Twitch und der Kampf für sauberes Livestreaming

Livestreaming mit Alkohol
Livestreaming mit Alkohol

Twitch kämpft mit Bekleidungsregeln für sauberes und moralisch einwandfreies Livestreaming.

Folgende Punkte sollten die Gaming-Moralhüter, die Richter und Staatsanwalt in Personalunion spielen, in ihre AGBs aufnehmen: Nicht mehr toleriert werden,

Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);

leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch “einen fahren lassen” genannt (gravierende Methan-Emissionen mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);

öffentlicher Hangout-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier sowie Veganer und seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern – also ich);

Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag ‪#‎katzenlivestream‬ verbreitet werden. Noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der in der Glücks-Themenwoche der ARD uns jeden Tag um die Ohren gehauen wurde);

Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial);
Interviews mit meinem Bloggercamp.tv-Kollegen Hannes Schleeh, die ihn als Henning oder Hans titulieren (üble Verleumdung).

Fallen Euch noch weitere Punkte ein, die man Twitch mit auf den Weg geben sollte?

Facebook-Zensur gegen Domian: Beiträge zum Papst gelöscht – Verfassungsklage!

AGB-Diktatoren

Jetzt hat Facebook den Limes überschritten. Mit der Löschaktion gegen den WDR-Fernsehrjournalisten Jürgen Domian wegen seiner Äußerungen zu dem bigotten und selbstgerechten katholischen Propagandisten Publizisten Martin Lohmann und seinen Ausführungen zum neuen Papst erweist sich der Zuckerberg-Konzern als übler Zensor. Auf die fragwürdigen AGBs der Infrastruktur-Betreiber, die einen massiven Einfluss auf die Netzöffentlichkeit haben, bin ich an dieser Stelle ja schon mehrfach eingegangen. Hier nur ein Beispiel: Wie frei ist die privatisierte und kommerzialisierte Netzöffentlichkeit?

Und der übliche Spruch, dass ja niemand gezwungen sei, bei Facebook und Co. mitzumachen, öffnet der Diskurs-Hausmeisterei Tür und Tor.

Die großen Social Networks repräsentieren mittlerweile den größten Teil der Netzöffentlichkeit und wer dort nicht präsent ist, existiert virtuell kaum noch. Wie gehen wir also mit dieser privatisierten Netzöffentlichkeit um, die von Konzernen bestimmt wird, auf die wir keinen Einfluss haben? Wir erleben jetzt hautnah die Demontage der Meinungsfreiheit im Netz. Deshalb sollte dieser Fall zum Anlass genommen werden, Facebook vor dem Bundesverfassungsgericht zu verklagen!

Hier noch das Posting von Domian:

„Ihr Lieben, ich bin äußerst verärgert und fassungslos:

Facebook hat meine Beiträge und ebenso eure Kommentare gelöscht. Stein des Anstoßes ist wohl mein kritischer Beitrag zu dem Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch. Diesen Beitrag haben immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen. Auch mein völlig harmloser (und durchaus wohlwollender) Text zum neuen Papst entspricht nicht den Richtlinien von Facebook (so wurde es mir heute mitgeteilt). Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt.

Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden. Aber wen wundert das nun noch?

Mein Text zum neuen Papst endete (nach ein paar kritischen Fragestellungen) mit den Sätzen:

‚Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr.‘

So etwas darf man nicht mehr schreiben? Hier schon übt Facebook Zensur aus? Mir wird angst und bange bei der Vorstellung, in unserem Land würden politische Kräfte erstarken, die die Demokratie bedrohen. Eine vermeintlich demokratische Plattform wie Facebook würde wohl sofort des neuen Herrn Diener sein.

Ich werde in der nächsten Zeit nichts posten, um die Dinge zu klären. Auch um zu vermeiden, dass meine Texte wieder gelöscht werden. Dennoch versuche ich euch auf dem Laufenden zu halten.

Ich bitte euch, diesen Text hier zu teilen. Euer Domian.“

Siehe auch:

Facebook löscht papstkritischen Beitrag von WDR-Moderator Jürgen Domian.

