Vier Millionen Tonnen CO2-Einsparungen durch den Einsatz von Wärmepumpen – Via Gebäudemanagement und Homeoffice kann das deutlich ausgebaut werden

climate posters fight outdoors
Photo by Markus Spiske on Pexels.com

Laut Schätzungen des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) kann der Einsatz von Wärmepumpen in Deutschland pro Jahr etwa 15 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Diese Schätzung basiert auf dem Stand von 2020 und berücksichtigt sowohl den Einsatz von Luft-Wasser-Wärmepumpen als auch Erdreich- und Grundwasser-Wärmepumpen.

Es ist wichtig anzumerken, dass die tatsächlichen CO2-Einsparungen variieren können und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden, darunter die energetische Effizienz des Gebäudes, das Nutzungsverhalten der Bewohner und die Art der Stromerzeugung, die zur Versorgung der Wärmepumpen genutzt wird.

Im vergangenen Jahr war der Beitrag zum Reduktion von CO2-Emissionen noch überschaubar. Der BWP geht von vier Millionen Tonnen aus, bei einem Bestand von 1,4 Millionen Wärmepumpen. Ziel der Bundesregierung ist, bis 2030 rund sechs Millionen Wärmepumpen einzubauen. Dann kommt man ungefähr auf 15 bis 16 Millionen Tonnen CO2.

Da ist aber viel mehr möglich bei einer besseren Organisation der Arbeitswelt: Das noch immer in vielen Unternehmen geläufige Modell ein Beschäftigter = ein Arbeitsplatz sei überholt, so Samir Ayoub bei der Vorstellung seines Buches „Mach*s menschlich“ auf der Zukunft Personal Süd in Stuttgart. „Für jede Aufgabe immer nur denselben Ort zu nutzen, unterstützt die Menschen nicht bei der Arbeit. Auch ist eine solche Arbeitsweise weder wirtschaftlich noch nachhaltig. Für beides ist die Flächennutzung zu hoch. 30 Millionen Wissensarbeiter nutzen im deutschsprachigen Raum rund 750 Millionen Quadratmeter Bürofläche. Das entspricht der 15-fachen Fläche des Stadtgebiets von Köln. Bedenkt man zudem, dass rund 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen durch die Bau- und Immobilienwirtschaft verursacht werden, wird erkennbar, dass eine effiziente Raumnutzung unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten geboten ist. Nimmt man die weltweit steigenden Miet- und Immobilienpreise in Ballungsräumen hinzu, kann auch an den wirtschaftlichen Vorteilen flexibler und effizienter New-Office-Strategien kein Zweifel bestehen“, erläutert Ayoub.

Jeder nicht gefahrene Kilometer entlastet den Verkehr, senkt die Emission von klimarelevanten Treibhausgasen um 141 Gramm pro Personenkilometer. In der Pandemie ist untermauert worden, dass fast jeder zweite Arbeitsplatz dezentral organisiert werden kann – mit mobilen Arbeitsplätzen, im Homeoffice, in Coworking-Spaces und Workation. Gehen wir im Optimum davon aus, dass wir die gefahrenen Kilometer halbieren können, wie in der Pandemie, dann kommen wir auf ein Einsparungspotenzial von 180 Milliarden Kilometer. 141 Gramm = 0,141 Tonnen. 180 Milliarden x 0,141 Tonnen = 25.380.000 Tonnen.

Also knapp 26 Millionen Tonnen klimarelevante Treibhausgase können jährlich eingespart werden, wenn wir die Arbeit dezentraler gestalten. Ohne Abgaben, ohne Gesetze, einfach durch intelligente Organisation der Arbeit.

Zahl der Unternehmensgründungen nähert sich dem Tiefststand in Deutschland @KfW_Research #Gründungsmonitor – Bürokratie und finanzielle Risiken die größten Hemmnisse

