Los ging es heute vor einem Jahr von der Jugenherberge Remerschen, nördlich von Schengen, von der Klaus und ich richtig begeistert waren. Eher Hotelniveau und für Besuche in Schengen sehr zu empfehlen.
Zwischenetappe war Metz. Beherrscht wurde dieser Teilabschnitt von der Frage „Wo ist Klaus?“.
Unterwegs traf ich auf eine Gruppe französischer Radrennfahrer, die sich sehr für mein Bike interessierten und sich vornahmen im Blog #fürMiliana reinzuschauen.
Da ist Klaus am Bahnhof in Metz:
Weiter ging es mit der Bahn nach Straßburg – ohne Klaus. Ich musste ein wenig Zeit aufholen. Abends glückliches Wiedersehen mit der lieben Nina:
Der Twizy und mein eBike brauchten aber häufiger Nachladungen auf der Strecke. Und das stellte sich immer mehr als Problem dar. Es gibt kaum Ladestationen mit normalem Stromstecker. Wir reden hier also nicht über eAutos, sondern von einem profanen 220 Volt-Anschluss.
Das Tagesziel Rochefort schafften wir nicht.
Gegen 20.45 Uhr trudelten wir auf dem Campingplatz in Durnal ein. Guido nach abenteurlichen Fahrten über abgemähte Felder, um den Unterboden des Twizy, wo auch der Akku angebracht ist, vor weiteren Steinen zu schonen. Ich musste die letzte halbe Stunde über Waldwege mein E-Bike schieben.
Der 6. Mai 2019 änderte mein Leben. An diesem Tag starb Miliana, die Liebe meines Lebens, einfach so. Ohne Krankheit, ohne Vorwarnung, ohne Anzeichen. Sie brach in der Küche unseres Hauses in der Mittagszeit zusammen und war tot. Ich war auf der re:publica in Berlin und konnte nicht helfen. Nina fand sie in den Abendstunden. Ab diesem Zeitpunkt verliert man den Boden unter den Füßen. Bis heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die Tränen fließen. Ich lernte Miliana am 21. April 2007 auf einer Ü-30-Party in der Beethovenhalle kennen – auf der Tanzfläche so gegen 22 Uhr. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seit diesem Tag waren wir ein Liebespaar. Seit diesem Tag waren wir unzertrennlich – bis zum 6. Mai 2019. Es folgten Wochen, die wir nur in Zeitlupe wahrgenommen haben.
An irgendeinem Tag krochen wir (Nina, Niko und ich) unter unsere Couch-Decken und sahen uns den Film 25 km/h an mit Bjarne Mädel und Lars Eidinger. Ein Roadmovie zur Trauerbewältigung, zur Ablenkung, zum Nachdenken.
Da entstand die Idee für die Europatour. Keine große Planung, ein mofaähnliches eBike anschaffen und dann los – die 3000 Kilometer haben wir Zuhause grob berechnet (vor allem Niko, der Erdkunde-Champion) mit dem Finger auf der Landkarte oder besser gesagt, auf dem Bildschirm. Am 16. Juli ging es los – Sascha Förster begleitete mich die ersten Kilometer zur ersten Zwischentappe.
Bepackt war ich mit zwei Satteltaschen aus einem Geschäft für Motorrad-Zubehör (sollte ja in Richtung Mofa gehen) und einer großen Sporttasche. Für die Dokumentation unterwegs setzt ich auf mein iPhone und ein passendes Sennheiser-Mikro. Laptop, Powerbank und die Osmo-Pocket-Kamera zählten noch zur Ausrüstung. Die beiden letztgenannten Geräte stellten sich während der Tour als die allerwichtigsten Anschaffungen heraus.
Die Ankunft in Maasmechelen (das war die einzige geplante Ankunft) erfolgte dann später als gedacht. Ich musste die letzten Kilometer ohne elektrische Verstärkung treten und war „fix und alle“. Guido hatte noch 4 km Reichweite, als wir bei Michael Zachrau und seiner Frau Anne-Marie Descamps ankamen.
Und nun schreibt er: „Um eines klarzustellen: nie habe ich gesagt, alle Demonstranten seien gekauft. Meine Aussage findet man hier…“
Caspary verweist auf einen Bericht der Bild und da wird er folgendermaßen zitiert:
„Casparys Verdacht: ‚Nun wird offensichtlich versucht, auch mit gekauften Demonstranten die Verabschiedung des Urheberrechts zu verhindern. Bis zu 450 Euro werden von einer sogenannten NGO für die Demoteilnahme geboten. Das Geld scheint zumindest teilweise von großen amerikanischen Internetkonzernen zu stammen. Wenn amerikanische Konzerne mit massivem Einsatz von Desinformationen und gekauften Demonstranten versuchen, Gesetze zu verhindern, ist unsere Demokratie bedroht.'“
Den „Beweis“ für diese schwerwiegende Verdächtigung konstruiert man mit einer Meldung der Netzpiloten, für die ich ja bekanntlich als Kolumnist arbeite. So schreibt Bild: „Wie das Magazin ‚Netzpiloten‘ berichtete, soll Google etwa die freie Enzyklopädie Wikipedia mit Zahlungen in Höhe von bislang 7,5 Millionen Dollar unterstützt haben. Wikipedia hatte sich am 21. März in Deutschland öffentlichkeitswirksam ‚abgestellt‘, um gegen die Reform zu protestieren. Kurios: Wikipedia ist selbst von der Reform gar nicht betroffen und darf weiter Inhalte hochladen.“
Aber was steht denn in der Netzpiloten-Meldung, die am 24. Januar erschien?
