode der humanen Käfig- und Kleingruppenhaltung.

Letztlich versteckt sich hinter den modernen Lichtsuppen-Fassaden die alte Ideologie des industriekapitalistischen Taylorismus, der auch die Büroabläufe auf Fließband-Effizienz trimmt – mit digitalen Nasenringen. Was an Freiheiten im Bürokomplex zugelassen wird, sind reine Simulationsübungen, um die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Es regiert eine offiziöse Sprache mit leeren Floskeln und positiven Formulierungen, um wenig Reibungsflächen zu bieten. Denn schließlich geht es um Ziele, Strategien, Agilität, Innovationen, Kundenorientierung, offene Kommunikation und Kollaboration. Das kann auf jeder Konferenz und in jeder internen Sitzung in Organisationen beliebig kombiniert werden – es bleibt folgenlos. Man vermittelt das Glaubensbekenntnis, lockere Netzwerke seien offener für grundlegende Umstrukturierungen als die überkommenen pyramidalen Hierarchien, die die Ford-Ära der industriellen Massenproduktion beherrschten. Die Verbindung zwischen den Knotenpunkten ist loser, man verzichtet auf Krawattenzwang, verordnet das kollektive Duzen und produziert kecke Imagevideos für Youtube – fertig ist die vernetzte Metamorphose. 

Mit dem Homeoffice bekommt man zumindest eine kleine Dosis, um sich dem Käfig der Gehorsamkeit ein wenig zu entziehen. Eines erscheint zumindest sicher: „Die ’neue Normalität‘, das ‚New Normal‘, oder auch das ‚New Different‘, wird in einem deutlich höheren Maß von einem Nebeneinander virtueller und im Büro stattfindenden Arbeitsformen gekennzeichnet sein“, so Josephine Hofmann vom Fraunhofer IAO, die gemeinsam mit Alexander und Christian Piele die Studie „Arbeiten in Corona-Pandemie – Auf dem Weg zum New Normal“ herausgegeben hat. Man erkennt es aktuell an den Stellenanzeigen. Wer junge Führungskräfte gewinnen will, kommt an guten Angeboten für die Möglichkeit dezentraler Arbeit nicht vorbei.

Was Führungskräfte jetzt brauchen: Medienkompetenz für virtuelle Formate. Kann man ändern 🙂

Bei meinen Interviews zu diesem Thema bin ich vor der Pandemie auf folgende Stellungnahmen gestoßen (nicht repräsentativ, dennoch spannend): Es sei die beste Form, um Familie und Arbeit in Balance zu halten: „Genau so wollte ich immer arbeiten. Kein Stress und keine Krankheitsausfälle.“ Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, dass die Homeoffice-Tätigkeit nach einem schweren Verkehrsunfall die erste Möglichkeit war, über eine Initiativbewerbung wieder arbeiten zu können: „Und mir geht es sehr gut dabei.“ Weitere Stimmen: Zu Hause sei der beste Platz zum Arbeiten ohne Mobilitätsaufwand. Das Alter spiele bei der Bewerbung keine Rolle. Es sei die optimale Beschäftigungsform: „So etwas wollte ich schon immer tun. Ich kann Familie und Arbeit in Einklang bringen.“ Flurfunk und Mobbing fallen weg, Konkurrenzdenken gegenüber Kolleginnen und Kollegen bleibt aus, Zeitdiebe wie Rushhour und ewige Parkplatzsuche bestimmen nicht mehr den Tagesablauf.

Medientenor und Agenda Setting: Über Öffentliche Meinung und Vielfalt im Journalismus

Gespräch mit dem Analysten Roland Schatz vom Media Tenor in Zürich.

Teil 1:

Nach dem Einspieler über Inflation drückte ich auf die falsche Taste. Hier Teil 2 des Livetalks:

grayscale photo of man sitting

10,9 Milliarden Euro höhere Steuerlast durch kalte Progression @ifo_Institut @BMWK_Econ @KfW_Research