Die Zahl der Gründungen in Deutschland ist 2022 deutlich um 57.000 (-9 Prozent) auf 550.000 zurückgegangen, wie der neue KfW-Gründungsmonitor von KfW Research zeigt. Insgesamt sinkt die Gründungsaktivität mit 108 Gründungen je 10.000 Menschen im Alter von 18–64 Jahren damit wieder auf die Nähe ihres historischen Tiefstands vom ersten Coronajahr 2020, nachdem sie sich 2021 kurzzeitig erholt hatte. Zum Rückgang im Jahr 2022 beigetragen haben ein im Vergleich zum Vorjahr verringerter konjunktureller Impuls sowie der gut laufende, von Fachkräftemangel geprägte Arbeitsmarkt, der potenziellen Gründerinnen und Gründern attraktive Erwerbsalternativen bietet. Eine 2022 mit 4,5 Prozent der Erwerbsfähigen leicht höhere Quote von Gründungsplanern (2021: 4,1 Prozent) lässt eine im laufenden Jahr 2023 stabile Gründungstätigkeit erwarten, wenn auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleibt.

Die Zahl der Gründungen von Frauen ist nach Anstiegen in den beiden Vorjahren wieder gefallen und liegt 2022 bei 205.000 (-20 Prozent). Die Zahl der Gründer hat sich kaum verändert (345.000; -1 Prozent). Gründerinnen kommen damit 2022 auf einen Anteil von 37 Prozent an allen Gründungen, das liegt leicht unter dem langjährigen Durchschnittswert. Es zeigt sich, dass Anstiege des Gründerinnenanteils bisher nur kurzfristige Schwankungen um den langjährigen Durchschnittswert waren. Die nachhaltige Erhöhung des Gründerinnenanteils ist dagegen eine Herausforderung, die einen langen Atem braucht und früh ansetzen muss: Etwa beim Aufbrechen von Geschlechterklischees oder bei der frühzeitigen Vermittlung unternehmerischen Wissens.

Die Corona-Krise, die die Nachteile traditioneller Geschäftsmodelle und – prozesse deutlich aufzeigte, wirkt weiter nach: Die Anteile digitaler und internetbasierter Gründungen sinken gegenüber dem Vorjahr zwar leicht, bleiben 2022 mit 29 Prozent und 35 Prozent (2021: 31 Prozent bzw. 41 Prozent) überdurchschnittlich hoch. Bei innovativen und wachstumsorientierten Gründungen bleibt ein Schub weiterhin aus.

„Im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und Coronablues sinkt die 75 Gründungstätigkeit in Deutschland. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts beeinflusst hierzulande traditionell stark die Gründungstätigkeit. Denn die Fokussierung auf die angestellte Beschäftigung in Deutschland ist groß. Es sieht so aus, als ob der Corona-Blues den Wunsch nach 80 beruflicher Neuorientierung und damit zur Gründung bestärkt hat, ob das so bleibt, muss sich noch zeigen. Jedenfalls beginnt die Fokussierung auf eine angestellte Beschäftigung schon früh, etwa bei der Berufsberatung von Schülerinnen und Schülern. Hier braucht es dringend ein Umdenken – trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Fachkräftemangels“, resümiert Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Was die Finanzierung anbelangt, passiere schon einiges, so die Antwort von Köhler-Geib auf meine Fragen. Etwa den Zukunftsfonds. „Wir haben die Startup-Strategie der Bundesregierung, die muss jetzt umgesetzt werden.“ Gründungsbildung sei ein wichtiger Ansatz. Schon in der Sekundarstufe II sollte Entrepreneurship-Wissen vermittelt werden. „Ökonomische Bildung ist in Deutschland ein ganz großes Thema, das viel stärker in den Fokus rücken muss.“ Auch die vorhandenen Rollenbilder, die klischeehaft dominieren , seien ein Hindernis für die Zunahme von Gründerinnen.

Sonderwirtschaftszonen hält die KfW-Chefvolkswirtin für eine schwierige Idee. „In Deutschland sollten wir den Anspruch haben, dass das gesamte Land eine Sonderwirtschaftszone ist.“

Bürokratieabbau sei ein entscheidender Hebel. Es sollte viel schnell möglich sein, ein Unternehmen zu gründen. „Es gibt eine Initiative in Frankreich, dass man innerhalb von zwei Tagen gründen kann.“

Zudem sollten bereits ergriffene Maßnahmen, wie die Reform des Insolvenzrechts, besser kommuniziert werden.

Was haltet Ihr für wichtig, um die Zahl der Gründungen zu steigern, etwas wie zu Zeiten der New Economy vor rund 23 Jahren?