Jürgen Domian wirft Facebook Zensur vor.

Es ist lachhaft, wie Facebook auf diesen Fall reagiert: Einen „bedauernswerten Fehler“ nennt Facebook die Löschung mehrerer Beiträge auf Jürgen Domians Facebook-Seite – und sogar „frustrierend“ und „doof“, wie Sprecherin Tina Kulow erklärt.

Domian erhebt Zensurvorwürfe gegen Facebook.

Hier geht es zur offiziellen „Erklärung“ des Facebook-Konzerns.

Netz-Giganten spielen Staat – Über Berufsverbote, Zensur und Pranger

Folter, Pranger, Scheiterhaufen

Sie spielen Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und initiieren mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Gaming-Anbieter, Netz-Giganten und Betreiber von Social Networks mutieren immer mehr zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln. Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus, löschen Inhalte oder erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Beim Facebook-Fotodienst Instagram kann ich das noch verkraften, weil jede x-beliebige Konkurrenz-App meine Aufnahmen im Retro- oder Popart-Stil darstellen kann. Man kann mit den Füßen abstimmen und den Anbieter mit Nichtbeachtung strafen. Entsprechend reumütig reagierte das Management von Instagram auf die „missverständlichen“ Änderungen der Geschäftsgrundlage.

Was macht aber ein professioneller Computerspieler, der von der Gaming-Community unter Duldung des Betreibers lebenslänglich von der Plattform verbannt wird, weil er als unhöfliche Nervensäge einigen Konkurrenten auf den Keks gegangen ist? Der Betroffene kann sich nicht wehren, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren. Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot. Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertrieb den Außenseiter.

An dieser Stelle folgt jetzt sicherlich der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein. Günter Wallraff hat das bei seinen Undercover-Exkursionen als Kwami Ogonno schmerzlich erfahren.

Auch hier dürfen wir nicht zur Tagesordnung übergehen. Wenn Google oder Microsoft meine virtuelle Existenz wegen irgendwelcher Regelverstöße löschen, kann das meine komplette Arbeitsfähigkeit gefährden. Werden Applikationen inhaltlich zensiert, bleiben die Grundrechte auf der Strecke. Ausführlich in meiner morgigen The European-Kolumne nachzulesen.

Und dann folgt ja noch die zweite Session des Blogger Camps am 30. Januar von 19,30 bis 20,00 über die AGB-Diktatoren des Netzes.

Wer dranbleibt, hat verloren - Konfuzius über Call Center

Mit einer ganz anderen „Foltermethode“ beschäftige ich mich in einem Vorbericht zur Call Center World in Berlin 😉 Vernetzte Services für vernetzte Kunden – Wünsche antizipieren mit den Mitteln der Informatik.

Übrigens findet man die AGB-Hausmeister des Social Webs auch weniger cool, wie Facebook gerade schmerzlich erfährt – nicht nur beim Dienst Instagram.

Update:

Hier geht es zur The European-Kolumne.

Wann lernen Social Web-Dienstleister liquide Demokratie? Lehren aus dem Instagram-Fall

Fertigmachen zum Ändern

Wie viel liquide Demokratie wagen die oligopolistischen Social Web-Dienstleister eigentlich? Etwa ein hochrangiger Marketing-Fuzzi von Google, der mich als akkreditierten Journalisten nach seinem Vortrag in der Pause anraunzt, meine Videoaufnahme seiner phrasenhaften und eintönigen Rede zu löschen, da er der öffentlichen Versammlung, die vorher öffentlich eingeladen wurde, irgendwelche Suchmaschinen-Staatsgeheimnisse auf langweiligen Bullshit-Bingo-Bullit-Points-Folien an die Wand geworfen hat. Schreiben dürfe ich über den Vortrag, aber bewegte Bilder müssen im elektronischen Papierkorb entsorgt werden – basta! Merkwürdig, so argumentieren eigentlich sonst nur die Generaldirektoren der Deutschland AG.