tax word on top of gold coins
Photo by Nataliya Vaitkevich on Pexels.com

Die inflationsgetriebene kalte Progression belastete die Steuerzahlenden im Jahr 2022 mit 10,9 Milliarden Euro. Dies zeigen Berechnungen des ifo Instituts. Aufgrund der damit verbundenen geringeren steuerlichen Beschäftigungsanreize blieben dem Staat so Mehreinnahmen von 9,3 Milliarden Euro durch die kalte Progression. „Für 2023 gleicht das neue Inflationsausgleichsgesetz die Steuerbelastung der Haushalte durch die kalte Progression nahezu aus, kompensiert aber nicht die verbleibende Steuerbelastung durch die Inflation des Vorjahres 2022“, so ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die zusätzliche Steuerlast haben vor allem die Mittelschicht und höhere Einkommen getragen. Ohne Ausgleich kostete die kalte Progression die Privathaushalte im Jahr 2022 durchschnittlich knapp 325 Euro. Das entspricht 0,7 Prozent ihres verfügbaren Jahreseinkommens. Die obersten 10 Prozent der Einkommen zahlten fast 1.000 Euro mehr Einkommenssteuern (inkl. Solidaritätszuschlag). Das entspricht in etwa 0,9 Prozent ihres Jahreseinkommens. Die obere Mittelschicht – Steuerzahlende, die rund 60.000 Euro zur Verfügung haben – trug im Verhältnis zum ihrem durchschnittlichen Jahreseinkommen die höchste Last. Bei der sogenannten „kalten Progression“ rutschen die Steuerzahlenden in einen höheren Steuertarif – allerdings nur, weil ihr nominales Einkommen gestiegen ist, das die Inflation ausgleicht. Dies führt im Ergebnis dazu, dass man mehr Steuern zahlt, aber real weniger Geld zur Verfügung hat.

„Bei der Beseitigung der kalten Progression sollte sich die Politik nicht auf den reinen Inflationsausgleich beschränken. Ökonomisch sinnvoller wäre, sie durch das Wachstum der nominalen Einkommen auszugleichen. Statt der Inflationsrate würde dabei das durchschnittliche Wachstum der nominalen Einkommen berücksichtigt“, sagt Florian Dorn, ifo-Forscher und Koautor der Studie. Andernfalls würde der Staat selbst dann einen zunehmenden Anteil des volkswirtschaftlichen Einkommens beanspruchen, wenn die realen Einkommen ohne Inflation steigen. „Der Ausgleich der kalten Progression sollte automatisch über einen Tarif auf Rädern erfolgen, bei dem sich die Eckwerte der Tarifzonen jährlich in Höhe des Wachstums der nominalen Einkommen anpassen“, sagt Dorn.

Aufsatz: „Kalte Progression in Zeiten hoher Inflation: Wer trägt die Lasten?“, von Maximilian Blömer, Florian Dorn und Clemens Fuest, in: ifo Schnelldienst 02/2023.

Die sogenannte Mittelschicht ist in Deutschland an der Belastungsgrenze angekommen: Pandemie, Krieg gegen die Ukraine, Inflation, Energiepreise. Wir stehen an einer Wegscheide. Geht es weiter nach unten oder nach oben? Siehe auch: Der Europäischen Zentralbank mangelt es an Timing: Will die Notenbank die Inflation runterprügeln um den Preis einer Stabilisierungsrezession?

photography of person peeking

Bundesrechnungshof erhebt Vorwürfe gegen Fraunhofer Gesellschaft: Ausführliches Statement von @RomanMoehlmann, Bereichsleiter Wissenschaftskommunikation der Fraunhofer-Gesellschaft

orange and yellow neon lights
Photo by Stacey Gabrielle Koenitz Rozells on Pexels.com

„Der Bundesrechnungshof erhebt schwere Vorwürfe gegen Fraunhofer und das Bundesforschungsministerium. Der Imageschaden reicht längst über die Forschungsgesellschaft hinaus“, schreibt Jan-Martin Wiarda in seinem Blog.

„In einem neuen 61-seitigen Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH), über den ich am Montag zuerst im Tagesspiegel berichtet hatte, sind sehr viele genau jener Punkte enthalten, die Whistleblower seit mindestens zwei Jahren gegenüber Journalisten und Bundesforschungsministerium berichtet hatten.“

Der Bundesrechnungshof wirft dem BMBF in seinem Bericht eine Behinderung seiner Arbeit vor, weil es die Herausgabe bestimmter Akten und den Zugriff auf elektronische Laufwerke verweigert habe. „Trotzdem gibt Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) auf Nachfrage immer noch kein persönliches Statement zur Fraunhofer-Affäre ab – während ihr früherer Staatssekretär Thomas Sattelberger (ebenfalls FDP) am Montag sagte, jetzt entstehe ‚fast der Eindruck der Kollusion‘ – und forderte, die heutige Ministeriumsleitung müsse ‚diese möglichen Missstände radikal aufklären'“, so der Wissenschaftsblogger.