Sauberer, ökologischer, nachhaltiger: Missionen von Holger Hanselka – Der neue Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft #Forschungsgipfel

Professor Holger Hanselka wird der 11. Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Senat der Fraunhofer-Gesellschaft wählte den derzeitigen Präsidenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) auf seiner Sitzung in Dresden einstimmig. Hanselka tritt die Nachfolge von Professor Reimund Neugebauer an.

„Holger Hanselka ist für Fraunhofer die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Amt. Seine hohe wissenschaftliche Reputation, seine profunde Kenntnis der nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen, seine jahrelange Erfahrung mit der Transformation und Weiterentwicklung wissenschaftlicher Einrichtungen sowie in der Führung von Institutionen zeichnen ihn aus. Darauf aufbauend bin ich sicher, dass er mit Gespür, Tatkraft und großer Leidenschaft Fraunhofer in Zeiten des herausfordernden stetigen Wandels in eine erfolgreiche Zukunft führen wird“, sagt Hildegard Müller,

Der 1961 in Oldenburg geborene Maschinenbauingenieur Holger Hanselka leitet seit 2013 das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und hat dies zurück in die Riege der Exzellenzuniversitäten geführt. Zuvor war er Leiter des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt und von 2006 bis 2012 Präsidiumsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft. „Das Vertrauen des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft ehrt und freut mich sehr. Das Amt des Fraunhofer-Präsidenten ist eines der spannendsten und gleichzeitig herausforderndsten in der deutschen Wissenschaft. Gemeinsam mit den 30 000 Mitarbeitenden werde ich mein Bestes geben, die Spitzenstellung, die Fraunhofer weltweit unter den führenden Forschungseinrichtungen innehat, auszubauen und das Profil von Fraunhofer zu stärken“, so Hanselka.

In einer ersten Stellungnahme nannte er die weitere Internationalisierung der Fraunhofer-Gesellschaft und die Erarbeitung eines modernen Leitbilds als zentrale Aufgaben zu Beginn seiner Amtszeit: „Wir leben in einer Zeit massiver globaler Veränderungen und Herausforderungen. Da muss auch die Forschung bedarfsorientiert weltumspannender werden. Dazu braucht es Innovation, Kreativität und Kosmopolitismus nach außen und fundiertes Wissen, moderne Corporate-Governance-Strukturen, neue Formen der Zusammenarbeit und ein kraftvolles, gemeinsames und von Vertrauen geprägtes Leitbild nach innen.“

Auf dem Forschungsgipfel hat er dazu richtig gute Anmerkungen gemacht.

Jetzt ist das Zeitalter des Personalmanagements #ZukunftPersonal @ZP_Universe

Eigentlich sei jetzt das Zeitalter von Personalern, sagt Philipp Ramin im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin brandeins. „Sie werden gebraucht wie nie zuvor, und zwar gestalterisch: Es geht schließlich um neue Kompetenzprofile, um die Beschreibung neuer Arbeitsplätze – also um tief greifende Auswirkungen der Digitalisierung auf Menschen im Arbeitsprozess. Aber die wenigsten Mitarbeiter sind Digital Natives und Tekkies, die meisten haben Studium oder Ausbildung lange hinter sich. Ich kann die Floskel vom lebenslangen Lernen nicht mehr hören, aber wir sind definitiv an dem Punkt, wo das alle wirklich tun müssen“, so Ramin.

Nicht jeder müsse programmieren können, aber jeder muss verstehen, dass Daten ein wichtiger Rohstoff sind, wo sie entstehen, wie sie verloren gehen können, wie man sie sauber verarbeitet. Das sei der Kern von Digitalkompetenz. „Spätestens jetzt, da die Digitalisierung in vollem Umfang in den Werkhallen und Bürotürmen ankommt, müssen Konzepte für die Qualifikation, Arbeitszeitgestaltung, Organisationsentwicklung, Motivation und Entlohnung realisiert werden. Das zu leisten ist Kärrnerarbeit für die Personaler“, betont Ramin und liegt dabei auf einer Welle mit Professor Karlheinz Schwuchow, den ich dazu auf der Zukunft Personal befragt habe.

Wichtig ist auch der Punkt, wie man Menschen in klassischen Arbeitsumgebungen, wie etwa im Maschinenbau oder der Autoindustrie, neue Fähigkeiten beibringt.