„Schon in der Vergangenheit gab es auch größere Spenden von Google. Nun spendet Google erneut eine große Summe und bietet darüber hinaus kostenlose Cloud- und Machine-Learning-APIs für die freie Enzyklopädie. Google erweitert sein Engagement für Wikipedia gleich um zwei Millionen US-Dollar. Die gesamte Unterstützung durch Google beläuft sich mittlerweile auf 7,5 Millionen Dollar. Neben der monetären Unterstützung bietet Google jedoch auch noch kostenlosen Zugriff auf einige seiner Cloud- und Machine-Learning-Werkzeuge.“
So sollen den Wikipedia-Autoren einige Tools zur Verfügung gestellt werden, die die redaktionelle Arbeit erleichtern: Eine Google Cloud Custom Search API könnte beispielsweise sicherstellen, dass Beiträge korrekt aus anderen Quellen zitiert werden. Dürfte ja Voss und Co. begeistern. Zudem werden weitere zwei Millionen Dollar für langfristige Nachhaltigkeit gespendet. Das teilte Google vor gut zwei Monaten mit.
Wo bitte ist der Zusammenhang mit den Demos im März? Ob es um Bots geht, um die Google Memes-Rubrik, um vermeintliches Handgeld für Demonstranten: Die Unionspolitiker verstehen die Probleme der Netzszene nicht. Und noch schlimmer: Die liebwertesten Gichtlinge der Union reagieren auch noch beleidigt und trotzig.
Weise und kluge politische Entscheider versuchen nicht, ihre fragwürdigen Positionen mit der Brechstange durchzusetzen, sie setzen auf offene Verfahren. Voss und Co. agieren hingegen wohl lieber in geschlossenen Zirkeln. Sie kungeln auf den Spuren von Klemens Wenzel von Metternich in Geheimrunden als sich auf nicht kontrollierbare Disputationen mit der Zivilgesellschaft einzulassen. Wie es anders geht, erläutert Internet-Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter im Netzpiloten-Interview.
Live-Talk mit Alexander Görlach, Gründungsherausgeber des Debatten-Magazins The European, das er von 2009-2016 als Chefredakteur geleitet hat. Heute ist er In Defense of Democracy Affiliate Professor am Harvard University College und Fellow am Center for Research in Arts, Social Sciences and Humanities an der Universität von Cambridge (UK):
Die Debatte über Fahrverbote für Diesel-Autos zur Reduktion von Stickstoffoxiden und Feinstaub bereitet VW-Chef Matthias Müller Sorgen. Er erkennt eine große Verunsicherung, da von interessierten Kreisen Stimmung gemacht werde. „Die aktuelle Unsicherheit schadet allen“, sagte er der „Sächsischen Zeitung“. Zur Um- und Nachrüstung der Euro-5-Fahrzeuge seien die Autohersteller in Gesprächen mit den Ländern und dem Bund.
„Ich hoffe, dass wir zu einer Lösung kommen, die Konsumenten, Städten und Unternehmen gerecht wird“, sagte er.
Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann hatte zuletzt gesagt, auf Verbote könne verzichtet werden, wenn eine Nachrüstung von Dieselfahrzeugen komme.
Müller verweist auf neue CO2-Auflagen im Jahr 2020. Um diese Ziele zu erreichen, seien moderne Dieselfahrzeuge sparsam und auf mittlere Sicht wesentlich. Denn die Nachfrage nach Elektroautos sei noch gering, Benziner würden allein nicht ausreichen, und die Infrastruktur für Gasautos sei überschaubar. „Wie soll es also gehen? Sollen wir alle Fahrrad fahren oder Straßenbahn?“, sagte Müller. „Das gemeinsame Ziel muss es doch sein, den Paradigmenwechsel in die emissionsfreie Zukunft intelligent zu gestalten. Populismus hilft da nicht.“
So sieht sie aus, die visionäre Welt des Herrn Müller.