Gleiches gilt für die die Pressesprecherin von Facebook Deutschland, die sich nach Ausführungen von martONE-Blogger „zwar nicht selbst öffentlich zu Wort meldet und lieber in geschlossenen Gruppen kommuniziert, sowie nur einen ihr gefälligen Artikel der Computerwoche zitiert, der dann von zahlreichen Twitter-Vögeln (nicht despektierlich gemeint – wir sind doch alles Vögel) als ein Statement von ihr weitergeteilt wird“. Vielleicht hat die Kommunikationsdame einfach nur die falschen Vorbilder und orientiert sich mehr an der PR-Taktstock-Politik der Deutschen Bank oder an der geheimen Hinterzimmer-Kabinettspolitik von Fürst Metternich und Konsorten.

Wenn ich mir also über die neue Beteiligungskultur im Social Web die Finger wund schreibe, über die wachsende Macht der Kunden, über ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Produzent und Konsument beim Crowdfunding, über die Notwendigkeit von ePartizipation bei Stadtplanungen, über liquide Demokratie in der Wirtschaftswelt, über die Ökonomie nach dem Prinzip „Teilen statt Herrschen“, dann kann ich Gleiches auch von den Social Web-Dienstleistern verlangen.

Und das gilt besonders für Veränderungen der AGBs und Nutzungsbedingungen. Es reicht eben nicht aus, wenn sich die Facebook-Tochter Instagram in knappen Worten an die Netzöffentlichkeit wendet und veränderte Geschäftsbedingungen ankündigt. Wie wäre es denn mal mit einem aktiven Dialog? Mit der Möglichkeit der Beteiligung? Mit einem Diskurs auf Augenhöhe? Warum macht man nicht ein Pressegespräch im Netz – ohne Sprachregelungen und ohne gezielte Einladungspolitik? Warum wird nicht zumindest eine Opt Out-Regel eingeführt (also die Möglichkeit zum Widerspruch, ohne gleich meine komplette virtuelle Existenz bei einem Anbieter löschen zu müssen)?

Bei aller berechtigten Kritik an der medialen Hysterie über die Fehlinterpretation der künftigen Ausrichtung des Fotodienstes, schließe ich mich der Schlussfolgerung von Zeit-Redakteur Patrick Beuth an: Nutzungsbedingungen und Datenschutz-Richtlinien sind nicht länger unbeachtete, lästige Pop-ups zum reflexartigen Wegklicken sind.

„Sie werden gelesen und ernst genommen. Und das ist eine gute Nachricht.“

Und auch überarbeitet und geändert, wie im Instagram-Fall.

Hiermit bestätige ich Google, Facebook, Apple, Microsoft und Co. eben nicht mehr, was sie mir an AGB-Diktaten unterjubeln wollen. Das wollen wir in der zweiten Session des Blogger Camps am 30. Januar von 19,30 bis 20,00 Uhr debattieren. Thema: Über die AGB-Diktatoren des Netzes.

Wer an der Gesprächsrunde, die live ins Netz via Hangout On Air übertragen wird, mitmachen möchte, sollte sich bei mir melden.

Ich setze also die Akzente etwas anders als Thomas Knüwer:

Instagram und die traurige Realität des Journalismus.

Über die Facebook-Instagram-Google-Ignoranz im Umgang mit Nutzern: Digitale Kometen können auch verglühen

Aufregung über die AGB-Diktatoren des Netzes

Ein Aufschrei geht wieder durch das Social Web und Kerstin hat sich zu den geänderten Nutzungsbedingungen des Fotodienstes Instragram in ihrem Blog einige Gedanken gemacht:
Man vergisst ihn immer wieder, den Spruch, der letztlich für alle Social Networks gilt:

“Wenn du für etwas bezahlst, ist es die Ware. Wenn du dafür nichts bezahlst, bist du die Ware.”

Mit irgendetwas würden wir immer bezahlen.