Dazu Ramin gegenüber brandeins:

„Wir beginnen mit der in vielen Firmen unbeantworteten Frage, warum man sich mit Digitalisierung und Industrie 4.0 beschäftigen soll – etwa weil die Nachfrage individueller und volatiler wird und Kunden nicht an technischen Produkten, sondern an Lösungen interessiert sind. Es folgen bis zu 60 weitere Themenblöcke von künstlicher Intelligenz, Internet der Dinge, Blockchain oder Robotik über strategische, organisatorische und kulturelle Themen wie Mensch-Maschine-Zusammenarbeit oder agiles Management.“

Was das für einen Konzern wie VW bedeutet, beantwortete Ralph Linde, Chief Learning Officer Volkswagen Group & Verantwortlicher für Unternehmenskultur:

Mit den Themen auf der Zukunft Personal liegen wir wohl genau richtig.

Siehe auch:

Wie viel Vernetzungskompetenz und Bereitschaft zum vernetzten Arbeiten steckt in den Organisationen? #ZukunftPersonal #ZPNord #ZPSüd #SAPTrainingForum

a close up shot of letter dice

Warum Change Management und Veränderungskompetenz so wichtig sind #SAPTF23

Veränderungskompetenzen und Vernetzungskompetenzen sind im Arbeitsleben gefragter denn je. Wir beleuchten das bei im Gespräch mit Seyde Sosnovski und Thomas Jenewein von SAP, mit Sebastian Westphal von der DSAG und mit der Professorin Ina Kohl. Man hört, sieht und streamt sich am 22. Juni in Walldorf.

Läuft:

time for change sign with led light

#Notizzettel für #ChangeTV #SAPTF23

Organisationswissenschaft mit ihrem Set aus Konzepten, Grundsätzen und Methoden hat drei wichtige Wurzelsysteme. Das erste dieser Systeme erforscht das Individuum und hier speziell unsere menschliche Natur sowie ihren Widerstand gegen beziehungsweise ihre Fähigkeit zur Veränderung.

„Diese Untersuchungen beruhen auf jahrhundertealten Erkenntnissen, die aber gerade in letzter Zeit um einen riesigen Fundus neuer Erkenntnisse aus der Hirnforschung erweitert wurden. Die zweite Wurzel liegt in der Untersuchung der modernen Organisation. Diese Arbeit nahm in den 1930er- und 1940er-Jahren Fahrt auf und ihr erstes, sichtbarstes Beispiel war das Buch The Concept of the Corporation von Peter Drucker. Einige sehr informative Projekte in derselben Tradition wurden während der letzten zehn Jahre veröffentlicht. Das dritte Fachgebiet beschäftigt sich mit der genauen Untersuchung moderner Organisationen und der Menschen, die in diesen Organisationen die Veränderung anführen wollen. Dazu gibt es Kommentare über die Ergebnisse und Spekulationen über ihre Ursachen. Erste Beispiele für diese Arbeit findet man bereits in den 1950er-Jahren, doch der Großteil der Erkenntnisse ist wesentlich jünger. Die vermehrte Arbeit zu den Themen interne Veränderung und Leadership läuft sehr stark parallel zur Erhöhung des Tempos, mit dem sich der Kontext, in dem die Organisationen heute operieren, wandelt. Nachzulesen in: Kotter, John P.; Akhtar, Vanessa; Gupta, Gaurav. Change.

Die Wissenschaft der Veränderung sagt vorher, dass die Strategieplanung immer weniger für ausreichende Geschwindigkeit, Agilität, intelligente Anpassung und echte Ergebnisse sorgen kann – aber genau das brauchen immer mehr Menschen und Einrichtungen.

Bereit für ? Man hört, sieht und streamt sich um 15 Uhr.