Von Mobilitätswende keine Spur. Von neuen revolutionären Konzepten will er nichts wissen. Über Ursachen für die magere Verkaufsbilanz von E-Autos schweigt er. Was haben denn die Autokonzerne in Deutschland bitte beigetragen für neue Konzepte in Richtung Nachhaltigkeit. Warum kritisierte der VW-CEO die Deutsche Post, die es wagt, mit dem Streetscooter vom elektrischen scooter kopen einen eigenen Elektro-Transporter auf die Straße zu bringen? Müller frage sich, warum man so etwas nicht mit VW auf die Beine stelle, sagte er im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Die Deutsche Post reagierte auf die Vorwürfe: Man habe sehr wohl bei den Konzernen wegen eines Elektroautos angefragt, sagte ein Post-Sprecher der FAZ zufolge.
„Doch es war kein Fahrzeug zu bekommen, das unseren Ansprüchen gerecht wurde.“
Oder der Preis sei zu hoch gewesen.
Liegt es nun an der mangelhaften Nachfrage oder an dem schlechten Angebot?
Wir brauchen andere Führungskräfte in der Wirtschaft. Mit Müller & Co. wird das nichts mit einer lebenswerten Zukunft.
Der Blick der westlichen Öffentlichkeit sollte sich nicht nur auf die kriegerischen Konflikte in Syrien richten. Im Élysée-Palast gibt es wohl konkrete Pläne für eine zweite militärische Intervention in Libyen. Das erklärte Ziel ist die Beseitigung der libyschen Stellungen der IS-Terroristen als Teil des “Krieges gegen den Terror” nach den Anschlägen in Paris. Sollten die zersplitterten Rebellengruppen sich nicht auf eine Regierung der nationalen Verständigung einigen, könnte der französische „Plan B“ Wirklichkeit werden und eine weitere humanitäre Katastrophe auslösen.
Politische Kreise in Tunis rechnen mit zwei Millionen Flüchtlingen, die vor allem Tunesien bewältigen müsste. Ein Land mit 11 Millionen Einwohnern, das sich schwertut, wirtschaftlich wieder auf die Füße zu kommen.
So hat das tunesische Handelsministerium begonnen, Grundnahrungsmittel zu lagern, um auf die erwarteten Flüchtlingsströme vorbereitet zu sein. Ähnliches kommunizieren der Rote Halbmond und das Gesundheitsministerium zur Behandlung von Kriegsverletzten.
Kann uns das egal sein? Die Maghreb-Region ist ein instabiles Gebilde und könnte durch die Luftangriffe wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Neuer Terror durch den Krieg gegen Terror wäre die Folge. Die liebwertesten Gichtlinge im französischen Machtzentrum sollten aufhören, mit militärischer Gewalt zu drohen und endlich anfangen, eine friedliche Lösung zur Schaffung einer stabilen Regierung in Libyen zu unterstützen – ohne Plan B!
Was soll auf die Digitale Agenda der EU? Twitter-Chat mit den Kommissaren
Der Aufbau eines EU-Binnenmarktes für die Digitale Wirtschaft ist angeblich eines der wichtigsten Projekte der EU-Kommission. Das meinen zumindest die Offiziellen der EU und rufen zu einem Twitter-Chat auf. Mit Andreas Ansip, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Kommissar für den Digitalen Binnenmarkt, sowie Günther Oettinger, Kommissar für Digitale Wirtschaft, kann in den nächsten Tagen diskutiert werden, was im Digitalen Binnenmarkt noch so alles angepackt werden muss.
Die vorgeschlagene Agenda klingt nicht sehr ambitioniert:
Wie steht es um die EU-Datenschutzreform? Wie kann EU-weit für ein einheitliches Urheberrecht gesorgt werden (etwa ein Leistungsschutzrecht in europäischer Form, gs)? Wann fallen die Roamingkosten und wie soll die Netzneutralität in Zukunft gewährleistet werden? Was bringt der Digitale Binnenmarkt den Bürgern?
Mehr ist der EU-Kommission in der Presseverlautbarung nicht eingefallen. Da sollte man den Kommissaren doch auf die Sprünge helfen.
Am Montag, den 23. Februar (also morgen) steht Ansip von 10 bis 11 Uhr für den Twitter-Chat zur Verfügung. Hashtag #AskAnsip. Am Donnerstag, den 26. Februar will Oettinger von 15:30 bis 16:30 Uhr zur Reform des Urheberrechts Stellung beziehen. Hashtag #AskOettinger.
Vielleicht könnten die Herren erst einmal beantworten, wie sie Europa so halbwegs wieder zukunftsfähig machen wollen in der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft? Was für ambitionierte Projekte setzen wir den Silicon Valley-Giganten entgegen? Wie gehen wir das Thema Industrie 4.0 an, wo uns das amerikanische Konsortium IIC das Wasser abgräbt?
Letztere Frage diskutierten wir heute Vormittag in unserer Sendereihe Kompetenzgespräche.
Wir sollten den Twitter-Chat am Montag und Donnerstag intensiv nutzen 🙂