„Wenn nicht mit Geld, dann eben mit etwas anderem. Mit Aufmerksamkeit. Mit Weiterempfehlungen. Oder eben mit unseren Daten. Selten bis nie bieten Wirtschaftsunternehmen ihre Ware oder ihre Dienstleistungen aus reinem Altruismus kostenfrei an. Wir müssen uns also überlegen, ob wir zu den Konditionen mitmachen oder nicht. Und wenn wir mitmachen, müssen wir halt die Kröte schlucken und uns auf den Deal einlassen. Oder eben nicht. Man kann ja protestieren. Aber ob es etwas nützt.“

Der Deal gehe ja nicht in eine Richtung:

„Wir handeln ja ebenfalls nicht altruistisch. Es ist ja nicht so, als ob wir Facebook oder Instagram unsere Daten oder Bilder ’spenden‘ würden, ohne selbst davon etwas zu haben. Wir profitieren von der Möglichkeit, uns dort auszutauschen und zu präsentieren. Wir bekommen, wenn wir professionell im Web unterwegs sind, hochwertige Links, Aufmerksamkeit, letztlich Werbung. Wir bekommen Speicherplatz, ein Forum, ein virtuelles Wohnzimmer, öffentlichen Plakatplatz. Der Deal ist also klar. Er gefällt uns nur nicht immer. Und immer, wenn wir daran erinnert werden, dass uns hier ein kommerzielles Unternehmen ein Angebot bereitstellt, schreien wir auf.“

Soweit der kleine Auszug aus dem Blogposting von Kerstin. Es ist ein Deal, sicherlich. Ein Social-Deal. Und ich verlange von den Tech-Giganten Google, Facebook und Co. die gleiche Behandlung, die ich in meinem eigenen Verhalten beim Geben und Nehmen an den Tag lege.

Es völlig in Ordnung, wenn mir personalisierte Werbung eingeblendet wird. Es ist nicht weiter problematisch, wenn meine Daten, die ich freiwillig zur Verfügung gestellt habe, für Analysen, Prognosen und Verfeinerungen von Diensten eingesetzt werden. Es ist nicht zu beanstanden, wenn sich die Netzanbieter nach neuen Geschäftsmodellen, Sponsoring-Angboten und neuen Erlösmodellen umschauen. Aber es ist einfach eine Unverschämtheit, gravierende Änderungen der Nutzungsbedingungen wie eine geheime Kommandosache durchzudrücken. Ich bin nicht das Klickvieh von Facebook, Google und Co. Und wenn es nicht um eine indirekte Vermarktung meiner Daten geht, sondern direkt Umsätze generiert werden sollen, verlange ich nach Partizipation. Fotos zu verkaufen, ohne die Nutzer zu informieren oder an den Umsätzen zu beteiligen, ist dreist.

Warum räumen die Netz-Giganten nicht generell eine Opt out-Funktion ein (Opt in-Modelle, die der Datenschutz-Deichgraf in Kiel verlangt, sind nicht praktikabel). Wenn ich einer Sache widerspreche, muss das vom Anbieter respektiert werden und nicht mit Löschung oder Ignoranz bestraft werden. Auch der Spruch, „Du kannst ja Deinen Account kündigen“, ist keine Alternative. Vielleicht bin ich ja mittlerweile beruflich und privat auf diese Dienste angewiesen. Friss oder stirb – so kann man mit den Nutzern nicht umgehen. Besser wäre es, Abweichungen vom Standardprogramm einzuräumen. Das wäre sogar klug, denn der Anbieter begegnet mir auf Augenhöhe und respektiert mich.

Freunde der amerikanischen Internet-Imperien, Eure Ignoranz wird sich irgendwann rächen, wenn die Nutzer mit den Füßen abstimmen und Konkurrenten auf den Markt kommen, die diesen Mist nicht praktizieren und vielleicht sogar leistungsfähiger sind. Es sind schon einige Kometen am digitalen Himmel verglüht. Nichts ist für die Ewigkeit.

Auch wenn wir morgen wieder zur Tagesordnung übergehen und uns wieder abregen, ich speichere diese Unverschämtheiten und revanchiere mich zu gegebener Zeit.