Schon angemeldet beim SAP Training Forum am 22. Juni in Walldorf?

close up photo of plastic bottle

Bevorzugung von Einweg-Getränken ruiniert den Mittelstand, liebwerteste FDP: „Die Atomisierung unserer Unternehmen, die regional tätig sind, führt zu einer Anpassung an die Discounter“ @DirkMessner @JudithSkudelny @VDM_Verband

Seit Jahrzehnten berichte ich nun schon über den Niedergang des Mehrwegsektors bei Getränken und nun kommen Lidl sowie die FDP mit der Behauptung um die Ecke, es fehle an Ökobilanzen. „Mit dem Ziel der Abfallvermeidung wurde im Jahre 2019 im Verpackungsgesetz festgelegt, den Anteil von Mehrweg bei Getränkeflaschen auf mindestens 70 Prozent zu steigern. Noch setzt die Politik dabei auf Freiwilligkeit. Doch mit einem Mehrweganteil von nur rund 43 Prozent wird die gesetzliche Zielmarke weit verfehlt. Deswegen fordern die Mehrweg-Vertreter eine Abgabe auf Einwegflaschen oder eine verpflichtende Mehrwegquote – am besten beides zusammen. Genau solche Maßnahmen will Lidl verhindern“, schreibt die FAZ. Argument von Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, gegenüber der FAZ: „Wenn die Kunden Getränke in Mehrwegflaschen kaufen möchten, gibt es genügend Märkte mit einem entsprechenden Sortiment.“ Im Übrigen sei es nicht so, dass Mehrweg stets vorteilhaft sei, wenn man etwa an die ökologischen Kosten langer Transportwege für schwere Flaschen aus Glas denke. Es sei bedauerlich, dass wegen der Lidl-Kampagne nun wieder Regularien gegen Einweganbieter ins Spiel gebracht würden. „Wir sollten uns doch lieber freuen, dass es Lidl gelungen ist, mit seinem Einwegsystem einen ökologischen Weg zu finden“, so die FDP-Politikerin.

Faktisch hat die Niedrigpreis-Politik der Discounter, die schon immer nur auf Einweg gesetzt haben, zu einem Niedergang der mittelständischen Getränkebetriebe geführt, die auf einheitliche Flaschen, einheitliche Mehrwegkästen und dezentrale Rücknahme gesetzt haben. Das wurde von den Discountern zu Lasten des Mittelstandes und zu Lasten der Mehrwegquote pulverisiert. Man hat die mittelständische Mehrwegbranche soweit ruiniert, dass nun das Argument der Transportwege und das Gewicht von Glasflaschen als Argument gegen Mehrweg ins Feld geführt wird. Ähnlich argumentierten ja auch einige Beethoven-Freunde in Bonn. Die Beethovenhalle wurde in den vergangenen Jahrzehnten derartig heruntergewirtschaftet, dass nur noch ein Abriss als sinnvolle Maßnahme dargelegt wurde. Alles nur Rabulistik.

Mit der Glasflasche sind 50 Umläufe oder mehr möglich. Da kann Einweg-Plastik nicht mithalten. Entscheidend für alle Getränkearten:

Einigt Euch auf einheitliche Flaschen und einheitliche Mehrwegkästen für unterschiedliche Abfüllmengen: 0,33 Liter, 0,5 Liter und 1,5 Liter. Das Marketing läuft über das Etikett und die klassische Werbung. Das muss doch machbar sein.

Vor Ewigkeiten schrieb ich diesen Artikel: „Politik liefert den Discountern kostenloses Kundenbindungsprogramm“ 

Auszug: Die Preise für Mineralwasser haben in den vergangenen Jahren stetig nachgegeben. Discounter wie Lidl und Aldi verkaufen zurzeit eine 1,5-Liter-Flasche für 19 Cent, das ist billiger als das Pfand, das pro Einwegflasche erhoben wird. „Für die mittelständischen Anbieter, von denen es in der Region Stuttgart noch etliche gibt, sind die Gewinnspannen kleiner geworden, und die Arbeitsplätze unsicherer. Zurzeit bangen etwa die Beschäftigten des Abfüllbetriebs der Mineralbrunnen AG in Waiblingen-Beinstein um ihre Arbeitsplätze. Bis Mitte Juli soll ein Gutachter entscheiden, ob der Traditionsbetrieb, der Mineralwasser in Mehrwegglasflaschen abfüllt, eine Zukunft hat“, so die Stuttgarter Zeitung

„Die Todesspirale für den Mittelstand ist in vollem Gange. Einen vergleichbaren Preisunterschied zwischen Discountern und dem Getränkehandel mit einem Faktor von 4,5 findet man in keinem anderen Zweig der Lebensmittelbranche. Die Politik liefert den Discountern ein kostenloses Kundenbindungsprogramm. Normalerweise kalkulieren diese Konzerne einen Erlös von 10 Prozent. Mit den Pfandeinnahmen über die nicht zurückgebrachten Einwegflaschen erwirtschaften die Discounter mit dem Segen der Bundesregierung eine Spanne von über 40 Prozent. Die lachen sich ins Fäustchen“, monierte damals Ullrich Schweizer, Marketing-Geschäftsführer der Firma Hassia Mineralquellen. 

Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch Pfandschlupf und Recyclingeinnahmen für das sortenreine Verpackungsmaterial erzielen die Discounter nach Berechnungen von Branchenexperten jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. Mit diesem Geld könnten sie über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten. Es gebe nach Erkenntnissen von Schweizer keine anderen Sortimentsbestandteile, wo Discounter soviel verdienen könnten. Die Speerspitze für den ruinösen Preiskampf lieferte die Regierung – übrigens unter Bundesumweltminister Jürgen Trittin.

In der Konsequenz führe das zur Aldisierung oder Wal-Martisierung der Gesellschaft, wie es David Bosshart, Chef des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Instituts, in seinem Buch „Billig“ vorausgesagt habe: „Wo wir auf der einen Seite von Bergen von günstigen Produkten für Kunden profitieren, beschleunigen wir auf der anderen Seite die Rationalisierung der Arbeitsplätze, miserable Karrierechancen und das Anwachsen von schlecht bezahlten Jobs“, zitiert Schweizer aus dem Bosshart-Buch.

Die Situation stelle sich für die deutsche Brunnen-Industrie genauso dar.

„Die Atomisierung unserer Unternehmen, die regional tätig sind, führt zu einer Anpassung an die Discounter. Wer aber mit diesen Konzernen Geschäfte macht, wird zu deren Double. Das gilt nicht nur für Lieferanten, sondern auch für den klassischen Lebensmitteleinzelhandel. Es läuft alles nur noch über den Preis“, führt Schweizer aus. Jeder Verbraucher, der noch einen normalen Mineralwasser-Mehrwegkasten kaufe, müsse sich als Idiot vorkommen. Soweit ein Ausschnitt meines Beitrages, der 2008 (!) erschien.

Den wahren Hintergrund für die Lidl-Lobbyschlacht bringt die FAZ ganz zum Schluss:

Auf EU-Ebene wird derzeit über die geplante EU-Verpackungsverordnung beraten. Der Entwurf der EU-Kommission sieht Mehrwegpflichten im Getränkebereich vor. Die Einweglobby möchte eine solche Quotenregelung verhindern, die Mehrweglobby deutlich schärfere Verpflichtungen. Ein Ende der Debatte über die richtige Getränkeverpackung ist also noch längst nicht in Sicht.

Die ganze Dumping-Politik der Discounter im Getränkesektor ist eigentlich ein Fall für die Bundeskartellamt.

Anfang des Jahres 2023 diskutierten wir die EU-Verordnung bereits in einer Fachrunde:

Glück: Grundbedürfnisse, Flow und Lernen durch Lehren – Doku der #CLC23-Session: Es geht um #Weltveränderungskompetenz

Die Literatur über Glück ist nicht zu überblicken (Bormans 2011). „Man kann Glück als dauerhafter Zustand emotionalen Wohlbefindens definieren, wobei Schwankungen nach unten und nach oben bestehen. Die emotionale Befindlichkeit wird durch die Befrie- digung von Bedürfnissen und deren physiologischen Korrelate (z.B. Ausschüttung von Dopamin, Oxytocin, Adrenalin) gesteuert. Im positiven Bereich ragen unter bestimm- ten Bedingungen intensive Flow-Erlebnisse (Csikszentmihalyi 1999) heraus, die länger anhalten können. Möchte man Menschen Glücksgefühle vermitteln, so ist es günstig, wenn man sie in Situationen versetzt, die Flow induzieren“, schreibt Jean-Pol Martin in einem Beitrag für den Band „Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule“.

Sechs Punkte sind dabei relevant.

  1. Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;
  2. Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;
  3. Problem lösen, hohe Anforderungen bewältigen;
  4. Ausschöpfen der eigenen Ressourcen;
  5. Gefühl der Selbstentgrenzung;
  6. Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

Besonders der zweite Punkt prägt meine Arbeit als Hochschuldozent.