Gegenüber ichsagmal.com hat sich Roman Möhlmann, Bereichsleiter Wissenschaftskommunikation der Fraunhofer-Gesellschaft, geäußert. Ich gebe das mal in kompletter Form hier wieder:

„Wir begrüßen den nunmehr vorliegenden Prüfbericht des BRH. Er ist ein wesentlicher Baustein, um Prozessschwächen zu erkennen, sich kontinuierlich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Entstandene Missverständnisse zwischen Fraunhofer und BMBF können beseitigt und die solide und über Jahrzehnte gewachsene Basis der Zusammenarbeit weiter gefestigt werden. Gleichwohl möchten wir zu einigen Ergebnissen der BRH-Prüfung Stellung nehmen und insbesondere im Interesse der weiterhin nötigen Handlungsfähigkeit von Fraunhofer und letztlich der Entwicklungsperspektiven des deutschen Innovationssystems Hinweise geben, wo unseres Erachtens nach der Prüfungsbericht der spezifischen Rolle von Fraunhofer und den Herausforderungen der Praxis nicht gerecht wird.

Fraunhofer ist keine öffentliche Einrichtung oder Behörde, sondern ein privatrechtlich organisierter, als gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein, der seinen Haushalt in Höhe von zuletzt rund drei Milliarden Euro zu lediglich einem Drittel aus steuerfinanzierten institutionellen Zuwendungen bestreitet. Die übrigen zwei Drittel erwirtschaftet Fraunhofer im Wettbewerb um Forschungsmittel und -aufträge für zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien – gemäß Satzung und Mission mit dem Ziel einer Verwertung in Wirtschaft und Industrie. Darüber hinaus erzielt Fraunhofer in geringem Maße Erträge aus dem eigenen Vereinsvermögen.

Mit seinem unternehmerisch und marktorientiert geprägten Geschäfts- und Finanzierungsmodell nimmt die im Wettbewerb stehende Fraunhofer-Gesellschaft abseits des behördlichen Wesens nicht nur in der deutschen Forschungslandschaft, sondern auch in der Masse der Empfänger institutioneller Förderung eine spezifische Rolle ein, die von einer rein öffentlich geprägten und ausschließlich bzw. überwiegend institutionell finanzierten Forschungsorganisation deutlich abweicht. Das deutsche Zuwendungsrecht konnte bei seiner Entstehung – insbesondere bei der Systematik der Fehlbedarfsfinanzierung – diese Spezifik bei der Ausgestaltung der Vorgaben und Anforderungen an Zuwendungsempfänger nicht berücksichtigen. Diese sich aus Mission und DNA der Fraunhofer-Gesellschaft ergebenden Spezifika bei der Finanzierung ihrer Ausgaben gehen im Vergleich zu typischen (rein oder überwiegend) öffentlich finanzierten Forschungsorganisationen einher mit besonderen Erfordernissen an Rahmenbedingungen und Governance sowie dem Zusammenwirken mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft. Die Einzigartigkeit des Fraunhofer-Modells erfordert, etwaige Prüfungsfeststellungen in diesem Kontext zu betrachten.

Wir möchten betonen, dass Vorstand und Beschäftigte jederzeit in der Überzeugung der Regelkonformität ihres Tuns handelten – denn verantwortungsvolle Unternehmensführung bedeutet für Fraunhofer die stetige Einhaltung gesetzlicher und zuwendungsrechtlicher Vorgaben. Daher können wir die im jüngsten BRH-Bericht genannten Vorwürfe systematischer »Verstöße gegen interne und externe Vorgaben« oder eine »mangelnde Governance« nicht teilen und halten diese in ihrer Pauschalität für nicht gerechtfertigt. Dass Dokumentationen in der Zukunft noch ausführlicher und systematischer zu erfolgen haben, erkennen wir an und werden dies künftig mit aller Konsequenz sicherstellen. Darüber hinaus hat der Vorstand bereits proaktiv während der im letzten Jahr laufenden BRH-Prüfung zahlreiche Prozessverbesserungen angestoßen und umgesetzt.