Wäre ein schönes Thema für das nächste Blogger Camp am Mittwoch, den 30. Januar 2013. Werde mir noch einen schönen Titel ausdenken. Wie wäre es mit „Über die AGB-Diktatoren des Netzes“?

Wer mitmachen möchte in der Hangout On Air-Runde, sollte sich frühzeitig bei mir melden.

Siehe auch:

Die AGB-Dikatur.

Über Menschenrechte in der digitalen Öffentlichkeit und freiheitsbeschränkende AGBs #rp12

Instagram nimmt sich das Recht zum Verkauf aller Nutzerfotos.

Instagram will Fotos der Nutzer verkaufen – ohne zu fragen.

Ob nun die Änderungen der Nutzungsbedingungen bei Instagram nun halb so wild sind oder nicht, ich bleibe bei meiner Haltung, zumindest eine Möglichkeit zur Reaktion zu bekommen, ohne meinen Account komplett löschen zu müssen.

Repression verdünnen und mehr Anarchie wagen: Auch in Unternehmen!

Repression verdünnen, das Leitmotto des Ich-sag-mal-Blogs, täte auch den Organisationen in Wirtschaft und Politik gut. Etwas mehr Anarchie wagen, liebwerteste Gichtlinge der Befehl-und-Gehorsam-Fraktion. Hübsch beschrieben übrigens in dem Buch „TRIAL AND ERROR“ von Tim Harford. Die deutsche Übersetzung ist gerade im Rowohlt-Verlag erschienen. Auf Seite 347 ff. schildert er die Wirkung von so genannten Shunk-Works-Abteilungen. Bei Lockheed ist das schon in den 50er Jahren praktiziert worden. Die beteiligten Ingenieure arbeiteten in einem Zirkuszelt, spielten einander Streiche, kamen zwanglos gekleidet zur Arbeit und waren nicht in die reaktionäre Unternehmenskultur eingebunden.

Sie genossen Narrenfreiheit und entwickelten Dinge, die nichts mit dem Kerngeschäft des Konzerns zu tun hatten. Die üblichen Hahnenkämpfe bei der Verteidigung von Macht und Positionen fanden in diesem Team nicht statt. Üblich ist ja eher Vermeidungsverhalten und Unterdrückung von Innovationen. Sie könnten ja den eigenen Arbeitsplatz in Frage stellen. Ähnlich verhält es sich bei der Einführung von Social Media-Technologien für interne und externe Abläufe in Organisationen.Wikis, Blogs und Feeds könnten traditionelle Instrumente der Kommunikation in großen Unternehmen ablösen. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung bieten Social Media-Technologien auch für Firmen nützliche Effekte, internes Wissen besser zu erfassen, zu speichern und mit anderen zu teilen. Soweit die Theorie. So schreibt die SZ-Autorin Christiane Siemann:

„Die Umstellung auf Enterprise 2.0-Strukturen ist für manche Beschäftigte und Führungskräfte schwierig. So sind selbst Mitarbeiter, die privat in jeder freien Sekunde twittern, chatten und bloggen, oft unsicher, ob und wie sie im betriebsinternen Kontext agieren sollen. Ihre Zweifel: Ist meine Meinung überhaupt gefragt? Ärgert sich mein Chef über Anregungen oder Kritik? Wie reagieren die Kollegen?“

Am Ende geht es um Macht und es geht um die Furcht, Herrschaftswissen zu verlieren. Viele Führungskräfte laden nach wie vor negativen Druck auf ihre Mitarbeiter ab.

„Sie regieren mit Bestrafung und erhobenem Zeigefinger. Das ist immer noch der Alltag in Unternehmen“, kritisiert Professor Lutz Becker von der Karlshochschule im Gespräch mit dem Fachdienst Service Insiders.

Man verspielt dabei Innovationspotenzial, wie Bernd Stahl vom bloggenden Quartett anmerkt: Das sehe man beim Open Innovation-Prinzip.