Und da haben wir ja wirklich komplexe Themen tiefschürfend bearbeitet.

Beispiele habe ich in der Barcamp-Session benannt:

Die Unterlagen von Jean-Pol Martin können bei mir abgerufen. Einfach bei mir melden: gunnareriksohn@gmail.com.

Barcamp-Session auf dem #CLC23 am Mittwoch: Lernen durch Lehren und was das Ganze mit Rio Reiser und Weltverbesserungskompetenz zu tun hat @DrLutzBecker1 @gsohn

Die Next Economy Open als virtuelle und dezentrale Konferenz zu Wirtschaft und digitaler Transformation war und ist ein echter Trendsetter. Weit vor der Corona-Krise ging es um offene und anschlussfähige Formate nicht nur für die Wissenschaftskommunikation. Im Digitalen gibt es keine Abgeschlossenheit und keine Unveränderlichkeit. Wir stehen in einer andauernden Konversation. Texte, Videos und Audios werden im Netz dokumentiert, sie werden verbreitet und weitergenutzt, sie regen zum Dialog an und wir können sie überarbeiten, fortschreiben und diskutieren. Das virtuelle Konzept der NEO macht die Kultur der Beteiligung noch direkter, noch sichtbarer, noch echtzeitiger.

Ob sich aus dem eigenen Tun im Netz bedeutungsschwere Diskurse, bahnbrechende Erkenntnisse, Zuspruch oder Ablehnung ergeben: Entscheidend ist die reine Möglichkeit der Teilnahme, die es vor dem Social Web so nicht gab. Im Netz etablieren sich virtuelle Zufallsgemeinschaften mit begrenzter Dauer als informeller Versammlungstyp ohne feste Strukturen. Man kann es mit der Salonkultur des 18. und 19. Jahrhunderts vergleichen – nur nicht elitär, sondern egalitär. Jeder kann mitmachen. Und ein ganz wichtiger Punkt klingt recht profan, doch dahinter steckt viel mehr: Die Kommunikation für Abwesende. Ich spreche zu einem zukünftigen Publikum in die Zeit hinein. Das sei das Phantastische und Exzentrische, sagte der Schriftsteller Thomas Mann zu seiner ersten Tonfilm-Aufnahme am 22. Januar 1929. Es geht um die Anwesenheit der Abwesenden oder um die Kommunikation für Abwesende.

Für die Studierenden ist unser Experiment manchmal wirklich hart. Ein neues Thema, ein neues Format, Zeitdruck, ein quasi-globales Publikum und ein Medium, das auch eben die Dinge festhält, die man eigentlich nicht so gerne festgehalten wissen möchte. „Manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen, die Studierenden so ins kalte Wasser zu werfen. Aber sie sind daran unglaublich gewachsen“, so Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius.

Wenn wir über Weltverbessungskompetenz reden, müssen wir auch über Strategie und Praktiken, vor allem aber auch über Partizipationskompetenz, die Fähigkeit mitzuwirken und mitzugestalten sprechen. Organisierte Interaktion, vertrauensvoller Austausch und Reziprozität sind, um mit Niklas Luhmann zu sprechen der Kit, der die Gesellschaft zusammenhält. Das sind die grundlegenden Funktionsbedingungen – der Sprit der die menschliche Evolution antreibt. Es geht darum, Kommunikationen zum Fließen zu bringen. Mit dieser Sessionidee machen wir beim Corporate-Learning-Barcamp #CLC23 mit. Am Mittwoch, um 11 Uhr auf Zoom.

Hier ist der Link für die Zoom-Session.

Zur Vorbereitung unser Buch, erschienen im Klingen-Verlag.

photo of chinese temple

Lage in China: Die Innovationskraft der Unternehmerinnen und Unternehmer entfaltete sich in einem eher schwachen regulatorischen Umfeld – Jetzt regiert wieder die erstickende Dominanz ideologischer Großsysteme

stone communist monument with crowd of people
Photo by Leon Huang on Pexels.com

Der Wissenschaftler Jin Guantao reibt sich an der erstickenden Dominanz ideologischer Großsysteme in China. Ob klassischer Konfuzianismus oder sinisierter Marxismus: Die staatlich verordneten Orthodoxien bildeten seiner Ansicht nach „ultrastabile Strukturen“, indem neue Denkströmungen permanent oberflächlich integriert und als Teil des Bestehenden ausgegeben wurden. Als Herrschaftsideologie prägten sie die Ausbildung der gesellschaftlichen Eliten und sorgten für Kontinuität auch über politische Verwerfungen hinweg.