Unsere Sichtweise haben wir gegenüber dem BMBF als vom BRH geprüfter Behörde ausführlich schriftlich begründet. Der Bericht des BRH bildet unsere Stellungnahme leider jedoch nur punktuell ab. Im Kern sind folgende Aspekte besonders hervorzuheben:

  1. Fraunhofer akzeptiert selbstverständlich das vom BRH in den Mittelpunkt gerückte Besserstellungsverbot. Dies wurde auch ausdrücklich so in unserer Stellungnahme gegenüber dem BRH betont. Ergebnis eines BRH-Prüfberichts von 2016 war mit Blick auf das Thema Reisekosten eine 2017 getroffene Regelung zwischen BRH und BMBF, in deren Folge Fraunhofer über den Sätzen des BRKG liegende Reisekosten aus den Überschüssen der wirtschaftlichen Tätigkeit erstattete, um eine Finanzierung dieser Mehrkosten aus Steuermitteln sicher auszuschließen. Der BRH bewertete die gefundene Einigung in seiner abschließenden Prüfungsmitteilung vom 22.12.2016 (Ziff.4) so, dass damit die Einhaltung des Besserstellungsverbotes sichergestellt sei. Das führte in den Folgejahren dazu, dass dem BMBF detailliert und transparent über die Ausgaben berichtet wurde. Die zu erstattenden Steuermittel wurden an das BMBF zurückgezahlt. Rückfragen oder Beanstandungen gab es zu keiner Zeit. Erst Ende 2021 – nach fünfjähriger Praxis – wurde dieser Prozess erstmalig durch das BMBF beanstandet. Zur Frage, wie und mit welchem Maßstab das BRKG gegenüber den Fraunhofer-Vorständen zur Anwendung kommt, hat der Fraunhofer-Senat bereits beschlossen, in den Verträgen der Vorstände eindeutig klarzustellen, dass hier das BRKG gemeint ist. 
  2. Der Fraunhofer-Senat nahm die Beanstandung des BMBF zum Anlass, bei einer renommierten Rechtsanwaltskanzlei ein Gutachten zur Rechtslage betreffend die Reisekosten einzuholen. Das Gutachten bestätigte, dass die Auslegung der 2017 zwischen BRH und BMBF getroffenen Regelung durch Fraunhofer ’naheliegend und in sich schlüssig‘ ist und somit keine Sorgfaltspflichtverletzung seitens der Vorstände vorliegt, die zu Ansprüchen führen könnte. Dessen ungeachtet erklärten sich die betroffenen noch aktiven Vorstandsmitglieder im Oktober 2022 bereit, die über das BRKG hinausgehenden Reisekosten zu 100 Prozent zu erstatten. Sie erklärten sich, siehe oben, außerdem aktiv zur vom Senat beschlossenen Anpassung der unklaren Anstellungsverträge bereit, die fortan eindeutig in das Bundesreisekostengesetz verweisen. Eine Ende 2022 beschlossene Organisationsanweisung der Fraunhofer-Gesellschaft stellt sicher, dass die Vorgaben eingehalten werden.
  3. Die sich an Größe und Mission von Fraunhofer orientierende Repräsentation gehört für die sich weit überwiegend am Markt finanzierende Gesellschaft zu den notwendigen Instrumenten bei der Vernetzung, Akquise und Kundenbindung. Folgerichtig gibt es im Haushaltsrecht keine fixen Grenzen für Aufwendungen, sondern einen auf den jeweiligen Einzelfall bezogenen Beurteilungs- und Ermessensspielraum, zu dem der BRH-Bericht sich nicht im Einzelfall äußert. Er nahm offenbar nicht in den Blick, dass die Ausgaben für Bewirtungen auch im Verhältnis zu den durch Fraunhofer für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland erzielten Erfolge zu sehen sind. Zudem ist wichtig zu berücksichtigen, dass bei Fraunhofer lediglich die niedrigeren Nettobeträge kostenwirksam werden.
  4. Die Finanzierung der Dienstfahrzeuge des Vorstands erfolgt seit Jahrzehnten vollständig (also einschließlich aller Betriebskosten) und transparent aus dem Vereinsvermögen von Fraunhofer. Es gab dazu nie eine Beanstandung. Die Finanzierung aus dem Vereinsvermögen stellte sicher, dass weder direkt noch indirekt Steuergelder für Beschaffung und Betrieb der betreffenden Dienstfahrzeuge eingesetzt werden mussten. Die Dienstfahrzeuge werden für Dienstfahrten genutzt. Um den Bedenken des BRH dennoch zu begegnen, werden ab 2023 Oberklasse-Wagen sukzessive zurückgegeben.
  5. Eine von der Fraunhofer-Gesellschaft im September 2022 beauftragte externe Prozessberatung zur Beurteilung der Rolle der Innenrevision kam zu dem Ergebnis, ‚dass die Innenrevision der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. hinsichtlich ihrer aktuellen organisatorischen Verankerungen alle wesentlichen Anforderungen für ein angemessenes Internes Revisionssystem erfüllt‘. Auch prüfte die Innenrevision regelmäßig die Vorstände und bestätigte alle Mitnahmen von Ehepartnern als dienstlich veranlasst.
  6. Fraunhofer hat bereits 2010 ein Compliance-Management-System, das 2015/2016 durch unsere Wirtschaftsprüfer erfolgreich auf Angemessenheit evaluiert wurde. Vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Anforderungen auch im Forschungsbereich entwickelt Fraunhofer dieses System gemäß Prüfstandard IDW PS 980 (n.F.) wirksam weiter.