„Von der Weisheit der Vielen kann man nur in einer Kultur der Beteiligung profitieren. Wer sich verschließt, erzielt keine Netzwerk-Effekte und verringert die Wahrscheinlichkeit, auf wertvolles Wissen zu stoßen“, resümiert Systemingenieur Stahl von Nash Technologies.

Abteilungsegoismen und die Konservierung von alten Machtstrukturen seien kontraproduktiv für die Wettbewerbsfähigkeit. Nachzulesen in meiner heutigen Kolumne für Service Insiders: Sind wir nicht alle unheimlich social? Unternehmensalltag mit Bestrafung und erhobenem Zeigefinger.

In dem Brief an Steve (Ballmer) hat sich ja in der vergangenen Woche mein Alter Ego Rabelais mit dem merkwürdigen Moralwächter-Amt von Microsoft beschäftigt: „Zwischen Porno und Rotkäppchen“ nennt sich das Machwerk und ich gehe nicht davon aus, eine Reaktion der Softwarebubis in Redmond zu bekommen. Daher werde ich morgen noch einmal nachlegen mit einem Stück über die „AGB-Diktatur: Plädoyer für politische Netzneutralität“.Die Aufregung in netzpolitischen Debatten ist regelmäßig groß, wenn irgendein Netzanbieter beim Datentransfer gegen die Grundsätze der Netzneutralität verstößt.

Aber wie steht es um die politische Netzneutralität bei Diensten, ohne die ein Netzleben gar nicht möglich ist? Auf der Festplatte meines Laptops kann ich Daten speichern, wie es mir passt. Praktiziere ich das in den Computerwolken von Google, Microsoft oder Facebook, kann es Ärger mit den Netzwächtern dieser Konzerne geben. Meistens sind es sogar Maschinen, die mein Treiben auf Schritt und Tritt registrieren. Wer hier moralisch über die Strenge schlägt oder vermeintlich kriminelle Handlungen praktiziert, wird teilweise ohne Vorwarnung rausgefeuert und verliert seinen Account. Die maschinelle Kontrolle der Massen kennt keine individuelle Vorwarnung, das wäre viel zu teuer.

Das ist nicht anderes als maschinengesteuerte Paternalismus der zu politisch fragwürdigen Netzsperren führt. Die Regeln setzen bigotte Konzerne nach Gutherrenmanier. Solange Wettbewerb herrscht, relativiert sich die Moralkeule, die in den unlesbaren Geschäftsbedingungen eingemeißelt wird. Ich kann ja mit den Füßen abstimmen und den Anbieter wechseln. Was aber passiert, wenn auch das nicht mehr möglich ist? Den Versuch einer Antwort kann man am Mittwoch im Debattenmagazin „The European“ nachlesen.

Wohin das führen kann, ist der heise-Meldung zu entnehmen: #nbcfail: Twitter sperrt Journalisten-Account nach Kritik an NBC.

Den Fall habe ich in meiner Kolumne aus zeitlichen Gründen nicht aufgenommen. Aber er passt zu meinen Thesen wie die berühmte Faust aufs Auge. Um den selbstherrlichen Web-Monopolisten das Wasser abzugraben, hilft nur Wettbewerb. Deshalb ist die SPON-Story so interessant: Mozilla plant Alternative zu Google und Facebook.

Siehe dazu auch den Beitrag von Unternehmensberater und Blogger Matthias Schwenk.

Lesenswert ist übrigens auch der Beitrag: Lasst uns in Ruhe! Wir wollen so leben wie WIR sind!

So, jetzt werde ich erst einmal unter die Dusche springen nach höchst anstrengenden Bergetappen am Mittagskogel in Kärnten. Den Wettkampf mit meiner Bergkönigin, die mit einem E-Bike antrat, habe ich haushoch verloren. Was die E-Bikes mittlerweile können, hat ein FAZ-Redakteur sehr eindrucksvoll beschrieben: Selbstversuch am Mont Ventoux: Der Tag der Rache.