In zahlreichen Akademien, Vortragsreihen und Schriften suchten Intellektuelle nach Antworten auf die Frage nach dem Verhältnis von Tradition und Moderne. Neo-autoritäre Denker wie Xiao Gongqin (1946) betonten, dass sich wirtschaftliche Entwicklung und ein autoritäres System keineswegs ausschließen müssten, sondern dass gerade das Beispiel Singapurs sogar die Vorzüge dessen aufzeige, was in den 1990er Jahren als „asiatische Werte“ debattiert werden sollte. Hieran hatten auch Teile der Parteiführung erhebliches Interesse, indem hierarchische Strukturen, Kollektivismus und zentrale Kontrolle als Kernelemente chinesischer Kultur in den Mittelpunkt gestellt wurden. Mit Wang Huning (1955), einem damaligen akademischen Shooting-Star aus Shanghai, stieg ein Vertreter dieser neo-autoritären Strömung bis in den Ständigen Ausschuss des Politbüros auf. Heute ist er das Mastermind hinter dem offiziellen Parteidiskurs „nationalen Wiedererstarkens“, mit dem eine Brücke zwischen Marxismus, Konfuzianismus und Nationalismus geschlagen wurde.

Ein starker Staat, der öffentliche Meinungen etwa mittels der maoistischen Massenlinie unmittelbar aufgreift, gilt hier als Garant sozialer Gerechtigkeit. Die Grenze zwischen der Neuen Linken und neo-autoritären Strömungen ist in den letzten Jahren zunehmend fließend geworden. So treten einige Vertreter, die vormals zum Spektrum der Neuen Linken gezählt wurden, nunmehr offensiv als Staatsapologeten auf. Hier sind insbesondere die Texte von Hu Angang und Hu Lianhe zur Verschmelzung der ethnischen Gruppen Chinas, Chen Duanhongs Lob für die Unterdrückung der Hongkonger Proteste sowie Jiang Shigongs Ode auf die Ära Xi Jinping zu nennen. All das steckt in dem gerade veröffentlichten Opus von Daniel Leese und Ming Shi: Chinesisches Denken der Gegenwart. Beleuchtet werden zentrale Debatten in China, die in der westlichen Öffentlichkeit nicht einmal in Ansätzen zur Kenntnis genommen werden.

Wie vertragen sich der Neo-Autoritarismus und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in China? Das ist das Thema meiner New-Management-Kolumne: Angeblich werden wir vom Reich der Mitte bei Digitalisierung, E-Mobilität und KI-Forschung überrollt. Da überschätzen Innovationsforscher Dietmar Harhoff, der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger und viele andere Protagonisten die Innovationskraft der kommunistischen Staatsbürokraten in Peking. Das hat der Sinologie-Professor Daniel Leese bei einer Tagung der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung gut zum Ausdruck gebracht. Es ging um Alexis de Tocqueville und den Meisterdenker der KP-China Wang Huning. Der Modernisierungspfad sei eher die Schwäche des chinesischen Staates, sagt Leese: „Die Innovationskraft der Unternehmerinnen und Unternehmer entfaltete sich in einem eher schwachen regulatorischen Umfeld, die die Politik der 1980er und 1990er Jahre maßgeblich geprägt hat.“

Wer Internet-Unternehmer in den Knast steckt, kann wohl kaum innovativ sein. Staatsbürokraten wie der Diktator Xi Jinping sind wenig geeignet, Sprunginnovationen anzustoßen, zu planen oder am Markt durchzusetzen. Sie spionieren und schikanieren ihr Land eher mit Überwachungsterror und hausmeisterlich brüllenden Drohnen. Wir sollten uns vor dem Wettbewerb der politischen Systeme nicht fürchten. Zentralistisch miserabel gesteuerte Staatsbürokratien sind völlig ungeeignet für den Innovationswettbewerb.

Mit den Texten von Wang Huning und Co. werde ich mich intensiver auseinandersetzen.

Siehe auch: Das heimliche Mastermind hinter Chinas Konfrontation mit den USA