Abschließend ist zu betonen, dass die Fraunhofer-Gesellschaft durch erfolgreiches unternehmerisches Agieren an den Märkten den Umsatz seit dem Jahr 2012 von ca. 1,9 Milliarden Euro auf ca. 3 Milliarden Euro, mithin um über 50 Prozent, erhöht hat. Die Zahl der Mitarbeitenden wuchs von ca. 22.000 im Jahr 2012 auf rund 30.000 an. Unter den Forschungseinrichtungen in Deutschland ist Fraunhofer Spitzenreiter bei der Anzahl der Erfindungen, der neu angemeldeten Patente und der Gesamtanzahl der gewerblichen Schutzrechte. In den letzten zehn Jahren gehörten wir stets zu den 10 bis 20 größten Patentanmeldern beim Deutschen Patent- und Markenamt. Das geistige Eigentum von Fraunhofer umfasst mehr als 7000 Patentfamilien. In Arbeitgeber-Rankings belegt Fraunhofer zudem regelmäßig vorderste Plätze. Diese außerordentliche Erfolgsbilanz für den Standort Deutschland ist vor allem den engagierten und exzellenten Mitarbeitenden der Gesellschaft zu verdanken. Es wäre aber auch künftig hilfreich, dass die Führung der Fraunhofer-Gesellschaft weiterhin unternehmerisch handlungsfähig bleibt.“

Ende des Statements. Ich selbst habe den Bericht des Bundesrechnungshofes noch nicht gelesen. Er ist auf der Website des Rechnungshofes bislang nicht abrufbar. Werde ihn mir aber besorgen und dann weiter berichten. Bin gespannt, wie die Debatte im Bundestag über diesen Fall weiterläuft.

@AWI_de Deutscher und europäischer Plastikmüll in der Arktis: Abfallmanagement dringend verbessern – #Mehrwegökonomie vonnöten @vonderleyen

Auswertungen des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) ergeben, dass Plastikmüll inzwischen selbst in abgelegenen arktischen Regionen allgegenwärtig ist.

Fischereibezogene Abfälle deuten auf lokale, seegestützte Quellen von Schiffen hin, die in der Arktis und in der Nähe operieren. Fast ein Drittel der gefundenen Artikel (30%) ist europäischer Herkunft, insbesondere aus Deutschland (8%). Fünf Prozent stammten aus weiter entfernten Quellen (z. B. USA, China, Korea, Brasilien). „Globale Maßnahmen wie ein wirksames und rechtsverbindliches Abkommen über Kunststoffe mit verbesserten vorgelagerten Maßnahmen und Abfallmanagement sind dringend erforderlich, um die Menge an Kunststoffen, die in unsere Umwelt gelangen, zu verringern und damit den Druck auf die arktische Region und ihre empfindliche Tierwelt zu verringern“, schreiben Anna Natalie Meyer, Birgit Lutz und Melanie Bergmann in einem Fachbeitrag.

Das wird nicht reichen. Die Pflicht zur Getrenntsammlung haben wir in Deutschland mittlerweile seit rund 33 Jahren. Es wird Zeit, das Regime der Gelben Tonnen und Säcke zu überdenken.

Besser wäre es, das Pfandsystem für Plastik auszuweiten und nicht nur die Getränkeverpackungen damit zu erfassen. Hier erhöht sich die Rücknahmequote und das Material liegt direkt sortenrein zur Verarbeitung für neue Produkte vor.

Entsprechende Vorschläge hat die EU-Kommission und Christian Traumann vom Maschinenbauunternehmen Multivac gemacht.

Wir haben diesen Ball aufgenommen in unserem Bonner Roundtable: